Freitag, 6. Mai 2016

Alle Religionen gleichgültig wahr?

„In einer Zeit erneuter Gewalt im Namen Gottes kann eine wahre religiöse Toleranz, die imstande ist die Relativität anzuerkennen, ohne in die Banalität abzurutschen, nur durch Überwindung der mosaischen Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Religion bestehen.“ Diese Aussage stammt nun nicht von einem Freimaurer, sondern :
"Nichtsdestotrotz taucht Vannini seit 2014 immer häufiger als Autor im Osservatore Romano auf. Ausgerechnet ihm wurde nun der Artikel über Assmann anvertraut, einen Religionstheoretiker, für den die monotheistischen Religionen, vor allem das Judentum und Christentum gegenüber anderen Bekenntnissen ausschließend und gewalttätig seien, während die polytheistischen Religionen der Antike per definitionem friedlich gewesen seien.Vannini ging in seinem Artikel mit keinem Wort auf Distanz zu Assmann, sondern machte sich vielmehr dessen These zu eigen." Es stand im Osservator Romano im Artikel von Vannini über den Religionswissenschaftler Assmann. (vgl Kath info zu:Osservatore Romano vom 4. 5.2016, dort die beiden Zitate)
Um des innerweltlichen Friedens willen soll die Unterscheidung von wahrer und falscher Religion beseitigt werden. Nur, ist das denn nicht schon längst die Paxis der Kirche im sogenannten intrareligiösn Dialog? Sagt Papst Franziskus nicht das selbe, wenn er die Muslime als Brüder im Glauben anspricht, die wie wir Christen an den gleichen Gott glauben?  
«Wir haben alle einen gemeinsamen Vater. Wir sind Brüder», sagte er am Mittwoch bei einer Begegnung mit Vertretern des jordanischen Royal Institute for Interfaith Studies, einem Think-Tank für interreligiöse Fragen." konnte man am 5. Mai in Kath net lesen! 
Große Irritationen und Verwirrungen treten hier zu Tage: Sind alle Menschen, weil sie alle Geschöpfe des einen Gottes sind Brüder, sodaß die Gretchenfrage: "Wie hältst Du es mit der Religion?" (Goethe) bedeutungslos ist? Sind alle Religionen vor Gott gleich-gültig? Kommt es nur auf die gelebte Humanität an? Eines ist bedenkenswert: Das oberste Ziel ist nun der innerweltliche Friede. Unter dieser Prämisse wird gefragt : Wie sollen sich die Religionen selbst verstehen, damit sie diesem Ziele dienlich sind. Die Antwort: Die Religionen haben sich selbst zu relativieren und als gleichberechtigt wahr anzuerkennen.Nicht weil es wahr wäre, sollen sie sich vergleichgültigen, sondern  weil die Vergleichgültigung der Religionen dem Ziele des innerweltlichen Friedens nützlich ist! Der Religionswissenschaftler Assmann geht dabei wohl noch weiter, da er, wohl inspiriert von der Kritik der Domestikation des wilden Denkens durch die Ordnung der Diskurse durch die Norm der Wahrheit  im Sinne M. Foucaults, verlangt, die Unterscheidung von wahr und falsch aufzugeben. Dies könnte auch im Sinne Poppers gemeint sein, daß, weil Religionen keine falsifizierbaren Aussagen enthalten, Aussagen, von denen man beweisen kann unter bestimmten Bedingungen, daß sie unwahr sind, daß sie so auch keine wahren Aussagen enthalten und so Religionen weder wahr noch falsch sein können. 
Zur Veranschaulichung des von Popper Gemeinten: Die Aussage, daß Gott jedes Gebet erhört, gilt nur dann als möglich wahre Aussage, wenn es den Fall geben könnte, der beweist, daß Gott nicht jedes Gebet erhört. Wenn es aber keinen denkbaren Fall der Nichterhörung geben kann, dann gilt eine solche Aussage ihm als "ideologische", als durch kein reales Ereignisse widerlegbare Aussage. Bete ich um etwas, und es ereignet sich das Erbetene, soll das die Wahrheit der Aussage beweisen. Wenn nun aber der Fall eintritt, daß das Erbetene nicht eintritt, wäre das der hinreichende Beweis dafür, daß die Aussage, Gott erhöre alle Gebete, unwahr sei. Nun kann aber für den Fall der Nichterhörung gesagt werden: Wenn Gott ein Gebet nicht erhört, erhört es dennoch, denn Gott wüsse besser als der ihn Bittende, was für ihn das Gute sei und so erhört Gott gerade dann das Gebet, wenn er es nicht erhört im wörtlichen Sinne. Das ergibt, daß wenn Gott Gebete erhört oder auch nicht erhört, er realiter immer die Gebete erhört und esso  keinen Fall geben kann, der bewiese, daß Gott ein Gebet nicht erhört habe. Das wäre die Ideologisierung des Gebetes nach Popper (versimpifiziert dargestellt).  Religionen wären dann ein Komplex von ideologischen nicht wahrheitsfähigen Aussagen, weil sie kein Ereignis zulassen, durch das eine Widerlegung ihrers Wahrheitsanspruches möglich wäre. So kann es weder eine wahre noch eine falsche Religion geben. 
Aber wir liegen wohl nicht falsch, wenn wir mutmaßen, daß es einfach ein moralischer Appell sein soll: Niemand darf zwischen wahrer und unwahrer Religion unterscheiden, denn das gefährde das friedliche Miteinander der Religionen! 
Es ist ein zutiefst postmodernes Argument, daß eine erkannte oder erkennbare Wahrheit Freiheit und Frieden gefährdet, und daß deshalb auf jede erkennbare Wahrheit zu verzichten ist. Die süße Anarchie des Polytheismus wird dabei gern dem intolernten Monotheismus isb des Christentumes entgegengestellt (So mustergültig etwa: Zimmer-Bradly: Nebel von Avalon). Die gmäßigtere Variante ist dann die, schlechthin alle Religionen für gleichwahr und gleichgültig zu erkären.   
Wandelt die Katholische Kirche seit dem 2. Vaticanum auf diesem Kurs? Zumindest Papst Franziskus scheint diesen Weg beschreiten zu wollen!                
 

