Sonntag, 3. September 2017

Entleerter Glaube- ein Destruktionsversuch

Ein Kompendium zeitgenössischer Häresien präsentiert die dreibändige "Gredo"-Reihe,im Auftrage der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenildung herausgegeben. 1987 erblickte Band 1 die Welt. Die Mitarbeit des modernistischen Jesuiten Albert Keller läßt  da schon Schlimmstes erwarten und die drei Bände enttäuschen dann auch nicht! 
Wozu sich aber mit zeitgenössischen Häresien beschäftigen, könnte nun ein geneigter Leser nicht unrechtens fragen: Die wahre Lehre ist doch wichtiger! Im Prinzip ist dem zuzustimmen, aber die Pointe ist nun, daß das Wahre sich in der Auseinandersetzung mit dem Unwahren erst entwickelt- ja es gibt eine Produktivität des Negativen. 
Zur Veranschaulichung: Ohne Marcions Vorschlag zur Kanonbildung, einer Bibel ohne das Alte Testament und vom AT gereinigter neutestamentlicher Schriften hätte die Kirche nicht den wahren Kanon festgesetzt. Wenn Adam nicht gesündigt hätte, wäre Gott nicht Mensch geworden und hätte es den Karfreitag nicht gegeben. Ohne Luthers häretische Sakramentenlehre hätte die Kirche in dieser Materie nicht die Klarheit errungen, zu der sie im Trienter Konzil fand!
Das was wahr ist, entsteht aus dem Kampf mit dem Unwahren, denn je klarer das Unwahre widerlegt wird, desto klarer wird die Wahrheit.
Was heißt Glauben, wird gefragt. (Credo  Glaube und Bekenntnis der Christen Band 1, 1987,S.19). Glaube meine nicht, Nichtwissen oder nur ein mangelhaftes Wissen, sondern findet seinen adäquatesten Gebrauch in dem Satz: "Ich glaube dir, ich glaube an dich." (S.19). Erläuternd heißt es dann: "Glauben in diesem Sinn ist eine Begegnung zwischen Personen, zwischen Ich und Du und Wir und schließt Vertrauen,Hingabe und Liebe ein." Ob dem Urheber dieser Aussage die wunderbare Szene aus dem Film: "Casablanca" vor Augen stand: "Schau mir tief in die Augen, Kleines!", entzieht sich meiner Kenntnis, aber diese Szene kann wohl als das Urerlebnis von Ich und Du und von aller Begegnungsphilosophie angesehen werden. 
Nur, was sollen wir uns dabei denken, wenn wir anfangen zu ermüden ob des vielen tief in die Augen Schauens?  Ich glaube dir, was besagt das? Ich vertraue dir, was meint das? Sind das klare Aussagen?  
Ein Vorstellungsgespräch. Am Ende sagt der Chef zum Bewerber: Ihnen vertraue ich, sie bekommen die Anstellung. Das meint, daß es a)eine normative Vorstellung von dem gibt, was der Bewerber können muß, um der Arbeit gerecht zu werden und daß b) der Bewerber den Eindruck beim Chef erweckt hat, dem zu genügen. Der Chef weiß nicht, ob der Bewerber den Aufgaben der Anstellung gerecht werden wird, aber er ist überzeugt davon, daß er die Arbeit schaffen wird. 
Eine Ehefrau frägt ihren Mann: "Hast du mich auf der Dienstreise betrogen." Bisher habe ich dir vertraut." Vertrauen heißt hier, daß die Frau dachte, daß ihr Mann sich wie gemäß der Norm des Ehemannes  verhielte und nun kommen ihr Zweifel. 
Vertrauen und Glauben impliziert immer etwas, das geglaubt oder auf das vertraut wird.
Vertrauen ohne einen Gehalt, worauf vertraut wird und Glaube ohne ein Was, das geglaubt wird, sind Abbreviaturen. Der Kontext der Aussage erschließt dann in der Regel das, worauf vertraut und was geglaubt wird. In der Regel gibt es da eine normative Vorstellung, etwa die des guten Freundes, des guten Ehemannes, des guten Mitarbeiters, und es wird das Urteil gefällt, daß jemand dieser Norm entspricht. Das Besondere dieses Urteiles ist nun, daß nicht gewußt wird, ob das Urteil zu recht gefällt wird. Glauben und Vertrauen sind so defizitäre Modi des Erkennens. Christlich ausgedrückt:Solange wir im Glauben leben,schauen wir noch nicht die Wahrheit. Im ewigen Leben werden wir Gott schauen und dann glauben wir nicht mehr. Das gilt so auch für jedes Vertrauen. Wo wahre Erkenntnis ist, da ist kein Vertrauen mehr. 
