Freitag, 12. Juli 2019

Der Gutmensch und die Zerstörung der Nächstenliebe

Der hl. Augustinus, wohl neben Thomas von Aquin der bedeutendste Kirchenlehrer schreibt über die Praxis der Nächstenliebe im 1. Buch, im 29. Kapitel von: Über die christliche Lehre Folgendes:

"29. Es sollen zwar alle Menschen in gleicher Weise geliebt werden; da man aber nicht jedermann nützen kann, so muß man vornehmlich für jene Sorge tragen, die einem durch die Verhältnisse des Ortes, der Zeit oder irgendwelcher anderer Umstände gleichsam schon durch das Los näher verbunden sind. Wenn du z. B. von deinem Überfluß etwas an einen Dürftigen mit teilen sollst und du könntest es, falls dir zwei gleich bedürftige und gleich nahestehende Menschen begegneten, nicht beiden geben, so wäre es am gerechtesten, durch das Los den Empfänger einer Gabe zu bestimmen, die nicht beiden zugleich mitgeteilt werden kann. So hat man unter den Menschen, denen man nicht insgesamt helfen kann, die Innigkeit des gegenseitigen augenblicklichen Verbandes für die Entscheidung des Loses zu halten."

Damit die Nächstenliebe eine praktizierbare sein kann, hat sie sich auf die Nächsten zu fokussieren. Wer allen und jedem helfen will, der kann niemandem mehr helfen. Der Nächste ist so erstmal ein räumlicher  Begriff, und meint so den mir Nahestehenden. Dann ist der Begriff aber auch in einem übertragenen Sinne zu verstehen: der Verwandte als mir Nahestehender. Diese Nähe darf nun moraltheologisch nicht einfach als etwas Zufälliges bezeichnet werden. Denn Gott, indem er mich an einem bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit zur Welt kommen läßt, bestimmt mir so, wer mein Nächster ist. Nicht ich erwähle mir meine Nächsten, sondern Gott durch mein Geborenwerden an einem bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit, in eine bestimmte Familie und ein bestimmtes Volk.

Der Sohn Gottes kann und will allen Menschen ihr Heiland sein, aber die ihm Nachfolgenden können das nur particular realisieren, nur die Kirche als Ganzes kann so auch nur für alle Menschen da sein, aber nicht ist jedes Glied der Kirche für alle verantwortlich. Aber ein Mangel an Christologie und Ecclesiologie führt nun zu den Überspanntheiten der Gutmenschen, daß jeder für alle Menschen verantwortlich wäre. Das ruiniert aber das praktische Vermögen der so Aufgeforderten. Die Ordnung der Menschheit in Rassen und Völker ist so auch selbst eine Ordnung Gottes, durch die so Näheverhältnisse geschaffen werden, sodaß so die geforderte Nächstenliebe lebbar wird. 

Ein einfaches Beispiel möge das veranschaulichen: Wenn die Objekte der Mutterliebe alle Kinder der Welt wären, könnte keine Mutter die Mutteriebe leben. Nur weil es die Unterscheidung von eigenen und fremden Kindern gibt, kann eine Mutter ihre Mutterliebe praktizieren.Eine unlimitierte Ausdehnung auf alle Kinder der Welt dagegen machte so die Mutterliebe zu einer reinen Unmöglichkeit. 

Faktisch ist aber das Anliegen des Gutmenschen nicht, alle Menschen zu lieben, sondern all die legitim hassen zu dürfen, die wie der hl. Augustin die Nächstenliebe praktizieren wollen. Es mag wohl so sein, daß alle Menschen geliebt werden möchten, wie es Augustin hier sagt, aber es darf nicht vergessen werden, daß der Mensch der Sünde lieber haßt als daß er liebt!       



