Dienstag, 21. Juli 2015

Und wieder siegt der Islam?

"(Madrid) Die Sozialistin Natalia Nuñez wurde am vergangenen 24. Mai zur neuen Bürgermeisterin von Cenicientos in Spanien gewählt. Die Gemeinde in der Autonomen Gemeinschaft Madrid zählt 2073 Einwohner. Eine der ersten Amtshandlungen der PSOE-Vertreterin war die Entfernung des Kreuzweges, der die Kleinstadt mit der Marienwallfahrtskirche Nuestra Señora del Roble, der Stadtpatronin verband.Für die Bürgermeisterin stellte der Kreuzweg einen „Mangel an Respekt“ gegenüber Nicht-Gläubigen und jenen dar, die „die moslemische Religion und Kultur bekennen“. Nuñez bezeichnete den Kreuzweg in Interviews abschätzig als „diese Steine“."

So las man es heute in Kath Info! Also, wer den Katholischen Glauben öffentlich lebt und praktiziert verhält sich darin intolerant gegenüber Nichtchristen und Muslimen. Ja, nur die Tatsache, daß ein in der Öffentlichkeit präsenter Kreuzweg dazu benutzt werden könnte, dort nun auch den Katholischen Glauben zu praktizieren, stelle eine so gewaltigen Affront dar, daß der Kreuzweg verschwinden muß! Nähme man das Ernst, käme man zu dem Ergebnis, daß jede religiöse Äußerung einen unzumutbaren Affront gegen Unreligiöse darstellte und so zu verbieten sei, im Namen der Toleranz! Der Islam braucht noch nicht mal die Macht zu ergreifen, denn schon im vorauslaufenden Gehorsam verbietet hier eine sozialistische Bürgermeisterin das Praktizieren der Katholischen Religion! Die Intention ist eindeutig: die Katholische Religion soll aus der Öffentlichkeit verschwinden und das im Namen der Toleranz.
Aber es ist ja auch die übliche Praxis, daß im Namen der Toleranz die Toleranten den Auschluß von ihnen mißliebigen Meinungen fordern- bei jeder Anti-Rechts Kundgebung wird das so praktiziert: was nicht links ist, hat keinen legitimen Platz mehr in der Toleranzkultur der Politischen Korrektheit. 
Spanien ist ein urkatholisches Land aber gerade darum ist hier der Feind auch so mächtig am Kämpfen. Auch wenn es der politisch korrekten Kirchengeschichtsschreibung nicht akzeptabel ist, aber es ist wahr: General Franco rettete einst die Katholische Kirche im Bürgerkrieg vor ihrer Vernichtung durch die Linke Spaniens. Nur, diese Linke existiert heuer noch und auch jetzt kämpft sie gegen die Katholische Kirche! Und dazu instrumentalisiert sie auch die Muslime, daß ihnen praktizierter Katholizismus unzumutbar ist, wenn er öffentlich und nicht nur in abgeschlossenen Räumen gelebt wird! Aber es ist auch ein Zeichen zunehmender Macht des Islam, daß um dieser Religion willen jetzt schon die Katholische Kirche ihre Praxis einzugrenzen hat! 
Eines fällt dabei noch auf: noch nie hat die Katholische Kirche sich der politischen Linken so angebiedert, wie heuer- jedes Lieblingsthema  der Linken, das nicht gebührend und übergebührend auf Katholikentagen präsent ist und wir haben jetzt gar einen kapitalismuskritischen Papst und kein Tag vergeht, wo nicht im Namen Christi zum heiligen Krieg gegen Rechts ausgerufen wird- aber die Linke goutiert dies Wohlverhalten in keinster Weise- sie kämpft überall in Europa gegen die christliche Religion und wenn es sein muß, nimmt man da auch gern den Islam als Kombattanten mit ins Boot. Ob nun die Linke den Islam für ihr antichristliches Anliegen instrumentalisiert oder der Islam für seine Ziele die Linke instrumentalisiert, das ist eine jetzt noch unbeantwortbare Frage.           

Montag, 20. Juli 2015

Antisemitismus- Denkwürdigkeiten!

