Montag, 15. Juni 2026

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche

 

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche


Frägt man nach dem Kern der reformatorischen Umformung des christlichen Gottesdienstes, dann ist das die Zentrierung auf die Predigt und die Herabstufung der Eucharistie zu einem heiligen Essen, dem Abendmahl als einer kontingenten Ergänzung des Gottesdienstes, das lutherisch ein Mal im Monat, reformiert vier bis sechs Mal im Jahr gefeiert wird.

Die Evangelischen durften keine Priester mehr sein, da das Abendmahl kein Opfer mehr sein durfte, sondern sie hatten das Berufskleid des Lehrers anzuziehen. Die Predigt war und ist das, was im heutigen pädagogischen Diskurs als das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes bezeichnet wird. Das dürfte in der Zeit der Reformation das Format des Unterrichtens gewesen sein und war es auch eine lange Zeit hindurch. Die zeitgenössische Pädagogik steht diesem Format aber ablehnend gegenüber: Die Schüler lernten nur, wenn sie selbst aktiv im Unterricht sein können.

Einer der größten Feinde für einen gelingenden Unterricht ist nun die Neigung der Schüler, sich ablenken zu lassen, daß sie vielerlei interessanter finden als den Lernstoff. Wie soll den sich ein Gottesdienstbesucher auf die Predigt konzentrieren, wenn er in einer wunderschönen Barockkirche sitzt? Das Ohr mag wohl auf die Predigt hören wollen, aber die Augen sehen Bilder, sehen Goldschmuck und Blumen,,,und die Nase richt Weihrauch. Eine Barockkirche ist eben etwas so die Sinne Ansprechendes, daß das Hören beeinträchtigt wird.

So ist aus diesen lernpädagogischen Gründen die Idealkirche eine, die wie ein universitärer Hörsaal gestaltet ist: Nichts die Sinne Ansprechendes soll vom Hören ablenken. Selbst ein Priestergewand würde da zu einem Problem.

Die Reformierten verboten und verbieten so im Kirchenraum jedes Bild und rühmen ihre völlig schmucklosen Kirchen. Alles Ästhetische beeinträchtigt die rein pädagogische Ausrichtung des Gottesdienstes in seiner Kaprizierung auf die Predigt.

Unverkennbar ist das Bemühen der nachkonziliaren Liturgiereform, dem protestantischen Gottesdienstverständnis sich anzugleichen. Die ästhetische Qualität der „Alten Messe“ wird so dem Konzept der Verpädagogisierung geopfert. Die Priestergewänder werden immer schlichter, die Innenraumgestaltung verzichtet auf alles Dekorative, die Sinne Ansprechendes und oft auch auf Bilder und Skulpturen. Die gepredigte Unterweisung soll eben den kultischen Charakter des Gottesdienstes ersetzen. Da nun das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes nun pädägogisch bezweifelt wird, gilt es, viele irgendwie um den Altar herum auftreten zu lassen, irgendetwas tuen zu lassen, da so diese nun Aktivierten besser so etwas lernen als wenn sie nur passive Zuhörer wären.

Aber ist das Wesen des Gottesdienstes das der Vermittelung theologischer Inhalte an die Schülergemeinde? Ist der Kult eine pädagoische Veranstaltung?

Aufklärungszeiten mit ihrer Pädagogik sind keine guten Zeiten für die Ästhetik. 

Samstag, 13. Juni 2026

Aus Dialogen mit evangelischen Christen

 

In Göttingen studierte ich einst ev.Theologie. Da führte ich mehrmals dies Gespräch zum Thema: Darf ich als Christ zu Maria beten, sie um eine Fürbitte bitten: Ora pro nobis?
Ich frug: Wenn ich nächste Woche mich einer schweren Operation unterziehen müßte, dürfte ich dannDich bitten: "Bete für mich"? Alle sagten: "Ja", nur die, die meinten, Gott könne keine Gebete erhören,verneinten das.
Weiter frug ich: "Dürfte ich denn nicht nur Jesus Christus um Hilfe bitten?" Die meisten respondierten:"Wenn es erlaubt ist, für einen anderen zu beten, dann muß es auch erlaubt sein, einen anderen um eine Fürbitte zu bitten!""Warum darf ich dann Maria nicht bitten,für mich zu bitten?" Viele konnten darauf nichts mehr antworten.
Die Anderen: Maria sei tot, und darum könne sie keine Fürbitte mehr leisten. Dann wäre die Bitte nicht unerlaubt, sondern nur nicht von der Gottesmutter erfüllbar. 
Jetzt muß also erörtert werden, ob ein Verstorbener noch eine Fürbitte erbringen könne. Oder, was heißt es, tot zu sein. Der 1.Petrusbrief gibt uns darüber eine klare Auskunft, indem er über den gekreuzigten und dann begrabenen Jesus aussagt: 3,19f: Er stieg hinab in das Reich der Toten und predigte ihnen das Evangelium,um ihnen eine Möglichkeit zur Rettung zu geben. Die Toten konnten also hören und das Evangelium annehmen und der tote Jesus konnte predigen! Die Erklärung:Im Tod trennt sich die Seele
vom Körper und existiert nach ihr weiter, biblisch wie hellenistisch in der "Unterwelt",erlöst im Himmel.
Also kann Maria als Verstorbene und im Himmel seiende für uns beten.
Das anhaltende Gebet des Gerechten vermag viel. Jakobusbrief 4,16. Wer ist aber gerecht vor Gott, wennnicht die Mutter Gottes, die uns den Erlöser zur Welt brachte! Wie durch Evas Ja zum Versucher die Sünde in die Welt kam, so kam durch Marias Ja zu Gott das Heil in die Welt. Wenn Jesus ein Gebet erhören möchte,dann wohl das seiner Mutter oder?
 
Jesus verhieß dem reuigen Sünder, dem Mitgekreuzigten: "Heute wirst Du ins Paradies kommen!", aber Protestanten meinen, auch nach 2000 Jahren warte er im Todesschlaf auf die Erfüllung dieser Verheißung. 

Ein denkwürdiges Gespräch – oder vergessene Wahrheiten über den Tod

 

Ein denkwürdiges Gespräch – oder vergessene Wahrheiten über den Tod



Eine ältere Frau, auf einem Rollator gestützt stand in der Blumenabteilung eines Kaufhauses, künstliche Blumen in der Hand haltend, ratlos auf sie schauend. „Da haben Sie aber sehr schöne ausgewählt!“, sagte ich zu ihr. Es waren wirklich sehr schön ausschauende. Sie: „Darf ich die denn auf das Grab meines Mannes stellen?“ „Ach“,klagte sie, „das Gehen fällt mir so schwer und dann noch der lange Weg auf dem Friedhof zu dem Grabe meines Mannes!“ Nach einer Pause: „Aber kann ich das meinem Mann zumuten, daß ich nun statt echter künstliche Blumen ihm hinstelle?“

Diese Frage gilt es nun zu begreifen. Oft sagen wir mehr als wir intendieren und uns bewußt ist. Wer bedenkt schon, daß die Äußerung: „Morgen“ eine Abkürzung von „Guter Morgen“ ist und meint: „Ich wünsche Dir einen guten Morgen!“ Begriffen wäre diese Wunschäußerung aber erst, wenn gewußt würde: Ist das eine säkularisierte Version des ursprünglichen: „Ich bitte Gott, daß er Dir einen guten Morgen schenkt!, oder manifestiert sich darin ein magisches Wunschverständnis, daß durch die Wunschäußerung der gute Morgen beschworen, also erwirkt würde?

Welche Voraussetzungen impliziert diese Frage der Frau: „Kann ich das meinem verstorbenen Manne zumuten?“ Hierbei soll nun das Ausgesagte ernst genommen werden und nicht psychologistisch entkernt werden: Hier melde sich nur ihr Übberich, daß sie nicht gegen die Norm, man legt auf Gräber keine künstlichen Blumen, verstoßen dürfe. Es geht in dieser Aussage objektiv nicht um eine Norm, sondern um die Frage, ob das für ihren Mann akzeptabel sei. Das impliziert, daß erstens der Verstorbene noch wahrnimmt, daß Blumen auf sein Grab gelegt werden und daß zweitens es ihm nicht gleichgültig ist, welche seine Frau auf sein Grab legt und daß drittens das Folgen zeitigen könnte für das jetzige oder spätere Verhalten des Mannes zu seiner Frau, später,wenn sie selbst verstorben wieder bei ihm sein wird. Denn es ist der Ehefrau nicht gleichgültig, daß es ihrem Manne nicht gleichgültig ist, ob sie künstliche oder echte Blumen auf sein Grab legt.

Das sagt über die Vorstellung, was bedeutet es für den Verstorbenen, tot zu sein, viel aus. Dies Wissen um den Verstorbenen ist in der Frage: „Kann ich das meinem verstorbenen Manne zumuten?“ implizit enthalten. Die heutige Beerdigungskultur lebt immer noch aus diesem Wissen, aber es könnte wahr sein, was Slavoj Zizek so formuliert, daß die Kultur das ist, was wir tuen und nicht mehr glauben. Nur, konnte diese Frau diese Frage noch so stellen, wenn sie das so nicht mehr glauben würde?

