Freitag, 20. August 2021

Kabul fiel- sind wir zur Flüchtlingsaufnahme verpflichtet?



Für den AfD- Parteivorsitzenden Meuthen ist das eine klare Angelegenheit, schreibt er doch: Meuthen also auf Facebook: Wir haben eine moralische Pflicht, nach Maßgabe unserer Möglichkeiten nun auch jene Afghanen zu retten, die unmittelbar für uns gearbeitet haben und nun in äußerster Lebensgefahr sind. Diese Menschen dürfen wir nun nicht zurückweisen. (zitiert nach der Internetseite „Sezzion“ vom 19.8.2021. Uwe Junge sekundierte bei Twitter: Wer jetzt nicht die Verantwortung für diejenigen verspürt, die uns tatsächlich geholfen haben, ist ein ehrloser und charakterloser Lump. (a.s.O.)

Also, es hätten uns Afghanen geholfen und darum müßten wir jetzt unseren in Not sich befindenden Helfern helfen. Sie hätten doch „für uns gearbeitet“,urteilt gar Meuthen. Ist das nun eine sachlich berechtigte Aussage, oder verdankt sie sich mehr der Intention dieser 2 AfD-Politiker, sich bei den etablierten Parteien mit ihrem Multikultikurs beliebt zu machen?

Mit dem „uns“ ist dann doch wohl Deutschland, das Deutsche Volk gemeint. Hat also die Beteiligung der Bundeswehr an den Krieg gegen Afghanistan und der Versuch einer Etablierung einer prowestlich orientierten Regierung irgendetwas mit den Interessen des Deutschen Volkes zu tuen, sodaß geurteilt werden könnte, daß dieser Krieg einer in unserem Interesse gewesen wäre? Dafür müßte präsumiert werden, daß von der vorherigen afghanischen Regierung eine auch uns bedrohende Terrorgefahr ausging, die nur durch einen Krieg als ultima ratio beseitigbar gewesen wäre. Dafür gibt es nun keinen Beweis, ja es ist sogar zweifelhaft ob Osama bin Laden wirklich der Urheber des Angriffes auf das „World Trade Center“ am 11.September 2001 gewesen ist. Er selbst sagte nämlich: „Ich erkläre kategorisch, daß ich diese Aktion nicht geleitet habe.“ (zitiert nach: Robin de Ruiter, Der 11.September 2001, S.49) Wenn bin Laden wirklich der Urheber dieses Terroraktes gewesen wäre, warum sollte er das dann verleugnen, wenn er doch darauf setzen könnte mit einem Bekenntnis: „Das war ich!“ in der ganzen islamischen Welt Zustimmung zu finden, ja daß somit seine Organisation mit weit mehr Zustimmung als bisher dann hätte erwarten dürfen.

Zudem gibt es überhaupt keinen Beweis dafür, daß die damalige afghanische Regierung bin Laden bei dieser Aktion unterstützt hätte.Man möge sich einmal vorstellen, die Bundeswehr wäre in die DDR einmarschiert mit der Begründung, daß dort untergetauchte RAF-Terroristen durch die dortige Regierung unterstützt würden!

Man kann sich nicht des Verdachtes erwehren, daß dieser Terrorangriff nur zu gern zum Anlaß genommen wurde vom „freien Westen“, hier durch einen Angriffskrieg eine ihm nicht genehme Regierung zu stürzen, um eine prowestliche zu installieren. Da es der so installierten Regierung nie gelang, von dem eigenen Volke als eigene anerkannt zu werden, konnte sie nur so lange regieren, wie sie sich auf die Waffenmacht der Okkupanten stützen konnte. Kaum zogen die ab, kollabierte die prowestliche Regierung.

Nun existiert tatsächlich eine Problemgruppe, die der Kolaborateure. Das sind Personen, die mit dem Kriegsgegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeiten, lautet eine gängige Definition. Problematisch ist nun aber die Frage: Wer bestimmt den, was ein Handeln gegen die Interessen des eigenen Landes ist. Könnte nicht manchem Kolaborateur während der Besatzung Frankreichs durch deutsche Truppen im 2.Weltkriege zugebilligt werden, daß sie meinten, daß sie im Sinne Frankreichs handelten? Erst nach der Befreiung Frankreichs von den deutschen Truppen wurden sie nämlich rückwirkend zu Feinden Frankreichs!

Kolaborateure stellten sich also auch in den Dienst der in Afghanistan stationierten Bundeswehrtruppen, aber es entstand auch ein politisch-kulturelles Milieu von Afghanen, die der Westorientierung positiv gegenüberstanden und so ihren Beitrag zur Verwestlichung Afghanistans leisten wollten. Aus Sicht der jetzigen Sieger sind all das aber nur Kolaborateure, die sich gegen das eigene Volk gestellt haben.

Ist Deutschland nun diesen Kolaborateuren im engeren Sinne, den Helfern der dort stationierten Bundeswehrsoldaten und im weiteren der Sympathisanten der Westorientierung Afghanistans verpflichtet, sie jetzt nach Deutschland zu holen?

K. Kunze urteilt in seinem Essay (Zeitschrift für nationale Identität) : „Was schulden wir den Ortskräften unserer Regierung?“: „Moralphilosophisch liegt nahe, zu halten, was man versprochen hat. Hat aber irgend jemand irgend einem afghanischen Dolmetscher oder Hilfswilligen eine Option zur Auswanderung versprochen? Ich nehme nicht an, so etwas stünde in irgend einem der mit deutscher Gründlichkeit geschlossenen Arbeitsverträge. Also schulden wir es auch nicht.“

Einnehmbar ist der Standpunkt, daß die Option des Kolaborateurs eine risikoreiche ist, denn wenn die jetzt Mächtigen, denen sich der Kolaborateur andient, ihre Macht verliert, gilt der Grundsatz: „Mitgefangen- Mitgehangen!“ Die Bundeswehr im Verbund mit den anderen Streitkräften waren nun einmal Fremd- und Feindkräfte, sodaß jedem Kolaborateur klar sein mußte: Wenn das Projekt der Installierung einer prowestlichen Regierung mißlingt, werde ich als Volksverräter dastehen.

