Dienstag, 6. Januar 2015

Kirche im Rückzug?

Der Kampf um die Gewissensfreiheit

Unglaublich, aber wahr
Eine Besprechung in einem Seelsorgeteam in einem bayrischen Spital. Der Krankenhauspfarrer regte an, regelmäßig das Allerheiligste auszusetzen zur stillen oder gestalteten Anbetung zur Bereicherung des religiösen Lebens der Patienten. Empört stand der ständige Diakon auf und erklärte: er könne es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, statt für die Patienten da zu sein, Zeit vor dem ausgesetzten Allerheiligsten zu verbringen. Er sei um der Menschen willen hier als Diakon! Für diesen katholischen Diakon ist die eucharistische Anbetung mit seinem Gewissen nicht vereinbar!

Szenenwechsel:

Irgendwo in England beantragt ein englischer Soldat eine Dienstbefreiung, um an einer religiösen Veranstaltung teilzunehmen. Das Recht auf eine befristete Dienstbefreiung steht Soldaten zu,um ungehindert ihre Religion ausüben zu können, soweit dies mit den Dienstpflichten vereinbar ist. Das ist eine der vielen Früchte der Religions-und Gewissensfreiheit. Kein Problem-oder doch? Der Soldat wollte als aktiver Satanist an satanistischen Veranstaltung teilnehmen. Das wurde ihm gestattet, denn auch der Satanismus ist eine Religion, die so frei ausgeübt werden darf.1 Kann und darf es das Anliegen der Kirche Jesu Christi sein, sich für die Religionsfreiheit von Satanisten einzusetzen?

Die Verurteilung der Gewissensfreiheit

Angesichts solcher absurden aber wirklich vorfallender Gebräuche der Gewissens-und Religionsfreiheit: wer dächte da nicht an Papst Gregor XVI. Erkenntnis, daß die Gewissens-wie die Religionsfreiheit Wahnsinn ist, ja eine Erfindung des Leibhaftigen.“Aus dieser modrigen Quelle der Gleichgültigkeit, die den Glauben betrifft,fließt jene törichte und falsche Ansicht,die man besser als Wahnsinn bezeichnet, für jeden die Gewissensfreiheit zu fordern und zu verteidigen. Der Wegbereiter für diesen überaus verderblichen Irrrtum ist diese vollkommen übermäßige Meinungsfreiheit, die auf weiten Gebieten zum Verderben der Kirche und des Staates verbreitet ist, Einige behaupten hierbei mit großer Unverschämtheit, daß sich daraus Vorteile für die Religion ergeben. Der heilige Augustin sagt dagegen, was ist tödlicher für die Seele,als die Freiheit des Irrtums:“2 Will man aber diese vernichtende Kritik des Papstes in seiner Enzyklika: „Mirari vos arbitramur“ im Denzinger-Hünermann nachlesen, der fast offiziellen Dokumentensammlung des Katholischen Glaubens, wird man feststellen müssen, daß diese päpstliche Verurteilung der Gewissensfreiheit dort wegszensiert worden ist! Und man wird ebenso verwundert feststellen, daß die Festlegung, daß das 2. Vatikanische Konzil in der Erklärung: „Dignitatis humanae“ in Hinsicht auf die Lehre von der Religions-und Gewissensfreiheit nicht beabsichtige, etwas zu lehren, was der verbindlichen Tradition widerspräche, ebenso im Denzinger-Hünermann der Zensur zum Opfer fällt. Aber das Wegszensierte ist weiterhin in Kraft gegen alle Modernisten.

Aber so wird die Causa: Gewissensfreiheit doch nur einseitig betrachtet?

Irgendwo in Europa oder Amerika, den Ländern der praktizierten Gewissens-und Religionsfreiheit: überall ist die Tötung ungeborener Kinder -unter bestimmten Auflagen -erlaubt oder wie in Deutschland zwar weiterhin unerlaubt aber strafffrei, wenn bestimmte Konditionen erfüllt werden und dort stehen christliche Ärzte vor diesem Problem: darf ich als Arzt eine vom Gesetzgeber erlaubte Abtreibung, bzw, Beteiligung an einer Abtreibung verweigern unter Berufung auf mein christliches Gewissen? Darf eine Agentur zur Vermittlung von Kindern an adoptionswillige Eltern die Vermittlung an homosexuelle Paare verweigern, wenn der Staat eine Adoption Homosexuellen erlaubt ? Dürfen staatlich genehmigte Maßnahmen zur Euthanasie von christlichen Ärzten verweigert werden mit der Begründung der Unvereinbarkeit solcher Handlungen mit dem christlichen Gewissen? Palko nennt diesen Kampf den Kampf um den Gewissensvorbehalt. Wenn staatliche Gesetze demokratisch legitim verabschiedet werden, die Handlungen in einem Beruf erlauben oder vorschreiben, denen die Menschen, die davon betroffene Berufe ausüben, mit derem Gewissen unvereinbar sind, dann haben die Betroffenen das Recht, diese Handlungen zu verweigern auf Grund des Rechtes ihres Gewissens. Diesen Gewissensvorbehalt zu erkämpfen sei die Aufgabe konservativer Christen im politischen Tagesgeschäft. Das führt Palko in seinem wirklich lesenswerten Buch: „Die Wölfe kommen“ aus.

Vorausgesetzt wird dabei, realpolitisch angemessen, daß die nationale wie die europäische Gesetzgebung regelmäßig Gesetze verabschiedet, demokratisch formal legitim, die unvereinbar sind mit der christlichen Moral. Gerade in den Bereichen der Euthanasie, der Abtreibung und der Anerkennung und Förderung der Homosexualität ist dies die gängige Praxis der heutigen Gesetzgebung, auch wenn christlich sich nennende Parteien aktiv daran beteiligt sind. Bekannt ist ja die deutsche Gesetzeslage, daß vom Staat nur solche Schwangerschaftskonfliktberatungs-organisationen anerkannt und staatlich finanziert werden, die Lizenzen zur Tötung von ungeborenen Kindern ausstellen. Weil die katholischen Beratungsstellen solche Tötungslizenzen nicht ausstellen, wird ihnen die staatliche Anerkennung verweigert und damit auch die finanzielle Förderung. Um weiterhin staatliche Gelder zu bekommen, ist dann ja „Donum Vitae“gegründet worden, die dafür Tötungslizenzen ausstellen.

Der Kampf um den Gewissensvorbehalt

Es gibt, wie Palko aufweist, eine Tendenz in Europa wie in Amerika, diesen „Gewissensvorbehalt“ abzuschaffen. Vermittlungsagenturen, die sich weigern, zur Adoption freigegebene Kinder an Homosexpaare zu vermitteln, wird die Anerkennung aberkannt, sodaß ihnen keine Kinder mehr zugewiesen werden. „2004 verpflichtete der Chef der Legeslative, der Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney, alle Beamten der Schiedsgerichte müssen auch gleichgeschlechtliche Paare trauen. Eine Berufung auf das Gewissen sei nicht zulässig.“3 Aber auch in Europa schlägt die Homosexlobby zu: „ 2012 kam ins niederländische Parlament ein Gesetztesentwurf,mit dem verhindert werden soll, dass sich Standesbeamte auf ihr Gewissen berufen, wenn sie gleichgeschlechtliche Paare zu trauen haben.“4 Ja, adoptionswilligen Eltern wird das Recht zur Adoption vom Staat abgesprochen, wenn sie im Geiste der Kirche Bedenken gegen die moralische Legitimität gelebter Homosexualität nur äußern! „Laut dem Urteil des Londoner High Courth ist der Ausschluss der Johns von der Pflege wegen ihrer Einstellung zur Homosexualität berechtigt und keine Diskriminierung ihres Glaubens.“ Denn: „Pflegeleute müssten den Kindern beibringen, dass homosexuelles Verhalten in Ordnung ist.“5

Wenn es nicht genug abtreibungswillige Ärzte gibt, dann wird zusehens Druck auf die Ärzte ausgeübt. Als angehender Arzt hätte man ja wissen können, daß Tötungen von noch nicht geborenem Leben zu den Aufgaben eines Krankenhausarztes gehören, sodaß Christen dann einen anderen Beruf hätten ergreifen können! „Im Herbst 2011 klagten zwölf Krankenschwestern gegen die Leitung des Krankenhauses in New Jersey in den USA. Auch sie hatte man gezwungen, unter der Drohung der Entlassung sich an Abtreibungen zu beteiligen:“6 Die zu erwartende Liberalisierung der bisherigen Verbote von Sterbehilfe und Tötung auf Verlangen für Ärzte und medizinisches Fachpersonal wird diese Problematik noch verschärfen.
Der Gesetzgeber will, demokratisch legitimiert, bestimmte Handlungen gesetzlich erlauben, die unvereinbar sind mit der christlichen Moral. Es gehört nun auch zu den Aufgaben des Staates, den potentiellen Nutzern dieser Rechte an Handlungen, wie etwa Abtreibungen und Sterbehilfe , dies auch zu ermöglichen. Wenn nun viele die Ausübung solcher mit ihrem Gewissen unvereinbarer Handlungen verweigern, kann es aus staatlicher Sicht zu dem Problem kommen, daß eine erlaubte Handlung in einem Krankenhaus nicht realisiert werden kann, weil es an Ärzten fehlt, die diese Handlungen bereit sind auszuüben. Hier setzt nun der politische Diskurs ein, Ärzten und auch anderen zu Handlungen zwingen zu wollen, die die Betroffenen als unvereinbar mit ihrem Gewissen ablehnen.

Totalitäre Demokratie?

Der demokratische Staat bekommt so eine totalitäre Tendenz, indem er um der Realisierbarkeit von Gesetzen willen, die Christen als unvereinbar mit ihrem Gewissen ansehen, die Gewissensfreiheit einzuschränken. Bekannt ist der demokratiekritische Ausspruch Benjamin Franklins: Was ist Demokratie? Wenn zwei Wölfe und ein Lamm darüber abstimmen, was es zum Mittagessen gibt. Romig notiert dazu: „Aus sich heraus kennt die Demokratie keine Begrenzung der Herrschaft: Wo die Mehrheit diktiert ,hat die Minderheit keine Rechte.“7 Papst Johannes Paul II. Warnte so ja, daß eine Demokratie so in der Gefahr stehe, sich leicht in einen offenen oder hinterhältigen Totalitarismus zu verwandeln.8 Gemeint ist damit, daß wenn alles dem formaldemokratischen Entscheidungsprozeß unterworfen ist, es keine Werte und Normen mehr gibt, die nicht selbst wieder demokratisch entwertet werden könnten. Die Form löst so alle Gehalte auf. Der viel zitierte Ausspruch des Bundesverfassungsrichters Böckenförde: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann,“,9 verkennt ja, daß diese Voraussetzungen nur so lange lebendig bleiben, wie die Demokratie sie als vordemokratische Voraussetzungen nicht selbst zum Gestanstand der demokratischen Entscheidung macht und sie so aufhebt. Ist alles demokratisiert, nichten sich diese Voraussetzungen.

Den Christen droht es, Lämmer in den westlichen Wolfsdemokratien zu werden. Als Ausweg bietet sich da nur die Einpassung in den Zeitgeist an als unbedingte Anerkennung des positiven Rechtes des Staates, auch wenn dieses fundamental dem Naturrecht und der christlichen Moral widerspricht. Diesen Anpassungsweg gingen und gehen die C-Parteien in Europa. Und sie finden dafür breite Unterstützung in der kirchlichen Basis und den vielfältigen kirchlich-antikirchlich ausgerichteten-Reformbewegungen. Man denke hier nicht nur an: „Wir sind Kirche“ sondern auch an den „Dialogprozeß“ in der katholischen Kirche Deutschlands mit ihren sattsam bekannten Früchten.

