Freitag, 15. Dezember 2023

Weitere Überlegungen zum Niedergang der christlichen Religion

Weitere Überlegungen zum Niedergang der christlichen Religion


Versuche zur völligen Befreiung einer Religion von ihren magischen Überlieferungen bedeuten oft tiefe Krisen in der Religion selbst.“,urteilt der Philosoph Georg Lukacs („Die Eigenart des Ästhetischen, Bd 1, 1987, S.102) Dieser These liegt eine bedenkenswerte Rekonstruktion der Genese der Religion zugrunde. Ursprünglich war die magische Praxis, daß durch bestimmte Rituale übernatürliche Kräfte oder Wesen dienstbar gemacht werden konnten. Es galt, sie zu beschwören. Der Erfolg hing dann einerseits ab von einer besonderen Qualifikation des Magiers und der richtigen Durchführung der Rituale. Wenn aber die Adressaten solcher Rituale nicht mehr als Indienstnehmbare vorgestellt werden, sondern als ein personal gedachtes Gegenüber, das Opfer und Gebete erhören kann, wenn es erhören will, aber auch nicht erhören kann, dann wird die Praxis des Opferns und Betens eine religiöse. Das Gebet ersetzt dann die Beschwörung als eine Instrumentalisierungspraxis.

Ausgehend von dieser Kurzskisse, die Lukas hier offeriert, können noch weitere Aspekte erwähnt werden: Die Magier müssen über ein ihnen eigenes Spezialwissen des Wies des Beschwörens verfügen und wahrscheinlich müssen sie auch sonstwie sich für diese Tätigkeit qualifizieren, etwa durch einen besonderen Lebenswandel.Die Religionen heben nun die magische Praxis in sich auf; Lukacs benutzt den Begriff der Aufhebung stets hegelanisch. Religionen negieren so nicht einfach die magische Praxis, sondern verwandeln sie in eine höher entwickelte.

Mit der fortschreitenden Erkenntnis nehmen daher Gebete und Opfer die führende Stelle in dem religiösen Ritus ein, und die Magie, welche einst als gleichberechtigt galt,wird allmählich in den Hintergrund gedrängt und sinkt zur schwarzen Kunst herab.“(S.102) Spätestens seit Kants Schrift „über die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft“ wird nun aber die religiöse Praxis des Opferns und des Gebetes selbst als unvernünftige Gottesbeziehung und Gottesverehrung dysqualifiziert: In der vernünftigen Religion könne es allein um die sittliche Gesinnung des Menschen gehen, alles andere sei abergläubisch. Aus dieser aufklärerischen Perspektive geurteilt erscheinen die genuin religiösen Praktiken des Opfers und des Gebetes selbst als etwas noch magisch Verhaftetes. Sie scheinen noch dem Grund der Religion, der magischen Praxis verhaftet zu sein.

Probieren wir diesen Verdacht Lukacs einmal aus: „Sobald z.B. in die Beziehung zwischen Gott und Mensch genau einzuhaltende Zeremonien,genau vorgrschriebene Worte, Gebärden etc vermittelnd eingeschaltet werden,um die Gottheit günstig zu beeinflussen,sie den Bitten geneigt zu machen, ist es klar,daß dabei magische Tendenzen als organische Bestandteile der Religion erscheinen.“ (S.102) Eine Taufe, die statt im Namen des Vaters,des Sohnes und des Hl. Geistes etwa im Namen der Gottheit, die uns als Mutter und Vater erscheint, so sehr das auch Feministin erquicken würde, wäre ungültig, der so Getaufte wäre nicht getauft. Wenn die Wandlungsworte des eucharistischen Hochgebetes verändert oder gar weggelassen werden würden, fände keine Wandlung statt, Gott würde so kein Opfer dargebracht und die Gläubigen empfingen nur Wein und Brot. Daß für die Gültigkeit des Sakramentes der Taufe wie für die der Eucharistie die exakte Zitation der vorgegebenenen Texte notwendig ist, kann als ein aufgehobenes Element vormaliger magischer Praktiken begriffen werden. Vulgärer geurteilt ist schon die Vorstellung, Gott erhöre Opfer und Gebete etwas voraufklärerisch Magisches.