Freitag, 12. Juni 2026

Eine problematische Tendenz im Katholischen Katechismus in der Causa des Gemeinwohles

 

Eine problematische Tendenz im Katholischen Katechismus in der Causa des Gemeinwohles


In dem „Leserbrief zu Adrian Loretans Beitrag: „Der demokratische Rechtsstaat“ 1 steht geschrieben: „Wenn Loretan darauf hinweist, dass antike Philosophen wie Platon und Aristoteles „in ihrer Staatslehre die Gemeinschaft vor dem Individuum“ betonen, muss man ergänzen, dass dem nicht nur die Kirchenväter, sondern in beachtlichen Teilen auch die neuzeitlichen Scholastiker gefolgt sind. Vertreter wie Luis de Molina SJ (1535–1600) oder Francisco Suárez SJ (1548–1617) forderten zwar eine iusta causa zur Einschränkung subjektiver Rechte. Doch ebenso wie Thomas von Aquin betrachteten sie dieses Kriterium bei Gemeinwohlgründen regelmäßig als erfüllt.“

Daß dem Gemeinwohl der Vorrang vor den Privatinteressen der Bürger zuzuschreiben ist, ist eben nicht nur eine gute philosophische Tradition von Platon bis Hegel sondern wurde so auch von der Theologie gelehrt. Es müssen für eine Einschränkung der Privatrechte des Bürgers zwar gerechte Gründe gegeben sein also darf es keine willkürlichen Einschränkungen geben2, aber die liberale Kritik sieht darin eine Gefährdung der Rechte des Privatbürgers,des Bourgeois,der nur ein Staatsbürger sein will, ein Citoyen, um seine Privatinteressen durchzusetzen.

In den Nummern 1905 bis 1912 äußert sich nun der Katechismus zu dieser Causa. 1905: „Der gesellschaftlichen Natur des Menschen entsprechend steht das Wohl eines jedes in Verbindung mit dem Gemeinwohl.Dies läßt sich nur von der menschlichen Person her bestimmen.“ Damit ist nun aber eine Tendenz präfiguriert, daß letztendlich das Gemeinwohl nur um des Wohles des Indivduumes willen ist. In Nr. 1912 heißt es dann auch: „Das Gemeinwohl ist stets auf den Fortschritt der Personen ausgerichtet,> denn die Ordnung der Dinge ist der Ordnung der Personen zu unterwerfen und nicht umgekehrt<(GS 26,3).“

Die den Personen übergeordneten Entitäten, die der Familie, des Volkes, des Staates kommen hier der Tendenz nach als Dingordnungen zu stehen,denen eine Tendenz zur Überordnung über die Personen innewohnen zu scheint. Die vulgäre Version ist die Klagelitanei über die Einschränkungen der Freiheit des Bourgeois durch ein Zuviel an bureaukratischen Reglementierungen. (Damit sind aus wirtschaftsliberaler Sicht immer auch die Gesetze zum Mieterschutz, zum Arbeitsrecht, isb zum Kündigungsrecht usw gemeint.)

Abstrakter formuliert: Der Mitmensch ist der Person immer nur ein Mittel zur Verwirklichung seiner Privatinteressen und die Gemeinschaft nur gut organisiert, wenn sie letztendlich immer den Privatinteressen dient.

Die Tendenz, das Privatinteresse dem Allgemeinwohl zu subordinieren, ja das Streben nach dem Gemeinwohl nur als ein Mittel zur Förderung des Bourgeois anzusehen, ist leider nicht überlesbar. Diese Tendenz widerspricht nun aber nicht nur der philoophischen Tradition von Platon bis Hegel sondern ebenso der kirchlichen Tradition, wie es der „feinschwarz“ Artikel aufzeigt.

Anthropologisch gesehen ist der Mensch nicht zuerst eine Privatperson, die sich dann sekundär vergeselligt, zu Gemeinschaften zusammenschließt, sondern er ist a priori ein in bestimmte Gemeinschaften eingeschriebenes Glied.Sein individuelles Leben hat er aus diesem ihm vorgeordneten Gemeinschaftsleben. So kann ich hier nur individuelle Sätze schreiben, meine, weil die deutsche Sprache als ein komplexes Regelsystem mir erst ein persönliches Schreiben ermöglicht. So geht ja auch der Glaube der Kirche meinem privat individuierend angeeigneten persönlichen Glauben voraus.

Hier zeigt sich, wie sehr die Kirche die Ideologie des Liberalismus inhalliert ht,




1Internetseite „feinschwarz“, 11.6,2026. Kontrovers wird hier diskutiert, wie am effizientesten die Grundlagen des demokratischen Rechtsstaates gegen rechte Kritik zu verteidigen ist., aktuell die Herrschaft der demokratischen Blockparteien.

2Gesetz den Fall, ein Staat bildet auf seine Kosten Mediziner aus zur Installation eines eigenen Gesundheitssystemes, und die Ausgebildeten verließen dann, sehr viele die Heimat, weil sie im Ausland viel mehr Geld verdienen können als es in der Heimat möglich und vom Staate ermöglichbar ist, dann muß der Staat um des Gemeinwohles willen ein Auswandern der Mediziner verbieten dürfen, auch wenn das eine beachtliche Einschränkung der Freiheit ist.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Ist der jetzig gültige Katechismus in allen Punkten von einem gläubigen Katholiken zu bejahen?

 

Ist der jetzig gültige Katechismus in allen Punkten von einem gläubigen Katholiken zu bejahen?


Man könnte sich diese Causa ja einfach so vorstellen: Ein gläubiger Katholik bejaht alles in dem Katechismus Ausgesagte,aber es ereignet sich nun gerade mitten in der Kirche ein großer Abfall von dem Glauben, indem die einen erklären, daß sie das Recht hätten, alle Katechismuslehren für sich zu reprobieren, wenn ihr Gewissen dazu: „Nein!“ sage oder indem die Anderen erklären, mancherlei sei vorgestrich und so für einen zeitgenössischen Katholiken nicht mehr akzeptabel. Die conservative Reaktion darauf müsse lauten, daß der Katechismus der Kirche gänzlich zu bejahen sei.


Der Katechismus behandelt nun in den Nummern 1786 bis 1794 das Thema des Gewissens: „Nach dem Gewissen entscheiden“ 1786 bis 1789 und „Das irrende Gewissen“ 1790 bis 1794.

In Nr 1789 steht geschrieben: „Es ist nie erlaubt, Böses zu tun, damit etwas Gutes hervorgeht.“ Nicht wird damit ausgesagt, daß aus einen Böses Tuen nicht etwas Gutes hervorgehen könnte, sondern daß das unerlaubt sei.Diese Aussage beansprucht eine Allgemeingültigkeit, das heißt, daß sie für alle denkbaren Fälle gültig sei. Gesetz den Fall, in einem islamisch regierten Land soll ein Christ zu Tode verurteilt werden, weil er den Propheten Mohammed gelästert habe. Ein Christ könnte nun diesen Angeklagten vor der Hinrichtung bewahren, aber nur, wenn er vor dem Gericht einen Meineid schwörte.

Schwörte er diesen Meineid, würde er sündigen, also etwas Böses tuen. Schwörte er nicht, ließe er es zu, daß ein Unschuldiger zu Tode verurteilt wird, obschon er ihn hätte retten können. Einen Unschuldigen vor der Todesstrafe bewahren zu können, aber das nicht zu tuen, ist eine Sünde wider das Gebot der Nächstenliebe. Ist es erlaubt, etwas Böses zu tuen, wenn nur so etwas Böses verhindert werden kann, das größer ist als das Böse, was getan werden müßte, um das andere Böse zu verhindern?

Nähme man die Katechismusaussage ernst, müßte geurteilt werden, daß ein Sankafahrer, auch wenn er einen Schwerstverletzten in das Spital zu transportieren habe, alle Verkehrsregeln einzuhalten habe, auch die Höchstgeschwindigkeitsbegrenzungen, auch wenn dann deshalb der Schwerstverletzte auf dem Transportwege stirbt. Spätestens bei diesem Falle wird klar, daß es Fälle gibt, in dem ein Vergehen gegen eine Ordnung erlaubt sein kann, wenn nur so ein großer Schaden vermeidbar ist.

Max Weber unterscheidet so zwischen einer Gesinnungs- und einer Verantwortungsethik. Eine Gesinnungsethik verlangt das Tuen des Guten,unabhängig von den Folgen,ob daran die Welt zugrunde geht. Eine Verantwortungsethik dagegen kann Böses Tuen erlauben, wenn damit noch Böseres verhindert werden kann und das nur so verhindert werden kann. Eine Geesinnungsethik ist aber mit dem Gebot der Nächstenliebe nicht kompatibel!Der Aufklärungsphilosoph Kant radicalisiert die Gesinnunsethik so sehr, daß ein Ehemann die Frage: „Ist Ihre Frau im Keller, ich will sie umbringen!“ mit „Ja“ beantworten muß, da er nicht lügen darf, auch wenn dann seine Frau im Keller erschossen wird von ihrem Mörder! Kann gröber gegen das Gebot der Nächstenliebe verstoßen werden?


In Nr 1789 wird Röm 14,21 zitiert: „Es ist nicht gut...etwas zu tun, wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt.“ Gesetz den Fall, ein Katholik geht jeden Sonntag zur Messe und ein Katholik sagt zu ihm: „Das ist maßlos übertrieben, zumal Du so den Eindruck provoziert, ich müßte auch zur Messe gehen, ich mag aber nicht Sonntags dahingehen!“ Müßte jetzt der Katholik, um keinen Anstoß, kein Ärgernis dem Anderen zu bereiten, auf den Gottesdienst verzichten?