Es ist wohl einer der größten Illusionen europäischer Christen nach dem Erleiden zweier totalitärer Staatsformen, der des Sozialismus/Kommunismus und der des Nationalsozialismus, daß die demokratische Staatsform im Kontrast dazu eine antichristliche Gesetzgebung ausschlösse und ob der in dieser Staatsform anerkannten Menschenrechte auch es unmöglich mache, daß Christen durch staatliche Gesetze zu widerchristlichen Handlungen genötigt werden. Aber in einer postchristlichen Gesellschaft ist gerade, wenn und weil sie demokratisch ist, mit Gesetzen zu rechnen, die so postchristlich und auch widerchristlich sind wie die Mehrheitsmeinung der wahlberechtigten Staatsbürger! Gerade die faktische Außerkraftsetzung des Rechtes auf Leben bei ungeborenen Kindern durch die jetzige Abtreibungspraxis zeigt, daß die demokratische Staatsform gerade kein Garant für die Wahrung der Menschenrechte ist. Ganz demokratisch können Menschenrechte Menschen aberkannt werden, jetzt faktisch schon in der staatlichen Abtreibungspraxis und zukünftig zusehens in der Euthanasiepraxis, indem Menschen selbst ohne ihre Einwilligung getötet werden dürfen in der Gestalt der sogenannten Sterbehilfe!

Eine Orientierungsskizze:

Es soll nun versucht werden, die aktuelle Debatte in die Geschichte des Kampfes um die Anerkennung der Gewissensfreiheit einzuzeichnen. Versimplifiziert kann gesagt werden, daß in einem Staate der guten Gesetze es kein legitimes Recht auf das Insistieren einer Gewissensfreiheit geben kann. Wenn das Gesetz auf das Gute ausgerichtet ist als dem jus naturae oder dem offenbarten Guten, dann kann es kein Recht geben, gegen das Gute sich zu entscheiden. Ein Gewissen, das sich irrte und das Nichtgute dem Guten vorzöge, wäre keines, das im Recht wäre. Die Idee der Konstantinischen Epoche mit seinem Thron-und Altarbündnis sollte garantieren, daß das öffentliche Leben durch gute Gesetze bestimmt wird. Diesen gegenüber kann es kein Recht auf ein Handeln gemäß dem eigenen Gewissen wider das staatliche und kirchliche Gesetz geben. Aus kirchlicher Sicht galt dabei als Ideal die Überordnung der Kirche über den Staat, mustergültig entfaltet in der Bulle des Papstes Bonifatius VIII.Unam sanctam“ aufgrund der dem staatlichen Ziel übergeordnetem kirchlichen Ziel des ewigen Heiles und der Einsicht, daß die natürliche Vernunft ihre Vollendung erst in der Offenbarung findet. Es ist jetzt nicht vonnöten, die Versuche,die mehr oder weniger gelungenen Realisierungen dieser Idee in der Zeit der konstantinischen Epoche darzulegen. Es reicht der Verweis, daß erst mit dem Pauschalverdacht, daß die Kirche Gottes Wille und Gebote verfälsche, das individuelle Gewissen als Opposition zu der Verbindlichkeit der öffentlichen staatlichen und kirchlichen Gesetze propagiert wurde. Luther mag hier exemplarisch für viele Kirchenkritiker stehen.

Das Zeitalter der innerchristlichen Religionskriege des 17.Jahrhundertes, kumulierend im 30 jährigen Kriege schuf erst die Voraussetzungen für das Reüssieren des Gewissens als der letztgültigen Instanz des Entscheidens: was darf ich und was darf ich nicht. Die Aufklärung ist dabei am besten zu begreifen, wenn sie als Domestikationsversuch der Religionen und insbesondere der christlichen begriffen wird. Die Religionen sollen so umgeformt werden, daß sie nicht mehr einen legitimen Grund für Kriege in sich tragen. Die Installation des Gewissens als der Letztinstanz des moralischen Urteilens soll so jeder kirchlichen Morallehre übergeordnet werden. Nicht irgendeine Kirchenlehre, sondern das Gewissen ist die Instanz, die entscheidet über gut und böse. Die Forderung nach der Anerkennung der Gewissensfreiheit verbindet so zwei divergierende Intentionen. Sie soll den Menschen, der zwischen den verschiedenen Morallehren der christlichen Konfessionskirchen steht, sagen, daß er, wenn er nicht sich entscheiden kann, welcher er als wahr anerkennen will, es auch vor Gott ausreiche, das zu tun, was seinem Gewissen entspricht.Und die Forderung nach der Gewissensfreiheit fordert eine Öffentlichkeit, in der die Gesetze und Morallehren der Kirche nicht das letzte Wort haben. Diese können nur noch Angebote auf dem freien Markt der Moraldiskurse anbieten und der Konsument entscheidet sich dann für das ihm Genehme. Die Entkirchlichung der gelebten Moral ist so das Ziel des Ideales des nach seinem Gewissen Lebenden. Dies meinte auf der Höhe der Aufklärung noch nicht ein rein subjekjtiv willkürliches Gewissen und auch noch nicht die Abkehr von Gott. Nein, vielmehr war es zuerst das Nein zur Vermittlung dessen, was wahr und gut ist, durch die Kirche mit der Behauptung eines unmittelbaren Wissens des Guten im Gewissen des Menschen. Die These der Unmittelbarkeit ist der Angriff auf die Kirche.

Ganz anders sieht die Gefechtslage um den Kampf der Gewissensfreiheit aus durch die Romantisierung der Aufklärung. Eine Verhältnisbestimmung von Aufklärung und Romantik kann hier ob der Komplexität der Materie nicht geleistet werden. Es soll deshalb nur abbreviaturhaft konstatiert werden, daß die Romantik das Gewissen individualisierte und so erst die Gleichsetzung von Gewissen und Subjektivismus erzielte.

Und gegen diesen romantisch-subjektivistisch geprägten Gewissensbegriff und der Forderung nach der Gewissensfreiheit, auf diesem Verständnis basierend, erhob das kirchliche Lehramt aufs entschiedenste sein: Nein!. Die Moral darf nicht der Willkür der subjektiven Gewissensbeliebigkeit aufgeopfert werden. Die Moderne bietet so ein eigentümliches Schauspiel. Einerseits will sie die Instanz des Gewissens als die letztendlich gültige des Entscheidens über gut und böse proklamieren.
Andererseits wird gerade diese Instanz in ihrer geschichtlich-sozialen Bedingtheit entwertet, weil sie nun nur noch die Wiederspiegelung der zeitgenössischen Moral sein soll. K,Marx würde sagen, daß der Gehalt des Gewissens nur die individuierte Aufnahme der Gedanken der Herrschenden der jeweiligen Zeit ist. Aber in antikirchlicher Intention wird dieser so soziologisch und psychologisch, man denke an Freudes Rekonstruktion des Gewissens als Gestalt des Überiches, entwertete Instanz wieder in Stellung gebracht.

Diese Abbreviatur des Wandels der Vorstellung vom Gewissen in seiner antikirchlichen Intention stellt uns nun vor die Frage: wie konnte es dazu kommen, daß die Kirche die Forderung nach der Anrerrkennung der Gewissensfreiheit positiv aufnahm, wie es im 2. Vaticanum geschah? Diese Frage ist leichter beantwortbar, wenn wir uns die Rezeptionsgeschichte des Begriffes der Subsidarität in der Katholischen Soziallehre vergegenwärtigen.

Die Idee der Subsidarität ist eine Erfindung reformierter Christen 1517 auf einer reformierten Synode in Emden/ Ostfriesland.10 . Als Antimodell zur Katholischen Kirche und zum organisierten Luthertum mit seiner Tendenz zur Bureaukratisierung entwickelten sie für die reformierten Gemeinden eine Art Basisdemokratie. Alles solle in und von der Gemeinde entschieden werden und nur wenn eine Gemeinde überfordert wäre, soll eine übergeordnete Instanz der Gemeindenorganisation Entscheidungen über Gemeindeanliegen treffen dürfen. Soviel Gemeinde wie möglich, so wenig Kirche wie unbedingt nötig. Darauf kann dies antikatholische Aufbauprinzip des Reformiertentums reduziert werden. Wie konnte nun aber ein so antikatholisch geartetes Organisationsprinzip positiv von der Katholischen Kirche rezipiert werden? Übertrüge die Kirche dies Prinzip auf sich selbst, wäre dies die Selbstauflösung der Kirche in einen losen religiösen Gemeindenverband. Zuerst: dies Prinzip wendet die Kirche nur gegen den Staat und vermeidet es tunlichst, dies Prinzip auf sich selbst anzuwenden. Im Kampf um die Verhältnisbestimmung von Kirche und Staat dient dies Prinzip einzig und allein dazu, dem staatlichen Regeln Bereiche zu entziehen, damit diese Freiräume dann kirchlich ausgestaltet werden können.

Ein strategischer Rückzug der Kirche?

Die Herausbildung des Nationalstaates, der sich die Religionen unterordnete evozierte eine kirchliche Strategie der Begrenzung des Staates. Er solle Freiräume zulassen, die dann von dezentralen selbstständigen Handlungsträgern gestaltet werden. Die Kirche versteht sich nun nur noch als ein potentieller Träger unter vielen in einer Ziviligesellschaft, die durch freie Bürger und bürgerliche Vereinigungen gestaltet wird. Der Staat solle dafür nur die Rahmenordnung setzen, darauf sich limitieren, um so diese Freiräume zur Gestaltung zu gewähren. Implizit steht hier der Staat unter dem Generalverdacht der schlechten Gesetze, des Verdachtes, daß sein positives Gesetz nicht mehr kompatibel ist mit dem Naturrecht und der christlichen Moral. Weil der Kirche die Macht und Durchsetzungskraft fehlt, staatliche Gesetze gemäß der kirchlichen Lehre zu erwirken, limitiert sie sich darauf, Freiräume einzufordern, die dann von der Kirche oder christlichen Trägern im Sinne der kirchlichen Morallehre ausgestaltet werden können. Einfach gesagt: statt staatlich einheitlich gestalteter Schulen und Kindergärten kirchliche Kindergärten und Schulen, die dann innerlich in der vom Staat vorgesehenen Rahmenordnung gestaltet werden können. Es ist der Rückzug auf Freiräume im staatlichen Rahmenplan. Dem korrespondiert als kleinster von staatlicher Reglementierung freier Raum das Gewissen. Hier soll der Staatsbürger sozusagen eine staatlich anerkannte und respektierte Intimsphäre erhalten, in der er nach seiner Fasson selig zu werden versuchen darf. Die Königsherrschaft Christi wird so limitiert auf den Intimraum des Gewissens und den staatlich anerkannten Freiräumen in der Zivilgeselschaft.

