Mittwoch, 19. Januar 2022

Mitten in der Kirchenkrise: Wird der angreifende Feind übersehen?

Mitten in der Kirchenkrise: Wird der angreifende Feind übersehen?


Dürfte man denn eine metaphysisch relevante Lektion d niieses monströsen Jahrhunderts formulieren, sie hätte zu lauten,dass Böse müsse mehr sein als die Abwesenheit des Guten. Wer unsere Epoche in ihren dunkelsten Aspekten erfuhr,kann sich dem Eindruck nicht entziehen, das Böse sei eine autonome Instanz mit einem langen Atem und unerschöpflichen Reserven;im Weltgrund selbst klafftt, im mythischen Bild gesprochen, ein katastrophischer Riß auf, aus dem die Übel mit mutwilliger Gewalt hervorstürzen.“ Peter Sloterdijk, Die wahre Irrlehre: Gnosis, in:ders, Nach Gott, 2017, S.70.

Im 1.Petrusbrief, 5,8-9. der in dem Nachtgebet der Kirche, in der Komplet jeden Dienstag gelesen wird, heißt es deshalb so: Seid nüchtern und wachsm! Euer Widersacher,der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens!

In unserer nachmetaphysischen Welt ist die Welt eine Totalität, außerhalb der es nichts gibt und alles, was ist, Teil dieser Welt ist, aus der heraus alles in ihr als prinzipiell erklärbar gilt. So muß dann auch das Böse etwas rein Weltliches sein und so liegt es nahe, es als einen Mngel an Gutem (miß)zuverstehen. Zu sein ist etwas Gutes im Vergleich zum nicht zu sein und so wäre alles Negative ein Mangel an Sein, könnte gedacht werden. Sloterdijk wagt nun einen wahrhaft metaphysischen Gedanken, den eines Jenseits dieser Welt, woher dann das Böse in diese Welt hineinströmt. So ist dies Böse nicht mehr einfach etwas weltimmanent Erklärbares.

Dsmit erfaßt dieser philosophische Geanken genau das, was die ontologische Qualität des Teufels ausmacht: Er ist eine übernaürliche rein jenseitige Kraft, die dann aber in unsere Welt hineinwirkt. Es ist keine apersonale Kraft sondern eine „autonome Instanz“,eine die sich selbst ein Gesetz gebend selbstbestimmt agiert. Nur in der Form eines Mythos kann so der Grund dieses Bösen erzählt werden, denn er ist jenseitig der Natur und der Menschheitsgeschichte. Der Mythos von der Revolution Luzifers wider Gott bringt so gerade in angemessener Weise dies zum Ausdruck.

Wer heutzutage aufmerksam den Diskurs über die Krise der Kirche verfolgt, müßte eigentlich so etwas auffallen, daß von dem Feind der Kirche, der gegen sie seinen Krieg führt, nicht mehr die Rede ist. Der theologische Diskurs hat sosehr Abschied vom Teufel genommen, sodaß er in ihm nicht mehr vorkommt. Das wäre so, als würde ein Fußballspiel von RB Salzburg kommentiert, aber der Gegner, gegen den gespielt wird, mit keinem Worte erwähnt. Der Sport kennt Gegner, die Wirtschaft Konkurrenten, aber der theologische wie der politische Diskurs (Carl Schmitt) den Feind. Für den Feind, den Teufel gilt ganz gewiß das Gebot der Feindesliebe nicht, wie immer dann auch dies Gebot zu verstehen ist, soll es nicht einfach amerikanisch pragmatisch praktiziert werden: erst den Feind totschießen und ihn danach lieben.

Sicher seit dem es die Kirche gibt, ist sie das Vorzugshaßobjekt des Teufels, der sie so mit langem Atem und unerschöpflichen Reserven bekämpft. Aber wie in jedem Fußballspiel gibt es Phasen, in denen der Gegner zurückgedrängt wird in seinen eigenen Elfmeterraum und andere, wo er kraftvoll angreift und die Verteidigung in größte Bedrängnis bringt. Solange die Kirche auf Erden sich noch als ecclesia militans= als kämpfende Kirche begriff (in ihrer Einheit mit der leidenden im Fegefeuer und der triumphierenden im Himmel) war sie auch für solche Abwehrschlachten gerüstet, verfügte sie doch auch über eine gute Verteidigung, die theologische Disziplin der Apologetik und über Stürmer als die besten Verteidiger, die Missionare. Aber seit sie sich nun nur noch als spazierengehendes Gottesvolk versteht, als wäre ihr Weg in der Welt ein vergnüglicher Picknickausflug, hat sie aufgehört zu kämpfen und hat aufgehört, sich zu verteidigen. Sie lebt so, als gäbe es keinen Feind mehr für sie sondern nur noch eine Welt, in der alle Gutgesonnenen mit den Christen zusammen damit beschäftigt seien, eine bessere und humanere Welt zu erwirken.

Aber seit der Aufklärung kämpft die Welt im Namen der Vernunft gegen die Kirche als dem Ort der übernatürlichen Wahrheiten. In diesem Kampfe steht gewiß der Feind der Kirche nicht abseits, bloß zuschauend.Die Feinde der Kirche sind vielfältig, man denke nur an den Atheismus, die Bedrohung durch den Islam, aber auch an den Feminismus und das Freimaurertum darf auch nicht übersehen werden. Aber all dies greift zu kurz, wenn der eigentliche Feind in seinem Kampfe gegen die Kirche dann übersehen wird. Und dieser hat in den letzten Jahrhunderten große Erfolge erzielt. Dabei greift er die Kirche nicht einfach nur von Außen an, nein mitten in ihr kämpft er. Gewiß hat es in der Kirche nie eine Häresie gegeben, die nicht von diesem Feinde tatkräftig unterstützt wurde und wird. Wenn die Kirche aber ihren Feind verkennt, ihn nur noch als unzeitgemäßen Mythos betrachtet, kann er umso effektiver kämpfen, wie ein Löwe, den die Schafe nicht mehr sehen, wenn er eines nach dem anderen reißt.

