Sonntag, 8. November 2015

Kirchweihe- wozu ist die Kirche da?

"Dies ganze Gebäude, so schön unsere Barockkirche auch ist mit all ihrer Kunst,sie ist nichts Selbstzweckliches, denn sie diene unserer Heiligung. Zur Heiligkeit sind wir berufen und dieser Berufung dient die Kirche!", tönte es in einer Predigt anläßlich des Festes der Kirchweihe. Warum gibt es die Kirche auch als Gebäude, als von der Welt angesonderten Sacralraum für heilige Handlungen und nicht nur Räume, in denen sich Gläubige versammeln zum Hören auf das Wort Gottes und zum Beten, sodaß sich durch dies Sichversammeln die Kirche je und je ereigne? Zudem: dient die christlichen Versammlungen wirklich primär dem Zweck der Heiligung der Gläubigen? Theologisch ist die Antwort eindeutig: der erste Zweck des christlichen Gottesdienst ist, daß er der Ehre und Verehrung Gottes dient. Die christliche Religion ist nicht so anthropozenristisch, daß in ihr der Mensch immer im Zentrum steht. 
Darüber hinaus: die Lehre der Kirche umfaßt eben nicht nur die Morallehre, sondern auch die Dogmatik und die ist nicht einfach nur als Vorwort für die Morallehre konzipiert, auch wenn der Lieblingssatz der Predigten über das trinitarische Sein Gottes heuer der ist: Gott ist dreifaltig einer bedeutet, daß er in sich Liebe ist, sodaß auch wir Menschen zur Liebe aufgefordert werden. Tiefgründiger ist dann aber die Frage, ob die Ästhetik, daß die Kirche schön ist, der Erziehung zur Moralität untergeordnet ist, sofern man dann stillschweigend die Berufung zur Heiligkeit als Berufung zu einem Lebensstil versteht, der durch die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe geprägt ist. Das ist sicherlich ein Verständnis der Ästhetik, die der Aufklärung entspricht, aber gerade deshalb protestierte ja die Romantik gegen dies Verständnis von Kunst und setzte dagegen den Glauben an den Selbstwert des Ästhetischen. Aber die Pädagogisierung des Gottesdienstes zu einer Belehrungveranstaltung der Gemeinde führt dann- auch und gerade nach dem 2.Vaticanum zu einer Instrumentalisierung der Ästhetik (der Kirch) in dem Dienst der Morallehre. Die Kirche als Gebäude sei so zu gestalten, daß sie eine Hilfe für das Vorhaben der Belehrung der Gemeinde sei- und so wundert es nicht, daß nach dem Konzil errichtete Kirchen im Inneren mehr an Hörsäle denn an Sacralbauten erinnern!  Die reformierte Kirche war diesbezüglich der Vorreiter im Christentum mit seinen bilderlosen Kirchen ohne Schmuck, ja meist auch ohne ein Kreuz, damit nichts die Konzentration auf das belehrende Predigtwort ablenke. Das Schöne fällt so unter das Verdikt, vom Wahren wegzuführen. Nur, mißversteht man damit nicht das Wesen den Schönen völig? Ist das Schöne nicht etwas rein Selbstzweckliches sodaß es gerade in dieser Funktionslosigkeit Gott als dem Schönen, als der Quelle nicht nur allen Guten sondern eben auch allen Schönen gerecht wird? 
Die Kirche ist Kirche, auch wenn sich keine Menschen in ihr versammeln zu irgendeiner religiösen Praxis. Wäre sie nur Kirche, wenn sie dem Zweck der Heiligung diente, dann hörte sie auf Kirche zu sein in all den Zeiten, in der man sich nicht in ihr versammelt. Der Protestantismus zog daraus dann ja auch die praktische Konsequenz, daß sie die Kirchen zusperrt und nur aufsperrt, wenn in ihr Versammlungen stattfinden.  Ereignet sich in dem Raume der Kirche keine Versammlung von Gläubigen verwandelt sich der Versammlungsraum in einen rein profanen Raum und könnte dann auch für rein profane Zwecke genutzt werden. Das ist in der Katholischen Kirche völlig anders, denn bei uns konstituiert sich die Heiligkeit des Kirchraumes durch die Präsens Jesu Christi im Tabernakel! Heilig bedeutet also nicht primär eine Eigenschaft von Menschen, die sich dann als ein Zusammentreffen von Heiligen als Kirche versteht sondern, daß  es einen durch Gottes Anwesenheit geheiligten Raum gibt. Da versammeln sich dann die Gläubigen, und konstituieren sich als Heilige durch ihre Teilhabe am Leib und Blut Christi in  der hl. Eucharistie.  
Die Innenaussstattung einer Barockkirche dient also so geehen nicht in erster Linie dem Menschen, in welcher Hinsicht auch immer, sondern sie ist die menschliche Antwort auf die Präsens Gottes selbst in dem Raum der Kirche. Denn unter dem Tempel verstand der Alte Bund den Ort, wo Gott seinen Namen wohnen läßt, sodaß er da für sein Volk daist. Im Neuen Bund übernimmt diese Aufgabe jede Kirche, weil hier Gottes Name als Jesus Christus präsent ist und das ist die Heiligkeit der Kirche. Es ist nicht in erster Linie die Heiligkeit der Gläubigen, die sich dann zum Wohnsitz Gottes auf Erden versammeln, die so die Kirche heiligt. Die innere Schönheit der Kirche ist so das Abbild  des Grundes alles Schönen, Gott selbst, der als solcher gerade hier in seiner Kirche gegenwärtig ist. Selbstredend sind wir Christen zur Heiligung berufen, aber das meint in erster Linie nun nicht ein moralisches Tuen, sondern eun Sichausrichten auf Jesus Christus, der in der Kirche für seine Menschen daist. Wer vor dem Tabernakel kniet, um dort anzubeten, motiviert sich da nicht primär zu einem moralischen Leben in der Welt, wozu es diese "Auftankhilfe" in der Kirche nutzt, sondern er praktiziert gerade in diesem Anbeten Heiligkeit. Denn die Heiligkeit darf nicht einfach unter der Parole der untrennbaren Einheit von der Gottesliebe und der Nächstenliebe zu einer bloßen Moralität und Sittlichkeit reduziert werden. Das passiert aber immer dort, wo der Gottesdienst nur noch als eine Motivationsförderungsmaßnahme zu einem sittlich abständigen Leben verstanden wird. Da darf dann die Ästhetik auch nur noch ein Instrument der Pädagogik sein, sodaß das Schöne seines Eugenwertes beraubt wird. Hegel sah schon in seiner Philoophie das Ende der Legitimität jeder Kunst begründet, da sich nun in seiner Philodophie die Wahrheit selbst auf den Begriff gebracht habe  und die Kunst als ein Medium der Hinführung zur Wahrheit (auch  als Selbstbewußtseinswerdungsmoment der Wahrheit an sich) so ihrer Funktion verlustig gegangen sei. Das ist aber nur die konsequente Folge der Unwilligkeit, das Schöne als Selbstzweckliches zu denken, in der das absolut Schöne sich darstellt.         

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