Der Pluralismus und die Kirche

Damit ordnet sich die Kirche der weltanschaulichen Vorgabe der pluralistisch verfaßten Gesellschaft unter. Anstelle der Unterscheidung von wahrer und falscher Religion, tritt das Postulat der Gleichgültigkeit aller Religionen und Weltanschauungen. Der Staat habe jede Religion und jede Weltanschauung als reine Privatangelegenheit zu respektieren. Die privatisierten Religionen und Weltanschauungen dürfen dann ihre Anliegen auch in den öffentlichen Diskurs einbringen. Sie dürfen dann auch im Sinne des bürgerlichen Vereinslebens vereinsintern oder in Einrichtungen ihrer Trägerschaft das dortige Leben gestalten. Es kann nur einen christlichen Kindergarten in einer pluralistischen Gesellschaft geben, weil es auch den islamischen oder den anthroposophischen gibt. Es gibt christliche Beerdigungen, weil der Staat auch satanische erlaubt! So der Fall Crammer im Rechtsstreit mit der englischen Kriegsmarine:„Wegen der Ideologie über die Gleichheit von Religionen waren die Streitkräfte einverstanden, und Crammer wurde der erste registrierte Satanist in der Marine ihrer königlichen Hoheit. Falls Crammer zufällig bei einer Kampfaktion fällt, werden für ihn die britischen Streitkräfte eine Bestattung nach den Regeln der `Kirche des Satans`veranstalten.“11

Die Kirche zahlt damit einen hohen Preis. Darf sie das?, lautet die Anfrage manches Katholiken. Und nicht nur Traditionalisten fragen besorgt so! In loser Anlehnung an C. Schmitts Essay: „Römischer Katholizismus und politische Form“ könnte man sagen, daß die Gestaltung der Beziehung der Kirche zum Staat, die Kirchenpolitik der Kirche sozusagen kirchliche Realpolitik ist.
Wenn die Kirche nicht die Macht und den Einfluß auf den Staat hat, daß er gute Gesetze, das heißt mit der christlichen Religion kompatible Gesetze macht, dann muß sich die Kirche darauf beschränken, Freiräume zu erkämpfen, in denen es Christen in einer zusehens widerchristlich verfaßten Gesellschaft möglich bleibt, gemäß der wahren Religion zu leben. Tritt ihr in den totalitären Staaten ein Weltanschauungsstaat gegenüber, der im Namen seiner Wahrheit, etwa des wissenschaftlichen Sozialismus die Unterdrückung jeder anderen Weltanschauung legitimiert, weil es kein Recht für den Irrtum und die Unwahrheit geben kann, dann zieht sich die Kirche, kirchenpolitisch klug handelnd auf die liberalen Standpunkt zurück, daß der Staat nicht das Recht habe, Weltanschauungen zu diskriminieren ob der allgemein anerkannten Menschenrechte. Es ist eine äußerliche Anpassung an die realen Machtverhältnisse einer postchristlichen Gesellschaft. Wer meinte, die Kirchenpolitik allein aus der Dogmatik des Glaubens deduzieren zu können, der verkennt, daß im kirchenpolitischen Handeln die Kirche in der Welt agiert und somit auch weltgemäß handeln muß.

Aber was sie im Außen bejaht, etwa das Subsidaritätsprinzip und die Gewissensfreiheit und die Meinung der Gleichwahrheit aller Religionen kann sie intern nicht bejahen. Wenn eine werdende Mutter es mit ihrem Gewissen in Einklang bringen kann, ihr Kind töten zu lassen, dann kann und darf die Kirche diese Gewissensentscheidung einer Christin nicht akzeptieren. Sie darf es auch Pfarrern nicht gestatten, Homosexpaare zu segnen, wenn der Geistliche das für sich in Ordnung empfindet, das könne er vor seinem Gewissen verantworten. Und die Gemeinde darf dann auch nicht gemäß dem Subsidaritätsprinzip entscheiden, Homosexehen zu segnen. Denn in der Katholischen Kirche ist für jede Gemeinde das päpstliche Lehramt zuständig, und nicht ist die letztgültige Instanz der Auslegung des Willens Jesu Christi die Gemeindeleitung vor Ort, wie es dem Subsidaritätsprinzip entspräche. Und selbstverständlich muß die Kirche darum kämpfen, daß sie als Arbeitgeber Menschen ob ihrer Religion diskriminieren darf. Denn sonst müßte sie auch Islamistin als Kindergärtnerin einstellen mit der Begründung, sie dürfe einer Frau ob ihres islamischen Glaubens nicht eine Anstellung verwehren. Das wäre ein sie diskriminierender Akt.


Aber auch dieser Freiraum ist nicht unumkämpft. Der Kampf gegen die Freiheit der Kirche und des Rechtes von Christen, in Übereinstimmung mit ihrem Glauben zu leben, ist schon längst eröffnet. Dabei ist nicht in erster Linie an totalitäre Staaten zu denken, sondern gerade, wie es Palko in seinem Buch, „Die Löwen kommen“ detailreich aufzeigt, der sogenannte freie Westen! Es bedarf keiner prophetischen Begabung, um die zukünftigen Konfliktfelder gerade in Deutschland vorauszusehen. Die gesetzliche Regelung der finanziellen Förderung gemäß dem Subsidaritätsprinzip von sog. Freien Trägern für soziale Dienstleistungen in der Kinder-Jugend- und Seniorenarbeit und vielfältigster anderer sozialer Handlungsfelder ist immer auch ein Hebel zur Beeinflussung der von den Freien Trägern geleisteten Arbeit. Eine einfache Frage drängt sich deshalb auf: werden katholische Kindergärten, Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen weiterhin vom Staat gemäß dem Subsidaritätsprinzip mitfinanziert, wenn ihre Arbeit nicht gemäß der Genderideologie, nicht als Hinführung zur Akzeptanz der Pluralität gelebter Sexualität ausgerichtet ist? Wird eine katholische Eheberatung noch finanziert durch den Staat, wenn in ihnen keine Eheberatung für Homosexpaare geleistet wird? Und wie lange wird der Staat noch kirchliche Kindergärten finanzieren, die ihre Arbeit christlich ausrichten, wenn auch dort die Mehrheit der Kinder nichtchristlich ist? Donum Vitae zeigt: als der Staat die Arbeit der kirchlichen Schwangerschaftskonfliktberatung nicht mehr mitfinanzieren wollte, weil diese keine Tötungslizenzen mehr auszustellen bereit waren auf die Initiative des Papstes hin, da verließen Mitarbeiter die kirchliche Beratungsstellen, gründeten Donum Vitae, um weiterhin die Staatsgelder zu bekommen! Die Deutsche Caritas steht dem leider in nichts nach. Auf ihrer offiziellen Homepage lobt sie das Buch: „Gender Mainstream im Kindergarten“. Man könne gar nicht früh genug mit der sexuellen Umerziehung der Kinder beginnen12. Schwere Zeiten drohen so auch den letzten christlichen Freiräumen von außen und durch die innere Bereitschaft, opportunistisch sich dem dominierendem Zeitgeist zu unterwerfen! Vom eigentlichen Ideal, daß der Staat, damit er ein guter Staat ist, gemäß der in der Kirche präsenten Offenbarung Gottes regieren sollte, haben wir uns so weit entfernt. Die implizite Voraussetzung des kirchlichen Jas zur Forderung nach der Gewissensfreiheit ist ja die realpolitisch nicht bezweifelbare Einsicht, von demokratischen Staaten eher mit dem christlichen Glauben unvereinbare Gesetze zu erwarten, gerade weil unsere jetzigen demokratisch verfaßten Gesellschaften postchristlich und in ihrer hedonistischen Ausrichtung schon widerchristlich orientiert sind.



1Vgl: Palko, F., Die Wölfe kommen, 1.Auflage, 2014, S.361f.
2Zitiert nach: Wikipedia, Artikel: Gewissensfreiheit.
3Palko, V., Die Löwen kommen, 1,Auflage 2014, S.322.
4Palko,V.a.a,O. S.324.
5Palko, F.,a.a.O.S. 360.
6Palko,F., a.a,O, S.374.
7Romig, F., Der schöne Schein und die Demokratie, in: Romig, F.,Der Sinn der Geschichte, 2011, S.119.
8Vgl:Johannes Paul II., Enzykika: Centensimus annus, n.46.
9Zitiert nach: Romig, F.,Der schöne Schein der Demokratie, in: Romig, Der Sinn der Geschichte, 2011, S.116.
10Vgl: Wikipedia, Artikel: Subsidarität.
11Palko, F, a.a.O.S. 361f,

12Vgl: Kath net, 18.3.2014, 18Uhr, Caritas befürwortet Gender Mainstream im Kindergarten

Montag, 5. Januar 2015

Der Tod der Mission-der Tod der Kirche

Der lang angekündigte Tod der cristlicen Mission

Auf der Spurensuce seines Absterbens-Der Appell von Baden1

In wohl nicht unbeabsichtigter Anspielung zum „Krefelder Appell“, dem Kuliminationspunkt der längst verstorbenen Friedensbewegung, der Kampfansage gegen den sogenannten Natonachrüs-tungsbeschluß kommt jetzt im Jahre 2006 der Appell von Baden und auch ihm geht es um den Weltfrieden, der jetzt gefährdet ist einerseits durch den islamistischen Terrorismus und andrersseits durch das imperialistische Hegemoniestreben Amerikas. Dieses durch ein Vorwort des evangelischen Landesbischofes Dr. Ulrich Fischer präludierte und damit quasi amtliche Schreiben präsentiert nun im Rahmen der Sorge um den Weltfrieden Erwägungen, was der Beitrag des Christentumes, der christlichen Kirchen zur Wahrung des Friedens sein könnte.Unter dem Punkt 9 unter der Überschrift: „Gespräche vor allem mit dem Islam“2 heißt es:daß die Unterschiede, die theologischen zwar anerkannt werden sollen, die zwischen dem Christentum und dem Islam, aber es müsse einen unmißverständlichen Verzicht „auf Alleinvertretungsansprüche und Missionierungsversuche“3 geben als Voraussetzung eine friedlichen und gerechten Miteinanders von Muslimen und Christen! Es wird eine Ökumene der Religionen gefordert in Hinsicht auf die ethische Verantwortung für eine künftige Weltgesellschaft.Diese humane Weltgesellschaft sei das Ziel aller Religionen und um dieser Weltverantwortung willen sei auf alles Missionieren zu verzichten4.
Der Begriff der Mission wird dabei geschickt kontaminiert, indem er in den Vorstellungsraum von extrem fundamentalistischen Gruppen und Bewegungen“ eingezeichnet wird, die nicht mal vor der Möglichkeit „gewaltsamer Durchsetzung je eigener Positionen“ zurückschrecken würden. Von eder Art von Mission müsse so Abschied genommen werden, um des Weltfriedens willen, lautet so die theologische Kernbotschaft dieses protestantischen Appelles.
Daß kein Frieden auf Erden ist, ein Teil dieses Problemes seien die große Religionsgemeinschaften selber. Selbstkritisch heißt es vor der Kritik des Islam und des Judentumes: „Die Christen haben war Zwangschristianisierungen, Kreuzzüge, Hexen- und Ketzerverbrennungen inzwischen überwunden. Aber fundamentalistische Strömungen sind nach wie vor bereit, im Namen Gottes Absolutheits- und Dominanzansprüche zu erheben und Gewaltmethoden dabei nicht auszuschließen.“5Absolute Wahrheitsansprüche6 und Gewaltmethoden verhalten sich in dieser protestantischen Vorstellungswelt wie Ursache zu Wirkung: wo die Wahrheit als offenbarte im Besitz befindliche geglaubt wird, da generieren sich Gewaltmethoden der Missionierung. Missionieren ist schon ein Akt der Gewalt wird man wohl interpretierend diesen Grundgedanken zusammenfassen dürfen.Und, dieser Friedensappell kennt und benennt den Feind des Friedens: da wo Religionen ihre jeweilige eigene Wahrheit verabsolutieren. Neben diesem Feindbild wird in gut protestantischer Manier noch die Kirchenhierachie als zusätzliches Feindbild in einer zustimmenden Leserzuschrift angemahnt: „Der Wettbewerb der Religionen verleitet führende Kirchenvertreter dazu, Differenzen zwischen den Religionen zu betonen und Gemeinsamkeiten zu vernachlässigen.“7 Aus einem bureaukratischen Selbsterhaltungswillen heraus versuchen so Kirchenführungen Differenzen groß zu machen. Missionierende Fundamentalisten und um den Erhalt des Status Quo besorgte Kirchenleitungen verhindern so die längst überfällige Ökumene aller Religionen auf dem Wege zur universal globalisierten Friedensweltgesellschaft.8

So oberflächlich appellativ dieser Appell auch daherkommen mag, so naiv schlicht seine dualistische Weltsicht der Unterscheidung von den Guten und den Bösen auch ist und wie aggressiv auch die Forderung des Ausschließens aller fundamentalistisch- missionarischen Kräfte aus der Weltfrierdensordnung ist so daß der Ausschluß die Gefahr des zu bannenden Krieges reproduziert, so bedenklich ist doch das diese Vorstellungswelt stützenden Paradigma.Und es lohnt sich, dieses Paradigma zu eruieren, denn die Zustimmung dazu beschränkt sich nicht auf den protestantischen Raum! Und es ist ein offenes Geheimnis, daß dieser hier so kraftvoll geforderte Verzicht auf die Mission schon längst die Praxis auch der Katholischen Kirche geworden ist! Es sei nur en passant an das Votum Kardinal Lehmanns erinnert, daß die Kirche auf jede Art von Judenmission zu verzichten habe9.