Man könnte dann den Eindruck gewinnen, daß die Emanzipation der Religion von allem Magischen die Religion in eine reine Gesinnungsethik transformiert, in der Gott dann höchstens noch als die Letztbegründung für das Streben nach einem moralisch normierten Leben fungiert. Die eigentlich religiöse Praxis fällt dabei dem Verdacht, doch letztendlich noch der Magie verhaftet zu sein, zum Opfer. So kann dann das Ritual des sich mit dem Weihwasser Bekreuzigens umgedeutet werden zu einer bloßen Handlung, die uns daran erinnern soll, Getaufte zu sein, die nun als Getaufte auch ihr Leben zu führen haben und selbst die Eucharistie erinnert uns dann nur noch an unser Geliebtwerden durch Gott. Die Gebete an Gott zwar adressiert sind dann auch nur noch autosuggestive Akte, denn Gott erhört ja keine Gebete. Es ließen sich nun noch viele andere Einzelphänome aufweisen, die alle als Entreligiöniesierung der Religion beschrieben werden könnten.

Die vernünftige Religion, die so sich herauskristallisierte, das wäre dann nur noch ein Glaube an einen Gott und das Streben nach Sittlichkeit, das dann irgendwie mit dem Gottglauben verbunden ist. Aber der Gottesdienst, das hl. Meßopfer, das Gebet, die zu lebende Frömmigkeit, das gehört dann nicht mehr zum „christlichen Glauben“, der genau genommen auch gar keine Religion mehr sein will. In Luthers Kampf gegen die Eucharistie als Opfer und der Abschaffung des Priestertumes und der Abschafung der Klöster durch die neue reformatorische Theologie darf der Anfangspunkt dieser Selbstsäkularisierung der Religion wahrgenommen werden, als aus den Priestern die Religionslehrer der Gemeinden wurden, die Pädagogik die religiöse Praxis anfing zu ersetzen. Dies war, um es mit Lukacs zu sagen, der Kampf wider die in der christlichen Religion aufgehobenen magischen Praxis, der dann die ganze Religion anfing, zu nichten. 

Nun sollte aber nicht die Kaprizierung auf die Differenzen zwischen de magischen und religiösen Praxis dazu verleiten, das ihnen Gemeinsame zu übersehen, daß die Welt ein  Raum ist,in dem in, unter und zwischen Weltimmanenten Übernatürliches, Überirdisches sich ereignet, das von wesentlicher Bedeutung für das Leben ist, sodaß nur bei einem Einklang damit das Leben des Menschen gelingen kann. Wie nun es gelingen kann, die Götter oder sonstigen übernatürlichen Mächte günstig dem Menschen zu stimmen, gehen die Wege der Magie und der Religion auseinander,aber beide glauben an eine Gestaltbarkeit dieser Relation durch den Menschen. Wenn aber Gott als ausschließlich unbedingte Liebe expliziert wird, ist unser Verhalten zu Gott für Gottes Relation zu uns gleichgültig, er wird dann immer nur als liebend gedacht, dem die Reaktion des Menschen auf diese Liebe gleichgültig ist: Er kann nur lieben.

 


 

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Wie in einer evangelischen „Kirche“ das Beten abgeschafft wurde – ein Vorbild?

Wie in einer evangelischen „Kirche“ das Beten abgeschafft wurde – ein Vorbild?


Als Katholik bräuchte man sich über protestantische Absonderlichkeiten keine Sorgen zu machen, gälte es in der Katholischen Kirche nicht als ultraprogressiv, jede protestantische Narrerei nachzuäffen und als ökumenischen Fortschritt zu begrüßen.In dem amtlichen Gesangbuch der „Evangelisch-Reformierten Kirche Deutschlands“ des Jahres 1996 wird das Gebet abgeschafft. Nur noch seine Fassade bleibt stehen, seiner Substanz völlig entblößt.

Wie gelang nun diese Entkernungssanierung des Gebetes? Unter der Nummer 794 wird das neue modernisierte Gebetsverständnis exponiert. Wie in der zwischenmenschlichen Kommunikation ein Miteinanderreden ein sich für einander Öffnen sei, so öffne sich der Mensch Gott, wenn er mit ihm rede. „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott.“ „Wir können ihm unser Leid klagen, und vor ihm aussprechen.“Auch bitten können wir Gott. Ergo: „Im Gebet bringen wir unser Leben vor Gott“, heißt es dann resümierend. Beten wir, so dürfen wir wie Jesus gewiß sein, daß Gott uns „hört“. Darin verbirgt sich nun die Pointe dieses modernen Gebetsverständnisses: Gott erhört nicht, er hört nur zu.