Donnerstag, 5. Mai 2016

Preisfrage: Worüber predigt man Himmelfahrt

Eines wird nun Niemanden verblüffen, daß eben in der Messe zum Hochfest der Himmelfahrt Christi nicht über dies Heilsereignis gepredigt wird! Worüber dann? Über Asylanten! Für Flüchtlinge sei Deutschland eine Art Himmel auf Erden, wenn sie aus Not und Elend zu uns kämen! Ganz Böse wollen das "christliche Abendland" verteidigen! Das ist ganz und gar unchristlich! Christlich ist nur ein bedingungsloses Ja zur Flüchtlingspolitik Merkels. Und zum Islam: Selbst die grauenhaftesten Verbrechen des Islamischen Staates sei Gott bereit zu vergeben, kehrten sie um! Ist je eine Religion in Deutschland so hofiert worden wie der Islam, ist je so viel Fernstenliebe gepredigt worden unter völliger Absehung der Nächstenliebe? Und besteht die christliche Verkündigung nur noch aus dem Repertoire der Politischen Korrektheit? 

Zusatz: 1529 und 1683 standen türkische Heere vor Wien, Europa für den Islam erobernd. Wie unchristlich, daß sich das christliche Abendland dem widesetzte, und nicht freudig sich islamisieren ließ!  
 

Eine Lesfrucht zur Forderung des Papstes: Respektiert- respektiert!

"Das kommt wir in den Sinn. Wie kann man es machen? Ganz einfach: mit dem Bewußtsein, daß wir alle etwas gemeinsam haben. Wir sind alle menschlich. Und in unserer Menschlichkeit können wir uns gegenseitig annähern, um gemeinsam zu handeln … ‚Ich aber gehöre zu dieser Religion, oder zu jener anderen …‘. Das ist nicht wichtig! Machen wir weiter, alle zusammen zu arbeiten und uns gegenseitig zu respektieren, zu respektieren! Ich sehe dieses Wunder: Das Wunder einer Wüste, die zu einem Wald wird.“ Das sagte Papst Franziskus in einer Spontanrede (nach kath info vom 28.4. 2016)
"Insbesondere muß ich darauf insistieren, daß die Formel > Respekt für den Anderen< nichts mit irgendeiner seriösen Definition von Gut und Böse zu tun hat. Denn was bedeutet >Respekt für den Anderen<, wenn man sich im Kriege mit dem Feind befindet, wenn man von einer Frau wegen eines anderen auf grausame Weise verlassen wird, wenn man die Werke eines mittelmäßigen >Künstlers< beurteilen muß, wenn die Naturwissenschaft mit obskurantistischen Sekten konfrontiert wird usw.? Häufig ist genau dieser >Respekt für Andere< das Schädliche und Böse."Alain Badiou, zitiert nach: Slavoj Zizek, Anhang:Ideologie heute, in: S.Zizek, Die Puppe und der Zwerg. Das Christentum zwischen Perversion und Subversion, 2003, S.156 
Einst war der gute Hirte der, der sein Leben dahingab für die Schafe seines Stales.(Joh 10,11-21) Das meint auf der Bildebene, daß wenn Wölfe die Schafherde bedrohen, er sich ihnen entgegenstellt und sie gar unter Einsatz  seines Lebens verteidigt. Postmoderne politisch korrekte Hirten rufen dagegen die Schafe zum Respekt vor den Wölfen auf, versichernd, daß es nur unaufgeklärte Vorurteile seien, sähen Schafe in Wölfen eine Gefahr statt einer Bereicherung. Und wnn dann doch mal ein Wolf ein Schaf reißt, dann ist das ein bedauerlicher Zwischenfall, der uns aber nur bestätigt im Glauben an das Gute in jedem Wolf!   

Mittwoch, 4. Mai 2016

Seelsorge- gibt es das denn noch in der Kirche?

