Sonntag, 21. November 2021

Die Kirche hat dazugelernt im Umgang mit den Mächtigen der Welt


Einst erklärte Johannes, der Täufer, daß der König Herodes eine illegitime Ehe führe, das führte zu seiner Verhaftung und Enthauptung: Er wird zwar nun als Märtyrer geehrt, aber unklug war sein Verhalten doch, denn er hätte doch, ein wenig „sensibler“ für die Liebe des Königs auf diese Verurteilung dieser Ehe verzichtend länger als Umkehrprediger wirken können.

Warum gibt es die Anglikanische Kirche als einer Abspaltung von der Katholischen? Weil die Kirche in Folge einer conservativen Ehelehre dem König Eheschließungen untersagen wollte. Da gründete er seine eigene Kirche, die dann all sein Tuen absegnete: Gott sei immer mit ihm.

Nun bahnte sich ein vergleichbarer Konflikt an: Der neue Präsident der USA will nun Schritt für Schritt alle von seinem Vorgänger erlassenen Maßnahmen zur Eindämmung der Tötung von Kindern im Mutterleibe zurücknehmen. Bischöfe Amerikas erwogen nun ernsthaft die Frage, ob diesem Präsidenten so die Kommunion noch gespendet werden dürfe, da er öffentlich so engagiert in Wort und Tat für das vermeintliche Menschenrecht auf eine Kindestötung im Mutterleibe sich einsetzt. Rom setzte klare Zeichen. Spätestens nachdem Papst Franziskus in einer Privataudienz dem amerikanischen Präsidenten sagte, daß er ein guter Katholik sei und die hl Kommunion so empfangen durfte, war das Thema, darf dieser Präsident die Kommunion empfangen, vom Tisch.

Aber Papst Franziskus hatte doch vor dem sich energisch gegen den US-Präsidenten Trump ausgesprochen? Widerspricht das nicht dem Eindruck, daß die Kirche sich stets nach den Mächtigen der Welt ausrichte? Auf den ersten Blick schon, aber Trump war eben ein nichtakzeptabler Präsident, einer der nur durch eine Fehlwahl der amerikanischen Bürger Präsident werden konnte und der so von allen Etablierten nicht nur der USA bekämpft wurde.

Kath de, die quasi offizielle Stimme der Deutschen Bischöfe jubelierte angesichts dieser Verbeugung vor der Macht des jetzigen richtigen US- Präsidenten in den höchsten Tönen: „Die Bischöfe, Joe Biden und die heilige Kommunion“ (20.11. 2021):

Dessen mussten sich auch die Bischöfe in den USA klargeworden sein. Hätten sie sich in diesem Dokument regulativ gegenüber Politikern geäußert, hätten sie sich politisch in eine Sackgasse manövriert – und letztlich ihrer eigenen Stellung und Autorität geschadet. Mit dem Ausschluss von Joe Biden wäre zudem womöglich einer breiteren religionspolitischen "Denunziation" Tür und Tor geöffnet worden. Sprich: Wenn ein katholischer Politiker nicht vollends die Linie Roms vertritt, braucht er nur vor seinem Bischof angeprangert werden und mit seiner Karriere ist es aus.

Die Kirche dürfe sich nicht in eine Sackgasse manövrieren. Das täte sie aber, wenn sie so energisch die „liberale“ Abtreibungspolitik der jetzigen Regierung kritisieren würde. Zudem müsse die Kirche katholische Politiker, die nicht im Einklang mit der Kirche in politischen Fragen sich befänden,vor „Denunziationen“ schützen. Ein Bischof habe nicht das Recht, von einem katholischen Politiker eine Übereinstimmung seiner Politik mit der Lehre der Kirche einzufordern.

Aber warum durfte dann Papst Franziskus so eindeutig sich gegen den vorherigen US-Präsidenten positionieren? Hat sich denn damit auch die Kirche ins Abseits manövriert? Mitnichten, damit positionierte sie sich um im Bilde des Fußballes zu verbleiben, nicht ins Abseits sondern in die Sturmspitze der politisch korrekten Kampagne wider diesen Falschpräsidenten. Abstrakter formuliert: Es ist mehr als akzeptabel, ja sogar gut, wenn ein katholischer Politiker, wenn er politisch Korrektes vertritt, was nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmt, dann am politisch Korrektem festhält und katholische Bischöfe dürfen ihn deshalb nicht kritisieren. Kritisiert werden muß dagegen jeder katholische Politiker,wenn er politisch Inkorrektes vertritt.

