Dienstag, 7. Dezember 2021

Die heutigen Volkskirchen: Kirchen ohne Glauben?

 

Die heutigen Volkskirchen: Kirchen ohne Glauben?


>Kultur< ist der Name für all diese Dinge,die wir praktizieren,ohne tatsächlich an sie zu glauben,ohne sie wirklich ernst zu nehmen. Daher lehnen wir Fundamen-talisten als >Barbaren< ab,als antikulturell, als Bedrohung der Kultur – sie wagen es, ihren Glauben ernst zu nehmen.“ Slavoj Zizek, Lacan.Eine Einführung, S.45.Der Gedanke liegt nahe, die Kultur als das Produkt säkularisierter Religion zu verstehen. Die Kunst emanzipierte sich eben aus ihrer Dienstfuktion für den Kult, der Gottesverehrung, erlangte so ihre Autonomie (so auch Adorno in seiner Ästhetik), aber so wurde sie auch ihres Gehaltes beraubt: Wozu ist sie nun noch da? Dies Nicht mehr an die Kultur Glauben könnte dann auch begriffen werden als eine Deeskalationsstrategie. Wenn verschiedene mit einander nicht kompatible Wahrheitsansprüche aufeinander treffen, erzeugt dies ein hohes Konfliktpotential. Wenn dagegen die Differenzen zwischen den verschiedenen Kulturen als nicht mehr so gewichtig angesehen werden, weil keiner mehr ernsthaft an die Wahrheit seiner eigenen glaubt, dann wäre das eine Grundvoraussetzung der Erschaffung einer multikulturell strukturierten Einheitswelt.

Wie in einem Buchgeschäft die Bibel neben dem Koran und atheistischen Schriften eines Ludwig Feuerbaches zum Ankauf friedlich nebeneinander ausliegen, wie neben Werken Thomas Mann pornographische Literatur gestellt ist, so soll auch das Nebeneinander aller Kulturen in der Welt und in jeder Gesellschaft als Mikrokosmos der Gesamtwelt das Ziel sein. Und darum darf nicht mehr an eine eigene Kultur geglaubt werden. Davila erfaßt prägnant den jeder Religion innewohnenden Tendenz zur Intoleranz, wenn er urteilt: „Der Respekt vor allen Religionen ist irreligiös.Wer glaubt, verehrt keine Idole.“ Davila, Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2007,S.115. Unvorstellbar, daß Jesus vor einer Zeusstatue niederkniete, um ihr seinen Respekt zu bezeugen!

Wenn also Religionen eifersüchtig sind, daß also die in ihr verehrten Götter oder der verehrte Gott keine Verehrung anderer Götter zuläßt, so werden Religionen verkultiviert, damit sie neben sich jede andere Religion akzeptieren, ja als Gottgläubige auch bejahen, daß es etwa in den USA auch eine öffentlich anerkannte „Kirche des Satans“ gibt.

Zizek beschreibt das so: „Vielleicht erhebt sich deshalb >Kultur< gerade zur zentralen Kategorie der Lebenswelt.Im Hinblick auf Religionen glauben wir nicht länger >wirklich<,wir folgen nur (verschiedenen)religiösen Ritualen und Verhaltensweisen, um dem >Lebensstil< der Gemeinde Respekt zu erweisen“. „>Ich glaube nicht wirklich daran, es ist nur ein Teil meiner Kultur< scheint die vorherrschende Art und Weise des verschobenen Glaubens zu sein, der für unsere Gegenwart so charakteristisch ist.“ (45). Wer sich angesichts dieser Aussage die volkskirchliche Praxis der Taufe, der Firmung, der Erstkommunion, der Beerdigung und einiger noch kirchlich Heiratenden vor Augen führt, wird Zizek zumindest in diesem Punkte zustimmen.

Die christliche Religion ist zu einem Teil der westlichen Kultur geworden, hieße dann, daß sie zu etwas geworden ist, was wohl noch praktiziert wird, wenn oft auch nur noch in der Gestalt einer passiven Kirchenmitgliedschafts, aber an das nicht mehr geglaubt wird, daß eben die Inhalte der christlichen Religion nicht mehr als wahr geglaubt werden, auch wenn die Riten dieser Religion noch praktiziert werden, von der Taufe bis zum kirchlichen Begräbnis.

Zur Veranschaulichung: „Wir durchlaufen das Ritual des Weihnachtmannes,da unsere Kinder (angeblich)daran glauben und wir sie nicht enttäuschen wollen;und sie tun so, als ob sie daran glaubten, um uns und unseren Glauben an ihre Naivität nicht zu enttäuschen (und natürlich um Geschenke zu bekommen).“ Zizek, S.44. Wenn man statt „Weihnachtsmann“ Firmung und Erstkomunion liest, ahnt man, wie treffend hier Zizek den Nagel auf den Kopf trifft. Polemisch überspitzt formuliert: In den heutigen Volkskirchen wird der Glaube nur noch simuliert. Fundamentalisten, Traditionalisten und ähnliche werden dann für so eine Kirche zu unzumutbaren Existenzen.

