Donnerstag, 2. April 2026

Wider ein paar populäre Mißverständnisse des Kreuzes Jesu

 

Wider ein paar populäre Mißverständnisse des Kreuzes Jesu 



Jesus war eben ein so guter Mensch, daß die Bösen ihn nicht ertrugen konnten und so ihn töteten. Diese einfache Deutung seines Kreuztodes kann dann sehr vielfältig ausgeschmückt werden, wobei isb um des christlich- jüdischen Dialoges willen Wert darauf gelegt wird, die jüdische Schuld zu minimalisieren, sodaß Pontius Pilatus zum Hauptschuldigen befördert werden muß, ganz im Kontrast zu den Aussagen der 4 Evangelien dazu. (Kennern der Serie: „Sturm der Liebe“ ist diese Konstellation wohl bekannt, daß die guten Herzens immer wieder das Vorzugsopfer der böswilligen Intriganten werden, gerade weil sie selbst nicht mit so viel Niedertracht ihrer Feinde rechnen.) Aber dies Interpretationschema verkennt völlig, daß es Gottes Wille war, daß sein Sohn sich als das Sühnopfer darbringe. Gottes Wille geschah, als Jesus Christus am Karfreitag gekreuzigt wurde.

Jesu Hinrichtung war eine Willkürentscheidung der Römischen Justiz, ein Fehlurteil, weil Pilatus einen Unschuldigen zum Tode verurteilt. Wenn ich zu all meinen Freunden sagte: „All Eure Schulden übernehme ich, ich trete vor Eure Gläubiger, um Eure Schulden zu begleichen“,dann bin ich dadurch zum Schuldner geworden,auch wenn ich selbst bei niemanden Schulden gemacht hätte. Pilatus verurteilte so wirklich in Jesus einen Verbrecher, und nicht nur einen, sondern den, der alle Verbrechen auf sich selbst genommen hat,weil er um unseres Heiles willen der Sünder schlechthin werden wollte.



Der Hohepriester Kaiaphas ist ein abschreckendes Beispiel all der klerikalistischen Untugenden, der nicht mal davor zurückschreckt, aus Neid einen Populären und beim Volke Beliebten töten zu lassen. Kaiaphas agiert hier nicht als eine Privatperson sondern als ein Amtsinhaber: Sein Beruf ist die Darbringung des Versöhnungsopfers für die Sünden des Volkes.Völlig abgesehen von seinen Privatmotiven handelt er als Priester hier amtlich, indem er dazu beiträgt, daß Jesus nicht nur für die Sünden des jüdischen Volkes sondern der der ganzen Menschheit geopfert wird.Nur durch das Mitwirken des Hohepriesters wird Jesu Kreuzestod ein kultisches Sühnopfer. Wäre Pilatus allein der Akteur,wäre seine Kreuzigung allein eine Tat im Raume des Rechtes und der Gerechtigkeit gewesen, durch den Hohepriester wird es aber eine Tat im Raume des Kultes, des Opferkultes. Wäre Jesus nur wie der hl. Stephanus gelyncht worden und hätte ihn dann Gott nach 3 Tagen auferweckt, hätte sein Tod keine Heilsbedeutung außer der, daß Gott seine Märtyrer durch die Gabe des ewigen Lebens belohnen will.

Jede historisch-kritische Rekonstruktion der Kreuzigung Jesu eruiert nur eine Anzahl von kontingenten Ereignissen, die sich menschlichen Entscheidungen verdanken. So wird notwendig das Eigentliche verkannt, daß gerade im Ereignis der Kreuzigung Gottes Wille selbst sich verwirklichte.

Mittwoch, 1. April 2026

Confusionen über das Gebet oder das Verwirrspiel des „Gotteslobes“

 

Confusionen über das Gebet oder das Verwirrspiel des „Gotteslobes“



Gebet hat nicht die Absicht, die Welt aktiv zu verändern. Aber seine verwandelnde Kraft verändert den Menschen.Und solche Menschen werden bereit sein,die Welt nach dem Auftrag des Evangeliums zu verändern“.1 Die so veränderten Menschen sind die gebetet habenden. Nur muß hier doch der Einwand erhoben werden, daß jedes Gebet, das Gott erhört, eine Veränderung in der Welt bewirkt, indem Gott das gibt, um das er gebeten worden ist.

Der „Gotteslobtext“ ist zum größten Teil eine Lamentierei über die Schwierigkeit und Unwilligkeit des modernen Menschen, zu beten. Etwas fremdkörperhaft wird dann aber proklamiert: „Der volle Grund zum Beten ist für uns immer Gott selbst und sein Heilshandeln. Gott ist so, daß er verehrt werden muß, wir sind so,daß wir Gott verehren , anbeten müssen.“2 Das ist die Praxis der Anbetung, aber ist das wirklich eine Unterabteilung des Betens oder nicht viel mehr eine eigenständige Praxis. Auf der nächsten Seite heißt es nun: „Gott braucht mein Gebet nicht“. Wie paßt das denn nun zusammen mit der vorherig zitierten Aussage,daß Gott zu verehren sei, daß die Verehrung zum Gottsein dazugehörig sei? Damit ist wohl gemeint, daß Gott unser Gebet nicht brauche, es aber wolle. Ein gewisser auch der christlichen Religion fremder Anthropozentrismus schleicht sich hier ein.Eine so starke Betonung des Axiomes der völligen Selbstgenügsamkeit Gottes insinuiert,daß Gott selbst alle seine Beziehungen zu anderem als zu sich selbst ihm eigentlich gleichgültig wären.

Beten hieße dann, sich bei und vor Gott ganz aussprechen zu können. Dann heißt es aber: „Im Gebet versuche ich, Gottes Willen zu erfahren und mein Leben daraufhin zu ändern.“ 3 Hierin verbirgt sich eine bestimmte Gebetskritik: Statt zu beten, solle der Mensch selbst anfangen, sich zu bessern und Gutes für die Anderen zu tuen, die mit der Behauptung, daß das Gebet zum Tuen des Guten motiviere, hier repliziert wird.

Die wesentliche Frage, ob denn Gott unser Beten erhören kann und will, verharrt in einer eigentümlichen Ungeklärtheit: So heißt es zwar, daß wir im Bittgebet erbitten, „was wir brauchen, für uns und andere“4, aber ob Gott denn auch unser Bitten erhört, darüber wird nichts ausgesagt. Zu dem Erflehen des Erbarmens Gottes heißt es dann aeber etwas apokryph: Daß Gott uns zeigen könne, „was wir von uns aus nicht sehen können.“5 Somit erkennen wir nur etwas, was uns schon unabhängig von der Erkenntnis gilt, denn das göttliche Erbarmen verändert so gar nicht Gottes Beziehung zu uns. Wir erkennen nur, daß er uns immer barmherzig gegenüber ist.

Dominierend ist aber die Tendenz, daß das Gebet den Betenden positiv verändert und nicht primär an Gott adressiert ist, daß er zu unseren Gunsten sein Verhalten uns gegenüber ändert. Im Hintergrund könnte das Axiom stehen, daß Gott sich gar nicht ändern könne, auch nicht sein Verhalten uns gegenüber, sodaß er gar kein Gebet erhören könne.

Thomas Mann präsentiert uns nun aus dem Munde des „Dr Breisacher“ diese Polemik: „Das Gebet ist die vulgarisiete und rationalistisch verwässerte Spätform von etwas Energischem,Aktiven und Starkem:der magischen Beschwörung,des Gotteszwanges.“6 Völlig falsch ist diese Behauptung nun nicht, denn man könnte sagen, daß die Differenz zwischen einer magischen Beschwörung und dem Gebet genau darin liegt, daß die Magie den Beschwörten zu beherrschen versucht, das Gebet Gott Herr sein läßt über das Gebet, ob er es erhört oder auch nicht, aber vertrauend darauf, daß Gott unser Beten erhören will. Eine Theorie des Gebetes, die es faktisch ausschließt, daß Gott unsere Gebete erhört, ist dann tatsächlich eine „vulgarisierte und rationalistische Spätform“ des Gebetes.

1„Gotteslob“, 1988, S.18.

2A.a.O. S.16.

3A,a.O. S.17.

4A.a. O. S.17.

5A.a.O. S.17.

6Thomas Mann, Doktor Faustus, 28.Kapitel.

Dienstag, 31. März 2026

Das „wahre Konzil“ und das „Konzil der Medien“- oder: „Das Konzil und der Kampf um die Deutungshoheit“1.

 

Das „wahre Konzil“ und das „Konzil der Medien“- oder: „Das Konzil und der Kampf um die Deutungshoheit“1.