Wenn ich zu einem Juden sagen würde, daß Jesus Christus auch sein Heiland und Erlöser sei, weil er der Erlöser aller Menschen ist, dann ist das- nach heutiger Meinung auch in der Katholischen Kirche- praktizierter Antisemitismus.Wie ist das verstehbar. Eine Antihaltung beinhaltet doch wohl ein negatives Sichverhalten gegen die Menschen, zu denen man eine Antihaltung einnimmt. Was kann man aber einem Mitmenschen besseres und wahreres sagen, als daß er einen Erlöser und Retter hat, nämlich Jesus Christus! Verstehbar wäre es, wenn aus Mißgunst und Abneigung gegen die Juden jemand ihnen diese Wahrheit vorenthalten möchte- ja, der so die Wahrheit den Juden verschwieg, um ihnen so zu schaden, denn könnte man wohl rechtens des Antisemitismus bezichtigen- aber jemandem die Wahrheit zu sagen, um ihm Gutes zu tun, wie kann das praktizierter Antisemitismus sein?
Man müßte, damit das wahr sein könnte, präsumieren, daß es ungut ist, Menschen die Wahrheit zu sagen.Und in bestimmten Fällen ist das auch so. Wer wäre so herzlos, einer Frau, frisch und neu frisiert, ins Gesicht zu sagen, daß sie jetzt fürchterlich schlecht ausschaut! Aus Höflichkeit sagt ein Mann das nicht- und Mann will es sich ja auch nicht verderben mit einem Mitmenschen, bloß weil Mann ihm ehrlich sagt, wie die Frisur ausschaut. Sollen wir also die Aussage, Jesus Christus sei dein Erlöser, gleichsetzen mit einer geschmacksästhetischen Frage, wie eine neue Frauenhaarfrisur zu bewerten sei, wo der Höfliche auf eine wahre Antwort verzichtet? 
Die Aussage, Jesus Christus ist auch Dein Erlöser, ist ja eine sehr komplizierte Aussage, denn zur Wahrheit wird sie ja nur für den, der sie glaubt und dann demgemäß auch lebt. Ein Trugschluß wäre es also, sich das so vorzustellen: weil Jesus Christus der Erlöser aller Menschen ist-ganz objektiv- macht es nichts, wenn jemand das nicht glaubt und nicht demgemäß lebt, weil das Erlösungswerk Jesu Christi jedem objektiv gelte. Nein, das was wahr ist, will und muß auch für uns zu unseren Wahrheit werden, damit es eine uns geltende Wahrheit wird. Ein Vergleich mag dieses verdeutlichen. Wenn es heißt, daß diese Medizin deine Gesundheit ist, dann besagt das, daß wenn ich sie einnehme, ich gesunde. Lasse ich sie aber unbenutzt liegen, dann heilt sie mich nicht. Präziser hätte man so sagen sollen: Jesus Christus ist genau dann Dein Heiland, wenn Du ihm glaubst und danach strebst, gemäß ihm Dein Leben zu gestalten. 
Wer also das den Juden verschweigt, verhindert so, daß ihr objektiver Erlöser nun auch wirklich ihrer werden kann. Nur, und das muß verblüffen: genau diese Wahrheit zu verschweigen gilt allen Philosemiten jetzt als praktizierte Nächstenliebe den Juden gegenüber! Wie wundersam! 
Wenn dieses Verschweigen, das Grundprinzip des christlich-jüdischen Dialogisierens, ein Akt christlicher Nächstenliebe sein soll, dann müßte es sich hierbei entweder um ein Verschweigen aus Höflichkeit handeln oder man meint, daß es gar nicht wahr sei, daß Jesus Christus der Erlöser der Juden sei. Aus Höflichkeit diese Wahrheit zu verschweigen, wäre eine unermeßliche Absurdität-denn so gefährdet man dem Juden die Möglichkeit, ins ewige Leben einzugehen. Bleibt nur noch die Möglichkeit, daß Jesus Christus nun doch nicht der Messias der Juden ist. Dann würde man meinen, daß Mose und die jüdische Religion so sehr der Heilsweg der Juden ist, daß sie Jesus Christus zu ihrem Heile nicht bräüchten! Dann muß konsekutiert werden, daß sich Jesus in seiner ureigensten Lebenspraxis versehen habe, denn er hätte zu den Juden zu sagen gehabt, daß sie ihn nicht bräuchten und daß er nur zu den Heiden gesandt sei, um für sie der Erlöser zu werden- die gesunden Juden aber des göttlichen Arztes nicht bedürfen! Diese Vorstellung widerspricht aber vollkommen dem Zeugnis der hl. Schrift und dem, was die Katholische Kirche immer und zu allen Zeiten gelehrt hat! 
Es gibt nicht absurderes, als im Namen der praktizuerten Nächstenliebe seinen Mitmenschen die Wahrheit seiner Erlösungsmöglichkeit zu verschweigen und das dann noch als die rechte Praxis des Dialoges mit den Juden zu qualifizieren!                 

Samstag, 18. Juli 2015

Der Jesuit und die Verweltlichung

E.T. A. Hoffmann verdanken wir diese Kurzskisse eines verweltlichten Jesuiten, in: "Die Jesuitenkirche in G."1816 geschrieben! Man beachte das! Der Jesuiten Professor sagt: " Es ist wahr,[...]wir haben jenen düsteren Ernst, jene sonderbare Majestät des niederschmettternden Tyrannen, die im gotischen Bau unsere Brust beklemmt, ja wohl ein unheimliches Grauen erregt, aus unseren Gebäuden verbannt, und es ist wohl verdienstlich, unseren Werken die regsame Heiterkeit der Alten anzuzeigen."-"Sollte aber",erwiderte ich, "nicht eben jene heilige Würde, jene hohe, zum Himmel strebende Majestät des gotischen Baues recht von dem wahren Geist des Christentums erzeugt sein, der, übersinnlich, dem sinnlichen, nur in dem Kreis des Irdischen bleibenden Geiste der antiken Welt geradezu widerstrebt?" -Der Professor lächelte."Ei", sprach er , "das höhere Reich soll man erkennen in dieser Welt, und diese Erkenntnis darf geweckt werden durch heitere Symbole, wie sie das Leben, ja der aus jenem Reich ins irdische Leben herabkommende Geist darbietet. Unsere Heimat ist wohl droben; aber solange wir hier hausen, ist unser Reich auch von dieser Welt." Jawohl, dachte ich: in allem, was ihr tatet, beweiset ihr, daß euer Reich von dieser Welt ist." (Hoffmann, Die Jesuitenkirche in G., in: E.T.A. Hoffmann, Gesammelte Werke in Einzelausgaben Bd 3, Nachtstücke-Seltsame Leiden eines Theaterdirektors, 2.Auflage 1983, Aufbau Verlag, S.115f.

Weiterhin wird dieser Zeitgeistjesuit so charakterisiert:
"[...]aber seine Gespräche, die er mit den Kollegen, die an dem Mahl teilnahmen, führte, überzeugte mich, daß trotz aller Gelehrsamkeit, aller Weltgewandtheit sein Sinn fürs Höhere gänzlich verschlossen und er der krasseste Materialist war, den es geben konnte. Das System von dem Fressen und Gefressenwerden[...]hatte er wirklich adoptiert. Alles geistige Streben, Erfindungs,-Schöpfungskraft leitete er aus gewissen Konjunkturen der Eingeweide und des Magens her, und dabei kramte er noch mehr närische abnorme Einfälle aus.Er behauptete zum Beispiel sehr ernsthaft, daß jeder Gedanke durch die Begattung zweier Fäserchen im menschlichen Gehirn erzeugt würde." (S.123)