Kultur ist das, woran man nicht mehr glaubt.“ Wie kam es dann dazu, daß die christliche Religion zu einem Kulturgut in diesem Geiste wurde? Zu vermuten ist, daß dazu die innerchristlichen Religionskriege des 17.Jahrhundertes das Fundament legte, indem durch die Aufklärung die christliche Religion domestiziert wurde zu einem Kulturgut

Montag, 6. Dezember 2021

Über eine verloren gegangene Wahrheit, die unserer Seele.

(Oder daß wir sprechend mehr wissen als wir meinen, da auszusagen)


Irgendwie ist der Begriff der Seele aus der Mode gekommen,auch wenn er noch ein Schattendasein führt in dem Begriff der Seelsorge, aber auch dort nur noch als Genitivus subjektivus, als die Sorgen der Seele:Werde ich arbeitslos, hält meine Ehe, ich werde gemobbt usw und nicht mehr als die Sorge um die Seele, die Frage des Seelenheiles.

Auch wenn Ihr Körper heute stürbe,so würde das Bewußtsein weiterexistieren,nur eben ohne einen Körper.Es hätte keine Möglichkeit mehr,mit der Materie des normalen Kontinuums in Verbindung zu treten.Aber es lebt weiter, es stirbt nie.“ Clark Darlton, Flugziel unbekannt, Perry Rhodan Nr 590,S.10.

Diese Vorstellung provoziert dann diese Einwendung:“Ihrer Meinung nach hat jeder Körper eine Seele,aber täglich sterben Milliarden solcher Körper und geben ihre Seelen frei.Bildlich gesprochen ,müßte es im Universum von heimatlosen Seelen nur so wimmeln.“ (S.10)

In diesem Roman wird davon ausgegangen, daß es sehr viel intelligente Wesen im ganzen Universum gibt, und so nicht nur uns Menschen, daß aber allen gemein ist, daß sie aus einem Körper bestehen, in dem eine Seele beheimatet ist, die sich aber im Tode aus dem Körper entfernt als nun heimatlose Seele.

Was wird aus der Seele, wenn sie so durch den Tod des Körpers heimatlos weiterexistiert? Jesus Christus gibt dazu diese Auskunft:

Fürchtet euch nicht vor denen,die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der die Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.“ (Mt 10,28) Für die Seele heißt das,daß wohl sein Körper aber nicht sie getötet werden kann.Aber ihr Schicksal kann es sein,in die Hölle gestürzt zu werden. Ein möglicher Ort der postmortalen Weiterexistenz ist so die Hölle.

Unklar an dieser Jesusaussage ist nun, ob erst nach der allgemeinen Auferstehung der Toten der Mensch als Seele-Leib Einheit in die Hölle gestürzt werden kann oder ob die Seele des Menschen post mortem gleich in die Hölle gestürzt werden kann. Klar ist aber, daß nur Gott selbst der ist, der in die Hölle stürzen kann und der so allein auch zu fürchten ist. Darum sagte ja Bismarck so treffend: „Wir Deutschen fürchten nichts außer Gott.“(Das gilt heutzutage gewiß nicht mehr, denn der Gott, der jetzt gepredigt wird, den kann man nicht mehr fürchten, weil er nur noch ein: „Ich hab Euch doch alle lieb“ Gott ist.)

Aber was ist nun mit der Seele, wenn sie ihren Körper verlassen hat? Die Bedeutung dieser Frage erhellt sich uns aber nur, wenn die Aussage:„Auch wenn Ihr Körper heute stürbe,so würde das Bewußtsein weiterexistieren,nur eben ohne einen Körper.“ ernst genommen wird. Der Sohn Gottes offenbart es uns an dieser Stelle auch so: Die Seele stirbt nicht, wenn der menschliche Körper stirbt.Ihr Schicksal ist erst einmal ihre Heimatlosigkeit, aus der sie Gott dann allein befreien oder zum ewigen Weiterexistieren in der Hölle verurteilen kann. Ausgeschlossen ist damit die populäre Vorstellung, daß der Tod den Menschen in Gänze nichte, so daß er nach dem Tode so ist wie vor seiner Erzeugung, eben nichts. Dies „Nichts“ kann dann euphemistisch als ein ewiges Ruhen im Grabe interpretiert werden. Nur wenn wir das aussagen: „Er ruht nun im Grabe“ widersprechen wir uns selbst, denn diese Aussage präsumiert ein Subjekt, von dem dann ausgesagt werden kann, daß es im Grabe ruht, aber dieses Subjekt soll es ja nach unserer Aussagenintention gar nicht mehr geben. Der Tod wird ja als reine Nichtung des Subjektes vorgestellt, aber was wir so redend negieren, steht in dem ausgesprochenem Satz wieder auf, als ein Subjekt, von dem ausgesagt wird, daß es ruhe.

Erst der Begriff der Seele macht so diese Aussage zu einer wirklich verständlichen, nämlich daß von der Seele nach dem Tode ihres Körpers ausgesagt wird, daß sie nun ruhe.