Papst Benedikt XVI hätte es auf den Punkt gebracht: „Es gab das Konzil der Väter, das wahre Konzil, aber es gab auch das Konzil der Medien.Es war fast ein Konzil für sich,und die Welt hat das Konzil durch diese, durch die Medien wahrgenommen...Und während das Konzil der Väter sich innerhalb des Glaubens vollzog...entfaltete sich das Konzil der Journalisten natürlich nicht im Glauben, sondern in den Kategorien der heutigen Medien, also außerhalb des Glaubens,mit einer anderen Hermeneutik. Es war eine politische Hermeneutik: Für die Medien war das Konzil ein politischer Kampf,ein Machtkampf zwischen verschiedenen Strömungen in der Kirche. Selbstverständlich haben die Medien für jene Seite Partei ergriffen, die ihnen zu ihrer Welt am besten zu passen schien.“2

Diese antithetische Gegenüberstellung von dem wahren Konzil und dem der Medien erscheint plausibel, aber hält sie einer kritischen Nachfrage auch stand? Wenn dem so wäre, wie konnten dann die Medien aus dem Konzil, wie es wirklich gewesen war, etwas so völlig anderes machen und warum gelang es dann nicht, eine angemessene Darstellung des Konziles gegen die Medien durchzusetzen? Daß die Medien eine politische Kommentierung des Konziles bevorzügten, da für sie ein Konzil nur ein Ort kirchenpolitischer Machtkämpfe sein könne,impliziert ja nicht, daß sie über die Ergebnisse dieser vermeintlichen Machtkämpfe falsch berichten müßten. Ganz ungeklärt bleibt dabei dann noch die Frage, wieso denn die Medien so kirchenfeindlich eingestellt berichteten, besser das wahre Konzil verfälschten.

Außerdem müßte angefragt werden, ob nicht schon innerhalb des 2.Vaticanums die Konfliktparteien ihre Kontroversen (kirchen)politisch wahrnahmen, daß da die Progressiven wider die conservativeren Bewahrer kämpften?

Die Priesterbruderschaft St.Petrus führt nun eine Dauerkontroverse mit der St.Piuspriesterbruderschaft über die Deutung des 2. Vaticanums, wobei sie lehren,daß das Konzil uneingeschränkt zu bejahen sei und daß alles dem Konzil negativ Angelastete nur Hervorbringungen hervorgerufen durch (absichtliche)Fehldeutungen dieses Konziles seien. Nur, warum konnten dann die Texte des Konziles so wider ihre eigentliche Intention mißinterpretiert werden und wie kam es dazu, daß diese Fehldeutungen die die universitäre Theologie dominierenden werden konnten?

Das klingt,mit Verlaub gesagt, durch alles nach einer zu simpel gestrickten Verschwörungstheorie. Pathetisch heißt es dann gar in diesem Informationsblattartikel: „Auch wenn dieses Konzil vornehmlich eine pastorale Ausrichtung hatte, enthält es doch wichtige Fortschritte der katholischen Lehre.“3 ,ohne uns zu informieren, worin denn diese gewichtigen Fortschritte bestünden. Das evoziert zudem die Kritik, ob es denn überhaupt in der Theologie Fortschritte geben könnte,wenn es doch in der Theologie primär darum geht,offenbarte Wahrheiten zu explizieren, so wie eine Hebamme das Kind zwar zur Welt bringen verhilft, es aber doch nicht selbst erschaffen hat.Über den hier verwendeten Fortschrittsbegriff wäre ein klärendes Wort nötig,mehr als nötig gewesen.

Weiter heißt es dann in diesem Text: „Wenn man das Zweite Vatikanische Konzil endlich ernst nehmen würde, eröffnete sich eine neue missionarische Sicht auf die Kirche,´die den Menschen nichts Anderes bringen will als Chrisus.“4 Nun ist es eine Tatsache, daß die Kirche ihre missionarische Tätigkeit vollständig eingestellt und stattdessen nur noch diakonisch tätig ist, isb substituiert sie in den einstigen Ländern ihrer Missionstätigkeit die Mission durch ihre Entwickelungshilfe im Kontext des interreligiösen Dialoges, daß alle Religionen sich für eine Humanisierung der Welt engagieren.

Zu fragen ist nun, ob diese Einstellung eine Frucht des 2.Vaticanumes ist. Als Kandidat kommt diesbezüglich die „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen >Nostra aetate<“ in Frage. Der Befund. In jeder Religion kann ein Mensch das Heil erlangen, insofern er das in ihr an Wahrem praktiziert und wenn Gottes Gnade das Fehlende dann ergänzt. Selbst ein Atheist kann so, folgt er nur seinem Gewissen, das Heil erlangen.Das ist nun selbst eine sehr problematische Auslegung des Petrus Abaelardus zugeschriebenen Votums: „Dem,der tut,was in ihm ist, versagt Gott nicht die Gnade“= Facienti quod in se est,Deus non denegat gratiam“ .

Ein der Theologie innewohnende Widerspruch artikuliert sich hier, daß einerseits an dem universalistischen Heilswillen Gottes festzuhalten ist, sodaß jeder Mensch eine Möglichkeit gegeben sein müsse, das Heil zu erlangen und daß andererseits das Heilsmittel, Jesus Christus und die Kirche nur partikular für Menschen erreichbar war und ist. Können Menschen, sagen wir mal unsere germanischen Vorfahren: Hatten die eine Möglichkeit, das Heil zu erlangen, bevor sie christianisiert wurden? Wenn es dazu eine Möglichkeit gibt etwa im Sinne des Petrus Abaelardus, dann gab es die und gibt es sie noch jetzt. Oder sollte Gott nach Christi Geburt alle bisherigen Wege zum Heil als ungültig erklärt haben, da es nun nur noch den christlichen geben soll? Wird nicht eine solche Ungültigkeitserklärung durch Gott angenommen,dann sind auch nach Christus alle Religionen Wege zum Heil und selbst ein Atheist ist nicht notwendig vom Heile ausgeschlossen.

Das ist dann, wenig überraschend das Ende der Mission. Der der christlichen Religion innewohnende Widerspruch zwischen der Aussage, daß nur die wahre Religion der Weg zum Heile der Menschen ist und das Insistieren auf den universalistischen Heilswillen Gottes bedrängt das theologische Denken, eine Lösung zu finden.Mit dem 2. Vaticanum hat nun die Lösungsstrategie, die um des Heilsuniversalismus willen die christliche Religion und die Katholische Kirche als den einzigen Weg zum Heile relativiert, die Oberhand gewonnen. Wenn aber so jede Religion ein Weg zum Heil ist und selbst der Atheismus nicht vom Heile ausschließt, dann ist damit der Mission ihr Fundament entzogen.

Das ist nun wahrlich nicht ein Ergebnis eines Konziles der Medien sondern das Ergebnis einer Lektüre der Texte des 2. Vaticanumes,die „Nostrae aeate“ zu dem Haupttext aufwertet, die so alles über die Mission als der Aufgabe der Kirche entwahrheitet. Wenn dann noch die Erklärungen zur Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit von „Nostrae aetae“ gelesen werden, erzwingt das eine völlige Relativierung des Wahrseins der christlichen Religion und ihrer Kirche.





1Informationsblatt der Priesterbruderschaft St.Petrus, 4/2026, S.14-16.

2a.a.O. S.14.

3a.a.O. S.15.

4A.a. O. S.16.

Montag, 30. März 2026

Das Verschwinden des „Nächsten“ - oder ein Humanitarismus, der den „Nächsten“ übersieht

 

Das Verschwinden des „Nächsten“ - oder ein Humanitarismus, der den „Nächsten“ übersieht


Der „Nächste“ das ist ein in der Nähe von mir Wohnender und Beheimateter, denn man vom „Sehen“ kennt und mit dem man nachbarschaftliche Kontakte pflegt.Die Familie und die Verwandten und dann auch Bekannten stellen dabei eine besondere Intensivierung dieser Nächstenkontakte dar. Die Verwandten lebten eben in der Nähe, die Kinder zogen aus ihren Familien aus, um dann in der Nähe ihre eigenen zu gründen, ja selbst viele Firmen waren Familienbetriebe,nicht nur in der Landwirtschaft übernahm der Sohn den väterlichen Betrieb. Die „Nähe“ ist so eine Kategorie des Raumes und schließt den „Fernen“,den „Fremden“ aus: Der ist kein „Nächster“.

Weihnachten ist zu dem Familienfest schlechthin mutiert: Hier kommt endlich die ganze Familie zusammen, um miteinander zu feiern. Ob und wie dann diese Familienfeier gelingt, braucht hier nicht erörtert zu werden sondern das Faktum, aus wie vielen fernen und noch ferneren Gegenden die Familienmitglieder anreisen, um nun beieinander zu sein. Die verwandtschaftlichen Beziehungen existieren noch, sind aber oft faktisch Fernbeziehungen ohne die ursprüngliche räumliche Nähe: Man sieht sich selten! Das führt so zu einer Entnähung der Verwandtschaftsbeziehungen, selbst im einst engeren Familiengefüge.

In der (post)modernen Gesellschaft ist der „Nächste“ keine Kategorie des Raumdenkens mehr sondern eine Kategorie der Medienwelt: Je präsenter jemand in den Medien ist, desto „näher“ ist er. Zur Veranschaulichung: Den jetzt amtierenden Papst kennen viel mehr als ihren Gemeindepfarrer, die Parteivorsitzenden der etablierten Parteien viel mehr als die Parteivorsitzenden ihrer Stadt. Die Prominenten der Medienwelt kennen auch viele besser als ihre Nachbarn. (Über das Ehe- und Beziehungsleben der Prominenten, nicht nur der Königshäuser weiß heute die Leserschaft dieser Zeitschriften weit besser Bescheid als über das Leben ihrer Nachbarn!) Der „Nächst“ ist so zu einem Medienereignis geworden.