Aber hat das nun auch positive Folgen? „Dabei erfahren wir, daß der Druck des Alltages und die Last der Sorge von uns abfallen. Unsere Seele atmet auf.“ Also, nur dem Betenden nützt das Gebet, für andere zu beten, hilft denen in keinster Weise.Dem Betenden bringt sein Beten nur insoweit einen Nutzen, als daß sein Sichaussprechen ihn entlastet.Das Reden mit Gott ist so faktisch nur ein Monolog, der aber darauf vertraut, daß Gott zuhört. Nur antwortet Gott eben nicht.

Nicolas Gömes Davila urteilt über diese moderne Gebetspraxis: „Für den progressiven Katholiken ist das Gebet eine Ermahnung an sich selbst.“ („Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2017,S.116) Das reformierte Gebetsverständnis gibt sich da etwas psychologischer: Beten sei ein wohltuendes Sichaussprechen. Wenn dies Gebetsverständnis sich erst in der Kirche heimisch macht, werden in ihr keine Opferkerzen mehr auf den Marienaltären entzündet und keiner besucht seinen Heiland betend vor dem Tabernakel, denn so würde die Kirche modern-vernünftig. 

Die "Reformierte Kirche" ist auch sonst sehr progressiv und damit vorbildbildend für den Reformkatholizismus. So wird auf "reformiert de" zur Taufe gesagt:

"Durch die Taufe wird ein Mensch unter den Segen Gottes gestellt und in die Gemeinschaft der christlichen Gemeinde aufgenommen. In unserer Kirche werden sowohl Kinder als auch Erwachsene getauft.Die Taufe ist nur noch eine Segnungshandlung. Die Aufnahme in die "christliche Gemeinde" ist dann unwichtig, da auch ein Nichtmitglied am Gemeindeleben unlimitiert teilnehmen kann, außer daß er bei Gremienwahlen über kein Stimmrecht verfügt. "Außerhalb der Kirche kein Heil" gilt selbstverständlich nicht.  Das "Abendmahl" wird nicht einmal erwähnt, so unwichtig ist es den Reformierten. Könnte nicht so auch die Katholische Kirche ganz progressiv die Eucharistie loswerden? 

 

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Gläubige beten immer noch! Ein Ärgernis für die modernistische Theologie

Gläubige beten immer noch! Ein Ärgernis für die modernistische Theologie


Auch in der nachkonziliaren Kirche wird noch gebetet, werden an den Mariäenaltären Opferkerzen angezündet und Gott gebittet um....Das ist nun aber für einen modernen Theologen ein wahres Ärgernis. Die Voraussetzung eines Bittgebetes ist ja nun mal denknotwendig die Vorstellung, Gott könne in das Weltgeschehen eingreifen und er könnte ein Gebet erhören, sodaß er ob des Gebetes etwas will und wirkt, was er ohne daß ein Bittgebet von ihm erhört worden wäre, nicht gewollt und gewirkt hätte.

Der Fundamentaltheologe Böttigheimer fühlt sich nun, wie viele andere Modernisten dazu berufen, dem ein Ende zu bereiten: Die Krise des Bittgebets. Diagnostische Rückblicke und systematische Reaktionen. Christoph Böttigheimer (Im Internet so findbar.) So faßt dieser „Theologe“ das Resultat seines Kampfes wider die Praxis des Bittgebetes zusammen:

Das Bittgebet verändert nicht das Wesen Gottes. Mit ihrem Bittgebet beeinflussen die Betenden nicht auf magische Weise das Handeln Gottes,noch bewegen sie ihn dazu etwas zu tun, was er zuvor von sich aus nicht getan hätte. Würden die Betenden direkt Einfluss auf Gott ausüben, stünde das Bittgebet in der Gefahr, Gott mani-pulieren und für eigene Ziele und Zwecke funktionalisieren zu können. Die Projektion menschlicher Wünsche wäre unweigerlich die Folge, und Gott würde nicht mehr um seiner selbst willen angerufen, vielmehr wäre er nur noch »als Vermittlungsmacht interessant. Dieser Vorstellung wird noch dadurch Vorschub geleistet, daß Gott als direkt in den Weltzusammenhang heilend eingreifend begriffen wird. Dieses mythische Bild verdirbt das ganze Gebet und macht Gott zum Lückenbüßer für menschliche Not und menschliches Unvermögen.Gebet wird dadurch zur Ersatzhandlung.