Zudem, wie soll denn dann unterschieden werden zwischen den wirklich Gefährdeten und denen, die nur unter dem Vorwand einer möglichen Verfolgung durch die neue islamistische Regierung in Deutschland eine Aufnahme begehren? Und warum müssen die in Deutschland aufgenommen werden? Läge es da nicht näher, für sie eine Aufenhaltsmöglichkeit in der Nähe der Heimat zu finden?

Unklar ist ja auch, wie sich die neue Regierung Afghanistans zu den einstigen Unterstützern der vormaligen Regierung verhalten wird. Vielleicht wären diplomatische Kontakte zur neuen Regierung mit dem Ziele, hier für alle akzeptable Regelungen zu finden, sinnvoller, als massenhaft Afghanen eine Ausreise nach Deutschland zu ermöglichen. Die vielen, die so ihre Heimat entfliehen würden, schadeten ja so gerade ihrem eigenen Lande, das nach so viel Jahren des Krieges dringend jeder Landsmann braucht zum Wiederaufbau des Landes. Flüchtlinge schaden in erster Linie ja dem eigenen Lande, der Heimat, der sie entfliehen. Wer Flüchtlinge großzügig aufnimmt, schadet so den Heimatländern, aus denen sie fliehen. Nachdem der westliche Angriffskrieg Afghanistan schon so viel Schaden zugefügt hat, sollten wir Deutschen es nicht noch mehr schädigen!



 

Donnerstag, 19. August 2021

Irritierendes: Wie zu einer glaubwürdigen Kirche werden?

(auch eine Frage der Ästhetik)



Da diese Frage meist nur noch mit allseits bekannten Phrasen beantwortet wird: Ihr Tun müsse mit ihrem Reden übereinstimmen, sie müsse genau das sagen, was man von ihr hören möchte, sie müsse mehr jesuanisch, das meint in der Regel undogmatisch, untheologisch nur lieb zu allen sein, soll hier mal ein anderer Ansatz gewagt werden, einer, der seine Begründung im praktischen Leben hat.

Gesetzt den Fall, ein Autobesitzer stellt fest, daß sein PKW irgendwie nicht rund läuft, sodaß er es zu einer Autowerkstatt bringt. Der dortige KFZ-Meister kommt ihm entgegen, gut gekleidet in einem weißen Anzug, goldener Armbanduhr, lackierten Fingernägeln, in einem Worte: Ein Mann gepflegter Erscheinung. Wer würde dem sein defektes Auto anvertrauen? Wirkt dieser Meister nicht unqualifiziert für eine Autoreperatur. Ganz anders, träte dem Kunden einer in Arbeitsmontur, öligen Händen und nach Öl Riechender entgegen- dem sieht man seine Fachkompetenz sofort an, daß er am liebsten unter Autos liegend da sie repariert.

Wenn ich in eine Restauration gehe zum ersten male und mich frage, ob hier die Speisen wohl richtig schmecken, am liebsten bäte ich, den Koch des Hauses zu sehen: Sieht der dann wie ein gemästeter Bleistift aus, bekäme ich ernsthafte Zweifel an der Qualität der dortigen Menüs.

Es gibt einfach kulturell bedingt bestimmte Vorstellungen, wie ein guter Autoreparateur und ein guter Koch aussieht. Entspricht nun jemand dieser Vorstellung, erweckt er erstmal das Vertrauen, daß der seinen Beruf kann. Erstaunlicherweise werden nun in diesen 2 Fällen Eigenschaften als positiv gewertet, die allgemein nicht als positiv angesehen werden: Ein von seiner Arbeit Verschmutzter oder ein beleibter Koch, dem sofort seine Freude an gutem Essen und Trinken angesehen wird, obzwar eine Übergewichtigkeit im Regelfall als unästhetisch beurteilt wird.

Nicht ist es in diesen Fällen so, daß erst eine Person in ihrer Berufstätigkeit wahrgenommen und daraufhin als vertrauens-würdig beurteilt wird. Es geht ja darum, daß Personen vertrauenswürdig wirken, damit Menschen auf sie zugehen, um dann Bestimmtes von ihnen erwarten, daß sie eben ihren Beruf gut ausüben können. Umgekehrt: Wer weiß, daß dieser Mann ein guter Koch ist, der kann und braucht ihm nicht mehr zu vertrauen, denn er weiß, daß der gut ist. So kann eine Ehefrau nicht mehr zu ihrem Mann sagen, daß sie ihm vertraue, daß er sie nicht während der Kur betrogen habe, wenn sie ihn 24 Stunden am Tage und in der Nacht von einer Detektei überwachen ließ. Ein Vertrauenkönnen setzt so einen Mangel an Erkenntnis von dem voraus, auf den so nur vertraut werden kann.

Wie müßte also eine Kirche erscheinen, damit sie als vertrauenswürdig erscheint. So schwer diese Frage auch zu respondieren ist, eines ist klar, daß es nicht allgemeingültige Kriterien dafür gibt, wie man Vertrauen erwecken kann sondern es muß gefragt werden, wie die Kirche zu erscheinen habe, damit man ihre religiösen Kompetenz zutraut- wie ja auch der Koch Vertrauen in seine Kochkunst hervorrufen sollte, damit viele bei ihm speisen.