Der „Nächste“ im räumlichen Koordinatensystem war einer,mit dem man direkt kommunizierte, dem man auch mal helfen konnte, wenn der in einer Notlage war. Der „Nächste“ war so immer auch ein möglicher Adressat zu praktizierender Nächstenliebe. Der „Nächste“ der Epoche des Medienzeitalters ist in handlungspraktischer Perspektive kein „Du“ mehr, zu dem man sich unmittelbar verhält,indem man mit ihm kommuniziert.(Das nicht reflektiert zu haben, macht die Antiquiertheit des Projektes des „kommunikativen Handelns“ Habermas aus.)

Der „Nächste“ der medialen Fernkommunikation führt nun dazu, den „Nächsten“ im Raume zugunsten des „Nächsten“ der Medienwelt zu vergessen.Kinder, die von einer Hungersnot irgendwo in Afrika betroffen sind, sind uns Mediennutzer „näher“ als das notleidende Kind in der Nachbarschaft. Der „Nächste“ transformiert sich so zu dem Fernen, der aber durch die Medien uns zum „Nächsten“ geworden ist.

Das zeitigt nun auch gravierende Folgen für den moraltheologischen Diskurs: Ein universalistischer Humanitarismus substituiert das ursprüngliche Konzept der Nächstenliebe, wie es die „Ordnung der Liebe“ expliziert, die Ordnung konzentrischer Kreise, die den Näheren, der Familie, der Verwandtschaft, dem eigenen Volke eine höhere Verbindlichkeit abverlangt als den Ferneren: je ferner, desto weniger. Dem universalistischen Humanitarismus ist dagegen die Liebe der Mutter zu ihrem eigenen Kinde etwas Suspektes, da so die Liebe zu allen Kindern nicht Genüge getan würde.

Der „Nächste“ der Medienwelt ist nun aber auch keiner mehr, dem man eine tätige Nächstenliebe entgegenbringen könnte, man kann nur noch für ihn spenden, das ist die Praxis der Nächstenliebe in unserem Medienzeitalter. Ein guter Mensch, ein Christ ist, wer für Sozial- Caritatives spendet. So wird ja jeder Bürger zum „Fest der Liebe“,Weihnachten überhäuft mit Spendenaufrufen.Das Alltagsleben wird somit von der da zu praktizierenden Nächstenliebe entlastet.ist man doch schon ein guter Mensch1 und ein praktizierender Christ, wenn man spendet für die „Fernen“, die uns zu unseren „Nächsten“ gemacht worden sind.



1Bitte nicht verwechseln mit dem „Gutmenschen“, dessen Gutsein darin besteht, jeden Kontakt,jede Infizierung mit nichtguten Menschen zu vermeiden.

Sonntag, 29. März 2026

Die Kirche als die Organisation der Nächstenliebe – ein Sackgassenprojekt?

 

Die Kirche als die Organisation der Nächstenliebe – ein Sackgassenprojekt?



Wenn die Kirche in Deutschland noch eine Zustimmung findet, als erhaltenswürdig beurteilt wird, dann als die Organisation der Nächstenliebe: Christentum, das sei die praktizierte Nächstenliebe. Das genuin Religiöse, wie der Gottesdienst, das Beten sei dagegen etwas Sekundäres, auch wenn dann der Glaube an einen Gott schon noch dazugehöre. Also habe die Kirche sich auf das Sozial-Caritative zu konzentrieren, um ihre Akzeptanz zu steigern, auch um so einem weiteren Kirchenmitgliederrückgang entgegen zu wirken.

Dazu sei nun eine simple Frage gestellt: Wer möchte den ein Adressat der kirchlich organisierten Nächstenliebe sein? Ein Hilfsbedürftiger, ein in Not Befindlicher möchte eigentlich keiner sein, aber für solche habe doch die Kirche in erster Linie darzusein. Das heißt, daß wohl die Mehrheit der Christen urteilt,daß da die Kirche für Notleidende dar zu sein hat, sie für die Anderen, nicht für sie dar ist. Die modernen Gesellschaften zeichnen sich durch eine hochgradige Arbeitsteilung aus, sodaß es einen eigenen großen Komplex an Dienstleistungsanbietern gibt. Jede Dienstleistung kann so jeder Bürger für sich beanspruchen, insofern er sie bezahlen kann.Der solch ein Angebot Annehmender nimmt sich nun selbst nicht als ein Hilfsbedürftiger wahr, sondern als ein Kunde, der für die angenommene Dienstleistung angemessen bezahlt.Solche Dienstleistungsanbieter schränken nun den Raum der zur praktizierenden Nächstenliebe ein. Wer seinen Friseur, seinen Klempner und den KfZ-Meister bezahlt, versteht sich selbst nicht als jemanden, dem so Nächstenliebe entgegengebracht wird sondern als ein Kunde, der von der Arbeitsteilung der modernen Gesellschaft profitiert.

Notleidend ist so gesehen nur der, der einen Dienstleistungsanbieter für sein Anliegen nicht selbst bezahlen kann. Nur dieser wird als Hilfsbedürftiger angesehen und nur für die sei eigentlich die Kirche dar.

Nun zeitigt die Kirche als die Organisation der praktizierten Nächstenliebe noch einen irritierenden Kollateralschaden: Weil diese Organisation für die Nächstenliebe zuständig ist, entlastet sie so, eingedenk der Institutionenkritik Gehlens das Individuum: „Das brauche ich nicht mehr zu tuen, dafür ist jetzt die und die Institution zuständig.“ Die faktisch praktizierte Nächstenliebe reduziert sich so auf das Spenden für sozial- caritative Zwecke, daß dann dazu befähigte Organisationen die nötige Hilfe leisten können durch die Spendengelder.

Wenn dann doch noch in der Kirche von der zu praktizierenden Nächstenliebe gepredigt wird, reduziert sich das, wenn man das Pathos der Nächstenliebe überhört auf: „Seid nett zueinander!“ Schon ein freundliches Grüßen des Nachbarn sei schon praktizierte Nächstenliebe. Für alle gewichtigen Probleme sind dann aber die entsprechenden Dienstanbietungsleister zuständig, zumal die dann auch professionell helfen können.

Wer braucht so die Kirche als Organisation der Nächstenliebe? Die Allermeisten wollen sie so nicht gebrauchen und hoffen, nie auf sie angewiesen zu sein. Selbst aber als ein Akteur der Nächstenliebe zu wirken, das überläßt in unserer modernen arbeitsteiligen Gesellschaft auch der Christ gerne den professionellen Helfern.Es reiche doch, durch Spendengelder dann sozial- caritative Projekte zu finanzieren.

Der geneigte Leser kann diese Behauptung leicht überprüfen, indem er sich eine ganze Woche vor Augen hält unter der Fragestellung: „Wann habe ich in ihr etwas getan, was als praktizierte Nächstenliebe zu bewerten wäre?“ 

Corollarium

Der Nächste,das war einst der räumlich Nahe, in unserer Epoche der Medien und der Ferkommunikation der in den Medien Präsente. Aber wie soll dieser Nächste noch ein Adressat der praktizierten Nächstenliebe sein, sofern die Nächstenliebe noch etwas anderes sein soll als das Spenden für Notleidende irgendwo auf der Erde.

Samstag, 28. März 2026

Der Karfreitag und die Organspenderegel in Deutschland

 

Der Karfreitag und die Organspenderegel in Deutschland



Der KI weiß Bescheid: Abgefragt am 27.März 2026 informiert er sachkundig: Ist in Deutschland jeder automatisch Organspender: „Nein, in Deutschland ist man nicht automatisch Organspender. Es gilt die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet, dass eine Organspende nur zulässig ist, wenn der Betroffene zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat (durch Organspendeausweis oder Register). Wenn keine Entscheidung dokumentiert ist, werden die Angehörigen befragt.“ 

Die Regelung in Deutschland unterscheidet sich somit von der in einigen anderen europäischen Ländern geltenden Widerspruchslösung, bei der man automatisch Spender ist, sofern man nicht widerspricht.“

Gibt es nun einen Zusammenhang zwischen dem Karfreitag und der Organspende und gibt es einen Zusammenhang zwischen den staatsbürgerlichen Pflichten und der Bereitschaft zur Organspende. Bei dieser Erörterung soll sich auf die Spende von Organen konzentriert werden, wenn der potentielle Kandidat für eine Organspende zwar für tot erklärt worden ist, aber Organe von ihm noch nicht abgestorben sind, sodaß sie noch transplantierbar sind.

Die Zentralbotschaft des Karfreitages ist, daß hier Jesus Christus sein Leben geopfert hat, um uns Menschen zu retten. Das ist das priesterliche Amt, das Jesus als der wahre Hohepriester hier am Karfreitag ausgeübt hat, und der so das Urbild des Priesters ist. Auf eine nähere Explikation des Opfertodes Jesu Christi kann hier verzichtet werden, da sie für diese Erörterung nicht notwendig ist, so wichtig sie auch für das Verstehen des Karfreitagsereignisses notwendig ist.