 

Corollarium 1

Eines muß dabei besonders bedacht werden: So wie Gott immer Menschen in seinen Dienst stellt und sie sich in ihn stellen lassen, so stellt auch der Feind Menschen in seinen Dienst. Weil der Teufel kämpft, kämpft er auch mit seinem  irdischem Bodenpersonal. 


 

Dienstag, 18. Januar 2022

Kurze Anmerkungen zur Causa Kardinal Woelki

Kurze Anmerkungen zur Causa Kardinal Woelki


Seit dem der Termin seiner ersten Predigt im Bistum Köln, am Aschermittwoch nach seiner wohl nicht ganz freiwillig angetretenden Pause bekannt gemacht worden ist, beginnt wohl die heiße Phase des „kirchlichen“ Aufstandes gegen diesen Bischof. Jedem ist klar, daß die Mißbräuchsfälle hier dazu instrumentalisiert werden, einen mißliebgen Bischof in die Wüste zu schicken.

Dieser Bischof hatte sich in den Hochzeiten der Asylantenkrise als treuer Apologet der Regierungspolitik einen Namen gemacht, predigte er doch die Asylantenliebe als höchste Tugend. Ein ganz und gar politisch korrekter Bischof! Wie konnte der nun zu einem der beliebtesten Feindobjekt im Kirchenkampf werden? Er stellte und stellt sich gegen die Re/Deformagenda des „Synodalen Irrweges“!

Jetzt steht so eine Frage im Zentrum des jetzigen Kirchenkampfes: Kann in Deutschland noch jemand Bischof oder Kardinal sein, der nicht der Re/Deformagenda dieses „Synodalen Irrweges“ zustimmt. Die geforderte Verdemokratisierung der Kirche verlangt eben, daß Amtsträger nur solange Amtsträger sein können, wie sie durch die Zustimmung der „Basis“ legitimiert werden. Im Idealfall sollen sie demokratisch gewählt und auch bei Mißfallen demokratisch abgewählt werden können. Von diesem Organisationsprinzip des bürgerlichen Vereinsleben ist die Katholische Kirche noch weit entfernt, ist sie doch eine Institution, die zwar in der Welt existiert, aber nicht aus ihr, weil sie ihren Grund und ihre Ordnung aus Gott empfangen hat. Aber der Wille zur Verprofanisierung der Kirche erheischt eben gerade auch die Angleichung ihrer inneren Ordnung an die Ordnungen der bürgerlichen Welt. Ein verbürgerlichtes Christentum will eben auch eine verweltlichte Kirchenordnung. In dem Versuch, diesen Kardinal zu stürzen wird so die Verdemokratisierungspaole selbst schon praktiziert.Der „Synodale Irrweg“ wird jetzt richtig praktisch.

Dabei tritt ein interessanter Doppelcharakter der Parole nach einer Pluralisierung und nach einer Diversität in der Kirche zu Tage: Einerseits wird die verbindliche Lehre der Kirche in Frage gestellt durch die Forderung einer Pluralisierung und andererseits soll alles Conservative und Traditionalistische aus der Kirche exkommuniziert werden. So wie im politischen Diskurs die Forderung nach einer „bunten“ Gesellschaft primär den Ausschluß der Farben: Schwarz für conservativ, Braun für rechts und Blau für die AfD meint und faktisch so nur Rot und Grün erlaubt, so führt die Forderung nach mehr Pluralität und Diversität auch nur zu einem Einheitschristentum Rot-Grüner-Färbung. Daß nun der einstige Liebling der politisch korrekten Medien zur persona non grata avancieren konnte, verdankt sich dem Sündenfall dieses Kardinales, kritisch sich zum „Synodalen Irrweg“ geäußert zu haben. Das Laien ZK verlangt eben gehorsame Bischöfe, die sich dem Revolutionsparlament des „Synodalen Irrweges“ unterwerfen.

Eine Frage steht nun im Vordergrund: Wird Kardinal Woelki seine anoncierte Aschermittwochpredigt halten können oder werden Reformenthusiasten das verhindern können als ihren ersten Sieg über die Katholische Kirche? Ein Prophet bin ich nicht, aber wenn ich auf die Haßkampagnen gegen Kardinal Woelki schaue, ich halte es für realistisch, daß er die Messe nicht lesen werden kann ob vielfältiger „kreativer“ Störaktionen vor und in der Kirche. Dieser Kardinal soll weg, denn in der Kirche des „Synodalen Weges“ ist kein Platz für Kritiker der Re/Deformagenda des Linksliberalismus! 

 

Corollarium 1

Diese Reformsynode hat mehr mit des Aufklärungsphilosophen Voltairs Parole: "Vernichtet die Infame" gemeint ist die Katholische Kirche gemein als mit einer Reform im eigentlichen Sinne, einer Zurückführung einer deformierten Kirche zu ihrer Ursprünglichkeit.  

 

Montag, 17. Januar 2022

Was bleibt von der Geschichte, wenn es keine Heilsgeschichte mehr ist, weil Gott abhanden kam?

Kann es Geschichte ohne Gott geben? Was bleibt von der Geschichte, wenn es keine Heilsgeschichte mehr ist?


Können wir uns ein >heidnisches<,nichthistorisches Universum vorstellen,eine Welt, die vollkommen außerhalb dieses Paradigmas existiert, in der die (historische)Zeit ohne teleologische Krümmung einfach dahinfließt, in der die Idee eines gefährlichen Augenblicks der Entscheidung (Walter Benjamin)>Jetztzeit, aus der eine >leuchtende Zukunft< hervorgehen wird, die die Vergangenheit selbst erlösen wird, schlicht bedeutungslos ist?“Zizek, Absoluter Gegenstoß, 2016,S.481.