Welches Erscheinen vermittelt so also den Eindruck religiöser Kompetenz? Hierauf soll nun zur Irritation des Lesers statt einer tiefgründigen Antwort bewußt eine oberflächliche gegeben werden, geht es doch um den Anschein religiöser Kompetenz und damit stehen wir im Bereich des Ästhetischen. Die simple Antwort lautet: Uniformen vermitteln Kompetenz! Steht ein Tourist auf dem Münchner Marienplatz und findet trotz entfalteter Stadtkarte nicht den Weg zum Hochbräuhaus, wen frägt er in dem Meer der über den Marienplatz Flanierenden? Natürlich einen der Polizisten und der weiß den Weg, weil die dortige Polizisten danach so häufig gefragt werden. Warum werden sie gefragt? Weil ihnen diese Kompetenz zuvertraut wird, nicht als eine individuelle sondern als eine, die eben jedem in München Diensttuenden zuerkannt wird.

Es hat so einen guten Grund, daß die Kleiderordnung für Priester vorsieht, daß sie stets so gekleidet sein sollen, daß sie als Priester in der Öffentlichkeit erkennbar sind und es erstaunt nicht, daß in der Folge des 2.Vaticanumes mit seiner Tendenz zur Ver-weltlichung der Kirche viele Priester außerhalb der Kirche sich so zivil kleiden, daß sie nicht mehr als Priester erkennbar sind. Erscheint aber ein Priester in Soutane, selbst in einer Großstadt wie München treten dann Menschen an ihn heran, um spezifisch Priesterliches zu erbitten, etwa Mütter mit dem Wunsch, der Priester möge doch ihr Kind segnen. Die so bittende Mutter wird wohl kaum den so gefragten Priester kennen, aber bloß seine getragene Soutane vermittelt: Hier ist wer mit religiöser Kompetenz. Nun wird wohl auch die Art seines Gehens, die Körpersprache auch noch eine Rolle spielen, aber zuvörderst ist es diese religiöse Uniform. Uniformen vermitteln den Eindruck einer spezifischen Fachkompetenz- denn wer früge einen Priester mit einer Soutane bekleidet nach dem Weg zum Münchner Hofbräuhaus? Abstrakter formuliert: Religiöse Kompetenz impliziert eben auch, in anderen Bereichen nicht kompetent zu sein! Welche Frau, die ihr kaputtes Auto einem richtig kompetent ausschauenden KFZ-Meister anvertraut, möchte mit dem auch am Abend schön essen gehen und welche Frau verliebt sich in einen sehr übergewichtigen Mann, wenn ihr seine Speisen auch noch so gut munden! Einfach gesagt: Priester sollten, um im Religiösen kompetent erscheinen, in weltlichen Dingen etwas inkompetent wirken. Deshalb sei die wirklich ernst gemeinte Frage gestellt: Was für weltliche Tätigkeiten kann wohl ein in einer Soutane Bekleideter ausüben, ohne daß ihn dabei diese Bekleidung irgendwie behindert.

Vielleicht sollte, bevor ganz tiefgründige Programme und Konzepte zur Steigerung oder gar zur Wiedergewinnung des verloren gegangenen Vertrauens in die Kirche entwickelt werden, ganz einfach mit der Kleidung angefangen werden, daß eben eine der Eindruck einer spezifischen Berufsqualität leicht durch eine berufsspezifische Uniformierung evoziert wird. Polizisten vertraut man, weil sie ihre Uniform tragen, Kriminalpolizisten dagegen müssen erst ihren Dienstausweis zeigen, um Vertrauen zu erwecken!

Nebenbemerkung:

Unser Kaiser Wilhelm II war eben auch so populär, da er stets in Uniform sich zeigte.

 