Sein eigenes Leben zu opfern, um das anderer zu retten, ist so der höchste Akt der praktizierten Nächstenliebe. Im alltäglichen Leben wird von uns Christen in der Regel eine solche Radicalität der Kreuzesnachfolge nicht verlangt, es genügt meist,um des Nächsten willen, seine persönlichen Interessen zurückzustellen.

Aber der Diskurs um die Organspende reißt uns, durchdächten wir dies Problem gründlich, aus dieser unserer Alltäglichkeit heraus. Organspendefähig ist nämlich nur ein Mensch, wenn er entweder noch lebt oder wenn er zwar schon für tot erklärt worden ist, wenn dessen Organe,zumindest die für eine Transplantaion vorgesehenen noch nicht tot sind. Er darf also,um es etwas salopp zu formulieren, noch nicht ganz tot sein, wenn es um eine Organspende von einem Toten geht.

Das heißt, scharf formuliert: Darf ein Nochlebender sein Leben aufopfern, wenn er auch davon auszugehen hat, daß die Diagnose des Hirntodes für ihn bedeutet, daß er in Bälde ganz tot sein wird, jetzt es aber noch nicht ganz ist? Wenn es eine Sünde wäre, sein eigenes Leben zu opfern,um das anderer Menschen zu retten, dann hätte Jesus gesündigt, als er sein Leben so aufgeopfert hat. Deshalb kann für einen Christen eine Organspende, wenn der Gehirntod diagnostiziert werden, keine Sünde sein, denn so würde er wirklich dem Kreuze Christi nachfolgen. Im Zentrum der christlichen Religion steht so das Opfer und somit ist sie keine simple Religion der Liebe.

Im staatlichen Bereich verlangt jeder Staat von seinen Bürgern,in denen eine Wehrpflicht existiert,auch eine solche Opferbereitschaft, daß sie dazu bereit sind,in einem Kriegsfalle ihr Leben zu opfern für das eigene Vaterland zu seiner Verteidigung.1 Aus theologischer Sicht steht dem Staate das Recht, solch ein Opfer zu verlangen, zu im Kontext der Lehre vom gerechten Kriege. Es gibt nun Staaten, wie den deutschen, der seinen Bürgern das Recht zubilligt, aus Gewissensgründen den Kriegsdienst zu verweigern. (Ob dies ein Menschenrecht zu sein hat oder ein staatliches Zugeständnis, das auch widerrufen werden darf, wage ich hier nicht zu entscheiden. Illegitim ist es aber auf jeden Fall, dem Staate Reche seinen Bürgern gegenüber abzusprechen!)

Es gilt also, wenn es eine allgemeine Wehrpflicht gibt, in einigen Staaten das Recht, den Kriegsdienst zu verweigern. Nicht ist die Pflicht zum Kriegsdienst keine freiwillige Entscheidung, wie ja auch das Steuerzahlen keine freiwillige Handlung ist . Dem korreliert die Regelung der Pflicht zur Organspende im Falle des eigenen Todes, aber der Staat kann es billigen, daß Staatsbürger aus Gewissensgründen dieser Pflicht nicht nachkommen wollen.

Aber es muß doch geurteilt werden, daß die Freiwilligkeitsregelung nicht dem Pflichtcharakter entspricht, denn dem Staate steht es zu,um des Allgemeinwohles willen, vom Toten, denen aber noch Organe entnehmbar sind zur Rettung des Lebes anderer Staatsbürger die Bereitschaft zur Organentnahme zu verlangen, so wie er auch die Bereitschaft zum Kriegsdienst verlangen darf.

Karfreitag vor Augen, daß der Heiland für uns sein Leben opferte,um uns zu erlösen,müßte es eine Selbstverständlichkeit sein,zur Organspende im Falle des Todseins, auch wenn man noch nicht ganz tot ist,zuzustimmen. Ob des Pflichtcharakters, daß man als ein Staatsbürger auch seine Pflichten dem Staate gegenüber hat und der nur so dem Allgemeinwohl dienlich sein kann, kann man die jetzige Regelung in Deutschland nicht bejahen. Pflichterfüllung ist eben keine Freiwilligkeitserbringung.

1Es dürfte aber kritisch angefragt werden,ob für unseren deutschen Staat das noch unbeschränkt git, da es zweifelhaft ist, ob die NATO wirklich unserer Vaterlandsverteidigung dienlich ist.

Freitag, 27. März 2026

Ein sehr befremdlicher Gedanke zu Gott als dem absolut Guten und zum Relevanzverlust Gottes

 

Ein sehr befremdlicher Gedanke zu Gott als dem absolut Guten und zum Relevanzverlust Gottes



Immerhin, sagte Schleppfuß, werfe hier das Problem des absolut Guten und Schönen sich auf,des Guten und Schönen ohne Beziehung zum Bösen und Häßlichen,- das Problem der vergleichslosen Qualität.Wo der Vergleich entfalle,sagte er, entfalle der Maßstab,und weder von Schwerem noch Leichtem, weder von Großem noch Kleinen könne da die Rede sein. Das Gute und Schöne wäre dann entwest zu einem qualitätslosen Sein, das dem Nichtsein sehr ähnlich und diesem vielleicht nicht vorzuziehen sei.“1

So irritierend dieser Gedanke doch aus ist, so kontraintuitiv, so klar ist er, wird er aus dem Raume der Mathematik her kommend bedacht. Der dort verortete Begriff des Betrages meint, wie viele Einheiten etwas von Null entfernt ist. Der Betrag 500 besagt so 500 Einheiten von Null entfernt, aber er besagt nicht, in welcher Richtung, ob plus oder minus. Der Betrag 500 ist der gleiche, ob es nun 500 Euro Guthaben oder 500 Euro Schulden auf meinem Geldkonto sind. Im Raume der Beträge existieren nur quantitative Differenzen, erst durch die Vorzeichen existieren qualitative, ob ich 500 Euro besitze oder ob ich sie schulde.

Das Gute wäre nicht, wenn es nicht die Negation des Bösen und das Böse wäre nicht, wenn es nicht die Negation des Guten wäre. Das hat aber zur logischen Konsequenz, daß das Gute und das Schöne nicht absolutistisch begriffen werden können. Gott erschuf zuerst einen Menschen, aber erst indem er ihm eine Frau zur Seite stellte, wurde der Mensch zum Manne und die Frau in ihrer Differenz zum Manne zur Frau.So kann auch der Mann und auch die Frau nur ein Mann und eine Frau sein ob ihres untereinander Differentseins. Das bedeutet aber auch, daß eine E-mann-zipation der Frau die Entmännlichung des Mannes erwirkt.

Aber Gott müsse doch als das Absolute gedacht werden und da er als eins mit dem Guten zu denken ist,müsse auch das Gute absolut sein. Aber dabei wird Gott als der Hervorbringer der Idee des Guten mit der von ihm hervorgebrachten Idee des Guten verwechselt. Gott erschuf die Idee des Guten wie alles Seiende als eine creatio ex nihilo. Gott liegt also nicht eine metaphysische Ordnung des Wahren, Guten und Schönen vor, der er selbst subordiniert wäre noch ist sie ihm in seine göttliche Natur so eingeschrieben, daß er von Natur aus gut und schön wäre. Würde Gott nämlich durch seine eigene Natur bestimmt gedacht, würde er wie ein kreatürliches Seiendes gedacht, eher verdacht.

Erst indem Gott frei die drei Ordnungen des Wahren in dem Spannungsfeld von dem Wahren und Unwahrem, des Guten in dem Spannungsfeld von dem Guten und dem Bösen und die des Schönen in dem Spannungsfeld von dem Schönen und dem Häßlichen,setzte, existierte das Wahre,Gute und Schöne.

Aus diesem Spannungsfeld herausabstrahiert, verlören sie ihr Wesen,verwesten sozusagen. Die Schachfigur der Königin würde, aus dem Schachregelsystem mit seinen Bedeutungszuweisungen für die Schachfiguren herausabstrahiert, ja auch aufhören, diese Figur zu sein.

Trotzdem bereitet dieser Gedankengang ein Unbehagen, soll doch das Wahre, Gute und Schöne nichts mit deren Negationen zu tuen haben, sollte doch zwischen dem Guten und dem Bösen eine unendlich große Entfernung liegen und keine so intime Nähe. Erinnern wir uns an die zwei großen Weltverbesserer, Stalin und Mao: Um einen Himmel auf Erden zu verwirklichen, nahmen sie den Tod vieler Menschen hin, aber nicht aus einer Menschenverachtung heraus, sondern um des guten Endzieles willen. Vielleicht erklärt sich ja aus dieser intimen Beziehung, daß der Wille zum Guten in den schrecklichsten Terror umschlagen kann, man denke an den Revolutionsführer Robespierre! Das gilt so auch die Revolutionsführer des Irans: Nicht Menschenverachtung sondern der Wille, daß nun die Bürger des Irans ganz nach Gottes Willen leben sollen,macht deren diktatorisches Regieren ja aus!