Donnerstag, 11. Juli 2019

Eine neue Kirche! Was alles wegfällt- ein Beispiel von Erzischof Schick



"Bischof Overbeck: Die alte Zeit ist zu Ende!" (Katholisch de am 13.Jänner 2019.  So enthusiastisch proklamiert Bischof Overbeck die neue der Zeit eingepaßte Kirche. Er wolle deshalb über den Zölibat und das Frauenpriestertum reden.  "Gläubige und Öffentlichkeit erwarten eine ernsthafte Erneuerung der Kirche, sagt Essens Bischof Franz-Josef Overbeck. Und deshalb will er wirklich über alles sprechen: egal ob Weihe, Zölibat oder Frauenamt."

Aber die Kaprizierung auf diese Fragen verdeckt auch den Blick auf wesentlichere Modernisierungen in der Kirche, was alles schon ad acta gelegt worden ist, weil es nicht mehr in die Zeit paßt. Achten wir mal darauf, was ein amtierender Erzischof zur Frage nach dem Leben nach dem Tode uns heutzutage zu sagen weiß:"Das denkt Erzbischof Schick über den eigenen Tod." Katholisch de 9.7.2019: "Mit Blick auf die Vorstellung vom Leben nach dem Tod sagte Schick, alle seine nächsten Verwandten seien bereits verstorben. "Ich fühle nicht, dass sie weg sind, sondern die sind schon da." Nichts, was auf dieser Welt sei, verschwinde einfach. "Es wird in andere Energieformen, Lebensformen, Existenzformen umgewandelt." So spüre er etwa, immer noch eine Beziehung zu seinen verstorbenen Eltern zu haben. Wenn er an sie denke, komme er selbst oft auf neue Gedanken, erklärte der Erzbischof."

Also: Nichts auf der Welt verschwinde einfach. Denn es wird alles in eine andere Energieform, Lebensform und Existenzform umgewandelt. Was hat diese Vorstellung mit dem christlichen Glauben an das ewige Leben, an die Auferstehung der Toten und das Gericht Jesu Christi über die Lebenden und die Toten zu tuen? Nichts! Und Gott? Er spielt bei dieser Vorstellung des Erzbischofes auch keine Rolle! Es ist wohl eher an eine naturalistische Umformung des Irdischen zu denken.

So spricht der Apostelfürst Paulus, von dem der Erzischof ein Nachfolger ist,  über das Leben nach dem Tode: "Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird,dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel. Im gegenwärtigen Zustand seufzen wir und sehnen uns danach, mit dem himmlischen Haus überkleidet zu werden." 2.Korinther 5, 1f. Wir leben fern der Heimat (V.6) und sehnen uns nach ihr, das ist die Zentralaussage nicht nur des Apostels Paulus, sondern die der christlichen Religion! (Nebenbei: Paulus setzt sich hier, wie im 1.Korintherbrief, Kapitel 15) mit der gnostischen Vorstellung vom ewigen Leben auseinander: Nicht nur als bloße Seele, sondern auch ausgestattet mit einem  neuen himmlischen Leib werden wir postmortal ewig leben. Er betont aber auch die Gemeinsamkeit, die Sehnsucht nach der Erlösung aus diesem Leben.) 

Und was findet sich davon bei dem Erzbischof Schick noch wieder? Nichts mehr! Wichtig ist ihm, daß für ihn seine Verstorbenen nicht einfach weg sondern irgendwie noch nahe sind und daß auch sie irgendwie verwandelt noch sind, nicht sich in Nichts aufgelöst haben. Irgendwie verlöscht nichts Irdisches sondern existiert weiter in irgendeiner Form! Ist das nicht der völlige Ausverkauf des christlichen Glaubens an das ewige Leben als eines in der Gemeinschaft mit Gott? Soll das nun eine zeitgemäße Version des Glaubens an das ewige Leben sein? Zu befürchten ist es! Nicht irgendetwas wird so hier aufgegeben, sondern das Wesen der christlichen Religion, daß sie eine Erlösungsreligion ist.      

 

Mittwoch, 10. Juli 2019

Zur Todeskultur: "Das Geheimnis Europas ist, daß es das Leben nicht mehr liebt."