Am problematischten ist aber die Aussage unter der Überschrift: „Das irrende Gewissen“: „Dem sichernden Urteil seines Gewissens muß der Mensch stets Folge leisten. Würde er bewußt dagegen handeln, so verurteilte er sich selbst,“ (1790). Auch ein irrendes Gewissen kann sich gewiß sein, wahr zu urteilen. Gesetz den Fall, einem Vater bezeugt sein Gewissen, daß er Sex mit seiner 12 jährigen Tochter haben darf,obzwar das eine schwere Sünde ist, darf, ja muß er dann gar seinem Gewissen folgen, wenn das ihm sagt: „Gewiß darfst Du das“?

Wie viele Mißbräuchstäter in der Kirche werden wohl vor sich ihre Untaten so gerechtfertigt haben!

Ich erachte die Lehre vom Gehorchen dem irrenden Gewissen gegenüber für eine der schlimmsten Fehlleistungen der kirchlichen Morallehre.


Mittwoch, 10. Juni 2026

„Die Stunde der Laien“, eine simple Verschwörungstheorie und das „eherne Gesetz der Oligarchie“

 

Die Stunde der Laien“, eine simple Verschwörungstheorie und das „eherne Gesetz der Oligarchie“

Das Buch: „Die Stunde der Laien“, ein 1999 publizierter Sammelband zur Thematik der Stellung der Laien in der hierarisch strukturierten Kirche, vom „Pastoral-theologen“ ( die Marketingabteilung der Kirche) Karrer besticht durch seine simple den Buchartikeln zugrunde liegenden Verschwörungstheorie, daß der Klerus sich die Herrschaft in und über die Kirche angeeignet hätte und daß so die Laien entmündigt worden seien: Jetzt gälte es, daß die Laien unter der Führung der Pastoraltheologie sich die ihnen zustehende Macht zurückeroberten. (Ob dies eine Nachahmung der marxistisch- leninistischen Revolutionstheorie, wie die Arbeiterklasse unter der Führung der Kommunistischen Partei die klassenlose Gesellschaft erkämpfen würde als einer Repristination der herrschaftsfreien Ursprungsgesellschaft, darstellt, soll hier nicht erörtert werden.)

Der KI- über Google angefragt zum „Gesetz der Oligarchie“ gibt eine so treffende Darlegung, daß ich sie hier ausführlich zitieren möchte: Das eherne Gesetz der Oligarchie ist ein politikwissenschaftliches Modell, das besagt, dass sich jede komplexe Organisation – wie etwa eine politische Partei – mit der Zeit unweigerlich in eine von wenigen Führungspersonen (eine Oligarchie) beherrschte Struktur verwandelt. Es wurde 1911 von dem Soziologen Robert Michels geprägt. 

Die wichtigsten Mechanismen dieses Gesetzes umfassen:

  • Notwendigkeit der Organisation: Um politische Ziele in einer modernen Massengesellschaft umzusetzen, ist eine straffe Organisation (Bürokratie, Arbeitsteilung) zwingend erforderlich. 

  • Fachwissen der Eliten: Durch die ständige Beschäftigung mit Parteiaufgaben eignen sich hauptamtliche Funktionäre und Führungskräfte spezielles Fachwissen an, das der ungeschulten Parteibasis fehlt. 

  • Entfremdung von der Basis: Die politische Führung entfernt sich zunehmend von den ursprünglichen Idealen und den Interessen der einfachen Mitglieder. Ihr Hauptziel wird oft der eigene Machterhalt und die Stabilität des Apparats. 

Passivität der Masse: Die Mehrheit der Parteimitglieder ist meist nicht stark genug engagiert oder verfügt nicht über die nötigen Mittel, um die Macht der Führung effektiv zu kontrollieren.“



Da die Verschwörungstheorie ausgiebig einer sozialwissenschaftlichen und herrschaftskritischen Terminologie bedient, könnte es doch erlaubt sein, diese soziologische Theorie Michels anzuführen mit der Verdachtsthese, daß aus einer soziologischen Perspektive gesehen die Hierarchisierung der Kirche ein Sonderfall des ehernen Gesetzes der Oligarchiesierung ist.

Die Gesellschaft differenziert sich in diverse Subsysteme aus, die sich selbst wieder in sich ausdifferenzieren. Das Medizinsystem differenziert sich etwa in Spitäler und Arztpraxen aus, in Allgemeinärzte und Fachärzte, in unterschiedlich ausgebildetes Fachpersonal usw. Wer nun als nicht zu diesem Subsystem Dazugehörende, also Laie dies System sinnvoll nutzen möchte, bedarf einer Laienkompetenz, daß er etwa bei einem Zahnweh nicht zu einem Allgemeinmediziner geht sondern zu einem Zahnarzt. Alles Weitere überläßt er dann dem Zahnarzt.

In einer modernen Gesellschaft ist nun die Differenz zwischen dem Gesamtwissen der Gesellschaft und dem Wissen des Einzelnen unüberbrückbar groß: Niemand kann sich das vorhandene Gesamtwissen auch nur annähernd aneignen. Das heißt: Jeder nimmt fast überall die Rolle eines Laien den jeweiligen Subsystemen gegenüber ein. Das gilt nun auch in den Subsystemen: Ein auf das Mietrecht spezialisierter Rechtsanwalt wird sich kaum im Scheidungsrecht auskennen.

Aber all das soll nun für die Kirche nicht gelten, hier wären alle Experten und Laien gäbe es nur als entmündigte und bevormundete Christen. Lenin schreibt in seinem bekannten Werk: „Staat und Revolution“, daß in der kommunistischen Gesellschaft das Regieren so einfach werden wird, daß jeder regieren könne. Die Komplexität der Subsysteme verbietet eine solche Utopie.

Die Theologie ist nun als die Reflexion des Glaubens selbst ein komplexes Subsystem innerhalb des Systemes der Kirche, demgegenüber die Gläubigen Laien sind. Sie können so nur über eine Laienkompetenz verfügen. Auch durch den Empfang des Tauf- und des Firmsakramentes wird ein Christ nicht ein Glaubensexperte. Wie im Subsystem des Rechtes nicht jeder Laie ein Juraexperte sein kann und nicht sein muß, um dies System für sich nutzen zu können,so gilt das auch für das System der Kirche.Institutionen dienen auch der Entlastung des Einzelnen. (Gehlen)



Dienstag, 9. Juni 2026

„Die kfd fordert, dass Schwangerschaftsabbrüche auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein müssen.“

 

Die kfd fordert, dass Schwangerschaftsabbrüche auch in katholischen Krankenhäusern möglich sein müssen.“


So lautet die Zentralforderung der „Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“ in ihrem offiziellem Positionspapier: „Zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung.Positionen und Perspektiven der kfd zu § 218 Stgb“.

Diese Überschrift zeigt schon unverkennbar die Tendenz des Papieres an, indem unter dem Begriff des Selbstbestimmungsrechtes das Recht, über das Leben- oder Nichtlebendürfen eines anderen Menschen, in diesem Falle des Kindes im Mutterleibe entschieden werden dürfte, subsumiert wird.

Die Frau habe das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie ihr Kind töten lassen möchte oder nicht. Die kfd respektiere dann die freie Entscheidung der Mútter. Das Beratungsgespräch in Konfliktfällen sei so ergebnisoffen zu führen: Das heißt, daß die Berater nicht die Schwangere dazu motivieren sollen, das Kind zu behalten.


So heißt es dann: „Es braucht klare politische und institutionelle Rahmenbedingungen, um die ärztliche Versorgung beim Schwangerschaftsabbruch flächendeckend sicherzustellen und Diskriminierung sowie Stigmatisierung im Gesundheitswesen abzubauen. Ebenso wichtig ist die Zusicherung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei Schwangerschaftsabbrüchen. Der Respekt vor der individuellen Gewissensentscheidung von Ärzt*innen, ob sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen oder nicht, ist zu wahren. Der Zugang zu medizinisch notwendigen Eingriffen muss jedoch gewährleistet werden.“

Die Politik habe also dafür zu sorgen, daß Frauen in räumlich für sie zumutbaren Entfernungen Ärzte vorfinden,die die gewünschten Kindestötungen vornehmen. Auch deswegen seien Katholische Spitäler zur Durchführung der Kindestötungen zu verpflichten!


Es wird zwar auch die Position der Befürworter des jetzigen Paragraphen 218 wiedergegeben, der immerhin schon die Tötung von circa 100.000 Kinder pro Jahr faktisch erlaubt, in 10 Jahren also 1 Million Kindertötungen, aber das Wohlwollen gilt der Kritik: „Auf der anderen Seite stehen Argumente gegen den Verbleib des § 218 StGB..Kritiker*innen sehen in der Strafbarkeit eine erhebliche Belastung für Frauen,die sich ohnehin in einer Notlage befinden. Selbst wenn Abbrüche unter bestimmten Bedingungen straffrei blieben, bestünde die Kriminalisierung. Zudem stelle sich die Frage, ob eine solche Regelung mit dem Recht auf Selbstbestimmung und der Achtung der Würde der Frau vereinbar sei.“

Das ist selbstredend ein rein rhetorisch gemeinte Frage: Es gehöre zum Selbstbestimmungsrecht und zu ihrer Würde, ihr Kind im Mutterleibe töten lassen zu dürfen! Ein Recht des Kindes auf sein Leben existiert eben aus feministischer Sicht nicht.