Ins politische Abseits bewegt sich so gesehen nur dann die Kirche, wenn sie politisch inkorrekt sich äußert. Die Kirche hat so gelernt: Sie hätte Herodes nicht seine illegitime Ehe zum Vorwurf gemacht, sie hätte dem englischen König so viel Ehen mit wem auch immer, erlaubt.Der Erfolg hätte ihr doch Recht gegeben.



 

Samstag, 20. November 2021

Kunst- nur noch Unterhaltung? Ein Fragment

Kunst- nur noch Unterhaltung?


Kunstwerke begeben sich hinaus aus der empirischen Welt und bringen eine dieser entgegengesetzte eigenen Wesens hervor, so als ob auch dieses ein Seiendes wäre.“ Darauf wird kritisch geurteilt:“Damit tendieren sie a priori, mögen sie noch so tragisch sich aufführen, zur Affirmation.“ So Theodor Adorno in seiner „Ästhetischen Theorie“, stw S.10.

Diese affirmative Tendenz soll nicht sein -ein Urteil eines der bedeutendsten Vertreter der „Kritischen Theorie“, das nicht verwundert aber doch die Frage ihrer Begründung aufwirft. Damit ist aber auch schon ein wesentliches Problem dieser Theoriekonzeption angesprochen. Nahe läge nun ein Versuch, diese Kritik in einen Beziehung zu setzen mit der marxistischen Religionskritik, daß der Opiumcharakter der Religion, indem sie die Gläubigen zu einem imaginären Glück verhilft, sie davon abhalte, das real mögliche revolutionär, zu erwirken und sich stattdessen mit der Tristesse der Wirklichkeit, in der es kein Glück geben kann, zufrieden geben.

Aber jetzt soll das Augenmerk auf das Vorherige kapriziert werden. Das Kunstwerk sei eine künstliche der Wirklichkeit entgegen-gesetzte Welt. Diese soll aber nun nicht selbst ein „Seiendes“ sein,sondern nur etwas... ja was denn? Es könnte nun leicht dieser Einwand erhoben werden: Ein Landschaftsgemälde gäbe doch eine Landschaft wieder, und ein so realistischer Roman wie „Verlorene Illusionen“ von Balzac das Leben seiner Zeit. Es gäbe zugegebenermaßen auch ungegenständliche Malerei und Romane wie die von Lovecraft, die nichts Wirkliches wiedergäben, das sei aber doch so nicht die Regel. Diesem recht plausibel klingenden Argument könnte aber (das ist ein Konjunktiv des Zweifels“)entgegengesetzt werden, daß in Kunstwerken, die etwas Wirkliches widerspiegeln, dies Wirkliche nur der Rohstoff ist, der dann zu einem Kunstwerk verarbeitet wird, sodaß das Produkt der künstlerischen Arbeit tatsächlich etwas dem Wirklichen Entgegengesetztes ist. Ein Maler malt nicht etwas einfach ab, sondern er produziert etwas. So sind die Portraits junger Frauen von Renoir nicht realistische Wiedergaben der ihm Modell gestanden habenden Frauen, sondern Meditationen über die Vergänglichkeit der Schönheit, die diesen Bildern ihre so melancholische Ausstrahlung verleihen.

Ist das Kunstwerk nun in seiner reinen Objektivität schon eine solche Kunstwelt, der wirklichen gegenüber stehend oder wird es erst durch den Kunst Rezipierenden dazu? Eine schwer zu respondiernde Frage, auch wenn es nahe liegt zu urteilen, daß erst durch den Gebrauch ein Kunstwerk verlebendigt wird und so erst zu einer Kunstwelt etwa dem Leser wird. So ist ein Rom erstmal nur ein Gebilde bestehend aus vielen ein Ganzes bildender Sätze, aber erst im Lesen wird daraus eine Geschichte, weil das Lesen ein Verarbeiten des Textes ist.

Eine wesentliche Frage wird Adorno nun gleich am Anfang seiner „Ästhetik“ auf, die nach der Funktion der Kunst. Er konstatiert, daß sich die Kunst emanzipiert habe von einem Sein für etwas. Sie hat ihr Wesen nicht mehr in ihrer Funktion für einen religiösen Kult, auch wenn das wohl ihr Ursprung war und sie fungiert auch nicht mehr als Medium der Aufklärung: Sie ist autonom geworden. Das sei „irrevokabel“. (S.9) Aber dafür zahlt sie nun auch ihren Preis: “Zur Selbstverständlichkeit wurde, daß nichts, was die Kunst betrifft, mehr selbstverständlich ist, weder in ihr noch in ihrem Verhältnis zum Ganzen, nicht einmal ihr Existenzrecht.“ So präludiert Adorno seine Ästhetik, und evoziert dabei die Befürchtung, daß das auch das Resümee dieser Ästhetik sein dürfte.