Aber Gott müsse doch als das Absolute gedacht werden. Das ist das Zentralanliegen des deutschen Idealismus, Fichte, Schelling und Hegel leisteten hier Großes.Nur, wenn Gott als Gott gedacht werden soll,muß er als etwas Bestimmtes gedacht werden und das heißt ob der Erkenntnis: „Omnes determinatio est negatio“ auch als etwas durch das so Negiertes Begrenztes: Gott ist Gott, indem er Nichtgott nicht ist.Indem Gott für anderes als sich selbst Gott sein will, ist er sich durch das Andere als selbstbegrenzend zu denken, soll nicht ein Pantheismus gelehrt werden.Dann ist er aber nicht mehr absolut sondern Gott in seiner und ob seiner Relation zu allem anderem.

Gott habe keine Relevanz mehr für den (post)modernen Menschen, diese Klage wird nun allenthalben angestimmt.Wie wäre es, wenn der Gedanke zugelassen werden würde, ob dieser Relevanzverlust nicht eine logische Konsequenz der Lehre von der Absolutheit Gottes sei, daß wir Menschen für ihn keine Relevanz hätten ob seiner vollkommenen Selbstgenügsamkeit?







1Thomas Mann, Doktor Faustus, 13.Kapitel. Man beachte den Namen: Schleppfuß! Könnte das einen daimonischen Verführer meinen?

Mittwoch, 25. März 2026

 

Grundlegendes: Was können wir über das Todsein wissen? Eine unorthodoxe Idee


Wie wäre es, befrügten wir jemanden, der schon gestorben war und wirklich tot war und der uns, neu zum Leben erweckt, darüber nun eine Auskunft geben könnte? Vom einer Person ist uns bezeugt, daß er tot war und dann nach 3 Tagen wieder auferweckt worden ist bzw auferstand. Wer, wenn nicht Jesus Christus könnte uns so Zuver-lässiges über das Todsein mitteilen? Wie stand es um ihn, nachdem er am Kreuze ausrief: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ und bevor er dann am Ostermorgen von den Toten auferstanden sich seinen Schülern offenbarte?

Der 1.Petrusbrief klärt uns auf: Jesus ist hinabgestiegen in das Reich der Toten und hat dort den Toten das Evangelium gepredigt. (3,19 und 4,6) Diese biblische Aussage muß uns erstmal irritieren: Wie können den Verstorbene noch das Evangelium hören und wie kann ein Verstorbener noch das Evangelium predigen? Wenn der Tod die einfache Nichtung unseres Lebens wäre, wären beide Aussagen unwahr. Damit diese 2 Aussagen wahr sein können, muß der Tod etwas ganz anderes sein als diese uns geläufige Vorstellung vom Todsein.

Der Petrusbrief präzisiert nun das Todsein der Verstorbenen als ein „Gefängnis“ (3,19), in dem die Verstorbenen als „Geister“ eingesperrt sind. Das „Gefängnis“ besagt hier, daß sie nicht mehr zurückkehren können in die Welt der Lebenden, weil sie Gefangene sind. Daß sie als „Geister“ bezeichnet werden, bedeutet, daß sie als Seele in diesem „Gefängnis“ eingesperrt sind, wohingegen ihr Leib, oder was noch von ihm übrig ist,in den Gräbern liegt. Das gilt so nun auch von Jesus Christus: Sein Leib lag bis zum Ostersonntag in seinem Grabe, aber als Seele stieg er hinab in dies „Gefängnis“, sowohl als wahrer Mensch wie auch als wahrer Gott. Man darf sich seinen Kreuzestod ja nicht so imaginieren, daß er nur als Mensch starb und als Gott davon unberührt blieb.

So konnte Jesus in der Unterwelt predigen und die in der Unterwelt Gefangenen konnten seine Predigt hören! Was zeichnet nun dies Dasein in dem „Gefängnis“, der Unterwelt, wie es sehr treffend heißt, aus? Jesus selbst gibt uns darauf die klare Antwort: die Gottverlassenheit! Gott kerkert die Verstorbenen ob ihrer Sünden in dies „Gefängnis“ ein. So erleiden sie selbst ihr Todsein, das ist ihr Verlassensein von Gott. Aus dieser Haft kann Gott aber nun auch befreien und das tat er, indem er seinen Sohn am Ostermorgen aus dieser Gottverlassenheit befreite.

Die Toten sind nicht genichtet, sondern existieren nach ihrem Sterben entweder als Seele im Himmel, oder im Fegefeuer oder in der Hölle, So könnte es auch erklärt werden, wie es möglich sein konnte, daß eine Totenbeschwörerin den toten Samuel herbeirufen konnte, damit er dem König Saul sein Schicksal offenbarte.(1.Samuel 28, 3- 25) Unsere Toten sind nicht einfach tot, als wenn sie nicht mehr existierten.



Dienstag, 24. März 2026

Papst Leo in der Kritik: Er versage als Kriegstheologe

 

Papst Leo in der Kritik: Er versage als Kriegstheologe



Das sagte nun Papst Leo XIV : „>Mit Besorgnis verfolge ich weiterhin die Lage im Nahen Osten sowie in anderen Regionen der Welt, die von Krieg und Gewalt heimgesucht werden<. Weiter sprach er vom Leiden >so vieler wehrloser Menschen<, die Opfer dieser Konflikte seien, und fügte hinzu: >Der Tod und der Schmerz, die diese Kriege verursachen, sind ein Skandal für die gesamte Menschheitsfamilie und himmelschreiend!<. Schließlich erneuerte er den Aufruf, >im Gebet auszuharren, damit die Feindseligkeiten ein Ende finden und sich endlich Wege des Friedens eröffnen, die auf aufrichtigem Dialog und der Achtung der Würde jedes Menschen beruhen<.“ 1

Dieser Papstappell findet nun auf Kath keine Zustimmung, was nun die Leserschaft dieser Internetseite nicht verwundern dürfte, unterstützt diese Seite doch vorbehaltlos den Kriegskurs gegen Rußland und wenn man dann in dieser Causa auch von dem Primat einer diplomatischen Lösung des Ukrainekrieges des amerikanischen Präsidenten enttäuscht war, ist man nun doch wieder mit seiner Politik ganz versöhnt, daß er mit Israel zusammen den Krieg gegen die Mächte des Bösen führt, konkret jetzt gegen den Iran.

Daß dieser Angriffskrieg mit dem Völkerrecht nicht vereinbar ist, kann selbst Kath net nicht bestreiten, darum muß nun eine andere moralische Legitimierung gesucht werden. Dieser Aufgabe stellt sich nun die in diesem Artikel skizzierte Kriegstheologie. Dem Papst wird nun einfach vorgeworfen, daß er nicht eindeutig sich auf die Seiten der Guten, Israels und Amerikas stelle, um diesen Krieg gutzuheißen.

Dazu muß nun dieser Krieg als ein Kampf der „Guten“ gegen die „Bösen“ gedeutet werden, sodaß der Feind daimonisiert wird:“Es muss sagen, ob hier bloß zwei Gewalten aufeinanderprallen oder ob ein verbrecherisches Regime bekämpft wird, das durch Ideologie, Terror, Stellvertreterkrieg, Drohung und systematische Destabilisierung einer Region, ja der Welt selbst zu den Ursachen des Konflikts gehört.“ Die hier aufgestellten Behauptungen werden nun in keinster Weise verifiziert, sondern es wird einfach die israelisch- amerikanische Kriegspropaganda zitiert. Es sei an die Horrorgeschichten über die die ganze Menschheit bedrohenden Massenvernichtungswaffen des Iraks erinnert, von denen dann nach dem Sieg über den Irak keine einzige, trotz intensivster Suche im Wüstensand aufgefunden werden konnte.

Gegen diesen Feind sei nun jedes Mittel seiner Bekämpfung erlaubt.Weder gab es für den Staat Israel und schon gar nicht für die USA eine reale Bedrohung durch den Iran, der diesen nun geführten Krieg als einen Verteidigungskrieg rechtfertigen könnte. Israel hat nun schon so erfolgreich auf den palästinensischen Terrorangriff militärisch reagiert, daß von keiner akuten Bedrohung mehr gesprochen werden kann.

Es wird so von der „sittlichen Struktur“ dieses Krieges gesprochen und damit wird einfach gemeint, daß hier die „Guten“, das sind Israel und Amerika gegen die „Bösen“ Krieg führten und daß deswegen dieser Angriffskrieg gerecht sei.

Was würde diese neue Kriegstheologie, daß die „Guten“ das Recht hätten, gegen die „Bösen“ Krieg zu führen, um die Bösen zu besiegen? Geben wir dazu dem amerikanischen Präsidenten das Wort: „Wir zerstören das terroristische Regime des Iran total – militärisch, wirtschaftlich und auf jede andere Weise. Und doch, wenn man die Failing New York Times liest, könnte man fälschlicherweise glauben, wir würden nicht gewinnen. Die Marine des Iran ist weg, ihre Luftwaffe existiert nicht mehr, Raketen, Drohnen und alles andere werden vernichtet, und ihre Führer wurden vom Antlitz der Erde getilgt. Wir verfügen über unübertroffene Feuerkraft, unbegrenzte Munition und reichlich Zeit – schaut euch an, was heute mit diesen verrückten Kerlen passiert. Sie töten seit 47 Jahren unschuldige Menschen auf der ganzen Welt, und jetzt töte ich sie als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Was für eine große Ehre das ist!“2

Trump charakterisiert diesen Krieg hier als einen Vernichtungskrieg des Feindes.Nach Clausewitz ist der Krieg ein Mittel der Politik zur Erwirkung politischer Ziele. Ein Vernichtungskrieg ist dagegen kein politischer Krieg, sondern in seinem Vernichtungswillen des Feindes ein quasi- religiöser Krieg, der den Feind nur noch als zu vernichtenden ansieht. Trump sieht es als eine „ große Ehre“ an, den Feind zu töten.

