Dienstag, 16. Dezember 2014

Bischof Stefan: auflösbare Ehen?

Ein dunkles Biscofswort zur Ehe-
oder können die geschieden Wiederverheirateten nun doc hoffen?

Der hochwürdige Bischof Stefan Oster gewährte der PNP ein Interview: „Kirche ist in dramatischem Umbruchsprozess“.1Hier nun die eigentümliche Auslassung des Bischofes, der eigentlich als eher conservativ gilt:
Es gibt ja viele wiederverheiratet Geschiedene, die Z.B aus der ersten Ehe Kinder haben und zehn Jahre mit ihrem Partner gelebt haben. Nichtigkeit heißt, ich erkläre diese Ehe für null und nichtig. Da sagen dann sensible Leute auch wieder: „ Das war doch nicht nichts.“ Wenn die Ehe zustande gekommen ist im sakramentalen Sinn, dann ist sie unauflöslbar. Doch wie viele Ehen sind überhaupt Sakrament? Hier hat Benedikt zurecht gefragt, ob wir nicht stärker die Qualität des Glaubens von Eheleuten mit einbeziehen müssen als wir es derzeit tun.“
Als erstes wird der Fall konstruiert einer 10 Jahre währenden Ehe mit Kindern, die dann „geschieden“ wurde und daß dann einer der Geschiedenen wieder heiraten will. Dann wird auf die Möglichkeit angespielt, daß eine oder beide Geschiedene diese gescheiterte Ehe durch ein Kirchengericht als „nichtig“ erklären lassen können, und wenn die Ehe dann kirchengerichtlich als „nichtig“ erklärt worden ist, „wieder“ heiraten dürften. Denn sie hatten dann gar nicht geheiratet, wenn die Ehe als „nichtig“ erklärt worden ist.
Von Conservativeren wird diese Option zur Lösung des Problemes der geschieden Wiederverheirateten gern ins Gespräch gebracht. So enthält das „Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus“ in dem Artikel „Gescheiterte Ehe...und dann“ dazu eine gediegene Darstellung zur Möglichkeit einer Ehenichtigkeitserklärung.2 Eine Nichtigkeitserklärung stellt fest, daß keine Ehe geschlossen worden ist und deshalb beide als Unverheiratete so kirchlich heiraten dürfen. Ein Grund für eine Nichtigkeitserklärung der Ehe ist es, wenn einer der beiden Eheleute vor der Eheschließung erklärt ,hätte daß er, wenn seine Ehe „scheitern“ sollte, sich scheiden lassen würde. Das macht es wahrscheinlich, daß viele Ehen nicht gültig zustande gekommen sind; in der Regel liegt das Problem dann aber in der Beweisbarmachung diese vor der Ehe gemachten Option für eine Scheidung im Falle des Scheiterns der Ehe. Aber es spricht wohl manche seelsorgerliche Erfahrung dafür, daß die Unauflöslichkeit der Ehe gemäß der Katholischen Lehre .nicht von allen Heiratswilligen bejaht wird, daß sozusagen der Notausstieg der Scheidung schon beim Jasagen in der Kirche fest eingeplant ist. Dabei müßte ja zudem noch berücksichtigt werden, daß für evangelische Partner die Auflösbarkeit der Ehe eine Selbstverständlichkeit ist, so wie für jeden Arbeitnehmer es sein selbstverständliches Recht ist,, seinen Arbeitsvertrag zu kündigen, auch und gerade auch wenn kaum jemand vor dem Unterschreiben eines Arbeitsvertrages explizite den Arbeitgeber daraufhin weist, daß er sich das Recht vorbehält, den Vertrag zu kündigen. Also, es handelt sich hier keineswegs um esoterische Sonderfälle!
Aber Bischof Stefan wischt diese Option mit einem Federstrich vom Tisch. „Da sagen dann sensible Leute auch: „Das war doch nicht nichts“. Ein sehr ungewöhnliches Argument! Wenn eine Ehe durch ein durch das Kirchenrecht vorgeschriebenes Procedere als nichtig erklärt worden ist, daß heißt, daß es als bewiesen gilt, daß keine gültige Ehe geschlossen worden ist, dann reicht das Gerede von Leuten, um das als nicht angemessenen Weg abzutuen! Selbstverständlich war die gelebte Beziehung, die 10 Jahre lang währte nicht nichts, aber sie war keine Ehe! Also, Bischof Stefan meint wohl damit, daß man „Sensiblen“ nicht zumuten kann, daß sie ihre Ehe als nicht gültige Ehe feststellen lassen , um neu heiraten zu können. Die Intention einer Ehenichtigkeitserklärung ist ja die, so kirchlich erlaubt (wieder) heiraten zu können, indem die erste Ehe zu einer Nichtehe erklärt wird und so der Weg frei ist zur Schließung der Ehe.
Bischof Stefan bschreitet nun einen anderen Weg. Er ruft aus: „Doch wie viele Ehen sind den überhaupt Sakrament?“ Was soll das, frägt vielleicht jetzt manch Leser sich.
Ganz einfach! Das Kirchenrecht unterscheidet zwischen sakramentaler und nichtsakramentaler Ehe und: nur die sakramental geschlossene Ehe ist unauflösbar! Nur, diese Frage aus einem Bidschofsmunde zu hören, irritiert doch etwas! Das Kirchenrecht definiert doch genau, wann eine Ehe sakramental und wann sie es nicht ist. Und im Zweifelsfall klärt das ein Kirchenrechtsexperte. Aber mit dem eingeschobenen „überhaupt“ wird der Leser schon auf eine ganz andere Spur gelenkt, weg vom Kirchenrecht hin zu? Das „überhaupt“ suggeriert hier nämlich, daß Ehen, die als sakramental gelten (weil sie dem Kirchernrecht gemäß als sakramental gelten,) es vielleicht realiter überhaupt nicht sind! Wahrscheinlich rekurriert der Bischof dann auf einen Aufsatz von Ratzinger, der in seiner ursprünglichen Version gern von Befürwortern einer Liberalisierung herangezogen wird: auch der spätere „conservative“ Papst war einst für eine liberale Praxis der Zulassung zur Kommunion im Sinne von: wenn die Ehe nicht sakramental ist, kann diese Ehe aufgelöst werden und neu geheiratet werden. Der Vorteil: daß nun die „gescheiterte“ Ehe nicht mehr als nichtig erklärt wird, auch das war eine Ehe, nur eben eine, die scheidbar ist, da sie nicht sakramental ist. Der emeritierte Papst hat wohl angesichts dieses Mißbrauches den Text für eine Neuausgae revidiert und diese so dieser Auslegungsmöglichkeit den Boden entzogen. Aber der alte Text ist publiziert worden und führt so nun ein „Eigenleben“ wider den Autoren.
Was macht Bischof Stefan nun daraus? Er frägt, ob wir nicht stärker die „Qualität des Glaubens“ berücksichtigen müssen bei der Frage: ist diese Ehe eine sakramentale.
Sagt das Kirchenrecht: wenn ein Mann und eine Frau gültig heiraten, dann ist diese Ehe sakramental, wenn beide gültig getauft sind, so soll nun der Glaube ein weiteres Kriterium sein, ob eine Ehe sakramental ist. Die Intention ist dann wohl die, daß nicht mehr alle bisher als sakramental angesehenen Ehen als sakramental, das heißt unauflösbar gelten sollen, sondern nur die, die zudem noch durch den Glauben- wie auch immer näher zu bestimmen- qualifiziert sind. Bischof Stefan versteht unter Glaube „eine persönliche Beziehung zu Christus“.3 Sollte das etwa heißen, daß wenn eine oder gar beide Ehepartner keine „persönliche Beziehung zu Christus“ hatten, sie keine sakramentale Ehe geschlossen hätten, sondern eine, die der unter Heiden geschlossenen gleichkommt und so-allerdings nur unter besonderen Bedingungen scheidbar ist? Und hier könnte dann tatsächlich ein „Königsweg“ gebahnt werden. Das ginge ungefähr so: „Als ich kirchlich geheiratet habe, habe ich nur so aus Familientradition es getan, aber der katholische Glaube war mir nicht wichtig. Jetzt bin ich gläubig geworden, habe einen „persönlichen Glauben“ und liebe eine gläubige Katholikin: wir möchten jetzt eine richtige katholische Ehe führen und darum möchte ich die Ehe, in der ich jetzt noch lebe, die zwar formaliter sakramental ist, aber es nicht realiter ist, weil ich sie und auch meine Frau ohne persönlichen Glauben einging, auflösen lassen „Das Eherecht der Kirche spricht hier vom „Privilegium fidei“ als einer möglichen Erlaubnis der Auflösung einer Ehe um des Glaubens willen. Ob der von mit konstruierte Fall den Bedingungen des Privilegiums genügt, ist eine Frage an Experten des Kirchenrechtes, wenn die Prämisse geteilt wird, daß eine nach dem Kirchenrecht gültig geschlossene sakramentale Ehe doch eine nichtsakramentale sein könnte und dann wie eine solche zu behandeln sein, wenn die „Qualität des Glaubens“ fehlt, die persönliche Beziehung zu Jesus.
Das gehört in das Reich der Sakramentenlehre: ist der persönliche Glaube notwendig, um ein Sakrament gültig zu empfangen? Spezieller gefragt: wird das Sakrament der Ehe nur gültig empfangen, wenn ein persönlicher Glaube vorliegt bei den Empfängern dieses Sakramentes? Das wäre ein Novum in der Sakramentenlehre! Das würde ja heißen, daß jeder Priester, der, als er geweiht wurde keinen persönlichen Glauben hatte, ungültig geweiht wäre und daß so seine Amtshandlungen alle ungültig wären!

Bischof Oster bekennt: „Ich glaube nicht, dass wir den Säkularisierungsprozess aufhalten können, aber ich glaube, dass sich Inseln bilden können, Gemeinschaften, Orte, wo plötzlich Dynamik des Evangeliums entsteht und Leute sagen: Wir glauben , wir haben Jesus persönlich kennen gelernt“. Ein klassisch pietistisches Modell aus dem Munde eines katholischen Bischofes! Erstaunlich!
Nur,könnte das eine, die neue Lehre von der Bedeutung des persönlichen Glaubens für das Zustandekommen der sakramentalen Ehe und dies pietistische Kleingruppengemeinschaftsmodell etwas Gemeinsames haben? Ja, im Pietismus gehört die Geringschätzung der Sakramente und die Überbetonung des persönlichen Glaubens als meine Privatbeziehung zu Jesus zum Ein mal Eins des Glaubens! Dann entstünde vor unserem inneren Auge das Bild von den „Taufscheinschristen“, die es nur scheinbar sind, weil sie zwar getauft aber ohne den persönlichen Glauben sind und den wahren Christen, denen mit der persönlichen Beziehung zu Jesus. Nur diese wahren Christen würden dann auch wirklich sakramentale Ehen schließen, die anderen „Taufscheinchristen“ eben nur heidnische Ehen, die dann auch auflösbar wären, besonders dann, wenn der Neuheitratswillige um des Glaubens willen die alte Ehe auflösen will um eine neue im Glauben mit einer Gläubigen zu führen.
Das mag und könnte jetzt zuviel der Spekulation sein, aber wie soll man denn dann diese dunkle Aussage des Bischofes zur sakramentalen Ehe deuten? Zudem, für diese Deutung spricht auch die Kompatibilität dieser Ehevorstellung zu der pietistisch anmutenden Vorliebe für die Kleingruppengemeinden der wahren Christen in der Institution der Scheinchristen.
Wer eine bessere Deutung vorrätig hat, bitte unter Kommentar eingeben!
1Bischof Stefan Oster, Passauer Neue Presse, 13.Dezember 2014, S.8.
2Vgl: P. Christian Jäger FSSP, Gescheiterte Ehe...und dann?, in: Informationsblatt der Priesterbruderschaft, Dezember2014,S. 8-11.