Ein banaler Ausweg scheint der der Subsumierung der Kunst unter den Begriff der Unterhaltung zu bieten. Kunst sei eben doch nur ein Medium zur Unterhaltung, wobei dann eben die Geschmäcker verschieden seien, sodaß einige mehr die Popmusik lieben, andere die Klassik, aber das seien alles nur Binnendifferenzierungen im Raume der Unterhaltungskultur. Daß Kunst etwas anderes sei als ein Mittel zur Unterhaltung, darauf insistiert Adornos Ästhetik, aber gelingt ihm das auch oder manifestiert sich in dieser Ästhetik denn doch nur die tiefe Abneigung gegen alle populäre Kunst im Namen einer wahren, über die nur noch letztlich gesagt werden kann, daß sie nichtkommerziell sein darf.


 

Freitag, 19. November 2021

„Theologie wird Anthropologie“- oder zur anthropozentristischen Wende der Kirche

Theologie wird Anthropologie“- oder zur anthropozentristischen Wende der Kirche


Seit dem Konzil steht auch in der Kirche der Mensch im Mittel-punkt, nicht mehr Gott. Das zeigt auch die neue Messe: Wo früher der Tabernakel stand, steht heute der Gemeinde-Vorsteher.“ So urteilt W.J. Mertensacker, Treue. Deutschlands Wesen und Ehre. Ein Plädoyer für Deutschland, S.98. Als weitere Konsequenz dieses Stellungswechsel heißt es dann, daß aus der Theologie eine Anthropologie wird. (S.98)

In dem Tabernakel knüpft die katholische Liturgie an die Tradition des Begegnungszeltes des „Alten Bundes“ an, dem Ort der Gegenwart Gottes, wo Mose sich mit Gott besprach. Wie im „Alten Bund“ Gott seinen Namen im Jerusalemer Tempel wohnen ließ, damit er da ansprechbar und kultisch verehrbar war, so nimmt im „Neuen Bund“ diese Rolle der Tabernakel ein.

Der Priester ist nun als Pontifax der Brückenbauer zwischen dem im Tabernakel gegenwärtigen Gott und der Gemeinde. Vom Tabenakel hin zur Gemeinde wendet er sich, wenn er von Gott her zur Gemeinde hin vermittelt, wenn er aber von der Gemeinde her sich zum Tabernakel wendet, dann vermittelt er zu Gott hin. Das Meßopfer bringt er Gott dar, deshalb wendet er sich gerade bei der Elevation zum Tabernakel, aber wenn er dann sich zum Volke hinwendet, dann teilt er das Sakrament des Altares den Gläubigen aus. So steht der Priester in der „Alten Messe“ nie im Zentrum, sondern er fungiert immer nur als Vermittler zwischen Oben und Unten. Diese Horizontalität manifestiert sich dann auch im inneren Aufbau der Kirche. Der Hochaltar steht auf einem erhöhten Boden, von dem der Versammlungsraum der Kirche, niedriger gelegt durch eine Chor- und Kommunionbank abgetrennt ist. Der Priester steigt empor zum präsenten Gott im Tabernakel des Hochaltares und steigt hinab von dort,wenn er sich dem Volke zuwendet. So gliedert sich auch der Innenraum der Kirche auf in den allerheiligsten Raum,dem vor dem Hochaltar und dem heiligen der sich da versammelnden Gemeinde. So konstituiert sich der heilige Raum der Kirche nicht nur durch seine Differenz zur profanen Welt, dem Außerhalb der Kirchenmauern sondern auch intern durch diese Differenzierung. Die ganze Ordnung der hl. Messe ist so theozentrisch durchgestaltet.

Diese vorkonziliare Ordnung wird nun konfundiert durch die „Neue Messe“. In ihr steht nun wirklich der Pfarrer im Zentrum, der stets zur Gemeinde hin gewandt agiert. Er sagt, daß er zu Gott bete, aber seine Körperhaltung dementiert dies, da er die theoretisch an Gott gesprochenen Gebete praktisch zu seinen Zuhörern spricht. Das eingeschaltete Mikrophon sagt alles, denn in ihm manifestiert sich die Sorge der Kirche, daß auch jeder der Gemeinde das Gebet gut hören kann. Beim Reformator Calvin findet sich schon als Begründung für die Nutzung der Volkssprache für die Gebete in dem Gottesdienst, daß sonst die Gemeinde das Gebete ja nicht verstünde. Es ist dann keine überspitzte Polemik, wenn geschlußfolgert wird, daß der faktische Hörer des Gebetes, die Gemeinde dann auch zum Erhörer der Gebete werden soll. Aus dem Gebet, Gott stehe den Kranken bei, wird so der Appell: Kümmert Euch um Eure Kranken!