Aus theologischer Perspektive ist aber dies Urteil, sie ruhe, ein Fehlurteil. Aber was ihr Schicksal dann ist, darüber entscheidet allein Gott. Uns ist es aber aufgetragen, gerade deshalb für unsere Verstorbenen zu beten, isb den Rosenkranz und hl. Messen lesen zu lassen!


 

Sonntag, 5. Dezember 2021

Ein Aufstand wider die Liturgie der hl Messe

(oder wie das Theaterstück: "Wir spielen Rotte Korach"! immer wieder neu inszeniert wird)


Gerade komme ich von einer Sonntagsmesse retour, in der, damit der Mindestabstand gewährt wird, das Knien in der Messe verboten ward – ein akzeptables Verbot, damit mehr als sonst den Gottesdienst besuchen können? Es wurden nämlich mehr Kirchen-bankreihen freigegeben. Wenn dann aber gekniet worden wäre,wäre der vorgeschrieben Mindestabstand nicht einhaltbar.

Oder steckt da doch noch etwas anderes dahinter? Ein evangelischer Christ erklärte mir einmal, daß man selbst vor Gott nicht niederknien solle, denn Gottes Liebe zu uns Menschen widerspräche es, vor ihm niederzuknien. Er liebe uns doch alle. Und so kann man leider neuerdings auch Katholiken sehen, die bei der Wandlung demonstrativ stehen bleiben,um zu zeigen wie progressiv sie gesonnen sind: Ein Christ kniet nicht, denn er steht aufrecht.

So verwundert es nicht, daß auf dem „Synodalen Irrweg“ auch die Liturgie in das Schußfeld der Kritik gerät. In dem Artikel: „Klerikalismus und Liturgie: Wie Gottesdienst und Macht zusammenhängen“ (Kath de am 30.10.2021) liest sich das so:

Die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop forderte von ihrer Kirche einen "anderen, rechtschaffenen und evangeliumsgemäßen Umgang mit Macht", der Schwache stark mache und der Willkür der Mächtigen Grenzen setze. Zwar gehörten Unterschiede "zum heiligen Spiel" der Liturgie, aber die Frage sei, "ob die Unterschiede stimmen". Erbittert verteidige die Kirche, dass alle zentralen Handlungen in der Liturgie durch die Priesterweihe legitimiert seien: "Das sind wir gewohnt. Das finden wir normal.“

Der Zentralangriff auf die hl. Messe verbirgt sich in dem Begriff des heiligen Spieles: daß die Messe nichts anderes sei als ein „Spiel“, „ein heiliges“ zwar aber doch nur ein „Spiel“.Nun beschwert sich diese „Dogmatikerin“, daß in diesem Spiel nicht alle gleichwertige Rollen spielen dürfen! Was doch für jede Fußballmannschaft eine Selbstverständlichkeit ist, daß jede Position in der Mannschaft, ob nun der Torwart, der Verteidiger oder der Stürmer für einen Sieg der Mannschaft gleichwertig sind, das, so soll uns der Begriff des „Spieles“ suggerieren, gilt dann auch für das Liturgiespiel!

Aber der Wille zur Macht habe denn „Klerikalismus“ hervorgebracht, ein tragendes Element des Narratives der Korrumpierung des hierarchiefreien Urchristentumes durch die Verkatholisierung, denn es nun gälte zu überwinden. Ganz reformatorisch bringt dann diese „Dogmatikerin“ das allgemeine Priestertum, in der Taufe begründet und ergänzt durch den Verweis auf das katholische Sakrament der Firmung in Stellung gegen das Priesteramt. Weil wir alle Getaufte und Gefirmte seien, dürften wir alle gleichberechtigt mitspielen in der Liturgie! Das hätten die „Dogmatiker“ der Rotte Korach auch nicht besser formulieren können.(4.Mose 16). Es gibt halt nichts Neues unter der Sonne und deshalb wird immer wieder auf dem Spielplan der Kirche dieser Klassiker aufgeführt: „Wir spielen Rotte Korach!“

Der Grundirrtum dieses Aufstandspieles ist die Verkennung der Gottgewolltheit der hierarischen Ordnung der Kirche. Sie wird eben nur noch als etwas rein Weltliches verstanden und dann wird konstatiert, daß das Innenleben der Kirche nicht den Standards des bürgerlichen Vereinslebens Genüge tut. Sie müsse verdemokratisiert werden und so müsse auch die Liturgie umgewandelt werden zu einem hierarchiefreien Spiel!