3Bischof Stefan Oster, a.a.O., S. 8.

Samstag, 13. Dezember 2014

Kardinal Woelki. der Biedermann und die Brandstifter, Neuinszenierung

Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes
oder: Wir stehen nicht allein da!

Kennen Sie das erste großangelegte Multikultiexperiment? Wußten Sie, daß das keine Erfindung von linken Ideologen und sonstigen Weltverbesseren war, sondern daß der weise König Salomon der erste Praktikant dieses Unterfangens war? Er war ein wahrer Freund der Frauen und aus Liebe zu seinen vielen erlaubte er jeder, daß sie einen Tempel für ihren Gott nach ihrem Geschmack in Jerusalem erbauen durfte. Die grauen Zeiten des: Jahwe/Gott allein-Verehrens waren vorbei-eine bunte vielfarbige Religiösität entfaltete sich. Ach, welch eine Lust und Freude: so viel Götterglaube, so viel friedliches Neben-und Miteinander unter diesem weisen König. Und warum sollen den nicht auch mal Jahwepriester beim Baaldienst mitmachen, warum nicht interreligiöse Gespräche führen so von Kollege zu Kollege? Und wenn Dürre herrschte, kein Regen fallen wollte, dann kamen die Priester aller Götter zusammen, um die Götter anzurufen-eingedenk der Synergieeffekte: gemeinsam sind wir stark! Bedauerlicherweise war Jahwe da noch nicht auf der Höhe der Multikultiideologie: sein göttlicher Zorn entbrannte über den König und sein Volk. Gott strafte es, indem er Zwietracht in das eine jüdische Volk sähte, sodaß es seine Einheit verlor. Israel teilte sich in zwei jüdische Staaten, die dann gar kriegerisch gegeneinander standen und so den Untergang des Volkes Israel als selbstständiges Volk präparierten.

Das Immunsystem des israelischen Volkes hatte versagt: sie ließen in ihren Kulturraum hinein, was dort nicht sein sollte nach dem Ordnungswillen Gottes. So zerstörten sie sich selbst!


Szenenwechsel:

Sitten wie im Alten Rom! Diesen Ausruf kennen wir aus manchem conservativen Munde. Mit Akribie und feinen Vergleichen kann das dann veranschaulicht werden. Als Beispiel dafür sei hier angeführt: G. Sichelschmidt, „Wie im alten Rom. Dekadenzerscheinungen damals und heute.“ Der Verfall der Religion gehörte zur Dekadenz damals im Alten Rom wie bei uns jetzt auch konstitiutiv dazu. Bei Sichelschmidt liest sich das so: „In Wirklichkeit existiert ein ansehnlicher Katalog von negativen Phänomenen, von denen jedes einzelne uns bereits um den Schlaf bringen könnte, weil es von tödlicher Wirkung ist. Dieser imaginäre Katalog enthält immerhin so gracierende Probleme wie Abtreibung, Aids, Alkoholismus, Amerikanismus, Asylantentum, Autoritätsverfall, Defätismus, Denkmalsdemontage, Drogensucht, Ellenbogenmentalität, Feminismus, Geburtendefizit, Geschichtslosigkeit, Homosexualität, Ich-Verlust, Irrationalität, Jugendsekten Kriminalität, Kulturverfall, Leistungsdiffamierung, Multikulti, Nationalmasochismus, Pornographie, Scheidungsrekorde, Sexismus, Sinnlosigkeitssyndrom, Staatsverdrossenheit, Terrorismus, Überfremdung, Verhaltenstörungen Wehrdienstverweigerung und Zivilisationsschäden, um nur einige zu nennen.“ Auch wenn diese alphabetisch geordnet daherkommende Reihung des Klappentextes recht undifferenziert alles und jedes an Negativem der Gegenwart aufzählt, man kann nicht umhin: es ist was Wahres dran. Das sind die Symptome der Dekadenz des Abendlandes. Vereinfacht gesagt. Die Schwächung des Willens zur Selbsterhaltung: wir wollen nicht mehr sein, was wir sind.

Dem inneren Zerfall und der Lust auf die Selbstauflösung tritt nun von Außen der Islam als Wille zur Eroberung entgegen. Das Entgegentreten wäre nun die Chance zur Rückbesinnung auf unsere eigene christlich-abendländische Identität und Kultur. Das Fremde stellt uns in Frage. Es will Europa für sich, den Islam gewinnen und unsere Kultur dabei auflösen. Bedenkenswert ist dabei die Unterscheidbarkeit von Zivilisation und Kultur. Unter der Zivilisation sei der naturwissenschaftlich -technische Wille zur Beherrschung und Nutzbarmachung der Natur verstanden, unter Kultur das geistige Leben. Im Hintergrund oder besser als Fundament: die christliche Religion, die mit ihrem Auftrag an den Menschen, macht euch die Erde untertan erst diese naturwissenschaftlich-technische Zivilisation ermöglichte und die Menschen zu einem geistigen Leben erzog. Die Errungenschaften der Zivilisation eignet sich der Islam nun an und macht sie fruchtbar für ihre Expansion, während sie die christliche Kultur des Abendlandes verneint. Es soll eine Synthese versucht werden zwischen der Zivilisation des Abendlandes und der religiös fundierten Kultur des islamisch geprägten Morgenlandes. Das islamische Morgenland steht vor den Toren des alt gewordenen Abendlandes, ausgerüstet mit den Waffen der westlichen Zivilisation!

Und es tritt ein seltsames Phänomen auf: junge Männer, groß geworden in der Dekadenzkultur des freien Westens zieht der barbarische Islam an! Es ist eine propagandistische Meisterleistung des militanten Islam, wie er seinen wohl inszenierten Terror in die Welt der Massenmedien postet und dort nicht nur Angst und Schrecken verbreitet, sondern gerade so Anhänger unter den Europäern gewinnt. Der Salafismus dürfte wohl nicht nur in Deutschland die Religionsgemeinschaft mit dem stärksten Wachstum sein! Nicht das Zeitgeistsurfchristentum katholischer und evangelischer Provenienz, sondern der barbarische Islam fasziniert. Wenn es nicht eine maßlose Verharmlosung dieser Causa wäre, erinnerte das einen an die Begeisterung von übersättigten Wohlstandsbürgern, die sich an Piraten, zweifelhaften Räuberlegenden und den edlen Wilden nicht satt sehen können, den Zerstörern ihrer eigenen Kultur, denen man doch beim Zerstörungswerk enthusiasmiert zuschaut. Auch das gehört zur Dekadenz einer alt gewordenen Kultur.

Aber bedeutsamer ist nun die Reaktion der politisch korrekten Massenmedien und ihrer Gurus. Kein Tag vergeht, an dem nicht Islamexperten und Freude des Dialoges uns beteuern, daß der Islam die Religion des Friedens, der Nächstenliebe und und ist. Und wenn dann ein paar Extremisten diese ach so friedliebende Religion mißbräuchten, dann müssen wir bekennen, daß diese Friedensreligion am islamischen Terror so unschuldig ist, wie ein Brotmesser, daß böse Menschen zum Töten ihrer Mitmenschen mißbrauchen! Auf eine Frage finde ich nun -beim besten Willen-keine endgültige Antwort: sind die Kirchenoberen wirklich so blauäugig naiv oder versuchen sie so, den Eroberer friedlich zu reden: wenn wir ihm nur lange genug einreden, daß der Islam doch eigentlich eine pazifistische Religion sei, werden sie es auch bald selbst glauben! Und versprechen wir ihren Oberen Anteile am Wohlstandsleben Deutschlands, am attraktivsten vielleicht eine Partizipation am „Kirchensteueraufkommen“ dann wird das Geld sie schon friedlich machen!

Aber es gibt noch einen Widerstand gegen diesen endgültigen Untergang des Abendlandes. „Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nennt sich ein Teil dieser Widerstandsbewegung. Wie einst der Prophet Johannes ertönt mahnend jetzt ihre Stimme. Und welche Reaktion ruft das in den politisch korrekten Massenmedien hervor? Nicht protestieren sie gegen den Islamischen Staat und seinen Terror-sie legen stattdessen die sattsam bekannte Schallplatte der ewigen Litanei des Kampfes gegen Rechts auf. Jeder Kritiker des Islam-ein Neonazi in Nadelstreifenanzug! Alles nur Nazis! So einfach dies Weltbild auch ist, es trägt Früchte. Anstandsdeutsche demonstrieren unter Parolen wie: „keine Gewalt, Gewalt ist die Sprache der Dummen“ nicht gegen den islamischen Terror sondern gegen die Kritiker des Terrors. Und selbst katholische Bischöfe, wie Kardinal Woelki sind begeistert von Christen, die engagiert gegen die Kritiker des islamischen Terrors demonstrieren! Denn diese Kritiker wollen einfach partout nicht an einen vom Herzensgrunde aus friedliebenden und pazifistischen Islam glauben, den nur ein paar Fanatiker mißbräuchten! Biedermänner glauben halt an die guten Absichten der sich bei ihnen einquartiert habenden Brandstifter, selbst wenn diese schon die Benzinfässer und die Zündschnürre ins Haus transportieren. „Ist das fürs Sylvesterfeuerwerk?“, fragen sie höchstens, um nicht aus ihrem Tiefschlaf aufgeweckt zu werden.

Der sich revitalisiertende Islam stößt so auf die „Festung Europa“, wie viele Gurrus der Multikultiideologie uns täglich einhämmern, weil Europa immer noch nicht jeden einwandern läßt, der bei uns im Wohlstandsparadies leben möchte. Aber diese Festung ist so löcherig wie ein Schweizer Käse. Von außen drängt der Islam so ins Kernland des einstigen christlichen Abendlandes vor und trifft auf einen dort schon längst Fuß gefaßt habenden Islam. Und auf ein Europa, das sich seines Mutterbodens, der christliche Religion wie einer ungeliebten Schwiegermutter am liebsten schnellstmöglich entledigen möchte. Die Herausdrängungsversuche der christlichen Religion aus dem öffentlichen Lebens Europas sprechen dafür eine deutliche Sprache, nicht nur in England. (Ich erinnere mich da-etwas dunkel- an eine Nachricht, daß ein anglikanischer Bischof in seinem Bistum Osterfeiern in den kirchlichen Kindergärten verbot mit der Begründung der Rücksichtnahme auf die islamischen Kinder der Kindergärten.)
Was tun, könnten wir nun (mit Lenin) fragen. Wollen wir nun preußisch antworten: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, oder wienerisch: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“? Es gibt couragierte Europäer, die den Kampf um die Zukunft Europas und des Abendlandes noch nicht aufgegeben haben. Sie kämpfen. Es ist eine sehr inhomogene Bewegung und sicher kann jeder Katholik, gerade weil er katholisch ist, da auch Couragierte finden, die ihm nicht ganz oder ganz und gar nicht geheuer sind-aber diese widerstehen wenigstens dem Masterplan der Islamisierung Europas. Wer hier Angst vor einer Kontaminierung hat, der möge sich bitte diese Tatsache vor Augen halten: der „Diktator“ Franco rettete einst die Katholische Kirche vor dem spanischen Bolschewismus-sicher nicht der Wunschpartner Roms, aber Rom ehrte diesen Staatsmann als Retter der Kirche Spaniens vor ihren Todfeinden! Wie peinlich dagegen, daß in unserem Lande Kirchenobere Islamkritiker verteufeln und Gegendemonstrationen begrüßen! Das sind Biedermänner, die Brandstiftern Polizeischutz gewähren, damit sie ungestört die Brandbomben zünden können!