Mittwoch, 18. August 2021

Kabul fiel- ein paar Erwägungen zum Selbstbestimmungsrecht der Völker



Wer aber von den Völkern schweigt, soll nicht von den Menschen sprechen. In erster Linie gebührt jedem das Recht, sich gemäß seiner Eigenart selbst zu verwirklichen, als Massai, als Indianer, als Baske, Kirgise, Elsässer. Solange ihm dieses fundamentale Menschenrecht genommen ist und ihm fremde Lebens- und Denkweise aufgezwungen wird, ist jeder “Klassenstandpunkt” für ihn zweitrangig, möglicherweise aber auch das, was uns als westliche “Lebensqualität” oder demokratisches Recht unverzichtbar erscheinen mag. Wenn Millionen Araber es wollen, daß Verbrecher nach den Ge­setzen des Korans Strafen erleiden, die uns “unmenschlich” erscheinen – sollen sie doch! In Wahrheit denken sie lediglich uneuropäisch, und das ist ihr gutes Recht. Zeit und Raum, Ordnungsdenken und Sprachstruktur sind kulturrelativ.“
So schreibt Klaus Kunze in seinem Blog: „Der Friede, über den sich niemand freut“. Die Taliban haben nun Kabul, die Hauptstadt Afghanistans erobert und werden nun wohl dies Land so regieren, wie sie es für richtig halten.
Amerika im Bunde mit anderen westlichen Staaten hatten Afghanistan militärisch angegriffen und legitimierten diesen Angriff mit der Behauptung, daß die afghanische Regierung den islamistische Terrororganisation Bin Ladens unterstützt habe auch bei dessen Angriff auf das Word Trade Center am 11.September 2001.Weder konnte zum Zeitpunkt des Angriffes die USA die Täterschaft dieser Terrororganisation beweisen noch eine unterstützerische Tätigkeit der islamischen Regierung Afghanistans. Das amerikanische Auslieferungsverlangen von Osama bin Laden war so wenig begründet, daß es wohl kaum einer völkerrechtlichen Überprüfung standgehalten hätte.(Auf vielen Internetseiten aber auch in Büchern, oft gut recherchiert wird die These vertreten, daß so wie es uns offiziell erzählt wird, dieser Terroranschlag nicht sich hätte ereignen können, manche meinen gar, amerikanische Geheimdienste hätten diesen Anschlag selbst inszeniert.)
Da die afghanische Regierung bin Laden nicht auslieferte, wurde Afghanistan angegriffen und dann von den Siegermächten eine cooperationswillige neue Regierung eingesetzt. Ob diese wirklich als eine legitime anzusehen gewesen war, ist wohl eine nicht eindeutig klärbare Frage. Die bisherige hat keine Kapitulationserklärung abgegeben und somit auch nicht den Krieg für beendet erklärt. So könnte der Standpunkt eingenommen werden, daß seit dem erfolgten Angriff der Krieg bis jetzt angedauert hat, in dem die afghanische Regierung gegen die Invasoren kämpfte und jetzt nach langem Kampfe siegte in der Gestalt der Taliban, die dann als Armee der Regierung angesehen werden könnte, die nur eben den Krieg als Guerillakrieg führte, da sie militärisch den Angreifern vollkommen unterlegen war. Aber vielleicht ist diese Causa völkerrechtlich auch anders zu beurteilen- ich bin kein Völkerechtsexperte. Nur gilt wohl, daß ein Kriegsende, nur von den Siegern proklamiert, vom Besiegten aber nicht gegengezeichnet kein rechtsgültige Beendigung eines Krieges darstellen kann.
Die entscheidende Frage lautet nun: Hat das afghanische Volk das Recht, sich eine islamische Regierung zu geben, die aus westlicher Sicht geurteilt nicht bereit ist, die Menschenrechte und die Werte der Westlichen Wertegemeinschaft zu akzeptieren oder gar gemäß ihnen zu regieren? Die Antwort muß hier so lauten, wie sie K. Kunze im obigen Zitat formuliert. Die Menschenrechtsideologie stellt zwar den moralischen Anspruch an jede Regierung, gemäß ihr zu regieren, aber diese Menschenrechtsideologie darf nicht gewaltsam per Krieg anderen Völkern und Staaten aufdoktriniert werden. Der sehr schnelle Sieg der Taliban angesichts des sofortigen Kollabierens der bisherigen pro westlich orientierten Regierung nach dem Abzug der amerikanischen Truppen evoziert doch den Verdacht, daß die bisherige Regierung wenig vom eigenen Volke respektiert wurde. Außer ein paar westlich orientierten Intellektuellen scheint kaum wer der alten Regierung nachzutrauern.
Daß diese über den amerikanischen Truppenabzug enttäuscht sind und mit Bedauern feststellen müssen, daß mit keinem neuen Einmarsch westlicher Truppen zu rechnen ist (vgl dazu etwa die Berichterstattung der „TAZ“ in diesen Tagen zu dieser Causa), demonstriert aber überdeutlich, daß sie für ihr Projekt der Verwestlichung Afghanistans im eigenen Volke keine Mehrheit haben. So scheitern sie am eigenen Volke wie zuvor die linkssozialistische Kabuler Regierung, die trotz der Unterstützung durch die „Rote Armee“ sich auch nicht gegen den eigene Volk halten konnte.
Zweimal sollte so das afghanische Volk zwangsbeglückt werden, erst durch den sowjetischen Sozialismus und dann durch die amerikanische Demokratie.Aber der Afghane wollte beides nicht- was er nun wirklich will, ist uns Europäern schwer verständlich, aber die Afghanen wollen ja auch keine Politik für uns sondern für sich selbst praktizieren. Darf das ihnen verwehrt werden im Namen der Menschenrechtsideologie? Und darf eine deutsche Bundesregierung ihnen das zum Vorwurf machen, wenn doch in Deutschland selbst jährlich circa 100.000 Kinder im Mutterleibe getötet werden mit staatlicher Erlaubnis? Es ist zu vermuten, daß in Deutschland seit der faktischen Legalisierung des Kindertötens im Mutterleibe mehr Menschen getötet worden sind als durch die Taliban in ihrem Kampf gegen die westlichen Besatzungsmächte und ihre Verbündeten!


Zusatz
Daß die Taliban aus christlicher Sicht eine akzeptable Regierung sein werden, ist schwer vorstellbar, aber indiskutabel ist nun aber die Vorstellung, Afghanistan per „heiligem christlichen Krieg“ zu zwangschristianisieren. Gott ließ es zu, daß der Teufel im Paradiese Adam und Eva verführte und so muß es nun wohl politisch akzeptiert werden, daß hier nun ein islamischer Staat entstehen wird.

 

Dienstag, 17. August 2021

Ein Beitrag zur Kritik der Forderung nach der ökumenischer Eucharistie/Abendmahlsgemeinschaft

Ist Jesus Christus gleichermaßen in der katholischen Eucharistiefeier gegenwärtig wie in einem protestantischen Gottesdienst?


Ja, so verhält es sich: Dies Urteil bildet das Fundament des ökumenischen Dialoges bezüglich der Eucharistie bzw des Abendmahles und soll so auch eine wechselseitige Zulassung zu der jeweiligen Feier legitimieren. Gern wird dazu zitiert:

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Mt 18,20. Die Frage, welche Bedingungen diese 2 oder 3 erfüllen müssen, damit sie eine Versammlung in Jesu Christi Namen sind, wird dann aber nicht erörtert, denn es wird auf die Suggestivkraft der Vorstellung gesetzt, daß jeder christliche Gottesdienst eine Versammlung in seinem Namen ist, wie unterschiedlich er dann auch gestaltet werden möge.