Erstens: Das Weltgschehen sei ein in sich abgeschlossener Kausalnexus, in den Gott nicht eingreifen könne.Nun habe sich zwar die Hoffnung, alles Geschehen in der Welt durch eine Rückführung auf Ursachen erklären, aber auch kontingente, nicht determinierte Ereignisse veränderten nicht daran, daß ein Einwirken von Gott in die Welt mit dem zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Verständnis der Welt unvereinbar sei. Die Vorstellung, Gott wirke in die Menschheitsgeschichte hinein, sei „mythisch“ und somit modernen Menschen unzumutbar.

Zweitens: Gott könne sein Wollen und Wirken auch gar nicht verändern. Nun behauptet niemand, daß Gott sein Wesen verändern würde, wenn er ein Bittgebet erhörte, wenn er etwa einen Schwerkranken heilte, weil er das Gebet um seine Gesundung erhörte, aber Herr Böttigheimer denunziert eine Gebetserhörung als eine Wesensänderung Gottes, um diese Vorstellung so zu inkriminieren. Dann verwechselt er die Praxis der Magie mit der des Bittgebetes. Mittels magischer Praktiken werden übernatürliche Kräfte oder Entitäten beherrscht, sodaß sie dann das wirken, wozu sie Menschen durch diese Praktiken zwingen.Dagegen bleibt bei jedem Bittgebet der Gott der Herr über das Gebet: Er kann es erhören, er kann es aber auch verwerfen.Eine magische Praxis würde stattdessen Gott dem Menschen unterwerfen.

Daß Gott ein lebendiger Gott ist, daß er also sein Wollen und Wirken verändern kann, gehört nun aber konstitutiv zum Gottesverständnis. Dies als ein „Manipulieren“ abzutuen, ist nun völlig abwegig oder wer würde ernsthaft sagen, daß wenn ein Kind zu seiner Mutter sagt: „Mir ist durstig. Gebe mir ein Glas Limonade1“ dies Kind seine Mutter manipuliere und für seine Zwecke instrumentalisiere? Ergo,Gott sei so unveränderlich, eher tot als lebendig, daß es ihm unmöglich ist, ein Gebet zu erhören.

Drittens: Statt Gott um etwas zu bitten, soll der moderne Mensch sich selbst helfen, Statt für Kranke und Sterbende zu bitten ist eben medizinische Hilfe und psychologischer Beistand zu gewähren.

Viertens: Ach ja, Gott ist die Liebe und irgendwie begegnet die uns dann auch noch irgendwie dabei. Das meint dann aber kein Einwirken Gottes in unser Leben, sondern eher eine Art Hintergrundrauschen, daß Gottes Liebe irgendwie alles umfängt.Gott wird so nicht mehr personalistisch gedacht, sondern eher wie ein Prinzip der Welt, das sie erfüllt. So heißt es dann am Schluß höchst mirakulös: . „Sich von der Wirklichkeit des Lebens und der Schöpfung ansprechen zu lassen bedeutet, dem uns ansprechenden Gott Raum zu geben, Ihm im Gebet zu antworten, ist Basis allen Gottvertrauens.“ Gott wirkt also nichts in dem Leben und der Schöpfung, aber als Ganzes spricht die Schöpfung und das Leben uns Menschen an und vermittelt dem Menschen, daß er auf das Leben, das ist Gott für uns „vertrauen“ kann. Aber das Gebet und isb das Bittgebet sind natürlich rein autosuggestive Akte, die nicht auf ein hörwilliges Ohr Gottes hoffen dürfen, sondern reine Monologe. Denn die modernistische Theologie hat Gott als hören und erhören Könnender abgeschafft und seine Allmächtigkeit auch auf dem Altar der Moderne geopfert. Gott kann nichts mehr und darum muß der Mensch, nun auf sich allein gestellt alles selbst können. 