Dienstag, 9. Dezember 2014

Anthropozentrismus in der Kirche

Das Zentrum der Liturgie: Jesus, der Pfarrer oder die Gemeinde?

Ich bin überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, ` etsi Deus non daretur[`...],daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und erhört.“ Stattdessen:„Dann feiert die Gemeinde nur sich selbst, aber das lohnt nicht.“1Hier soll nun der Versuch unternommen werden, dieser Analyse und Kritik des einstigen Kardinales und Papstes Benedikt (emeritus) nachzugehen in der Erwartung, hier nicht einfach eine schnoddrige en passaant dahingeworfene Randnotiz für Liturgieliebhaber vor Augen zu haben, sondern daß hier des Pudels Kern der heutigen Kirchenmisere erfaßt worden ist.

Und eines ist ja augenfällig: daß nach dem Konzil, dem Reformkonzil alles irgendwie ganz anders geworden ist. Dies eher diffuse Gefühl entzündet sich gerade an der nachkonziliaren Liturgie. „Ist das noch katholisch?“ Der Ästhet,und nicht nur M. Mosebach frägt sich: warum tauschte die Kirche ihre einstige so wunderschöne Liturgie ein in so was Greuliches? Aus Barockkirchen wurden betonierte Bunker mit überdimensionierten Frühstückstischen und kahlen Wänden...Ach, was könnte und müßte man nicht angesichts des barbarischen Bildersturmes der Nachkonzilszeit beklagen, was für eine große Klagelitanei anstimmen! Nur, ein selbstkritischer Einwand muß nun doch erhoben werden: ist denn die Gestaltung des Gottedienstes wirklich von so großer Wichtigkeit? Ist das Christentum denn nicht in erster Linie Nächsten- und Gottesliebe, oder besser gesagt, gelebte Moral, sodaß der Kult gar nicht von so großer Bedeutung sein könne. Das hat dann notwendig auch zur Folge, daß das Wie der Gestaltung des Gottesdienstes keine so große Bedeutung für das christliche Leben haben könne
So schreibt der modernistische Jesuit Keller ja: .„Weil Menschen jedoch offenbar nicht ohne Religion leben können, Christentum jedoch keine bestimmte Religion seiner Anhänger voraussetzt, sondern jenen Ausprägungen von Religion,die Freiheit oder Mitmenschlichkeit hindern, sogar entgegentreten muss, übernahm es spätestens seit der Konstantinischen Wende selbst typisch Religiöses, das es zuvor in dieser Weise nicht kannte, wie einen eigenen Priesterstand, Kirchen als Tempel mit Altar, heilige Geräte, Orte und Zeiten, oft aus dem Heidentum, aber auch aus jüdischer Tradition entlehnt.“ Das wäre legitim, „wenn auch gültig bleibt, dass diese Formen für das Christentum nicht wesentlich sind,“.2
Was dann auch immer die Ursachen für den Niedergang des Katholischen Christentumes sein mögen: an so etwas Unwichtigem wie der Gottesdienstgestaltung könne es nicht liegen. So sei das Votum des Papstes Benedikt von vornherein ein Irrtum.
Unter pastoraltheologisch Ge- und Ver-bildete ruft diese Diagnose zudem ad hoc Widerspruch hervor. Haben sie doch auf der Universität gelernt, daß es mehrere Grundvollzüge des kirchlichen Daseins gäbe, als da wären: Diakonie, Martyrium,Liturgie und, wenn man will die Koinonia und diese vier Komponenten bildeten eine perichoretische Einheit, sodaß auf keinem Falle eine dieser vier Disziplinen anderen gegenüber bevorzugt werden dürfte. Nur wissen wir aber schon, spätestens seit der Französischen Revolution, daß dort, wo die Gleichheit aller proklamiert wird, es immer die gibt, die gleicher als die anderen sind. Diakonie als caritativer Dienst am Einzelnen und an Gruppen und Gemeinschaften, Martyrium als Verkündigung und Lehre haben als Gemeinsames , daß sie Dienste am Menschen zu seinem natürlichem oder übernatürlichem Heile sind. Die Koinoia ist im Unterschied zur asymetrischen Kommunikationsstruktur von diakonischen und verkündigendem Handeln der Kirche eine symetrische Kommunikationsstruktur der wechselseitigen Beziehung zur Herausbildung einer humangemäßen Gemeinschaft. In Anlehnung an den brillanten deutschen Soziologen Ferdinand Toennies3 könnte gesagt werden, Koinonia meine, daß aus Menschen, die im bürgerlichen Leben in Gesellschaftsbeziehung zueinander stehen, das meint, daß jeder zum Anderen zweckrationale Nutzbeziehungen eingeht, die als gerecht qualifiziert werden, wenn sie zum gleichmäßigen wechselseitigen Nutzen ausfallen, eine Gemeinschaft wird, das ist die Vergesellschaftungsform, in der das Individuum im Gemeinwohl seine persönliche Erfüllung findet und so der Andere aufhört, nur Mittel zur Befriedigung eigener Privatinteressen zu sein. All diese drei Grundvollzüge sind also in aller ihrer Differenziertheit doch eins in ihrer prinzipiellen Ausrichtung auf den Menschen. Hier wird dem Menschen gedient.

Der kirchliche Dienst der Liturgie unterscheidet sich nun signifikant von diesen drei Grundvollzügen, indem Liturgie kultischer Gottesdienst ist. Selbstredend kann der Begriff der Liturgie so ausgefaltet werden, daß man unter ihm jede Art von Diensttuen versteht. Nur hat dies zur Folge, daß, wenn Alles so zur Liturgie wird, nichts mehr Liturgie ist, denn etwas ist nur etwas durch sein Negieren und Ausschließen von etwas anderem. Merke: Das Urteil, alles sei heilig ist identisch mit dem Urteile, daß Alles unheilig ist, wie auch der Pantheismus, Alles ist Gott, und ein materialistischer Atheismus, nichts ist Gott letztendlich in eins fallen. Damit Liturgie etwas ist und nicht nichts, muß es so ein limitiertes Tun der Kirche sein. Das besondere der Liturgie: hier dient der Mensch Gott4. Und: Gott dient dem Menschen. Im weiteren Durchdenken muß sehr wohl diese einfache basale Aussage durch eine komplexe Theorie der Verhältnisbstimmung zwischen dem Tun Gottes und dem des Menschen ausdifferenziert werden, aber diese Theoriebildung darf nicht diese fundamentale Wahrheit des liturgischen Kultes aus den Augen verlieren..

Ist bei den drei Grundvollzügen der Kirche, die der Lehre, der Nächstenliebe und Vergemeinschaftung der Adressat der Mensch, so im vierten Grundvollzug der der Liturgie Gott. Daraus entspringt das Urteil, daß diesem Praxisfeld der Vorrang gegenüber allen anderen Räumen des kirchlichen Handelns einzuräumen ist ob der qualitativen unterschiedenen Wertigkeiten des Adressaten des jeweiligen Tuns. Den Gott zu dienen ist ja das höchste, was Menschen vermögen.

Meine These lautet nun: nur unter der Prämisse, daß die kultische Liturgie nicht eine Cura posterior sondern das Herzstück der Kirche ist, ist die These, daß der Zerfall der Liturgie die Ursache der heutigen Kirchentristesse ist, rechtfertigbar. Wäre die kultische Liturgie nur ein gleichberechtigtes Praxisfeld neben den drei anderen, muß es uneinsichtig bleiben, warum just die jetzige Liturgie die Ursache der Krise ist und nicht etwa die Diakonie, die Verkündigung oder was auch immer.Dann wird aber auch erst begreifbar, warum die Perversion schlechthin der Kultliturgie die sich selbst feiernde Gemeinde ist. Denn da wird Gott entgöttlicht und vergöttlicht sich die Gemeinde selbst, indem sie den Gott ziemenden Dienst ihm entzieht und sich selbst stattdessen dient mit dem Gott allein ziemenden Dienste. Das ist die Apotheose der Kultgemeinde, die radikale moderne Prolongierung des Tanzes um das Goldene Kalb der Eigenliebe! Nach dem Urteile des hl. Augustin ist diese Vertauschung des Liebesobjektes, daß der Mensch, statt Gott zu lieben, das Kreatürliche liebt, die Ursünde schlechthin.

Im Katechismus Pius X für die Kinder im zarten Alter heißt schon die vierte Frage des Kapitels: „Von den Grundwahrheiten unseres heiligen Glaubens“: „Wozu hat euch Gott erschaffen?, worauf die Antwort lautet:„Gott hat mich erschaffen, damit ich ihn erkenne, ihn liebe, ihm in diesem Leben diene und mich dann im anderen Leben für immer seiner erfreue.“5 Der Gottesdienst ist so als der Ort gelebter Gottesliebe, die der Mensch Gott entgegen zu bringen hat, von zentraler Bedeutung. Er ist die praktische Konsequenz aus der adäquaten Gotteserkenntnis. Wo Gott erkannt wird, (kognitiv), da entzündet sich die Liebe an dem erkannten Gott (affektiv), und dies setzt aus sich heraus den praktischen Willen zum Gottesdienst (voluntativ). Gerade diese Reihe läßt uns sofort vermuten, daß die letzte Ursache der Krise des heutigen Gottesdienstes selbst eine (um es erst mal vorsichtig auszudrücken) defizitäre Gotteserkenntnis ist. Selbstredend ist der hier im Katechismus so fundierte Gottesdienst nicht reduzierbar auf den kultischen Gottesdienst, aber es muß konstatiert werden, daß er der primäre Ort gelebter Gottesliebe ist.6

Es ist mehr als bezeichnend, daß das große Heilsereignis in der Geschichte des Volkes Israels, die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei (als die Vorabbildung der Befreiung des Menschen aus der Knechtschaft der Sünde) wie folgt begründet wird. Mose soll dem Pharao ausrichten, daß es Gottes Wille ist: „dimitte populum meum, ut sacrificet mihi in deserto.“ (Ex.5,1)damit es mir opfere in der Wüste7. Der kultische Gottesdienst ist in seinem Zentrum die Feier des hl. Opfers. Um das Wesen des kultischen Opfers zu verstehen ist es am zweckmäßigten, ihn von seiner Zweckursache her zu begreifen, denn alle Elemente des Opfers sind ja teleologisch auf den Endzweck des Opfers ausgerichtet: Ludwig Ott in seiner dankenswerter Weise im Verlag „nova & vetera 2005 neu verlegten Dogmatik erfaßt den Opferzweck so: Der Opferzweck (finis sacrificii): „der primär in der Anerkennung der absoluten Oberherrlichkeit Gottes durch Anbetung, Dank und Bitte und sekundär in der Versöhnung Gottes durch die Sühne besteht.“8
In der Enzyklika des Papstes Leo XIII., „Caritatis studium“ wird das Wesen des Opferkultes noch prinzipieller als das Herzstück der Religion begriffen: „Das Wesen und die Natur der Religion enthüllt die Notwendigkeit des Opfers....Und wenn man die Opfer entfernt, kann eine Religion weder sein noch gedacht werden.“9 Papst Leo verwirft damit aufs entschiedenste die Vorstellung, daß die Eucharistiefeier nur eine Gedächtnisfeier des Kreuzesopfers Christi sei. Nein, im Meßopfer wird das Opfer Christi „fortgesetzt“10. In Lumen gentium heißt es demzufolge, daß der Priester „in der Person Christi das eucharistische Opfer vollzieht und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar;“11. Die Theozentrik des christlichen Gottesdienstkultes ist so hinreichend vergegenwärtigt.