Mit dem Paradigma meint Zizek das „Hölderlin-Paradigma“: „Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch“. „Der gegenwärtige Augenblick erscheint als Tiefpunkt eines langen Prozesses der historischen Dekadenz (die Flucht der Götter, Entfremdung...)aber die Gefahr ded katastrophalen Verlusts eröffnet auch die Möglichkeit der Kehre“. Erst durch dieses Paradigma kann ein Augenblick der Geschichte zu einem Kairos werden, wo alles darauf ankommt, daß jetzt richtig entschieden wird.Für den vom Pietismus geprägten Bultmann war dieser Kairos so der Augenblick der Konfrontation mit dem Wort Gottes, wo der Hörer sich für oder gegen den Glauben entscheidet.Dies ist ein Element seines Entmythologisierungsvorhabens, daß die christliche Heilsgeschichte so exentialisiert wird. Die christliche Heilsgeschichte bildet ja den Hintergrund für das Hölderlinparadigma. Die große Erzählung von der Erschaffung des Menschen, von seinem Fall, seine Abfallsgeschichte bis zu dem Augenblick der Menschwerdung Gottes, der Wende zum Heil, die ihren krönenden Abschluß im Reich Gottes finden wird.Als „teleologische Krümmung“ deutet Zizek diese Zukunft des Reich Gottes als eine Rückkehr zum paradiesischen Ursprung. Anthroplogisch formuliert: Der sich von sich selbst entfremdete Mensch kommt durch die Aufhebung seiner Entfremdung zu sich selbst, wobei dann diese Gesamtbewegung als die der Entwickelung des Menschen gedeutet wird.So konstituiert sich die Geschichte des Menschen als eine in sich sinnvolle, die als solche auch erzählbar ist.Das Ganze der Geschichte mit ihren außergewöhnlichen Augenblicken des Entscheidens entsteht so erst durch so ein Paradigma, daß die vielen Einzelstücke zu einer Geschichte synthetisiert,Das Fortschrittsparadigma als säkularisierte Version der christlichen Heilsgeschichte ist so das dominierende der Moderne geworden.Noch in den innerkatholischen Reformdebatten ist dieses Fortschrittsparadigma präsent in der Forderung, die Kirche müsse zeitgemäß sein. Die Zeit wird dabei als ein auf ein Ziel hinströmender Fluß erachtet und die Kirche müsse mit dem Strom schwimmen, den er sei die unaufhaltsame Vorwärtsbewegung des Fortschrittes. So hieß das Zentralorgan der SPD ja auch: „Vorwärts“, ganz diesem Paradigma verhaftet.

Was bleibt aber von der Geschichte übrig, entzieht man ihr dieses Paradigma und was bedeutet es, wenn es dann auch keine Kairosse,Augenblicke, wo Entscheidungen zu treffen sind, die die Vergangenheit und die Zukunft ganz neu werden läßt, gibt?- Walter Benjamin spricht da von der Erlösung der Vergangenheit. Zizek gibt eine klare Antwort: Die Geschichte wird „bedeutungslos“, ja einfach sinnlos. Nun ist aber eine bedeutungslose bzw sinnlose Geschichte überhaupt keine Geschichte mehr.

Rudolf Peter Sieferle versucht eine dann noch mögliche Geschichtsschreibung zu skizzieren: „Wäre es da nicht plausibel,wenn nach dem Obsoletwerden der Geschichtsphilosophie auf den antiken Gedanken einer ungeordneten Fluktuation zurückgegriffen würde, unter Verzicht auf die Annahme kosmologischer Konstanz? Also eine erneute Renaissance,jedoch als neuartiges Amalgam zweier Figuren: irreversible Prozesse ohne Bewertung im Sinne von Fortschritt oder Niedergang?“ Finis Germania, 2017, S.99. Allerdings müßte mit Zizek hinter dem Begriff der irreversiblen Prozesse ein Fragezeichen gesetzt werden, denn die Gegenwart kann die Vergangenheit ändern. Nach Zizek war die Oktoberrevolution ein Aufbruch in neue Epoche der Menschheitsgeschichte und wurde durch ihr endgültiges Scheitern 1989f zu einem Irrweg in der Geschichte. Einfacher: Angesichts des Todes eines Drogenabhängigen wird seine erste Heroinspritze zum ersten Schritt zu seinem Drogentod, was sie aber vor dem Ereignis dieses Todes nicht war. Die Vorstellung einer ungeordneten Fluktation scheint zudem ja noch an der Vorstellung festzuhalten, daß es einzelne Sinnabschnitte gäbe, daß aber die Reihe der aufeinander folgenden Sinnabschnitte keinen Gesamtsinn mehr habe. Aber was konstituiert dann diese Einzelabschnitte noch zu sinnvollen Einheiten? Man kann sich leicht ein Buch vorstellen, in dem viele Kurzgeschichten erzählt werden, die jede für sich gelesen eine sinnvolle Erzählung wäre, die aber alle zusammen keinen Sinn ergeben, weil sie völlig willkürlich aneinander gereiht wurden. Fraglich ist aber, ob so die Gesamtgeschichte betrachtet werden kann, als eine Abfolge von in sich selbst sinnvollen Abschnitten. Oswald Spengler versucht so aber die Kulturgeschichte der Menscheit zu rekonstruieren, indem er einzelne für sich monadisch existierende Kulturen voraussetzt, die als solche in sich sinnhaft sind, aber wo es keinen Gesamtsinn für das Ganze der Kulturen mehr gibt. Siehe: Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes.

Daß die Geschichte und dann auch alle Abschnitte in ihr bedeutungs- und sinnlos werden, scheint so doch wahrscheinlicher, trotz Spenglers großem Versuch. Betrachtet man die Geschichtsphilosophie als säkularisierte Version der christlichen Heilsgeschichte, die nur so lange leben konnte, wie sie ihre Lebenskraft durch ihre Absetzung von dieser christlichen Quelle bezog, ist zu vermuten, daß die Darstellung der Geschichte als etwas in sich Sinnvolles und Bedeutungsvolles nur durch ein theologisches Paradigma möglich ist, das der großen christlichen Entwickelungserzählung von der Erschaffung der Welt bis zu ihrer neuen Wiederherstellung im Reiche Gottes. 

 

Corollarium 1

Wenn es keine sinnvolle Geschichte mehr geben könnte, wie sollte dann ein Einzelmensch in seiner Geschichte noch etwas Bedeutungsvolles und Sinnvolles sein können?  


 

Sonntag, 16. Januar 2022

Das neue Feindbild des Klerikers- oder wie effektiv die Katholische Kirche zu Grunde zu richten sei!