Fundiert ist bei dieser „Dogmatikerin“ der Kampf gegen die Gottesdienstliturgie in ihrer Fundamentalkritik der Lehre der Kirche:Die Dogmatikerin Julia Knop warnt die katholische Kirche davor, kirchliche Lehren als "ewige Wahrheiten" zu verstehen. Vielmehr sei die Kirche immer auch Teil ihrer Zeit und müsse sich deshalb weiterentwickeln.“ (Kath de am 29.11. 2021) Da es in der Kirche keine ewigen Wahrheiten gäbe, die Lehre der Kirche und ihre Ordnung nicht in der göttlichen Offenbarung fundiert sei, sei alles als zeitgeistbedingt anzusehen und könne so auch ganz nach dem Motto: „Wie es uns gefällt“ ummoduliert werden. Unter der falschen Flagge der Weiterentwickelung wird dann die gänzliche Entkernung der Katholischen Kirche eingefordert, daß nur noch ihre Außenfassaden über die völlige Verprotestantisierung der Kirche hinwegtäuschen soll. 

 

Merksatz: Wo es eine göttliche Ordnung gibt, da ist der Wille zum Aufuhr gegen sie nie fern!  

 

Samstag, 4. Dezember 2021

Der neue Feind: der Ungeimpfte oder warum die Politik„Feindbilder“ benötigt?

Der neue Feind: der Ungeimpfte oder warum die Politik„Feindbilder“

benötigt?

Die WHO und das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCHR) hat sich übrigens klar gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Laut einem ORF-Bericht zielen die Empfehlungen der WHO darauf ab, den Nutzen und die Sicherheit der Impfung aufzuzeigen, um eine möglichst große Akzeptanz zu erreichen"  Otto Schily, der ehemaliger SPD-Minister meint in der "Welt" in einem Kommentar: "Die Impfpflicht ist eine verfassungswidrige Anmaßung des Staates. [....]eine allgemeine Impfpflicht ist unverantwortlich. Nicht einmal in der sonst so vehement als autoritär gescholtenen Volksrepublik China besteht sie."


So ist es auf Kath net am 3.12. 2021 in dem Artikel über Kardinal Marx „Ja“ zur Impfpflicht zu lesen. Das einzige, was gewiß zu dieser Causa gesagt werden kann, ist, daß sowohl in Österreich wie auch in Deutschland „der Ungeimpfte“ zu dem Sündenbock gemacht wird, der für alles verantwortlich sei. Obwohl zwischen 70-80 Prozent der Bevölkerung geimpft seien, sollen jetzt fast ausschließlich die Nichtgeimpften die Ursache der Neuinfektionen sein. Einen Beweis dafür gibt es m.W nicht, denn wie sollte auch bewiesen werden, daß Ingeimpfte nicht auch andere infizieren können. Oder man müßte beweisen können, daß kein Geimpfter sich mehr infizieren kann – auch dafür gibt es keine Beweise.

Wenn nun aber im Vertrauen auf die Impfung einige oder vielleicht auch mehr als einige die Abstandsregeln und sonstige Hygienemaßnahmen nicht mehr einhalten und auch keine Schutzmasken mehr tragen, könnte dann nicht mit dem selben Recht auch gemutmaßt werden, daß dies Verhalten zu steigenden Neuinfektionen führt.

Und wie verhält es sich dann mit den Kollateralschäden der Impfungen? Je häufiger wer geimpft wird, desto größer wird ja die Wahrscheinlichkeit solcher? Stünde es so, daß nach einer zweifachen Impfung sicher wäre, daß der Geimpfte nicht mehr sich selbst oder andere infizieren könnte, dann könnte wohl von jedem eine Impfung verlangt werden. Aber Beides ist nicht gewiß.Ja, es wird gar kolportiert, daß Geimpfte in Folge der Impfung verstorben seien oder doch zumindest ernsthaft erkrankten. Auch wenn diese Gerüchte dementiert werden, spricht doch einiges dafür, daß aus volkspädagogischen Gründen solche Kollateralschäden dementiert werden, damit niemand so vom Sichimpfenlassen abgeschreckt wird. Als Christ ist man weder verpflichtet, der Presse und den Medien zu glauben – wer wissen möchte, wie dort wirklich mit der Wahrheit umgegangen wird, der möge Balzacs Roman „Verlorene Illusion“ mit seinen Enthüllungen über den Journalismus lesen- noch einfach der Wissenschaft, denn sie steht eben auch in jedem Staate im Dienste der Regierung, ihr genehme Erkenntnisse vorzubringen.

Angesichts dieser Unklarheiten wäre es wohl das Beste,daß alle Bürger sich weiterhin an die Coronaregeln halten und jeder dann für sich entscheiden kann, ob er sich zusätzlich impfen will oder nicht. Politisch wird aber nun ein ganz anderer Weg beschritten, der der Spaltung der Gesellschaft in die „Guten“, die Geimpften und die „Bösen“, die Ungeimpften. Hier gilt es zu eruieren, was die gesellschaftliche Funktion des „Sündenbockes“ ist und warum die Politik auf dies Konzept jetzt setzt.