Seelsorge ist ein eindeutig zweideutiger Begriff: die Sorge um die Seele (als Genitiv objektivus verstanden) oder als die Sorge der Seele (als Genitiv subjektivus verstanden). Nur, was nützt das, wenn schon die einfache Frage: Hat denn der Mensch überhaupt eine Seele? als Voraussetzung einer Seelsorgetheorie und Praxis nur noch gelangweiltes Kopfschütteln hervorruft. Man will Seelsorge praktisch ganz konkret betreiben und überläßt solche spekulativen Fragen dann lieber der theoretischen Philosophie. Nur, es muß dann gefragt werden,ob das Spezifische der Seelsorge verloren geht, indem faktisch nur noch ein diakonisches Handeln praktiziert wird. 
Die Vorstellung einer Sorge um die Seele beinhaltet ja den Problemkomplex des Seelenheiles. Das ist nun etwas von dem, was die Psychologie betreibt, Grundverschiedenes.Die Wiederherstellung der Gesundheit der Psyche, das Anliegen einer Therapie ist zu unterscheiden von der Seelsorgepraxis schlechthin, der Beichte! Im Zentrum der Seelsorge steht die Beziehung der menschlichen Seele zu Gott, in der Therapie und der Beratung durch Psychologen eine Erkrankung oder irgendwie geartete Störung der Psyche. Also die klassische Seelsorge kümmert sich um die Sorgen der Seele um ihr Heil in Hinsicht auf die Beziehung zu Gott. 
Daß Menschen zu allen Zeiten und so auch heuer  Probleme haben, die nicht das Seelenheil betreffen und doch für sie von existenzieller Wichtigkeit sind, ist unbestreitbar. Darum muß es eben auch neben der Seelsorge Ärzte für Erkrankungen und Störungen der Psyche geben. Dabei ist in der Regel zwischen dem objektiven Problem, zum Beispiel, daß man seit langem arbeitslos ist und der Auswirkung dieses objektiven Problemes im subjektiven Erleben des Betroffenen zu unterscheiden. Das Arbeitsamt ist für die objektive Seite dieses Problemes zuständig, aber für die subjektive eventuell ein Therapeut, wenn die Psyche ob dieser Lebensituation einen Schaden nimmt. Die Seelsorge ist genau genommen für diesen Fall nicht zuständig. Nur für das diakonische Handeln ist dies ein Fall. Nur, nun drängt sich ein Verdacht auf: Weil halt heuer kaum noch wer Sorgen um das Heil hat, sie gar erleidet, hat sich die klassische Seelsorge von ihrer Ursprungsaufgabe entfremdet und sie kümmert sich jetzt um eigentlich alles, was einem Menschen Sorgen bereitet. Das ruft nun ein prinzipielles Problem dieser modernen Seelsorgepraxis hervor: Wie können nun die Sorgen der Menschen, die sie realiter haben und sie in Sorge versetzen mit den Gehalten der christlichen Seelsorge in Beziehung zueinander gebracht werden? Da sitzt der um seinen Arbeitsplatz Fürchtende, der unglücklich Liebende, der von Mitmenschen Gemobbte beim Seelsorger, er spricht sich aus und dann? Es ist erstaunlich, aber wahr: Die meisten Seelsorgekonzepte empfehlen hier das, was auch jeder psychologisch geschulter Berater auch weiß und praktiziert: emphatisches Zuhören und emotionale Zuwendung zum Betroffenen "rüberbringen",  und den lieben Gott läßt man dann außen vor, es sei denn, man meint, daß schon die Zuwendung zum Betroffenen die liebende Annahme durch Gott wiederspiegele, nonverbal natürlich, denn Religiöses wird, wenn überhaupt nur noch nonverbal vermittelt im praktischen Helfen! Nüchtern betrachtet: Die Seelsorgepraxis ist durch diakonisches Handeln ersetzt worden- und moderne Theologen rechtfertigen das eben mit der Tatsache, daß der Mensch heuer keine Sorgen um sein Seelenheil mehr kenne und das ist auch gut so, weil Gott als Liebe jede Sorge um mein Seelenheil völlig überflüssig mache! Ein Dogmatikprofessor erklärte sogar in seiner Vorlesung, daß die Erbsünde allein darin bestehen könne, zu glauben, von Gottes Liebe getrennt zu sein, also sich um sein Heil zu sorgen! So mache Gott die klassische Seelsorge zur bloßen Verkündigung, daß es keinen Grund für eine Seelsorge, als Sorge um die Seele gäbe! Darum braucht die Kirche auch keine Seelsorger mehr, sie braucht nur noch Diakone, auch wenn man dann gern ihr Tuen mit dem Begriff der  Seelsorge ummäntelt: Es klingt nach mehr! Nur, gibt es denn überhaupt noch Seelen oder sind die dem modernen Menschen auch abhanden gekommen mit dem Verlust der Sorge der Seele um ihr Heil?    
         

