Donnerstag, 23. August 2018

Der zensierte Gott oder wie unbequeme Wahrheiten liquidiert werden

Eine Regierung legitimiert sich in demokratischen Zeiten dadurch, daß sie im Sinne ihrer Wähler regiert;so wird sie zumindest der Theorie nach vom Wahlvolke gewählt, aufdaß sie, wie verheißen regiert. Wie ist das nun mit Gott, der unser aller Regierer ist? Hat er auch demokratisch zu regieren?
Gott berief Mose,um sein Volk aus der Unterdrückung aus dem Lande Ägyptens herauszuführen. (2.Buch Mose) 
Nähmen wir es ganz genau, müßte das schon kritisiert werden, denn eigentlich hätte Gott doch Ägypten in ein Multikultiland verwandeln müssen, in dem Ägypter und Juden friedlich liebevoll untereinander miteinander lebten- stattdessen führt er Israel aus Ägypten heraus, damit sein Volk einen jüdischen Nationalstaat gründeten, in dem sie wenig Platz ließen für Fremde. Aber es kommt noch schlimmer. Mose soll sich dem Pharao durch Wunderzeichen als von Gott Autorisierten auszeichnen. Da  hat die historische Kritik den Jesus von Nazareth aller Wunder beraubt, sie der Kreativproduktion der ersten christlichen Gemeinden zugeschrieben, da mutet uns die Bibel zu, daß Mose auch Wunder gewirkt habe. 
So; Mose soll nun vor den Augen des Pharao Wunder wirken: So mächtig bin ich mit meinem Gotte, um dann den Pharao zu bitten, daß er das jüdische Volk herausziehen läßt. Und dann kommt das schlimmste. Gott sagt zu Mose: "Siehe zu, daß du alle Wunderthaten,welche ich in deine Hand gegeben habe, vor Pharao thuest; ich werde sein Herz verstocken, und er wird das Volk nicht ziehen lassen." (2.Mose, 5,21) 
"ego indurabo cor ejus", =ich werde sein Herz verstocken", das ist der  Skandalon schlechthin. Gott will  sein Volk erretten aus der Hand des Pharaos und zugleich verstockt er den Pharao, sodaß er dies Volk nicht ziehen lassen wird! Der Kommentar der Vulgataausgabe (Die heilige Schrift, 1.Band, 1903, Augustin Arndt JS )offeriert dazu diesen Kommentar: "Es ist häufiger Sprachgebrauch in der Bibel, daß von Gott gesagt wird, er thue etwas, was er nur zugelassen hat."Das heißt: Gott hat nur zugelassen, daß sich das Herz des Pharaos verhärtet habe, als Mose ihn um die Freilassung des Volkes bat! Nur, wie kommt der Kommentator hier auf diese Idee?Etwas tuen oder etwas zulassen, sind doch 2 völlig verschiedene Dinge! Oder soll es keinen Unterschied ausmachen, ob ein Arzt ein Kind im Mutterleib tötete und alle anderen Angestellten des Spitales das zulassen? Und warum sollte die Bibel in einer so wichtigen Frage so verwirrend formulieren, aussagen, daß das Gott tue, wenn sie aussagen will, daß Gott es nur zulasse? Schon Origenes und dann Erasmus von Rotterdam war diese Aussage so anstößig, daß sie sie umdeuteten. 
"Da es nun aber offenbar widersinnig ist, daß Gott, der nicht nur gerecht, sondern auch gütig ist, das Herz eines Menschen verhärtet haben soll, um durch dessen Bosheit seine Macht zu erweisen", urteilt Erasmus in seiner Schrift: "Vom freien Willen"  (Übersetzung Otto Schumacher) im 3. Kapitel: "Scheinbare Beweise gegen den freien Willen). Also, weil Erasmus Vorstellung von der göttlichen Gerechtigkeit und Güte nicht kompatibel ist mit der Aussage, daß Gott das Herz des Pharaos verhärtet habe. muß diese eindeutig klare Aussage uminterpretiert werden. Läge es nicht näher, unsere Vorstellung von Gott zu revidieren, wenn uns die hl. Schrift belehrt, daß Gott dies getan hat? (Nebenbei: Diese Stelle sagt gar nichts über die Freiheit des Willens prinzipiell aus, denn es heißt hier ja nur, daß in diesem Falle Gott das Herz eines Menschen verhärtet hat! Ja, das setzt doch voraus, daß im Regelfall das Herz des Menschen selbstbestimmt will oder nicht etwas will, daß nun aber Gott das Herz bestimmt hat.)
Aber Oriegenes, auf den Erasmus hier Bezug nimmt und Erasmus wollen eben Gott nicht so akzeptieren, wie er handelt. Sie sind demokratische Theologen, die von Gott fordern, daß er so zu regieren habe, wie wir das wollen. Gott darf eben nicht das Herz eines Menschen fremdbestimmen (verhärten), das widerspricht dem, was Demokraten Gott zubilligen.
Aber es sei doch widersinnig!, meint Erasmus. Wieso? Gott will seinem erwählten Volke zeigen, wie mächtig er ist, daß er allmächtig ist und so auch für dies Volk der richtige Gott ist. Zu berücksichtigen ist, daß der Monotheismus auch für das Volk Israel keine Selbstverständlichkeit war. Also stand es immer auch vor der Frage: welchen Göttern oder welchem Gott dienen? Wer ist für uns der richtige, wenn es doch viele Götter gibt? Gott will sich durch seine mächtigen Wundertaten als ihr richtiger Gott erweisen, wie Mose sich dem Pharao als von einem Gott Bevollmächtigten durch seine Wunder erweisen soll.  Indem Gott den Pharao verstockt, ergibt sich für Gott die Möglichkeit, sein Volk  durch die  Plagen wider Ägypten als machtvollen Gott zu erweisen. Gott will, daß  er so von seinem Volke erkannt wird, der gerade Großes und für die Feinde seines Volkes Schreckliches wirken kann und will. Was ist daran widersinnig? Man braucht sich doch nur zu fragen, was denn das jüdische Volk von seinem Gotte wußte, bevor er es aus Ägypten herausführte! Für das jüdische Volk zeigt dies doch nur, daß Gott so mächtig ist, daß er gar über den Feind Israels, den Pharao frei bestimmen kann! Oder anders gesagt: Warum sollte Israel sich diesem Gott verschreiben, wenn es viele andere und mächtigere gibt?
Und dieser so mächtige Gott will nun der Gott Israels sein- das ist die Verheißung dieser Aussage. 
Aber eine humanitaristische Theologie will von so einem mächtigen Gott nichts wissen, sie möchte lieber an die Macht des Menschen zum Guten glauben.   
 

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