So ist das Ende des Vertrauens, ich hoffe, daß dies Medikament mich kuriert, erreicht, wenn das Medikament die Gesundung gewirkt haben wird. Dies Beispiel zeigt aber auch, daß man auf anderes als Personen vertrauen kann  glauben kann. "Ich traue der Waschmaschine zu, daß sie noch viele Jahre ihren Dienst tuen wird."
Selbstverständlich soll dies Begegnungsgerede die Aussage vorbereiten, daß der christliche Glaube eigentlich nur meint: "Jesus vertraue ich, Jesus glaube ich" als Ereignis in der persönlichen Begegnung mit ihm. Das ist eine verkürzte Variante des lutherischen Vertrauensglaubens mit seiner Abneigung gegen den Glauben als Für-Wahr-Halten- von den Glaubenswahrheiten der Lehre der Kirche. Luther verstand Glauben aber noch als die Annahme der Verheißung, daß Jesus Christus für meine Sünden gestorben sei, so, daß nun gilt: So wie ich Jesus glaube, so ist er für mich. Die Verheißung, das Evangelium von der Sündenvergebung gilt mir nur dann, wenn ich diese Verheißung durch mein Jasagen dazu zu meiner Wahrheit mache. So vertraut auch der Lutheraner nicht einfach auf Jesus Christus, sondern auf etwas, daß Jesus für uns am Kreuze gestorben ist. 
Der personalistische Glaube abstrahiert nun von allen Gehalten, was geglaubt und worauf vertraut wird in der Aussage: "Dir vertraue ich." Diese Aussage wird so zu einer leeren Aussage. Gehaltvoll würde sie erst, würde diese Abbreviatur expliziert zur Aussage: "Ich glaube, daß du Jesus der Christus bist, ich vertraue darauf, daß du der Christus bist."
Jetzt haben wir wieder eine normativ vorgegebene Größe, die des Christus und es wird ausgesagt, daß ich darauf vertraue, daß dieser Jesus so ist und sich so verhält und verhalten wird, wie es die Normvorstellung des Christus beinhaltet. 
Ein anderes Phänomen: Da höre ich: "In der 89.Minute schoß Bayern das 1:0." Preisfrage: Was muß ich alles wissen, um diese Aussage verstehen zu können?  A) Daß es ein Satz über ein Ereignis in einem Fußballspiel ist, daß B) dies Spiel ein Gewinnspiel zwischen zwei Mannschaften ist, und daß C) der Sieg definiert ist mit der Norm, daß der als Sieger zählt, der mindestens ein Tor mehr als der Gegner geschossen hat.  Zudem sollte ich wissen, daß ein Fußballspiel 90Minuten dauert, um die Bedeutung, daß das Tor in der 89. fiel, zu verstehen. 
Was muß ich also alles wissen, um die Aussage: "Ich glaube, daß du, Jesus der Christus bist" verstehen zu können? Ganz gewiß erschließt sich mir dies zum Verstehen notwendige Wissen nicht in der persönlichen Begegnung mit Jesus! Seine Schüler, die, die ihm nachfolgten, wußten schon vor ihrer Begegnung, daß dem Volke Israel der Messias, der Christus verheißen war und was sie von ihm erwarten konnten. Wer bekannte: "Du bist der Messias, du bist der Christus", fand in Jesus das, was er schon vor der Begegnung wußte. Erkennen ist hier ein Wiedererkennen des Gesuchten im  Erkannten. "In dir erkenne ich die Größe, auf die ich immer schon gehofft habe, den Erlöser und auch meinen Erlöser."
Die Reduktion des katholischen Glaubens auf ein personalistisches: "Ich vertraue dir", entleert eben den Glauben, macht ihn inhaltslos gehaltlos. So soll der Gläubige vom Glauben der Kirche emanzipiert werden zu einem gehaltlosen Vertrauensglauben, der nicht mehr expliziert werden kann,was ich glaube und worauf ich hoffe.
Der Gewinn dieser kleinen Betrachtung: daß, wenn wir urteilen: "Ich vertraue dir", wir es mit einer Abbreviatur zu tuen haben, in der das Wesentliche, was ich denn glaube, als was ich dem "Dir" vertraue, nicht expliziert. Das als was ich da jemandem vertraue muß dann aus dem Kontext der Aussage erschlossen werden, sonst ist diese Aussage leer: Ich glaube, daß du ein treuer Ehemann bist, ein guter Mitarbeiter etc...oder ich vertraue darauf, daß du x,y, z bist.
 
     
        

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