In einem Kath net Artikel am 13.8. wird zu dieser causa die Äbtissin Reemts wie folgt zitiert:

"In einem anderen Blogbeitrag weist sie darauf hin, dass die Kirche ihrem Wesen nach „Eucharistiegemeinschaft“ sei, also „Gemeinschaft derer, die in der Teilhabe an Leib und Blut Jesu Christi eine Einheit bilden.“ Kirche stehe dabei „unter ihrem Bischof“, erinnert die Theologin und zitiert Cyprian: „Die Kirche ist im Bischof.“ Äbtissin Reemts führt weiter aus, dass gemäß Cyprian „auch das Zusammensein zweier oder dreier Christen“ gebunden sei „an die Unterordnung unter den Bischof, den nur er bürgt dafür, dass diese Begegnung im Heiligen Geist stattfindet.“

Auf Nachfrage nannte die Äbtissin als Fundort dieser Cyprianäußerung: „ich fand das Zitat in der Dissertation von Papst Benedikt "Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche". Der Ausdruck "ecclesia in episcopo" findet sich: Cyprian, Brief 33,1.“

Eine Versammlung von Christen ist also nur eine, wenn sie eine in der Subordination des Bischofes sei. Unter dieser Unterordnung ist sicher nicht zu verstehen, daß der Bischof präsent sein muß in der Versammlung, daß nur durch seine reale Präsenz eine Versammlung eine christliche würde. Es ist stattdessen zu verstehen als eine im Einklang mit dem Bischof sich befindende Versammlung. Einige Kommentare zu diesem Kath net Artikel frugen nun an, ob das denn heißen solle, daß eine Unterordnung unter den Bischof die Voraussetzung für eine wahre christliche Versammlung sei, gleichgültig was denn nun der Bischof in dem betreffenden Bistum vertrete.Wenn also ein Bischof sich für die Segnung homosexueller Paare oder die Einführung des Frauenpriestertumes ausspräche, wäre dann in diesem Falle nur die Versammlung eine im Namen Jesu Christi, die diesen 2 Destruktionsvorschlägen zustimmte?

Das kann auf keinen Falle im Sinne Cyprians oder des hl. Augustin sein. Wie ist dann aber diese Subordinationsforderung zu verstehen? Für Cyprian ist der Bischof der Garant dafür, daß die Versammlung von Christen eine ist, die im Einklang mit der apostolischen Tradition sich befindet, denn das Bischofsamt ist das Nachfolgeamt des Apostelamtes. Nur wo in diesem Sinne eine Versammlung apostolisch ist, ist sie auch christlich, eine im Namen Jesu Christi. Wenn nun ein Bischof etwas lehrt und verkündigt, das nicht im Einklang sich befindet mit der apostolischen Tradition, so darf hier eine christliche Versammlung, damit sie wahrlich eine christliche ist, gar nicht solchen Sonderlehren eines Bischofes folgen.

Was besagt das nun aber für Jesu Christi Gegenwart in protestantischen Gottesdiensten? Nehmen wir Cyprians Aussage ernst,daß die Kirche im Bischofsamt sei, muß konstatiert werden, daß da es im Protestantismus keine gültig geweihten Bischöfe gibt, auch diese Versammlungen keine im Namen Jesu Christi sein können. Luther hat nämlich mit der Abschaffung des Priestertumes auch die Weihe zum Priester- und Bischofsamt beseitigt. Ein evangelischer Pfarrer wie auch ein evangelischer Bischof ist so ein Laie, dem nur durch einen rein kirchenrechtlichen Akt besondere Pflichten und Rechte zugeteilt werden. Beides sind aber keine Weiheämter, Luther hat ja dazu eigens das Sakrament der Weihe abgeschafft. Das Sakrament der Weihe vermittelt eine geistliche Vollmacht, ohne die das jeweilige Amt nicht ausgeführt werden kann, wohingegen die Ordination im Protestantismus nur eine rein symbolische Handlung ist, die zum Ausdruck bringt, daß nun dem Ordinierten bestimmte Pflichten und Rechte kirchenrechtlicher Art zukommen.

Cyprian sagt so aus, daß eben ein bloßes Getauftsein und ein Bekenntnis zu Jesus Christus noch nicht hinreicht, um eine Versammlung als einer im Namen Jesu Christi zu konstituieren. Angesichts dieses Resultates wundert es nun nicht mehr, warum in ökomenischen Texten auf eine Auslegung von Mt 18.20 verzichtet wird.

Es muß sich dann aber unbedingt auch die Frage aufdrängen, wie denn eine Versammlung eine im Namen Jesu Christi sein kann, die zwar Jesus als ihren Herrn bekennt, aber das von ihm als Stellvertretung auf Erden eingesetzte Papstamt ablehnt.


 

Montag, 16. August 2021

Irritationen: Die Westliche Wertegemeinschaft als die Verteidigung des Christentumes gegen den kommunistischen Atheismus?

(kritische Anfrage zur Gleichsetzung von Christentum und Liberalismus)


In der Epoche des „Kalten Krieges“ besaß diese Deutung der EWG (Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, aus der dann die EU (Euräpische Union) wurde in dem Verbund mit der NATO eine gewisse Plausibilität, stand Europa doch der sozialistischen Sowjetunion und der von ihr dominierten Ostblockstaaten gegenüber. Da der sowjetische Sozialismus atheistisch ausgeprägt war und auch offensiv den verkündete, lag es nahe, den Zusammenschluß der westeuropäischen Staaten in den beiden Gestalten der EU und der NATO als Verteidigungsbündnisse gegen den Osten zu deuten.