Um einen ersten Eindruck der Auflösung des Auftrages zur Mission zu bekommen, soll hier nun auf die Katholische Synode zu Würzburg geschaut werden10, auf den Beschluß zur Mission, in dem Grundelemente dieses Neins zur Mission fundierenden Paradigmatas sich manifestieren. Es ist ein wahrlich ökumenisches Paradigma.
Die Perhorreszierung der christlichen Mission
Die Mission sei ein Überrest kolonialen Denkens. Sie wolle nur den Einflußbereich der Kirche erweitern.-Die Mission sei Ausdruck christlicher und westlicher Überheblichkeit. Sie mißachte die religiösen Überzeugungen der Andersgläubigen und die hohen Werte fremder Kulturen. -DieMission sei nur auf Bekehrungen aus. Sie übersehe, daß die Menschen auch in den anderen Religionen Gott begegnen und ihr Heil gewinnen können. -Die Mission lenke von den eigentlichenProblemen der heutigen Welt ab. Sie solle sich lieber darum kümmern, daß die Menschen genug zu essen haben, frei leben können und ihr Recht bekommen.“11 -Dieses Kompendium reinster Antichristlichkeit entstammt nicht einem freimaurerischen Verschwörungstreffen, sondern wird als „Das Unbehagen an der Mission, das viele Christen äußern“ in der Präambel des Beschlusses des gemeinsamen Synode der Bistümer Westdeutschlands angeführt. Das, was viele Christen äußern, ist nun im Zeitgeiste der Demokratisierungsforderung der Kirche ein starkes Argument, denn die Quantität dieser Meinungs-äußerung erhöht sie zur zeitgemäßen Wahrheit.12

Und die weitere Erörterung und Beschlußfassung zum Thema der Mission steht dann ganz im Banne dieser Perhorreszierung und zeigt, wie sehr der Beschluß sich mit diesem Horrorbild kirchlicher Mission identifiziert, um sich dann davon zu distanzieren unter der Maxime einer zeitgemäßen Gestaltung. „In Treue gegen Gottes Wort fragt sie nach dem Sinn und der Gestalt der Mission in der Gegenwart“13. Die Gegenwartsgemäßheit avanciert hier zu dem Kriterium der Sachgemäßheit und das Zeitgemäße koinzidiert unter den Conditonen der Massendemokratie zum Übereinstimmen mit dem, was der Zeitgeist artikuliert in dem, was man so sagt, eruiert aus repräsentativ erhobenen Umfragewerten. Interessant ist, daß die katholische Lehre, das traditionell normativ Vorgegebene reduziert wird auf: „das Wort Gottes“. Diese Punktualisierung ermöglicht im ideengeschichtlichen Horizont der damals aktuellen Wort Gottes Theologie, deren Geburtsort in der sogenannten „dialektischen Theologie“ des Protestantismuses zu verorten ist und die über Karl Barth nach 1945 in der Ökumene reüssierte, sich von der Tradition zu entbinden, um dann das so entkleidete abstrakt gewordene Wort Gottes im Mahlstrom der Zeitge-mäßheit untergehen zu lassen, es vom Geist der Zeit ausfüllen zu lassen.

Um der Ausgewogenheit willen wird in Punkt 0.4.2 der Präambel darauf insistiert, daß die traditionelle Mission auch auf positive Früchte verweisen könnte. „So wurden vielen ein Weg aus Angst, Aberglauben und Magie eröffnet“14 und das wäre die positive Seite der Katholisierung. Das Positive ist also die Aufklärung der Menschen, in der sie ihre angestammte Religion überwinden und nicht die Neubeheimatung in der wahren Religion. Aber der positiv besetzte Alternativbegriff zur Mission ist nicht die Religionskritik als Herausführung aus der Knechtung durch magisch- abergläubische Religionen hin zur westlichen Säkularität sondern der Begriff des Zeugnisses. Um diese Antithetik von Mission und Zeugnis, die hier in diesem Synodenbeschluß präfiguriert wird, zu verstehen, müssen diese beiden auf den ersten Blick nicht oppositionell zueinander stehenden Terme in ihrem jeweiligen kontextuellen Vorstellungsraum begriffen werden.Es wäre ein Trugschluß, zu meinen, daß einfach dem Term unabhängig von dem Vorstellungs-raum, in dem er eingezeichnet ist, eine stetige Gleichbedeutung zukommt, als bedürfte es jetzt nur einer lexikalischen Eruierung: was meint im NT, isb.im Johannesevangelium dieser Begriff, um zu meinen, daß nun diesem einmal so begriffenen Term immer diese Bedeutung innewohnen würde. Die Bedeutung des Termes: Zeuge im Synodenbeschluß dagegen erschließt sich nur aus einer synchronen Lektüre des Textes, in dem er als der Oppositionbsbegriff zum Begriff der traditionell ausgelegten Mission fungiert.

Dem könnte entgegen stehen, daß in der Grundlegung die Überschrift heißt: „Voraussetzung für Mission: Der Glaube. 1.1. Zeugnis von Jesus Christus. Deshalb ist die Ausgangsthese differenzier-ter zu explizieren: Durch die Entgegenstellung von Zeugnis und Mission wird ein neuer Missionsbegriff kreiert, der zum Synonym für das Begriffsfeld des Zeugnis Gebens wird, so daß unter der Fassade des traditionellen Begriffes ein neuer Kerngehalt sich verbirgt. Abgekürzt wird das mit der Formulierung: „Mission heute“, wobei die Heutigung des Verständnisses des Begriffes seine Identifizierung mit einem spezifischen Verständnis von Zeugnis ist. Zur Veranschaulichung der normativen Bedeutung des Verständnisses von „Heute“ für den theologischen Diskurs sei hier en passant verwiesen auf den Lexikonartikel von Bernhard Lang zum Thema: Proohetie: „Dem von der Religionswissenschaft bevorzugten modernen, rationalen Weltbild gibt es Prophetie nicht als übernatürliche Gabe; wie alle sozialen Erscheinungen erfordert auch das Prophetentum eine `immanente`,religions- und kulturgeschichliche Erklärung. `Ekstasen und Visionen gibt es nicht, es sei denn als Naturvorgänge“ erklärte der Bischof von Paris 1277 zur unerlaubten Lehre, „heute ist sie Gemeingut.“15. Um zeitgemäß zu sein müsse so die Theologie den Begriff der Prophetie verheutigen: „Der heutige Prophet wirkt und redet nicht mehr als religiös legitimierter und inspirierter, sondern als sachlich arbeitender, inspierender Intellektueller.“16 Damit ist auch geurteilt, daß die vormoderne Vorstellung des übernatürlich inspirierten Propheten nur eine zeitbedingte Vorstellung und Verzeichnung des damaligen Intellektuellen ist.

Der perhorreszierte Begriff der Mission, oder, was traditionell darunter verstanden und praktiziert worden ist und warum dies Verständnis zu modernisieren ist. Die Grundstruktur der traditionellen Missionspraxis ist gekennzeichnet durch die Opposition von Unheil und Heil und fragt nach dem Wie der Überführung des sich im Unheilszustand Befindenen in den Heilszustand. Adressat ist der Mensch außerhalb der Kirche in einem geographischen Raum außerhalb des Einflußbereiches der alleinig wahren Kirche. Sein Unheil ist sein Sein außerhalb der wahren Kirche und Religion, so daß das Telos der Mission die Eingliederung des Außenstehenden in die Kirche ist, da die Gliedschaft verstanden wird als die notwendige Voraussetzung der Teilhabe am ewigen Heil, des Seelenheiles, wie es traditionell die Missions-sprache formulierte. Klassisch hat der Heidenapostel Paulus dies Missionskonzept theologisch fundiert und exponiert in seinem Römerbrief: der Unheilszustand aller, der Juden wie Heiden und die Rettung aller durch die apostolische Kreuzespredigt und das neue Leben aus dem kirchlich vermittelten Geist Gottes. Römerbrief Kapitel 1,18- 3,19: der Mensch unter dem Zorne Gottes, das ist sein Unheilszustand, 3,19- 5, der Grund des Heiles: das Kreuz Christi und die Aneignung des
Heiles durch den Glauben und die Applikation des Heiles durch das Taufsakrament (Römer 6) und das Kapitel 7 und 8 als das neue Leben im Corpus Christi. Das Augenmerk ist dabei auf die Vermittlungstätigkeit des objektiv im Kreuz geschehenen Heils hin zur subjektiven Aneignung zu richten: erst durch den Dienst der Kirche wird das objektiv Wahre für den Einzelnen zur Wahrheit, insofern er das in Predigt und Sakrament dargereichte Kreuzesheil sich aneignet. Diese Vermittlungstätigkeit ist die Aufgabe der Kirche und dies Tun im noch nicht von der Kirche geprägtem Raume ist das missionarische Tun der Kirche.

Wie nimmt nun der Synodenbeschluß diese kirchliche Praxis wahr?
Die Aufmerksamkeit kapriziert sich ganz auf den Vermittlungsakt zwischen-kommunikationstheo-retisch ausgedrückt: Sender und Empfänger und kritisiert nun das hierachische Gefälle dieser Kommunikation in der Opposition von der wissenden Kirche und dem unwissenden zu Bekehrenden, wobei das Wissen als wahrer und heilsnotwendiger Glaube wahrgenommen wird, der so, um des Heiles aller Willen zu vermitteln ist. Das Ziel ist, daß der zu bekehrende Heil diesen Wissensglauben annimmt, um aus ihm heraus zu leben.

Die Synode nimmt diese kommunikative Struktur wahr und unterzieht sie einer radikalen Kritik. Entfaltet wird diese Kritik als Kritik der Motivation der missionierenden Kirche:Mission sei ein Ausdruck kolonialen Denkens. Nicht ginge es um das Heil der Adressaten der Mission sondern ausschließlich um ein Machtinteresse der Kirche. Der Adressat wird dabei als ein zu Kolonisierender angesehen, also nicht als Dialogpartner wahrgenommen.Dies wird ergänzt durch die Kritik des Zieles der Mission: es sei einseitig auf das Seelenheil ausgerichtet und verkenne so die Ganzheitlichkeit des Menschen. Anders gesagt, die streng eschatologische Ausrichtung, die auf das Seelenheil, die auf das jenseitige Reich Gottes wird in Frage gestellt und als Alternative wird das Ideal der kulturellen und sozialen Entwickelung der Völker propagiert. Indem die Kirche vom Seelenheil rede, verdränge sie die wirklich relevanten Probleme der Menschen, die die ihres irdischen Weltlebens sind. Genug zu haben, Recht zu bekommen, in Freiheit zu leben, das seien die wahren Ziele kirchlichen Dienstes. Diese Aufgabe welttranszendierender Ziele zugunsten des Ideales der Humanisierung der Welt verändert das Christentum zu einem religiösen Humanitarismus, dessen summum bonum die Eudaimonie des Erdenlebens ist.17Ergänzt wird diese Kritik des Zieles der Mission mit der These, daß die christliche Mission die Heilsrelevanz der anderen Religionen nicht wahrnimmt. „Sie übersehe, daß die Menschen auch in den anderen Religionen Gott begegnen und ihr Heil gewinnen können.“18 Geschickt wird das Vertrauen auf den universalen Heilswillen Gottes gegen die Partikularität der Ausbreitung der Kirche ausgespielt, um zu folgern, daß auch außerhalb der christlichen Kirche ob des Heilswillens Gottes überall das Heil für jeden erreichbar sei. Dies sei durch oder in den anderen Religionen möglich. Jede Religion sei so ein Ort möglicher für das Heil notwendiger und hinreichender Gottesbegegnung. Und daraus erübrige sich jede Mission, dessen Ziel das Seelen-heil wäre. Die Mission trüge so nur Eulen nach Athen, vermittelte etwas, was längst schon da wäre: die Möglichkeit des Heiles. M. Quèguiner, der Generalobere der Gesellschaft der Auswärtigen Missionen von Paris urteilte, „dass die sich verbreitende Meinung, dass alle nichtchristlichen Religionen effiziente und hinreichende Wege zum Heil seien und dass die Kirche bloß eine kleine Herde sei und bleiben werde, die Lehre des Evangeliums vernichte und selbst die Grundlagen der Kirche zertrümmere.“19
Anders formuliert: da, wo der paulinisch- missionarische Blick20 den außerhalb des christlichen Glaubens Stehenden im Zustand des Unheiles sieht, im Stande der Erlösungsbedürftigkeit, sieht die „Gemeinsame Synode“ zu Würzburg nur noch Menschen, die schon auf dem Wege zu ihrem Heile sind, anonyme Christen, würde Rahner sagen, die so keiner Mission bedürfen. Die einzige Not dieser Menschen ist so ihre soziale Lage in den unterentwickelten Ländern, so daß jetzt die Aufgabe der Kirche die der sozialen Humanisierung der Welt sei! Pathetisch heißt dies als Verständnis des umfassenden Heiles: das Streben nach „einer Welt, in der die Liebe den Haß,die Freiheit jede Knechtschaft, der Friede den Krieg, die Gerechtigkeit das Unrecht und Brüderlichkeit jede Unterdrückung überwinden.“21 Dieses Utopiebild, ganz im Geiste chiliastischer Tradition ausgemalt soll nun unter der Behauptung seiner Ganzheitlichkeit das Ziel des Seelenheiles verdrängen, indem es einerseits als ein hochwertigeres Ziel behauptet wird und andererseits indem das Seelenheil als sowieso schon gesichertes Ziel thematisiert wird. Um das Seelenheil bräuchte die Kirche nicht sich bemühen, da jeder Heide dies in seiner Religion schon realisieren könne ohne Beihilfe der Kirche.