Das neue Feindbild des „Klerikers“ - oder das jungconservative Kapläne unausstehlich sind,daß die Kirche am Wesen eines (Kaninchenzüchter)Vereins genesen soll



Ein fulminanter Predigteinstieg: Grauenhafte Zeiten gab es einst, vorkonziliar: Da mußten die Laien den Pfarrer mit „Hochwürden“ titulieren, gar noch niederknienend. Sowohl dem Pfarrer als auch den Laien sei das widerwärtig gewesen, aber so war der Klerikalismus in der Kirche. Eigentlich war nur der zölibatär lebende Pfarrer die Kirche, der dann die Gemeinde „betreute“, sie war nur das Objekt seines klerikalen Wirkens. Aber auch jetzt sei trotz des 2. Vaticanums der Klerikalismus noch in der Kirche lebendig. Ja, es gäbe junge und conservative Kapläne, die davon träumten, wieder mit „Hochwürden“ tituliert zu werden. (Auch wenn es dann nicht ausgesprochen wurde, so darf man doch sicher sein, daß damit auch und insbesondere die Jüngeren gemeint sind, die eben Sympathien für die „Tridentinische Messe“ hegen. Wegen dieser jungconservtiven Begeisterung für die „Alte Messe“ führt ja Papst Franziskus nun auch seinen Kampf gegen diese Messe und diese Conservativen.)

Diese Momentaufnahme wurde nun eingezeichnet in das „Hölderlin-Paradigma“. (vgl Zizek, Absoluter Gegenstoß,2016, S.480-487) Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist wächst Das Rettende auch.“ (S.481) „Der gegenwärtige Augenblick erscheint als Tiefpunkt eines langen Prozesses der historischen Dekadenz (die Flucht der Götter. Entfremdung...)aber die Gefahr des katastrophalen Verlusts der essentiellen Dimension des Menschseins eröffnet auch die Möglichkeit einer Kehre“. (S.481) Der Jetztaugenblick ist so einerseits der Tiefpunkt dieser Fehlentwickelung und darum gleichzeitig auch der Kairos der Umkehr, der Wende zum Guten.

Der Klerikalismus sei das die Kirche Zerstörrende, aber jetzt sei der Augenblick, wo dieser Klerikerkirche ihr verdientes Ende fände.Viel würde in den Bistümern um Priesterberufungen gebetet, aber Gott erhöre diese Gebete nicht. Das sei offensichtlich. Denn so wolle Gott selbst die Klerikerkirche an die Wand fahren!

Wann begann der Irrweg des Klerikalismus? Wäre der Prediger ehrlich gewesen,hätte er sagen müssen:mit Jesu autokratischem Einsetzen der 12 Apostel, der Weihe dieser 12 zu Priestern und fand seinen ersten Höhepunkt im ersten Apostelkonzil, auf dem allein die Apostel und Presbyter (Priester) über die theologische Sachfrage des Wies der Heidenmission entschieden ohne eine Gemeindebeteiligung. Das wurde aber natürlich nicht gesagt, auch wurde nicht die erste antiklerikale Laienbewegung der Rotte Korach erwähnt (4.Mose 16), ist man doch mit dieser ganz und gar eines Geistes.

Irgendwann schlich sich der Klerikalismus ein, meist setzen Modernisten dafür die Zeit Kaiser Konstantins an, aber es kann auch früher schon diese Depravation eingesetzt haben, nur das Urchristentum war eben ganz und gar basisdemokratisch, egalitär und antihierarisch. Versimplifiziert gesagt: Da ging es zu wie im allseits bekannten Dorf von Asterix und Obelix, nur daß dann römische Klerikale die Kirche eroberten und unter ihre Herrshaft zwangen.

Ganz furchtbar sei es aber jetzt, da es gar jungconservative Kapläne gäbe, die davon träumten, mit „Hochwürden“ tituliert zu werden und im Sinne des Papstes wäre hinzuzufügen, gar die Klerikermese, die „Tridentinische“ zelebrieren wollen.

Also, an allem Elend der Kirche ist der Klerikalismus schuld.Das ist aber nun keine Verschwörungstheorie, denn den Klerikalismus zum Sündenbock zu machen, ist politisch korrekt. Denn klerikalistisch Gesonnene sind doch irgendwie also rechts gesonnen, aber zumindest conservativ. Aber jetzt ist der Kairos gekommen, daß alles anders wird. Die Rettung ist nahe!

So sollen die Gemeinden und die Kirchen vom Klerikalismus befreit werden. Es darf keine Laien mehr geben, sondern nur noch Brüder und Schwestern, die alle gleichberechtigt seien ! Die geschwistlerliche Gemeinde solle dann die Talente in sich erkennen und dem Bischof dann Personen zur Leitung der Kirche vorschlagen, die sie dafür geeignet halten. Die „weihe“ dann der Bishof. Sie sollten weitethin ihren Beruf, besser wohl Job ausüben und dann nebenbei den Job der Gemeindeleitung schmeißen. Jede und jeder könne dann so gewählt werden.Da zudem die Gemeinden immer kleiner würden, wäre das auch machbar. Nüchtern betrachtet läuft dies Rettungsprogramm einfach auf die Forderung hinaus, daß die Kirche wie ein beliebiger Verein zu organisieren sei, der sich durch eine flache Hierarchie auszeichnet: Vorstandsschaften, die abwählbar sind. Die Kirche müsse eben ihr Innenleben gemäß dem bürgerlichen Vereinsrecht gestalten, das wäre ihre Zukunft.

Aber ein bißchen Klerikalismus muß dann doch bleiben. Denn wenn den Prediger ein Gemeindemitglied mit „Euer Hochwürden“ titulieren würde, dann würde er diesem das strickt verbieten – kraft seines Amtes! Und es darf hinzugefügt werden, daß wenn viele Gemeindemitglieder die Wiedereinführung der „Tridentinischen Messe“ wünschen, müßte auch das selbstredend untersagt werden!

Denn wenn Modernisten und Liberale von den Gemeindechristen reden, meinen sie immer nur Christen, die genauso gesonnen sind wie sie und die wie sie die Verweltlichung der Kirche erstreben! Conservativ traditionalistisch Gesonnene gehören eben nicht zur Gemeinde, sind die doch nur Hilfstruppen des Feindes, des Klerikalismus. Einfacher gesagt: Das Laien ZK der Katholischen Kirche ist die Basisgemeinde der Kirche, allein die authentische Stimme der Gemeindechristen.