Daß diese westeuropäischen Staaten sich europäisch nannten, daß also ein Teil, nämlich Westeuropa sich für das ganze Europa ausgab hätte eigentlich irritieren müssen. Aber diese Selbstbezeichnung sollte eben zum Ausdruck bringen, daß das einstige christliche Abendland in diesem Westeuropa weiterlebe, wohingegen Osteuropa durch seinen Sozialismus sich aus dem Abendland verabschiedet habe und so auch nicht mehr zu Europa gehöre, denn das existiere nur noch in Westeuropa, in der „Westlichen Wertegemeinschaft“. Diese „Wertegemeinschaft“ bewahre sozusagen das christliche Abendland in sich auf, auch wenn faktisch damit die christliche Religion auf „Werte“ reduziert wird, die nun das Zentrum dieses westlichen Wertehimmels bilden sollen. (Dem korreliert die Umgestaltung der einstig marxistisch fundierten Weltanschauungspartei SPD zu einer der sozialdemokratischen Werte im Godesberger Parteiprogramm.)

Also die westlichen Werte soll also die EU und die Nato gegen den atheistischen Kommunismus verteidigen. Das tat er dann auch bis zum Endsieg 1989f über den östlichen Sozialismus. So plausibel das auch klingen mag, stimmt es denn auch?

Den nach 1989 der EU beigetretenen Ländern Polen und Ungarn werden ja nun vehement Verstöße gegen die westlichen Werte vorgeworfen. Da wäre der Vorwurf, diese Länder erlauben Frauen nicht die Tötung ihrer Kinder im Mutterleibe, oder sie schränkten dies Menschenrecht ein, sie weigerten sich, die Homosexualität zu fördern, ja Ungarn erdreiste sich gar, Kinder vor Homopornofilme zu schützen und beide Länder stemmten sich gegen ihre Islamisierung. Sie wollen ihre Eigenkulturen bewahren, statt sie durch das Projekt der Multiethnisierung und Multikultivierung auflösen zu lassen! Was haben diese Kritik mit den christlichen Werten gemein, die angeblich die Westliche Wertegemeinschaft fundieren? Nichts! In Ungarn, Polen und auch in dem heutigen Rußland findet sich weit mehr Christliches als in den westeuropäischen sich säkularisierenden Ländern. Es muß sogar geurteilt werden, daß die Politische Korrektheitsideologie die Funktion des Christentumes als der Religion des europäischen Abendlandes in Westeuropa übernommen hat und so nun auch in Osteuropa installiert werden soll.

War die Westliche Wertegemeinschaft wirklich primär ein Verteidigungsbündnis gegen den Ostsozialismus oder nicht eher Ausdruck des Willens, Osteuropa wieder in den Weltkapitalismus zu reintegrieren? Der Liberalismus als die Ideologie des Kapitalismus bildete deshalb das Zentrum dieser westlichen Wertegemeinschaft. Nur der Liberalismus ist nun mal kein legitimes Kind des Christentumes, ist er doch nicht nur antikirchlich ausgerichtet sondern ist der Glauben an das Privateigentum und sieht im Geschäftemachen die heiligste Aufgabe des Menschen. Der Krämer ist das praktische Ideal dieser Werteordnung. (Die Romantik kritisierte schon diesen bestimmenden Charakter des postchristlichen Abendlandes als Philisterunkultur.)

Daß die Realität des kommunistischen Atheismus dann dem freien Westen verhalf, in der Epoche des „Kalten Krieges“ sich auch als Verteidigungswille des christlichen Abendlandes zu inszenieren, ist aber nicht zu übersehen, aber noch weniger, daß jetzt jeder, der sich als Verteidiger des christlichen Abendlandes versteht, als Rechtsextremist und Nazi perhorresziert wird von dieser „Westlichen Wertegemeinschaft“. Diese Wertegemeinschaft ist so nichts anderes als eine ideologische Maskerade des Willens zur Weltherrschaft des angloamerikanischen Kapitalismus, der sich nach dem 2.Weltkrieg Westeuropa unterworfen hat und nun ganz Osteuropa verwestlichen will.



 

Sonntag, 15. August 2021

Irritierendes: Wahrheitsliebe und Nächstenliebe: „und“ oder „oder“?



Die Ausdeutung der Bergpredigt Jesu Christi gehört sicherlich zu den schwierigsten Aufgaben, gilt doch gerade hier die Anfrage: „Verstehst Du auch, was Du liest?“ (Apg 8,30). In der Bergpredigt steht nun geschrieben: „wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!,soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein“. (Mt 5,22). Ist hier mit dem „Bruder“ der leibliche oder der Glaubensbruder gemeint oder gar beide? Vom Kontext der Bergpredigt her liegt es wohl näher, an den Glaubensbruder zu denken, es sich hier also nicht um eine Gebot für das Familienleben handelt: Sage nicht zu Deinem Bruder (in Konflikt-fällen?)Dummkopf! Wer so zu seinem Bruder spricht, der soll dafür bestraft werden durch den „Hohen Rat“. Der „Hohe Rat“ meint zu Zeiten Jesu die jüdische Selbstverwaltungsorganisation im Rahmen der Fremdbeherrschung durch den römischen Staat. Da für die Christen diese Institution keine Bedeutung mehr hatte nach dem Entstehen der Kirche, muß wohl der „Hohe Rat“ nun gedeutet werden als die Kirchenleitung, die da disziplinarisch einzugreifen habe, wenn ein Christ einen anderen als „Dummkopf“ bezeichnet.

Eine mögliche Erklärung wäre die, daß es keine Christen geben könne, die als „Dummköpfe“ zu qualifizieren wären, sodaß Jesus hier im Prinzip nur sagte: Rede nicht Unwahres, den Glaubensbruder Abqualifizierendes! Soll es also zu Zeiten Jesu unter Christen keine Dummköpfe gegeben haben und auch nie in der Kirche geben können, sodaß diese Aussage immer eine unwahre und so nicht rechtfertigbare ist?