Aber diese Anthropologisierung erwirkt auch weitere Folgen für die Theologie im engeren Sinne, für die Gotteslehre. Aus dem Gott, wie ihn die hl. Schrift bezeugt und die Kirche lehrt wird ein Gott nach Menschengeschmack. Hierfür ist Papst Franziskus selbst der beste Beleg.Jesus Christus lehrte uns im „Vaterunser“ wörtlicher als gewohnt übersetzt: Und trage uns nicht in Versuchungen“, aber dem Papst mißfällt die darin enthaltende Gottesvorstellung, daß Gott uns in Versuchungen führen könnte und er will so dies Gebet ändern, meinend, daß es wohl vielen Menschen mißfalle. Gott habe eben so zu sein,wie wir Menschen ihn uns wünschen. Darum widerspricht dieser Papst auch Gott, der die Todesstrafe für schwere Verbrechen einfordert um der Gerechtigkeit willen. Einem humanistischem Anthropologismus ist eben die Todesstrafe etwas Inhumanes .Selbst Gott muß so veranthropologisert werden, er darf nicht mehr so sein, wie er ist, er muß eben unseren menschlichen Wünschen unterworfen werden.

Nach Mertensacker sind die heutigen Predigten nur noch unendliche Variationen des: „Seid nett zueinander und haltet Frieden.“ (S.989 Als Begründung dafür kann dann wohl noch die Aussage: „Weil Gott uns alle liebt“, herangezogen werden, aber auf sie könnte auch verzichtet werden, wenn doch nur noch ein Humanismus gepredigt wird. Dem entspricht es dann auch, daß nicht mehr von der Predigtkanzel herab, also von Oben gepredigt wird zum Volke nach unten, sondern daß dies horizontale Gefälle ersetzt wird durch ein vertikales auf (fast) gleicher Höhe. Der Pfarrer als einer aus der Gemeinde spricht zu den Anderen der Gemeinde. Alle sind Gott eben gleich nahe (oder auch gleich fern) und so vermittelt die Predigt auch nicht mehr zwischen Oben und Unten, zwischen Himmel und Erde, sondern ist eben die Darlegung des persönlichen Glaubens des Pfarrers zur Anregung des Glaubens seiner Hörer.

So wird auch Papst Franziskus Kampf wider die „Alte Messe“ verständlich, denn für ihn ist dieser Anthropozentrismus der nachkonziliaren Kirche irrevokabel und darf so nicht durch eine weitere Zelebration der theozentrischen „Alten Messe“ in Frage gestellt werden .



 

Donnerstag, 18. November 2021

Treue und Partnerschaft – eine Qualität, die homosexuelle eine Partnerschaft legitimiert?

Treue und Partnerschaft – eine Qualität, die homosexuelle eine Partnerschaft legitimiert?


Im Diskurs zur Causa der Bewertung und des Umganges mit in homosexuellen Partnerschaften Lebender wird oft das Argument eingebracht, daß solche Partnerschaften, wenn in ihnen Treue und Partnerschaft gelebt würde, sie dadurch moralisch legitimiert würden und sie auch zu segnen seien durch die Kirche. So würden da zwar Menschen nicht wie in einer Ehe zusammenleben, aber doch eheänlich ob dieser darin gelebten Tugenden und das legitimiere die Segnung ihrer Beziehung. Es muß hierbei klar distinguiert werden zwischen der Segnung eines Homosexuellen und der Segnung einer homosexuellen Beziehung. In der aktuellen Debatte geht es um Letzteres, sodaß das Argument, eine Verweigerung der Segnung einer so gearteten Beziehung sei eine Mißachtung der homosexuellen Person, nicht zutrifft, denn nur die Beziehung wird nicht gesegnet, so die jetzige kirchliche Praxis, was aber eine Segnung eines Homosexuellen nicht ausschließt.

Ist also die gelebte Treue eine Tugend, durch die eine homosexuelle Partnerschaft zu einer durch die Kirche zu segnenden Partnerschaft qualifiziert wird?

