Sonntag, 11. Juni 2017

Verkündigung in glaubensschwachen Zeiten- Hochkultur und Dekadenz

"7"- was sagt uns das? Eine bestimmte Zahl,eine Anzahl von was? Stelle ich aber diese 7 in einen bestimmten Kontext, begreife ich die Aussage "7". Der Rechenlehrer frug, was 5 plus 2 sei und die Schülerin respondierte: "7". 7 ist die richtige Antwort auf diese Lehrerfrage. 
Mit der Lehre vom dreifaltigeinen Gott geht es den meisten Predigern wie uns, lesen wir nur die Zahl 7 und können damit nichts anfangen. Bewährt hat sich da in der kirchlichen Predigtpraxis die Unbegreiflichkeit des dreieinen Gottes zu betonen, daß der endliche menschliche Verstand diese Dreifaltigkeit nicht begreifen könne, daß aber eigentlich Gott doch die Liebe sei, der uns Liebende und das wäre das einzig Relevante daran.
Mit einem simplen Trick wird dabei gearbeitet: Es gibt das Dreifaltigsein Gottes und die kirchliche Lehre von der Dreifaltigkeit. Diese Lehre gehört sicher zu den Prunkstücken theologischen Denkens und konnte nur in Zeiten lebendigen Glaubens hervorgebracht werden. Für die kirchlichen Theologen war sozusagen die lebendige kirchliche Frömmigkeit der Mutterboden für diese Höchstleistung des theologischen Denkens. Aber in der Kirchengeschichte treffen wir immer wieder auf Zeiten, in denen die Söhne die Theologie ihrer Väter und damit verbunden die kirchliche Tradition nicht mehr aufnehmen können: Sie haben "zu kleine Köpfe"- die Tradition ist zu groß für sie. Die Geschichte der Theologie ist eben nicht eine eines unaufhaltsamen Progressierens aus primitiven Anfängen zu immer höheren Stufen der Erkenntnis. Nach Hochphasen ereignet sich oft ein Kollabieren des theologischen Diskurses- man will es wieder einfach und schlicht. Dem Bildersturm der Reformation korrespondiert eben die Reduktion des theologischen Denkens auf einen schlichten Biblizismus unter der Parole des:
"Die Schrift allein!" (Es brauchte lange, bis die reformatorische Theologie das Niveau der Scholastik wieder erreichte in der altprotestantischen Orthodoxie, die die protestantische Theologie in der Zeit der Aufklärung dann aber wieder hinter sich ließ.)
Thomas von Kemptens Polemik wider die Trinitätslehre als für die Frömmigkeit unnützen Spekulation in seiner "Nachfolge Christi" wie auch Erasmus von Rotterdamms Desinteresse an der dogmatischen Theologie sind für solche Diskursabbrüche und Rückzüge aus dem einmal schon erreichten Niveau des theologischen Denkens  symptomatisch.  
Wir sind zu klein geworden, um noch die traditionelle Lehre von der Dreifaltigkeit nachvollziehen zu können. Aber in der Kirche wird das nicht so ehrlich eingestanden: Diese Lehre ist mir zu hoch und ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu hoch sind. Stattdessen sagt man, daß das Dreifaltigsein Gottes unbegreiflich sei und das sei so auch in Ordnung, denn der menschliche Verstand ist nun mal damit überfordert, Gott zu begreifen! 
Ganz ausgeklammert wird dann dabei eine Reflektion über das Verhältnis von Gottes Sein zur kirchlichen Lehre von der Dreifaltigkeit. Stattdessen wird abstrakt mein kleiner Kopf Gottes Größe gegenübergestellt, um zu resümieren, daß Gott eben für uns Menschen unbegreiflich ist. Aber dann wird dieser Agnostizismus wieder genichtet, indem der moderne Prediger genau weiß, daß Gottes Sein die Liebe ist und daß diese Liebe der permanente Appell an uns ist, ein liebender Gutmensch zu werden!