Ratzingers Kritik besagt nun, daß statt Gott der Mensch in das Zentrum des Gottesdienstes getreten ist, der so besser als „Menschendienst“ zu betiteln wäre. Die Anthropozentrik habe die Theozentrik der Alten Messe ersetzt und so den kirchlichen Kult entkernt, seines Wesens beraubt.12 Das wäre der Kern der Krise und der Misere der jetzigen Meßpraxis! Unter dem Begriff der Anthropozentrik soll hier im Folgenden verstanden sein das Weltbild, in dem der Mensch sich als Mittelpunkt auslegt und alles andere nur insoweit betrachtet, als er es in Beziehung zu sich seiend, also relational denkt. Es ist die Ersetzung der Substanzontologie, des Dinges an sich, würde Kant sagen durch eine Relationsontologie,in der etwas nur das ist, was es für den Menschen ist, so daß alles, seines Selbststandes beraubt zum Mittel für den Menschen wird. Das Geschöpf Gottes, der Mensch usurpiert das Zentrum und degradiert Gott zum bloßen Mittel seiner Lebenssteigerung im religiösen Anthropozentrismus oder verwirft den Glauben an Gott im religionslosen Anthropozentrismus als den Menschen klein machende Größe. Im reli-giösen Anthropozentrismus erhebt sich so der Mensch selbst (mit seinen Bedürfnissen und Interessen)zum normativen Maß Gottes: das, was Gott ist, hat sich am Menschen auszurichten, Gott ist nur noch der Gott für uns13.

Zu diskutieren ist nun, ob diese Tendenz zur anthropozentristisch bestimmten Liturgie nur aus einem inadäquaten Zelebrieren der Reformmesse kommt Dann wäre der Kern der Krise und der Misere die jetzige Meßpraxis! Oder wohnt schon der Theorie der neuen Messe eine Tendenz zum Anthropozentrismus inne?

Der Verfasser möchte nun diese Diskussion eröffnen durch eine Betrachtung einer Marginalie, die aber, das soll hier andemonstriert werden, keine ist, sondern das Zentrum der Liturgie tangiert!

In der im Jahre 1998 vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen Arbeitshilfe: „Die Meßfeier“ ist unter der Nummer 276 mit der Betitelung: „Die Aufbewahrung der Eucharistie“ zu lesen:„Es wird sehr empfohlen, die Eucharistie in einer vom Kirchenraum getrennten Kapelle aufzubewahren, die für das private Gebet der Gläubigen und für die Verehrung geeignet ist.“14 Nur wenn dieses nicht möglich sei, dürfte auch anders verfahren werden. Selbstredend meint hier der Begriff der Eucharistie das konsekrierte Elemente des Brotes, also den Leib Christi, Jesus Christus selbst als wahren Gott und wahren Menschen, der hier seine Platzanweisung erhält außerhalb des Raumes der Gottesdienstfeier in einer Nische für die Privatfrömmigkeit.

Der Katechismus der Katholischen Kirche resümiert zum Tabernakel: „Die `heilige Reserve` (Tabernakel) war zunächst dazu bestimmt, die Eucharistie würdig aufzubewahren, damit sie den Kranken und Abwesenden außerhalb der Messe gebracht werden könnte. Durch die Vertiefung des Glaubens an die wirkliche Gegenwart Christi in seiner Eucharistie wurde sich die Kirche bewußt, daß es sinnvoll ist,den unter den eucharistischen Gestalten anwesenden Herrn anzubeten. Darum muß sich der Tabernakel an einem besonders würdigen Ort in der Kirche befinden...“15 Zu fragen ist: ist der angemessene Ort auch außerhalb des Gottesdienstraumes in einer Nischenecke und ist das Tabernakel nur Ort privater Frömmigkeit außerhalb des öffentlichen Kultgottesdienstes?

Aber noch stutziger macht den Lateinkenner die Übersetzung von Tabernakel als heilige Reserve! Tabernakel, lateinisch tabernaculum, das ist zuerst das Begegnungszelt, hier verkehrte Gott mit Mose. Vgl etwa Exodus 40. Es meint das Präsentsein Gottes unter seinem Volke in der besonderen Beziehung zu Moses. Kult und Gegenwart Gottes gehören aufs engste zusammen. Nur dort, wo Gott gegenwärtig ist,an durch seine Selbstpräsenz geheiligte Orte wird im Alten Bund Gottesdienst gefeiert. Nicht wird ein Ort heilig, weil sich dort Gläubige versammeln, sondern die Gläubigen versammeln sich an dem Ort, der durch Gottes Gegenwart geheiligt ist.Kult und Gegenwart Gottes gehören aufs engste zusammen. Nur dort, wo Gott gegenwärtig ist,an durch seine Selbstpräsenz geheiligte Orte wird im Alten Bund Gottesdienst gefeiert. Nicht schafft der Kult den heiligen Ort, sondern das Präsentsein Gottes heiligt den Ort, sondert ihn von der Profanität ab und qualifiziert ihn zum kultfähigen Ort. So ist es selbstverständlich für die Liturgie des Alten Bundes, daß Gott den Ort seiner Verehrung in Jerusalem bestimmt und daß der dort erbaute Tempel der Wohnort Gottes, seines Namens unter den Menschen ist.(1.Kön 8,29). Der allgegenwärtige Gott ist der, der als anrufbarer im Tempel wohnt. Zwischen dem ubiquitären Dasein Gottes und der Proexistenz Gottes, er ist da für den Menschen, unterscheidet hier der biblische Text. Beten heißt, im Tempel oder auf den Tempel hin ausgerichtet zu beten, den er ist der Ort der Vermittlung zwischen Welt und Gott. Der Neue Bund in Christo ist nun nicht einfach die reine Negation des Alten Bundes, sondern eher hegelianisch verstanden seine Aufhebung. Die Selbstpräsenz Gottes als: „seinen Namen wohnen lassen im Tempel“ findet so seine Prolongierung im christlichen Kultus im Tabernakel. Anfänglich mag das Tabernakel wirklich nur der solenne Ort der Aufbewahrung nicht konsumierter konsekrierter Elemente zwecks späterem Verbrauches gewesen sein, aber in der organischen Weiterentwickelung des Verstehens der Realpräsens Christi in den gewandelten Elementen veränderte sich dieses. Die Liturgie des Römischen Ritus weiß zu sagen, daß erst es im Barock gelang, „in herrlichen Schöpfungen den Tabernakel mit dem Altar zu einer den Aufbewahrungsort der Eucharistie als Zentrum des Altarhochbaues betonenden künstlerischen Einheit zu verschmelzen. Der Tabernakel muß jetzt regelmäßig sich auf dem Hauptaltar der Kirchen befinden.“16 .

Zum Zentrum des Kultes avanciert hier der barocke Hochaltar mit seinem Herzstück, dem Tabernakel. Und es ist einsichtig, daß das die dem Neuen Bund adäquate Umformung des hebräischen Tempelkultes ist, denn der Opferkult verlangt gerade die Präsenz des Adressaten des Kultes im Kultort selbst! Die architektonische Ausrichtung des Gottesdienstraumes auf den Hochaltar mit seinem inneren Zentrum des Tabernakels als Ort der Präsenz und der Begegnungsbarkeit Gottes ist so die Umsetzung der gewachsenen Einsicht in die Bedeutung der Realpräsenz Christi in der Eucharistie. Es ist hier nicht der Ort einer liturgeschichtlich archälogischen Rekonstruktion der Entwicklung der Tabernakelfrömmigkeit,17 sondern es soll sich limitiert werden auf die systematische These, daß die Fokusierung auf den real präsenten Gott Jesu Christi in dem Tabernakel den Kult entlastet hat von einer einseitigen eschatologischen Fixierung auf den adventlich wiederkommenden Christus und entlastet hat von einer einseitigen Fixierung auf die Vergangenheit des einmal Geschehenseins. Die Entwertung des Kultes ereignet sich dann, wenn nur noch betont wird, daß an das „Abendmahl“ Christi und an Kreuz und Auferstehung erinnert wird und gehofft wird auf sein Wiederkommen.Das Jetzt des Kultes verblaßt dann zu einem bloßen Dazwischen als leerer Ort.

Für den kultischen Gottesdienst ist nicht das Verheißungswort, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da ist der Herr unter ihnen“ das Fundament sondern es gilt, daß die Kultusgemeinde sich da versammelt, wo Gott seinen Namen wohnen läßt, nämlich im Tabernakel des Neuen Bundes. So gesehen konstituiert erst der im Tabernakel selbstpräsente Gott die Kirche zum heiligen Kultort und bildet so das Zentrum des Kirchenraumes. Dem entspricht in angemessenester Weise die Tradition des barocken Hochaltares mit seinem Herzstück, dem Tabernakel. Es ist die christozentische Ausrichtung des Kultes, die sich in dieser Bauaästhetik manifestiert und in erhabenster solenner Weise entfaltet.