Thesen dazu: Nicht weil es diese Coroneepidemie gibt, gibt es auch diesen Sündenbock, sondern weil die Regierenden besser als mancher Carl Schmitt Leser die Bedeutung des „Feindes“ für die Politik begriffen haben, produziert der politische Diskurs den „Feind“, den Ausgegrenzten und Ausgeschlossenen, um so innergesellschaftlich eine Gemeinschaft zu erwirken, die allein durch diese Ausgrenzung zu einer bestimmten wird. Es ist die Homogenität all derer, die nicht zu den Ausgschlossenen gehören: Wir sind nicht wie die anderen und darum sind wir ein Wir! Eine Gesellschaft, die durch fast nichts mehr zusammen gehalten wird: keine gemeinsame Sprache,keine gemeinsame Kultur oder Religion, die ethnisch auch keine Volksgemeinschaft mehr ist, da sich die Wohnbevölkerung aus diversen Ethnien zusammensetzt, bedarf der Proklamation eines „inneren Feindes“, um durch dies Ausgrenzen dann eine Gemeinschaft zu konstituieren.

Bisher diente dazu der politische „Feind“: der Rechte, der Neonazi d ...eben jeder politische Inkorrekte. Jetzt verschiebt sich dies Feindbild, wird erweitert zu dem des „Ungeimpften“. Gleichzeitig werden aber auch die Kritiker der Coronaregierungspolitik, obzwar sie ihre ideologische Heimat im Liberalismus haben, als „Rechte“ perhorresziert, sodaß dies neue Feindbild das alt bewährte des Kreuzzuges gegen Rechts nicht außer Kraft setzt.Frug J.Habermas einst: „Können komplexe Gesellschaften eine vernünftige Identität ausbilden?“ (in: Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus),so kann jetzt respondiert werden: Postmodern pluralistische strukturierte bedürfen der Proklamation des „inneren Feindes“, um so sich durch diese Ausgrenzung eine sie einende Identität zu verschaffen.


 

Freitag, 3. Dezember 2021

Man muß die Welt so sehen, wie sie wirklich ist ohne ideologische Brille – ein populärer Irrtum?

(Nichts ist so populär wie der Glaube an die Möglichkeit, die Wirklichkeit so erkennen zu können, wie sie ist, zumal dieser Glaube im Alltagsleben sich stets als praktikabel erweist. Und doch gibt es Bedenken.)


Zizek weist darauf hin,dass Ideologie oftmals - sinnbildlich gesprochen- wie eine Brille angesehen wird, die mit einer bestimmten Verzerrung und Tönung dem Ideologen auf der Nase sitzt. Jemanden vorzuwerfen, einer <ideologischen Sichtweise anzuhängen, impliziert den Glauben, dass der Mensch ohne diese >Brille< besser auf die Wirklichkeit schauen könnte.“ So erfaßt Dominik Finkelde in seinem Buch: „Slavoj Zizek zwischen Lacan und Hegel“ S.21 ein wesentliches Moment der Ideologiekritik Zizeks.Um im Bilde zu bleiben gleiche die Ideologie eher einer Netzhaut als einer aufgesetzten Brille.

So wenig wie der Mensch einen Gedanken hat, zu dem er sich die passende Welt sucht, so wenig gibt es eine Wirklichkeit, zu der man sich die passende Ideologie aussucht. Ideologie ist immer schon dort am Werk, wo wir Wirklichkeit >nur< zu betrachten wähnen.“ (S.22) Die Wirklichkeit sei so schon immer das Produkt einer ideologischen Wahrnehmung! Dies evoziert natürlich die Nachfrage, ob diese Aussage über die ideologisch strukturierte Wahrnehmung selbst wiederum eine ideologisch bedingte ist oder wenn nicht, warum es dann doch eine nichtideologische Wahrnehmung geben kann.

Zur Marktwirtschaftsideologie gehört die Vorstellung der Souveränität des Kunden, der eben ganz frei sich die Brille seines Geschmackes erwählen kann und so auch auf dem freien Markt sich seine Ideologie erwählt. Daß faktisch nun durch Marketing und die Werbung versucht wird, wohl erfolgreich, diese Souveränität zu unterlaufen, um das Konsumverhalten zu regulieren, ist nun ein Moment der Wirklichkeit, das diese Ideologie geflissentlich ausblendet um der Vorstellung vom souveränen Kunden willen, der sich als König verstehen soll: „Der König ist Kunde“. Vielleicht ist diese Königsillusion ein Garant dafür, daß der Kunde kauft, was er kaufen soll.

Wenn also die Ideologie immer schon das Wahrnehmen strukturiert, wie kommt die dann in die Köpfe der Menschen, daß sie so wahrnehmen, wie sie wahrnehmen? Versimplifiziert kann wohl gesagt werden, daß das Wahrnehmen ein Akt in einer symbolisierten Welt ist. Die Welt ist uns schon durch die vorherrschende Ideologie in einer bestimmten Gesellschaft so gedeutet, daß sie uns nur als solche zugänglich ist, indem in jedem Wahrnehmen diese Weltdeutung aktualisiert wird.Ein einfaches Beispiel möge das veranschaulichen: ein Schachspiel, schon viele Züge sind gespielt worden, da kommt wer vorbei und schaut auf das Schachbrett mit den darauf positionierten Schachfiguren. Wenn er über keine Kenntnis dieses Spieles verfügte, könnte er wohl das von ihm Gesehene beschreiben, aber verstehen kann er es nur, wenn er die symbolische Ordnung des Schachspieles kennt und mit dieser Kenntnis wird ihm dies Schachspiel erst zu einer Wirklichkeit, die er sich verstehend aneignen kann.