Daß diese Position nicht mit der Lehre der Kirche vereinbar ist, interessiert den kfd nicht,denn sie vernutzt hier einfach die Lehre vom Gewissen, daß es jedem Katholiken erlaubt sei, statt der Morallehre der Kirche seinem Gewissen zu folgen: „dass ein Mensch auch dann seinem Gewissen folgen muss, wenn dieses im Einzelfall im Spannungsverhältnis zu kirchlichen Vorgaben steht.“

Dabei kann sich dies Papier leider auf einen der verhängnisvollsten Irrtümer des Katholischen Katechismus berufen: Unter dem Titel: „Das irrende Gewissen“ heißt es in der Nummer 1790: „Dem sicheren Urteil eines Gewissens muß der Mensch stets Folge leisten.Würde er bewußt dagegen handeln, so verurteilte er sich selbst.“ Darauf kann sich nun jede Abtreibungswillige berufen, denn sie ist sich ja ihres Gewissensurteiles sicher.


Aber die eigentliche Intention dieses Elaborates wird erst in der Kampfansage gegen die Lebensschutzbewegung deutlich: „Wachsam beobachtet die kfd auch die sogenannten Lebensschützer*innen, die mit Kundgebungen wie dem „Marsch für das Leben“/„1.000 Kreuze“ seit Jahren laut und aggressiv für sich beanspruchen, „jedes Leben (zu) schützen“.

Weiter heißt es: „In vielen Ländern, auch in Deutschland, werden durch radikal rechte Kräfte und religiöse Fundamentalist*innen sexuelle und reproduktive Rechte in Frage gestellt und angegriffen.“ Das heißt unverschnörkelt: Hier wird nicht das Frauenrecht auf eine Kindestötung im Mutterleibe anerkannt.


Über rechtsextreme und religiöse Fundamentalist*innen, Vereine und Aktionsgruppen der sogenannten Lebensschutzbewegung (Pro-Life-Bewegung) nutzen sie die aktuelle/jede Auseinandersetzung, um gesellschaftliche Freiheit und die Rechte von Frauen und marginalisierten Gruppen einzuschränken. Solche Aktivitäten sogenannter Lebensschützer*innen haben in den letzten Jahren zugenommen. Dabei geht es den verantwortlichen Organisator*innen immer auch um einen umfassenden Kulturkampf gegen geschlechter-politische Liberalisierung. Sie vertreten eine rigide Sexualmoral und lehnen sich gegen das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung auf. Ihre Anhänger*innen stammen vorwiegend aus konservativen bis (extrem) rechten, christlichen Teilen der Gesellschaft mit ideologischer Nähe zu radikalen extrem Rechten.“


Das heißt im Klartext, daß jeder, der die Lehre der Kirche vertritt und nicht für das Recht auf Abtreibung sich einsetzt, nicht die LBTQ- Ideologie vertritt, für die kfd völlig inakzeptabel ist. Nicht nur rechte, schon conservative Katholiken werden hier also aufs ärgste diffamiert, ja jeder der die Lehre der Kirche bejaht.

In der „Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“ ist so alles Katholische in den Sturmfluten des Feminismus untergegangen.Eine Kirche, die eine solche Organisation unter sich duldet, braucht wahrhaftig keine Feinde mehr! 

Corollarium

Erschreckend ist es, mit welcher Selbstverständlichkeit hier unter dem Selbstbestimmunsgsrecht der Frau das Recht, ihr Kind im Mutterleibe zu töten, verstanden wird. Dürfte dann etwa unter dem Selbstbestimmungsrecht eines Volkes das Recht subsumiert werden, eine ethnische Minderheit im eigenen Staate auszulöschen?



Montag, 8. Juni 2026

Sterben wir aus? Papst Leo XIV zur demographischen Fehlentwickelung in Europa und was Papst Pius XI dazu zu sagen hat

 

 Sterben wir aus? Papst Leo XIV zur demographischen Fehlentwickelung in Europa und was Papst Pius XI dazu zu sagen hat

 

 Der "KI", über Google angefragt erteilte am 8.6.2026 diese Auskunft: "Papst Leo XIV. warnte bei einer Audienz für Mitglieder des Europäischen Parlaments vor den gravierenden Folgen der demografischen Krise in Europa. Er bezeichnete die schrumpfende Bevölkerung und Überal-terung als „drastische Unfruchtbarkeit“ und forderte eine neue Allianz für die Familie, um den demografischen Wandel umzukehren."  Insbesondere kritisierte er die Diskriminierung der Mutterschaft. 

Papst Pius äußerte sich nun in seiner Enzyklika " Quadragesimo anno", zur Soziallehre der Kirche:  "Zunächst einmal ist dem Arbeiter ein Lohn zu gewähren,der für seinen Unterhalt und den seiner Familie ausreicht," Dann heißt es da: "Die Familienmütter sollen ihre Arbeit in erster  Linie zu Hause oder in der Umgebung des Hauses verrichten,indem sie für den Haushalt sorgen.Übelster und mit ganzem Bemühen zu beseitigender Mißbrauch aber ist es,daß die Familienmütter gezwungen werden,wegen der Dürftigkeit der Entlohnung des Vaters außerhalb der häuslichen Wände einen Erwerbsberuf auszuüben und dabei ihre besonderen Aufgaben und Pflichten und vor allem die Erziehung der Kinder zu vernachlässigen."  1

Im ersten Paulusbrief an Timotheus 2,15 wird der Ordo salutis der Frau, grundlegend für die Familienlehre Pius XI, so skizziert: „Die Frau wird aber gerettet werden dadurch, daß sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Hoffnung.“ Aus dem Kontext, daß die Frau nicht in der Kirche lehren solle (2,12) ergibt sich, daß sie statt in der Kirche als die Mutter ihrer Kinder die im christlichen Glauben erziehen solle.

Diese drei Texte sind als zusammengehörende zu lesen: Dort, wo die Aufgabe der Frau, ihre Bestimmung zur Mutterschaft verkannt wird und wo sie primär wie der Mann als eine Wirtschaftsfunktion angesehen wird, daß auch sie eine Erwerbstätigkeit ausüben muß, da der Lohn des Ehemannes nicht ausreicht, da kann das Familienleben nicht gedeihen. Die demographische Katastrophe, daß Jahr für Jahr mehr Menschen in Deutschland sterben als geboren werden, ist die Folge dieser Verkennungen.

Die feministische Ideologie mit ihrer Forderung, die Frau von der Mutterschaft zu e-mann-zipieren, ist aber nun nicht der einzige Grund dieser Fehlentwickelelung. Der Kapitalismus duldet es eben nicht, daß die Frau ihre Berufung im Familienleben findet, denn sie soll wie der Mann eine für den Arbeitsmarkt frei verfügbare Arbeitskraft sein. Ein Familienleben über nur ein Gehalt zu finanzieren, das hieße, zu hohe Lohnkosten auf sich zu nehmen!Aber der Kapitalismus bringt auch die ideologische Verklärung der Erwerbstätigkeit mit sich: Aus der Notwendigkeit, dem Zwang zur Arbeit wird das "Recht" auf Arbeit, die Verpflichtung, für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

In letzter Zeit getätigte Umfragen bestätigen dies: Kinder gelten für viele Bürger als nicht mehr finanzierbar, selbst wenn beide Eltern arbeiten gehen!

 

Zusatz:


Das Urgestein des Feminismus, Simone de Beauvoir bringt diese Erkenntnis auf den Punkt: „Keine Frau sollte berechtigt sein, zu Hause zu bleiben und ihre Kinder zu erziehen. Die Gesellschaft sollte anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, gerade weil, wenn es eine solche Wahl gibt, zu viele Frauen diese Wahl treffen werden.“ Zitiert nach dem „Tagespostartikel": „Männer sind anders“ vom 8.3.2025.





1Denzinger/Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lrhrentscheidungen 40.Auflage 2005, Nr.3735.

Sonntag, 7. Juni 2026

Ein Epoche machende Ratschlag eines avantgardistischen Theologen:Ohne Gott und ohne die Bibel!

 

Ein Epoche machende Ratschlag eines avantgardistischen Theologen:Ohne Gott und ohne die Bibel!



Die revolutionäre Parole: „Allein die (hl)Schrift“, auf sie allein sei zu hören war stets eine zweiseitige: Worauf zu hören und worauf nicht zu hören sei.Die Reformation inszenierte sich so einerseits biblizistisch durch das „Allein auf sie“ und traditions- und kirchenkritisch andererseits. Aber Luther setzte nun schon die Axt an wider die alleinige Autorität der hl.Schrift durch seine „Erkenntnis“ der Nichtschriftgemäßheit des Jakobusbriefes!

Soll und kann es für den Menschen außer sich selbst wirklich eine Autorität geben, auf die er zu hören habe? Kath de berichtet: „Lieber auf rationale Argumente setzen. Theologe beklagt >Bibelmissbrauch< in ethischen Debatten.“1

Könnte man diese Aussage noch so verstehen, als wenn hier zwischen einem Gebrauch und einem Mißbrauch der Bibel im ethischen Diskurs unterschieden würde,sodaß nun eine Kriteriologie des Unterscheidens zwischen Ge- und Mißbrauch zu erwarten ist, so klärt uns der evangelische Theologe so auf: „Bibelfeste Christen versuchen oft, ihre Position mit einem passenden Zitat aus der Heiligen Schrift zu untermauern. Für den Mainzer Theologen Michael Roth steht fest: Gerade in ethischen Debatten hat die Bibel nichts zu suchen.“ Ein ironischer Unterton bei der Qualifizierung als bibelfest ist unüberhörbar, polemisch wird das Hören auf die hl.Schrift verzeichnet durch den Vorwurf des Untermauerns: Unabhängig vom Zeugnis der Schrift generierte Erkenntnisse im Raume der Ethik würden nachträglich noch durch Bibelzitate legitimiert.