Das asymetrische Kommunikationsgefälle in der missionarischen Praxis, daß die Kirche das Sakrament des Heiles ist, das das Heil dem außerhalb des Heiles Stehenden vermittelt, soll so genichtet werden zugunsten einer symetrischen Kommunikationsstruktur, in der zwei gleichrangige Dialogpartner, beide auf verschiedenem Wege sich befindend zum selben Heil, sich über ihre Wege austauschen und gemeinsam nach Wegen zur Humanisierung der Welt suchen. Und damit haben wir schon die Grundstruktur der nachkonziliaren Dialogkirche erfaßt.

Die uns nun interessierende Frage ist nicht, wie nun diese Praxis des interreligiösen Dialoges mit dem Ziele der Humanisierung der Welt gestaltet wird, sondern nur die: Was bedeutet darin nun der Begriff des Zeugnisses? Kommunikationstheoretisch formuliert setzt sich jeder kommunikativer Akt aus drei Momenten zusammen: Der Aussage über etwas, dem Sachbezug, dem Appell an den Adressaten und dem Selbstbezug, einer Aussage des Sprechaktes über den Sprecher. In der missionarischen Praxisist die Appellfunktion der Aufruf zur Bekehrung, der Sachgehalt der des wahren Glaubens und die Selbstaussage, daß der Missionar dies auch für sich als Wahrheit bekennt. In der dialogischen Praxis ist das Zeugnisgeben eine Aussage des Dialogpartners über sich selbst: er offenbarte seine innere Einstellung, das was ihm der Grund seines Lebens und Wirkens ist. Diese Selbstaussage appelliert nun an den so angesprochenen Dialogpartner, selbst auch sein Interieur zu offenbaren, das was seine spirituelle Basis ist, um so durch den wechselseitigen Austausch sich besser zu verstehen mit der Abzweckung einer Optimierung des gemeinsamen Wirkens an der Aufgabe der Humanisierung der Welt.

Richard Friedl erfaßt in seinem Lexikonartikel: „Mission und Missionswissenschaft“ diesen Bruch mit der Tradition prägnant, indem er die traditionell christliche Mission bestimmt sieht durch ihren exklusiven Wahrheitsanspruch, dem Ziele der Bekehrung und der Verweigerung der Koexistenz mit den anderen Religionen22, um diesen mit agressiven Konzept von Mission entgegenzusetzen eine politische Verkündigungspraxis, deren Adressat der materiell Arme, der politisch Entrechtete ist, dem die „ankommende Menschenfreundlichkeit Gottes zugesagt“23 wird. Allen gelte Gottes Liebe und das ist der metaphysisch gesprochen letzte Grund dafür, daß jeder Mensch das unverlierbare Recht auf ein menschenwürdiges Dasein besäße und diesem Ziele diene diese Zeugnisrede vom christlich- menschenfreundlichen Gotte. Das irdische Leid in seiner reinen Weltimmanenz ist so das Gebiet, auf dem die christliche Verkündigung ihre Relevanz zu erweisen hat. Das Seelenheil, die Sorge darum kann dann ruhig den anderen Religionen
überlassen werden, denn dazu ist jede hinreichend qualifiziert. Das das Christentum Auszeichnende ist so gesehen sein Impetus zur Weltverbesserung. Die vielzitierte Maxime: „Die Welt gibt die Tagesordnung“24 meint so diese radicale Weltdiesseiigkeit der kirchlichen Verkündigung. Es ist der Tod des Jenseites in zweierlei Hinsicht:
  1. das irdische Weltleben wird als wichtiger als das eschatoligische angesehen und
  2. ist nur das irdische mit seinen Sorgen und Nöten Gegenstand kirchlicher Verkündigungspraxis, da das andere Ziel, das des ewigen Lebens kein Ziel von besorgtem Heile sein kann, da es sozusagen selbstverständlich von jedem erreicht wird.

Das klassische Paradigma der christlichen Missionspraxis, bestehend aus den Elementen des außerhalb des Heiles Stehenden, dem durch die Kirche der einzige Weg zum ewigen Heil vermittelt wird, dem Element der heilsnotwendigen missionarischen Verkündigung mit dem Ziele der Inkorporation in die wahre Kirche wird so abglöst durch ein Paradigma,wo a) gilt: es gibt keinen Menschen außerhalb des Heiles, weil Gottes Heilswille universal ist,und wo b) es nur noch weltimmanente Sorgen und Nöte gibt, die c) durch das diakonische Handeln der Kirche in dialogischer Kooperation mit anderen Religionen zu beheben sei, wobei das Zeugnis Christ nun die Doppelaufgabe erhält, den Grund des Rechtes jedes Menschen auf ein humanes Leben zu benennen und im Dialog die innere Motivation zum diakonischen Handeln offenzulegen. So formuliert es ganz im Geiste dieses Paragimas der Appell von Baden, daß das summum bonum der christlichen Verkündigung die humanisierte Weltgesellschaft sei und daß alle Religionen an diesem Ziele mitarbeiten sollten. Das eigentliche Ziel des Seelenheiles wird dabei dann als Marginalie abgetan, als ein Ziel, das sowieso jeder Mensch erreichen wird, weil Gott die Liebe ist. Ein relevantes Handlungsziel kann nur ein solches Gut sein, von dem ausgesagt werden kann, daß es erreichbar ist, daß es aber nicht selbstverständlich ist,daß es erreicht wird. Erst, wenn der Begriff des Zeugnisses wahrgenommen wird in seiner Einschreibung in dieses posttraditionelle Missionsverständnis mit einem grundlegenden Paradigma der faktischen Option zur Allversöhnung und dem Urteil, daß nur noch die Weltsorgen das Beschäftigungsmaterial der Kirche sein kann, wird er in seiner modernen Bedeutung verstanden und wird die radicale Differenz zur Tradition deutlich. Daß dieses Paradigma faktisch der Tod der Mission ist, ist offenkundig. Was heute noch unter dem Firmenschild der Mission getrieben wird, ist nichts anderes mehr als rein innerweltlich orientierte Diakonie, motiviert aus einem christlichen Glauben in der Bereitschaft, auf eine Anfrage hin, den inneren Grund dieses Tuns zu bezeugen. Und diese hier in wenigen Pinselstrichen dargestellte Paradigma der innereligiösen Dialogkultur scheint zumindest ein in Katholischen wie in Protestantischen Kreisen gleichermaßen lebendiges Konzept zu sein, ja es darf wohl gefragt werden, ob nicht der Glaube an die Allversöhnung selbst der letzte Grund der innerchristlichen wie der innerreligiösen Ökumene ist. Versimplifiziert: Gott ist Liebe, wird so expliziert, daß Gott als
ob seiner Allliebe als letztlich allen Religionen gleichgültig gegenüberstehender Gott zu glauben ist. Papst Pius IX erklärt im Syllabus als Irrlehre: „Die Menschen können im Kult jedweder Religion den Weg zum ewigen Heil finden und das ewige Heil erlangen.“25 Das als unzeitgemäß für die Heutigen zu erklären ist der letzte Grund des Todes der christlichen Mission. „Wenn die Völker im Tiefinneren ihrer Religiösität die zum Heil führende Wahrheit zu eigen haben, wird die Verkündigung dieser Wahrheit durch das Christentum unbegründet und überflüssig.“26

1 Appell von Baden, in: epd Dokumentation 26/2006 Eine Herausforderung und ein Appell aus Baden.Was ist jetzt dringlich. Zur christlichen Weltverantwortung am Anfang des 21. Jahrhundertes.
2 „Appell von Baden“ S.9.
3 „Appell von Baden“ S.9
4 H. Vorgrimmler sagt zum nachkonziliaren Missionsverständnis, dem Sendungsauftrag der Katholischen Kirche: „Die Sendung der Kirche umfaßt auch die `irdische`Verwirklichung des Willens Gottes, den Frieden in
der Menschheit u. die Sorge um die Schöpfung, so daß die primären Aufgaben in der friedensfördernden Begegnung der Religionen zu sehen sind.“ Vorgrimmler: Mission in: Neues Theologisches Wörterbuch 2.Auflage 2000 S.419. Zu beachten ist, daß die primäre Aufgabe der zeitgenössischen Mission der Weltfriede ist und nicht mehr, wie Vorgrimmler es ausdrücklich sagt die Sorge um das Seelenheil der Heiden. Die Motivation zur Mission „wird nicht mehr aus der Sorge um das ewige Heil der Nichtbekehrten genommen.“a.s.O. S.419.
5 „Appell von Baden“ S.6.
6 Zum Verhältnis von dem Verzicht auf den Wahrheitsanspruch der Katholischen Religion und des Willens zum
Dialogisieren vgl: Heinz Lothar Barth, Keine Einheit ohne Wahrheit 1999: „Das Wesen des Ökumenischen
Dialoges“. Die Präsumption des ökumenischen wie des interreligiösen Dialoges ist, „daß noch keine der Par-
teien die Wahrheit im vollen Umfange besitze,“.a.s.O. S.185. Das Offenbarsein der in Jesus Christus offen-
barten Wahrheit wird so negiert und surrogiert durch die Vorstellung einer unendlichen Such- und Annäher-
ungsbewegung an die letztlich nicht erkennbare und begreifbare Wahrheit.
7 „Appell von Baden“ S.19.
8 Vgl dazu: Arnold Gehlen: „Die Religion wurde, vor allem in den letzten Jahrzehnten, immer ausschließlicher
bloß humanitär, und die Säkularisation neuen Stills verläuft heute nicht mehr über die Verführungen der
Weltlichkeit und Macht, sondern über die Moral und das Soziale.“ In: Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral
  1. Auflage 1981 S.129. Gehlen spricht von einem Huminaitarismus und meint damit, daß die Kirchen
ihre welttranszendenten Zielvorstellungen (Seelenheil, Reich Gottes) aufgeben zugunsten der Idee der
Weltverbesserung. .
9 Vgl: IK- Nachrichten Pro Sancta Ecclesia 11/2006 S.6.
10 Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland Beschlüsse der Vollversammlung
Offizielle Gesamtausgabe I 2.Auflage 1976. Zukünftig: Beschlüsse.
11 Beschlüsse 0.2 S.821.
12 Die Einleitung, verfaßt von Dr. L. Wiedemann SJ enthüllt den demokratischen Charakter dieser Synode:
weil nur knapp 30 Prozent das Thema der Mission für relevant hielten, 70 Prozent nicht, demonstriere,daß
die traditionelle Form der Mission modernisiert werden müsse, damit sie neu Relevanz gewönne.
13 Gemeinsame Synode 0.4.3. S.823.
14 Beschlüsse 0.4.2 S.822.
15 Bernhard Lang, Prophetie in: Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe Bd 3 Neuausgabe 2005 S.417.
16 a.s.O: S.428.
17 Vgl: Americo, Romano, Jota Unum Kritik am sekudären Christentum Kapitel XXXII 2000.
18 Beschluß: Missionarischer Dienst 0.2. In 0.3.3. wird die traditionelle Theologie kritisiert: „Die Theologie
rechnete nicht ernst genug mit der Möglichkeit, daß der allgemeine Heilswille Gottes Menschen auch außer-
halb der sichtbaren Kirche rettet.“
19 zitiert nach: Leo Eldersa: Karl Rahner und die nicht- christlichen Religionen, in: Karl Rahner Kritische
Annäherungen Hrsg. David Berger 2004 S.163. Vgl: Karl Rahner: Das Christentum und die nichtchristlichen
Religionen, in: Schriften zur Theologie 1972.
20 Bernhard Lang entwertet dieses paulinische Missionsverständnis, indem er urteilt: „Die Idee, dass sich ein Mensch ausschließlich der Missionsarbeit unter den Heiden zur Verfügung stellt und, im Wesentlichen für seinen Unterhalt durch Gelegenheitsarbeit selbst sorgend, als Propagandist und Organisator von Ort zu Ort
reist, ist offenbar eine persönliche Erfindung des Paulus.“ Lang, Bernhard: Mission Biblisch in: Neues Handbuch Theologischer Grundbegriffe Neuausgabe 2005 Bd 3 S.71.
21 Beschluß: Missionarischer Dienst 2.1.1 S. 824.
22 Vgl: Friedl, Richard: Mission/ Missionswissenschaft S.119 in: Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe Bd 3 Hrsgb: Peter Eicher 1985 S.118- 123.
23 A.s.O. S.121.
24 A. s. O. S.122.
25 DH40 2916.

