Dienstag, 15. September 2026

Bischof Bätzing profiliert sich weiterhin als Vertreter einer politischen Theologie und als regierungstreu

Bischof Bätzing profiliert sich weiterhin als Vertreter einer politischen Theologie und als regierungstreu


Wikipedia informiert uns über den Ursprung des Begriffes der „politischen Theologie“:

Der Begriff der Politischen Theologie geht auf den römischen Gelehrten Varro zurück. Dieser grenzte mit dem Begriff >theologia civilis< die den Kaiserkult legitimierende >bürgerliche Theologie< von der >mythischen Theologie („theologia mythica und der >natürlichen Theologie< (>theologia naturalis<) ab. In der Übersetzung wurde der Begriff >theologia civilis< im deutschen Sprachraum in der Regel als >Politische Theologie< wiedergegeben. Es handelt sich aus heutiger Sicht dabei eher um für politische Zwecke benutzte >Mythologie<.“

Bürgerlich meint hier: staatsbürgerlich und soll eine religiöse Legitimierung des Staates,seiner Ordnung benennen. Man könnte nun spontan meinen, daß eine wie dann auch immer materialiter ausgeführte theologische Legitimierung der Staatsordnung durch ihre jetzige demokratische obsolet geworden ist. Eric Peterson versuchte gar in seiner Kritik an den angeblich Kaiser Konstantin hoferierenden und beweihräuchernden Eusebius von Caesarea das Ende der „politischen Theologie“ erblickt zu haben, denn der Glaube an den dreieingen Gott ließe keine politische Theologie zu.1

Aber die „politische Theologie“ erhielt im Geiste der 68er einen ganz anderen Gehalt: In ihrem Namen wurde das politische System kritisiert und oft eine radicale Systemveränderung eingefordert, daß eben Reformen keine qualitative Verbesserung des Bestehenden erwirken könnten. Die marxistische Befreiungstheologie und viele Spielarten von „Christen für den Sozialismus“ revitalisierten so das Konzept einer „politischen Theologie“, nun aber in einer systemkritischen Akzentuierung.

Aber diese kritische Theologie verschwand mit dem Ende des „real existierenden Sozialismus“, da nun der Kapitalismus als die alternativlose Gesellschaftsform anerkannt wurde und nur noch Reformen eingefordert wurden in einem sozialdemokratischen Sinne: Der Staat solle den Kapitalismus als „soziale Marktwirtschaft“ humanisieren.

Nun aber erleben wir eine Renaissance der politischen Theologie im ursprünglichen Sinne, im Geiste Varros! Nach Carl Schmitt ist für den politischen Diskurs konstitutiv die Bestimmung des „Feindes“. Das ist der, der so eine wesentliche These Michel Foucaults, aus dem regelgesteuerten Diskurs ausgeschlossenen ist: Nicht jeder ist ein legitimer Teilnehmer eines bestimmten Diskurses. Ein komplexes Regelsystem bestimmt, was ein legitimes Element eines Diskurses ist und wer ein legitimer Teilnehmer eines Diskurses ist.

Mit dem Feind redet man nicht, man redet nur über ihn! Diesen Standpunkt hat sich Bischof Bätzing und nicht nur dieser Amtsinhaber der Kirche zu eigen gemacht. Die Zeiten der Idee eines „herrschaftsfreien Diskurses“ im Geiste Habermas sind ad acta gelegt, Die Kirche hat heute den Liberalismus als einzig legitime Ideologie anerkannt und verwirft so jedes Gespräch mit Vertretern einer anderen Ideologie. Sah die sog vorkonziliare Kirche noch den Liberalismus als eine kirchenfeindliche Ideologie an, so änderte sich das durch den „Kalten Krieg“. Als die antisozialistische Ideologie im Widerstreit mit den sozialistischen Staaten reüssierte der Liberalismus zu der einzig anerkannten Ideologie des „freien Westens“, der sich die Kirche auch unterwarf angesichts der Bedrohung durch einen atheistischen Marxismus.

Nach dem Untergang des „real existierenden Sozialismus“ fand der Liberalismus sich in einer politischen Welt ohne ideologische Feinde wieder und ermöglichte es so dieser Ideologie, sich als eine Nichtideologie zu maskieren: Ideologien hätten nur die „Feinde“, nicht wir.