Aber die Bibel habe in dem ethischen Diskurs „nichts zu suchen“! Das heißt, um es im klaren Deutsch zu formulieren: Gottes Gebote sind für die Ethik nicht nur gleichgültig sondern sind aus der Ethik zu exkommunizieren.

Der Mainzer Theologie-Professor Michael Roth rät Christinnen und Christen dringend davon ab, sich in ethischen Debatten auf die Bibel zu berufen. "In der Ethik sollten wir mit rationalen Argumenten überzeugen, nicht mit Verweis auf die Bibel oder Glaubensinhalte", sagte er dem Evangelischen Pressedienst“. Auch die Glaubensinhalte, nicht nur im Besonderen die Gebote Gottes dürfen keine Rolle mehr in der Ethik spielen, nicht mal als Ersatzspieler. Allein rationale Argumente zählten in der Ethik.

Aus dem reformatorischen: „Allein die Schrift“ wird hier also: „Ganz ohne die Schrift“! Als eine Selbstverständlichkeit wird hier die Bibel und die Glaubensgehalte der christlichen Religion als widervernünftig dysqualifiziert, um dann ein „Allein die Vernunft“ zu proklamieren. „Der Glaube könne das Fundament dafür bilden, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Er könne aber keine vernünftigen Gründe für eine ethische Position ersetzen.“- denn der Glaube ist eben widervernünftig.

Daß der Soziologe Max Weber schon herausgearbeitet hat,daß die Wissenschaft von dem was ist keine normativen Aussagen hervorbringen kann,und daß der Philosoph Horkheimer in seiner Kritik der instrumentellen Vernunft dem zustimmte, überliest dieser Ratiogläubige geflissentlich:Hauptsache, die christliche Religion und deren Theologie hält sich aus dem ethischen Diskurs heraus. Denn was könnte schon Gottes Wille mit dem, was wir zu wollen haben, zu tuen haben. Eine gottlose Ethik kann allein eine vernünftige sein!

Aber warum publiziert diese Stellungnahme zur Ethik Kath de- etwa ob einer kryptischen Zustimmung zu einer gottlosen Ethik? 

Zusatz:

Von dem einen Extrem: "allein die Schrift" in das andere: "ganz ohne sie"- es fehlt die maßvolle Mitte!



1Kath de, 6.6.2026.

Samstag, 6. Juni 2026

Ein Bischof auf Abwegen: „Lassen Sie uns die Religion abschaffen, lassen Sie uns Gott abschaffen, lassen Sie uns den Himmel abschaffen.“

 

Ein Bischof auf Abwegen: „Lassen Sie uns die Religion abschaffen, lassen Sie uns Gott abschaffen, lassen Sie uns den Himmel abschaffen.“


Kath net offenbart uns, auf was für Irrwegen ein von Papst Franziskus inthronisierter Bischof wandeln kann, nämlich Bischof Staglianò, der Präsident der Päpstlichen Akademie für Theologie. Selbstbewußt erklärt dieser Bischof: „Schließlich sei er ein Bischof und darüber hinaus Präsident der Päpstlichen Akademie für Theologie. Folglich könne er kein häretischer Bischof sein.“1

Der Skandal: Dieser Bischof erklärt das atheistische Lied John Lennons:“Imagine“ für das ‚schönstes Lied der Welt‘.2 In diesem Lied heißt es nun: „Lassen Sie uns die Religion abschaffen, lassen Sie uns Gott abschaffen, lassen Sie uns den Himmel abschaffen.“ Weiter heißt es dann: „Der Präsident der Päpstlichen Akademie für Theologie, Bischof Antonio Staglianò, hat in einem Video auf Instagram John Lennons Lied >Imagine< zu einem „universellen Friedenslied“ erklärt und festgestellt, er stimme dessen zentraler Botschaft weitgehend zu.“

So eigentümlich verdeutet nun dieser Bischof dieses atheistische Kampflied:

Er wolle keine Religion, keinen Himmel und keinen Gott, für die er töten oder sterben müsse, sagte Bischof Staglianò, Präsident der Päpstlichen Akademie für Theologie. Dies habe bereits Jesus Christus verkündet, behauptet er.“

Aber es kommt noch ärger: „Der Bischof behauptete zudem, Jesus habe vor dem Hohenpriester Kaiaphas klargestellt, dass Gott („mein Abba“) nicht für gewalttätige Handlungen im Alten Testament verantwortlich sei – etwa den Tod der Erstgeborenen Ägyptens oder die Befehle an Saul. Stattdessen sei Gott >immer und nur Liebe<.“

Hier lustwandelt ein Bischof in den Spuren einer der gefährlichsten Häresien, die je die Kirche bedroht hat und immer noch virulent ist, die marcionitische, daß der Gott Jesu nicht vereinbar sei mit dem des Alten Testamentes, der Gott Abrahams, Mose etc. Der Erlösergott sei nicht identisch mit dem „Gott“,der die Welt erschuf.Dieser kryptomarcionitische Bischof nun lehrt, daß Jesus sich von zentralen Aussagen des Alten Testamentes über Gott distanziert hätte! Jesu Gott sei eben ganz anders als vieles, was das Alte Testament über ihn aussage.

Dabei versteift er sich auf die Aussage, daß Gott „immer und nur Liebe“ sei! Hierbei verwendet er den schon von dem Reformator Luther angewandten Falschspielertrick, in die Aussage, Gott sei die Liebe, ein „nur“ hineinzuschummeln wie sein Vorbild Luther in das Gerecht- aus-Glauben ein „nur“ hineinschummelte, als lehrte Paulus, daß wir allein nur aus dem Glauben gerechtfertigt werden würden.

Wie dieser Bischof auf die Idee kommen konnte, daß Jesus in seinem Dialog mit dem Hohepriester Kaiaphas sich von diesen Aussagen der Bibel distanziert habe: dass Gott („mein Abba“) nicht für gewalttätige Handlungen im Alten Testament verantwortlich sei „etwa den Tod der Erstgeborenen Ägyptens oder die Befehle an Saul“, dazu müßte wohl der „Geist der Lüge“ befragt werden. So heißt es ja in dem von Marcion so verhaßten Alten Testament: „So hat also, siehe,der Herr in den Mund aller seiner Propheten,die hier sind,einen Geist der Lüge gegeben (spiritum mendacii)“.1.Könige 22,23. Die Bibelkunde ist offenkundig nicht eine Stärke dieses Bischofes, sonst hätte er doch die Vertilgung der ganzen Menschheit durch die Sintflut erwähnen müssen, in der Gott bis auf acht Menschen alle anderen tötete. Der Apostelfürst Paulus predigte gar über die Wohltaten Gottes seinem Volke gegenüber , Apg 13,13-52, : „Und Gott vernichtete sieben Völker in dem Lande Kanaan und gab ihnen deren Land zum Erbe“.(V 19).

Nur was mir gefällt, ist wahr“, so lautet das Credo dieses Bischofes. Damit schafft er nun wirklich die christliche Religion ab, indem er sie in ein Wunschunterhaltungsprogramm transsubstantioniert.

Das Herz dieses Bischofes schlägt eben für einen Atheismus, nicht den plumpen des John Lennon, sondern für einen,der den wahren Gott durch einen von ihm erphantasierten ersetzt. Dieser Surrogatsgott ist aber ein Götze und nicht der Gott Jesu Christi! So wird wirklich die christliche Religion abgeschafft.

Zusatz:

Bezöge sich Nietzsches Dictum:"Wir haben Gott getötet" auf den von Moralisten erphantasierten Gott, dann hat die Bibel diesen Gott schon getötet. 





1Kath net, 6.6.2026:Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘

2Alle folgenden Zitate a, a. O.

Freitag, 5. Juni 2026

Kardinal Woelkis Verwirrungen über die Rede von der Menschenwürde

 

Kardinal Woelkis Verwirrungen über die Rede von der Menschenwürde



Der „Tatort“ ist die Kardinalspredigt vom 25.Dezember 2024 im Kölner Dom, die das „Fels“-Magazin auszugsweise unter der Überschrift: „Nur mit Gott kann die Würde des Menschen gesichert werden“ dokumentierte.1

Kraftvoll wird der Papst Leo, der Große aus einer seiner Weih-nachtspredigten wie folgt zitiert: „Christ, erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden, kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht unter deiner Würde. Denk an das Haupt und den Leib,dem du als Glied angehörst!2 Bedenke,dass du der Macht der Finsternis entrissen und in das Licht und das Reich Gottes aufgenommen bist.“3

In der Kardinalspredigt wird diesem Zitat nun hinzugefügt: „Ja,Mensch, erkenne deine Würde!“4 Das, was von dem Christen gilt, daß er der „Finsternis entrissen“,in „das Reich Gottes aufgenommen“ sei, das seine Würde konstituiert, soll nun plötzlich von jedem Menschen gelten.Dann wird in der Predigt gleich darauf gar ganz humanistisch universalistisch proklamiert: „Erkenne die Würde aller deiner Mitmenschen!“ Offenkundig interessierte diesen Prediger an der Äußerung des Papstes nur der Begriff der Menschenwürde, um ihn dann humanistisch zu verwenden. Die christologische Begründung überliest er dabei geflissentlich und die Aufforderung,nicht zum alten adamitischen Lebensstil zurückzukehren, ergibt nun überhaupt keinen Sinn mehr, gilt die doch den Getauften, nun gemäß ihrem neuen Sein in Christo zu leben.