Aber in dieser Christozentrik obwaltet nun auch ein Problem, nämlich das der zweifachen Selbstpräsenz Christi, die im Tabernakel und die in der aktuell konsekrierten Hostie im Vollzuge der Eucharistiefeier. Der CIC löst dieses Problem einfach im Can 941 § 2: „Während der Meßfeier darf im selben Raum der Kirche oder der Kapelle keine Aussetzung des Allerheiligsten stattfinden.“18 Nicht übersehen werden kann aber, daß in Folge dieser kirchenrechtlichen Lösung für den Kultus eine Überbetonung der aktual sich ereignenden Selbstvergegenwärtigung Christi im Wunder der Transsubstantion zuungunsten der permanennten Selbstpräsenz Christi im Tabernakel evoziert wird und damit der konstitutive Ermöglichungsgrund des Kultus, Gottes Dasein im Kult selbst verdunkelt wird. Aber bei diesem ersten Schritte bleibt es nicht. Der den Kult erst ermöglichende Christus in seiner sakramental- eucharistischen Präsenz wird nun hinauskomplimentiert und in Nischen des Kirchenraumes verbannt, damit er den modernen Gottesdienst nicht mehr stört.
Ein Vakuum entsteht und wird sofort von anderen usurpiert: die dreigliedrige hierachisch gestufte Ordnung von dem im Zentrum stehenden Hochaltar mit dem Herzstück des Tabernakels, des Ortes, wo Gott seinen Namen wohnen läßt und dem Priester als dem Vermittler zwischen dem oben präsenten Gott und dem unter Gott sich versammelnden Volke, wird nun ersetzt durch die bipolare Struktur von Priester und Volk, die miteinander oder unter Führung des Priesters oder unter Führung des Volkes gemeinsam feiern. Der Priester vermittelt nicht mehr zwischen Gott und dem Volke, indem er unter dem Hochaltar stehend von dem dort präsenten Gott zum Volke hin vermittelt und als vor dem Volke stehend zum Gott hin vermittelt. Die architektonische Höhendifferenzierung, das Allerheligsten am höchsten Punkte, das Volk als zu Gott hingewandt unter ihm und der Priester dazwischen stehend, entsprach der Hierachie von Gott, Priester und Volk. Jetzt, wo der Priester hinter dem Altar stehend zum sichtbaren optischen Zentrum des Kultes avanciert, provoziert dies den Protest der Gemeinde, die nicht mehr unter ihrem Pfarrer stehen will und so entsteht die Forderung der Einebnung und Egalisierung: auf einer Höhenstufe feiert nun die Gemeinde mit ihrem Pfarrer modern liberal ausgerichtet oder konservativer insistiert der Pfarrer auf seinen sichtbaren Vorsitz in der Feier. Beiden Positionen, der liberalen, wie der konservativen ist das Eine gemeinsam, daß die Mitte des Kultes, das Zentrum verloren gegangen ist und das war der barocke Hochaltar mit seinem Herzstück des Tabernakels als dem Ort der Gegenwart Gottes. So gesehen soll als Abschlußthese gelten, daß die Verdrängung des Tabernakels aus dem Zentrum des christlichen Kultes und die Positionierung des Pfarrers im Gegenüber zur Gemeinde hinter dem Altar die Manifestation eines anthropozentristischen Kultverständnisses ist, der die christliche Liturgie ihres Herzens beraubt. Hier beginnt die Gemeinde, sich im religiösen Humanismus einnistend, sich selbst zu feiern und das ist das Ende des Gottesdienstkultes. Und so gesehen ist die Positionierung des Tabernakels keine bloße Marginalie, sondern tangiert das Zentrum des christlichen Kultverständnisses.
















1 Kardinal Ratzinger, zitiert nach KU S. 1 ß/2006
2Keller, A., S.J. Grundkurs des christlichen Glaubens.Alte Lehren neu betrachtet, 2011.
3 Ferdinand Toennies, Gemeinschaft und Gesellschaft3 1920.
4 Vergleiche dazu die konträre Position von H. Emminghaus: „Die Kirchenkonstitution des 2. Vatikanischen
Konziles (Lumen Gentium) stellt deutlich heraus, daß sich das Wesen und Wirken der Kirche in dreierlei Hinsicht erweist: In der glaubenserweckenden und -belebenden Verkündigung, im Dienst an der Welt (der sogenannten `Diakonie`oder Caritas) und in der Liturgie...Dabei ist die `Liturgie` nur der andere Name für `Heilszuwendung durch die Sakramente`. Diese drei Elemente: Verkündigung, Liebesdienst und Liturgie bilden miteinander eine unauflösliche Einheit.“ In: Die Messe, 19925 S.22. Hier wird die Liturgie und damit die ganze Kirche reduziert zu einem bloßen Menschendienst. Diesem Verluste der vertikalen Beziehung entspricht es, wenn etwa im monastischen Stundenbuch 3.Bd, Hrsgb: Salzburger Äbtekonferenz 1981 der Antiphon zur Mittwochterz heißt: „Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe; wer den Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt:“ Der Ausfall der Gottesliebe ist signifikant.
5 Hl. Pius X., Kompendium der christlichen Lehre 1981 S.1.
6 Karl Rahner sagte: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker , oder er wird gar nicht mehr sein.“zitiert nach Thomas Ruster, Die Einheit der Unterscheidung und das unterscheidend Christliche, in: Karl Rahner Kritische Annäherungen Hrsgb: David Berger 2004, S.43 und verweist damit auf die grundsätzliche Alternative, die Religion als unmittelbare Beziehung des Individuums als den Anfang zu setzen, und die Kirche dann als sekundäre Vergemeinschaftungsform von religiösen Individuen zu verstehen, so daß der Kult dann nur noch Gestaltwerdung des Glaubens ist oder ob nicht der Gottesdienst selbst der Ort primärer Gotteserfahrung ist. Dem korreliert, ob der Kult primär der Ort der Präsenz Gottes ist, wo sich deshalb die Gemeinde hinversammelt,oder ob das Versammeln der Gläubigen als der Grund dafür angesehen wird, daß hier mit Gottes Gegenwart zu rechnen ist.
7 Die Einheitsübersetzung, sich am hebräischen Text orientierend, liest: „damit sie mir in der Wüste ein Fest feiern können.“,und bringt so den kultischen Charakter der Feier zum Verschwinden. Aus Dienst wird eine Feier; darin spiegelt sich der Sitz des Gottesdienstes in der Moderne, der Freizeit wieder. In der Osterliturgie wird die Befreiung Israels aus Ägypten als Vorababildung der Befreiung aus der Sündenmacht durch Exodus 14, 15- 15,1, vergegenwärtigt als Befreiung von/ aus der Sklaverei, nicht wird aber die Befreiung wozu, zum Gottesdienst vergegenwärtigt. Vgl.: Schott,Meßbuch, Für die Sonn- und Festtage des Lesejahres A 1983. S.215f
8 Ott, Ludwig, Grundriß der Dogmatik11 :S.272. Die kirchliche Lehre von der Versöhnung Gottes durch das Kultopfer wird heutzutage von modernistischen Theologen aufs entschiedenste bekämpft. M. Kehl SJ in dem Themaheft: „Versöhnung“ 2006/2 der Jesuiten, als Herausgeber fungiert die Deutsche Provinz de Jesuiten, führt dies modern jesuitisch so vor: „Viele Christen empfinden heute eine solche Vorstellung von Erlösung und Versöhnung, vor allem auch das damit veknüpfte Gottesbild als schrecklich, ja als sadistisch. Mit Recht!“ Dann demonstriert dieser Theologie, wie Versöhnung ob der Liebe Gottes als bedingungslose Versöhnungsbereitschaft verstanden, keines Opfers und keines Opferkultes bedürfe. In typisch modernistischer Weise wird hier Gottes Liebe verdeutet zur Vorstellung, daß Gott jeden Menschen,den postlapsarischen (!) so annimmt, wie er ist und zu ihm: „Ja“ sagt. Gott bejaht den Sünder und läßt ihn Sünder bleiben. Vgl dazu auch die Vorstellung, Gottes Liebe sei die unbedingte Anerkennung des Anderen als des Anderen bei: Karl- Heinz Menke, Die Einzigkeit Jesu Christi 1995.
9 DH 3339.

10 DH 3339. Vgl DH 1751: Es heißt, daß in der Messe Gott ein wahres und eigentliches Opfer dargebrachtwird und nicht heißt es, daß in der Messe nur die Erinnerung an das Kreuzesopopfer Christi begangen wird und auch heißt es nicht, daß nur die Früchte des Kreuzopfers in der Erinnerungsfeier aktuell appliziert werden.
11 DH 4126.
12 Romano Amerio veranschaulicht die Konsequenz der anthropozentristischen Formung der Messe in dem radikalen Wandel des Verständnisses des Altarsakramentes: „Die Eucharistie ist ja von einer unmittelbar auf den Erlösergott verweisenden Opferhandlung zu einer brüderlichen Agape feiernden Mahlzeremonie heruntergekommen.“ In: R. Amerio,Jota Unum 2000 S.579.
13 Hilberath und Schneider demonstrieren die Auswirkung dieses Wandels vom substanzontologischen zum relationsontologischen Denken in ihrer Auswirkung in ihrem Votum für die Ersetzung der Transub-stationslehre durch eine Transsignifikationslehre in ihrem Artikel: Eucharistie in: Handbuch theologischerGrundbegriffe, Hrsgb: Peter Eicher, Bd 1 1984, S. 305- 317. Diese Lehre ist in der Enzyklika: Mysterium fidei 1965 reprobiert worden (DH 4411f)

14 Im CIC Can. 938 §2 heißt es dagegen noch: „Der Tabernakel, in dem die heiligste Eucharistie aufbewahrt wird, muß sich an irgendeinem hervorragenden Platz der Kirche oder Kapelle befinden, der gut sichtbar, kunstvoll ausgestattet und zum Gebet geeignet ist.“ Aus dem hervorgehobenen Platz innerhalb der Kirche wird in der zitierten Arbeitshilfe die Aussonderung aus dem Gottesdienstraum in eine Nische für die Privatfrömmigkeit.
15 Katechismus der Katholischen Kirche 1993 1379.
16 Lechner/ Eisenhofer, Liturgik der Römischen Ritus 1953 S.105.
17 Hans Bernhard Meyer im Handbuch der Liturgiewissenschaft, Gottesdienst der Kirche Teil 4 1989 urteilt einfach: „Nach dem Tridentinum wurde schließlich im Kontext der gegenreformatorischen Verteidigung der bleibenden Gegenwart Christi im Altarsakrament das Tabernakel auf dem Hauptaltare zum ideelen,archtektonischen und ikonographischen Zentrum der meisten Kirchenräume.“ um dann wohlwollend festzustellen, daß das 2. Vatikanum „eine wirksame Neuorientierung im Sinne der ursprünglichen Ordnung“ hervorgerufen habe. S.585 ohne zu prüfen, ob diese Entwickelung nach Trient nicht eine organische Weiterentwickelung und Vollendung des ursprünglichen Anliegens der christlichen Feier des Altarsakramentes war in dem Sinne, daß auch der christliche Kult Rechenschaft über seine Konstitutionsbedingungen geben mußte, über die Frage der Präsens Gottes im Kult als Ermöglichungsbedingung seines Vollzuges.

18 Erwägenswert ist es, ob es nicht eine bessere Lösung für die zweifache Realpräsens Christi in der Meßliturgie geben könnte, die die Spannung zwischen dem Ereignischarakter der Wandlung, der dynamische Präsenz und der statisch auf Dauer gestellten Realpräsenz im Tabernakel aufhebt, ohne eine dieser beiden Pole zu verdrängen. Ludwig Ott führt zum Opfercharakter der Messe aus: „Spekulativ läßt sich der Opfercharakter des Kreuzestodes Christi daraus begründen, daß alle Erfordernisse erfüllt waren. Christus war nach seiner menschlichen Natur zugleich Opferpriester und Opfergabe. Nach der göttlichen Natur war er in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Hl. Geist auch Empfänger des Opfers.“ Ott, Grundriß der Dogmatik11 S.273. Dann könnte diese zweifache Weise der Realpräsenz wie folgt sinnvoll zugeordnet werden: Christus als Empfänger des Opfers ist der im Tabernakel präsente, der in den konsekrierten Elementen präsente ist dagegen der Christus als der sich dem dreieinigen Gott Aufopfernde. Denn zur hinreichenden Bestimmung des Opfers ist die Präsenz bzw. Erreichbarkeit des Gottes, dem geopfert wird konstitutiv. Nur dort, wo Gott selbst sich als gegenwärtiger Menschen erweist, können sie ihm einen Kultort errichten, um dort zu opfern. So z.B. Gen 12, 7: Der Herr erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar.   

