Montag, 14. September 2026

Wie man sich das Sonntagsevangelium Mt 28,21-35 kommod zurechtlegt und ohne Gott dabei auskommt

 

Wie man sich das Sonntagsevangelium Mt 28,21-35 kommod zurechtlegt und ohne Gott dabei auskommt



Dieser Bibeltext kann als eine Ausführung zur VaterUnser Bitte: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben“,indem dieser Text uns belehrt, welche Folgen es hat, wenn wir, denen Gott uns unsere Sünden vergibt, unseren Mitmenschen nicht vergeben wollen.

Pater Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium :Über die Kunst der Vergebung“ ist auf Kath de am 13.9. 2026 nachzulesen.Bedeutsam ist nun in erster Linie nicht, was der Ausleger da nun zu Papier gebracht hat, sondern was er völlig uns verschweigt: daß Gott, die erteilte Sündenvergebung widerruft, wenn dem er sie vergeben hatte, selbst seinem Nächsten seine Sünden ihm gegenüber nicht vergibt. „Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern,bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.“

Bedeutsam ist hier zunächst, daß von dem „Bruder“ gesprochen wird und somit nicht von jedem Mitmenschen, denn in den Evangelien meint der Bruder stets einen Christgläubigen und nicht jeden Menschen.1

Ich kann mich an keine Predigt zu diesem Evangelium erinnern, indem nicht hier statt vom Mitchristen von allen Menschen die Rede gewesen ist! So wird dies auch in der Auslegung auf Kath de verschwiegen.

Aber es wird noch seltsamer: „Kennen Sie unversöhnliche Menschen, die sich selbst, anderen, dem Schicksal, ja vielleicht sogar Gott nicht vergeben können? Wenn ja, dann wissen Sie, dass diese Menschen nicht nur unglücklich und bitter sind, sie vergiften um sich herum auch die Atmosphäre.“

Es geht also nicht darum, daß Gott uns vergibt, sondern daß wir gar gegen Gott murren, und daß Nichtvergebungsbereite sich selbst und ihren Mitmenschen damit schädigen. Sie vergiften so sich selbst und ihre Mitmenschen.

Aber Jesus Christus lehrt uns hier etwas ganz anderes: Nicht, daß der Nichtvergebungsbereite sich selbst damit vergiftet sondern daß Gott ihm dann die Vergebung widerruft. Gott zürnt dem Nichtvergebungsbereiten. Von „Gottes Zorn“ spricht hier der Sohn Gottes und nicht von einer Selbstschädigung, wenn wir nicht zum Vergeben bereit sind.


Diese Auslegung schafft es, Gott aus dem Text herauszudrängen und aus dem Vergeben ein psychologisches Phänomen zu machen: „Vergib und versöhnt wirst Du dann besser, da nicht sich selbst vergiftest, leben!“ Daß Gott vergibt aber sein Vergeben revozieren kann, wenn wir nicht bereit sind, zu vergeben, das wird aber nicht nur in dieser Auslegung verschwiegen. In der von mir gehörten Sonntagspredigt wurde immerhin von Gottes Vergeben unserer Sünden gepredigt, aber auch kein Wort darüber verloren, wie Gott reagiert, wenn wir unseren Brüdern (und Schwestern) die Sünden uns gegenüber nicht vergeben!


Dabei ist dieser Text eine Explikation der VaterUnserBitte: wie wir vergeben wird auch Gott uns vergeben, sodaß gilt: Wenn wir nicht vergeben, obschon Gott uns unsere Sünden vergeben hat, dann revoziert Gott seine Sündenvergebung.


Ganz modernistisch streicht die Kath de Predigt Gott ganz aus, um aus dem Vergeben einen rein zwischenmenschliches Tuen zu machen, gemäßigter ist es, zwar von Gottes Vergeben zu predigen, aber Jesu Rede vom Zorn Gottes über den Nichtvergebenden wegzustreichen. Gott vergebe uns, egal wie wir dann uns den Mitchristen gegenüber verhalten, ob wir ihnen vergeben oder auch nicht vergeben. Jesus lehrt hier genau das Gegenteil aber mit solch einer Wahrheit will wohl kein Prediger mehr seine Hörer inkommodieren.

1Es ist wohl heutiger Standard, „Brüder“ im Geiste der Französischen Revolution auszulegen, dabei aber zu verschweigen, daß die Kritiker dieser Revolution ganz „brüderlich“ durch die Guillotine enthauptet wurden.

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