Diese Frage verweist auf die Problematik der sogenannten Sekundärtugenden. Wenn Mut eine Tugend ist, ist dann der mutig vorgehende Einbrecher, der sich von einem Wachhund nicht von seinem Einbruchsvorhaben abhalten läßt, ein tugendhaft Handelnder, und ein klug und besonnen seine Ehefrau Tötender etwa tugendhaft im Vergleich zu einem Ehemann, der seine Frau beim Ehebruch erwischend im Affekt tötet?

Stellen wir uns diese Situation vor: Ein Mafiamitglied wírd beerdigt und in einer Ansprache am Grabe hieße es: „Stets hat er treu unserer „Familie“ gedient, alle Aufträge gewissenhaft ausgeführt, er war stets kollegial und verläßlich.“ Ist er also ein moralisch guter Mensch gewesen angesichts so vieler praktizierter Tugenden?

Mitnichten, muß hier geurteilt werden. Wenn das Ganze nicht etwas moralisch Legitimes ist, dann kann ein „tugendhaftes“ Verhalten in ihm auch nichts Tugendhaftes sein. In einer Räuberbande ist die praktizierte Kammerradschaft eben nichts Positives. Wenn das Ganze aber etwas Gutes ist, wie etwa die Ordnung der Ehe, dann ist auch die in ihr gelebte Treue etwas Gutes und Tugendhaftes. Wer täglich seine „Treue“ zur Schnapsflasche lebt, indem er täglich mehrere austrinkt, lebt treu aber nicht gut.

Kann nun eine homosexuelle Partnerschaft etwas moralisch Gutes sein, sodaß die in ihr praktizierte Treue etwas Gutes ist. Jetzt kommt es auf die Näherbestimmung der Partnerschaft an. Stellen wir uns zwei homosexuelle Rechtsanwälte vor, die eine Bureaugemeinschaft bilden wollen und die Segnung ihres gemeinsamen Bureaus und ihrer Rechtsanwaltskanzlei wünschen. Gegen eine solche Segnung spräche nichts eingedenk des Glaubens, daß kein menschliches Arbeiten ohne Gottes Segen Frucht bringt. Anders sieht es aber aus, wenn eine sexuelle Partnerschaft zweier Homosexueller gesegnet werden soll. Die kann nicht gesegnet werden, weil eine Fruchtbarkeit dieser Beziehung ausgeschlossen ist, sie können keine Kinder bekommen, und weil die praktizierte Homosexualität als Sünde von der Kirche beurteilt wird. Eine Partnerschaft, die in sich also nicht moralisch legitim ist, kann eben nicht ob der in ihr gelebten Tugenden doch gesegnet werden. Einfach veranschaulicht: Ein mutig vorgehender Einbrecher ist kein tugendhaft Handelnder, auch wenn der Mut eine Tugend ist.


 

Mittwoch, 17. November 2021

Eine – Welt- Konzepte oder der Wille zur Weltbeherrschung

(Es gibt nichts Neues unter der Sonne- Globalisten gestern und heute)


Der König Antiochus wußte, was er wollte: „Damals schrieb der König seinem ganzen Reich vor, alle sollten zu einem einzigen Volke werden und jeder soll seine Eigenart aufgeben.“ (1. Makkabäer, 1,41f) Er war erfolgreich, denn es heißt dann, daß alle Völker sich so ihm unterwarfen (V 42), aber doch nicht alle: Die jüdischen Freiheitskämpfer, die Makkabäer unterwarfen sich nicht. Die 2 Makkabäerbücher, von dem Reformator Luther aus dem Kanon exkommuniziert, erzählen dann von diesem heroischen Freiheitskampf dieser frommen Juden.

Der König ließ Jerusalem erobern: Die Städter flohen „und Ausländer zogen in die Stadt hinein.Ihren eigenen Kindern wurde die Stadt fremd und ihre Söhne verließen sie.“ (V 38) Das Konzept der Auflösung ethnisch homogener Bevölkerungen durch die Ansiedlung von Fremden, war schon diesem König vertraut, um so eine Masse von Beherrschten zu erschaffen. Die Entindividualisierung der von ihm beherrschten Völker sollte so erwirkt werden:“Der König schickte Boten nach Jerusalem und in die Städte Judäas mit der schriftlichen Anordnung, man solle eine Lebensform übernehmen, die dem Lande fremd war.“ (V.44)

