Sonntag, 24. Juni 2018

Irritierendes Leihmutterschaft in der Bibel?

Ein Mann und zwei Frauen, da sind Probleme vorprogrammiert, besonders wenn der Mann mit Beiden verheiratet ist. Jakob wollte die schöne Rachel heiraten, aber der Vater gab ihm nach sieben jährigem Arbeiten statt der Erhofften seine ältere Tochter, Lia.Es sei nicht usus, die Jüngere vor der Älteren zu verheiraten. Angesichts der Unattraktivität der Älteren war eben der Vater in Sorge, wie seine Ältere unter die Haube zu bringen sei. Da kam ihm Jakob recht und er verheiratete Lia mit ihm. Aber Jacob durfte dann, noch mals sieben Jahre dem Schwiegervater dienend, auch Rachel heiraten.
Jacob war nun seine Rachel lieber als die Lia, die er so diskriminierte.
Jetzt wird Gott aktiv: Zur Strafe machte er Lia fruchtbar, Rachel bekam keine Kinder!
Was unternimmt nun die unfruchtbare Rachel. Hören wir auf sie: "Da aber Rachel sah, daß sie unfruchtbar sei, beneidete sie ihre Schwester, und sprach zu ihrem Manne: Gib mir Kinder, sonst sterbe ich! Da ward Jakob zornig über Rachel, und antwortete: Bin ich an Gottes Statt? Er ist es, der dir die Frucht deines Leibes versagt hat [privavit, eigentlich:beraubt hat].Sie aber sprach: Ich habe eine Magd, Bala, geh zu dieser, daß sie auf meinem Schooße gebäre, und ich aus ihr Kinder erhalte."  (1. Mose 30, 1-3) Die Aktion verläuft erfolgreich: Die Magd wird schwanger und gebiert einen Sohn!
"Und Rachel sprach: Der Herr hat mir Recht geschafft, und hat mein Flehen erhört, und mir einen Sohn geschenkt". (V6) Das sagt Rachel über das Kind, das ihre Magd ihr geboren hat. Durch das Gebären auf dem Schooße Rachels wurde das Kind der Magd zum Kinde Rachels. Später wird Rachel selbst Mutter und gebiert den Joseph: "Auch Rachels gedachte der Herr, und erhörte sie, und machte sie fruchtbar." (V22). 
In was für eine Welt tauchen wir hier ein? In eine, in der das größte Unglück einer Frau ihre Kinderlosigkeit ist, eine Welt, in der nicht einfach die Frauen natürlich gebären, sondern eine Welt, in der nur dann Frauen Mütter werden können, wenn Gott sie fruchtbar macht. Aber es ist auch eine Welt, in der Frauen um ihr Recht, Kinder zu bekommen,kämpfen! Die unfruchtbare Rachel gibt nicht auf. Sie will eigene Kinder oder sterben. Da bietet sie ihrem Ehemann ihre Magd an, damit er mit ihr schlafe und sie schwängere. Dann soll die Magd auf dem Schooße der Unfruchtbaren gebären, damit das so gezeugte Kind ihres wird. Das ist eindeutig ein Fall von Leihmutterschaft, wobei noch hinzukommt, daß hier Rachel das Abhängigkeitsverhältnis ihrer Magd ausnutzt. Ihre Herrin ordnet an: Schlafe mit meinem Manne! Gebäre für mich! 
Und was tut Gott? Er erhört Rachel und läßt die Magd schwanger werden! Warum ließ Gott nicht schon hier Rachel nicht schwanger werden, wie er es später doch tat bei der Geburt des Josephs? (V22)
Nun ist das nicht einem altorientaischen Liebesfrauendrama entnommen, sondern so steht es geschrieben in der Bibel (Vulgata).Der Kommentar sieht sich genötigt, Jakob wie folgt zu exculpieren: (Fußnote 4): "Bemerke: Jakob verlangte die Mägde nicht;die Frauen drangen sie ihm auf." Aber Jakob hat sein Ja gesagt, zu den Mägden der Rachel und der Lia zu gehen, als sie keine Kinder bekommen konnten, damit ihre Mägde als Leihmutter fungierten. 
Was ist dazu theologisch zu sagen? Eines: Daß das eigene Kind so sehr ein Recht der Mutter ist, daß, wenn sie keines bekommen kann, daß sie dann sich ein Kind durch eine Leihmutter gebären lassen darf! Dem widerspricht die heutige Moraltheologie der Kirche vehement- aber damit widerspricht sie der Heiligen Schrift, denn in ihr sagt Gott selbst Ja zur praktizierten Leihmutterschaft. So lebensbejahend ist Gott, daß er selbst so für einen Nachwuchs sorgt durch Leihmütter! 

Wikipedia, Artikel Leihmutterschaft:
"In dem Katechismus der Katholischen Kirche  heißt es hierzu: „Techniken, die durch das Einschalten einer dritten Person (Ei- oder Samenspende, Leihmutterschaft) die Gemeinsamkeit der Elternschaft auflösen, sind äußerst verwerflich. Diese Techniken (heterologe künstliche Insemination und Befruchtung) verletzen das Recht des Kindes, von einem Vater und einer Mutter abzustammen, die es kennt und die miteinander ehelich verbunden sind. Sie verletzen ebenso das Recht beider Eheleute, ‚daß der eine nur durch den anderen Vater oder Mutter wird‘ (DnV 2,1).“ (KKK 2376; zweites Kapitel, Artikel 6, „III Eheliche Liebe“). Von dieser Lehre wußte Gott offensichtlich nichts! Wie kam sie dann in den Katechismus?  Der Gott der Bibel ist ein lebensbejahender: Wenn in einer Ehe auf natürliche Weise kein Kind entstehen kann, dann darf auch zu Ausnahmemaßnahmen gegriffen werden: etwa eine Leihmutterschaft. Das Recht der Mutter zum eigenen Kind wird so höher gewertet als die eheliche Treue. Man könnte aber auch sagen, daß hier geurteilt wird: Besser als Kind von einer Leihmutter zur Welt zu kommen als gar nicht geboren zu werden!  

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