Aber braucht die Kirche denn nicht Priester, kann sie denn ohne sie die Eucharistie feiern? Aber was ist denn diese Eucharistie nach dem liberalkatholischen Ver-ständnis? Auch das offenbarte diese Antiklerikalismuspredigt: In ihr begegnen wir Jesus! Es hätte auch heißen können: der Liebe Gottes. Wichtig daran ist, was die Eucharitie nicht mehr sein soll: das kirchliche Meßopfer, auch kein Sakrament mehr im Sinne einer Gnadenvermittelung, sondern gut protestantisch: Wie in der Predigt, im Wort so begegnet uns die Liebe Gottes auch in der Eucharistiefeier.Katholisch gesehen ist ja Jesus Christus permanent im Tabernakel für uns präsent, sodaß ich auch, statt zu kommunizieren auch vor dem Tabernakel beten kann, wo mir so auch Jesus begegnet als der da präsente.

Ach ja, einen heftigen Schuß gegen einen sich revitalisierenden Klerikalismus feuerte diese Predigt nun noch ab. Die absheulichste Hochform des Klerikalismus ist ja die, wenn ein Priester allein ohne Gemeindemitglieder die Messe ließt.Ob des Verbotes, öffentliche Gottesdienste zu feiern ob des Coronavirus las so mancher Priester so allein seine hl Messe. Der Prediger behauptete nun gegen das geltende Kirchenrecht gegen diese sinnvolle Praxis, daß das verboten sei. Luther und alle Reformatoren hätten ihm begeisert zugestimmt, aber es zeigt eben unüberhörbar, daß diesem Prediger,obzwar gar ein Theologieprofessor, jegliches Verständnis der Messe fehlt. Das ist aber kein Wunder, sind die theologischen Fakultäten doch heute Biotope der Heranzüchtung von Häresien aller Art, sehr divers!

Ach ja, kam Gott als der Herr der Kirche auch in dieser Predigt vor? Ja, einmal, daß er unsere Gebete um Priesterbetufungen nicht erhört, weil Gott selbst die Katholische Kirche an die Wand fahren will .(Hier wurde der Teufel mit Gott verwechselt.)Diese völlige Verweltlichung der Sicht der Kirche findet eben ihren authentischen Ausdruck darin, daß faktisch vorgeschlagen wird, daß wenn die Kirche ihr Innenleben wie das eines (Kaninchenzüchter)Vereines gestaltete, sie aus der Kirchenkrise herauskäme. Denn die Kirche ist im Prinzip auch nichts anderes als ein Freizeitverein, in dem eben ein Hobby gepflegt wird.

 

Samstag, 15. Januar 2022

"Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen"-Offenbart sich hier Gott?

Mein Gott,mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ Offenbart sich hier Gott?


Das ist wohl das berühmteste Wort aus Jesu Mund, viel zitiert, aber wird es auch begriffen? Schenkte man den üblichen Karfreitagspredigten Glauben, dann offenbare Gott sich als die Liebe (zu allen Menschen) gerade am Kreuze. „Warum hast Du mich verlassen!“ signalisiert in einer Liebesbeziehung das (vorläufige) Ende. Verbunden ist diese Frage in der Regel mit der Hoffnung des so Fragenden, daß die aufgedeckten Gründe der Trennung Gründe sein mögen, die überwunden werden können, sodaß ein Neuanfang der Liebesbeziehung möglich wird. „Du hast mich verlassen“ heißt aber erstmal: „Du liebst mich nicht mehr!“

Dieser Ausruf signalisiert so noch etwas: Der als den Frager verlassen Habende Angesprochene wird als Anwesender vorausgesetzt; er hört diese Frage, er könnte sie respondieren. Die Paradoxie ist also die, daß der verlassen Habende noch da ist, so präsent, daß er noch gefragt werden kann.

Wenn Jesus also so seinen Vater frägt, setzt er selbst voraus, daß sein Vater noch bei ihm ist, er noch von seinem Sohne ansprechbar ist, daß er gar noch auf diese Sohnesfrage antworten könnte. Also; nicht hat Gott als Gott seinen Sohn verlassen, sondern Gottes Liebe hat den Sohn verlassen: Gott liebt seinen Sohn nicht mehr.

Im Abendgebet der Kirche, dem Komplet betet die Kirche jeden Freitag, das Gebet, das uns wie das freitägliche Läuten der Kirchglocken um 15 Uhr an die Sterbestunde des Heilandes erinnert, immer an den Karfreitag erinnert nicht etwa den 22. Psalm, aus dem Jesus hier zitiert, sondern den 88.

Das geschieht nicht grundlos. Denn dieser Psalm erklärt uns die Bedeutung des Verlassenwordenseins von Gott. So wird in der Komplet gebetet: (88,15f):

Warum, o Herr, verwirfst Du mich,warum verbirgst Du Dein Gesicht vor mir?“ „Deine Schrecken lasten auf mir, und ich bin zerquält.Über mich fuhr die Glut Deines Zorns dahin, Deine Schrecken vernichten mich.“ Jesus ist nicht nur von der Liebe Gottes verlassen, er erleidet am Kreuze den Zorn Gottes über ihn ausgeschüttet. Wenn der Apostelfürst Paulus in seinem Römerbrief schreibt: „Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen“ (Röm 1, 18), dann ist für Paulus der erste Ort, wo Gott diesen Zorn offenbarte, das Kreuz Christi selbst. Der Sohn Gottes selbst nahm das göttliche Zornesgericht auf sich selbst. Mitten im Erleiden dieses göttlichen Zornes frägt so der Sohn Gottes nach dem göttlichen Gesicht der Liebe: Wo ist Deine Vaterliebe geblieben? Warum hast Du sie mir entzogen, sodaß ich jetzt nur noch den göttlichen Zorn des Vaters als mein Gegenüber habe und erleide?