"Das Geheimnis Europas ist, daß es das Leben nicht  mehr liebt." Albert Camus,nach 1945, zitiert nach: Sloterdijk,Henrichs, Die Sonne und der Tod.Dialogische Untersuchungen,2001, S.33.Sloterdijk meint, daß diese Äußerung in dem Kontext der antideutschen Äußerungen von Georges Clemenceau zu interpretieren sei, über den deutschen Charakter, der das Leben nicht liebe (S.32). Alle Menschen liebten natürlich das Leben, nur die Deutschen nicht. Georges Benjamin Clemenceau (1841 - 1929), »Der Tiger«, franz. sozialistischer Politiker, Ministerpräsident von 1906-1909 und 1917-1920, verwirklichte als Ministerpräsident die Trennung von Kirche und Staat. Vertreter einer Politik der Revanche gegen Deutschland, war einer der Väter des Versailler Vertrags.

Prägnant formulierte dieser französische Politiker ja: "Es gibt in Europa zwanzig Millionen Deutsche zuviel." Aber es darf wohl bezweifelt werden, daß Camus nun einfach die Charakterisierung von uns Deutschen auf alle Europäer mit diesem Zitat vollzogen hätte: Alle seien wie die Deutschen geworden. Es muß wohl eher an Camus Diktum erinnert werden: "Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht". So eröffnet ja Camus seinen großen Essay: "Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Wie, wenn ein Kollektivsubjekt wie "Europa" zum Urteil kommt, daß das Leben sich nicht lohne? (Sebstredend meint Camus Westeuropa, wenn er von Europa spricht.)
Könnte nicht die Legalisierung der Abtreibung, daß es ein Menschenrecht sei, daß Mütter ihre Kinder im Mutterleibe töten lassen dürfen (so Amnesty International) eine direkte Manifestation des Neins zum Leben sein?  Dazu paßt, daß in allen westeuropäischen Staaten pro Jahr mehr Menschen sterben als geboren werden. Kann diese Kultur des Todes, wozu auch die Glorifizierung der Homosexualität gehört, verstanden werden als direkter Ausdruck des Neins zum Leben, daß Europa das Leben nicht mehr liebt. Dies Nein zum Leben wäre dann nicht ein Produkt irgendeiner dunklen Verschwörung sondern die Praxis der  Dekadenz, des geschwächten oder ganz erloschenen Willens zum Leben.

Die Hl. Schrift irritiert ja manchen Leser, da sie als erstes Gebot, das Gott den Menschen gab, bekundet: Seid fruchtbar und mehret euch !   Wozu gebietet Gott das, wenn doch das Sichfortpflanzen das Natürlichste der Welt sei? Alles, was lebt, trägt in sich den Willen zur Fortpflanzung. Nur,weil es natürlich ist, ist es noch lange nicht auch das von Gott Gewollte. Gott sagt hier somit: So soll es auch sein. Der Mensch hat nun zum Natürlichen ein komplexes Verhältnis. Er kann auch sich dazu entscheiden,widernatürlich zu leben. Zudem ist es das Wesen des Menschen, nicht einfach natürlich zu leben, sondern das Natürliche zu kultivieren. Aber die Kultivierung der Sexualität zur gelebten Sexualität in der Formung der Ehe ist nicht etwas Widernatürliches, wohl aber die Erfindung der Homoehe.
So kann der Mensch sich auch individuell zum Freitod entscheiden, wenn er sein Leben als nicht mehr lebenswert beurteilt. Kann nun aber eine ganze Kultur, die westliche Nein sagen zum Leben? Praktiziert sie das schon jetzt in der aktuellen Politik? Ist die Politik der offenen Grenzen, die Politik des Massenimportes von Nichteuropären nach Europa nur die andere Seite der Lebensverneinung: Wir wollen nicht mehr und übergeben so unsere Heimat Fremden? Camus könnte mit dieser Aussage auf erschreckendster Weise nun recht bekommen!   