Diese Anweisung fiel auf einen fruchtbaren Boden, denn es gab in dem israelischen Volke viele, die ihre eigene Identität aufgeben wollten: „Zu dieser Zeit traten Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele zum Abfall überredeten. Sie sagten: Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben, denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht.“ Das „Gesetz“ steht hier für die völkische Identität des jüdischen Volkes, das indem es daran festhielt, sich von allen anderen Völkern mit ihrer jeweiligen Identität abgrenzten. (W. Stapel versuchte durch seine Konzeption des Volksnomos die Identität der Völker zu begreifen, daß jedem Volke ein eigenes göttlichen Gesetz gegeben sei, das es zu verwirklichen habe, eine Aktualisierung findet sich in: Werner J. Mertensacker: „Die Treue. Deutschlands Wesen und Ehre.“ )

Wir wollen doch auch dazugehören und uns so nicht abgrenzen von den Anderen – die Stimme des Herdentriebes spricht hier, denn Dazugehören, nicht außerhalb der Herde leben, hat sich evolutionär als effektives Überlebenskonzept erwiesen.

Jedes Bewahren der eigenen Identität setzt eben auch eine Grenze zu den anderen Volkstümern: Wir sind nicht wie ihr und ihr nicht wie wir! Genau das wollte dieser König überwinden: Alle sollten nach einem Gesetz uniformiert leben.

Deshalb galt es, ethnische Homogenitäten aufzulösen durch die Ansiedlung von Fremden und durch die Unterwerfung aller Völker unter ein Gesetz. Ein in sich stringentes Konzept, das aber scheiterte an der Willenskraft der Getreuen, die nach ihrem Gesetz und nicht nach dem allen Völkern aufdoktriertem.

Der Wille zu einem Reich, in dem alle Völker entindividualisiert unter einem Gesetz leben, findet nun eine Neuauflage in dem Projekt der einen neuen Weltordnung, daß nun alle unter das Gesetz der freien Marktwirtschaft zu stellen seien, sodaß so alle völkischen Identitäten aufzulösen sind. Die Auflösung ethnischer Homogenitäten durch massenweise Einwanderung und die Unterwerfung aller Bereiche des Lebens unter das Gesetz des freien Marktes soll so diese Einheitswelt hervorbringen.

Aber solcher Machtwille provoziert wie einst zu den Zeiten der Makkabäer Widerstände. Momentan scheint das aufblühende China die stärkste Widerstandskraft wider diese Globalisierung zu sein, aber auch in Afghanistan erlitt dies Konzept eine Niederlage. Solche Weltberrschungsprojekte sind nun einmal nur politische Vorhaben, von denen nicht zu sagen ist, daß sie auch wie geplant gelingen.

Aber eines kann dabei nicht übersehen werden: Unter Papst Franziskus ist die Katholische Kirche zu einem der energischten Befürwortern dieses neuen Weltbeherrschungsvorhabens geworden, wofür auch die Identität des Katholischen aufgeopfert werden soll.



 

Dienstag, 16. November 2021

Zur Ökohysterie – ein paar Anmerkungen

Zur Ökohysterie – ein paar Anmerkungen


Nachrichten werden als Waren produziert, das heißt, daß ihr Verkaufswert bestimmend ist. Naiv ist die Vorstellung, daß die Nachrichten eben Wirklichkeiten so wiedergäben, wie sie sind. Zur Veranschaulichung: Auf dem Flughafen X landen und starten jährlich circa 25.000 Passagierflugzeuge. Das ist keine Nachricht, höchstens interessiert das Statistiker. Dann stürzt ein Flugzeug ab, alle Insassen verbrennen in ihm. Das ist eine Nachricht,die, wenn dies Unglück sich in Deutschland ereignet hätte, in allen unseren Medien auf Seite 1 stünde.

Warum? Weil nur schlechte Nachrichten „gute“ sind, das heißt, Nachrichten die massenhaft gelesen werden. Wenn Verschiedene Nachrichten anbieten, untereinander konkurrierend, gilt es, schlechtere Nachrichten als die Mitbewerber auf den Markt zu bringen. Nehmen wir an, in der Zeitung A stünde: Viele Postboten werden von Hunden gebissen, wer läste diesen Bericht noch, stünde wo anders: „Postbote biß Schäferhund tot“? Ein alarmistischer Tonfall: Kurz vor dem Weltuntergang!, ist so eben die Auflage oder die Einschaltquoten steigernd. Die bestimmen aber, wie viel Kunden für Werbeinserate in dem Medium zu zahlen haben.

Nachrichten werden also so produziert, daß sie bei den Empfängern gut ankommen. Da ist die Tendenz eindeutig: Nur schlechte Nachrichten sind gute.