26 Romano Amerio, Jota Unum 2000 S.553.

Sonntag, 4. Januar 2015

Kardinal Marx will von Luther lernen

Völlige Orientierungslosigkeit-Kardinal Marx will von Luther lernen!

Was könnte die wahre Kirche von einem Häretiker lernen? Was brachte Luther denn für innovative Erneuerungen? Sollen wir die Marxsche Anregung etwa so verstehen, daß das Problem des Priestermamgels nun im Geiste Luthers gelöst werden soll, daß also das Priestertum abgeschafft werde, weil Luther zu der „Einsicht“ kam, daß die Messe kein Opfer sei und es deshalb keine Priester mehr in der Kirche geben dürfe? Dann bräuchte die Kirche nur noch Gemeindeleiter, die am Sonntag predigen und eine Abendmahlsfeier leiten und keine Priester mehr. Dann können Männer wie Frauen, Verheiratete wie Unverheiratete Gemeindeleiter werden , wie jetzt bei den Lutheranern! Sollen wir uns von Luther belehren lassen, daß die Ehe kein Sakrament ist, sodaß dann jede Ehe, weil sie ein bloß weltlich Ding ist, auch jederzeit scheidbar ist! Damit wären dann alle Probleme mit Geschiedenen, die dann nochmals heiraten wollen beseitigt:sie dürften dann unbegrenzt häufig kirchlich heiraten! Auch das Problem der leeren Beichtstühle-soll das auch im Geiste Luthers gelöst werden, indem wir von ihm lernen, daß dies Sakrament eine Erfindung der Kirche sei und daß wir so einfach die faktisch fast schon beseitigte Beichte nun auch dogmatisch begründet beseitigen?
Soll die Kirche zudem auf das Weihesakrament, die letzte Ölung und die Firmung verzichten, weil Luther all diese Sakramente ablehnte? Und-trotz aller Marxchen Begeisterung für den Reformpapst Franziskus-soll das Papstamt als Erfindung des Leibhaftigen auch abgeschafft werden?
Was könnten wir denn noch von Luther lernen? Daß wir aus unserer Bibel all die Schriften zu entfernen haben, die er als „Apokryphen“ diffamierte und aus seiner Bibel rausriß? Besonders wichtig dabei die Eliminierung der Makkabäerbücher, weil sie uns über das Meßopfer zugunsten Verstorbener belehrt. Luther lehnte das ja entschieden ab! Sollen wir jetzt mit Luther die gesamte kirchliche Tradition und das Lehramt ablehnen, weil uns nur die heilige Schrift heilig ist, aber versehen mit dem Vermerk, daß uns die Bibel nur noch Autorität ist, insofern und inwieweit sie der historischen Kritik standhält.
Das sind so ungefähr die bekanntesten Mißstände, die Luther in der Katholischen Kirche beseitigen wollte. Und dafür sollen wir jetzt Beifall zollen? Gut, einige von Luther beklagte Mißstände sind inzwischen beseitigt: es gibt zwar noch die Lehre von den Ablässen, aber die „Armen Seelen“ im Fegefeuer warten wohl in diesen nachkonziliaren Zeiten vergebens auf Ablässe-hier obsiegt jetzt schon Luther! Und in der Morallehre sowieso: seitdem das Gewissen jedes einzelnen die Letztinstanz ist, die entscheidet, was für mich erlaubt und nicht erlaubt ist, ist Luther der faktische Kirchenlehrer der Morallehre der Kirche geworden.Nur in der urlutherischen Frage: wie bekomme ich einen gnädigen Gott, hat die nachkonziliare Kirche Luther schon überholt, indem hier Willy Millowitsch zu dem Kirchenlehrer der Moderne aufgestiegen ist: wir sind alles kleine Sünderlein (fast lutherisch) und kommen alle in den Himmel hinein (die bedingungslose Liebe Gottes zu allen Menschen)-hier wäre ein Ausrichten auf Luther ein „Rückschritt“!
Was macht einen Luther so verführerisch, daß nun gar Kardinal Marx der Kathollischen Kirche empfiehlt, von ihm zu lernen? Stellt sich uns der deutsche Protestantismus als ein Meer von blühenden Landschaften dar, so daß die Kirche, wie eine verdorrte Wüstenlandschaft neiderfüllt ausrufen müßte: was machen die so anders als wir, daß sie so erfolgreich sind, während bei uns alles daneben geht? Aber, wenn die Katholische Kirche einem an Lungenentzünding Erkrankten gleicht, dann müßte man-um im Bild zu bleiben-das Luthertum mit einem an Lungenkrebserkranktem im Endstadium vergleichen. Gäbe es noch einen Funken an Selbsterhaltungswillen in der Kirche, sie könnte niemals auf den Gedanken kommen, von Luther lernen zu wollen!
Oder sollte das Alles viel simpler gemeint sein? Etwa so: einst, zu Zeiten Luthers gab es Mißstände und gute Reformideen-aber dogmatische Sturrköpfe blockierten alle Reformen und das erst führte zur Spaltung der Kirche bis jetzt. Auch jetzt gibt es Mißstände (Priestermangel, Ausschluß von Gläubigen von der Eucharistie, bloß weil sie als Geschiedene wieder geheiratet haben) und gute Reformvorschläge, aber auch Reformunwillige, etwa den Kardinal Müller und wenn der Reformstau nicht bald aufgelöst wird, könnte es wie zu Zeiten Luthers wieder eine Abspaltung geben der Modernisten von der dormatisch verhärteten Kirche. Ob das Kardinal Marx im Sinne hatte?
Oder wollte er damit nur anzeigen, daß er eben politisch korrekt über Luther denkt, denn trotz seiner Judenkritik gilt er als einer der guten Deutschen! Warum eigentlich? Seine thologischen Lehren sind dem heutigen Protestanten ein einziges Greuel. Der Philosoph des Protestantismus hat in seiner Philosophie alle Lehren Luthers -vernünftig begründet-abgelehnt: die Lehre von der Schrift, die lutherische Gnadenlehre und Luthers Herzstück, die Lehre von der Unfreiheit des Willens geradezu leidenschaftlich bekämpft. Von Luther blieb nach Kant nichts mehr übrig außer seinem Nein zur Katholischen Kirche. Sonst orientierte sich der Protestantismus eher am linken Flügel der Reformation und wurde schwärmerisch! Also bliebe nur das Antikatholische Luthers als jetzt noch Relevantes von Luther-und das will nun Kardinal Marx laudieren?
Man kann es wenden und drehen, wie man will- es ist Irrsinn, daß die Katholische Kirche von Luther lernen will, wenn der heutige Protestantismus mit diesem ihrem Gründungsvater schon nichts mehr anzufangen weiß! Und sachlich gesehen: es gibt auch nichts von ihm zu lernen! Margot Käßmann, die Beauftragte des Lutherjubiläums zeigt dies deutlich: auch die EKD weiß mit ihm nichts mehr anzufangen, denn sonst hätte man nicht eine so ganz und gar unlutherische Ex“bischöfin“ für dies Amt auserwählt.
Luther zu verkürzen auf den Willen, Mißstände in der Kirche wegzurefomieren, verkennt völlig, daß er eine neue Theologie lehrte, die nicht integrierbar ist in den Katholischen Innenraum-es ist eine Theologie außerhalb der Mauern der Kirche, die sich so notwendigerweise einen neuen Raum außerhalb der Kirche schuf, in dem sie gelehrt und praktiziert wurde.Und was einst nicht integrierbar ist, ist auch heute nicht integrierbar. Zudem ist die Theologie Luthers nicht ein sich ruhendes Theoriegebäude, sondern eine Dynamik, die sich selbst zerstört, weil sie an ihren eigenen inneren Widersprüchen zu Grunde gehen muß! Nennen wir die prinzipiell unlösbaren Aporien dieser Theologie:


das „die Schrift allein“ Prinzip kann nicht selbst aus der Schrift begründet werden. Wenn aber dies Prinzip das Grundprinzip der neuen Theologie sein muß, widerspricht es als Grundprinzip selbst diesem Grundprinzip. Faktisch löst dies Problem die historische Krritik, die die lutherische Kritik der kirchlichen Tradition auf die hl. Schrift selbst appliziert, und so dies Prinzip selbst nichtet; es bleibt nur noch der reine Subjektivismus über, dem die Bibel ein Auswahlbuch ist: was mir da gefällt. Das „Allein aus Gnade“ und das „Allein durch den Glauben“, diese beiden Prinzipien destruieren sich notwendigerweise gegenseitig. Denn wenn der Glaube die Bedingung für das Heil ist, relativiert das das „Allein aus Gnade“, denn dann gäbe es eine Bedingung, die der Mensch zu erfüllen hat, damit er gnädig gerechtfertigt wird. Soll der Glaube aber nicht als eine das „Allein aus Gnade“ relativieren, darf der Glaube nicht mehr der Glaube des Menschen sein, denn dann wäre es ja sein Glaube, der den Grund der Rechtfertigung liefern würde-es muß also mein Glaube zum Werk Gottes in mir werden. Dächte ich das paulinisch, nicht ich, sondern die Gnade mit mir glaubt, )1.Kor 15,10) wäre immer noch oder gerade mein ich cooperierend dabei und so wäre die Rechtfertigung immer noch auch durch mich und nicht allein aus der Gnade. So muß Luther das paulinische „mit mir“ durch ein mechanisch vorgestelltes „durch mich“ ersetzen-das ist in Kurzform seine Lehre vom freien Willen, den er sich durch Gott determiniert vorstellt. Jetzt kann aber das: ich glaube nicht mehr gedacht werden-es müßte stattdessen heißen: Gott glaubt durch mich in mir. Dann gibt es den Menschen als gläubiges Subjekt nicht mehr! Und damit ist das Menschsein des Menschen negiert. Wenn der Mensch also nicht zum Verschwinden gebracht werden soll, muß es als Subjekt wieder auferstehen und daß kann es nur, wenn es den Gnadenmonismus begrenzt, um wieder einen Raum für die Natur übrigzulassen, in dem dann der Mensch wieder leben kann. Also müßte man wieder katholisch werden.Als Alternative bot sich aber eher an, vom Gnadenmonismus zum Naturmonismus überzugehen-und das war dann ja auch der Weg des Protestantismus: Gott liebt von Natur aus alle Menschen und es reicht das Menschsein des Menschen aus, um von Gott geliebt zu werden. Das ist dann der vollendete Naturalismus, der keine Gnade mehr kennt! Darin endete dann die Irrfahrt lutherischer Theologie. Luther ist dabei einer schrägen Fläche zu vergleichen, auf der man nicht stehen bleiben kann, denn man muß mit dieser Theologie den Raum der Kirche verlassen und wird dann hineingenommen in eine Absturzbewegung, die im protestantischen Naturalismus und Subjektivismus enden muß, wollte man nicht wieder katholisch werden. Und diese Odysseusirrfahrt empfiehlt Kardinal Marx nun der Kirche als Therapeuticum? Irrsinn!