200 Jahre später liest sich das dann so: (Jesuiten 2015/2, S.19) Patrick Zoll SJ:Die Unterscheidung der Zeitgeister: "Ein Blick auf die jüngere Kirchengeschichte zeigt aber, dass die Kirche immer wieder mühsam lernen muss, die Zeitgeister zu prüfen: Heute irritiert uns z.B. , dass man auf der einen Seite lange  die Idee der Menschenrechte und speziell  der Religionsfreiheit als modernen Zeitgeist verteufelte, während man auf der anderen Seite zu lange brauchte, um als Institution dem Zeitgeist des Nationalsozialismus entschieden und konsequent entgegenzutreten." Und selbstverständlich müsse man jetzt gegen Pegida sein. Dieser Dozent an der Hochschule der Philosophie ist ein wahrer Zeitgeistsurfer. Die Polemik wider die Kirche, sie habe zu spät und dann wohl auch nicht entschieden genug zum Nationalsozialismus Stellung bezogen, wird hier einfach als historische Wahrheit verkündet- ohne ein Wort über das päpstliche Schreiben "Mit brennender Sorge" zu verlieren und auch die Kritik an Alfred Rosenbergs "Mythos des 20.Jahrhundertes" vergißt er- aber so ist das eben zeitgeistgemäß! Und spätestens seit dem Amnesty International das Menschenrecht auf Abtreibung propagiert, sollte man der schönen Idee der Menschenrechte doch wohl kritisch gegenüberstehen müssen! Und daß die Kirche sich schwer tat, ein Recht zum Sündigen, nämlich eine falsche Religion zu praktizieren und zu verbreiten,anzuerkennen, dürfte jedem einsichtig sein!  Nur wer alle Religionen als gleichgültig ansieht, wird an der Religionsfreiheit uneingeschränkte Freude haben. Aber all das sind Probleme, die ein ganz im Zeitgeist Befangener gar nicht mehr wahrnehmen kann!       

Wie erklärt sich die besondere Affinität des Jesuitenordens zur Lust auf die Verweltlichung der Kirche? Daß heuer dieser Orden zur Sperrspitze der Bewegung, die Zukunft der Kirche liegt in ihrer konsequenten Verweltlichung und Einpassung in die Welt ist, ist unübersehbar. Aber warum ist das so, das ist eine nicht leicht respondierbare Frage. Der Grund dafür ist wohl in der Gründerfigur selbst und seiner Gründung von Anfang an zu suchen und nicht so sehr erst in einem späteren Abfall von dem eigentlich guten Anfang.  Ich vermute, daß das gestörte Verhältnis zur Wahrheit den Anfangspunkt dieser Entwicklung bildete, die Meinung also, daß, nicht weil es wahr es, die Kirche lehrt,sondern daß es wahr ist, weil es die Kirche lehrt. Die Autorität setzt die Wahrheit, und wenn die Autorität der Kirche durch die der Welt ersetzt wird, ergibt das das Programm der Verweltlichung der Kirche. Aber warum ersetzte man dann die Autorität der Kirche durch die der Welt? Vielleicht, weil seit der Aufklärung die Autorität der Kirche in Frage gestellt worden ist, daß man mit ihr nicht mehr als oberstes Prinzip argumentieren konnte. Hier wäre noch vielerlei zu erforschen- aber jetzt, wo ein Jesuit Papst ist, sind wir auch genötigt, uns mit diesem Orden intensiver zu beschäftigen!     

Die Menschen laufen der Kirche davon!

Kath net berichtet seriöser:
"München (kath.net/pm)
[...]Nach 178.805 Personen im Jahr 2013 haben 2014 über 217.716 Menschen die Kirche verlassen. Das ist ein Anstieg um etwa 20 Prozent. Der Gottesdienstbesuch ist mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 10,9 Prozent angestiegen. Die Gesamtzahl der Priester liegt bei 12.219 (2013 12.336). Die Zahl der Pastoralreferenten ist auf 3.171 (2013: 3.140) ebenso wie die Zahl der Gemeindereferenten auf 4.526 (2013: 4.470) leicht gestiegen. Kardinal Reinhard Marx meinte dazu in einer Presseaussendung: "Die heute veröffentlichte Statistik zeigt, dass Kirche vielgestaltig ist und eine missionarische Kraft hat, auch wenn uns die hohe Zahl von Kirchenaustritten schmerzlich bewusst macht, dass wir Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen." 