Was hat nun aber das Weihnachtsevangelium mit der Proklamation der allgemeinen Menschenwürde zu tuen, die ihren ideengeschichtlichen Ort in der Französischen Revolution hat, von dem Freimaurertum initiiert? Wenn theologisch von einer allgemeinen Menschenwürde die Rede sein kann,dann gehört diese Rede in die Schöpfungslehre, daß Gott den Menschen erschaffen hat, woraus eine allgemeine Menschenwürde deduzierbar ist.Das hat dann aber nichts mit dem Weihnachtsevangelium zu tuen!

Was versteht der Kardinal nun konkreter unter dem Abstraktum der Menschenwürde, die im politischen Raume doch nur in Sonntagsreden zitiert wird, und die ihre eifrigsten Verfechter, die Jakobiner nicht davon abhielt, die Feinde der Revolution massenhaft zu enthaupten?

Kein Mensch hat das Recht,menschlichem Leben ein Ende zu setzen.“5 Hätte der Kardinal, bevor er diese Predigt hielt,in den Katechismus der Kirche getätigt,hätte er erkannt, daß diese Aussage unwahr ist, denn das Töten von Menschen in einem gerechten Kriege erlaubt wie auch das Töten in einer Notwehrlage, wenn anders der Angegriffene sein Leben nicht erhalten kann.Zudem bejaht die hl.Schrift und das Lehramt die Todesstrafe,nur Papst Franziskus rebellierte dagegen.

Aber es kommt noch ärger: „Vergessen wir, liebe Schwestern,liebe Brüder,auch nicht die vielen Millionen, die aufgrund ungerechter Verhältnissen ihre Heimat verlassen müssen, die unter Krieg,Terror und Folter, die unter den Folgen von Flucht und Armut zu leiden haben.“6 Hier schmeißt nun die Kardinalspredigt alles und jedes durcheinander: Es gibt, Gründe, die eine Gewährung eines Asyles in Deutschland erlauben, wer vor der Gefahr des Gefoltertwerdens, eines Krieges oder des Terrors flieht.Armut und ein Erleiden von Ungerechtigkeit sind in der Regel keine Gründe zur Gewährung eines Asyles. Es gehört nicht zur Würde des Menschen, daß jeder, wem es in seiner Heimat nicht gefällt,in jedes andere Land auswandern dürfe um dann dort ein Recht auf eine Vollbeköstigung einfordern zu können. Völlig vergißt der Kardinal dabei, daß eine Flucht eben immer auch ein Verstoß des Flüchtenden gegen seine Pflichten der eigenen Heimat gegenüber darstellt und so schon allein nur eine ultima ratio sein darf.

Daß Kardinal Woelki dabei die katholische Lehre von der „Ordnung der Liebe“ mißachtet und statt der Nächstenliebe die Fernstenliebe predigt,die, wenn sie so praktiziert würde, wie es ihm vorschwebt, unser Gemeinwesen zerstören würde und uns Deutschen unser Recht auf unsere Heimat vernichten würde, ist offenkundig. Aber die Selbstliebe ist ja der Fernstenliebe eine Sünde!

Aber was hat nun Weihnachten mit dieser hier propagierten humanitaristischen Menschenliebe gemein? Eine größere Nähe zu der Ideologie des Freimurertumes als zur christlichen Religion scheint hier vorzufinden sein! Papst Leo der Große sprach von der Würde des Christen, die er durch das Sakrament der Taufe erlangt nicht mehr verlieren solle durch seine mögliche Abkehr von der christlichen Religion

 

 

Die Transformation der christlichen Religion in einen Humanitarismus  mit ein paar theologischen Ausschmückungen ist aber charakteristisch für unsere Zeit.


1Der Fels, 2/2025, S.35-37.

2A.a.O. S.37. Mit dem Haupt ist Jesus Christus gemeint, mit dem Leib seine Kirche.Durch die Taufe ist somit der Christ in die Kirche integriert worden und hat darin sein neues Leben.

3A.a.O.S.37.

4A.a.O.S.37.

5A.a.O.S.37.

6A.a.O. S.37.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Unerlaubte Meinungen zu unserer jüngeren Geschichte oder: Weniger Ansprüche stellen!

 

Unerlaubte Meinungen zu unserer jüngeren Geschichte oder: Weniger Ansprüche stellen!


Compact“ sollte verboten werden, aber die Bundesregierung scheiterte vor Gericht mit ihrem Verbotsanliegen. Frägt man sich nun, warum dieses Magazin samt ihrem Internetsauftritt verboten werden sollte, dann ist ein Grund wohl auch der, daß hier unter der Federführung von Herrn Jürgen Elsässer, einst aktiv im „Kommunistischen Bund“ und jetzt in den Medien als Rechtsextremist diffamiert, eine Querfront von Rechten und Linken gegen die liberale Mitte sich abzeichnet. Dazu gehört auch das Phänomen, daß die AfD in Ostdeutschland reüssiert,weil sie sich da nicht als eine Anti-DDR-Partei inszeniert,daß alles im Osten schlecht und im Westen alles besser war und ist.

Der in den Westmedien so vermaledeite AfD-Politiker Höcke sagte etwa in Cottbus am 19.September 2024: «Natürlich war die DDR eine Diktatur. Aber die Älteren von euch können sich daran erinnern: Es gab soziale Sicherheit, es gab Vertrauen, es gab Nachbarschaft, es gab Solidarität, gelebte Solidarität. Es gab innere Sicherheit. Die Zustände, die wir heute haben, wären in der DDR undenkbar gewesen. Es gab Bildung, und zwar gute Bildung, vor allen Dingen in den Naturwissenschaften.»1

Wäre dieser AfD- Politiker mit der Bibel vertraut, hätte er nun viele Bibelstellen des Murrens des aus der ägyptischen Sklaverei befreiten jüdischen Volkes zitieren können: Wie gut ging es unter bei den Fleischtöpfen Ägyptens einst im Vergleich zu unserer jetzigen Wüstenfreiheit.

Daß es in der DDR ein Mehr an sozialer Sicherheit aber auch einen besseren Schutz vor der Kriminalität gab, daß wird eine heute im freien Deutschland als extremistisch Meinungsäußerung verdammt,obzwar es tatsächlich sich so verhielt.

Ob die DDR eine Diktatur war, darüber ließe sich auch ernsthaft streiten.Es fehlt dazu eigentlich das Willkürmoment der SED- Herrschaft: Die Partei war so ideologisch determiniert durch ihren Marxismmus-Leninismus, daß ein willkürliches Regieren ausgeschlossen war. Denn diese Ideologie bestimmte ja die Wirklichkeitserfassung und die möglichen Handlungsoptionen. Willkürlich regieren könnte genau genommen nur eine an nichts glaubende nihilistische Regierung.

Elsässer ergänzte:«Die Leute denken mit einer gewissen Nostalgie an die DDR zurück, aber nicht an die SED. Man unterscheidet das Alltagsleben und die soziale Sicherheit von den unterdrückerischen Elementen, die vom Parteiapparat und von der Stasi ausgingen.»“2

Damit dürfte die so leicht als eine „DDR- Nostalgie“ diffamierte Rückerinnerung an die alten Zeiten gut erfaßt sein. Es ist nun leicht verständlich,daß die jetzige Regierung samt ihrer regierungskonformen Medien davon nichts hören wollen, wissen sie doch nur zu gut, daß es in Bälde den meisten Deutschen nur noch noch schlechter als jetzt schon gehen wird. Der deutsche Staatsbürger stelle eben zu hohe Ansprüche an den Staat, statt eigenverantwortlich für sich selbst zu sorgen. Biblisch ausgedrückt: Der gute Hirte, der Staat, will keine Hirte mehr sein, jeder habe für sich selbst zu sorgen.

Dann öffnete sich die Schleusen auf Youtube: Ungezählte Ostdeutsche meldeten sich zu Wort. Erinnerungen kamen zurück: An Mütter, die allein vier Kinder großzogen und nie ohne Arbeit waren. Unbeschwerte Sommer an der Ostsee. Dann kam die Treuhand, mit ihr das Sterben ganzer Landstriche. Gemeinschaften, die plötzlich verschwanden.“3

Das sind eben falsche Erinnerungen: Wehret den Anfängen, denn sonst werden AfD- Wähler noch sagen: Adolf Hitler habe auch gute Seiten gehabt, er habe doch 6 Millionen Arbeitslosen wieder Arbeit und Brot verschafft.Nein, die DDR war etwas nur Schlechtes, die DDR- Nostalgiker sind eben durch ihren einstigen Versorgungsstaat zu anspruchsvoll geworden, sie haben sich an das karge Essen der Freiheit in der Wüste zu gewöhnen!


1.Zusatz:

Für einen Christen muß aber ein ganz anderer Punkt eine Bestürzung hervorrufen: Wie konnte es dazu kommen, daß Ostdeutschland in 44 Jahren der SED- Herrschaft so entchristianisiert werden konnte! Die kommunistische Herrschaft Rußlands war weit aus weniger erfolgreich und jetzt blüht die Russisch- Orthodoxe Kirche wieder auf, während in Westeuropa die christliche Religion ausdörrt.


2.Zusatz


In Ostdeutschland durfte eine Frau Deutschlehrerin sein, obgleich ihr Ehemann ein evangelischer Pfarrer war, in Westdeutschland durfte ein Mann nicht ein Lehrer werden, weil seine frühere Frau eine Kommunistin gewesen war.