Zusätze:
Zu dieser Selbstverneinungskultur gehört auch der Selbsthaß des Westeuropäers. In dem Vortrag: "Was ist Europa" von Josef Kraus (Der Fels Juli 2019) finden sich dazu interessante Belege:
Kardinal Ratzinger sprach vom "Selbsthass des Abendlandes" im Jahre 2000
Sarte: Nach ihm habe der Europäer sich nur zum Menschen machen können, indem er Sklaven und Monstren hervorgebracht hätte,
der Philosoph Pascal Bruckner: "Die ganze Welt hasst uns, und wir haben es verdient:Das ist die feste Überzeugung der meisten Europäer, zumindest im Westen."
Alle Zitate, Der Fels Juli 2019, S.216) Der Hypermoralismus, sich selbst als für schuldig am ganzen Elend der Welt zu fühlen, führt zu einer Kultur der Selbstverneinung, des Neinsagens zum eigenen Leben, da die christliche Konzeption der Vergebung aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden ist und somit auch die Praxis der Beichte.  
        





Dienstag, 9. Juli 2019

Der Kampf gegen den Kongreß: "Freude am Glauben" geht weiter

 Die offiziell inoffizielle Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz schießt sich nun auf den Kongreß "Freude am Glauben" ein. Dem Granatwerfer der Politischen Korrektness, dem Anti-Rechts-Kämpfer Püttmann wurde nun die Ehre erteilt, einen Sturmangriff auf das conservative und rechte Christentum zu führen.Der Titel sagt schon alles: "Rechtspopulismus in der Kirche.Attentat und Pontifikalämter. Kongress"Freude am Glauben" ganz unten" (30.6. 2019) 
Dieser Anti-Rechts-Kämpfer limitiert sich nun aber nicht darauf, diesen Kongreß zu diffamieren, sondern er packt radical die Wurzel dieses Übels an, daß es schon in der  Weimarer Republik rechte Christen gegeben habe und die dann auch irgendwie schuld an Hitler waren.
So liest sich das auf Katholisch de am 30.6.2019:   
"Dieses dezidiert antiliberal, anti-sozialdemokratisch und nationalistisch ausgerichtete Milieu wird in der Heldengeschichte katholischer Resistenz gegenüber dem aufstrebenden Nationalsozialismus gern übersehen. Es tummelte sich in der preußisch-protestantisch dominierten Deutschnationalen Volkspartei oder trug in der Bayerischen Volkspartei zu deren verhängnisvoller Entscheidung bei, 1925 nicht den Zentrumspolitiker Wilhelm Marx, sondern den Kandidaten des "Reichsblocks" Paul von Hindenburg im Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen."
Die Bayrische Volkspartei habe also den falschen Kandidaten, Paul von Hindenburg unterstützt und der, so muß politisch korrekt ergänzt werden habe irgendwie eine Mitschuld an der Kanzlerschaft Hitlers 1933. Diese Partei war eben antiliberal, antisozialdemoratisch und nationalistisch. Also fast eine Nazipartei. Und in dieser unheiligen Tradition stünde nun auch dieser Kongreß, denn der ist ja auch antiliberal usw. Nur politisch Korrekte sind ja liberal, sozialdemokratisch und antinational.
Dies Milieu wird nun aber auch zu den Widerstandskräften wider Hitler gezählt. Dabei wird deren politisch inkorrekte Gesinnung aber übersehen. Das heißt im Klartext, daß der bürgerlich-conservative Widerstand gegen Hitler zu Unrecht zum Widertand gezählt wird, denn genau genommen unterschied sich dies Milieu gar nicht so sehr von der Geisteswelt Hitlers. Nun publiziert die Monatszeitschrift "Der Fels" fast in jeder Ausgabe einen Artikel über katholische Priester aus dem Widerstand gegen Hitler, aber auch das führt nicht dazu, die Vertreter dieses Kongresses, die dies Magazin herausgeben, aus der Schußlinie der politisch korrekten Antifa herauszunehmen. Denn der kirchliche Widerstand war eben aus dieser Sicht kein legitimer, war er doch conservativ, antiliberal und national gesonnen!
So entlarvt sich der bürgerlich-conservative Widerstand gegen Hitler ja selbst, wenn etwa Staufenberg für sein Tun die Maxime: "Lang lebe das heilige Deutschland" wählte. Politisch korrekt hätte er ausrufen müssen: "Deutschland verrecke!" So nationalistisch und somit politisch inkorrekt war etwa dieser Widerständler. Herr Püttmann führt den Kampf gegen alles Rechte eben gründlich und so kämpft er auch gegen den conservativen Widerstand gegen Hitler. Denn der  war nicht politisch korrekt.  