Für das so durch und durch katholische Bayern werden über 50.000 Kirchenaustritte gemeldet, mit dem Spitzenreiter München-Freising mit allein über 20.000. Die Schadenfreude über diese Austrittsentwicklung ist in den Massenmedien kaum überhörbar. Noch interessanter, weil in ihrer Einfältigkeit fast schon wieder originell wird dann gefordert, daß die Kirche sich mehr als bisher dem Zeitgeist (der Postmoderne) einzupassen habe. Als Alternative muß dann das Zerrbild der Wagenburg herhalten, in die sich die Kirche zurückziehe auf den kleinen Kreis der Getreuen. Nein, das sei ferne und dann kommt die obligatorische Litanei der Reformvorschläge, die man gern dann von "Wir sind Kirche" abkupfert. Nur, eines müßte jedem dabei auffallen: daß die EKD, die nun in der Untugend der Zeitgeistanpassung unübertreffliche Bestnoten erreicht, noch viel mehr Mitglieder verliert, so viele im Jahre 2014, daß sie bis jetzt die Zahlen nicht mal mehr sich zu veröffentlichen getraute.
Aber die conservativen Antworten zeichnen sich auch nicht gerade durch Tiefsinn aus! Ob das Elend nun auf die Zulassung der Handkommunion zurückgeführt wird, auf die modernisierte Liturgie überhaupt oder auf den Modernismus in der Kirche- so wichtig diese Fragen auch sind- aber es sind doch nur noch Fragen, die kirchlich sehr Engagierte interessieren! Scherzbolde vermuten ja schon seit längerem, daß wenn jeder Steuerzahler genau wüßte, wie viel Kirchensteuer er zahlt, schon sehr viel mehr austreten würden. Sie bleiben so unwissend in der Kirche, aber eigentlich bindet sie schon lange nichts mehr mit ihr. So wichtig auch das Ringen um die Orthodoxie und Orthopraxie der Katholischen Kirche ist- um ihres Kircheseins- die Austrittszahlen zeigen etwas anderes an: das zunehmende Desinteresse an der (christlichen) Religion. Man besuche mal ein gut sortimentiertes Buchgeschäft, nicht unbedingt die Bahnhofsbuchhandlung und lasse sich die Abteilung: Religion/Theologie zeigen!. Ja, früher da standen da noch...aber jetzt ein paar Bibeln, ein paar Gesangbücher und Fastfood-Literatur: Anselm von Grün und Käßmann und ein paar verstaubte Drewermänner.
Wenn die Kirche überhaupt noch in der Öffentlichkeit rezipiert wird, wenn es nicht mal wieder einen Sexskandal gibt, dann sind es nur noch die Äußerungen, die kompatibel sind zur Politischen Korrektheit, daß die Christen für Asylanten sich einsetzen sollten, daß man lieber und netter zueinander sein soll..aber das eigentlich Religiöse wird wegszensiert als für die Öffentlichkeit Irrelevantes. Das Hauptproblem ist so gar nicht in erster Linie ein kirchliches sondern ist die Krise der Religion. Und diese Krise spiegelt sich wieder selbst in dem Innenleben der Kirche, das selbst zusehens unreligiöser wird. Von der Jugend-über die Frauen- bis zur Seniorenarbeit in den Gemeinden und den übergemeindlichen Angeboten wird kaum noch etwas Religiöses  angeboten- denn die Angebote richten sich nach der Nachfrage aus und da selbst in diesen innerkirchlichen Zielgruppen kaum noch ein Interesse an Religiösem anzutreffen ist, wird auch hier die Religion gestrichen. Wir erleben das Verschwinden der Religion in der Postmoderne! Wenn man einst die Religion zum Wesen des Menschen als dazugehörig erachtete, erleben wir nun, wie es unmusikalische Menschen gibt, den so unreligiösen Menschen! Wenn der Mensch nach dem ersten Grund seines Lebens und dem letzten Ziel seines Lebens frägt, wenn er also noch metaphysisch zu denken versteht, stößt er unweigerlich in den Raum der Religion vor. Wo aber die Frage nach dem Ersten und dem Letzten nicht mehr gestellt wird, wie kann dann die religiöse Antwort sich ein Gehör verschaffen?
Wo Kardinal Marx aber die missionarische Kraft der Kirche sieht, das ist mir unbegreiflich gewesen, bis mir die Erleuchtung kam: er meint damit den Einfluß der Deutschen Bischöfe  auf der Familiensynode!  Sie wollen die Themen bestimmen und bestimmen sie jetzt schon: Geschieden-Wiederverheiratete und die Homosexfrage. Kardinal Marx wird es besonders freuen, daß viel weniger Bischöfe Afrikas diesmal in der Synode sein werden, und daß die Europäer und Amerikaner wohl eine Zweidrittelmehrheit innehaben werden, sodaß so der schwarze-conservative Block deutlich geschwächt ist! Die Kaprizierung auf diese beiden Fragen zeigt aber unübersehbar, wie tot die Religion schon in der Institution Kirche ist- sie spielt fast keine Rolle mehr. Statt zu fragen, was kann die Kirche unternehmen, um das religiöse Leben in den Familien neu zu erwecken oder zu stärken, schaut man nur noch auf die Lage, wie sie ist und proklamiert, daß sich die Kirche dem einzupassen habe. Wenn die Welt religionslos wird, dann nehmen wir eben die Religion als unverkäuflichen Ladenhüter aus dem Sortiment heraus! Aber was sind die Gründe der Krise der Religion? Hier gilt es, ernsthaft zu forschen!     

Freitag, 17. Juli 2015

Das Gute=das Nützliche?

"Schon das Kind kann die erlebte Welt zunächst nur begreifen und verstehen, wenn es sie klassifiziert und durch umfassende Abstraktionsleistungen auf das eigene Ich bezieht und wertend interpretiert.
Hobbes hat diese Vorgänge unnachahmlich trocken und englisch nüchtern schon vor 300 Jahren durchschaut: Das entstehende feste Weltbild teilt die Personen und Phänomene in solche, die dem Subjekt nützen und ihm angenehm sind und solche, die ihm schaden und unangenehm sind. Erstere bezeichnet er als gut,letztere als böse." (Soweit Klaus Kunze, Mut zur Freiheit-Ruf zur Ordnung. Politische Philosophie auf dem schmalen Grat zwischen Fundamentalismus und Nihilismus, 1995,S.51) Nur: wenn ich heute Geld stehle, um mir etwas sonst Unerschwingliches mir damit zu kaufen, dann wäre dies Stehlen etwas Gutes, wenn mir dann aber das gestohlene Geld gestohlen wird, dann ist das etwas Böses-wenn Hobbes recht hätte.Ist das Subjekt  der Einzelmensch, der das ihm Nützliche das Gute und das ihm Schadende das Böse bezeichnen würde, dann gibt es kein Gut und Böse mehr- alles löste sich auf in den Interessengegensätzen der Individuen. Hobbes legt hier eine Entlarvungsstrategie der Moral vor, die nur die Moral aufzulösen weist und dann die Akteure auf ein vernünftiges Aushandeln ihrer Interessengegensätze verpflichtet.
Im "Sommerloch" beschäftigen sich ja Journaillen gern mit der Mode für junge Frauen: wie attraktiv dürfen sie sich bei hochsommerlichen Temperaturen kleiden, oder unbekleidete Haut zeigen. Da erheben dann auch ältere Frauen ihre Stimme und fordern gesittete Kleidung für die Madels. Ein moralischer Überton verdeckt da aber kaum die Stimme des Neides! Im Konkurrenzkampf aller gegen alle: Spieglein an der Wand-sprich, wer ist die schönste im ganzen Lande?- erleiden nun mal die Ü50er eine Niederlage nach der anderen-nicht nur auf dem freien Arbeitsmarkt- und dann fordern sie im Namen der Moral, daß junge Frauen ihre Konkurrenzvorteile nicht ausspielen dürfen! Hier gilt wirklich: Gut ist das mir Nützliche- das Verbot "unlauteren" Wettbewerbs unter Frauen durch attraktives Sichkleiden im Sommer etwa mit sehr kurzen Röckchens! Aber, eines ist offenkundig, daß hier die Moral mißbraucht wird, um egoistische Interessen durchzusetzen. Aber machen es die jungen Frauen nicht genauso, daß sie die Kleidermoral für gut erachten, die ihnen nützlich ist, daß sie sich so kleiden dürfen, daß sie ihre natürlichen Vorzüge dann ausspielen dürfen? Und mit dieser Frage stehen wir schon vor dem Scherbenhaufen dieses Moralansatzes im Geiste Hobbes.
Aber vielleicht haben wir hier zu schnell geschossen! Wie, wenn nicht das Einzelsubjekt sondern die Menschheit oder der Mensch an sich das Subjekt ist, das Alles danach wertet: nützt oder schadet es dem Menschen? Eine rein humanistische Moral früge also nach dem Guten und Nützlichen für den Menschen und würde dabei das Interesse des Einzelindividuums dem des Menschen subordinieren. Aber da offenbart sich die prinzipielle Schwäche des angelsächsischen Denkens. Sie denken alle nominalistisch, sodaß es für sie nur Einzelmenschen mit Einzelinteressen gibt und nicht den Menschen, der sich in vielen Einzelwesen individuiert, aber doch und gerade so eine Einheit bildet.
Wenn nach dem gefragt würde, was dem Menschen nützlich und gut ist, dann könnte daraus eine natürliche Lehre vom Guten und Bösen sich generieren. die als allgemein vernünftig zu qualifizieren wäre. Seit dem die traditionelle Lehre des Naturrechtes außerhalb der Kirche fast nirgends mehr anerkannt wird und selbst in ihr kaum noch bejaht wird, kann diese ihre Funktion, einen Raum zu bieten für die Lösung moralischer Fragen, der von allen Diskutanten anerkannt wird, nicht mehr erfüllen. Ob dann Hobbes Ansatz weiterhelfen könnte, wenn man statt das Individuum den Menschen, das Menschsein setzt als dem Punkt, von wo aus zu fragen ist: nützt es oder schadet es? Bedenkenswert wäre es!

