Montag, 2. Juli 2018

"Der Gleichheits-Wahn"

W.J.Mertensacker resümiert diesen Leitartikel des "Kurier der Christlichen Mitte" Juli 2018, S.1:"Die Gleichmacherei ist ein Aufstand gegen den Schöpfer und seine Schöpfungs-Ordnung und ein Verbrechen an den Menschen, wie es kaum größer gedacht werden kann. Wenn alle Menschen gleich sind, muß das geistig-seelische Leben zum Stillstand kommen. Das ist aber der Tod."
Gleichheit ist für den modernen Menschen ein ganz und gar positiv besetzter Begriff.  Sind wir alle nun schon gleich, oder gibt es noch Ausgegrenzte, Diskriminierte? ist so das Präludium des Diskurses über die Gleichheit. Eine dunkle Seite wird dabei tunlichst verdrängt:

"Kurz und schmerzlos. So hatte sich Joseph-Ignace Guillotin, dessen – natürlicher – Tod sich 2014 zum 200. Mal jährt, Hinrichtungen vorgestellt. Dann aber wurde die Guillotine zur Enthauptungsmaschine der Französischen Revolution, zur großen Gleichmacherin unter einem Fallbeil, das unterschiedslos und sehr effektiv tötete."  https://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Kunstvolle-Kurzmacherin-_arid,84695...11.05.2014. Die Guillotine ist sozusagen die Nacht- und Rückseite des Gleichheitsideales als ihre dunkle Wahrheit: Weil Menschen nicht gleich sind, müssen sie gewaltsam gleich gemacht werden. 
Nur, darf denn das Ideal der Gleichheit überhaupt als Ideal anerkannt werden? Gemeinschaftliches Leben generiert sich doch gerade aus der Ungleichheit der Menschen. Ein ganz simples Bild möge das veranschaulichen: Wenn viele einzelne Kugeln nebeneinander liegen, kann  auch der Geschickteste nichts daraus erbauen, es bleiben beziehungslose Kugeln. Wenn aber verschieden geformte Legosteine die Mutter ihrem Kinde zum Spielen gibt, gerade daraus kann dann das Kind Erstaunlichste zusammenbauen. Gemeinschaft setzt Verschiedenheit voraus, aus der sich dann etwas Gemeinsames auferbauen kann, so wie eben auch der menschliche Körper aus Verschiedenem besteht und so aber auch nur eine Einheit ist. Der Leib Christi ist nur eine Einheit, indem er sich selbst wie jeder lebendige Körper aus verschiedenen Organen zusammensetzt. 
Das zweifelhafte Ideal einer Gesellschaft dagegen denkt jeden Einzelmenschen als in sich ruhende Kugel, sodaß alle so gleich sind. Aber diese Kugelmenschen können keine wesentlichen Beziehungen zu anderen als sich selbst aufbauen, weil sie selbst schon kugelförmig vollendet sind. Ganz anders die Gemeinschaft, in der das Ganze jedem seinen besonderen Ort gewährt, an dem er gemäß seiner Besonderheit, das ist seine Differenz zu allen anderen, für das Ganze ist. Wenn alle Teile des Körpers nun nur noch Kopf sein wollten, dann wäre das der Tod des Körpers- nur aus Differentem kann sich eine organische Einheit auferbauen. 
Gleichheit, radical realisiert, löschte dagegen jede Einheit, die der Ehe, die der Familie und des Volkes auf und läßt nur atomisierte Individuen zu. Die eheliche Liebe verlangt notwendig, daß der Ehemann nicht jede Frau liebt wie die seinige sondern nur sie.  Setzte ein Ehemann diese Differenz nicht, weil er alle Frauen gleich liebte, weil sie doch alle gleich sind, zerstörte er damit ad hoc die Ordnung der Ehe. Die Ordnung des Volkes gibt es auch nur, weil es die Ungleichheit von den Dazugehörigen und den Nichtdazugehörigen setzt. Löschte man diese Ungleichheit auf. löscht man sofort die Ordnung der Völker aus! 
Der "Gleichheits-Wahn" zernichtet so das Konstitutivum der Fähigkeit zu einem gemeinschaftlichen Leben, das sich aus Differenzen auferbaut! Und jede Differenz negiert die Gleichheit, die in einer Gemeinschaft nur als Anerkennung und Bejahung der Differenzen existieren kann.  
 

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