"Wir haben Gott getötet" proklamierte einst Nietzsche. Eine simple Methode, Gott zu töten, ist nun die, Gott alles Wollen- und Wirkenkönnen abzusprechen. Sein Sein ist dann von seinem Nichtsein mehr nicht mehr unterscheidbar.  Deutlich wird so, daß der Ursprung des Niederganges der christlichen Religion in dieser Art der Gottestötung seinen Anfang an: der Gott, der nichts kann.

 



 

Dienstag, 12. Dezember 2023

Was es alles angeblich nicht gibt- von Engeln, Gebetserhörungn, bis zum Ich...

Was es alles angeblich nicht gibt- von Engeln, Gebetserhörungn, bis zum Ich...


Fangen wir mal ganz obskurantistisch an, um in diesem Meer der Unklarheiten wenigstens noch etwas Gewisses auf dem Papier stehen zu haben! Ein Leserbriefschreiber frägt den Autoren der Romanserie:“Tony Ballard“: „Kann man mit Weihrauch Dämonen vernichten?“ (A.F.Morland, In den Klauen der Knochenmänner, Tony Ballard, Bd 42, S.35). Der Frager erwartet nun wirklich eine wahre, eine richtige Antwort, die er dann auch bekommt: „Mit Weihrauch lassen sich Dämonen nur vertreiben, aber nicht vernichten.“ Ist diese Antwort nun völlig sinnwidrig unsinnig? Aber der so Gefragte gibt doch diese Antwort, die er gar auf der Leserseite dieses Romanes publiziert in der Erwartung, so diesem und wohl nicht nur diesem eine zufrieden stellende Antwort gegeben zu haben. Wie ist das aber möglich?


Spontan könnte man meinen, daß wahre Aussagen nur über Etwasse gemacht werden können, die wirklich existieren.Man müsse ja an der Wirklichkeit überprüfen können,ob die Aussage wahr sei, Die Aussage:“Das Buch ist rot“, gilt als eine wahre Aussage, wenn ich auf das Buch zeige, das ich damit bezeichne, und jeder dann zustimmte:“Ja, das ist rot!“ Dann könnte es außer der Aussage, das existiert nicht, keine wahre Aussage geben über etwas, das nicht existiert.

Die Aussage: „Vampire ernähren sich von Blut“ ist wahr und wird nicht durch die wahre Aussage: „Vampire gibt es nicht“ unwahr. Wie ist das möglich, daß diese zwei Aussagen wahr sein können?

Suchen wir Hilfe aus dem Vorstellungsraum der Mathematik: Zwischen 0 bis 1 existieren unendlich viele Dezimalzahlen, etwa 0,1, oder 0,99.Aber Eindrittel, obzwar zwischen 0 und 1 als Zahl existierend, existiert nicht als eine Dezimalzahl zwischen 0 und 1. Es existiert eine Zahlenmenge, zu der Eindrittel nicht gehört und doch existiert diese Zahl. Existieren bedeutet also zu einer bestimmten Menge von Elementen zu gehören. Es existieren aber sehr viele verschiedene Mengen von Elementen. So existiert die Vorstellungswelt der Horrorromane mit ihren Elementen, zu deren Elemente die Existenz von Daimonen gehört und zu der die Frage gehört: „Wie können Daimonen vernichtet werden?“ In dieser Vorstellungswelt mit ihren Elementen paßt die Aussage, daß Daimonen durch Weihwasser vertrieben werden können.

In die Vorstellungswelt der zeitgenössischen Theologie paßt diese Aussage nicht, denn in ihr existiert weder das Element „Daimon“ noch die Frage ihrer Vernichtbarkeit. Die Zahl Eindrittel existiert ja auch nicht in der Menge aller Dezimalzahlen. Ob etwas existiert,hängt also ab von der gewählten Vorstellungswelt mit ihren darunter zähligen Elementen. So existieren von Weihwasser verscheuchbare Daimonen und sie existieren auch nicht.