Corollarium 1
Machiavelli urteilt: "Ohne Macht setzt niemand seine Moral durch: Man muß Macht haben, um moralisch handeln zu können. Wer auf sie verzichtet, liefert die Welt den Bösewichtern aus." (zitiert nach Kunze, Mut zur Freiheit, S.61). Wenn die Moral zum Recht des Staates wird, dann wird sie zur mit Statsmacht durchgesetzten Moral- aber dafür muß sie verrechtlicht werden und hört so auf, eine Moral zu sein. Die Moral setzt sich dagegen durch ihre Überzeugungskraft durch und nicht durch staatliche Macht. Die Konstantinische Epoche war so die Epoche der Teilverechtlichung der christlichen Moral- die Postmoderne trennt wieder das staatliche Recht von der christlichen Moral!

Corollarium 2
Die christliche Ethik ist die Antwort auf die Frage, wie habe ich zu leben, um das ewige Leben zu gewinnen? und ist so gesehen auch eine Ethik der Nützlichkeit! Nur daß das Nützliche, das Erreichen des ewigen Lebens, nicht ein immanentes Ziel des ethischen Handelns ist, sondern Gott als Belohnung für das ethische Leben gibt. So kann das Ethische weltimmanent betrachtet nutzlos sein (warum sollte es für mich nützlich sein, meine Feinde zu lieben und ein Almosen Armen zu geben?), aber es ist in Hinsicht auf das Ziel, das ewige Leben auch und gerade nützlich. Wenn aber diese Zielausrichtung der Gesamtethik außer Acht gelassen wird, dann erscheint die christliche Ethik als sinnwidrig  und nutzlos, aber nur, weil ihr Ziel nicht beachtet wird!        
        