Anbei:
Es gehört heutzutage zu den Selbstverständlichkeiten der politisch korrekten Geschichtsschreibung, auch und gerade die militärischen Leistungen Paul von Hindenburgs zu verketzern (der Sieg in der Schlacht von Tannenberg) im Dienste einer Geschichtsschreibung aus der Perspektive der Sieger der  Weltkriege. Mustergültig der Wikipediartikel über ihn. 

Montag, 8. Juli 2019

Ein anderes Evangelium- eine andere Kirche

Beim Reformator Luther war das Verhältnis von der Theologie und der Gestaltgebung der Kirche klar: Seiner neuen Theologie gemäß entwarf er eine neue Kirche, eine ohne Priester. Der Pfarrer sollte und durfte nun nicht mehr ein Priester sein, weil die Eucharistie, das evangelische "Abendmahl" kein Meßopfer mehr sein durfte. Der Pfarrer wurde zum Lehrer und Verkünder der Gemeinde. So konnte es auch keiner Weihe mehr zum Priestertum geben. Das erst ermöglichte das "Frauenpriestertum", wie nicht nur Feministin meinen. Aber faktisch bleiben die zu Pfarrern avancierten Frauen Laien, denn sie sind ungeweiht und sind schon gar keine Priesterin.
Luther konzipierte so auch eine neue Gestalt des Gottesdienstes, in dem die Vormesse der vorkonziliaren Zeit zur Hauptmesse umgestaltet wird und die Abendmahlsfeier, die eigentliche Messe zum kontingenten Appendix des Gemeindegottesdienstes herabgestuft wurde. So viele theologische Neuerungen Luthers verlangten dann auch eine andere Kirche- die Geburt der antikatholischen evangelischen Kirche. 
Die Amazoniensynode und der "synodale Weg" verheißen nun auch den Zeitgnossen eine neue Kirche, oder zumindest eine, die sich aufmacht, eine neue zu werden. Ging dem nun auch eine neue Theologie voran, die nun eine Umgestaltung der Kirche, eine neue verlangt? So konnte auf Kath net am 3.5. 2019  unter der treffenden Überschrift: "Die wirren Träume des Bischofes Overbeck" gelesen werden: So meint Overbeck „Nichts wird mehr sein wie zuvor“ und erhofft sich offensichtlich, dass die die hierarchische Struktur der Kirche aber auch die Sexualmoral und das Priesterbild der katholischen Kirche auf dem Prüfstand stehe."
Bischof Overbeck hofft für die Erschaffung dieser neuen Kirche auf den "synodalen Weg" und die Amazonassynode. Könnte es ist nicht ein sehr oberflächlicher Eindruck sein,  wenn die wesentlichen Änderungen in denen der  hierarchischen Struktur der Kirche, der Sexualmoral und des Priesterbildes gesehen werden? Ging dem nicht eine viel radicalere Umformung der Theologie im und nach dem 2.Vaticanum voraus?
Die Substanz der Katholischen Theologie machte eine große Erzählung aus (vgl zum Begriff der Erzählung. Lyotard, Das postmoderne Wissen), die, daß Gott die Welt und den Menschen gut erschaffen hatte,daß der erste Mensch durch seine Sünde und die Strafe Gottes aus dem Paradiese herausgefallen ist, jetzt als Exilierter auf Erden lebt und wie Gott den Menschen aus diesem Elend durch das Erlösungswerk Jesu Christi und durch dessen Kirche wieder heimholen will, den Menschen erlösen will. Alle Gehalte des Katholischen Glaubens erhalten nun ihre Bedeutung durch ihr Eingezeichnetsein in diese Grunderzählung. Daraus erst resultiert die Gestalt der Katholischen Kirche. Als Luthers Theologie nun die Frage, wie der Mensch aus seinem Elende erlöst würde, ganz anders als die katholische Kirche beantwortete, erheischte das auch eine neue Kirchengestalt, die der Lutherischen Kirche.
Hat es denn nun im Gefolge des 2.Vaticanumes nicht wiederum eine radicale Änderungen der Theologie gegeben, die dann erst zu diesen jetzigen Reform- besser Deformvorhaben führen? Die neue Grunderzählung läßt sich auf eine Kernaussage reduzieren: Gott ist die Liebe und so liebt er alle und jeden Menschen. Der Mensch ist immer schon der von Gott Geliebte und Bejahte, auch wenn er das selbst nicht weiß. Die Aufgabe der Kirche besteht nun nur noch darin,dem Menschen das bewußt zu machen, was ihm objektiv schon immer gilt. Gelingt diese Vermittelung nicht, ist auch dadurch die Erlösung des Menschen nicht gefährdet, denn er wird immer schon von Gott bejaht, egal wie er sich selbst dazu verhält. Jetzt sieht die Kirche in jedem  Menschen den von Gott Bejahten, dem der Anspruch zu eigen ist, als solcher zu leben und von allen anderen anerkannt zu werden. So wird das aufklärerische Projekt der Humanisierung der Welt ihre wichtigste Aufgabe. Dem gemäß soll nun auch die Gestalt der Kirche umgewandelt werden.