So „beweist“ der Philosoph Hume, daß Engel nicht existieren, „Zu Humes Zeiten war die Vorstellung verbreitet, daß es Engel gibt.“ (J.Garder, Sofies Welt, Kapitel Hume). „Unter einem Engel verstehen wir eine Männergestalt mit Flügeln.“ Es wird dann die rhetorische Frage erhoben:Sahst Du je so ein Wesen? Im Hintergrund steht die schlichte These: Als wahrhaft existierend gelten nur sinnliche wahrnehmbare Etwasse. Die Vorstellung eines Engels sei also das Produkt einer Zusammenfügung von 2 sehbaren Etwassen, von einem Mann und von Flügeln.Dies so Zusammengefügte existiere nicht, nur die 2 sehbaren Größen, die zu etwas Nichtexistierenden zusamenkomponiert wurden. Wenn als existierend nur die Menge alles sinnlich Wahrnehmbaren gilt, kann ein Engel nicht als existierend ausgesagt werden, da Engel nicht von allen Menschen sehbar sind.Würde es ausreichen, daß Engel von bestimmten Menschen gesehen worden sind, dann müßten sie als existierend gelten. Aber hier würde dann eingewandt werden: Was nicht von jedem Menschen gesehen werden kann, der sehen kann, kann auch nicht von einzelnen gesehen worden sein.

Hume beweist dann so auch, daß es kein Ich gäbe, das etwas tut oder erleidet, sondern nur Tätigkeiten und Empfindungen, die einem Ich zugeschrieben werden. Auch hier würde illegitim etwas zusammengesetzt: Zu einer Empfindung würde ein Ich dazuphantasiert als Träger dieser Empfindungen.

Also ist das Gefühl, einen unveränderlichen Persönlichkeitskern zu haben, eine falsche Vorstellung. Unsere Ich-Vorstellung besteht in Wirklichkeit aus einer langen Kette aus Einzeleindrücken, die du noch nie gleichzeitig erlebt hast.“ Wie dann aber aus einem Einzeleindruck, dem der Angst ein: Ich ängstige mich, bzw ich nehme mich als mich ängstigend wahr, wird, bleibt ungeklärt. Das soll es einfach nicht geben, weil das Ich kein Element der Menge des sinnlich Wahrnehmbares ist.

Modernistische Theologen urteilen nun, da alle Ereignisse der Welt nur weltimmament erklärbare Ereignisse sind, daß kein von Gott gewirktes Ereignis ein Element der möglichen Ereignisse der Welt sein kann, sodaß es solche Ereignisse nicht geben kann. Also kann es auch keine Gebetserhörungen geben, denn das wäre ja ein von Gott gewirktes Ereignis, und ein solches ist kein Element der Menge aller möglichen Weltereignisse. Weil Gott nicht in der Welt handeln könne, kann er auch keine Bittgebete erhören. (Vgl dazu Prof Böttigheimer, Die Krise des Bittgebetes)

Es wird also eine bestimmte Menge von Elementen festgelegt und nur was dann ein Element dieser Menge ist, gilt dann als existierend. So kann dann auch die Welt als eine Menge von Elementen definiert werden, in der jedes Element hinreichend aus der Welt selbst als bestimmbar gilt. In einer so definierten Welt kann es dann tatsächlich keine Gebetserhörungen geben, wie es im Raume der Dezimalzahlen nicht das Element Eindrittel gibt.

Realiter existieren wir Menschen in vielen verschiedenen Vorstellungswelten: Wer etwa wissen will, wie Bayern München 1:5 gegen Frankfurt verlieren konnte, wird zur Lösung dieser Frage in einer anderen Vorstellungswelt mit ihren Elementen dafür eine Antwort suchen, als wenn man frägt: Warum hat Gott das Gebet des Königs David: „Verschone mein Kind“ nicht erhört und das anderer doch? 

Es gibt so in der Totalität aller wirklichen und möglichen Ereignisse in der Welt die Menge der allein weltimmanent erklärbaren Ereignisse, die Menge der durch ein Zusammenwirken von Gott als der Erst und Weltlichem als der Zweitursache erklärbaren Ereignisse und die Menge der allein durch Gott erklärbaren Ereignisse, Wunder genannt. 