Nun kann natürlich jeder Staat den Feind gemäß seiner ihm eigenen Ideologie bestimmen. Ein kommunistischer Staat könnte so jeden Krieg gegen einen kapitalistischen mit dem Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse legitimieren, jeder islamistische den Krieg mit dem Ziel der Befreiung von einem Ungläubigenstaat und jeder Staat, in dem die Menschenrechte als verwirklicht gelten,könnte jeden Unrechtssaat bekriegen, da in ihm die Menschenrechte nicht respektiert würden.So könnte etwa der islamisch regierte Iran, in dem fast jede Abtreibung verboten ist, uns den Krieg erklären, da bei uns in 10 Jahren circa 1 Million unschuldiger Kinder im Mutterleibe mit einer staatlichen Erlaubnis getötet werden. Jeder kann und dürfte so mit der Behauptung, er sei der Gute und die Anderen die Bösen, Krieg gegen jeden führen.

Kath net sieht das aber politisch nüchterner: Es gibt nur noch eine reale Weltmacht, die der USA, und die sind die Guten und darum dürfen die so viele Kriege führen, wie es ihnen beliebt, weil nur sie die Guten sind. Mit der von der Kirche anerkannten Lehre vom „gerechten Kriege“ hat das nichts gemein sondern ist nur ein ein Geschenkpapier eingewickelter Machiavelismus: Dem Mächtigen ist alles erlaubt! Er allein definiert, wer die Guten und wer die Bösen sind und gegen wen so Krieg geführt werden dürfe.

Papst Leos Stärke: Er läßt sich nicht zum Parteigänger der amerikanisch- israelischen Imperialismus degradieren!

Corollarium 1

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker besagt, daß die Völker das Recht haben, das innere Leben ihres Volkes selbst zu bestimmen, sodaß es eine selbstverständliche Konsequenz ist, daß in der Völkerwelt differente politische Systeme hervorgebracht werden. Kein Volk ist nun so homogen, daß es für es eine Staatsordnung gibt, denen jeder Bürger zustimmt. Daß es also eine Opposition im eigenen Volke gegen sein politisches System gibt, widerstreitet so nicht dem Freiheitsrecht eines Volkes. Auch das Individualfreiheitsrecht wird nicht schon dadurch mißachtet, wenn in einer bestehenden Ordnung nicht jedem zugebilligt wird, so zu leben, wie es ihm selbst gefällt. Das gilt auch das politische System des Iran und es ist allein die Aufgabe des iranischen Volkes, wenn ihm seine jetzige Ordnung mißfällt, es durch eine andere zu ersetzen. Andere Völker durch Eroberungskriege zu befreien, widerstreitet so fundamental dem Recht der Völker auf ihre Selbstbestimmung! 

Corollarium 2

"Joe Kent: USA wurden über Falschinformationen in den Krieg getrieben18 verschiedene US-Geheimdienste erklärten: Vom Iran geht keine Atom-Gefahr aus.Joe Kent, der ehemalige Direktor des National Counterterrorism Centers, verurteilt den Iran-Krieg und wirft vor, dass die USA aufgrund falscher Informationen und außenpolitischer Einflussnahmen insbesondere durch Israel in den Krieg getrieben wurden."  Freie Welt 24.3.2026,

 



1Leo XIV.: Christliche Mahnung oder moralische Einebnung? Eine kritische Lektüre des päpstlichen Friedensaufrufs. Ein hoher Appell und seine Grenzen. Von Armin Schwibach, Kath net am 24.3.2026.

2 Donald Trump auf Truth Social: "Wir zerstören das terroristische Regime des Iran total" zitiert nach: Freie Welt 13.3.2026

„Pastoralpsychologe: Gott hat nichts davon, dass ich faste“-oder die Bekämpfung der Religion

 

Pastoralpsychologe: Gott hat nichts davon, dass ich faste“-oder die Bekämpfung der Religion



Kath de offenbarte uns mitten in der Fastenzeit diese geradezu revolutionäre Erkenntnis am 21.März 2026. Der darauf folgende Artikel ist aber so belanglos, daß ich auf jede Kommentierung verzichte um mich auf diese einzig relevante Aussage dieses Artikels zu fokussieren. Jede religiöse Praxis ist immer auch ein Agieren in Hinsicht auf Gott, in der Hoffnung, daß er ob dieses Tuens im Sinne der religiösen Praxis reagieren wird. Sie setzt voraus, daß gewußt oder zumindest gehofft wird, daß die Praxis gemäß Gottes Willen ist und daß Gott so auf eine solche Praxis dann auch positiv reagieren wird, da sie gemäß seinem Willen ist, bzw sofern sie gemäß Gottes Willen praktiziert wird.

In keiner Religion wird so gesagt, daß Gott jedes ihm dargebrachte Opfer annehmen würde, egal wie es von wem dargebracht wird. Man liegt wohl nicht fehl in der Annahme, daß dies Wissen um das rechte Opfern die Berufskompetenz des Priesters ausmacht, auch wenn wohl nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, daß es priesterlose Religionen mal gegeben haben könnte als primitive Religionen, das ist eine Religion ohne eine interne Aufgabendifferenzierung. Den Religionen, die sich auf eine Offenbarung gründen, gehört so die Weise des Fastens selbst zum Offenbarungsgut, obzwar man den Eindruck haben könnte, daß die Praxis des Fastens eine jeder Religion bekannte Praxis ist. Es müßte jeden Leser der Geschichte des Propheten Jona irritieren, wie den die Bürger Ninives auf die Idee kamen, das ihnen vom Propheten Jona angekündigte Gericht durch ihr Fasten abwenden zu können, obschon der Prophet ihnen das nicht verkündet hatte: „Fastet und Gott wird euch nicht strafen!“ Sie dachten ja: „Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem gimmigen Zorn,daß wir nicht verderben.“ (3,9) Sie hoften also, daß vielleicht ob ihres Fastens Gott seinen Zorn über sie abwenden würden, aber sie wußten das nicht, denn ihnen war das nicht offenbart worden.

Die Voraussetzung jeder religiösen Praxis und somit auch des Fastens ist die, daß Gott auf die Praxis reagiert und daß gehofft wird, daß Gott im Sinne der Fastenden reagieren wird. Eine magische, nichtreligiöse Praxis wäre das Fasten, wenn Gott nun nicht anders könnte, als gemäß der Intention der Fastenden zu reagieren. Gott bleibt Herr, er kann unser Fasten erhören, muß es aber nicht.Aber eines ist klar: Die religiöse Praxis des Fastens setzt notwendig voraus, daß es Gott selbst nicht gleichgültg ist, ob wie fasten oder ob wir nicht fasten. Er will nämlich, daß wir gemäß seinem Willen handeln und zu der von ihm gewollten Praxis gehört auch das Fasten.

Gott habe nichts von unserem Fasten, suggeriert dagegen, daß ihm unser Fasten gleichgültig sei, sodaß es nur ein Tuen zu unserem wie auch immer gearteten Vorteil sei, das heißt, daß es gar keine religiöse Praxis ist. Eine Religion ohne religiöse Praxtiken ist aber keine Religion!

Corollarium

Gott als sich vollkommen genügend zu denken evoziert das Problem, ob dann noch eine Beziehung des so gedachten Gottes zu einem anderen als sich selbst für Gott eine Bedeutung haben kann. 


Montag, 23. März 2026

Vergessene Wahrheiten oder der Relevanzverlust Gottes

 

Vergessene Wahrheiten oder der Relevanzverlust Gottes


Man hat in unseren religiös-neu-analphabetischen Jahrzehnten so gut wie ganz vergessen, daß die Rede von Gott im Monotheismus immer auch einen zornigen Gott einschloß.“ So urteilt Peter Sloderdijk in seinem mehr als lesenswerten Buch: „Zorn und Zeit“.1

Man könnte urteilen, daß nun die Religionskritik Feuerbachs, Marx und Nietzsches: „Gott ist tot!“ ihre Früchte trügen und es so nicht verwunderlich sei, daß auch in Deutschland, sind doch diese drei auch deutsche Philosophen, die Anzahl der Gottgläubigen immer geringer und so die Kirchen immer leerer würden. Die von der Katholischen Kirche und der EKD vorgelegten Zahlen bestätigen nun ja Jahr für Jahr diesen Niedergang.

