Mittwoch, 20. März 2019

Die unerträgliche Leichtigkeit des Lebens Zum Nihilismus

"Die ewige Wiederkehr ist ein geheimnisvoller Gedanke, und Nietzsche hat damit manchen Philosophen in Verlegenheit gebracht:alles wird sich irgendwann so wiederholen, wie man es schon einmal erlebt hat, und auch diese Wiederholung wird sich unendlich wiederholen! Was besagt dieser widersinnige Mythos?
Der Mythos von der ewigen Wiederkehr sagt uns in der Negation, daß das ein für allemal entschwindende und niemals wiederkehrende Leben einem Schatten gleicht, daß es ohne Gewicht ist und tot von vornherein; wie grauenvoll, schön oder herrlich es auch immer gewesen sein mag-dieses Grauen, diese Schönheit, diese Herrlichkeit bedeuten nichts."
So eröffnet Milan Kundera seinen Roman: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.Was besagt denn dann Nietzsches Mythos von der ewigen Wiederkehr positiv? Es stellt einen Versuch Nietzsches dar, den heraufkommenden Nihilismus zu überwinden, indem nun dem Leben wieder Gewicht verliehen werden soll: Lebe so, daß Du, so wie Du jetzt lebst, immer wieder leben möchtest. Jede Entscheidung, so oder so zu leben, erhält so eine ewige Bedeutung, weil das Gewählte immer wieder, ewig dann zu leben ist. Die Kraft dieses Mythos ist aber nur zu verstehen vor dem nihilistischen Hintergrund der Vorstellung eines gleichgültigen bedeutungslosen Lebens, wie es hier Kundera skizziert. Genau das hatte Nietzsche vor Augen, als er mit diesem Mythos die unerträgliche Leichtigkeit des Lebens überwinden wollte.
In der christlichen Religion bekommt das endliche Leben so viel Gewicht, weil das endliche, wie es gelebt wird, darüber entscheidet, wie das ewige für den Menschen ausfallen wird, ob er ewig leben  oder ewig die Hölle erleiden wird. So gewichtet die Perspektive des ewigen Lebens, weil es auch die Alternative der ewigen Hölle gibt, das endliche Leben. 
Was passiert aber, wenn die Perspektive der Hölle entfällt? Dann wird das endliche Leben vergleichgültigt, weil nun im Sinne des wirksamsten Kirchenlehrers des  20. Jahrhundertes, Willy Millowitsch wir alle zwar kleine Sünderlein doch alle in den Himmel kommen werden. Es ist so gleichgültig, wie das endliche Leben geführt wird, da wir immer in den Himmel kommen werden.Gewicht kann das endliche Leben nur bekommen, wenn von den Entscheidungen im endlichen Leben das Wie des nichtendlichen Lebens nach dem Tode abhängig ist. Das hat Nietzsche erfaßt, aber der christlichen Religion schon zu sehr entfremdet, als daß er zu ihr angesichts des aufkommenden Nihilismus zurückkehren konnte, konzipierte er den Mythos von der ewigen Wiederkehr, daß eben der Wert des endlichen Lebens nur durch eine Vorstellung von Ewigkeit gerettet  werden kann- in bewußter Auseinandersetzung mit Schopenhauers Verneinungslehre des Wertes des Lebens.

Kann das Leben aber auch zu schwer werden? In dem Roman:"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" heißt es am Schluß: "Teresa, Berufung ist Blödsinn.Ich habe keine Berufung.Niemand hat eine Berufung.Und es ist eine ungeheure Erleichterung festzustellen,daß man frei ist und keine Berufung hat." Wer keine Berufung hat, der hat für sich selbst etwas zu erwählen,aber er wählt dann nur noch für sich einen "Job" (darum haben wir auch heutzutage nur noch "Jobcenter"),denn den Beruf erwählt niemand für sich- dazu fühlt der Berufene sich berufen. Das setzt ein Berufenwordensein voraus, ist also eine heteronome Bestimmung. Die gibt der Berufung ihr Gewicht: Dazu bin ich berufen worden; an dieser Berufung, Bestimmung kann ich scheitern, aber es ist auch mein Lebensglück, sie zu erfüllen. Vor dieser Schwere des Lebens, dieser Gewichtigkeit möchte am Schluß der Protagonist des Romanes fliehen: Ist ihm die Leichtigkeit des Seins doch lieber als die Schwere eines Lebens, in dem es ein Berufensein gibt und so gelingendes und auch mißlingendes Leben?                

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