Freitag, 2. Januar 2015

Zum Priestermangel

Fragen zum Priestermangel
statt vorschneller Antworten erst Fragen!

Es gibt Zeiten, in denen es für die Lösung eines Problemes wichtiger ist, die Fragen des Problemes zu erfassen, als gleich mit dem Beantworten zu beginnen. Die Standartantworten auf dieses Problem sind ja sattsam bekannt: die Forderung nach einer Änderung der Zugangsbedingungen zum Priestertum solle die Kirche ändern, etwa daß Frauen oder verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen seien, oder wozu jetzt wohl die sic radicalisierende Wir-sind-Kirche versteift, daß Laien auch gültig die Eucharistie feiern könnten, sodaß man gar keine Priester mehr bräuchte. Aber bevor wir nun diese sattsam bekannte Litanei verstaubter Altachtundsechziger uns wieder zu Gemüte führen, soll ab ovo das Problem befragt werden.
Gott beruft Männer zum Dienst des Priesters. Das ist die notwendige Voraussetzung menschlichen Priestertumes. Wenn es nun zu wenig Priesterberufungen gibt, liegt das daran, daß Gott selbst wenige nur beruft? Diese Frage muß gestellt werden. Wird sie sofort verneint:das könne nicht sein, dann muß gefragt werden: wenn Gott genug Männer zum Priesterdienst beruft, warum realisieren dann zu wenige diese Berufung? Soll man also folgern, daß es Männer gibt, die Gott zum Priester beruft, die dann aber ihrer Berufung nicht folgen, weil sie etwa um dieser Berufung willen auf die Ehe verzichten müßten, was sie nicht wollen? Es ist doch eine etwas befremdliche Vorstellung, sich einen von Gott zum Priestersein Berufenen vorzustellen, der dann zu seiner Berufung nein sagt, weil er bürgerlich-weltlich  leben möchte! Oder soll man sic das so vorstellen, daß Männer so begeistert sind vom bürgerlich weltlichem Leben, daß sie ihre Berufung in sic nicht wahnehmen, weil sie von dieser Liebe zum weltlichen Leben unterdrückt wird? Müßte nicht zumindest einmal erwogen werden, ob der Mangel an Priesterberufungen seinen Grund darin haben könnte, daß Gott selbst wenige beruft?
Diese Frage ausblenden, heißt, das Problem von vornherein als ein sozialpsychologisches zu verstehen: es gäbe menschlich-allzumenschliche Gründe, warum Menschen den Beruf des Priesters ergreifen würden und Gründe gegen diese Berufswahl. Die Aufgabe des Arbeitgebers Kirche wäre es nun, den Beruf des Priesters attraktiver zu gestalten, damit mehr ihn wieder ergreifen wollen!Und dazu gehört nach liberaler Meinung der Wegfall des Zölibates und vielleicht sollte man es auch den Protestanten gleichtuen und auch in einer Homosexehe Lebende als Priester zuzulassen! Nur, es darf doch wohl gefragt werden, ob dann wirklich von Gott zum Priestersein Berufene den Weg zum Priestertum gehen oder Menschen, die dann diesen „Job“ für sich als passend ansehen! Die theologische Preisfrage: kann es sein, daß Gott selbst Menschen in einen priesterlichen Dienst in eine Nichtkatholische Kirche beruft-oder zu Pfarrern in kirchenähnlicen Organisationen? Wäre das nicht so, als würde eine Bank selbst Falschgeld ausgeben? Dann müssen wir doch wohl folgern, daß Menschen ohne von Gott berufen zu sein außerhalb der Katholischen Kirche den Beruf des Pfarrers ergreifen, auch wenn sie vielleicht subjektiv sic berufen dazu fühlen.
Gehen wir nun mal davon aus, daß Gott nicht unmittelbar Männer zum Priestersein beruft, sondern vermittels anderer Menschen. Gott beruft durch die Kirche. (Das darf aber nicht als ein Ausschluß der göttlichen Möglichkeit unmittelbarer Berufung verstanden werden). Wie beruft den nun die Kirche Männer zum Priestersein? Und diese Frage stellen, heißt auch schon, das Problem zu sehen! Es bedarf keiner Untersuchung-so nützlich sie auch wäre-um zu urteilen, daß der christliche Glaube, so wie er heute durch die Kirche dargestellt wird (vom kirchlichen Kindergarten bis zur universitären Theologie) ein Glaube ohne Priester ist. Ja, eigentlich hat dieser Jesus sowieso keine Kirche gewollt und Priester schon gar nicht!, das dürfte so die heutige Mehrheitsmeinung der kirchlichen Vermittelung des Glaubens sein! Frägt man Religionslehrer, ob das Thema des Priestertumes zum Unterrichtsstoff gehört, man hört nur-Nein, außer, wenn das Thema Liebe und Sexualität angesagt ist als Skurilität!
Ja, wozu bedarf es denn des Priesters? Es ist erstaunlich-überall in der Kirche wird über den Priestermangel geklagt, aber schon das Wozu des Priesters ist dabei völlig unklar. Die meisten meinen nämlich nicht Priester-sondern Pfarrermangel, wobei unter Pfarrer dann ein Gemeindeleiter und Seelsorger verstanden wird. Die Kernkompetenz des Priesters ist aber die geistliche Vollmacht zur Wandlung von Brot und Wein in der Eucharistie und die Vollmacht zur Sündenvergebung! Aber diese Kompetenzen sind für „moderne“ Christen eigentlich überflüssig. Knapp 10 Prozent gehen noch zur hl. Messe- und zur Beichte? Ein auf praktische Nächstenliebe reduziertes Christentum braucht keine Priester und ein sich so darstellendes Christentum bekommt dann auch kaum noch Priester, weil in der Selbstdarstellung sie sich doch selbst als priesterlos versteht.
Kann die Kirche wirkich auf Berufungen hoffen, wenn sie sebst die Bedeutung des Priestertumes nicht mehr kennt oder nicht mehr zu vermitteln weiß? Fragen wir mal so: wann im Religionsunterricht oder sonstwo, etwa in der Predigt hört man etwas von der Bedeutung des Priesters für die christliche Religion? Ja, man müßte ja zuallererst von der Bedeutung des Opfers sprechen, des Meßopfers! Aber wie sollen sich Berufungen zum Priestertum einstellen, wenn dieses Wozu des Priesters ganz außer Acht gelassen wird! Will man aber nur „Gemeindeleiter“, dafür bräuchte man keine Priester-eher wären Manager da gesucht!
Drängt sich da nicht der Verdacht auf, daß der Priestermangel die Folge des vergessenen Meßopfers ist, daß man nicht mehr um die Bedeutung des Opfers Christi und des Meßopfers weiß?
Zudem: weiß irgendwer, wie viele Kandidaten von den Priesterseminaren als ungeeignet abgewiesen werden? Auch auf die Gefahr hin, nun als ein verkorkster Verschwörungstheoretiker mich zu erweisen: wären nicht völlig leere Priesterseminare der Glücksfall für alle Reformkräfte? Jetzt endlich, wo wirklich keiner mehr Priester werden will, jetzt muß endlich der „Reformstau „ beseitigt werden, sprich, Einführung des Frauenpriestertumes und weg mit dem Zölibat! Ist es wirklich ein Zufall,daß Biscof Mixa gestürzt wurde, aus seinem Bischofsamt herausgemobbt wurde, dem man vorwarf, ein volles Priesterseminar zu haben! Er nähme angeblich jeden, wenn er nur reaktionär genug sei, lautete dann die Polemik gegen diesen erfolgreichen Bischof! Könnte man daraus schließen, daß die anderen nur liberal Gesonnene aufnehmen, die also trotz des Zölibates Priester werden wollen? Die Preisfrage: wie viele der Regenten und anderen Entscheidungsträger der Priesterseminare sähen es gerne, gäbe es eine Liberaliserung der Zugangsbedingungen zum Priestertum und sind so gar nicht erfreut über Kandidaten, die unter den jetzigen Bedingungen Priester werden wollen! Kann man nicht gelegentlich die Klage Altliberaler hören, daß die Theologiestudenten keine Fans des „Geistes vom Konzil“ sind und gar nicht jung-dynamisch die Reform der Kirche wollen, wie sie, als sie jung waren?
Und noch eine Frage: macht man es sich vielleicht nicht  auch zu leicht, wenn man pauschaliter allen jungen Männern vorwirft, daß sie alle Hedonisten wären, sodaß sie deshalb niemals das Zölibat akzeptieren könnten? Es ist ein Verzicht, ein Opfer, das der zölibatär Lebende darbringt-aber die Kirche kann auch von Niemanden ein solches Opfer verlangen, wenn sie ihm nicht sagt, wozu und warum es zu erbringen ist! Es fehlt an einer Theologie des Opfers! Warum haben wir keine mehr?  

Fragen, die auf Antworten warten!                       