1Zitiert nach: Compact, 27.5.2026,DDR- Das sagen unsere Zuschauer.

2A.a.O.

3A.a.O.

Ein Nachtrag zu den tabuisierten Worten- was man nicht mehr sagen darf

 

Was man nicht mehr sagen darf:  

  Außerdem verwende der Landesverband Begriffe wie „Bevölkerungsaustausch“, „Umvolkung“ oder „Volkstod“. Diese seien gängige Begriffe „in der rechtsextremistischen Szene“ und ließen „auf eine rassistische Weltanschauung schließen“.

"Junge Freiheit" 1.6.2026:  "Verfassungsschutz Niedersachsen darf die AfD hochstufen" 

Die Wortwahl allein reicht aus, um ein Beobachtungsfall für den Verfassungsschutz zu werden. Nur daß diese Worte auch in rechtsextremistisch Kreisen verwendet wirdreicht aus. Dabei wird dann noch als selbstverständlich vorausgesetzt, daß ein Wort, weil es von Rechtsextremisten benutzt wird, keinerlei sachliche Berechtigung haben kann. Wenn also ein Rechtsextremist ausruft: "Es brennt!",dann brennt es nicht, da daß ja nur ein Rechter gesagt hat.  

Aber so wird man dem Phänomen der sprachpolitischen Regulierung noch nicht gerecht: In metaphysischen Zeiten meinte man, daß der Aussage: "Sie ist eine Putzfrau!" eine Realität entspräche, dieser Aussage entspräche. Nur eine Veränderung der Realität könnte dann auch eine Veränderung der sprachlichen Aussage erwirken. Denn die Realität ist etwas der Sprache Transzendentes- die Grundlage des metaphysischen Denkens. Nun wird einfach die Vokabel: "Putzfrau" substituiert durch die Vokabel: "Raumkosmetikerin" und schon existierte nun eine neue Realität, die des Raumkosmetikerinseins! Die Realität ist in der Sprache und nicht etwas außer ihr, als etwas Metasprachliches,Metaphysisches. So wird etwa die Abschaffung des Begriffes der Rasse gefordet in der Meinung, daß wenn dieser Begriff aus dem Vokabular gestrichen sei, es auch die damit benannte Realität nicht mehr gäbe, denn diese Realität existiere ja nur in der Sprache! 

So existieren nun nicht nur zwei Geschlechterdas weibliche (w) und das männliche (d) sondern auch noch diverse (d) andere. Jede Stellenausschreibung, auch kirchliche schreiben deswegen: (m,w,d), um niemanden unerlaubt als einen Bewerber auszugrenzen.So existiern durch diese sprachpolitische Regulierung diverse Geschlechter. Andererseits verschwinden bestimmte Realitäten. So gibt es keine Ausländer mehr, weil diese Vokabel ausgestrichen worden ist und somit auch keine Ausländerkriminalität. So gibt es auch keinen "Bevöl-kerungsumtausch" und keinen "Volkstod", weil diese Vokabeln als unerlaubte sanktioniert  werden durch die staatliche Sprachpolizei.  

Die Sprache konstituiert nämlich im postmetaphysischen Denken die Wirklichkeit, die keine Realität außerhalb der Sprache hätte. So gilt auch als "wahr",was demokratisch entschieden worden ist.

Zusatz

Gerüchteweise soll die Vokabel:"Vaterland" auch indiziert werden, da sie a) frauenfeindlich sei und b) nur noch von Rechten verwendet wird. 


  

 

 

Jesus engagierte sich für die Diskriminierten, Unterdrückten,Marginalisierten...Eine Kritik

 

Jesus engagierte sich für die Diskriminierten, Unterdrückten,Marginalisierten...Eine Kritik



So erfaßt es ein von „KI“ geschriebener Artikel, Abruf 1.6.2026:


Jesus Christus ist historisch und biblisch der Anwalt der Ausgegrenzten. Er solidarisierte sich mit Unterdrückten, Kranken und Armen, indem er gesellschaftliche Tabus brach und ihnen bedingungslose Würde zusprach. Seine Botschaft gilt bis heute als radikale Kraft, die sich gegen soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung wendet.“

Das ist nun wahrlich keine originelle Beschreibung des Wirkens Jesu,ja sie könnte wohl als die heutzutage populärste angesehen werden- nur ist es denn auch wahr?

Daß Jesus mit „Zöllnern“ und „Sündern“ Kontakte pflegte, bezeugen die Evangelien, aber sind das „Diskriminierte“ und „Unterdrückte“? Die Zöllner waren Kollaborateure, sie stellten sich in den Dienst der römischen Besatzungsmacht, die getreu der Maxime: „Spalte und herrsche!“ einige Juden privilegierte, ihnen einen Anteil an ihrer Macht gaben, sie erhoben für Rom den Zoll,sodaß sie dann unter den die Beherrschungsmacht ablehnenden Juden verhaßt waren. Daß die Zöllner in ihrer Mehrheit dabei in ihre eigene Tasche wirtschafteten, ist unwahrscheinlich.Für ihre moralische Verurteilung reichte es, daß sie mit Rom kollaboratierten. Zu Zeiten Jesu gärte es im jüdischen Volke, man wollte sich von dieser Fremdherrschaft befreien.

Auffallen muß nun, daß Jesus Christus sich nicht für dieses jüdische Befreiungsanliegen engagierte, ganz im Kontrast zum indischen Befreiungskämpfer Gandhi. Dabei wurde das jüdische Volk doch unterdrückt und wagte einen Volksaufstand gegen die römische Fremdherrschaft,ganz in der Tradition der Makkabäer! Auch von einem gewaltfreien Engagement in einer kritischen Distanz zur Militanz der jüdischen Befreiungsbewegungen seiner Zeit, etwa der Zeloten, ist im Lehren und Handeln Jesu keine Spur erkennbar! Jesus rief nicht einmal dazu auf, daß die Zöllner ihre Kollaboration einzustellen haben.

Aber er wandte sich doch den Sündern zu! Ja, aber er sagte doch nicht zu ihnen: „Ihr seid gar keine Sünder. Man diskriminiert Euch nur als solche!“Er lehrte nicht, daß alle Menschen von Gott Geliebte seien,sodaß es im Urteile Gottes gar keine Sünder gäbe.Sein Anliegen ist das der Rettung,der Erlösung der Sünder,nicht, daß er dazu aufrief, unrechtens Diskriminierte wieder in die Gesellschaft zu reintegrieren!

Wer sich noch an die Zeiten des Coronavirus erinnert, weiß noch gut, wie wichtig die Ausgrenzung Infizierter war,um Ansteckungen zu vermeiden.Darin unterscheidet sich die Ausgrenzungspraxis zu Zeiten Jesu gegenüber ansteckenden den Tod bringenden Krankheiten in nichts. Jesus ermöglichte nun aber eine Reintegration der so Infizierten durch ihre Heilung,nicht reintegrierte er sie als Erkrankte, sondern erst als Geheilte. Daß Jesus die Ausgrenzungspraxis seiner Zeit mißbilligte, dafür existiert kein Beleg.

Jesu Gleichnisrede vom Ausreißen des Auges, wenn es denn ganzen Körper zum Sündigen verleitet,spricht eher für seine Bejahung dieser Praxis, daß also Gemeindemitglieder aus der Kirche auszuschließen seien, wenn sie die ganze Kirche gefährden (Mt 5,29).

Daß von Daimonen Besessene eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellten, glaubte auch Jesus, sodaß er nicht für einen humanen Umgang mit ihnen plädierte,sondern sie heilte und dann erst reintegrierte, als sie so reintegrierbar geworden waren.

Jesus ging es nun in seiner Verkündigung des Reich Gottes um die Frage: „Was muß ich tuen, um das ewige Leben zu erlangen, von seiner Bergpredigt bis zu seiner großen Endzeitgerichtspredigt. Von einer „bedingungslosen Würde“ jedes Menschen weiß Jesus nichts, schon gar nicht lehrt er, daß jeder Mensch ob dieser so gearteten Würde in das Reich Gottes eingehen werden wird.




Sonntag, 31. Mai 2026

Opfer und Gebet - keine magische Praxis!

Opfer und Gebet - keine magische Praxis!  (ein Auszug aus meinem Buch:"Der zensierte Gott")


Nun könnte sich bei uns ein gefährliches Mißverständnis einschleichen: Wenn wir nur in rechter Weise opfern und beten, dann wird Gott uns erhören. Er wird dann umkehren und uns seine Gnade erweisen. Es gibt eine feste göttliche Ordnung: opfern und beten wir so, wie es der göttlichen Ordnung entspricht, dann wird uns Gott auch ganz gewiß erhören. Gott habe sich selbst seiner Ordnung untergeordnet, indem er uns zusagt: Immer, wenn ihr recht opfert und betet, dann werde ich euch erhören.


Vielleicht ist auch deshalb uns die Geschichte von König David und Batseba aufgeschrieben worden, damit wir lernen, das Beten von einer magischen Praxis zu unterscheiden. Ein magisches Opfer- und Gebetsverständnis wäre es nämlich, wenn wir meinten, daß wir Gott beherrschen könnten: Beten und opfern wir nur richtig, dann muß Gott tun, um was wir ihn bitten!