Unwahr ist das sicher nicht, aber so gerät der Eigenanteil des Verschuldens dieses Niederganges ganz aus den Augen.Es könnte doch gemutmaßt werden, daß ein Element, daß den Relevanzverlust Gottes und damit der Religion genau in dem hier von Sloterdijk Bezeichnetem liegen könnte.

Ab ovo: Wenn Gott unser Verhalten ihm gegenüber nicht gleichgültig ist, dann haben wir, um es mal ganz simpel auszuformulieren, damit zu rechnen, daß unser Gott gefälliges Verhalten ihm gegenüber für uns positive, daß unser Gott mißfallendes Verhalten ihm gegenüber für uns negative Folgen habe. So müßten wir also der Frage, wie würde Gott unser Verhalten wohl beurteilen, eine Relevanz zusprechen. Es kann jetzt hier jede Näherbestimmung des Was Gott mißfallen oder gefallen könnte, wie gewiß wir das erkennen können und wie genau Gott positiv oder negativ reagieren könnte, außer Acht lassen, da so die Gefahr besteht, daß dies Elementare uns aus unser Sicht gerät.

Wenn wir Gott nämlich glaubten als einen Gott, der immer nur sein „Ja“ zu uns sagt und nie ein „Nein“, das „Nein“ soll hier als Zorn Gottes verstanden werden, dann kann dieser Gott für unser Leben keine Relevanz mehr haben. Eine Relevanz hätte er doch nur für uns, wenn er auf unser Verhalten ihm gegenüber reagieren würde und wir zu bedenken hätten: „Wie würde Gott wohl reagieren, wenn ich dies oder jenes täte.“ Wenn Gott aber geglaubt wird als ein immer nur zu uns Menschen Jasagender, dann hat dieser Gott keine Relevanz für mich bei der Frage: „Wie soll ich leben?“

Die Idee des Zornes Gottes zeigt an, daß Gott uns so wenig gleichgültig ist, wie einem Liebenden es nicht gleichgültig sein kann, ob der Geliebte ihm treu ist oder ihn betrügt.Eine Liebe ohne die Möglichkeit des Zornes ist von einer Gleichgültigkeit faktisch nicht distinguierbar: „Mir ist es gleich,ob Du mir treu bist oder nicht, denn nie werde ich aufhören, Dich zu lieben.“ Das ist kein ernst zu nehmendes Liebesbekenntnis.

Philosophisch erfaßt meint das, eingedenk der Tatsache: „Omnes determinatio est negatio“, daß eine Liebe, die die Möglichkeit der Negation der Liebe ausschließt als „Zorn“ oder „Haß“ keine Liebe ist. „Wer nicht schweigen kann, der kann auch nicht reden“, denn das Redenkönnen ist die Negation des Schweigenkönnens.





1Slotedijk, Peter., Zorn und Zeit, 2008, S.73.

Sonntag, 22. März 2026

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?

 

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?



Keine Kampfparole kommt ohne ihr Feindbild aus, in diesem Falle erfreut sich der Terminus der Bureaukratie größter Beliebtheit: Die Wirtschaft und überhaupt wir alle als Bürger leiden an einem Zuviel an bureaukratischen Vorschriften: Das Leben würde durch sie geradezu stranguliert. So müsse ein rabiater Vorschriftenabbau initiiert werden. Bertold Brechts kluge Bemerkung, daß schlechte Zeitungen kein Argument für deren Abschaffung sondern für dessen Verbesserung seien, finden in (neo)liberalen Zeiten wenig Gehör, daß also nicht die Vorschriften das Übel an sich seien sondern deren Qualität.

Einst lebten wir Menschen unsere Sexualität oder für romantisch Eingestelltere die Liebe unreglementiert natürlich, bis daß sie zum Opfer einer Moralbureaukratie wurde, die in ihrer Reglementierungslust alles und jedes verbot, was den Menschen eine Freude bereitete. Die Euphorie für die Ethnologie verdankte sich der Sehnsucht nach noch natürlich lebenden Völkern, die unreglementiert noch glücklich leben konnten in ihrer freien „Liebe“.

Im Bereich der Politik triumphiert nun auch das Projekt der Deregulierung: Die USA und Israel legen das Völkerrecht als verstaubt ad acta,indem sie nun einfach das natürliche Faustrecht repristinieren: Dem Mächtigen ist alles erlaubt,nur Schwache müssen sich an die von den Mächtigen ihnen diktierten Vorschriften halten. Das Völkerrecht erlaubt den Krieg als ein Mittel der Politik gemäß der auch von der Kirche bejahten Lehre vom „gerechten Kriege“. Der jetzige Angriffskrieg gegen den Iran ist eindeutig nicht durch das Völkerrecht legitimierbar und auch seine Befürworter bestreiten das nicht, wie etwa Kath net: Aber im Kampf gegen das Böse sei eben alles erlaubt! Wir erleben so das Ende der Epoche der regulierten Weltpolitik. Allerdings müssen die Nichtmächtigen weiter an Gesetz und Ordnung sich halten, nur die Großen nicht.

Das verleitet nun zu dem Bedenken, ob etwa eine Deregulierung der Wirtschaft: Mehr freier Markt, weniger staatliche Vorschriften auch nur den Mächtigen zu Lasten der Schwächeren dienen wird.Den auch in den zwei anderen Bereichen, dem der Sexualität und dem der Politik führt eine Deregulierung doch nur zum (natürlichen)Recht des Stärkeren.Wer die Macht hat, den Anderen zum Sex zu zwingen, darf das, so lautet das Credo des Radicalaufklärers de Sade und wer die Macht hat,Kriege zu führen in der Hoffnung, sie auch zu gewinnen, darf sie auch führen.

Im Raume der Theologie und Kirche sollte es so auch jedem freigestellt werden,zu glauben, was er wolle, solange nur die Kirchensteuer bezahlt wird.Eine solche Deregulierung der Theologie ist so nun doch das Kernanliegen der liberalen Theologie und der Kirchenreformer. Am besten wäre doch die gänzliche Abschaffung der Morallehre, sodaß der Christ nur die staatlichen Gesetze zu befolgen hätte, die als demokratisch gesetzte die einzig legitimen seien.

Daß das Recht des Stärkeren, der menschliche Naturzustand, den es faktisch aber nie gab, da wir unser Leben immer kulturell gestaltet haben, der Idee des Gemeinwohles dysfunktional gegenübersteht, ist offenkundig, da die Recht das des Egoismus ist.

Daß Regeln und Vorschriften dem Ziele einer vernünftigen Regulierung dienen sollen, auch wenn dann nicht alle Gesetze dem gerecht werden, darf nicht vergessen werden im Taumel der Begeisterung für das Ideal der Deregulierung.Unreguliert zu leben, ist eben unvernünftig. Gott selbst hat ja aus Liebe zu uns Menschen die Gebote und Satzungen gegeben, damit wir gut leben können, nicht um uns zu bevormunden. Und dieser Gott regiert uns auch durch die staatlichen wie durch die kirchlichen Gesetze und Vorschriften, was aber leider nicht ausschließt, daß schlechte Gesetze gegeben werden können, die dann aber es gilt, sie zu verbessern, statt von einer Gesetzeslosigkeit zu träumen.







Samstag, 21. März 2026

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“

 

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“



In der 2.Station des Kreuzweges: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ („Gotteslob“, 9.Auflage 1988, 775) heißt es: „Herr Jesus, du hast willig das Kreuz getragen,das die Sünde der Menschen dir auferlegt hat.“ Daß er „willig“ sein Kreuz auf sich genommen hat, gründet sich in dem Philipperhymnus, daß er „gehorsam bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper 3,8) gewesen war- aber wem war Jesus denn nun so gehorsam? Hat die Sünde ihm das Kreuz auferlegt,sodaß er ihr gehorchend nun sein Kreuz trug? Nein, Gott, sein Vater legte ihm das Kreuz auf seine Schultern, damit er so die Sünde aller Menschen büße.

Nun heißt es aber auch in der 2.Station: „Er will den Kelch trinken,den der Vater reicht,“ Um Gottes Gerechtigkeit willen vergibt Gott nicht einfach in einer Generalamnestie allen Menschen ihre Sünden, sondern seine Gereechtigkeit fordert eine der von uns Menschen begangenen und begangen werdenden Sünde gemäße Strafe, die nun der Sohn Gottes auf sich selbst nahm, um uns von der Strafe Gottes zu befreien. Das Maß seines Kreuzesleidens ermaß sich aus dem Maß der Sünde aller Menschen, aber das Kreuz selbst legte der Vater ihm auf.

Nun steht in der 4.Station: Jesus begegnet seiner Mutter“: Noch immer leidet Christus in unserer Welt, in den Gliedern seines Leibes, in seinen Brüdern und Schwestern. Mit ihnen leidet Maria, seine und unsere Mutter.“ Leiden also Maria und diese Geschwister wie Jesus Christus, weil Gott es will, daß diese so für die Sünde der Menschen zu leiden haben um der Versöhnung der Gerechtigkeit Gottes willen?

