Sonntag, 8. Mai 2016

Aus der Traumfabrik des Vaticans: Neues zum Islam

"Zwischen Christentum und Islam gebe es wesentlich mehr Verbindendes als Unterschiede, heißt es in der Erklärung zum Abschluss einer Konferenz des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog und des Royal Institute for Interfaith Studies, eines jordanischen Think-Tanks. Die Gemeinsamkeiten in Glauben und Werten böten eine "solide Grundlage für friedliches und fruchtbares Zusammenleben", auch mit Menschen die keiner Religion angehörten.", berichtet Kath net am 8.5.2016 über ein Memorandum des Vaticans zum Verhältnis von Christentum und Islam. Preisfrage: Was hältst Du, aufmerksamer Leser von dieser Aussage: Da das im Umlauf sich befindende Falschgeld, (auch Blüten genannt) so viele Gemeinsamkeiten mit den echten Geldscheinen hat- das Echtgeld ist kaum unterscheidbar von den falschen Fufzigern), soll jetzt jede Diskriminierung des "Falschgeldes" unterbleiben, damit beide friedlich neben- und miteinander verbunden existieren können? Sind also solche Gemeinsamkeiten ein hinreichender Grund dafür, beide Religionen als gleich wahr anzunehmen?  
Oder ist die Differenz von wahrer und nicht wahrer Religion in diesem vaticanischen Dokument schon als irrelevant ad acta gelegt um des friedlichen Miteinanders willen? Und was ist nun das Gemeinsame?
"In der gemeinsamen Erklärung heißt es weiter, Islam wie Christentum könnten zu einer humaneren und zivileren Gesellschaft beitragen, wenn die Gläubigen ihren jeweiligen Prinzipien von Gottesverehrung und Nächstenliebe folgten. Christen und Muslime glaubten an eine von Gott gestiftete Menschenwürde mit unveräußerlichen Rechten;". Also das Zentrum der christlichen wie der islamischen Religion bestünde in den zwei Prinzipien der Gottesverehrung und der Nächstenliebe. Dies Reduktionismuskonzept ist nun uns sehr bekannt: Es ist die zigste Wiederauferstehung des Konzeptes der "natürlichen Religion" als dem Herzstück aller positiven Religionen (dem Christentum, Islam und Judentum) im Geiste der Aufklärung. Eigentlich geht es dann nur noch um den Glauben an die "Menschenwürde",(im Glauben an einen alle Menschen liebenden Schöpfergott letztbegründet) in dessen Geiste dann das Miteinander der Menschen zu gestalten sei. Der geistige Hintergrund eines solchen Statements ist leicht erhellbar: Linksliberale Katholiken und gleichgesinnte Mohammedaner konstatieren- und wenn überraschte das?- daß sie im Prinzip in allem Wichtigen eines Geistes sind! Humanismus verbindet eben alle Liberalen, gleichgültig, welcher Religion sie angehören oder auch, wenn sie als Freigeister Atheisten sind. Das Geheimnis dieser Einheit ruht in der Weltanschauung des Liberalismus selbst, in der der homo oeconomicus das Grundprinzip bildet, daß also die Religionen die Wirtschaftstätigkeit auf dem freien Markt nicht behindern dürfen, daß also die Religionen marktkompatibel zu gestalten sind. Denn unter der Menschenwürde versteht der Liberalismus, daß jeder als freies Subjekt auf dem Weltmarkt als Verkäufer und Käufer agieren darf. 
Das Problem dabei ist nun, daß nicht jede Religion so verbürgerlicht ist, daß sie nur noch diese liberale Auffassung ihres Wesens als die einzig gültige akzeptiert. Mit der Verabsolutierung des liberalen Verständnisses von der Religion als religiösem Humanitarismus (Gehlen), wird jede andere Religionsauffassung als nicht legitim ausgegrenzt. Aber bloß weil der liberale Geist alles Nichtliberale ausgrenzen möchte, verschwindet das Ausgegrenzte noch nicht. Als Schatten der liberalen Lichtreligion, als Fundamentalismus und Traditionalismus, als Extremismus perhorresziert,lebt jede Religion gerade in ihrer nichtliberalen Ausprägung. Die Revitalisierung des Islam ist gerade das Aufblühen des nichtliberalen Islams, der voller Vitalität und Kampfeskraft unwahre Religionen neben sich nicht duldet. Dieser erklärt der westlichen Welt mit ihren liberalisierten Religionen den Krieg und er führt ihn auch, dort wo er schon potent genug dafür ist.        

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