Nun ist der Ausspruch: „Gegen die Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens!, und das nicht ganz ernst gemeinte Gebet: „Gott, laß Gehirn regnen!, allseits bekannt. Aber es könnte nun eingewandt werden, daß so ein Christenmensch zumindest hinsichtlich seiner Mitchristen nicht denken und reden dürfe, denn unter ihnen gäbe es keine Dummheit.

Ein kleines Erlebnis aus einem Gottesdienst in den Coronazeiten: Hinter mir war die Kirchenbank gesperrt um der Mindestabstände willen. Am rechten und linken Ende der Bank lag unübersehbar ein recht großer weißer Zettel aus mit der höflichen Aufforderung: „Bitte freilassen!“ Eine Frau setzte sich nun direkt hinter mich. Ich wandte mich um und verwies auf den auf der Bank ausgelegten Zettel. Sie respondierte: Ich habe mich ja nicht auf den durch den Zettel abgedeckten Platz sondern daneben gesetzt- das sei ja wohl erlaubt! Diese Christin meinte allen Ernstes, daß die Aufforderung: Bitte freilassen!, sich nur auf die durch den ausgelegten Zettel belegte Sitzfläche bezöge. Hätte ich diese Frau nicht rechtens als Dummkopf bezeichnen dürfen- ist das nicht wahrhaftig Dummheit?

Ein Blick in die heutige Kirche wird auch den wohlwollendsten Interpreten dazu nötigen, von der Allgegenwart der Dummheit in der Kirche zu sprechen, daß in ihr immer auch Dummköpfe sich befinden.

Meint Jesus somit, daß es wohl dummköpfige Christen gäbe, daß sie aber so nicht benannt werden dürfen? Damit gäbe uns die Bergpredigt ein Beispiel dafür, daß um der Nächstenliebe willen, ein Dummkopf nicht von uns Christen als Dummkopf bezeichnet werden dürfe. Die Höflichkeit verböte so, die Wahrheit zu äußern: Du bist ein Dummkopf! Die Höflichkeit sollte dabei als Vorschule der Nächstenliebe begriffen werden, denn die Nächstenliebe verlangt mehr als nur das höfliche Benehmen, aber wer noch nicht einmal diese Tugend der Höflichkeit zu praktizieren weiß, der wird sicher Werke der Nächstenliebe nicht zu Stande bringen können.

Also, wo die Pflicht zum wahrhaftigen Reden: „Du Dummkopf“ verlangte, verbietet dem Christen das Gebot der Nächstenliebe, dies wahre Urteil auszusprechen. So wäre diese Jesusbelehrung ein kluger Rat, mit der Wahrheitsliebe es nicht zu übertreiben, wenn durch das Aussprechen einer Wahrheit ein Mitmensch geschädigt unzumutbar würde.

Ergänzend könnte dann noch hinzugefügt werden, daß etwa ein Schüler, würde er regelmäßig durch seine Lehrer als „Dummkopf“ abqualifiziert dadurch erst recht zum Dummkopf werden. Er würde so auf die Rolle des Dummkopfes in der Schulklasse fixiert, daß er nicht mehr aus ihr herauskommen könne. Das gälte nun allgemein. (Sartre erhebt das gar zu einem Essential seiner Philosophie, daß der Andere durch sein Urteil über mich der Tod meiner Möglichkeiten wird.)

Jesus wäre so ein wahrer Weisheitslehrer, der eben auch darum weiß, daß das Prinzip: „Immer rede ich wahrhaftig“ inhuman ist. Wer auf eine Geburtstagsfeier Eingeladener sagte auch zur Geburtstagstorte, selbst vom Gastgeber produziert, daß sie fürchterlich schmecke, auch wenn sie ihm so schmeckte.

Aber es muß auch Grenzen dieser Höflichkeitskultur geben und Jesus praktiziert sie hier selbst, indem er ganz unhöflich dem „Du Dummkopf“ Sager mit dem Kirchengericht droht!

Ist so aber wirklich diese Aussage der Bergpredigt begriffen worden? Lehrt Jesus hier wirklich nur eine Gutbenimmregel?Vielleicht ist diese Aussage mehrdeutig, vielleicht macht das ja auch die Qualität der Bergpredigt aus, daß ihr Gehalt nicht durch eine Ausdeutung erschöpfend erfaßt werden kann?

Eine andere Ausdeutung könnte so lauten: Ein Christ kann kein Dummkopf sein, weil er Jesus als den Christus erkannt hat. Wer so einen Christen als Dummkopf tituliert, verkennt deshalb, daß er ein Christ ist. Diese Interpretation impliziert, daß die christliche Religion aus Erkenntnissen besteht: Was ist wahr und wie soll ich leben und was darf ich hoffen? Wer diese Erkenntnisse sich glaubend angeeignet hat und sie lebt, kann deshalb kein „Dummkopf“ sein und deshalb darf ein Christ so nicht qualifiziert werden. In weltlichen Angelegenheiten mag und kann ein Christ ein Dummkopf sein, ja die Weltkinder stehen gar im Rufe, in weltlichen Angelegenheiten klüger als die Kinder Gottes zu sein, aber ob und in ihrem Glauben können sie keine Dummköpfe sein, weil sie Erkennende sind.

(Eine kleine Ausschweifung: Der heftige Konflikt zwischen der christlichen Religion und der sogenannten Gnosis im Urchristentum und der Alten Kirche hatte seinen Grund gerade darin, daß die christliche Religion der Gnosis so sehr verwandt war. Die Erlösung des Menschen ist nur durch die wahre Erkenntnis (Gnosis) möglich, dieser Aussage stimmten sie Beide uneingeschränkt zu. Strittig war nur, was die wahre Erkenntnis war. So ist dem Exegeten Bultmann zuzustimmen, wenn er zu dem Ergebnis kommt, daß das Johannesevangelium Jesus in dem Vorstellungskomplex des gnostischen Erlösermythos expliziert, daß nur ein aus dem Jenseits in die gefallene Welt Kommender die in dieser Welt Exilierten aus diesem Schicksal befreien kann, indem er ihnen Anteil gibt durch sich an dem wahren Leben des Jenseits.)