   

Sonntag, 7. Juli 2019

Gibt es Grenzen der Vergebbarkeit der Sünden? Ein Bischof zeigt eine rote Linie auf!

"Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hatte in seiner Predigt am vergangenen Wochenende dafür geworben, einander vergeben zu können und die Äußerung ausdrücklich auch auf Priester bezogen, die als Täter Minderjährige sexuell missbraucht haben." Katholisch de am 6.7.2019. Aber bei den Gläubigen des Gottesdienstes "kam das gar nicht gut an." 70 verließen gar protestierend die Messe.Der demokratisch gestimmte Bischof reagierte dann: Der Ruhestandspfarrer solle von nun bitte keine Predigten mehr halten. "Nach Protesten: Bischof Genn fordert Pfarrer zum Predigt-Verzicht auf."titelt die inoffiziel offizielle Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz.

Was lernen wir daraus? Wem seine Sünden vergebbar sind und wem nicht, das entscheidet bei uns einfach Volkes Stimme: Wenn also einige oder viele, hier reichten 70 Empörte ausrufen, das darf nicht vergeben werden, dann darf das nicht vergeben werden! Wenn ein Prediger etwas sagt, was einigen oder vielen in der Gemeinde nicht gefällt, dann soll der Prediger nicht weiterhin predigen.Denn das wichtigste Kriterium der Beurteilung einer Predigt ist, wie sie in der Hörergemeinde ankommt. Einem Humoristen, der bei seinem Publikum kein Lachen hervorbringt, dessen Witze nicht gut ankommen, würde ja auch bei jedem Fernsehsender gekündigt werden und so soll eben auch ein Prediger, der nicht gut ankommt, nicht mehr predigen.