Diesen Skandalon zum Verschwinden zu bringen, versuchte die Theologie nun immer wieder. Eine beliebte Strategie ist die, diesen Ausruf als Täuschung Jesu zu interpretieren. Jesu österliche Auferstehung soll dann beweisen, daß Gott seinen Sohn nie verlassen habe. Aber damit verschwindet das Ereignis der Auferweckung Jesu von den Toten, denn nun soll ja geglaubt werden, Jesu sei nie von Gott verlassen worden, er sei so eigentlich nie gestorben und Ostern demonstriere nur, daß Jesus immer lebend bei Gott gewesen war. Eine zweite heutzutage kaum noch vertretende Position rekurriert auf die Christologie, daß Jesus eine Person in zwei Naturen sei, der göttlichen und der menschlichen. Nicht nach der göttlichen sondern allein nach der menschlichen habe er am Kreuze gelitten, sei von Gott verlassen worden, während seine göttliche davon völlig unberührt gewesen sein soll. Nach seiner menschlichen Seite sprach er dann, Gott habe ihn verlassen, aber nach seiner göttlichen war er auch am Kreuze innigt mit seinem Vater verbunden, ja eins. Das läuft letztendlich darauf hinaus, daß der Sohn gar nicht gelitten habe, sondern nur zum Scheine.

Den Hintergund dieser Konstruktion liefert eine sehr problematische Vollkommenheitslehre, daß Gott als vollkommen zu denken sei. Die materiale Durchführung dieses theologisch richtigen Grundsatzes führt dann aber faktisch dazu, daß Gott in seiner Allmacht so limitiert gedacht wird, daß er fast nichts mehr kann. So könne Gott als Gott nicht leiden und deshalb könne auch der Sohn Gottes nicht leiden! Wenn aber Gott leiden will, dann kann er das auch. Dies will die Vollkommenheitslehre ausschließen, indem Gott so durch seine Eigennatur determiniert gedacht wird, daß er nicht etwas wollen kann, was seiner Vollkommenheit widerspräche: zu leiden. So hätte Jesus auch nicht seinem Vater gegenüber ungehorsam sündigen können, weil auch das seiner göttlichen Vollkommenheit widerspräche. Dann könnte Jesus aber auch nicht seinem Vater gegenüber gehorsam sein, denn das Gehorchenkönnen setzt denknotwendig ein Nichtgehorchenkönnen voraus. Ein Auto, das nicht anspringt, gehorcht nicht, sondern funktioniert nicht. Sein Nichtanspringen wäre nur ein Ungehorsamsakt des Autos, wenn es die Fähigkeit besäße, kraft eines freien Willens zu gehorchen oder auch nicht zu gehorchen.

Jesus konnte also als Gottes Sohn leiden, weil aber auch nur, weil er es im Gehorsam so gewollt hat. Er erlitt dann wirklich den Zorn seines göttlichen Vaters so sehr, daß er dann ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“

Er erlitt sogar den Tod, er starb wirklich und erlitt so sein Verlassensein von der göttlichen Liebe, als er hinabgestoßen wurde in die Unterwelt des Todes. Denn das Todsein ist nicht eine einfache Nichtung des Menschen, sondern er lebt sozusagen als Untoter in der Unterwelt als dem Ort, wo er von der Liebe Gottes gänzlich ausgeschlossen ist. Aus diesem Totsein erweckte ihn der Vater, indem er ihm seine göttliche Liebe wieder zuwandte.

Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ kennzeichnet so auch die Lage des Volkes Israel, nachdem es den Bund mit Gott endgültig gebrochen hatte durch sein Nein zu seinem Messias. So wie Gott seinen Sohn seiner göttlichen Liebe entziehen konnte, weil er nun die gesamte Sünde der Welt auf sich selbst nahm und so wirklich zum Sünder wurde, den Gott nicht mehr liebt als gerechter Gott, so entzog Gott auch seiner ersten Liebe, dem Volke Israels seine Liebe, weil es seinen Sohn nicht als seinen Messias annehmen wollte.

Jesu Ausruf demonstriert nämlich auf das Bitterste, daß Gott auch aus seiner Liebe verstoßen kann: „Ich habe mit Dir Schluß gemacht!“ Jeder Liebesfilm lebt eben davon, daß es eine glückliche Liebe nur geben kann, weil sie bedroht ist durch die Möglichkeit des: „Ich hab mit Dir Schluß gemacht“ , daß der Liebende dann nur noch antworten kann mit dem Ausruf: „Warum hast Du mich verlassen!“


 

Freitag, 14. Januar 2022

Eine volkstümliche Lebensweisheit: "Unkraut vergeht nicht; schlechten Menschen geht es immer gut"

Eine volkstümliche Lebensweisheit: „Unkraut vergeht nicht; schlechten Menschen geht es immer gut“


Nichts widerspricht der Frömmigkeit der Psalmen und dann der ganzen Bibel so sehr wie diese „Lebensweisheit“. Es darf aber gemutmaßt werden, daß es schon zu Zeiten der Entstehung der Psalmen „Gottgläubige“ gegeben hat, die „impii“, wie die Vulgata sie so treffend bezeichnet, die aber falsch im Deutschen mit „den Gottlosen“ übersetzt werden, die zwar an Gott glaubten, daß er ist, aber dann nach dieser volkstümlichen Weisheit lebten: Gut lebt es sich auf Erden, wenn man es mit den Geboten Gottes nicht so genau nimmt. Das ist vergleichbar mit der Praxis von Berufspolitikern, die im Prinzip sich in der Pflicht stehend sehen, nicht zu lügen, aber sich in ihren Wahlkampfreden davon dispensiert sehen, denn ohne Wahlkampflügen könne man ja keine Wahl gewinnen.

Für das Alte Testament gilt dagegen: Gut geht es nur den Guten und den Schlechten geht es schlecht in der Welt.Gut und Böse waren da klar definiert: Wer gemäß Gottes Willen, seinen Geboten und Vorschriften sein Leben führte, war gut und wer gesetzlos, wider Gottes Willen lebte, war schlecht. Auf zwei Ebenen galt dies; einerseits zeigte dies die Geschichte Israels von seinen Anfängen an bis zur Exilierung Israels 586 v. Christus, (danach wurde diese Geschichtsdeutung problematisch) und andererseits auf der individuellen Ebene.

