Sonntag, 18. Februar 2018

Irritationen:Gedenke, daß Du Staub bist

Jedes Jahr Aschermittwoch: Memento homo, quia pulvis es, et in pulverim reverteris.
(Bedenk, o Mensch:Staub bist du und kehrst zurück zum Staub- das Futur II wird hier nicht übersetzt: du wirst zum Staube zurückgekehrt sein werden). Das vollständige Römische Meßbuch, lateinisch und deutsch, Beuron, 1962. 
So vertraut diese Aschermittwochsproklamation auch ist, so problematisch ist sie leider auch. Im Jahre 1950 konnte noch im Gebets- und Gesangbuch des Erzbistumes München und Freising als Grundwahrheit des Glaubens gelesen werden: "Ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis wird das endgültige Geschick der unsterlichen Seele sein." (S.15) 
Evoziert dagegen in unserer materialistisch denkenden Zeit die Erinnerung an unser Sterbenmüssen nur die Maxime: Carpe diem!, weil dir nicht unbegrenzt viele Lebenstage zur Verfügung stehen?  Wird klar, daß wir nur Staub sind infolge unserer Erbsündigkeit, daß das eben nicht die Natur des Menschen ist, sondern nur seine depravierte? In der vorkonziliaren Liturgie hieß es noch: "nun,da wir erkennen,daß wir Staub sind und zur Strafe für unsre Bosheit zum Staub zurückkehren werden," (S.121).Auch der postlapsarische Mensch hört nicht auf, eine unsterbliche Seele eingebunden in einen Körper zu sein, sodaß er nie zu Staub werden kann, das kann nur sein irdischer Körper. 
Angesichts eines Verstorbenen frägt der Gläubige: "Wo mag jetzt seine Seele sein? Und: "Was kann ich zum Heile für sie unternehmen?" Die bloße Reflexion auf unsere Endlichkeit, naturalisiert als etwas zum Leben Dazugehöriges führt dagegen bestenfalls zu einem bewußteren Leben, da uns Endlichen nur eine limitierte Lebenszeit zur freien Gestaltung zur Verfügung steht.
Die Erinnerung an unsere Endlichkeit evoziert dann noch die Anfrage: Lohnt sich für mich, für uns Menschen dies zum Sterbenmüssen verurteilte Leben. Ludger Lütkehaus versucht ja in seinem Opus: "Nichts"  das metaphysische Urteil, sein ist besser als nichtsein, aus den Angeln zu heben. Im Hintergrund steht selbstredend Epikurs Todesverständnis, daß es meinen Tod, den ich fürchte, gar nicht geben kann, er nie zu einem mich betreffenden Ereignis und Zustand werden kann, denn, wenn ich bin, ist nicht der Tod und wenn der Tod ist, bin ich nicht. Der Tod ist eben die reine Nichtung meines Iches. Die Ökonomisierung des Lebens, die Lütkehaus schon bei A. Schopenhauer anfangend sieht, beurteilt das menschliche Leben ja wie ein Geschäft. Schreibt es schwarze Zahlen, dann lohnt es sich, schreibt es nur noch rote Zahlen und wenn keine Besserung mehr zu erwarten ist, lohnt es sich nicht- also schließt man es. Das ist dann die schwarze Null, die Nichtmehrexistenz, das Freisein von allem Negativen, aber auch von allem Positiven: das Todsein. Der Tod ist so wie eine Geschäftsaufgabe bei roten Zahlen, wenn der Freitod gewählt wird. 
Evoziert so das Eingedenken des Sterbenmüssens nicht gerade die Option des Freitodes für den, dem sein endliches Leben als nicht mehr lohnenswert erscheint? Ganz anders sieht es aus, wenn die möglichen Folgen des gewählten Freitodes bedacht werden, wenn unsere Seele unsterblich ist.
Naturalisiert so dies, gedenke, daß Du Staub bist! nicht gerade den Tod als zum Leben Dazugehöriges und verleitet es nicht dazu, den Tod auch als freiwilllige Lebensaufgabe in Erwägung zu ziehen um der schwarzen Null willen?         

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