Auch und gerade der christliche Glaube versteht sich als Erkenntnis des Wahren; darum agiert Jesus primär als Lehrer, der Schüler um sich versammelt, um sie in die Wahrheit einzuführen, sie also zu belehren. Die übliche Übersetzung der Schüler Jesu als Jünger verdunkelt dies aber und verunklart so auch, warum Schüler Jesu keine Dummköpfe sein können, weil sie ihn als göttlichen Wahrheitslehrer haben!

Diese Deutung schließt aber die erster nicht aus, denn Christen können sehr wohl Dummköpfe in weltlichen Dingen sein und sie können verdummen, wenn sie sich von der Wahrheit des Glaubens entfremden.

 

Samstag, 14. August 2021

Anfragen zur Heiligsprechung Maximilian Kolbes oder Irrte die Kirche?


Die Disputationsfrage lautet: Ist die Heiligsprechung Kolbes vereinbar mit der katholischen Morallehre bezüglich der Beurteilung des Freitodes? Die Katholische Kirche lehrt, daß ein Freitod immer einer schwere Sünde sei, da der Freitod gegen das Gebot der Selbstliebe und der Nächstenliebe verstoße. Da Gott dem Menschen das Leben nur geliehen und nicht geschenkt habe, dürfe der Mensch nicht über sein Leben frei verfügen, es also nicht freiwillig beenden.


Zusätze

1. Wenn in der Katholischen Morallehre vom Freitod als Selbstmord gesprochen wird, so ist dies umgangssprachlich verstehbar, aber im strengen Wortsinn ist der Freitod nicht subsumierbar unter den Begriff des Mordes. Die Definition des Mordes:


§ 211 Mord

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer

aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.
Offenkundig paßt diese Definition nicht auf den Freitod. Einwendbar wäre nun das Argument, daß die Katholische Morallehre unabhängig von dieser „weltlichen“ Definition des Mordes bestimmen könne, was sie unter Mord verstehen wolle. Ein solches Procedere widerspräche aber der Katholischen Verhältnisbestimmung von Vernunft und Offenbarung, daß die offenbarten Wahrheiten nicht den vernünftig erkannten widersprechen. Es kann keine Vernunftwahrheit geben, die der Vernunft widerspricht.


2. Materialien der Moraltheologie sind nur Taten oder Unterlassungen, die als freiwillig getane oder unterlassene anzusehen sind. Im Einzelfall ist dann aber zu prüfen, ob der Täter oder Unterlasser sie wirklich freiwillig getan oder unterlassen habe. Das meint die Distinktion von der objektiven Qualität einer Tat bzw Unterlassung, daß jeder Freitod objektiv eine schwere Sünde ist, daß aber der Täter nicht immer voll verantwortlich für seine Tat ist, die subjektive Zurechenbarkeit. Gäbe es die Möglichkeit des Freitodes gar nicht, wäre dieser Tod niemals freiwillig gewollt gewesen, könnte er so keine Materie der Moraltheologie sein.


Maximilian Kolbe hat nun gesagt: „Tötet mich, dafür verschont aber den jetzt zu Tode Verurteilten. Dies ist eindeutig eine Aufforderung zur Tötung der eigenen Person, also eine Tötung auf Verlangen und somit eine Form des Freitodes. Wenn der Freitod eine schwere Sünde ist, dann kann eine so schwere Sünde durch noch so einen guten Zweck nicht gerechtfertigt werden. Auch der Zweck der Rettung des Lebens eines anderen legitimiert so nicht diese Tötung auf Verlangen.
Wenn also die Katholische Lehre über den Freitod wahr ist, hätte Maximilian Kolbe nicht freigesprochen werden dürfen oder aber die Kirche irrt sich in dieser Causa.
Nun spricht der Fall des Maximilian Kolbe selbst für dafür, daß die Lehre der Kirche in dieser Causa fehlgeht. Denn wenn Jesus Christus schon am Kreuze sein eigenes Leben aufopferte, um die Vielen zu retten, wie könnte dann Kolbe gesündigt haben, wenn er sein eigenes Leben aufopferte, um das eines anderen zu retten? Kolbe opferte ja gerade sein Leben aus der Liebe zu seinem Nächsten, der sonst getötet worden wäre. Zudem lehrt die Kirche sonst, daß Gott uns unser Leben geschenkt und nicht nur „geliehen“ hat. Wenn uns das Leben geschenkt ist, dann kann es aber keine Sünde sein, wenn es aus Liebe zu Mitmenschen aufgeopfert wird. Und es darf gefragt werden, ob es nicht auch Kolbes Liebe zu sich selbst entsprach, hier sein Leben zu opfern, weil er sich nicht sagen wollte, daß er, weil er weiterleben wollte, die Tötung eines Mitmenschen nicht verhindern wollte: Ich lebe auf Kosten eines anderen! Das kann auch als ein Problem für die Selbstliebe wahrgenommen werden: Kann ich mich noch lieben, wenn ich so mein Weiterleben mir erwirkt habe.
Abstrakter: Der Freitod ist genau dann eine schwere Sünde, wenn er der Selbstliebe und der Nächstenliebe und der Liebe Gottes zu uns Menschen widerspricht; nicht jeder Freitod ist so geartet, wie es der Fall Kolbe uns zeigt.