Aber in den Psalmen deutet sich auch eine Krise dieser scheinbar so einfachen Ordnung Gottes an, daß er der Garant dafür ist, daß es so den Guten gut und den Bösen schlecht ergeht.

Den Psalm 36 betitelt Arndt JS in seiner Vulgataausgabe 1903 so: „Das Glück der Gottlosen dauert nicht,aber wohl das der Gerechten“ Diese Überschrift paßt, wenn die nicht angemessene Übersetzung von „impii“ mit den Gottlosen korrigiert wird: die Unfrommen. Diese Überschrift muß uns dann aber doch irritieren: Wie kann es denn ein Glück der Unfrommen geben, wenn doch eigentlich das Frommsein die notwendige Voraussetzung für das Gutergehen in der Welt ist. So soll es nur noch eine Differenz zwischen dem Glück der Unfrommen und der Frommen geben, das der Dauer ihres Glückes. Das der Unfrommen sei nur von kurzer Dauer, das der Frommen beständig.

In Vers 3 lesen wir dann: „Hoffe auf den Herrn, und thue Gutes, wohne im Lande, und genieße seine Reichthümer.“ Das Verb „pasceris“ könnte nun 2.Person Präsens Passiv sein: Du nährst dich.. oder 2.Person Futur Passiv: Du wirst dich ernähren. Übersetzte man futurisch: „und Du wirst seine Reichthümer genießen“, wird das Problem offenkundig. Für die futurische Deutung dieses Verbes spricht nun auch, daß in Vers 4 des Psalemes heißt: „Habe deine Freude an dem Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz verlangt.“ „dabit“ ist eindeutig eine Futurform.

Dem, der jetzt gut lebt, also gemäß Gott, dem wird es zukünftig gut gehen.Das inkludiert die Aussage, daß es ihm jetzt nicht gut geht. Ihm wird es erst in der Zukunft gut gehen. So nah diese Zukunft nun auch sein mag,wann dieses: „Gott wird geben“ sich auch ereignen wird, es ist jetzt noch nicht. In Vers 9 heißt es dann so: „welche auf den Herrn harren, werden das Land erben.“

Den Guten wird es also gut gehen, verheißt dieser Psalm und nicht nur er den Guten. Aber wie geht es dem Guten jetzt? „Daß wenige, das der Gerechte hat, ist ihm besser als der Sünder große Schätze.“ heißt es dann gar in V 16. Der Sünder verfügt über große Schätze, der Gerechte hat im Vergleich dazu „wenig“. Das ist so die Lebensrealität, aber sie wird kontrastiert mit der erwarteten und erhofften Zukunft.

V 20 lautet: „Denn die Sünder gehen zu Grunde.“ Hier wird aber nicht korrekt übersetzt, denn das Verb: „peribunt“ ist futurisch: werden zu Grunde gehen. Die Guten werden das Land erben. So heißt es V 11: „Die Sanftmütigen werden das Land erben“, die Unfrommen dagegen „werden ausgerottet“. Die Sünder können zwar zu Ehren und Ansehen kommen (V20), aber dann werden sie auch vergehen wie der Rauch.

Der Gebrauch des Futures gibt zu denken. Die Realität ist eben die, daß es gerade den Unfrommen gut geht und die Frommen sich so fragen: Warum geht es denen, die es nicht verdient haben gut und uns Frommen nicht gut? Die Antwort wird durch das Futur gegeben: Jetzt ist es so, aber das ist nur etwas Kurzfristiges. Gott sorgt dafür, daß das Glück der Unfrommen nur ein befristetes ist, und Gott wird den Frommen dann das geben, was ihnen zusteht. Den Guten hat es gut zu gehen und den Nichtguten nicht gut. Aber das ist nicht einfach so in der Gegenwart. So wird es erst sein. Der Unfromme ist so der, der an dies Futurische nicht glaubt, für ihn zählt nur das Präsentische, daß es ihm hier jetzt gut geht, weil er es eben nicht so genau nimmt mit Gott. Im Prinzip sollte ein Politiker auch in Wahlkampfzeiten ehrlich sein, aber da man ohne Wahlkampflügen keine Wahl gewinnen kann, nimmt man es mit der Wahrheit nicht so genau. Der Wahlerfolg gibt dann den so Agierenden recht.

So ähnlich dürfte dann auch die Lebenspraxis der „Unfrommen“ ausgesehen haben- man muß nicht gleich an exzessive Gewaltmenschen, Mörder und Räuber denken.

Was bedeutet das aber für den Glauben? Lebte der Gläubige schon im Schauen, dürfte es dies Futur in den Psalmen nicht geben. Er sähe direkt, daß es den Guten gut und den Bösen schlecht geht. Wie sollte da noch irgendwer nicht gut leben wollen, sähe er unmittelbar, daß ein moralisch richtiges Leben immer auch ein „ihm geht es gut“ Leben ist, wohingegen ein unmoralisches immer auch ein: ihm geht es schlecht“ Leben ist? Er könnte nicht mehr an Gott glauben, darauf vertrauen, daß Gott für die Seinen, die gemäß ihm leben, sorgt, weil er all das schon unmittelbar sieht.Der Glaube dagegen ist nur dem Nichtsehenden möglich, dem der auf das Futurische, das was noch nicht ist, hofft. Das so reichlich in den Psalmen präsente Futur ermöglicht so erst den Glauben an Gott. Wer hier schon sehen will,der kann hier nicht mehr glauben und hoffen. So stehen wir vor der Paradoxie, daß diese volkstümliche Lebensweisheit eine zeitlich befristete Wahrheit ist, damit Menschen wirklich so zu glauben lernen können.



 

Mittwoch, 12. Januar 2022

Eine Verschwörungstheorie oder ein realistischer Blick in die Geschichte des Kampfes wider die wahre Kirche?