 

Montag, 11. Dezember 2023

Was nicht in der Bibel stehen dürfte....skandalöse Aussagen

Was nicht in der Bibel stehen dürfte....skandalöse Aussagen


Gerade dem Reformator Luther bereitete der Jakobusbrief ein unerträgliches Kopf-weh, hatte er doch gerade seine neue Rechtfertigungslehre des „allein aus Glauben“ Gerechtfertigtwerdens allein aus der hl.Schrift konstruiert, da mußte er im Jakobusbrief schwarz auf weiß lesen: „Ihr seht,daß der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird,nicht durch den Glauben allein.“ (2,24) In einer Fußnote kommentiert die Einheitsübersetzung diese Aussage so:“Jakobus wendet sich in diesem ganzen Abschnitt gegen eine mögliche Mißdeutung der paulinischen Lehre.“ Man hätte auch stattdessen kommentieren können, daß der Text sich prophetisch gegen die Lehre Luthers wendet, dem der Jakobusbrief so eine nichtschriftgemäße Lehre präsentiert.

Aber auch katholischen Lesern offeriert dieser Brief Schwerstverdauliches, wenn da zu lesen ist: „Ihr Ehebrecher, wißt ihr nicht,daß Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, wird zum Feinde Gottes.“ (4,4) Mit dem Terminus „Ehebrecher“ist hier, wie schon in den Texten des Alten Testamentes der Übertreter des Bundes mit Gott gemeint, der Gott untreu Werdende. Mit wem betrügt hier der Untreue Gott? Nicht wie im Alten Testament ist damit ein Fremdgehen mit anderen Göttern gemeint, dies Verständnis präsumiert nämlich den Glauben an die Existenz von vielen Göttern, sodaß eine Verehrung eines anderen Gottes tatsächlich als ein Untreueakt dem Gott Israels gegenüber angesehen werden konnte, sondern die Freundschaft zu dieser Welt ist ein Untreueakt.

Der Jesuit A. Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe 1903 diese Aussage so:Mit der Freundschaft sei eine „falsche Begierlichkeit nach irdischen Gütern und Genüssen“ gemeint. Daß hier aber unter der Freundschaft eine „falsche Begierlichkeit“gemeint sein soll, dafür gibt es kein Anzeichen in dem Text, zumal dann doch wohl die „Freundschaft“ irgendwie negativ qualifiziert worden wäre, etwa als eine „falsche“. Auch hilft der dortige Verweis auf die Alternative von Gott oder dem Mammon dienen (Mt 6,24) nicht viel weiter, denn warum sollte die „Freundschaft mit der Welt“ ein Leben im Mammondienst meinen?

Die Welt, die hat doch Gott geschaffen, wie kann da die Liebe zu dem von Gott Erschaffenem eine Feinschaft wider Gott bedeuten? Sollten wir dann doch nicht mit Luther diesen Brief als un- wenn nicht gar antievangelisch abqualifizieren?Vielleicht hilft uns aber die Vulgataübersetzung: „dieser Welt“ weiter, die vom griechischen Text möglich wäre. „Diese Welt“, das wäre dann die Welt, so wie sie nach dem Sündenfall geworden ist, und die Gott beseitigen will, weil er eine neue Erde und einen neuen Himmel uns verheißt. Das, was Gott zum Untergang bestimmt hat, sollte dann der Christ nicht lieben sondern die zukünftige neue Welt mit ihrer neuen Erde und ihrem neuen Himmel.

Skandalös bleibt diese Aussage trotzdem, aber vielleicht ist er gerade deshalb auch eine wahre Aussage dieses Briefes, daß so der Gläubige aus seiner Verhaftung in diese Welt hinausgerufen werden soll, daß ihm diese jetzige Welt nicht seine Heimat ist. J. Gaarder erfaßt in seinem Roman: „Sofies Welt“ das platonische Anliegen so: „Auf den Fittichen der Liebe möchte die Seele >heim< in die Ideenwelt fliegen. Sie möchte aus dem >Kerker< des Körpers befreit werden“. (Kapitel: Birkely). Wenn nun statt des „Körpers“ „diese Welt“ gelesen würde und statt der „Ideenwelt“ die neue Erde und der neue Himmel, dann könnte verstehbar werden, warum die Freundschaft zu dieser Welt den Aufstieg zu dieser jenseitigen Welt verhindert und so eine Feindschaft wider Gott ist. Statt zu fliegen klebte der Freund dieser Welt an ihr und kann so nicht zu seiner wahren Heimat streben.