Christen unterhalten sich über ihre Gemeindepfarrer. Einer lobt den Pfarrer X, daß er so gut predige und die Liturgie so schön zelebriere. Wie lange wird aufmerksam dieser Laudatio zugehört? Aber wenn dann diese Lobrede drastisch unterbrochen wird durch die Bemerkung, der Pfarrer habe eine Geliebte, dann sind alle wieder voll dabei: Was, wie,mit wem? Nichts langweilt so wie eine Laudatio, nichts begeistert so wie Tratsch! Hat Prinzessin X und der Star Y neue Liebschaften, entzückt Heerscharen von Lesern.

Dies allgemeine Produktionsgesetz für Nachrichten gilt somit auch für alle Nachrichten über die „Klimakatastrophe“und sonstige Ökohorrormeldungen. Die heutige Katastrophenmeldung muß immer die gestrige noch überbieten, um noch Interesse an ihr zu erwecken. Der „Wachturm“ der Zeugen Jehovas verkennt dies Gesetz der Steigerung und so langweilt seine ewig gleich tönende Weltuntergangsverkündigung. Ökokatastrophenmedien sind da eben kreativer.

Die Welt, in der wir leben, ist nicht (mehr) die Realwelt sondern das Bild von ihr in den Medien. Die Realwelt verschwindet in dem Meer der medialen Weltkonstruktionen. Ein einfacher unmittelbarer Zugang zum Realen wird so faktisch verunmöglicht, weil das Selbsterlebte durch die durch die Medien vorgegebenen Deutungsmuster erst zu einer Erfahrung, zu einer Wahrnehmung des Subjektes wird. Denn jede Erfahrung, jede Wahrnehmung ist ein Produkt der Verarbeitung von den eigenen Sinneswahrnehmungen und nichts Unmittelbares.

Auch produzieren die Wissenschaften ihre Erkenntnisse nach den Gesetzen des freien Marktes. Nicht mehr wird so der wissen-schaftliche Diskurs durch die Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ reguliert, sondern der Marktwert einer Erkenntnis macht sie zu einer „wahren“= gute Ware. So würde jede Biologe gesteinigt, erklärte er, so wie nicht sehen könnende Augen etwas Naturwidriges sind, so sei auch eine angeborene Homosexualität naturwidrig, da der Zweck der Sexualität die Fortpflanzung sei. Da diese Erkenntnis politisch korrekt mit Sanktionen geahndet wird, sagt das kein Biologe mehr:Diese Erkenntnis hat eben einen Negativwert, auch wenn sie wahr ist.

Wenn also wissenschaftliche Erkenntnisse nach den Gesetzen des Marktes produziert werden, darf an ihrem Wahrheitsgehalt gezweifelt werden. So hatte die Geschichtswissenschaft der DDR nachzuweisen,daß die Partei, die Partei immer Recht hatte- so wurde es auch gesungen- während die westliche nachzuweisen hat, daß die denkbar beste aller Staatsformen die der westlichen Demokratie sei. Im Prinzip gilt das so auch für den naturwissenschaftlichen Diskurs.

Was ist dann aber wahr? Genau das ist nun das Problem. So klar auch die Produktionsbedingungen von Nachrichten und wissenschaftlichen Erkenntnissen rekonstruiert werden können, damit ist noch lange nicht geklärt, was denn nun wahr sei. Ein naiver Subjektivismus: „Die Welt ist, so wie ich sie sehe!“ ist selbstredend kein Ausweg.

Es darf aber der Verdacht geäußert werden, daß die Klimakatastrophenhysterie mehr ein Produkt der Medien und der daran Verdienenden ist als ein reales Ereignis.

 

Montag, 15. November 2021

Bedenkliches – antiliberale Gedanken

Bedenkliches – antiliberale Gedanken


Ein Dialog aus einem Zukunftsroman:

Dann werde ich nicht mehr leben.“

Das ist wahr, aber es ist auch bedeutungslos, denn jedes Wesen lebt in seinem Volk fort.“

Im Jahre 1972 konnte das W.Voltz in dem Roman: „Ein Mutant verschwindet“, Perry Rhodan Nr. 576, S.49 schreiben – wäre dieser Dialog noch in einem Roman des Jahres 2021 schreibbar? Diese Antwort gibt nun dem Leser zu denken, denn wie ist sie zu verstehen. Die Frage, ob diese Aussage wahr sei, soll erstmal ausgeklammert werden, denn wie sollte eine Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden können, wenn sie nicht zuvor verstanden worden ist.