Es müßte sozusagen von einem Mangel der Wirklichkeit als das unmittelbar Rezipierbare gesprochen werden, daß da eben nur Figuren auf einer Fläche verteilt stehen,die erst durch ein deutendes Wahrnehmen zu einer uns verstandenen Wirklichkeit wird. Im Regelfall ist davon auszugehen, daß Gesellschaften durch eine vorherrschende Ideologie mitkonstituiert werden, daß so diese jedem Bürger der Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit ist.In besonderen Fällen kann nun eine vorherrschende Ideologie ihre Selbstverständlichkeit verlieren, daß dann eben alternative in den öffentliche Diskurs eingespeist werden. Pluralistisch strukturiert ist dann der öffentliche Diskurs, wenn in ihm differente Ideologien sich artikulieren können. So kann es Phasen der ideologischen Kontroversen geben, aber so müßte mit Zizek geurteilt werden, daß keine einfach die Wirklichkeit „richtig“ widerspiegelt, denn es könne keine einfache Wirklichkeitswahrnehmung geben.Alles Wahrnehmen sei eben immer ein Deuten und Verändern des Rohstoffes „Wirklichkeit“ zu einem Produkt des Vorstellens und Denkens.Durch jedes Denken wird eben das Zubedenkende zu einem Objekt des Denkens.

Wenn Sartre sinngemäß sagen kann, daß der Blick des Anderen mein Tod sei, so meint dies ja wohl nur, daß ich durch den Anderen verobjektiviert werde und somit auf etwas fixiert werde, was nur eine meiner Möglichkeiten ist. Oder es könnte jetzt auf Nietzsche rekurriert werden, daß die „Wahrheit“ nur das Produkt einer perspektivischen Wahrnehmung ist und es keine nichtperspektivische gibt. Aber all diese Positionen evozieren nun die Anfrage, die Emanuel Hirsch schon in „Deutschlands Schicksal“ aufwarf: Wie kann den solch ein Kritiker wie Nietzsche seine eigenen Aussagen als wahr ausgeben, wenn alles nur ideologisch perspektivistisch ist? Bleibt dann nur der Kampf der Ideologien, ohne daß eine wahrer sein kann als die andere, weil es nur Wahres in den Ideologien gibt, aber nicht außerhalb von ihnen?

 

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Irritierendes: Eine Gemeinsamkeit von Liberalen und Fundamentalisten

Irritierendes: Eine Gemeinsamkeit von Liberalen und Fundamentalisten


Ein origineller Denker verblüfft seinen Leser immer wieder durch so ganz aus dem Rahmen des Üblichen Herausfallendes, das spontan einen Widerstand provoziert, das könne so nicht sein, aber vielleicht bringen solche ganz unorthodoxe Gedanken das theologische Denken weiter als ein so bequemes Verharren im Wohlvertrauten. In diesem Sinne ist das Denken Slavoj Zizeks wirklich ein Gewinn für jeden ihn Lesenden.

In seinem Buch: „Lacan. Eine Einführung“ irritiert er durch die These, daß ein authentischer Glaube mit einer grundlosen Entscheidung einsetze. (S.153) Veranschaulicht wird dies am Beispiel der universellen Gültigkeit der Menschenrechte. „Sie können nicht in unserem Wissen über die menschliche Natur begründet werden, sie sind ein Axiom,das durch unsere Entscheidung postuliert wird.(In dem Moment, in dem man versucht,die universellen Menschenrechte auf unser Wissen über die Menschheit zu begründen, wird die unvermeidliche Schlußfolgerung die sein, daß die Menschen grundlegend verschieden sind, daß einige mehr Würde und Weisheit haben als andere.)“ (S.153f)

Die Dezision, an die Menschenrechte zu glauben, sei so nicht auf Fakten fundiert, sondern ist die ethische Verpflichtung. Das mache einen authentischen Glauben aus. Der Fundamentalist nun wie der „Liberal-skeptische Zyniker“ können und wollen nun nicht authentisch glauben. „Für die liberalen Zyniker wie für die religiösen Fundamentalisten sind religiöse Aussagen quasiempirische Aussagen direkten Wissens. (S.154) Der Fundamentalist könne so nicht glauben, weil er wüsse, daß das von ihm Geglaubte wahr sei als empirische Tatsache und der Liberale wüsse eben, daß die Glaubensinhalte des Fundamentalismus keine empirisches Tatsachenwissen seien.Weil so diese zwei wissen wollen, was nicht wißbar sei, könnten sie nicht glauben. Denn der Glaube sei eine grundlose Entscheidung, etwas für wahr zu halten.