Dienstag, 3. Mai 2016

Die Sexualität wird neu erfunden

"Die Familie wird neu erfunden" titelte die "Welt" am 2.5. 2016. Kath net kommentierte das am selben Tag. Das Problem:"Mittlerweile gebe es in Deutschland Frauen, die ein Kind geboren hätten, von dem sie nicht die leibliche Mutter seien." Einfach gesagt: Eine befruchtete Eizelle, die nicht von der Mutter stammt, wird ihr eingepflanzt, sodaß diese Mutter dann das so "gezeugte" Kind als das ihrige zur Welt bringt, obgleich es ein Produkt künstlicher Befruchtung ist. 
Wenn die natürliche Ordnung die  ist, daß die Sexualität gelebt wird, damit so der Mensch sich fortpflanzt und so seine Art erhält, denn die Arterhaltung ist die oberste Maxime alles natürlichen Lebens, so verwandelt der postmoderne Mensch diese Ordnung zu einer, in der die Sexualität möglichst freizügig ausgelebt wird, ohne daß im Regelfall Nachwuchs entsteht durch den Gebrauch von Verhütungsmitteln und einer, in der Kinder ohne den menschlichen Geschlechtsakt erzeugt werden, ganz und gar künstlich. Diese Tendenz ist erkennbar, auch wenn noch eine rein künstliche Erzeugung eine extreme Ausnahme bildet. ( Aber einem Zukunftsromanleser ist diese Vorstellung rein künstlicher Erzeugung in allen Variationen schon sehr vertraut; es muß dabei bedacht werden, daß die Science Fiction Literatur die Zukunftswerkstatt der Technikentwicklung ist: Hier wird das erträumt, was Techniker dann in Kleinstschritten zu realisieren versuchen, aber angetrieben durch die großen Zukunftsvisionen dieser Literatur.) 
Der spontane Reflex nicht nur von Theologen, sondern von allen sich mehr Geisteswissenschaften zugehörig Fühlenden ist das pure Entsetzen. Verstärkt wird das noch durch den Zeitgeist, dem das Natürliche das Gute und das Künstliche das Ungute ist. Nachdenklichen muß aber diese Spontanreaktion verdächtig sein. Jeder Mensch, der in einer kalten Winternacht in seinem beheizten Wohnzimmer sitzt, würde sich bedanken für den Rat, doch gefälligst draußen bei -10 Grad zu schlafen, weil das natürlich ist, und es künstlich ist, stattdessen in beheizten Räumen zu nächtigen. Auch die durch wissenschaftliche Erkenntnisse gut fundierte  Erkenntnisse, daß wohl die meiste Zeit die Menschen selbst in kältesten Winternächten bestenfalls in unbeheizten Höhlen nächtigten, hilft da Naturliebhabern weiter: Wir wollen in beheizbaren Wohnungen leben und reduzieren das Natürliche dann auf das Hineinstellen von Grünpflanzen in unsere Wohnungen als bloße  Dekoration des rein künstlichen Lebensstiles ! Abstrakter formuliert: Die Natur des Menschen ist sein Wille zum künstlichen Leben, in dem er das Natürlich kultiviert und so "künstlich" lebt. 
Nun ist der Mensch auch ein Bestandteil der Natur und so verkünstlicht er sich auch selbst. Er kann sich aber nur deshalb als Natur behandeln, weil er selbst auch immer Nichtnatur ist! Das ist der Gehalt des Begriffes der Geistseele. Die hl. Schrift bringt gerade diese anthropologische Wahrheit aufs trefflichste zum Ausdruck: " Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden
[das ist seine natürliche Beschaffenheit, die durch den menschlichen Geschlechtsakt weiter vermittelt wird] und blies ihm in seine Nase den Lebensatem. [ das ist die Seele, oder auch Geistseele, die von Gott unmittelbar als creatio ex nihilo geschaffen dem menschlichen Körper inkarniert wird" (Gen 2,7). Die Seele ist das Nichtnatürliche des Menschen, insofern es nicht aus etwas Natürlichem ist, sondern direkt von Gott geschaffen und dann inkarniert wird in das natürliche Fleisch des Menschen. 
So gilt der Auftrag Gottes, und machet euch die Erde untertan, auch auf die Eigennatur des Menschen: Wo Natur ist, soll Kultur werden und Kultur ist durch den Geist verarbeitete und umgestaltete Natur. Der natürliche Mensch frißt, der kultivierte ißt. 
Nicht erst Hume erkannte, daß die Natur, so wie es ist, die Norm ist, daß es auch so sein soll. Schon der Schöpferauftrag Gottes selbst ist der zur Kultivierung der Natur, daß sie nicht bleiben soll, wie sie ist. 
Man kann nicht umhin, daß von der Erfindung des Herdfeuers, sodaß seit dem der Mensch nicht mehr natürlich wohnt, sondern in künstlich beheißbaren Wohnräumen bis zur Ermöglichung rein künstlicher Befruchtung der weiblichen Eizellen es einen geraden Weg geht, den der Mensch betrat, als er das erste Werkzeug sich erschuf! Und doch ist uns Menschen dabei eine unüberwindliche Grenze gesetzt: Wir können künstlich menschliche Körper erzeugen, bzw befruchtete Eizelllen, aus denen sich dann ein menschlicher Körper herausentwickelt, aber der Mensch kann weder natürlich noch künstlich eine menschliche Seele erschaffen; dies kann allein Gott. 
Der Wille zum eigenen Kinde ist das Natürlichste des Menschen, aber der Mensch kann diesen Willen auch, und gerade das ist wesenshaft menschlich, künstlich realisieren, so wie er auch künstlich und nicht natürlich wohnt! Nun kann man lesen, daß die Würde desMenschen entweder abhängig sei von seiner natürlichen Erzeugung oder daß es die Würde des Menschen verlange, natürlich erzeugt zu werden. Das klingt gut, aber experimentieren wir mal mit diesem Gedanken, um seine Wahrheit zu überprüfen! Was hältst Du, geneigter Leser von dieser These: Der Würde des Menschen entspricht es, daß er mit der Milch seiner Mutter gestillt wird, sodaß es widernatürlich und somit mit der Würde des Kleinkindes unvereinbar ist, gibt seine Mutter ihm statt der Brust eine Milchflasche! Das sei künstlich und somit gegen Gottes Willen! Wenn eine Mutter nicht genug Muttermilch hat, dann gibt es ihrem Kinde selbstverständlich Flaschenmilch, auch wenn das dann nicht natürlich ist. Wenn eine Frau auf natürliche Weise kein Kind bekommen kann, warum soll sie dann nicht auf künstliche Weise eines bekommen? Wenn ein adoptiertes Kind Kind seiner Adoptivmutter werden kann, warum kann dann nicht auch eine eingepflanzte befruchtete Eizelle im Mutterleib zu dem Kind dieser Mutter werden? 