Mittwoch, 15. Juli 2015

Lesefrüchte- der nichtdomestizierte Gott

Wenn Gott ist, dann soll er so sein, wie wir uns ihn wünschen, das ist subkutan einer der stärksten Antriebe der Gotteslehren, die uns einen neuen, zeitgemäßen verkünden wollen. Eine der brillantesten Versuche, nicht einen Gott nach unserem Gustus zu kreieren, sondern Gott zu denken, wie er ist, präsentiert Occam (Ockham), indem er in radicaler Konsequenz Gott als Selbstbestimmung denkt. K. Kunze referiert das Anliegen dieses leider so oft geschmähten Theologen, er denke Gott, bzw. die Freiheit als Willkürfreiheit, so treffend, daß ich es den Lesern nicht vorenthalten möchte:
"Gottes Wesen sei sein allmächtiger Wille. Dieser sei die letzte Ursache der normativen Schöpfungsordnung. Alles Gute und Böse sei ein beliebiges Produkt göttlicher Willkür! Damit wandte Ockham sich ab von Platon und Thomas: Dieser hatte Gott für die unwandelbare Idee des Guten selbst erklärt und damit seine Allmacht verkürzt: Gottes Willen steckte damit im Käfig einer idealen Vernunftidee, über die selbst Gott sich nicht hinwegsetzen konnte. Gottes innerstes Wesen sei die berechenbare Vernunft. Nein, widersprach ihm Duns: Sein Wesen sei die Liebe: Sie beruht auf einem nicht rational ableitbaren, also freien Willensakt. Schließlich befreite Ockham Gottes Willen endgültig und setzte ihn über alles Gut und Böse: Es gebe kein Gut und Böse aus der Natur der Sache selbst und keine vorwillkürliche, vernünftigem Kalkül zugängliche Bewertung in Gut und Böse. Gott selbst sei es, der Gut und Böse willkürlich aus dem normativen Nichts erzeuge."  (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit-Ruf zur Ordnung. Politische Philosophie auf dem schmalen Grad zwischen Fundamentalismus und Nihilismus, 1995, S.13.)
Daß Gott die Idee des Guten sei, wird so von Ockham theologisch rekonstruiert zu der Aussage, daß Gott das Subjekt ist, das die Idee des Guten setzt und da es vor (im logischen Sinne)  der Setzung der Differenz von Gut und Böse weder das Gute noch das Böse gab, setzt Gott diese Differenz vollkommen frei. Denn sonst müßte es das Gute und das Böse unabhängig von Gottes Willen geben- das gibt es aber nur im Menschen, in seinem Gewissen, dem Ort, in der die Differenz von Gut und Böse eingeschrieben ist. Gott kann aber nicht mit einem eingeschriebenen Gewissen ausgestattet gedacht werden. Auch erkennt Gott das Gute und das Böse nicht als etwas ihm Vorgegebenes, sondern er setzt diese Ordnung ja  selbst erst, die er dann als die seinige auch erkennt. 
Was ist damit gewonnen? Gott wird so gedacht als das Subjekt reiner Selbstbestimmung und so wird Gott erst als nicht kreatürliches Sein gedacht, dem alles Sichbestimmen ein Bestimmtsein vorausgeht, und das ist sein Geschaffensein. Da nun aber alles von Gott Geschaffene gemäß der Differenz von Gut und Böse geschaffen ist, kann in dieser von Gott geschaffenen Welt das Gute und das Böse auch erkannt werden. 
Ist Gott nun so zu denken, daß er sich selbst an seine Ordnung so gebunden hat, daß er immer gemäß ihr wirkt? Oder steht er souverän über dieser Ordnung? Damit stehen wir vor dem Problem des Wunders! Und damit ist die Antwort eindeutig: Gott hat die Naturordnung gesetzt, er kann sie aber auch unterbrechen und unmittelbar in ihr wirken. Gottes Güte und Treue ist es nun, daß Gott seine Ordnung von Gut und Böse einhellt, obwohl er auch anders handeln könnte. Wäre nämlich von Gott auszusagen, daß er gar nicht anders kann als immer nur das Gute zu wollen und das Böse nicht zu wollen, dann wäre Gott nicht mehr moralisch qualifizierbar. Denn nur dann, wenn der Wille  freiwillig gut will, das heißt, daß er  auch böse wollen könnte, ist das das Gute Wollen ein moralisch qualifiziertes Wollen- sonst funktinonierte Gott nur wie ein perfektes Computerprogramm, das nie einen Fehler macht.
Und somit bekommt dem Gebet eine besondere Bedeutung zu: Gott, sei uns gut, ist eben ein  wirkliches Gebet, weil es weiß, daß Gott nicht von Natur aus anders kann als uns gut zu sein, weil er nur das Gutsein ist.  
Die Domestikation hebt dagegen damit an, Gott eine ihm vorgegebene Natur beizugeben, sodaß er nicht anders kann als gemäß dieser Natur. Dem entspricht die Idee einer Verfassung, die dem König vorausgeht, sodaß der einstige Souverän nur noch im Rahmen der Verfassung regieren darf.Die Souveränität des Königs wird dabei durch die Verfassung eingeschränkt, wie Gottes Souveränität eingeschränkt wird durch die Vorgabe "seiner" Natur des Guten, daß er dann nur gemäß der Idee des Guten regieren kann.

Corollarium 1
Wenn jede Bestimmung Gottes ein Ausschluß von Etwas ist, wenn er A ist, ist er nicht -A, dann ist jede Bestimmung eine Verendlichung Gottes. Das ist das relative Recht jeder Gotteslehre, die Gott nur verneinend versucht zu erfassen. Wenn Gott aber als sich selbst bestimmend gedacht wird, dann ist sein Bestimmtsein Produkt göttlicher Selbstbegrenzung- er will der Gott Israels sein und ist so nicht der Gott aller Völker, wie er Gott Israels ist. Indem Gott sich so auch als sich bestimmt Habender erkennt, wird er sich selbst zum Erkenntnisobjekt und das ist die Voraussetzung dafür, daß er Anderen an seiner Selbsterkenntnis Anteil geben kann. Weil Gott sich selbst Erkenntnisobjekt ist, kann er auch ein Erkenntnisobjekt für Andere werden. Gott vermittelt dann seine Selbsterkenntnis und das ist der Kern der wahren Religion.  .

Corrollarium 2
Wissenschaft und Theologie: wenn Gott als das Vollkommene so zu denken wäre, daß aus ihm als dem obersten Prinzip alles weitere deduzierbar wäre, weil Gott vollkommen ist, dann müßte er sich so zu sich und so zu anderem verhalten, wobei das Andere, die Setzung der Schöpfung selbst noch eine Notwendigkeit wäre, die sich aus dem Vollkommensein Gottes ergäbe, dann wäre, alles, was ist, so wie es ist, aus dem einen Prinzip deduzierbar. Wenn die so deduzierte Wirklichkeit mit der uns zugänglichen identisch wäre, wäre dies der Beweis für die Deduktion, daß Gott so ist. Zwingli versuchte das in seinem Sermon über die Vorsehung Gottes-sein philosophischtes Werk. Anselm von Canterbury versucht dies punktueller in seiner Beantwortung der Frage: Warum Gott Mensch wurde?, indem er deduziert, daß Gott nur durch ein Sühnopfer eines Gottmenschen wieder versöhnt werden könne und daß dann das historische Ereignis genau der Deduktion entspricht. Wenn aus Gott als dem ersten Prinzip alles, was ist deduzierbar wäre, weil   Gott als Vollkommemheit nur so und nicht anders wirken kann, und wenn das Deduzierte dann der Realität entspricht, dann wäre die Wahrheit der Theologie erwiesen. Nur, wenn Ockham recht hat, dann ist Gott so als Freiheit zu denken, daß das, was und wie es ist, nicht aus ihm, weil er ist, wie er ist, deduzierbar. Das ist der Stachel Ockhams im Fleische der theologischen Wissenschaft.                              

Dienstag, 14. Juli 2015

Wenn es keinen Gott gibt, ist dann Alles erlaubt?