Aber auch wenn ein amerikanischer Philosoph gar euphorisch das „Ende der Geschichte“ proklamierte angesichts dieses Endsieges des Liberalismus erwuchs dem politischen System des Liberalismus ein alter neuer Feind: die Wiedergeburt der politisch Rechten. In Deutschland offenbarte sich dieser alte und doch so neue „Feind“ in den Demonstranten gegen die SED- Regierung in der patriotischen Parole: „Wir sind ein Volk“,das die demokratische: „Wir sind das Volk und nicht die SED“ ersetzte. Seit dem avancierte der Kampf gegen Rechts zu der Aufgabe für den politischen Diskurs, als 1989 f viele Antideutsche, nicht nur die „Grünen“ gegen die Wiedervereinigung protestierten und ein vereintes Deutschland als die Gefahr für den Weltfrieden deklarierten.2


Die neue Sternstunde der politischen Theologie gründet sich so direkt aus dem ideologischen Kampf des Liberalismus gegen jede conservative und rechte Liberalismuskritik. Dabei gelingt es sehr simpel, die ganze Ideologie des Liberalismus in die Theologie und Kirche zu implantieren durch die Aussage, daß Gott als der Schöpfer des Menschen der Grund seiner Menschenwürde und der Menschenrechte sei, sodaß die Lehre von der Menschenwürde nun die Substanz der Kirche ausmache und die wird im Geiste des Liberalismus ausgelegt.

Die Kirche offeriert so dem politischen System eine kontingente Letztbegründung, daß nur die Demokratie,eine von der christlichen Religion bejahbare Staatsform sei. Deshalb muß die Herrschaft der demokratischen Blockparteien von jedem Christen gegen jede Kritik verteidigt werden. Da nun die westliche Demokratie sich in einer Legitimierungskrise befindet, will nun die Kirche dem Staate zur Hilfe eilen, ihn gegen jede Kritik zu verteidigen. Dazu gehört nun konstitutiv die Ausgrenzung des „Feindes“ aus dem öffentlichen Diskurs: Mit solchen reden wir nicht! „Spiel nicht mit Schmuddelkindern“ hieß das einst bei J. Degenhardt, nur damals kritisch gemeint.

Die Kirche wie auch die EKD gehen dabei vorbildlich innerkirchlich gegen Rechts vor durch eine konsequente Ausgrenzung aller Nichtliberalen.

Der Primat der Politik wirkte sich auch auf die Ökumene aus: Dem Zusammenschluß von katholischen und evangelischen Christen in den C-Parteien korrelierte das ökumenische Anliegen, die innerchristlichen Glaubensdifferenzen als unwesentlich zu beurteilen im gemeinsamen Kampf gegen den „Osten“. Der alte Feind des „Kalten Krieges“ Moskau wird nun auch wieder revitalisiert in der Renaissance des Kalten Krieges und die „Russisch- Orthodoxe Kirche“ zur Feindkirche erklärt aus rein politischen Gründen. Der politische Diskurs bestimmt, wen die Kirche dann auch selbst zu ihrem Feind deklariert.

Bischof Bätzing erweist sich so als ein wahrhaftiger Bischof einer politischen Theologie, die ihre Aufgabe in der Apologetik des herrschenden politischen Systemes und der Bekämpfung jeder Kritik an ihm ansieht. 

Corollarium

"Bischof Bätzing führte nun aus, es gehe in der Debatte zum einen um das Selbstbestimmungsrecht für ungewollt schwangere Frauen und zum anderen um den Schutz ungeborenen Lebens. Die derzeitige Praxis - Paragraf 218a garantiert Straffreiheit unter bestimmten Bedingungen - bedeute aus seiner Sicht eine "kluge Balance", so der Bischof von Limburg. " Domradio 17.7.25: In dieser Debatte ist viel schief gelaufen. Dieser Bischof beurteilt die Tötung von 100.000 Kindern pro Jahr, 1 Million in 10 Jahren für eine "kluge Balance",aber den Willen zur Repatrierung illegal Eingewanderter für inhuman. 


1Vgl dazu: Carl Schmitt, Politische Theologie I und II.

2So etwas der Grünenpolitiker und Exaußenminister J. Fischer in seinem antideutschen Elaborat: „Risiko Deutschland“.

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