Man kann nicht umhin, daß dieser technische Fortschritt etwas Erschreckendes an sich hat! Aber wie würde Goethe sich erschrecken, sähe er heutigen Schriftstellern zu, die statt mit der Feder und mit Tinte zu schreiben, mit dem Computer ihre Texte schreiben und dann die Orthographie von einem Computerprogramm überprüfen lassen? Ist es vielleicht einfach die Angst vor allem Neuen, was uns da in Schrecken versetzt, ganz vergessend, an was für viele ungeheure Verkünstlichungen wir uns seit der Seßhaftwerdung der Menschen schon gewöhnt haben! Dem romantisch Empfindenden ist sein Herz das Zentrum seines Gefühlslebens und jetzt leben Menschen mit künstlichen Herzen und trotzdem mit Gefühlen!  
Selbstredend gibt es Gründe für so eine geartete Technikangst gerade unter Theologen. Ein Witz mag das verdeutlichen: Einst betete der Pfarrer bei Gewitter, jetzt stellt er einen Blitzschutz aufs Dach der Kirche. Merke: Je mehr Technik, desto unfrömmer und religionsloser der Mensch. So albern der Witz auch ist, steckt in ihm doch ein Moment der Wahrheit: So lange der Mensch sich von der Natur auch bedroht sah und sich nicht vor ihr ausrechend zu schützen wußte, waren ihm die Praktiken der Religion, das Opfer und das Gebet Mittel zur Beherrschung der Natur durch die Anrufung Gottes: "Bewahre, beschütze uns vor..." Je mehr die Technik hilft, uns vor der Natur zu schützen- etwa durch Herdfeuer vor der winterlichen Kälte- desto weniger wird Gott zum Schutze vor der Natur angerufen!  Ja, in postmodernen Zeiten fürchten sich Menschen oft schon mehr vor der Technik, mit der sie die Natur domestizierten, als vor der Natur! Aber die christliche Religion kennt gerade den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Natur. Die theozentrische Schöpfungslehre säkularisiert geradezu die Natur und macht sie zum Objekt für den Menschen, daß er sie kultiviere. Und das inkludiert immer auch, daß der Mensch sich selbst kultiviert, daß er in künstlichen Behausungen wohnt, Unterwasser in U-Booten fährt und in Weltraumschiffen zum Mond und zu den Sternen! 
Im Rahmen der Ökologiebewegung erlebten wir nun eine Entsäkularisierung der Natur, wenn etwa plötzlich wieder von der Mutter Erde gesprochen wurde, als wäre sie ein quasi Göttliches. Das ist aber eine Regression der Gotteserkenntnis des Christentumes gegenüber! Für unsere Religion ist nicht erst seit dem Baumfäller Bonifatius die Natur das bloße Objekt unserer Schaffenskraft zur Kultivierung. Aber das setzt eben die Erkenntnis der "Unnatürlichkeit" des Menschen voraus, daß er eben Geistseele ist, die sich eines Körpers bedient, um ihn zum Leib zu formen, um die natürliche Welt zu kultivieren, dem Menschen gemäß zu vergeistigen. 
Liebe und Sexualität treten somit aufgrund dieses Willens zur Selbstverkünstlichung in ein anderes Verhältnis zu einander und somit kann gesagt werden, daß die menschliche Sexualität denaturalisiert und verkünstlicht wird. Aber gerade das entspricht dem Menschen ob seines Doppelcharakters als Natur- und Geistseelewesen. Ein liebgewonnener Mythos wird sich dabei aber wohl auflösen müssen: daß ein Kind nur dann ein aus elterlicher Liebe erzeugtes und geborenes Kind ist, wenn es natürlich aus einem Geschlechtsakt entsteht. Wo eine Frau und ein Mann sich ein gemeinsames Kind wünschen
in Liebe und aus Liebe zueinander, dann wird das ihrige Kind auch dann als eine Frucht dieser Liebe sein, wenn der Geschlechtsakt durch eine künstliche Erzeugung ersetzt wird. Denn der körperliche Geschlechtsakt kann völlig von der Liebe abgetrennt werdend Frucht bringen und der Geschlechtsakt, in wechselseitiger Liebe zueinander vollzogen, kann fruchtlos bleiben. Ob das in einem Geschlechtsakt erzeugte Kind eine Frucht der Liebe ist, ist so abhängig von der wechselseitigen Liebe, und ist noch nicht garantiert einfach durch den natürlichen Akt. Erst die geistliche Liebe, die des Herzens oder der Seele läßt eine Frucht der Liebe entstehen und das Entstehen kann dann ein natürliches oder auch ein künstliches sein! Zudem: Die Seele des Menschen verdankt sich niemals dem natürlichen Geschlechtsakt sondern allein, daß Gott die von ihm geschaffene Seele in den sich bildenden menschlichen Körper inkarnieren läßt, die ihn dann erst zum Leibe formt! 
Wendete man nun aber ein, daß all das hier Gedachte Widerchristlich sei, so frage man sich selbst, ob man hier nicht ein Opfer einer Vergöttlichung des Natürlichen geworden ist und ob man Gottes radicales Ja zum Leben wirklich ernst nimmt, daß Gott so sehr das Leben der Menschheit wollte, daß er den Söhnen und Töchtern Adams und Evas die Inzestehe erlaubte, damit die Menschheit, kaum aufgetreten im großen Welttheater Gottes nicht wieder verschwände mangels an Nachwuchs!          
                     