Durch diese scharf gezogene Trennungslinie wird der Glaube zu einem rein irrationalen Akt und das Wissen auf das theoretische Erkennen von dem, was ist, reduziert. Nur das Wissen ist nicht auf die theoretische Vernunft reduzierbar, denn es gibt auch ein Wissen von dem Gesollten, der praktischen Vernunft, die nicht im Vermögen der theoretischen fundiert ist, denn aus der Aussage, so ist es, kann nicht eine Sollensaussage, so soll es sein, deduziert werden. David Hume beurteilt einen solchen Schluß vom Sein auf das Sollen ja bekanntlich als den naturalistischen Fehlschluß! Es gibt also ein Wissen, das nicht als empirisches Wissen qualifizierbar ist.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Woher weiß ich, daß Caesar der Autor des Buches „Über den gallischen Krieg“ ist? Weil es in Geschichtsbüchern so geschrieben steht und weil ich nirgends diese Aussage verneint vorfinde. Weiß ich es deshalb, oder vertraue ich nicht eher darauf, daß es sich so verhält? Wieviel von unserem Wissen ist so betrachtet ein Vertrauensglaube, der aber nicht grundlos ist. Wenn kein Historiker bezweifelt, daß Caesar der Autor dieses Buches ist, warum mit welchem Recht sollte ich dann daran zweifeln? In modernen bzw postmodernen Gesellschaften sind die Wissenschaften als Orte des Wissens selbst so ausdifferenziert, daß selbst Wissenschaftler außerhalb ihres Spezialgebietes wie „Gläubige“ verhalten, die an viel mehr vertrauend glauben als sie real wissen. Dieser Glaube ist nun aber kein blinder Vertrauensglaube, sondern er kann Gründe dafür benennen, warum das Geglaubte vertrauenswürdig sei, daß man eben der Aussage über die Autorenschaft des Buches über den gallischen Krieg sein Vertrauen schenkt.

Nun könnte eingewandt werden, daß es sich hier um prinzipiell auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfbare Aussagen handle, was aber nicht auf religiöse Aussagen zuträfe. Aber auch das ist in dieser Pauschalität nicht zutreffend. Denn prinzipiell ist die Aussage, daß Jesus nach seiner Kreuzigung lebend von Menschen gesehen worden sei, auch überprüfbar. Wenn man sich dann noch die Vielzahl der Zeugen erinnert, die Paulus im 1. Korintherbrief aufführt, könnte dies Ereignis als gut bezeugtes angesehen werden. Trotzdem wird man wohl aber der Aussage zustimmen, daß die Aussage, der 30 Jährige Krieg begann 1618 eine andere Qualität habe als die, daß Gott der Schöpfer des Universums sei. Aber es frägt sich doch, ob die Zustimmung zu dieser Aussage wirklich ein rein dezisionistischer Akt sei. Eher wäre von einer gewissen Plausibilität zu sprechen, daß es so sei.

Theologisch formuliert muß der Glaube vom Schauen der Wahrheit unterschieden werden, aber er darf auch nicht als eine rein irrationale Entscheidung zu einem Fürwahrhalten bestimmt werden. Es könnte so mit Zizek gefragt werden, ob der Fundamentalist wie auch der Liberale schon im Schauen leben wollend den Glauben an etwas aus nur Plausibilitätsgründen nicht mehr akzeptieren will und kann.Dann wäre aber ihnen gegenüber einzuwenden, daß sie im praktischen Leben dauernd Aussagen als wahr erachten, ohne daß sie wirklich wissen können, ob sie wirklich wahr sind. Noch nie zuvor in der Kulturgeschichte hat es einerseits ein so komplexes Expertensystemwissen gegeben, dem gegenüber sich alle anderen nur noch vertrauend oder zweifelnd verhalten können, da es ihnen unmöglich ist, das Expertensystemwissen selbst noch auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.Wir müssen so viel glauben, weil wir kaum noch etwas wirklich wissen!


 

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Zum Kampf um die „Alte Messe“ :die „Neue Messe“= verprotestantisiert?

Zum Kampf um die „Alte Messe“ :die „Neue Messe“= verprotestantisiert?



Der Erzbischof A.Bugnini erklärte 1965: „jeden Stein aus dem Weg zu räumen, der auch nur den Schatten der Gefahr eines Hindernisses oder des Mißfallens für unsere getrennten Brüder bilden könnte“,sei die „fundamentale Parole, nach der die überlieferte Messe verändert werden sollte.“ Heinz-Lothar Barth, Keine Einheit ohne Wahrheit!,2.Auflage 1999,S.29.

Unter den „getrennten Brüdern“ (man sprach noch nicht feministisch korrekt) sind hier in erster Linie die Protestanten gemeint. Die Reform der „Alten Messe“ bezwecke also, eine neue zu kreieren, die zumindest den Protestanten nicht mißfalle. Dazu paßt dann auch daß Louis Bouyer für die Übersetzung der Meßtexte die Direktive ausgab: „den Opferbegriff möglichst zu vermeiden.“ (S.29) Dieser Herr war selbst an der Konstruktion der „Neuen Messe“ beteiligt.