Dostojeweskijs Votum, gäbe es keinen Gott, wäre alles erlaubt, wird von uns Christen gern zitiert, um vor den Gefahren jedes Atheismus zu warnen. Die Schattenseite des Atheismus sei notwendigerweise der Nihilismus. Verkürzt man Nietzsche auf: "Gott ist tot", zum Propheten des Nihilismus, dann kann auch dieser große Philosoph als Kronzeuge dieser Wahrheit gelten.Und wer in Marquise de Sades Romanen nicht nur die pornographischen Passagen liest, sondern auch die philosophischen Reflexionen dieses radicalen Aufklärers, wird auch da Belege für die Wahrheit Dostojeweskijs finden, aber schon mit einer realistischen Einschränkung: nur wer über Macht über andere Menschen verfügt und nicht selbst wieder in sozialen Anhängigkeiten zu Anderen lebt, dem ist Alles erlaubt.
So evident das auch uns auf den ersten Blick erscheinen mag, so einfach ist es dann doch nicht.Denn er gilt dann auch der Satz: wenn Gott bedingungslos jeden Menschen liebt, dann ist auch Alles erlaubt. Beweis: wenn ich urteile, daß gleichgültig wie ich lebe, Gott mich immer lieben wird, und dieses Geliebtwerden schon die hinreichende Bedingung für mein Eintreten in das Reich Gottes ist,dann ist mir alles erlaubt, weil Gott es dann gleichjgültig ist, wie ich lebe.     
Daraus ist eine erste Präzision des Votums Dostojewskijs gewonnen: nur wenn Gott gedacht wird als ein Subjekt, daß die Guten belohnt und die Bösen bestraft, ist der so gedachte Gott der Garant einer Moral, die Erlaubtes von dem Unerlaubten distinguiert! Aber genau diese Kernaussage jeder Religion wird nun gerade in der nachkonziliaren Kirche kaum noch vertreten.Legte man die heuer gehaltenen Beerdigungsansprachen zu Grunde, man käme entweder zu dem Schluß, daß nur noch gute Menschen stürben, oder daß, wenn einer doch gesündigt haben sollte, Gott ihm gewiß vergeben werde, sodaß alle in den Himmel kommen- also, daß es schlußendlich doch egal ist, wie man gelebt hatte,sofern man nicht ein Sünder des Formates eines Hitlers gewesen sei. 
Wenn es also so einen theologischen Nihilismus geben kann, der immer dann sich ereignet, wenn die Allversöhnung gelehrt wird, daß wir alle in den Himmel kommen werden, auch wenn wir alle kleine Sünderlein sind (So der "Kirchenlehrer" Willy Millowoitsch
und wenn es eine Tendenz zu einem theologischen Nihilismus gibt, wenn die Gnade Gottes so einseitig betont wird, daß schlußendlich eigentlich doch jeder ein von Gott Geliebter bleibt, dann ist nun zu fragen, ob es in sich evident ist, daß die einfache Negierung Gottes in den Nihilismus führt, daß dann Alles erlaubt sei.
Bisher war unsere unreflektierte Präsumption, daß nur Gott das Subjekt ist, das das Recht und die Macht hat, Erlaubtes und Unerlaubtes zu unterscheiden und diese Unterscheidung für uns Menschen dann auch als verbindliche zu setzen. Die Moralische Ordnung ist so ein Bestandteil der göttlichen Schöpfung ex nihilo, aus dem Nichts. Und nur weil Gott sie gesetzt hat, ist sie wahr. Nicht darf dabei sich das Erlaubte und das Unerlaubte, das Gute und das Böse als unabhängig von Gott seiend vorgestellt werden, und daß Gott sich dann an dieser Ordnung auszurichten hätte- denn dann wäre Gott selbst dieser Ordnung subordiniert, und dann wäre Gott nicht mehr als Gott gedacht. Auch wird man sich die Unterscheidung von Gut und Böse, vom Erlaubten und Unerlaubten nicht einfach als in Gott seiend vorstellen, als verfüge Gott selbst ein "Gewissen", das ihn diese Unterscheidung bezeugte. Nur ein von Gott geschaffenes Wesen kann mit einem Gewissen ausgestattet sein, denn das Gewissen ist der Ort, in dem Gott sein Gesetz als die Unterscheidung von Gut und Böse einschreibt. Gott findet so nicht in sich selbst etwas ihm Eingeschriebenes vor- denn er ist ja selbst der Beschrifter, der erst ein Gewissen ermöglicht. Also setzt Gott selbst diese Ordnung des Unterscheidens von Gut und Böse, die es nur durch ihn gibt und nicht unabhängig von ihm. (So könnte man das Kernanliegen der Gotteslehre Occams versimplifiziert darstellen)
Dann liegt es wirklich nahe, zu urteilen, wie es Dostojewskij ja auch tut: ohne Gott gibt es keine Unterscheidbarkeit von Gut und Böse und von Erlaubt und Unerlaubt.
Aber auch wenn es keine Moral gäbe, die sich aus der Unterscheidung von Gut und Böse ergibt, so gäbe es doch die Unterscheidung von Erlaubt und Unerlaubt, dadurch, daß der Staat diese Unterscheidung setzt und mit seiner Staatsgewalt auch durchsetzt. Hätte Dostojewesij gesagt, daß es ohne Gott keine Moral gibt, das wäre einsichtig. aber die Unterscheidung von Erlaubt und Unerlaubt, die setzt der Staat, und so gibt es sie.Nun kann ein geltendes Staatsrecht als unmoralisch empfunden werden, in Gänze oder in Teilen, aber auch eine moralische Kritik nichtet ja nicht die Geltungskraft des staatlichen Gesetzes. Auf der anderen Seite gilt jede Moral nur für die Anhänger dieser Moral, während allein das staatliche Recht für jeden Bürger gilt, auch wenn er es innerlich ablehnt, denn das staatliche Recht gilt objektiv, unabhängig von der subjektiven Zustimmung der Bürger, während eine Moral nur dem gilt, der ihr zustimmt. Davon sind selbstredend die Geltungsansprüche einer Moral zu unterscheiden: jede sich als vernünftig erklärende Morallehre verlangt, daß sie von jedem Vernünftigen anerkannt wird- aber da es eben faktisch nicht nur eine Moral der Vernunft gibt, sondern derer viele, streiten und bestreiten die vielen Vernunftmoralen wechselseitig ihrer Allgemeingültigkeit.