Montag, 2. Mai 2016

Alle Religionen gleichgültig?

"Das kommt wir in den Sinn. Wie kann man es machen? Ganz einfach: mit dem Bewußtsein, daß wir alle etwas gemeinsam haben. Wir sind alle menschlich. Und in unserer Menschlichkeit können wir uns gegenseitig annähern, um gemeinsam zu handeln … ‚Ich aber gehöre zu dieser Religion, oder zu jener anderen …‘. Das ist nicht wichtig! Machen wir weiter, alle zusammen zu arbeiten und uns gegenseitig zu respektieren, zu respektieren! Ich sehe dieses Wunder: Das Wunder einer Wüste, die zu einem Wald wird.“ Das sagte Papst Franziskus in einer Spontanrede (nach kath info vom 28.4. 20169
(Rom) Am vergangenen Sonntag, dem 24. April wurde von der Fokolarbewegung im Rahmen ihrer diesjährigen Mariapoli der Earth Day, der „Tag der Erde“ begangen. Die Veranstaltung fand in Rom im Garten der berühmten Villa Borghese statt. Überraschungsgast war völlig unerwartet Papst Franziskus. So steht es geschrieben und leider gibt es keinen berechtigten Anlaß dafür, dies als Fehlbericht abzutuen. Papstapologeten könnten nun sagen, daß hier doch gar nicht gesagt würde, wozu die Religion nicht wichtig sei. Der Papst habe da wohl nur sagen wollen, daß es, wenn es um den Umweltschutz gehe, es nicht wichtig sei, aus welcher religiösen Motivation heraus man sich für den Erhalt der Natur einsetze, Hauptsache, man täte was für den Tag der Erde.Aber so klingt das so Gesagte nicht. Hier wird das Menschliche als alle Menschen Verbindende über die Wahrheit der Religion gestellt! Und wo Menschen sich als Menschen auf eine gemeinsame Praxis hin orientiert versammeln, da soll dann nach Meinung dieses Papstes die Religion gleichgültig sein!    

Die Lehre und der Einzelfall noch mal zur Kommunion Geschieden Wiederverheirateter und Ein Nachtrag