(oder daß Gott Menschen als Cooperateure will und daß diese ihrer Berufung untreu werden können)


Vernehmt,mein Sohn,daß das Königreich Frankreich von Gott zur Verteidigung der römischen Kirche vorherbestimmt worden ist, welche die einzige wahre Kirche Christi ist. Dies Königreich wird eines Tages groß unter allen Königreichen sein. Und es wird alle anderen Völker seinem Szepter unterwerfen.Es wird bis zum Ende der Zeiten Bestand haben. Es wird siegreich und glücklich sein, solange es dem römischen Glauben treu bleibt.Aber es wird jedesmal hart bestraft werden, wenn es seiner Berufung untreu wird.“

So sprach St. Remigius zum König Chlodwig, als er ihn 496 zum König salbte, (Zitiert nach: „Die zehn Gebote Satans, Verfasser: anonym, Übersetzer: Rothkranz, 2004, S.6) Gott regiert, das ist die Vorausetzung dieser Ansprache an den zukünftigen König Frankreichs. Wo ein Historiker nur kontingente Ereignisse in der Geschichte wahrnimmt, da erfaßt St. Remigius dies als das Ergebnis der göttlichen Vorsehung. Gott hat von Ewigkeit her Frankreich dazu bestimmt, der Verteidiger der Katholischen Kirche zu sein. Die evoziert nun die Frage: Wozu bedürfe denn die Kirche des Schutzes eines Staates, eines weltlichen Schwertes, wenn doch Jesus Christus, der Sohn Gottes der lebendige Herr seiner Kirche ist?

Gott wollte den Schutz der Kirche nicht ohne daß Menschen dazu zu berufen, mitzuwirken am Schutze seiner Kirche. Gott hätte den Schutz der Kirche auch ohne ein Mitwirken von Menschen ausreichend gewährleisten können, aber er wollte es nicht. So wie Gott Menschen zur Verkündigung des Evangeliumes beruft und es nicht von seinen Engeln verkündigen will, so beruft er auch Menschen dazu, Beschützer der Kirche zu sein. Dieser Beruf ist kein „Job“, den Menschen annehmen, um dann...sondern hier beruft Gott und so erhielt der Französische Staat diesen seinen Beruf.

Weil Gott dies Volk dazu berufen hat, wird es dem Französischen Staat auch die Machtmittel an die Hand geben, um dieser Berufung gerecht werden zu können. Gott verheißt ihm einen ewigen Bestand bis zum Ende der Zeit, bis also Gott selbst auf Erden sein ewiges Reich errichten wird. Es wird „siegreich“ sein. Frankreich wird also Kriege zu führen haben, aber es wird siegen und als Siegernation auch „glücklich“ sein. Ja, es wird alle anderen Königreiche sich unterwerfen, damit es universell die Katholische Kirche schützen werden kann.Das ist einer der Kerngedanken des „Thron- und Altarbundes“, der „Konstantinischen Epoche“.

Ein für moderne Christen unzumutbarer Zusammenhang zwischen der wahren Gottesverehrung und dem Wohlergehen des Volkes wird hierbei präsumiert: Nur wo Gott recht verehrt wird, kann ein Volk erfolgreich und glücklich leben, denn Gott ist der Geber auch der rein weltlichen Erfolge.

Aber Gottes Bund mit dem Französischen Staat beinhaltet auch etwas anderes, eine Androhung für den Fall, daß Frankreich seiner göttlichen Berufung untreu wird: Dann wird es Gott hart strafen. Gott ließ aber die Könige Frankreichs salben, damit sie dadurch die Kraft erlangten, dieser Berufung gerecht werden zu können.

Durch die Salbung, die manche Autoren mit einem >achten Sakrament< verglichen, verlieh Gott dem König alle Mittel zur Erfülung seiner Sendung“.(S.7).Diese Salbung kann kein Sakrament sein, da es nicht von Jesus Christus selbst eingesetzt worden ist, sehr wohl eine Sakramentalie, die glaubend empfangen dann vermittelt, was sie verheißt.

In dem zweibändigen Buch wird nun geschildert, wie Frankreich dieser seiner göttlichen Berufung untreu wurde, ja zum Ort der Revolution gegen Gott wurde: der „Französischen Revolution“.Chlodwig nahm diese Berufung ernst, indem er sagte; „Es stört mich, zu sehen, daß die Härettiker die schönsten Provinzen der Gallier besitzen.“ (S.7). So bekämpfte er und seine Nachfolger im Königsamt stets auch due Feinde der wahren Kirche. Ludwig XIII entschied so, daß „wir, indem wir die heiligste und glorreiche Jungfrau zur besonderen Beschützerin unseres Königreichs erwählen,ihr besonders unsere Person, unseren Stand, unsere Krone und unsere Untertnen weihen, wobei wir sie anflehen, sie möge uns einen so heiligen Wandel einflößen und dieses Königreich mit solcher Sorgfalt gegen die Anstrengungen all seiner Feinde verteidigen, daß es, ob es nun unter der Geißel des Krieges leide oder der Süßigkeit des Friedens, um den wir Gott von ganzem Herzen bitten, in keiner Weise von den Wegen der Gnade abweiche, die zu denjenigen der Glorie hinführen.“ (S.8). So sprach der Französische König noch 1638.

Aber der Abfall vom wahren Glauben begann da schon. Im Jahre 1771 träumte der Freimaurer Mercier schon: „Die absolute Souveränität ist von den Generalständen angeschafft. Die Monarchie ist nicht mehr.Die Bastille ist umgestürzt. Die Klöster sind abgeschafft. Die Mönche verheiratet.Die Scheidung erlaubt.Der Papst seiner Staaten beraubt.“ (S.10). Wie es nun der Freimaurerei gelang, diese Utopie Wirklichkeit werden zu lassen, das schildern diese zwei Bücher.Besonders wird dabei herausgearbeitet, wie die Menschenrechte das Instrumentarium waren, mit dem diese Revolution gegen Gott und die Katholische Kirche in Frankreich gelang.

Ist das nun nur eine interessant und sehr detailliert dann explizierte Verschwörungstheorie oder die bittere Wahrheit über den Kampf Satans wider die Kirche, ein Bericht über einen Krieg, in dem die Heere Sartans so manche Schlacht auch zu gewinnen wußten, weil Gott auf das Mitwirken von Menschen setzte und setzt, die eben ihrer Berufung auch untreu werden können?