Papst Benedikts (emeritus) neue Aufgabe

Was ist der Mensch? Der Kampf um die Erbsündenlehre

Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. schrieb: „Sollte mich eines Tages die Vorsehung von diesen meinen Verpflichtungen befreien, möchte ich mich gerade dem Thema der Erbsünde beziehungsweise der Notwendigkeit einer Wiederentdeckung ihrer eigentlichen Wirklichkeit widmen.In der Tat, wenn man nicht mehr versteht, daß sich der Mensch in einem Zustand der (nicht nur ökonomischen und sozialen und folglich in einer mit seinen eigenen Anstrengungen allein nicht lösbaren) Entfremdung befindet, versteht man nicht mehr die Notwendigkeit des Erlösers Christus. Die ganze Struktur des Glaubens ist somit bedroht. Die Unfähigkeit, die Erbsünde zu verstehen und verständlich zu machen, ist wirklich eines der schwerwiegendsten Probleme der gegenwärtigen Theologie und Pastoral.“1
Ganz anders urteilt der Rahnerschüler H. Vorgrimmler, berühmt geworden durch sein Engagement für den Dialog mit dem Freimaurertum. Als Beleg dafür, daß der „Glaubenssinn“ der Gläubigen sich gegen die Lehre der Kirche durchsetzen könne, benennt er im Sinne Rahners die Ablehnung der Erbsündenlehre durch das Kirchenvolk. Sie habe diese Lehre erfolgreich außer Kraft gesetzt, triumphiert dieser Theologe. „Die zweite Stufe ist eine Verweigerung, der ein eigener neuer Vorschlag folgt. Ein Beispiel ist die Säuglingstaufe. In weiten Kreisen unserer Kirche wird das Behaupten einer Erbsünde abgelehnt, aus Ehrfurcht vor dem Gottesbild und als Respekt vor dem menschlichen Gewissen. Darum wird die Redeweise von dem erbsündigen Säugling, der ohne Taufe für immer und ewig verloren und dem Teufel ausgeliefert sei, aufgegeben, der Ritus wird als Aufnahme in die Kirche verstanden.2
Also, die Erbsündenlehre verstoße gegen das Gewissen und gegen das Gottesbild. Deshalb wird bestritten, daß der Mensch der Taufe zur Befreiung von der Erbsünde bedürfe. Das erforderte dann eine Neufassung des Verständnisses des Taufsakramentes. Die kirchliche Praxis der Taufe, sie so früh wie möglich nach der Geburt zu vollziehen, gründet sich ja in der Erbsündenlehre, daß jeder Mensch von Anfang an der Erbsünde unterworfen ist und um des Heiles willen von ihr befreit werden muß, damit er ins ewige Leben eingehen kann. Dies verwirft nun das Kirchenvolk und natürlich die moderne Theologie. Deshalb ist nun der Taufe auch ein neuer Sinn zu geben: sie ist nur noch ein Aufnahmeritual in die Kirche. Warum nun Kleinstkinder schon in die Kirche aufgenommen werden sollen und man nicht wartet, bis sie selbst dem Verein Kirche angehören wollen, bleibt dann aber rätzelhaft.
Aber wenden wir uns dem Kern des Problemes zu. Die Erbsündenlehre verstieße gegen das Gottesbild und wäre für das menschliche Gewissen unzumutbar. Und darum müsse diese Lehre zu den Akten gelegt werden. Wo diese Lehre abgelehnt wird, fällt das Sakrament der Taufe aus. Kardinal Ratzinger sieht den engen Zusammenhang zwischen der Bestimmung des Menschen als eines Erlösungsbedürftigen und daß der Mensch sich nicht selbst erlösen kann, sondern durch die Gnade Gottes erlöst wird. Das ereignet sich durch das gespendete Sakrament der Taufe. Wo der Mensch nicht mehr als erlölsungsbedürftig angesehen wird, oder wenn doch, dann unter der Prämisse, daß er sich selbst aus seiner Entfremdung emanzipieren kann, da bedarf es keines Sakramentes der Taufe mehr. Deshalb wird die Taufe entsakramentalisiert und zu einem bloßen Aufnahmeritual umgedeutet. Im tiefsten Kern ist das Nein zur Erbsündenlehre ein hybrisches Nein zum Glauben der Kirche, daß der Mensch sich nicht selbst erlösen kann sondern dafür auf Gottes Gnade angewiesen ist.
Und darum war der erste große Lehrstreit um die Bedeutung der Gnade, der zwischen Augustin und Pelagius auch und gerade ein Kampf um die rechte Tauflehre. Denn mit dem Sieg des hl. Augustin wider Pelagius wurde die heutige Taufpraxis, die Neugeborenen so früh wie möglich zu taufen, zu der regulären Praxis der Kirche, weil ungetauft Verstorbenen der Ausschluß vom ewigen Heil droht.

Was ist der Mensch? Die Zentralfrage lautet: ist er ein erlösungsbedürftiges Wesen, das sich nicht selbst erlösen kann und das darum nur durch Gottes Gnade erlöst werden kann, das meint Ratzinger, wenn er von der Notwendigkeit Jesu Christi spricht, oder ist er zwar ein von sich entfremdetes Wesen, das sich aber selbst aus seinem Elend emanzipieren kann? Jeder Humanismus wird immer darauf insistieren, daß der Mensch jetzt zwar nicht so ist, wie er sein sollte, daß er aber in sich die Potenz besitzt, sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu emanzipieren. Die Menschwerdung des Menschen ist so das Bildungsziel des humanistischen Strebens. Einer der ersten und bedeutesten Humanisten Erasmus von Rotterdam war dann auch im 16 Jahrhundert ein Vorkämpfer gegen die Erbsündenlehre. Und man kann ihn auch als einen Neopeliganer bezeichnen, denn gerade diese humanistische Sicht verbindet diese beiden,Soviel sie dann auch noch von der göttlichen Gnade zu reden wissen, es bleibt immer nur ein Zusätzliches, das uns Menschen hilft, das zu erreichen, was wir eigentlich auch ohne die göttliche Gnade, allein durch unsere Potenz erreichen könnten. Jesus Christus kann dann eigentlich uns nur ein Vorbild sein, das uns erlöst, wenn wir seinem beispielhaften Leben nachfolgen. Dem korreliert, daß uns auch Adam nur ein negatives Vorbild ist. Leben wir wie er, dann verfehlen wir unser Leben und werden nicht eingehen in das ewige Leben. Der Mensch ist sozusagen eine tabula rasa, ein Wesen jenseits von Gut und Böse. So kommt er zur Welt und dann entscheidet es sich, was aus ihm wird, in der Frage: nimmt er sich Adam oder Jesus zum Vorbilde? Er kann beide sich zum Vorbild nehmen, weil er selbst in sich reine Unbestimmtheit ist. Er wird erst durch die Wahl, was er ist. Seiner Existenz geht kein Wesen, keine Natur voraus, sondern er erwählt sie sich, indem er sich gemäß dem Vorbild Jesu oder dem des Adam entwirft. So kann man in dem Humanismus eines Erasmus von Rotterdam und subkutan schon bei Pelagius den modernen atheistischen Existentialismus heraushören. Sartre läßt grüßen.
Und dieses Menschenbild soll nun auch das sein, was unserem Gewissen allein zumutbar sei, daß der Mensch, jeder allein durch seinen Lebensentwurf sich zum Guten oder Bösen bestimmt, weil nur so er im Guten wie im Schlechten für sein Leben voll verantwortlich ist. Nur wenn ich alles, was ich bin, allein durch mich bin, dann bin ich wirklich der Herr meines Lebens und für es ganz und gar auch verantwortlich. Gott kann hier nur noch die Funktion innehaben, für uns Menschen Lebensideale in die Welt zu setzen, denen wir dann nachfolgen oder sie auch ablehnen können. Dem korrespondiert ein Gottesbild, der den Menschen einfach als Freiheit in die Welt setzte und nun ihn gewähren läßt, wie es ihm gefällt. Das ist die Tendenz dieses modernistischen Gottesbildes zum Deismus, daß Gott, nachdem er die Welt geschaffen hat, sie sich selbst überläßt, sodaß wir in ihr leben müßten, als gäbe es keinen Gott (Bonhoeffer). (Daß diese Vorstellung mit der „Religiösität“ der Freimaurer kompatibel ist, ist offenkundig.)

Exegetisch entzündet sich die Kontroverse als die um die rechte Übersetzung von Röm 5,12! Erasmus von Rotterdamm war es, der so wirkkräftig die traditionelle Übersetzung der Kirche bekämpfte, erfüllt vom humanistischen antiaugustinischen Geist bekämpfte, Die Kirche übersetzte Röm 5,12 so: „Deshalb gleichwie durch einen Menschen die Sünd in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod, und so auf alle Menschen der Tod übergegangen ist, weil alle in ihm [Adam]gesündigt haben.“3 Erasmus übersetzte nun wie jetzt auch die „ökomenische Einheitsübersetzung“; „weil sie alle gesündigt haben.“ Der Unterschied besteht in der unterschiedlichen Übersetzung des lateinischen: „in quo“, das die Tradition mit: in welchem übersetzte und damit in Adam ´meinte und den humanistischen Modernisten, die das mit: „weil“ übersetzen. Die Differenz ist klar: die modernistische Übersetzung reduziert das Verhältnis von Adam zu uns zu einem bloßen Nachahmungsverhältnis: nur weil wir wie Adam sündigen, sind wir Sünder. Würden wir seine Sünde nicht nachahmen, wären wir keine. So ist Adam nur der erste von vielen Sündern, weil die vielen selbstständig auch sündigen.Bevor ein Mensch sündigt, ist er dann auch noch kein Sünder. Das bedeutet natürlich, daß Menschen, solange sie noch nicht verantwortlich für ihr Tun und Lassen sind, keine Sünder sein können.Nur der mündige Mensch kann Sünder sein. Und nur der, der mündig gesündigt hat, bedürfte dann der Gnade. Folgeprobleme schließen sich dem an: könnte es nicht Menschen geben, die nicht sündigen, wenn sie mündig werden, sodaß auch diese nicht der Gnade Gottes bedürften? Oder man müßte meinen, daß auch der natürliche Mensch, wenn er nicht gesündigt hat, der göttlichen Gnade bedürfe. Aber wir sehen: die ganze Gnadenlehre fängt zu wackeln an: es erscheint vor unserem Auge der gesund und unschuldig geboren wordende Mensch, der es in seinen Händen hätte, auch ohne zu sündigen, durchs Leben zu gehen und der sich so rechtens frägt: Wozu bräuchte ich denn einen Erlöser? Ratzinger bringt es auf den Punkt: man versteht nicht mehr die Notwendigkeit des Erlösers! Er kann ruhig kommen, der Erlöser zu Weihnachten, in der hl. Eucharistie und in seiner Gegenwart im Tabernakel, aber brauchen tut ihn der Mensch als Erlöser nicht!
Der Mensch ist so sehr Herr seines eigenen Lebens, im Guten wie im Bösen, daß er eigentlich sich selbst humanisieren kann. Dem korreliert heute weitestgehend die kirchliche Praxis: statt zu evangelisieren, mit allen Menschen guten Willens an der Humanisierung der Welt zu arbeiten. Und Humanisierung meint immer auch, daß der Mensch sich aus seiner selbstverschuldeten Entfremdung emanzipiert. Nicht mehr das Taufsakrament erlöst uns sondern humanistische Weltbeglückungsprogramme. Und für solche Programme ist natürlich die Lehre von der Erbsünde völlig indiskutabel, weil man doch an die Selbsterlösbarkeit des Menschen glauben will.
Auch was denn das Gute ist, auch dazu braucht der Mensch eigentlich den Erlöser nicht. Was ökonomisch, sozial nicht in Ordnung ist, und wie man diese Probleme lösen kann, wozu bedarf es da der besonderen Lehren Christi: er ist der Lehrer des ewigen Lebens-die Probleme des modernen Menschen dagegen sind weltimmanente, die er auch weltimmanent lösen kann und will: die Humaniät als menschliche Möglichkeit.