Der Ausgangspunkt ist der Augenblick des Sichverliebens. König David, auf dem Balkon stehend, sieht Batseba beim Baden. Sie war so schön anzusehen, daß er sich in sie verliebte. Der König zog Erkundigungen über diese Frau ein. Sie ist verheiratet mit dem Hetiter Urija. König David lud sie zu sich ein, sie schliefen miteinander, und Batseba wurde schwanger. Das sagte sie dem König. Ein Seitensprung mit Folgen. König David faßt nun einen einfachen Plan. Er läßt den Ehemann, der als Krieger dem König diente, aus einer Schlacht zu sich kommen, um sich die militärische Lage von ihm darlegen zu lassen. Der König hoffte nun, der Krieger würde, heimgekehrt, zu seiner Frau gehen, sodaß man ihm das uneheliche Kind als seines unterschieben könne. Aber demonstrativ ging der betrogene Ehemann nicht zu seiner Frau. Nun mußte es offenbar werden, daß das Kind nicht von ihm ist! Der Ehemann muß von dem Fehltritt seiner Frau gehört haben und ging so nicht in die königliche Falle. Ginge er ein zu seiner Frau, dann könnte ja er als der Vater gelten. Jetzt würde es offenbar werden, daß er, da er ob des Krieges schon so lange nicht mehr zu Hause war, nicht der Vater sein kann.Was nun, König David? König David läßt den Ehemann umbringen. Er befahl seinem Vertrauten: „Sorge dafür, daß dieser Ehemann in der nächsten Schlacht stirbt.“ Die Anweisung wird ausgeführt. Der Ehemann fällt in der Schlacht.Die Witwe trauert um ihren toten Mann. Als aber die Trauerzeit zu Ende war, nahm sich der König David sie zur Frau. Sie gebar ihm einen Sohn!


So weit diese dramatische Liebesgeschichte. Jetzt greift Gott ein: „Dem Herrn aber mißfiel, was David getan hatte.“ (2 Samuel 11,27). Gott will den König für diese Sünde bestrafen. David bekennt dem Propheten Gottes: „Ja, ich habe gesündigt und verdiene, bestraft zu werden.“ Der Prophet Natan verkündet David das Strafgericht Gottes: „Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm mißfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht der Herr: ich werde dafür sorgen, daß sich aus deinem eigenen Haus das Unheil wider dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem anderen geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. Ja du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun.“ (11,9-12)


Gottes Strafe wird hier durch das Prophetenwort verkündet. David hat das Wort des Herrn verachtet. Darum straft ihn Gott. Nahm er sich eine Frau, die schon verheiratet war zur Frau, so soll nun David durch Gott dadurch gestraft werden, daß ein Umstürzler ihm den Königsthron nehmen und dann ihm all seine Frauen für sich als seine Frauen nehmen wird.


Wie reagiert David? Er bekennt: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt.“ Man beachte: Nicht sagt er, er habe gegen Menschen gesündigt, gegen den Ehemann, den er töten ließ und gegen Batseba, die er zum Ehebruch verführte. Hat David denn nicht gegen diese beiden Menschen gesündigt? David denkt hier theozentrisch: Daß er gegen Gott gesündigt hat, das ist sein Vergehen. Darum wird Gott ihn strafen. Denn das Sündigen ist ein Angriff auf Gott. Er wird durch unser Sündigen verachtet. Und darum straft er um seinetwillen. David bekannte seine Sünde. „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“ wird man hier mithören dürfen.


Wie reagiert nun Gott angesichts dieses reuigen Sündenbekenntnises? Der Herr hat dir deine Sünden vergeben.“ Aber dann folgt: „Du wirst nicht sterben - aber dein Kind, dein Sohn!“ Sein Sohn, von Batseba zur Welt gebracht, das Kind dieses Ehebruches muß nun sterben. Die Begründung: „Weil du aber die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern veranlaßt hast, muß der Sohn, der dir geboren wird, sterben.“ Gott hat ihm seine Sünde verziehen. Und doch verlangt Gott noch eine Strafe. Die Untat Davids hatte Folgen. Für diese Folgen ist David verantwortlich. Dafür straft Gott David, indem er ihm seinen Sohn tötet. Eine sehr befremdliche Vorstellung: ein unschuldiges Kind töten, um David zu strafen. Und warum verzeiht Gott, wenn er doch noch eine Strafe wider David verhängt? Hier stoßen wir auf Fragen, die uns dieser Text nicht beantwortet. Hier zeigt sich uns aber aufs deutlichste, warum die Theologie nicht nur erzählend gestaltet werden kann und warum sie so ins systematisch-dogmatische Denken übergehen muß! Aber jetzt wollen wir bei dieser Szene stehen bleiben und dies in seiner Dunkelheit auch so stehen lassen.


Wie reagiert David? David kämpft um das Leben seines Kindes. Er fastet und betet. Gott, der Herr will ihm das Kind nehmen, es töten. Nur er kann es aber auch vom Tode retten. Streng fastete er. Er legte sich auf den nackten Boden, um so Gott anzuflehen: „Verschone mein Kind!“


Was bedeutet hier das Fasten? Natürlich kein Gesundfasten, keine Diät, kein bewußteres Leben, nicht, daß er nun, weil er nicht mit Essen und Trinken befaßt war, mehr Zeit für etwas Wichtigeres und Wesentlicheres hätte. All das, wie man heute so über das Fasten redet, hat mit dem religiösen Fasten nichts zu tun! David hat seinen Gott vor Augen. Gott will sein Kind strafen. Jetzt straft sich David selbst durch dies strenge Fasten. Er hofft, daß Gott urteilen wird: Um der Strafe willen, die David sich selbst auferlegt hat und an sich selbst vollzieht, verzichte ich auf meine Strafe. Die Strafe, die Gott über das Kind Davids verhängt hat, ist selbstredend viel größer als die Qualität der Strafe, die David sich selbst auferlegt. Es ist so ein Gnadenakt Gottes, wenn er diese im Vergleich zu dieser von ihm verfügten kleinen Strafe als Ersatz annimmt und so auf seine verzichtet. David will leiden, damit das Kind nicht leiden muß. Er fügt sich den Schmerz des Fastens zu, damit dem Kind der Schmerz des Sterbens erspart bleibt. Darum heißt es ja auch in Jesaja 58,5: Ist das ein Fasten wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht?“ Hier übersetzt die „Einheitsübersetzung“ aber leider nicht korrekt. Der hebräische Text liest hier: sich kasteit, sich ein Leid antun! Eine „Übersetzung“ im Geiste der Zensierung Gottes!


Im Hintergrund steht die Vorstellung, daß jede Sünde bestraft werden muß. Ein einfaches Bild mag uns diese uns befremdlich vorkommende Vorstellung näherbringen. Wenn ein Lastschiff beladen wird, muß es ausgewogen beladen werden. Würde nur auf der einen Seite das Schiff beladen, auf der anderen nicht, droht das Schiff zu kentern und unterzugehen. Es muß im physikalischen Sinne gleichgewichtig beladen werden. In einer menschlichen Gemeinschaft, damit sie nicht kentert und untergeht, muß das Verhältnis zwischen Sünden und Strafen ausgeglichen sein, damit sie im moralischen Sinne im Gleichgewicht bleibt. Ungestrafte Sünden brächten sie aus dem moralischen Gleichgewicht. Durch Davids Sünde und seine Folgen ist nun eine Gleichgewichtsstörung im sozialen Leben entstanden. Die Untat Davids wurde durch die Vergebung durch Gott ausgeglichen. Die Negativfolgen der Untat Davids sollen nun durch die Bestrafung des Kindes von David ausgeglichen werden. David bietet Gott nun an, selbst sich zu bestrafen, um so durch sein strenges Fasten die Ausgeglichenheit wieder herzustellen. Seine Selbstbestrafung reicht selbstverständlich zum Ausgleich nicht aus. Aber wenn Gott sein Bußwerk annimmt, seine Selbstbestrafung, dann würde sie ausreichen durch die göttliche Annahme. Erst die göttliche Annahme qualifizierte dies strenge Fasten zum ausreichenden Ersatz für die Bestrafung des Kindes. David hofft auf die Gnade Gottes. Er hofft auf Gottes Erbarmen. Gott erhört ihn nicht. Sein Kind stirbt. Gott tötete es - trotz Davids Bitten und seines Fastens.


Behalten wir dies Bild vor Augen: David bittet, er fastet: „Verschone mein Kind!“ Aber Gott erhört ihn nicht. Er tötet das Kind Davids! Gott läßt hier nicht den Tod des Kindes zu, er straft es mit der Todesstrafe. Gott hat geurteilt. Sein Kind ist tot. Er geht zu seiner Frau Batseba und tröstet sie. Sie wird schwanger und gebiert ihm den Sohn Salomon.


Werfen wir doch auch einen Blick auf diese Mutter. Sie wird die Ehefrau des Mörders ihres Mannes. Sie gebiert ihm einen Sohn, den Gott tötet, um der Sünde ihres Ehemannes willen. Das ist ihr Schicksal! Hat sie es sich selbst zuzuschreiben, weil sie zum König ging, als er sie zu sich rief?Ist sie das Opfer einer männlich - königlichen Verführung? Und nun ist sie wieder Mutter, die Mutter des zukünftigen Königs Salomo. Ihr zweites Kind mit dem König David, ihr erstes ist tot. Dies Frauenschicksal sollten wir nicht zu schnell ausblenden. Sie hat Gott in ihrem Lebensschicksal so erfahren. Es ist kein Trugbild. Gott war so zu ihr.

Zusatz

So sehr die Differenz zu betonen ist zwischen dem Beten und einem magischen Beschwören, ist auch das Gemeinsame zu benennen, daß mit übernatürlichen Kräften gerechnet wird, die für unser Leben von größter Relevanz sind.