Nicht stand also der Wille zu einer irgendwie gearteten Vertiefung oder gar Verbesserung der bis dahin von der Katholischen Kirche anerkannten Gestalt der Messe am Anfang des Reformwerkes, sondern die Selbstkritik, daß die Kirche nicht in einer Weise die hl. Messe feiern dürfe, die den Protestanten mißfällig sei.So wolle man nun nicht einfach nur die Messe so feiern, daß sie vorrangig Menschen gefalle sondern sie solle ausdrücklich den Protestanten zumutbar gestaltet werden.

Was muß dann einem Protestanten, beheimatet in der reformatorischen Theologie an der „Alten Messe“ mißfallen? Vor allem dies, daß die Eucharistie nicht nur als Sakrament sondern auch als Sacrificium, als das Opfer der Kirche zelebriert wird. Alle Reformatoren reprobieren den Opfercharakter der Eucharistie: Die Kirche kann und darf dem dreifaltigen Gott kein Opfer darbringen, da reformatorisch conservativ begründet, das Sühnopfer Jesu Christi allein genügsam für das Heil nicht nur jedes weitere Opfer unnötig mache sondern gar verbiete, liberal modern begründet, der Gott Jesu prinzipiell keine Opfer wolle. Solange die Katholische Kirche also an ihrer Lehre und Praxis festhält, daß die Eucharistie ein wahrhaftiges Gott darzubringendes Opfer sei, ist das für die Reformatoren wie auch dem modernen Protestantismus unzumutbar. Wenn also die Liturgie mit dem Ziele, daß sie gerade Protestanten nicht ein Ärgernis sein soll, umgestaltet werden soll, dann muß zumindest ihr Opfercharakter so verdunkelt werden, daß die Weise der Zelebration der Eucharistie ihren Opfercharakter nicht mehr erkennen läßt. Die Lehre von der Eucharistie, daß sie auch ein vom Priester dargebrachtes Meßopfer sei, konnte nun das 2. Vaticanum nicht verändern, denn diese Lehre ist verbindlich vom Trienter Konzil festgelegt worden als zum Glaubensgut der Kirche Dazugehöriges.Aber in der neu konstruieren Messe konnte durch die Weise der Eucharistiefeier ihr Opfercharakter so weit wie nur irgendwie verdunkelt werden. Dazu diente nun die Erfindung des Volksaltares, der nur noch wie ein Mahltisch fungieren sollte und die permanente Hinwendung des Priesters zum Volke: Er agiert so nur noch zum Volke hin und nicht mehr zu Gott hin ausgerichtet zum im Tabernakel des Hochaltares präsenten Gott.

Die Theologie hält zwar daran fest, daß der Priester weiterhin Gott dies Opfer darbringt, aber die liturgische Form soll dies dementieren durch den Anschein, daß die Eucharistie nur noch als Mahl gefeiert wird.

Das zweite Inakzeptable ist, daraus sich ergebend, daß die Messe von einem Priester geleitet wird. Eines der wichtigsten Anliegen der Reformation war ja die Abschaffung des Priesteramtes und seine Ersetzung durch das Lehramt, das der evangelische Pfarrer nun als seine Hauptaufgabe anzusehen hat. Ein evangelischer Gottesdienst dient deshalb vor allem durch die Predigt der Belehrung der Gemeinde. Deshalb rückt nun die „Neue Messe“ auch die Predigt in das Zentrum des Gottesdienstes, auch wenn immer noch die Werktagsgottesdiensten in der Regel ohne eine Predigt auskommen, für Protestanten eine Unmöglichkeit.

Solange also noch der Priester in der hl.Messe erkennbar als Priester agiert, ist so gesehen die Messe für einen Protestanten inakzeptabel. Aber je mehr der Opfercharakter der Eucharistie in der Liturgie verunsichtlich wird, desto eher erscheint auch der katholische Gottesdienst als einer ohne einen Priester.

Die Kampagne gegen das Priesteramt auf dem „Synodalen Irrweg“ dient so eben auch dazu, die Katholische Kirche den Protestanten genehm zu gestalten durch die erhoffte Abschaffung des Priesteramtes.

So war die große Sorge, was ist zu unternehmen, damit die Katholische Kirche den Protestanten gefällig zu werden, der Motivator der nachkonziliaren Liturgiereform! Aber wo blieb da die Sorge, ob denn die Liturgie auch dem dreieinen Gott gefalle? Diese Frage, die wichtigste ist aus dem liturgischen Diskurs exkommuniziert worden, da die Kirche nur noch den Menschen dienen will! So wird es auch verständlich, daß nun um der neu konstruierten Messe willen die „Alte Messe“ verboten wurde und jetzt wieder wird: Die „Alte Messe“ erinnert einfach zu sehr daran, daß der Gottesdienst nicht in erster Linie eine Veranstaltung zum Plaisir von Menschen ist.