Seit der Veröffentlichung von AL gibt es nun ein reales Problem: Der Kommunionempfang von Geschieden- Wiederverheirateten, der bisher nicht erlaubt war, es sei denn die zweite Ehe würde ohne ehelichen Verkehr vollzogen, wird nun unter besonderen Conditionen als Einzelfallerlaubnis möglich. Es bedarf keinerlei prophetischer Begabung, um vorauszusagen, daß im deutschsprachigen Raum diese Sonderfallregelung zum Regelfall wird: In Deutschland werden jetzt alle Geschieden- Wiederverheirateten die Kommunion empfangen dürfen. Man kann in dieser Causa nun nicht urteilen, daß der Papst das nicht gewollt habe. In den Hauptsätzen rekapitiuliert der päpstliche Text die Lehre der Kirche, aber nur, um in Fußnoten und Nebensätzen Risse einzufügen, die dann die Tore weit öffnen für eine liberale Praxis des: Jeder bekommt, was er will. Und das gilt auch für den Gesamttext: Die Conservativen bekommen die Lehre der Kirche zu lesen und die Progressiven die Fußnoten, die klar machen, daß hier das Radio-Eriwan Prinzip angewandt wird: Im Prinzip ist es nicht erlaubt, aber in allen Einzelfällen dann doch!
Erinnern wir uns einer vergleichbaren Causa: Die Moralehre der Kirche verbietet den Gebrauch von künstlichen Verhütungsmitteln, aber seit der Königsteiner Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz dürfen Deutsche Katholiken Verhütungsmittel benutzen! Denn die Bischöfe erklärten, daß in dieser Causa der Christ, wenn sein Gewissen ihm einen Gebrauch erlaubt, er seinem Gewissen mehr zu gehorchen hat als der Morallehre der Kirche. Es klingt verrückt, aber da die Königsteiner Erklärung von Rom nie außer Kraft gesetzt worden ist, gibt es für Deutschland und so ähnlich auch für Österreich einen bischöflichen Dispenz bezüglich dieser Morallehre! Nun müßte aber gefragt werden, ob denn es gewiß sei, daß Gott diesen  Dispenz auch anerkennen werde. 
Erleben wir nun eine Globalisierung der bischöflichen  Königsteiner Erklärung, daß nun im Einzelfall die Geschieden-Wiederverheirateten, wenn es ihre Gewissen  zuließen, sie zur Kommunion gehen dürften?  Professor Spaemann urteilt, daß diese Praxis der Zulassung mit der Lehre der Kirche unvereinbar sei. (vgl Kath net und Kath info dazu). Wir haben nun aber ein päpstliches Dokument, daß das nun für vereinbar  erklärt. 
Spaemann stellte im CNA-Interview fest, daß Amoris laetitia „Folgerungen zulässt, die mit der Lehre der Kirche nicht kompatibel gemacht werden können“. Der Artikel 305 mit der Anmerkung 351, wonach Gläubige „mitten in einer objektiven Situation der Sünde“, dennoch „auf Grund mildernder Faktoren“ zu den Sakramenten zugelassen werden können, „widerspricht direkt dem Artikel 84 des Schreibens Familiaris Consortio von Johannes Paul II.“, so Spaemann.   (Kath info vom 28.4. 2016 Spaemann zu AL) Die Zulassung zu den Sakramenten inkludiert auch das Altarsakrament.. So bildet gerade diese Aussage das Einstiegstor für eine liberale Praxis. Aber, auch wenn man -sehr gut begründet- Vorbehalte gegen diesen Papst hegt, muß gefragt werden, ob das päpstliche Schreiben nicht doch in der Sache Recht haben könnte.  Im Artikel 84 heißt es eindeutig :
"Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung."
Gibt es irgendeine Möglichkeit, diese Aussage von Familiaris Consortion kompatibel zu gestalten mit der von AL?
Nehmen wir ein ganz simples Problem: Ein Höchstgeschwindigkeitsbeschränkungsschild, daß anzeigt, daß hier auf der Straße nicht schneller als 70 km pro Stunde gefahren werden darf. Jetzt kommt ein Sanka mit einem Schwerstverletzten auf dem Wege ins nächst gelegende Spital. Muß der Sankafahrer jetzt diese Verkehrsregel einhalten, sodaß er zwar sich bemühen darf, so schnell wie möglich den Verletzten zur Notaufnahme zu bringen, aber darf er dabei nicht die Straßenverkehrsordnung im Allgemeinen und dies Beschränkungsschild im Besonderen mißachten?  
Die Antwort ist eindeutig: Der Sanka darf die Verkehrsregeln, die auch für ihn gelten, übertreten, wenn die Lage des Schwerverletzen das erfordert, wenn also zu befürchten ist, daß durch das Einhalten der allgemeinen Verkehrsordnung ein Schaden entsteht, der nicht entstehen würde, würde diese Ordnung übertreten und wenn der zu erwartende Schaden größer ist als der erwartete Schaden, wenn diese Ordnung übertreten wird! Gravierender ist dabei noch, daß der Zweck der Straßenverkehrsordnung negativ formuliert in dem Ziel der Vermeidung von Personen- und Sachschäden, bedingt durch den Straßenverkehr  besteht und positiv formuliert in dem Ziel des Lebensschutzes steht. Diesem Ziel dient auch das konkrete Einzelverbot, hier nicht schneller als 70 fahren zu dürfen. Wenn nun die Einhaltung dieser Vorschrift das Ziel des Lebenserhaltes gefährden würde, würde das Einzelverbot seines Zweckes beraubt, selbst lebensdienlich zu sein.