Nur, Vorgrimmler und mit ihm viele andere führen den Kampf gegen die Erbsündenlehre noch prinzipieller.
Auc die Rede von der Hölle wird revidiert. Unser Gott unterhält keine jenseitigen Konzentration+lager, hat ein renommierter Theologe gesagt; kluge Menscen weisen darauf hin, daß die Hölle im Die+seit+ existiert, die Hölle von Auscwitz und von Stalingrad, die Hölle einer Ehe, in der sic Menscen quälen. Die Beispiele könnten vermehrt werden. Die Lehrautorität der Glaubenden gibt e+.“ 
Diese Aussage tätigt Vorgrimmler gleich nach seiner Polemik gegen die Erbsündenlehre. Was hat nun die Erbsündenlehre mit Gottes jenseitigen Konzentrationslagern zu tun? Diese Radaupolemik bezieht sich auf etwas sehr Gravierendes: daß der Mensch im göttlichen Endgericht zur ewigen Verdammnis verurteilt werden kann, ja, daß mit dieser Möglichkeit wirklich zu rechnen ist. Und nun gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Leben, das durch seine Erbsündlichkeit bestimmt ist und der ewigen Verdammnis. Weil Gott die Sünde des Menschen ernst nimmt, ihn als strafwürdig und nicht als Strafunmündigen ansieht, steht der so sündige Mensch in der Gefahr des Verurteiltwerdens. Wenn die Taufe als die Erlösung von der Erbsünde von der Kirche gelehrt wird, dann beinhaltet diese gerade die Aussage, daß die Taufe den Menschen vor der göttlichen Verurteilung retten kann, und es fraglich ist, ob und wie ein Mensch ungetauft, bestimmt durch die Erbsünde in das ewige Leben eingehen kann. Die Taufe ist sozusagen die göttliche Medizin gegen die Erbsündenkrankheit, denn diese hat gefährlichste Folgen für den Menschen. Vorgrimmler geht es so mit seiner polemischen Vergleichung der Hölle mit einem Konzentrationslager darum, auch die Folgen der Erbsünde zum Verschwinden zu bringen. Es gibt kein göttliches Endgericht, in dem Gott Menschen zur ewigen Verdammnis verurteilen wird, weil sie von der Erbsünde Bestimmte sind. Vorgrimmlers Gottesbild läßt die theologische Aussage, daß Christus wiederkommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, die einen zum ewigen Leben, die anderen zum ewigen Tod, nicht zu und darum wird auch diese kirchliche Lehre eskamotiert! Damit ist die Erbsündenlehre endgültig genichtet: es gibt keine Erbsünde und es gibt kein göttliches Strafgericht über den erbsündlichen Menschen. Was es nur gibt, das sind Menschen, die sich die Hölle auf Erden bereiten und unsere Aufgabe der Humanisierung der Welt, daß die allein menschlichen Höllen zum Verschwinden gebracht werden. Auch hier fällt auf, daß der Gott, von dem wir glauben, daß er die Welt regiert und darum auch in irgendeinem Zusammenhang mit diesen rein menschlichen Höllen stehen muß, im Denken dieses Theologen nicht vorkommt. Der Mensch bedarf so auch keines Gottes, der ihn erlöst, sondern er steht allein vor von Menschen fabrizierten Höllen, die er auch durch seine eigene moralische Schaffenskraft aus der Welt schaffen kann. Für Jesus bleibt dann da nur noch eine Vorbildfunktion praktizierten Humanismuses: leben wir ihm nach.
Wir begreifen erst die Bedeutung der Beseitigung der Erbsündenlehre, wenn wir diesen Verlust in seiner Beziehung zu der Nichtung der Vorstellung von der ewigen Verdammnis, der Hölle sehen. Pointiert gesagt: es gibt nichts mehr, von dem uns ein Christus erlösen müßte und darum wird er für uns überflüssig. Denn ein Christus braucht uns weder von der tödlichen Erbsündenkrankheit zu erlösen noch uns vor dem gerechten Zornesgericht Gottes über den Sünder zu retten, weil all das die humanistische Theologie beseitigt hat. Wir stehen somit nur noch vor rein menschlichen Aufgaben, wie Ehen die zur Hölle wurden -vielleicht durch die Erlaubnis zur Ehescheidung zu erlösen, ein zweites Auschwitz zu verhindern durch den „Kampf gegen Rechts“ und ein zweites Stalingrad zu verhindern durch durch Pazifismus-und für all solche Aufgaben ist ein Christus als Erlöser unnötig. Politische Korrektheit statt den Erlöser Jesus Christus! Und damit erst haben wir die eigentliche Pointe des Kampfes gegen die Erbsündenlehre erfaßt. Schon Luther warf-rechtens-.dem Humanisten Erasmus vor, daß er in seiner Theologie ganz auf den Erlöser Jesus Christus verzichten könne, im Vertrauen auf das Vermögen des Menschen zum Guten in Folge der Ablehnung der Erbsündenlehre. Und dies Urteil gilt auch für alle anderen Epigonen des Pelagius, als Verleugner der Erbsündenlehre. Kardinal Ratzinger bringt es auf den Punkt, wenn er urteilt, daß ohne die Erbsündenlehre „die Notwendigkeit des Erlösers Chrustus“ nicht mehr begriffen werden kann.4
Aber eines muß auch gesehen werden mit Kardinal Ratzinger: die Kirche verfügt noch nicht über eine material durchgeführte Lehre von der Erbsünde.Wir wissen, welche Aufgaben und Bedingungen diese Lehre zu erfüllen hat, um eine wahre Lehre zu sein, aber wir haben sie noch nicht! Kardinal Ratzinger wünschte sich eine Auszeit, in der er dieser großen Aufgabe sich stellen möchte. Er bezeugt damit, daß es noch sehr viel Denkarbeit bedarf, um diese Lehre zu entwickeln. Hoffen wir, daß Gott ihm die dafür nötige Zeit jetzt nach seiner Resignation vom Amt des Papstes gewährt!
1Kardinal Ratzinger, Joseph, Zur Lage des Glaubens. Ein Gespräch mit Vittorio Messori, 1.Auflage 1985, S.79f.
2Vortrag Vorgrimmler, H., Die Lehrautorität der Gläubigen-so im Internet auffindbar.
3Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Mit dem Urtext der Vulgata. 10Auflage von Augustin Arndt S.J., 1903.

4Vgl. Kardinal Ratzinger, a.a.O., S.80.

Samstag, 6. Dezember 2014

Ein gescheiterter Versuch zur Apologie des Zölibates

Das Zölibat-ein Zeichen?
Gut gemeint ist leider nicht auch gut gedacht!
Ein Kurzkommentar

Bevor es tiefsinnig wird, beginnen wir ganz einfach. Ein Mensch hat ein dringendes Bedürfnis, er findet eine Tür mit der Aufschrift:00, er identifiziert dies als ein Zeichen für eine Toilette und öffnet die Türe, um sich zu entleeren. Selbstverständlich unterschied dieser Mensh zwischen Zeichen und Bezeichnetem. 00 ist nicht die Toilette, sondern zeigt nur an, wo das mit diesem Zeichen Bezeichnete  ist. Nähme man das Zeicen weg, die Toilette bliebe eine Toilette, nur der Verweis auf sie fehlte.

Diese freiwillig gelebte Ehelosigkeit zeichnet auc unsere Priester aus. Und gerade auch der Zölibat ist ein starkes Zeichen der Ganzhingabe an Christus“, schreibt R. Fobes.1 Also, wenn der Zölibat ein Zeichen der Ganzhingabe ist, dann ist er niht die Ganzhingabe selbst! Auc wenn dies Zeicen wegfiele, es bliebe das Bezeichnete, die Ganzhingabe des Priesters. Also ist der Zölibat für die Sache, die der Hingabe überflüssig-er zeigt nur auf die Hingabe und ist sie selber nicht! Das ist sicher ein unbeabsichtigtes Eigentor, in den Zeiten des Angriffes auf den Zölibat diesen zum bloßen Zeichen der Ganzhingabe herabzuwürdigen. Wäre dem so, könnte gut auf dies umstrittene Zeichen verzichtet werden, weil ja die bezeichnete Sache davon unberührt bliebe.
Nur, warum ist der Zölibat überhaupt ein Zeicen der Ganzhingabe an Christus? Zur Ganzhingabe an Gott gehört zumindest das Halten der Gebote Gottes und vielleicht noch mehr-aber auf jeden Fall gehört die Observanz der göttlichen Gebote zur Ganzhingabe. Die Gottes-und die Nächstenliebe, das ist die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Und die Nächstenliebe: wo kann sie besser und angemessener gelebt werden als zuallererst in der Familie? Es heißt doch: Nächsten-und nicht Fernstenliebe! Die Familie, das sind zuallererst meine Nächsten. Wie kann dann der Verzicht auf Ehe und Familie ein Ausdruck der Nächstenliebe sein? Gerade umgekehrt: gerade die gelebte Liebe in der Familie wäre doch die Praxis der Nächstenliebe. Oder soll etwa gemeint sein, daß der Priester durch das Verzichten auf die eigene Familie zur Gottesliebe befähigter wird? Aber ein Christ kann doch nicht vom Gebot der Nächstenliebe dispensiert werden,um sic ganz der Gottesliebe zu widmen. Nein, als Zeichen eines Lebens gemäß den Geboten Gottes taugt dies Zeichen nicht-weil dieser Lebenspraxis gerade der primäre Ort gelebter Nächstenliebe, die Familie fehlt! Denken wir dann noch an das erste Gebot, das Gott dem Menschen gab: seid fruchtbar und mehret euch!, dann wird dies Zeichen für die Ganzhingabe noch fragwürdiger. Implizite wird dabei ein Konkurenzmodell aufgebaut zwiscen der Gottes- und der Nächstenliebe, als wenn der Christ entweder die Gottes- oder die Nächstenliebe ganz erfüllen könnte-aber nicht beide+ zugleich.
Nein, so geht es nict! Wahrscheinlich hat Fobes an den Katechismus gedacht, in dem es über den Zölibat heißt, er sei ein „Zeichen des neuen Lebens“.2 Mit dem „neuen Leben“ ist das ewige Leben gemeint, von dem der Heiland aussagt,daß dort die Menschen nicht mehr heiraten werden. Ob das eine gute Idee des Katechismus ist, wage ich zu bezweifeln. Denn der Zölibat bedeutet einen Verzicht. Soll etwa ein Verzict das Zeichen des ewigen Lebens im Paradies sein? Ist denn das Wesentliche des ewigen Lebens ein Verzichten? Versteht man normalerweise unter einem paradiesiscen Leben eines in Fülle, so würde der Zölibat als Zeichen des neuen Lebens uns nun anzeigen, daß das ewige Leben primär durch einen Verzicht und einen Mangel bestimmt ist! Das ist ja geradezu eine Freudenbotscaft für alle Verächter des ewigen Lebens, die schon immer wußten, daß das Paradies, wenn es denn eines je geben wird, ein irdisches sein muß, um wahrhaft ein menschlices zu sein!
Zudem hat hier der Katechismus wohl die von ihm dort zitierte Stelle:“und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um de+ Himmelreiches willen. (Mat, 19, 12b). fehlgedeutet. Origenis hatte diese Stelle wörtlich verstanden und sich kastriert um des Himmelreiches willen. Diese Ausdeutung lehnt die Kirche entschieden ab. Man könnte dann diese Aussage so deuten: unfähig meint hier nicht eine physische Unmöglichkeit, sondern eine psychische. Durch das Gelübde zum zölibatären Leben macht sic der Mensch unfähig zur Ehe, weil er nun gebunden an das Gelübde nicht mehr heiraten kann im Sinne einer moralischen Unmöglichkeit! Aber warum wird das Gelübde des Zölibates um des Himmels wegen geleistet? Ich finde darauf keine andere Antwort als die, daß „um des Himmelreiches willen“ nur bedeuten kann: um des Einlasses in das ewige Leben willen. Der Zölibat eröffnet den Weg in das ewige Leben, wenn er denn auch wirklich gelebt wird. Es ist also eine Bußleistung, die der zölibatär Lebende auf sich nimmt, sodaß er so seine Sünden und wohl auch die anderer abbüßt-man denke an den Gnadenschatz der Kirche- und so Eingang in das ewige Leben findet! Gerade weil der Zölibat einen bitteren Verzicht bedeutet, ist er eine Bußpraxis, die Gott gnädig annimmt. Es ist gerade nicht eine Vorwegnahme des ewigen Lebens, sondern es ist eine Praxis des sich als sündig vor Gott wissenden und bekennenden Menschen, der so Buße leistet, um ins Reich Gottes eingehen zu können!