Es kann deshalb so geurteilt werden: weil es den Staat gibt, gibt es immer die Unterscheidung von Erlaubt und Unerlaubt. Die kann aber deutlich von dem sich unterscheiden, was moralisch als gut und böse angesehen wird. Man denke nur an die faktische Erlaubtheit der Kindestötung durch den Staat nicht nur in Deutschland, zur "Abreibung" verklärt. 
Es wäre nun zu fragen, ob es eine Moral unabhängig von Gott geben kann, eine rein vernünftige Moral! Diese Frage kann si beantwortet werden. Da im Gewissen Gottes Unterscheidung von Gut und Böse eingeschrieben ist, ohne daß deshalb diese Unterscheidung als eine von Gott gesetzte gewußt wird, kann es faktisch eine solche autonome geben, nur daß dann diese Autonomie sich selbst mißversteht, weil sie sich nicht als in Gott gegründet weiß.
Dostojewskij hätte so nur recht, wenn es neben dem Staat auch das menschliche Gewissen nicht mehr gäbe, wenn der Mensch sich ganz von dem in ihn ei eingeschriebenen Gesetz der Unterscheidung von Gut und Böse emanzipieren könnte.
Gott belohnt die Guten und bestraft die Bösen, kann als der Basisssatz jeder theologischen Morallehre angesehen werden.Damit ist mitgesetzt, daß der Mensch das Gute um der Belohnung tut und das Böse aus Furcht vor der Strafe unterläßt.Und da es vor Gott kein perfektes Verbrechen geben kann und nichts gut Getanes verborgen ist, ist er dann der vollkommen gerechte Richter, der wirklich alles Gute belohnt und alles Böse bestraft. So banal und simpel das nun auch klingen mag und so mancher Leser es sicher gern etwas anspruchsvoller, geistvoller lesen möchte- so simpel ist es eben und auch und gerade Jesus Christus hat das nie anders gelehrt. Verkomplizfiziert wird dies nur dadurch, daß Gott eben nicht nur der Gott der Gerechtigkeit sondern auch der der Gnade ist. Aber das gehört nun im strengen Sinne nicht mehr in die Morallehre.Dostojeweskij könnte nun doch noch recht bekommen, wenn er urteilen würde, daß nur der allwissende und allmächtige Gott wirklich alles Gute belohnen und alles Böse bestrafen könne. Fällt diese Richterinstanz fort, erwächst eine Erfahrung, die der Moral abträgig ist: den Bösen geht es gut und die Guten leben in Armut und Elend, daß der Zusammenhang zwischen gut leben (im moralischen Sinne) und gut leben (als Lebensqualität verstanden) zerfällt.Unkraut vergeht nicht, sagt der Volksmund- oder noch deutlicher: schlechten Menschen geht es immer gut. Wenn die Motivation zum Guten Tuen das Hoffen auf eine Belohnung ist und das Vermeiden des Bösen seinen Grund in der Angst vor der Strafe hat, dann untergräbt eine solche Lebenserfahrung die Moral.Warum sollte ein Politiker immer die Wahrheit sagen, wenn die Konkurrenz mit Wahlkampflügen erfolgreicher ist? 
Der klassische Ausweg ist der der Verinnerlichung der belohnenden und bestrafenden Instanz in das innere des Gewissens. Die gute Tat belohnt das Gewissen durch die Selbstbelobigung, die böse bestraft es durch die Gewissensbisse.Der Begriff des Gewissensbisses erinnert deutlich an die Externität der Strafinstanz, die den Täter zur Bestrafung beißt.Aber eine solche Internisierung setzt immer erst eine hierachisch-autoritär struktuierte Gesellschaft voraus- je liberaler, desto weniger kraftvoll wird der Gewissensbiß aber auch die Gewissensbelohnung.
Eine Gesellschaft, die die Legitimität ihrer eigenen Moral in Zweifel zieht, das nur noch als etwas kontingent geschichtlich Gewordenes ansieht, wird auch keine starken Gewissen mehr hervorbringen, Gewissen, die beißen- nur noch Schoßhündchens, die picksen können.
Dann erst kann gelten, daß alles erlaubt ist, nur daß man sich eben nicht erwischen lassen darf, wenn also die Kraft des Gewissens aufgeweicht ist, bzw. erst gar nicht sich ein bißkräftiges Gewissen entwickeln konnte und die staatliche Autorität die eines Nachtwächterstaates ist.In diesem Stadium gibt es dann faktisch keine Moral mehr, weil die Kraft des Gewissens fehlt und nur noch gilt, daß man das Unerlaubte oder das als unmoralisch Angesehene unterläßt aus der Furcht, dabei erwischt und bestraft zu werden. Das wäre die völlige Veräußerlichung der Moral. Aber damit kehrt sie auch wieder zu ihrem Ursprung zurück: der externe Gott, der die Unterscheidung von Gut und Böse setzt, der dann diese Ordnung aber in das menschliche Gewissen einschreibt. 
Ist alles erlaubt, wenn es keinen Gott gibt,lautete unsere Ausgangsfrage. Diese These ist nur vertretbar, wenn die Ordnung des Staates vergessen wird, der die Unterscheidung von Erlaubt und Unerlaubt setzt und nur dann, wenn das menschliche Gewissen sehr geschwächt ist durch ein es schwächendes kulturelles Umfeld.Aber jede Moral, die Gott nicht als letzte Gerichtsinstanz kennt, steht immer vor dem Problem, daß Menschen mit der Moral und der Unterscheidung von Erlaubt und Unerlaubt sehr "pragmatisch" umgehen: alles ist mir erlaubt, nur erwischen lassen darf man sich nicht. Nicht allein der Glaube, daß Gott ist, sondern nur der Glaube an Gott als den Richter, verunmöglicht so erst die Lebenspraxis: alles ist mir erlaubt, solange man mich nicht dabei erwischt.