Liest man den Text der 4.Station des Krezweges, suggeriert er doch eher, daß diese, weder Maria noch die Brüder und Schwestern leiden sollten, daß der Text so an seinen Leser appelliert, daß dieses Leiden nicht sein sollte. Nur, Jesu Leiden am Kreuze war ein von Gott gewolltes, das der Sohn Gottes gehorsam auf sich nahm. Soll das nun so auch für die Gläubigen gelten, daß auch sie so gehorchend ihr Kreuz zur Genugtuung der Gerechtigkeit Gottes zu tragen haben? Von dem Kreuz Christi wird nun eindeutig in der 9.Station: „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ gesagt: „Doch er will das Werk vollebden,das der Vater ihm aufgetragen hat.“

Soll nun diese Aussage des Aufgetragenseins des Kreuzes für jedes Kreuz gelten, das ein Christ in der Nachfolge Christi zu tragen hat? Das Gebot der Nächstenliebe legte es doch näher, die Not leidender Christen abzuwenden zu helfen, als in ihrem Leid einen Beitrag zur Versöhnung mit Gottes Gerechtigkeit wahrzunehmen. Wenn aber in Predigten es heißt, in den leidenden Mitmenschen den leidenden Christus zu recognizieren, dann bedeutete das, nähme man das ernst, daß dies Leiden auch eines uns zum Heile wäre.

Der Apostelfürst Paulus schreibt in seinem Kolosserbrief: „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch fehlt,für seinen Leib, das ist die Kirche.“ (1,24). Soll das nun für jedes Leiden gelten, das einem Christen in seinem Leben widerfährt? Oder wird es nur ein solches Ergänzungsleiden, wenn es ein Christ so als ein Ergänzungsleiden annnimmt und Gott so aufopfert?

Kein Mensch will leiden und kein Mensch soll leiden, das könnte als wohl von allen Menschen anerkannte Position zum Leiden angesehen werden. Nun sagt aber die christliche Religion über das Leiden Christi etwas völlig anderes, wie es auch wder Kreuzweg des „Gotteslobes“ ausdrückt. Verwirrend wird es nun aber, wenn von dem Leiden der Christen in ihrer Kreuzesnachfolge geschrieben wird: Leiden wir Christen dann auch so, daß Gott uns diesen Kelch des Leidens uns zu trinken aufgibt, oder ist das Leiden eher ein Appell an uns, dem leidenden Mitchristen in seiner Not zu helfen?

Diese Unklarheit läßt sich aus dem Kreuzweg des Gotteslobes nicht wegexegetisieren, denn er ist selbst in der Theologie des Kreuzes grundgelegt in der Spannung von dem, der ein Mal für unsere Sünden gestorben ist und der Kreuzesnachfolge, wenn isb in jedem Leidenden Christus als der Leidende recogniziert werden soll.Es scheint so, als wenn einmal das  Kreuz Christi allein heilgenügsam, dann, daß es ergänzungsbedürtig wäre.

Donnerstag, 19. März 2026

Fast vergessende Wahrheiten über Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph

 

Fast vergessende Wahrheiten über Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph



Es ist wohl der Selbstverprotestantisierungstendenz innerhalb der Katholischen Kirche verschuldet, daß dieses so bedeutsame Protoevangelium des Jakobus kaum noch bekannt und schon gar nicht mehr ernst genommen würde, als gälte nun auch in der Kirche die Parole: „Allein die Schrift“, sodaß die Tradition man zu verachten begann, isb wenn deren Gehalte aus der säkularitischen Weltsicht als zu anstößig empfunden werden, wenn Gott eben in die Wirklichkeit eingreifend im Zentrum steht, daß er Wunder wirkt.

Deshalb zitiere ich hier aus diesem Werk, da wohl kaum ein Leser diesen so gewichtigen Text zu seinen Händen hat!

7 Die Vorstellung der Maria im Tempel

1 Und dem Kind wurden die Monate hinzugefügt. Und das Kind wurde zweijährig, und Joachim sagte: "Lassen wir sie in den Tempel des Herrn hinaufgehen, damit wir das Versprechen erfüllen, das wir gelobt haben, damit nicht der Herr gegen uns zürnt und unsere Gabe nicht angenommen wird." Und Anna sagte: "Lass uns das dritte Jahr abwarten, damit sie nicht nach Vater oder Mutter verlangt." Und Joachim sagte: "Lass uns abwarten." 2 Und als das Kind drei Jahre alt wurde, sagte Joachim: "Lass uns die Töchter der Hebräerinnen rufen, die Unbefleckten." Und lasst sie jede mit einer brennenden Fackel stehen, damit sie sich nicht nach hinten wendet und ihr Herz sich nicht vom Tempel des Herrn abwendet. Und so verfuhren sie, bis sie in den Tempel des Herrn hinaufgingen. Und der Priester des Herrn nahm sie entgegen, küsste sie, segnete sie und sagte: "Gott der Herr, hat deinen Namen in allen Generationen groß gemacht. Durch dich wird der Herr den Söhnen Israels die Erlösung offenbaren am letzten der Tage." 3 Und er setzte sie auf die dritte Stufe des Altars, und Gott, der Herr, legte Gnade auf sie, und sie tanzte mit ihren Füßen, und das ganze Haus Israels liebte sie.



III Maria und Joseph (Kapitel 8-10)

8 Marias Frauwerdung

1 Und ihre Eltern gingen hinab, staunend und lobpreisend und verherrlichend Gott den Herrn, weil er sich nicht von ihnen abgewandt hat. Maria war aber im Tempel des Herrn, wie eine Taube, die genährt wird, und sie erhielt Nahrung aus der Hand eines Engels. 2 Als sie zwölf Jahre alt geworden war, hielten die Priester einen Rat und sagten: "Siehe, Maria ist zwölf Jahre alt geworden im Tempel des Herrn. Was sollen wir also mit ihr tun, damit sie das Heiligtum Gottes, unseres Herren, nicht verunreinigt." Und die Priester sagten zu ihm: "Du stehst am Altar des Herrn. Geh hinein und bete für sie, und was auch immer der Herr, dein Gott, dir offenbart, das werden wir tun." Der Priester nahm die zwölf Glöckchen 5, ging hinein in das Allerheiligste, und betete für sie. Und siehe, ein Engel des Herrn trat hervor und sagte: "Zacharias, Zacharias, geh hinaus und rufe die Witwer des Volkes zusammen, und lasst sie einen Stab mitbringen, und dem, dem Gott, der Herr, ein Zeichen zeigt, dem wird sie zur Frau." Und die Herolde gingen hinaus in die ganze Umgebung von Judäa, und die Posaune des Herrn ertönte, und siehe, alle liefen herbei.

9 Maria und Joseph

1 Josef, der das Beil weggelegt hatte, ging selbst hinaus, um ihnen entgegenzukommen, und als sie sich versammelt hatten, gingen sie gemeinsam zum Priester, indem sie die Stäbe nahmen. Der Priester nahm die Stäbe von ihnen, ging in den Tempel und betete. Nachdem er das Gebet beendet hatte, nahm er die Stäbe, ging hinaus und gab sie ihnen zurück. Und es war kein Zeichen an ihnen. Den letzten Stab nahm Josef, und siehe, eine Taube kam aus dem Stab hervor und setzte sich auf den Kopf Josefs. Und der Priester sagte: "Josef, Josef, du bist dazu bestimmt worden, die Jungfrau des Herrn zu nehmen und sie für ihn zu bewahren." 2 Und Josef entgegnete und sagte: "Ich habe Söhne und bin ein alter Mann, sie aber ist jung. Vielleicht werde ich zum Gespött für die Söhne Israels." Und der Priester sagte: "Josef, fürchte den Herrn, deinen Gott, und erinnere dich daran, was Gott Dathan, Abiram und Korach getan hat: wie sich die Erde öffnete und alle verschlungen wurden wegen ihres Widerspruchs. Und nun, fürchte dich, Josef, damit dies nicht in deinem Haus geschieht." 3 Und Josef, voller Ehrfurcht, nahm sie zu sich, um sie für ihn [den Herrn] zu bewahren, und er sagte zu ihr: "Maria, ich habe dich aus dem Tempel des Herrn aufgenommen, und nun lasse ich dich in meinem Haus zurück. Denn ich gehe fort, um Gebäude zu errichten. Und ich werde [wieder] zu dir kommen. Der Herr wird dich behüten."



Solche Texte machen den Reichtum der Kirche aus! Eine "Frucht" des Hyperkritizismus und des Priesterbetrugsnarratives ist der Generalverdacht, daß jede Traditionsbildung stets eine Verfälschung des Ursprünglichen sein soll, die so das Traditionsgut der Kirche entwertet wie dies so wunderbare Werk, das "Vorevangelium" des Jakobus. Grundlegend für dieses Werk ist die Einsicht in die Herkunftbesimmtheit jedes Menschen: Auch von Jesus mußte man, wenn man ihn erkennen wollte, sowohl den Vater, Gott also auch seine Mutter Maria kennen. Dies "Vorevangelium" trägt also das ganze Wissen um die Gottesmutter zusammen, damit seine Leser so ihren Sohn erkennen können. Maria hat so schon ab ihrem 3.Lebensjahr ihr Leben ganz Gott geweiht als eine Tempeljungfrau, die dann unter den Schutz Josephs gestellt wurde, um die Mutter Gottes zu werden.