Donnerstag, 28. Februar 2019

Zum Wert der Nachkommenschaft moraltheologisches Problem der Ehe

So steht es geschrieben: " Dieser Mann [Elkana ] hatte zwei Frauen, die eine hieß Anna, die andere Phenenna. Phennena hatte Söhne; Anna hatte aber keine Kinder:"(1.Samuel 1,2)Aber was macht der Kommentar der Vulgata (Die Heilige Schrift, mit dem Urtexte der Vulgata, 1903 Augustin Arndt daraus? Geben wir ihm das Wort:"Was Gott im A.T. der allgemeinen Sitte und dem rohen und sinnlichen Sinnes der Israeliten wegen erlaubte, um größeres Übel vorzubeugen."  (S. 623) Dazu verweist der Kommentar auf 1.Mose 16.2. Daß es in der Vorstellungswelt des AT eine allgemeine Sitte geben könnte, die für Juden verbindlich sein soll, die nicht auf Gott zurückführbar ist oder zumindest von ihm gewollt ist, ist ein Phantasmata dieses Kommentars. Es widerspricht elementar jedem religiösen Denken, daß es gewichtige Sitten geben könnte, die nicht durch Gott legitimiert sind. 
Wie kommt dann aber dieser jüdische Mann legitim zu 2 Frauen? Einem aufmerksamen Leser erschließt sich dies allein schon aus dieser Aussage: Die eine, die erste Frau Anna ist kinderlos und darum hat Elkana eine zweite, die ihm Kinder gebar.Die Mosestelle bestätigt diese Deutung: Sarai sprach zu ihrem Manne: "Siehe, der Herr hat mich verschlossen, daß ich nicht gebäre; gehe also zu meiner Magd ein, vielleicht erhalte ich doch noch Kinder." Die Sache ist eindeutig: Weil hier die Ehefrau keine Kinder bekommen kann, rät sie ihrem Mann, zu einer anderen Frau zu gehen, damit durch sie ihre Ehe nicht kinderlos bleibe. 
Das hat mit einem rohen und sinnlichen Sinn der Israeliten überhaupt nichts zu tuen, das ist tumpeste Polemik, sondern hier wird narrativ eine grundlegende moraltheologische Frage beantwortet:Was ist zu tuen, wenn eine Ehe kinderlos bleibt? Die Finalursache der Ehe ist der Kindernachwuchs. Was nun, wenn die Ordnung der Ehe, die eheliche Treue die Realisierung des Zweckes der Ehe verunmöglicht, da die Ehefrau keine Kinder bekommen kann? Ja, Gott selbst ist es ja, der die Empfängnis der Ehefrau verhindert. (Anbei: Es gibt keinen Anlaß dazu, das als bloße Einbildung der Ehefrau abzutuen:Gott ist eben der Geber des neuen Lebens, wie er auch der Verweigerer neuen Lebens sein kann.) Der Ehemann nimmt sich eine andere Frau, damit die Ehe nicht kinderlos bleibt und sie so ihren Zweck doch noch erfüllt.Die von der anderen Frau geborenen Kinder gelten dann aber als die Kinder der Ehefrau, nicht der Magd. Daß damit gravierende Probleme vorprogrammiert sind, ist offensichtlich: der zwischen der leiblichen Mutter, der ihr Kind aber nicht gehört und der Ehefrau, der das Nichtihrige als ihr Kind zugesprochen wird.  
2 Frauen heißt also, daß der Mann mit einer verheiratet war und daß er sich eine zweite dazunahm,damit seine Ehe nicht kinderlos bliebe. Durch den Vergleich mit dem im 1: Buch Mose Erzählten wird auch deutlich, daß die andere Frau nicht eine zweite Ehefrau ist. Es geht hier also nicht um einen Fall von Polygamie.  Das Besondere nun des Geschickes der Anna ist es nun, daß sie in den Söhnen der anderen Frau nicht ihre Kinder sah und daß die Andere diese Kinder als die ihrigen ansah. Dieser Konflikt löst sich erst, als Gott den Mutterschoß der Anna öffnete, sodaß auch sie empfangen konnte. 
Wie kann es aber dazu kommen, daß ein so klarer Sachverhalt in diesem Kommentar so völlig verkannt wird? Die wahrscheinlichste Erklärung: daß die moraltheologische Entscheidung, daß wenn eine Ehe kinderlos bleibt, es dem Ehemann erlaubt ist, mit einer anderen Frau ein Kind zu zeugen- außerehelich- damit der Zweck der Ehe so doch noch erfüllt werden  kann, als inakzeptabel verworfen wird. Es wird der rigoristische Standpunkt eingenommen, daß dann das Ehepaar ihre Kinderlosigkeit als Schicksal anzunehmen habe, denn auf keinen Fall darf der Ehemann dann außerehelich Kinder mit einer anderen Frau zeugen, auch wenn diese dann als Kinder der Ehe angesehen werden. Nur, für die biblische Moral gilt, daß der Zweck der Ehe höher einzuschätzen ist als die Ordnung der Ehe, die dem Zweck subordinert ist und darum auch teilweise übertreten werden darf, wenn so nur der Zweck der Ehe realisiert werden kann.  Der Gott Israels ist so sehr ein Gott des Lebens, daß er manchmal auch auf krummen Wegen für  den Fortgang des Lebens in Kindern sorgt.Aber  wie  sehr mißversteht der Kommentar hier Gott, der als Gott des Lebens  verkannt wird.   

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