1Fobes, R., „Mein Herz will ich dir schenken“. Eine Besinnung auf Weihnachten, in: Der Fels, Dezember 2014, S.340.

2Katechismus der Katholischen Kirche, 1993, 1579.

Freitag, 5. Dezember 2014

Ein geheimer Masterplan im Kampf gegen Familie und Volk

Links oder Rechts? Gleichgültig?

Linke Utopie könne angesichts dieser Perspektive[der nationalen Wiedervereinigung Deutschlands] nur in der Zerstörung des deutschen Staates und seiner Ersetzung durch einen Vielvölkerstaat sowie die Auflösung des deutschen Volkes in eine multikulturelle Gesellschaft liegen. Ohne einen Erfolg in diesem Kampf sei Sozialismus nicht möglich“, erklärte das Leitungsgremiummitglied des „Kommunistischen Bundes“ J. Elsässer1. Der KB ist inzwischen aufgelöst, aber so mancher Genosse fand seine neue Heimat bei den „Grünen“ oder bei der Partei „Die Linke“.
Aber was geht uns dies an, wird so mancher Leser sich nicht zu unrecht fragen. Multikulturell? Wie oft wird dieser Begriff benutzt, um die Entchristlichung unserer Gesellschaft zu legitimieren! In öffentlichen Schulen und Kindergärten: ob der vielen nichtchristlichen Kinder entfallen oft Oster-und Weihnachtsfeiern. Man müsse ja Rücksicht nehmen auf die Nichtchristen! Aus der so viel gelobten „Religionsfreiheit“ wird plötzlich das Recht, nicht durch praktizierte Religion gestört zu werden. Es ist wohl kein überzogender Pessimismus, wenn ich erwarte, daß in Deutschland in Bälde Fronleichnamsprozessionen unterlassen werden, um die „Nichtchristen“ nicht zu provozieren durch eine solche öffentliche Manifestation des katholischen Glaubens! Multikulti heißt erstmal, daß die immer noch als Leitkultur angesehene christliche Religion sich zurückzuziehen habe und sich umzuformen habe zur bloßen Privatreligion. Der propagierte Pluralismus löst so Schritt für Schritt die christlich-abendländische Kultur auf und schafft so den Freiraum für eine neue Leitkultur. Die Auflösung des deutschen Volkes beinhaltet so gesehen eben auch die Auflösung der christlichen Religion als dem Fundament der deutschen Kultur. Wenn man sich nun frägt: was wäre denn heuer die aktuelle Alternative zu der Vorstellung einer Einheit von der christlichen Religion und der darauf auferbauten deutschen Kultur, dann stößt man schnell auf „linke“ Antworten. Vom Feminismus, über die Apotheose der Homosexualität, der Propagierung von Multikulti, der Genderideologie bis zum obligatorischen heiligen Krieg gegen „Rechts“, bestimmen linke Konzepte den öffentlichen Diskurs! Früher sprach man vom Volkstum als der besonderen Kultur eines Volkes, auch verstanden als Berufung eines Volkes zu einem besonderen Dienst. Der Kampf gegen das deutsche Volk ist so, wenn man hier den Kommunisten Elsässer nicht oberflächlich mißversteht, ein Kampf gegen die deutsche Kultur. Sie soll zerstört werden und darum auch das Christentum, das sich unablösbar mit unserer Kultur synthetisiert hat. In diese Konzeption zeichnet sich dann der Kampf gegen die Ordnung der Ehe und der Familie ein.
Dieser Kampf wäre so gesehen nur ein Moment, aber sicher ein sehr gewichtiges des Kampfes zur Erzielung einer multikulturellen Gesellschaft, die nicht mehr christlich ist.
An vielen Kleinlichkeiten kann man dies deutlich machen. Es wird nicht mehr vom Beruf geredet, sondern von „Jobs“. Beruf leitete sich von Berufung ab und besagte: von Gott dazu berufen sein! Schon dieser kleiner Begriffswechsel von Beruf zu Job zeigt, wie selbstverständlich uns inzwischen die Säkularisierung unseres Lebens geworden ist. Das Problem dabei ist, daß man vor lauter Einzelfällen in all ihren Besonderheiten das Allgemeine nicht mehr erfaßt und begreift.
Einst wußten die Christen noch, wo der Feind stand: „links“. Das Kommunistische Manifest, die Parole, Religion sei Opium fürs Volk, die radicale antichristliche Propaganda der Linken- bis hin zu den blutigen Christenverfolgungen im Spanischen „Bürgerkrieg“, und die Unterdrückung der Kirche in der Sowjetunion sprachen eine zu klare Sprache. Kaum daß die SPD und die USPD in Berlin die Regierung stellte nach der Revolution 1919 verboten die Sozialdemokraten in trauter Eintracht mit den Linkssozialdemokraten den Religionsunterricht an den Schulen; jetzt wurde er wieder in Berlin angeschafft dank SPD und „Linke“. Und wenn jetzt im Saarland alle Kruzifixe aus den Gerichtssälen entfernt werden müssen ob der Klage eines sich durch das Kreuz belästigt fühlenden Juden, applaudieren die linken Parteien wieder! Wenn es gilt, irgendwie gegen die Kirche und das Christentum zu sticheln und gar zu kämpfen, immer stehen linke Kräfte Gewehr bei Fuß! Keine Kundgebung für das Lebensrecht der Ungeborenen, ohne daß nicht Linke dagegen demonstrieren. Aber jeder Blick auf katholische und evangelische „Kirchentage“ zeigt eines: noch nie hat das Christentum so sehr um die Sympathie der politisch Mächtigen, den Linken gebuhlt wie jetzt. Alles, was links ist,wird dort mit Palmzweigen und Hosiana-Rufen bejubelt! Die Unterdrückung der Kirche im realen Sozialismus-kein Thema mehr. Die Feindschaft der Linken der christlichen Religion gegenüber? Ach, so ganz unverständlich sei die ja auch nicht!, hört man da selbst Christen reden-man denke nur an das Thron-und Altarbündnisses oder an die Frauenfeindlichkeit der Kirche.
Aber es gibt doch noch einen Feind: Rechts! Seltsam, die politische Richtung, die sonst der natürliche Verbündete der Kirche war-seit der Französichen Revolution, soll nun plötzlich der Feind sein? Galt früher conservativ und christlich gehören zusammen, und zählte man selbstverständlich die Conservativen dem Rechten Lager zu, so will man heute als Christ auf keinen Fall als conservativ oder gar rechts gelten.Auch hier ist der Linken ein triumphaler Sieg gelungen: seit der Verteufelung alles Rechten und Conservativen als Geistesverwandte Hitlers, will keiner sich mehr so bezeichnen. Und so ist es kein Zufall, daß selbst in den C-Parteien es kaum noch Conservative gibt. Frau Merkel vollzog die Versozialdemokratisierung ihrer Partei so erfolgreich, daß man sie kaum noch von der SPD unterscheiden kann.
Am Anfang stand ein radicales Nein zu Deutschland und unserer Kultur, ausgesprochen von einer winzig kleinen kommunistischen Gruppe. Ihren Namen kennt heuer fast keiner mehr.Aber das antideutsche Programm ist damit noch lange nicht vom Tisch. Einer ihrer Hauptvertreter, J. Elsässer ist inzwischen vom Saulus zum Paulus geworden. Man lese einmal, was er heuer in seinem Magazin „Compact“ schreibt! Sehr lesenswert! Aber, das was da als linkes Programm in die Welt gesetzt wurde, das ist heuer aktueller denn je! Der Wille zur Umformung zu einer Multikultigesellschaft ist sozusagen der Masterplan, der hinter den Detailkämpfen steht: Kampf der Ordnung der Ehe und der Familie, die Entchristlichung und konträr dazu die Förderung des Islam, die Propagierung des Homosex und die Genderideologie. Zur Durchsetzung der Multikultigesellschaft gehören die Propagierung der Aufnahme von mehr Asylanten und die Bejahung der Abtreibungen ungeborener Kinder aufs engste zusammen.
Einst lebte die Kirche im Schutze des Staates, und der kämpfte dann auch für sie gegen ihre Feinde. Seit dem Ende der konstantinischen Epoche ist die Kirche ihren Schutzpartner los, um es mal salopp zu formulieren. Der Kampf zwischen Links und Rechts entscheidet heuer, ob die Kirche in einer ihr feindlich oder wohlgesonnenen politischen Gesellschaft lebt. Das Unglück ist aber, daß die Kirche die Linke als den ewigen´Feind der christlichen Religion nicht mehr wahrnimmt.

1Zitiert nach: Steffen, M., Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971-1991., 2002, S.325.