Donnerstag, 1. Januar 2015

Gefährdete Freiheit? (Teil 1)

Determination und Freiheit
Gottes Regieren und die menschliche Freiheit
oder gefährliche Gedanken

Wer kennt nicht diesen Satz des Römerbriefes? „Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“,wobei meist weggelassen wird: bei denen, die nac seinem ewigen Plan berufen sind;“ Röm 8,28. Aber verstehen wir diese Aussage auch? Zur Veranschaulichung der Problematil nehmen wir den Fall einer vergewaltigten Frau. Nehmen wir an, daß sie eine praktizierende Katholikin ist. Unter „Alles“ fällt nun auch dieses Widerfahrnis, daß sie vergewaltigt worden ist. Wenn das „Alles“ alle Negativererignisse ausschlösse, dann wäre diese Aussage ja ziemlich trivial, daß alles Gute Gott uns zum Guten führe. Allerdings schreibt Paulus im Hohen Lied der Liebe, daß die Liebe alles glaubt, (1.Kor.13,7.) Hier müssen wir wohl ergänzen zu allem Wahren, denn was wäre das für eine Liebe, wenn sie auch allen Unwahrheiten Glauben schenken würde. Hier kann Paulus mit dem Alles nicht alles gemeint haben!
Führt allso ihr Vergewaltigtsein ihr zum Guten? Bekannt sind solche Geschichten: ich bewarb mich um die Stelle A, es wäre mein Traumjob gewesen, aber ich wurde abgelehnt. 2 Monate später bekam ich eine andere-und die war für mich viel besser als die erste. Als ich abgelehnt wurde, da fing ich an zu zweifeln, ob mein Gott mich verlassen habe, denn ich brauchte doch als Familienvater unbedingt die Stelle, weil es mit dem Hartz 4 einfach so nicht weiterging..aber jetzt sehe ich, daß Gott es gut mit mir und meiner Familie gemeint hatte, daß er mir die erste Stelle nicht gab, weil er mir die zweite geben wollte. Die Moral von solchen Beispielgeschichten: auch wenn du es jetzt noch nicht begreifst, warum dir so ein Unglück widerfahren ist, Gott wird sich dabei etwas für dich Gutes dabei gedacht haben, sonst hätte er dies Unglück nicht zugelassen oder gar selbst gewirkt.
Aber ist das auch auf diesen Exremfall der Vergewaltigung anwendbar? Zu beachten ist dabei ja, daß es nicht heißt, daß jedes Widerfahrnis aus sich heraus zum Guten gedeiht, sondern daß diese Frucht erst durch Gottes Wirken aus den Widerfahrnissen erwächst. Aber was für eine gute Frucht sollte und könnte Gott einer Frau aus ihrem Vergewaltigtwordensein erwachsen lassen? Das soll jetzt keine rhetorische Frage sein, aber sie soll erstmal so in der Luft stehen bleiben, uns ratlos vor ihr stehen lassend.
Allen, die ihn(Gott) lieben“-diese kleine Einschränkung überlesen wir gern. Nur denen, die Gott lieben gilt diese Verheißung. Jetzt nähern wir uns einem gefährlichen Gedanken. Ich könnte so urteilen: wenn die Frau Gott wirklich geliebt hätte, wäre sie nicht vergewaltigt worden, denn Gott hätte ein so großes Unglück von ihr ferngehalten, weil aus einem Verbrechen wider diese Frau nichts Gutes für die Frau erwachsen kann. Die Selbstbefragung der betroffenen Frau hätte dann das Resultat: wenn ich Gott wirklich geliebt hätte, wäre mir das nicht widerfahren; weil es mir widerfahren ist, war meine Liebe zu Gott nicht eine wahre Liebe, eine in Gottes Urteil genügende. Es geht in dieser Aussage ja nicht um die Liebe, die Gott zu uns Menschen hat, sondern um die unserige zu ihm! Und niemand wird doch wohl behaupten wollen, daß alle Menschen Gott lieben!
Ja, wem gilt dann diese Verheißung? Schaue ich auf mich und befrage mich: liebe ich Gott? Und wenn die Johannesoffenbarung von der lauen Liebe zu Gott zu sprechen weiß, dann muß hinzugefügt werden: liebe ich Gott genug oder doch nur lau und reicht eine laue Liebe? Was wissen wir über die, die Gott lieben? Paulus sagt über sie:die, die er im Vorau+ dazu bestimmt hat, an Wesen und Gestalt seine+ Sohne+ teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.“ (Röm 8,29). Das Gott Lieben ist damit gemeint, an Wesen und Gestalt Jesu teilzuhaben! Also: Gott hat Menschen dazu erwählt, Gott zu lieben und die er dazu erwählt hat, die lieben Gott auch, sodaß ihnen diese Verheißung gilt-den Nichterwählten gilt sie nicht. Und woran erkenne ich, daß ich ein Erwählter Gottes bin? An meiner Liebe zu Gott-und woran erkenne ich, daß ich Gott liebe? Daran, daß mir nichts widerfährt, das mir nicht -durch Gottes Wirken-zum Guten gereichen würde! Jetzt sind wir -konfessionskundlich gesprochen-im amerikanisierten Calvinismus gelandet, der besagt: wen Gott erwählt hat, den bewahrt er vor Niederlagen und hilft ihm zum Erfolg, so daß ich an meinem weltimmanent erkennbaren Erfolg mein Erwähltsein erkennen kann. Wichtig: nicht weil ich erfolgreich bin, bin ich erwählt-sondern: weil ich ein Erwählter bin, gewährt mir mein Gott Erfolge und bewahrt mich vor wirklichenUnglücksfällen, aus denen mir nichts Gutes erwachsen kann! Nebenbei:ohne diesen veramerikanisierten Calvinismus wird Amerika nie begriffen werden mit seiner uns Kontinentaleuropäern so selbstverständlichen Gleichsetzung von Erfolg haben und Recht haben.Gott ist mit Amerika, weil es eben die erfolgreichste Nation ist und in ihr sind die Erfolgreichen die Erwählten Gottes und die Armen eben nicht. Amerikanisch ist dabei die Identifizierung des „zum Guten mit einem weltimmanent erkennbaren Erfolg bzw dem Ausbleiben von wirklichen Mißerfolgen. Das Zum Guten könnte Paulus ja auch rein eschatologisch gemeint haben!
Aber jetzt sind wir doch noch etwas oberflächlich geblieben! Wie ist denn Gott zu denken, daß diese Verheißung wahr sein kann? Gott erwählt bestimmte Menschen-nicht alle. Für diese Erwählten soll nun gelten: egal, was ihnen widerfährt, es gedeiht ihnen zum Guten -durch Gott. Das könnte so gedeutet werden: Gott regiert so die Welt, daß seinen Erwählten nur das an Negativem widerfährt, woraus ihnen dann etwas Gutes erwächst. Dem hl Ignatius von Loyola zerschmetterte eine Kanonenkugel das Knie-bettlägrig las er Heiligenviten, in Ermangelung von weltlichen Romanen, die er hätte lesen wollen, aber sie gab es nicht im Spital-er las also und dadurch wurde er bekehrt! Zwei Widerfahrnisse gereichten ihm zum Glück: die Kanonenkugel und das Fehlen der Wunschliteratur.Gott wirkte aber nicht nur äußerlich, durch diese zwei Widerfahrnisse, sondern er erleuchtete ihn auch innerlich, sodaß so erst das äußerlich Gelesene ihm zum Heil wurde. (Nachlesbar in dem nicht hoch genug zu würdigendem Meisterwerk: „Maria, meine Zuflucht und mein Trost, von M. Sintzel, 1919, S.668)
Nur, die Geschichte ist uns doch eine komplexe Serie von zufälligen, kontingenten Ereignissen, daß die Kanonenkugel ihn traf und zwar so traf, und daß gerade in diesem Spital der Verletzte keine weltlichen Romane vorfand! Sollen wir jetzt urteilen: was uns als zufällig erscheint, ist durch Gott so gewirkt, daß es so geschah? Determiniert Gott die menschliche Geschichte, sodaß deshalb gilt, daß den Erwählten nichts wirklich Negative trifft? Gilt dies göttliche Determinierung der Gesamtgeschichte der Menschheit und jedem Einzelereignis oder nur besonderen Geschichten in der Geschichte? Also: alle Kanonenkugeln trafen oder trafen auch nicht, aber die eine, die den Ignatius treffen sollte, die traf, weil Gott sie so gelenkt hat?
Und wie verhält es sich nun das Erwähltsein durch Gott zu dem Gott Lieben? Offenkundig war Ignatius schon ein Erwählter, bevor er sich bekehrte-aber daß er sich bekehrte, das war die Frucht seines Erwähltseins, denn deshalb erleuchtete Gott ihn, als er die frommen Bücher las, sodaß sie ihm zum Heile wirkten!
Hiermit stoßen wir auf eines der größten Probleme der Theologie: wie verhält sich das Erwähltsein durch Gott zu unserer Freiheit! Könnte es den Fall geben, daß ein Mensch zur Liebe zu Gott von Gott erwählt und bestimmt ist und daß dieser kraft seiner Freiheit sich gegen diese Erwählung zur Nichtliebe selbst bestimmt? Könnte es den Fall geben, daß ein Nichterwählter anfängt, Gott zu lieben oder können das nur von Gott Erwählte? Kann ich selbst erkennen, ob ich ein Erwählter oder ein Nichterwählter bin?
Man könnte sich das nun einfach machen, indem geurteilt wird, daß Gott alle Menschen liebe und so jeden dazu bestimmt habe, daß er Gott liebe, sodaß ihm alles zum Guten gereichen wird, nur daß der Mensch dann sich gegen seine Erwählung entscheidet und es so allein auf sein Sichentscheiden ankäme, ob er Gott lieben wolle oder nicht, denn Gott gibt jedem die Möglichkeit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden!
Oder wollen wir denn nun doch calvinistisch werden und sagen: am Erfolg erkennen wir das?
Ein Mensch kann Gutes erleben oder Böses erleiden. Wie nun, wenn wir das „Alles“ so deuten, daß was auch immer mir zufällig, oder besser gesagt kontingent geschieht, ob es gut oder böse ist, mir zum Guten wird, weil Gott das kontingente Widerfahrnis mir immer zum Guten werden läßt. Das hieße, daß das Unglück, das mich traf, mich auch nicht hätte treffen müssen,daß zur indikativischen Aussage, das geschah, die konjunktivische, es hätte sich auch anders ereignen können, hinzutritt, weil die Geschichte nicht determiniert ist, Nur, daß Gott nun mir verheißt, daß, egal, was mir geschieht, er es mir zum Guten werden läßt und daß dies in der Regel etwas Gutes in Hinsicht auf das ewige Leben meint.
Nur, das könnte nun doch Gott deistisch verflüchtigen, daß Gott zwar die Welt geschaffen habe, aber nun nur noch ein Zuguckgott ist, der das Welttheater sich anschaut, um am Ende alle Schauspieler zu belohnen oder auch nicht.
Bleiben wir im Bilde des Welttheaters, daß Gott die Welt als Theater geschaffen hat und jedem Menschen eine Rolle in dem Theater gegeben hat mit all dem, was er laut dem Regieplan des aufzuführenden Stückes zu tun und zu erleiden habe. Die Erwählten wären dann die, die nach der göttlichen Regie die wären, die dazu bestimmt sind, die Rolle der Gläubigen zu spielen und das Theaterstück sieht dann vor, daß ihnen im Stück alles zum Guten gedeiht. Das wäre eine Welt, in der alles durch den göttlichen Regisseur determiniert wäre-eine Welt ohne Freiheit, so wie es Luther und Calvin sich gedacht haben als Reformatoren. (Für Luther nachlesbar in seiner seiner Meinung nach wichtigsten Schrift, die wider den freien Willen und Calvin in seinem Unterricht der christlichen Religion-das zur Kenntnisnahme isb. für ökomenisch Engagierte!) Wenn aber der Mensch als zur Freiheit Bestimmter gedacht sein soll, dann müßte dies Bild des Welttheaters anders gedacht werden: daß Gott Rollen den Menschen gibt, die der Mensch dann frei interpretieren kann als Schauspieler. Der Mensch spielte frei seine Rolle, so wie er sie spielen will.
Das macht dann die Aussage aus dem Römerbrief sehr kompliziert.Ob ich ein Gott Liebender bin, hängt dann davon ab, ob Gott mich dazu bestimmt hat und ob ich mich dann auch gemäß dieser göttlichen Bestimmung selbst dazu bestimmt habe! Und ich stehe somit immer auch vor der Anfrage: liebe ich wirklich Gott so, daß mir diese Verheißung auch gilt? Jetzt einfach in den Himmel springen und zu sagen: ich weiß aber, daß Gott mich erwählt hat, das ist kein erlaubter Sprung, denn ich kann, solange ich hier auf Erden lebe, nicht wissen, ob ich wirklich ein Erwählter bin! Weder weltimmanente Erfolge noch weltimmanente Mißerfolge zeigen mir mein Erwähltsein noch mein Nichterwähtsein!

Eines kann aber gesagt werden: diese Verheißung verlangt keinen göttlichen Determinismus, um wahr zu sein. Selbst wenn alles sich in der Geschichte kontingnt ereignete, könnte Gott alles seinen Erwählten zum Guten gedeihen lassen, sofern das Gute dann streng eschatologisch gedacht wird. Aber es kann auch nicht wegdiskutiert werden, daß es für Paulus Menschen gibt, dcnen diese Verheißung nicht gilt, weil sie Gott nicht lieben, auch wenn der letzte Grund ihrer Nichtliebe zu Gott dann ihr Nichterwähltsein ist, es sei denn, man meinte, daß auch ein Nichterwählter auch Gott lieben könne.