„Hören, Nachfragen, Verstehen“ : die Zukunftsperspektive der Kirche1
Die Kirche hat zu hören, zuzuhören, aber nicht wie dogmatisch Verbildete nun darunter ein Hören auf das Wort Gottes verstehen, sondern auf die Wünsche ihrer Mitglieder und potentiellen Neukunden. Der Pastoraltheologe (= Marketingfachmann) Leo Karrer bringt das so auf den Punkt: „Zwischen gesellschaftlicher Marktsituation und Ursprungstreue zum Evangelium wird die Kirche einen die beiden Pole verbindenden Weg suchen müssen.“2
Zwei Momente sind dabei zu unterscheiden: Einerseits sollen die Anbieter auf ihre Kunden hören, um dann nachfrageorientiert die Angebote zu gestalten und daß andererseits die Kunden an der Hervorbringung der Angebote selbst beteiligt werden sollen, da sie so den Kundenwünschen auch gerechter werden würden.
Wahr ist, was der Kunde sich wünscht, oder was er selbst als ein kirchliches Angebot mitgestaltet hat und so ihm gefällig ist.
Im Religionsunterricht lautet demgemäß die Frage: „Wie wünscht Du Dir Deine Kirche?“ und „Was tun?“, damit sie so wird. (Allerdings scheint diese Konzeption unter den postmodernen Konsumenten nicht mehr sehr gut anzukommen, da sie, mißfällt ihnen ein Programm, lieber den Programmanbieter wechseln, als sich für eine Programmänderung zu engagieren.)
Was die Kirche zu tuen habe, ist so ihr nichts Vorgegebenes, sondern soll das Ergebnis dieses Zuhörens sein, denn der Kunde hat eben als ein König zu gelten. Nur: Ist die Kirche so wirklich auf dem Wege zu einer Marktwirtschaftskirche? Gesetz den Fall, eine Gruppe von LGBTQ-Aktivisten wünscht sich eine eigene Messe für sich, welcher fortschrittliche Pfarrer wäre nicht begeistert und sagte: „Ja!“ Gesetz den Fall, andere Christen wünschten sich pro Woche eine eucharistische Anbetungsstunde und regelmäßige Rosenkranzgebete, wären das dann nicht „Vorkonziliare“, deren reaktionären Bedürfnissen die Kirche nicht nachgehen dürfe.
Es drängt sich doch der Verdacht auf, daß nur dann die Kirche eine hörende sein soll, wenn die „Basis“ fortschrittliche Wünsche artikuliert, dagegen wäre es ein unverantwortlicher evangeliumswidriger Populismus, hörte sie auf conservative Stimmen.So ist es bezeichnend, daß der Pastoraltheologe gegen das Konzept einer „konfessorischen Kirche“ polemisiert3, da das ein fundamentalistisches sei und die feministische Theologie und die marxistische Befreiungstheologie als etwas Positives begrüßt, obschon fundamentalistische gut ankämen, aber eben reaktionär seien.
Die Kirche habe die Menschen auf ihren Wegen zu begleiten, von der Geburt und dem Begleitritus der Taufe bis zum Tode mit dem Begleitritus der Beerdigung. So habe auch die kirchliche Seelsorge den Menschen zu begleiten, auf all seinen Wegen und Irrwegen.
Nur, die Seelsorge war ursprünglich die Aufgabe der Seelenführung, ihr auf ihrem Wege zum Himmel zu führen, dazu ihr zu helfen. Jetzt begleitet sie nur noch ohne auf ein Ziel ausgerichtet zu sein, es sei denn der Begleitetwerdender äußert seine Zielvorstellungen.
Der Sohn Gottes gab seiner Kirche diesen Auftrag: „Darum gehet zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ Mt, 28, 19f.
Die Kirche sollte lehren! Es ist ihr eine Lehre vorgegeben. Das ist etwas anderes als daß sie primär zu hören hat, sondern sie hat in die Lehre Jesu Christi zu gehen, um dann seine Lehre zu lehren und Seelen an Hand von ihr zu führen!
1So titelt das Bistumsblatt Passau am 25.9.2026 , S.5 : das Konzept der Synodalität.
2Leo Karrer, Die Stunde der Laien, 1999, S.209.
3Leo Karrer, S.210.
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