Sollte Papst Franziskus also der Meinung sein, daß das Verbot des Kommunionempfanges für Geschieden-Wiederverheiratete ähnlich begründet aufhebbar sein könnte, wie auch in bestimmten Fällen das Verbot, unbegrenzt schnell fahren zu dürfen, übertretbar sein kann?
 Die Katholische Kirche spendet erlaubt die Sakramente nur katholisch Gläubigen ( Can 844), aber in Todesgefahr darf auch einem evangelischen Christen das Sakrament der Eucharistie gespendet werden, wenn er den katholischen Glauben bekennt und in rechter Weise disponiert ist (Can 844, §4). Soll man nun meinen, daß die "mildernden Gründe" eine ähnliche Bedeutung haben sollen wie im Falle des Empfanges von evangelischen Christen die Todesgefahr?
Der päpstliche Text ist in dieser Frage tatsächlich völlig unklar. Das und gerade das macht wohl auch seine Beliebtheit in liberalen Kreisen aus. Man kann nun Geschieden- Wiederverheiratete zur Kommunion zulassen und braucht dazu auch keine klare Kriterien der Einzelfallentscheidung zu berücksichtigen, weil es die für diesen Fall nicht gibt!
Worauf könnten sich dann die mildernden Gründe beziehen?  Es könnte eine Differenz aufgemacht werden zwischen der objektiven Situation der Sünde, daß sie als Geschieden-Wiederverheiratet objektiv sündig leben, und der subjektiven Zurechenbarkeit der Sünde, sodaß jemandem subjektiv so wenig  die objektive Sünde zuschreibbar ist, daß er zum Empfang der Kommunion zulaßbar sein kann. Ein einfaches Beispiel: Ein Mann erschießt seine Ehefrau, aber er war so volltrunken, daß er nicht für die Tat verantwortlich gemacht werden kann. Dieser Mörder müßte dann zur Eucharistie zugelassen werden, obwohl er objektiv ein Mörder ist. Könnte es also mildernde Umstände geben, die das Führen einer zweiten Ehe, obgleich die erste noch gültig besteht, nicht zu einer zurechenbaren Sünde macht? Präziser formuliert: Die mildernden Umstände müßten dem Geschiedenen Wiederverheirateten seine schwere Sünde der "Zweitehe" subjektiv zu einer läßlichen Sünde herabmildern. Sie bliebe objektiv eine schwere, wäre aber dem Täter nur  als läßliche anrechenbar! Aber auch hier kommt man an diesem Punkte nicht weiter.
Es darf aber gemutmaßt werden, daß in der pastoralen Praxis das so gehandhabt werden wird: Weil sie sich wirklich lieben und sie ihre gemeinsamen Kinder erziehen, ist ihnen diese Zweitehe nicht als so schwere Sünde zuschreibbar, daß das einen Ausschluß von der Kommunion erlaube! Die in der "Zweitehe" gelebte Liebe "heiligt" nun zwar gerade nicht diese irreguläre Partnerschaft, entsühnt sie aber soweit, daß diese "Zweitehe"eine Nichterlaubung zur Kommunion zulasse. Meint das AL, oder schließt AL diese Praxis aus? Auch darauf gibt der Text keine Antwort!
So stehen wir nun vor dem enttäuschenden Zwischenegebnis, daß es wohl die Intention des Papstes ist, Ausnahmen zu billigen, in denen Geschieden- Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen werden dürfen, aber das Wie und Warum bleibt völlig im Unklaren. Es muß aber auch gegn Spaemann angemerkt werden, daß die Kirche immer in der Sakramentenlehre Bestimmungen kannte, daß bestimmten Personengruppen  der Empfang von Sakramenten erlaubt wurde, die sie im Regelfall nicht empfangen dürfen, etwa daß Evangelische nicht zur Kommunion zulaßbar sind, aber unter besonderen Conditionen dann doch. (Can 844). Das Katastrophale ist nun aber hier, daß die Ausnahmebedigungen nicht genannt und erklärt werden, sodaß hier ein weiter Raum der Willkür eröffnet ist!
Prinzipiell zeigt dies Dokument eine der vielen Schwächen dieses Pontifikates auf: Es ist die Lust an Mehreutig- Unklarem, daß eben alles diffus gehalten wird, sodaß jeder sich sein Rosinenstück herauslesen kann.

Nachtrag
"Brandmüller: Ja, einige Deutungen gehen in der Tat fehl. In Einzelfällen Ausnahmen zuzulassen, ist eine Sackgasse. Das habe ich in meiner Interpretationshilfe deutlich gemacht. Was aus Glaubensgründen grundsätzlich unmöglich ist, ist es auch im Einzelfall. Das galt vor Erscheinen von «Amoris laetitia» ebenso wie nachher.", (Kath net vom 2.5. 2016) Was im Grundsätzlichen nicht möglich ist, kann es auch im Einzelfall nicht sin, urteilt Brandmüller. Aber genau das scheint doch die Pointe dieses Schreibens zu sein, daß nun im Einzelfall das möglich sein soll, was generell nicht möglich ist. Wenn es generell eine Sünde ist, einen Unschuldigen zu töten, was tut dann der Soldat im Kriegsfall, wenn er einen feindlichen Soldaten tötet? Tatsächlich kann etwas generell Unelaubtes in einem besonderen Falle erlaubt sein. Und diese Wahrheit will nun dies Schreiben sich zu nutze machen.