Der Prediger verwies nun als Rechtfertigung seiner Predigt auf die bekannte Bitte des Vaterunsers:
"Wir beten ja nicht umsonst im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Aber das ist weder für die Protestierer noch für den Bischof akzeptabel. Vergeben darf nur dann einem Sünder, wenn das keinen Protest in der Gemeinde evoziert. Unbestreitbar ist der sexuelle Mißbrauch eines Minderjährigen eine schwere Sünde. Aber Jesus Christus hat ja gerade seiner Kirche die Vollmacht zur Vergebung schwerer Sünden gegeben, damit schwere Sünden auch vergeben werden können. Diese göttliche Vollmacht will nun dieser Bischof relativieren: Wenn das Vergeben einer Sünde Protest hervorruft, dann darf diese Sünde nicht vergeben werden, es sei denn, sie würde so heimlich vergeben, daß die Öffentlichkeit es nicht erfährt.

Was wird dann aber aus der Vaterunser bitte? Wenn wir einem Sünder nicht bereit sind, seine Schuld zu vergeben, dann wird Gott auch unsere Schuld uns nicht vergeben. Die in Ungnade gefallene Predigt zeigt uns unüberhörbar auf, wie schwer wirklich die Nachfolge Jesu zu leben ist: Sie verlangt von uns, Sündern zu vergeben, auch schwere Sünden. Daran  erinnert zu werden, das war aber zuviel für diese Predigthörergemeinde und der Bischof kam ihr zur Hilfe: Wer so was predigt, der soll in Zukunft nicht mehr predigen!
Aber ob der Demokratisierung der Kirche ist das ganz in Ordnung, denn nun bestimmt nicht mehr Gott sondern die Gemeinde, und wenn das auch nur 70 Protestler sind, welche Sünde vergebbar und welche nicht vergebbar sei.
    


Samstag, 6. Juli 2019

Priestermangel- ein kleiner Verdacht!

"Sowohl in Freiburg als auch in Fulda ist aber auch bisher ungefähr die Hälfte der ernsthaften Bewerber nicht aufgenommen worden. Denn wir hatten begründete Zweifel, dass das Entwicklungspotenzial der Betreffenden ausreicht, um verantwortlich Seelsorge betreiben zu können. Das ist eine Frage der menschlichen Reife."  Bischof Gerber: Priesteramt für Frauen wenig realistisch, Katholisch de am 5.7.2019.
Was wäre der größt mögliche Unglücksfall für die Reformkräfte in der Katholischen Kirche? Für den Berufsstand der Ärzte: Alle sind gesund und keiner wird krank! Das wäre ihr Ruin. Darum gilt eben nicht nur: Weil es Krankheiten gibt, gibt es Ärzte! sondern auch: Weil es Ärzte gibt, gibt es Krankheiten. Der Supergau für die Reformer: überall volle Priesterseminare und Anwärter,die Ja sagen zu der Katholischen Kirche, so wie sie ist:Zölibat, Sexualmoral, kein Frauenpriestertum etc.
Wenn aber die Priesterseminare leer sind, dann kann kraftvoll gerufen werden:Weg mit dem Zölibat, her mit dem Frauenpriesertum! Nur, was unternehmen, wenn trotz dieser Mißstände  viele ernsthafte Bewerber vor der Türe stehen? Circa 50 Prozent als ungeeignet nicht zuzulassen! 
Begründete Zweifel schlössen diese 50 Prozent aus. Ist es da völlig unzulässig zu mutmaßen,daß eine zu conservativ-katholische Frömmigeit eines Bewerbers, die so fest verankert erscheint,daß sie als nicht mehr auflösbar eingestuft wird, der Grund zur Nichtzulassung ist? Denn wie soll die Deform der Kirche vorangetrieben werden, wenn in den Priestersemiaren ein conservativer Nachwuchs sich ausbreitet? 
Genaugnommen können die Deformkräfte nur Bewerber gebrauchen, die erklären, trotz des Zölibates und des Ausschlusses der Frauen vom Priestertum, sich zu  Priestern weihen zu lassen.Und möglichst alle Conservativen von vornherein ausschließen. Und gibt es nicht Studien zu Hauff, die beweisen, daß eine conservative, gar traditionalistische Frömmigkeit ein Indiz einer Entwickelungsstörung sei? Reichte dazu nicht schon der Klassiker: Adorno: Studien zum autoritären Charakter?