Wahr soll einerseits die Aussage sein, daß er nicht mehr lebt und zugleich soll wahr sein, daß er in seinem Volke fortlebt. Wie ist es denkbar, daß beide Aussagen wahr sein könnten, unabhängig davon, ob sie wirklich wahr sind? Zwischen dem Leben vor dem Tode und dem Fortleben nach dem Tode im eigenen Volke muß also irgendeine Differenz bestehen. Die simpelste Erklärung wäre wohl diese, daß dies Fortleben als ein Erinnertwerden im Volke interpretiert würde. „In meinem Herzen wohnt mein verstorbener Mann weiter“, kann etwa eine Witwe sagen. Es ist aber fraglich ob ein Erinnertwerden, wer denkt an mich auch nach meinem Tode, als ein Fortleben von mir zu qualifizieren ist. Diese Skepsis gilt auch gegenüber Äußerungen in Beerdigungsansprachen, wenn es da heißt, daß der Verstorbene in Gott, in Gottes Erinnern weiterlebt.

Für jedes liberale Denken ist so die Vorstellung eines Fortlebens von Verstorbenen in dem eigenen Volke unvorstellbar, wenn diese Vorstellung nicht als ein bloßes, daß man sich an den Verstorbenen weiter erinnert, gedacht wird. Denn es gibt in dieser Ideologie nur den Einzelmenschen, der zwar soziale Kontakte unterhält, am liebsten Kaufverträge, aber keine Kollektiventitäten, wie etwa ein Volk. Wenn aber ein Volk mehr ist oder etwas ganz anderes als die Summe der Einzelbeziehungen, dann könnte es in diesem Subjekt Volk auch ein Weiterleben des einzelnen Verstorbenen geben.

Man spricht gern von einem Mannschaftsgeist, einer Stimmung in einem Betrieb. Zur Veranschaulichung: Ein Fußballspielreporter: Die Mannschaft hat sich aufgegeben, jetzt wo sie 0:3 zurückliegt, sie glaubt nicht mehr an eine Wende, daß das Spiel noch umdrehbar ist. Einen neuen Spieler bringt der Trainer, aber kaum auf dem Spielfelde, bewegt er sich genauso wie die von Anfang an spielten: Die Stimmung der Mannschaft steckte ihn an, er wurde hineingenommen in diese resignative Mannschaftsstimmung. So eine Stimmung ist nun nicht einfach die Summe aller Einzelgestimmtheiten der Spieler, sondern etwas Transindividuelles, das doch nur in den Einzelspielern existiert als doch vom Einzelnen Verschiedenes.

Könnte es dann soetwas wie einen Volksgeist geben, der zwar nur in den Volkszugehörigen existiert, aber doch etwas von unserer individuellen Seele Verschiedenes? Lebte ein Verstorbener in so einem Volksgeist weiter, wäre er wirklich zwar verstorben, wäre aber als Seele eben doch noch in seinem Volke lebendig. Könnte es also ähnlich wie einen Mannschaftsgeist auch einen Volksgeist geben? Herder wird der Ausspruch zugeschrieben, daß die Völker Gedanken Gottes seien. Wäre es denkbar, daß ein Volk so auch mit einem Volksgeist ausgestattet erschaffen worden ist als einer Kollektividentität, aus der kein verstorbener Volkszugehöriger herausfällt?

Diese scheinbar so einfache Aussage stellt doch, wenn verstanden werden will, was da gelesen worden ist, uns vor beachtliche Denkprobleme. Es gibt keinen zwingenden Grund, hierbei der Ideologie des Liberalismus, fussend in dem Nominalismus zu folgen. Ein realistisches Denken wird stattdessen dem Begriff des Volkes ein reales Sein zusprechen und es nicht einfach entsubstantialiseren mit der These, so ein Begriff wäre nur ein Gedankending, das sich einer Abstraktion von vielen Menschen mit Ähnlichkeiten verdanke. Wenn aber das Volk eine Realie ist, die sein Begriff adäquat ausdrückt, dann ist auch ein Volksgeist denkbar, der sich vielleicht in den Gliedern eines Volkes individuiert, aber doch dabei ein Geist bleibt, in dem alle Glieder eines Volkes, auch die verstorbenen sind.

Das ist nun ein recht spekulativ daherkommender Gedankengang, aber ohne einen solchen scheint mir das in diesem Roman Ausgesagte nicht verstehbar zu sein. Ob er aber auch wahr ist, das steht und fällt wohl mit der Frage, ob trotz der Vormachtstellung eines nominalistischen Denkens einem begriffsrealistischen noch ein Wahrheitsgehalt zuschreibbar ist.