Wollte man die Trinitätslehre begreifen, müßte zuerst die Frage rekonstruiert werden, worauf diese Lehre dann antwortet. Wie lautete die Frage, auf die die Kirche mit dieser Lehre antwortete? Heutzutage frägt man nur noch, wie wir Heutigen diese kirchliche Lehre verstehen könnten, wobei dann meist der Eindruck eines nicht nachvollziehbaren Spekulierens um des Spekulierens entsteht und praktisch orientiert man dann diese Lehre als nicht (mehr) verstehbar und zu nichts nütze zu den Akten legt. Dem kommt ja die Zeitgeistneigung, alle Religionen als gleich wahr zu akzeptieren und somit die Trinitätslehre als die Differenz der christlichen Religion zu den anderen monotheistischen Religionen für unwichtig  anzusehen. Im christlich-jüdischen  Dialog ist diese Lehre geradezu zur "Perona non grata" geworden: Du störst unseren Dialog- weiche von uns!
Aber was war denn nun die Ausgangsfrage? Es war die Frage, wie Jesus Christus im christlichen Kult und in der Frömmigkeit zu verehren sei. Ist er wie Gott zu verehren, oder ist denn nicht nur Gott zu verehren, oder ist er wie ein Engel aber nicht wie ein Gott zu verehren oder sollen wir Christen um Jesu Christi willen es den Polytheisten gleichtuen und mehr als einen, nämlich zwei Götter verehren?
Jesus Christus gibt uns nun selbst die Antwort auf diese Frage:"damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.Wer den Sohn nicht ehrt,ehrt auch den Vater nicht." Joh 5,23. 
Wenn der Sohn wie der göttliche Vater zu ehren ist, dann kann der Sohn nicht weniger als der Vater sein. Wenn nur der Vater der Kreator wäre und der Sohn nur eine Kreatur, dann wäre es geradezu blasphemisch, den Sohn wie Gott zu verehren.
Wenn der Sohn und der Vater aber zwei Götter wären, dann würden in allen monotheistischen Religionen, der jüdischen und dem Islam nur der göttliche Vater geehrt, wir Christen wären dann die besseren Verehrer, weil wir zudem noch den zweiten Gott ehrten. Das wäre vergleichbar, als wenn der Mathematiklehrer früge, was denn die Wurzel aus 9 sei, und der eine Schüler respondierte:3 und der klügere: 3 und -3. Die erste Antwort ist richtig, aber vollständig richtig ist nur die zweite Antwort, denn 3 und -3 ergeben, mit sich selbst multipliziert 9. Alle monotheistischen Religionen wären also wahre Gottesverehrungen, nur die unserige wäre die vollständig wahre. Aber Jesus sagt hier eindeutig, daß alle, die nur den Vater ehren und den Sohn nicht wie ihn , auch den Vater nicht ehren. Der Lehrer der Wahrheit sagt nicht, daß ihre Gottesverehrung defizitär wäre- sie die Juden wie die Muslime verehren Gott in ihren Gottesdiensten überhaupt nicht. 
Was sagt das aber über das Verhältnis von Gott Vater zu Gott Sohn aus? Das bezeichnet die Trinitätslehre als die Einheit von Gott Vater und Gott Sohn. Sie sind so als Einheit zu denken, daß gilt, daß wer den Sohn nicht verehrt, auch den Vater nicht verehrt. 
Damit stehen wir nun bei den Anfangsgründen der Trinitätslehre. Sie entwickelt sich erst zur Trinitätslehre durch die Frage nach dem Wie der Verehrung des Hl. Geistes und der Nachfrage nach der Beziehung von Vater und Sohn und Hl. Geist zueinander. Aber eines ist dabei im Auge zu behalten: Am Anfang stand und steht die Frage nach der rechten Verehrung des göttlichen Sohnes.
So wird auch versändlich, warum in den Zeiten des Anthropozenntrismus und des religiös ummäntelten Humanitarismus (Arnold Gehlen) der Sinn für die Trinitätslehre verloren gegangen ist.      

  
  

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