Aber trotzdem: Der Jakobusbrief ist nicht nur für Lutheraner eine schwere Kost, der gern gemieden wird, auch und gerade auch weil er die Heilsnotwendigkeit der guten Werke lehrt und nichts weiß von einer bedingungslosen Liebe Gottes allen Menschen gegenüber.

Corollarium

Seit der Parole: Vom Mythos zum Logos produziert der philosophische Diskurs Gottesvorstellungen, die Gott entmythologiesieren sollen, aber den Verdacht evozieren, Gott zum Produkt unseres Wunschdenkens zu machen: Wie hätten wir den gern UNSEREN gott!  

 

Sonntag, 10. Dezember 2023

Auch in der Kirche werden Eigentore geschossen oder was tun, damit noch weniger zur hl. Messe kommen?

Auch in der Kirche werden Eigentore geschossen oder was tun, damit noch weniger zur hl. Messe kommen?


Um der Predigthörerschaft zu veranschaulichen was trösten bedeutet, kam der Prediger auf die Idee, diese jüdische Geschichte vorzutragen: Am Sabbat wartete die Gemeinde auf ihren Rabbiner. Der kam und kam nicht. Und als er immer noch nicht kam, stand eine Frau auf und erklärte, daß sie nun ganz geschwind nach Hause laufen werde, um zu schauen, wie es ihrem kleinen Kinde ginge, das sie Daheim gelassen hatte. Zu Haus sah sie nun ihr Kind auf dem Schoße des Rabbiners sitzend. Der Rabbiner erklärte: „Als ich auf dem Wege zum Gottesdienst war, hörte ich hier ein Kind weinen. Da ging ich hinein, um es zu trösten.“

Wahrlich eine anrührend schöne Geschichte, nur die Botschaft von ihr lautet nun mal: Wenn schon der Rabbiner, statt den Gottesdienst zu halten, es als besser erachtet, ein Werk der Nächstenliebe zu vollziehen, dann gilt das umso mehr für die Gläubigen, die (noch) zum Gottesdienst gehen. Statt zur Messe zu gehen, praktiziere man besser die Nächstenliebe. Und da man sich selbst der erste Nächste ist, kann die praktizierte Nächstenliebe dann auch in einem ausgiebigen Sonntagsfrühstück bestehen, statt eine Sonntagsmesse aufzusuchen.

Jeder, fast jeder kennt die Geschichte von Jesus und Maria und Martha. (Lk 10,38-42) Schon die Vulgata übersetzt, statt, daß Maria den „guten Teil“ erwählt hat, daß sie den „optimam parte“ = den besten Theil“ erwählt hat.Die Einheitsübersetzung bietet dann, dieser Tendenz folgend :“ hat das Bessere gewählt“.Maria, zu Füßen Jesu sitzend hört auf den göttlichen Lehrer, Martha sorgt für die Bedürfnisse Jesu und beschwert sich über Maria, daß sie ihr die ganzen Dienst überläßt. Jesus widerspricht dieser Beschwerde: Nein, Maria tut das Richtige. Damit spricht sich Jesus Christus für den Vorrang des kontemplativen Lebens dem aktiven gegenüber aus. Das ist unerträglich!

Die Übersetzung mit dem „besten Theil“ oder dem „das Bessere“ relativiert den Gegensatz vom kontemplativen und dem aktiven Leben: Auch das aktive sei gut, nur nicht ganz so gut wie das kontemplative. Schon viele Predigten habe ich über dies Evangelium gehört, aber keine, in der Prediger nicht darlegte, daß Martha das Richtigere und Bessere dann doch getan hätte.Das simpelste Verfahren ist dabei, daß Maria als eine Anfängerin im Glauben noch der Belehrung bedurfte, dagegen Marta als die Fortgeschrittenere schon die Täterin des Wortes sei. So ist für den Anfänger das Hören das bessere Teil, für den im Glauben Fortgeschritteneren das Tuen.

Zum Gottesdienst bräuchten so nur die Anfänger des Glaubens, damit sie wie Maria belehrt werden, dagegen praktizieren die Fortgeschrittenen ihren Glauben in ihren Werken der Nächstenliebe und das heißt erstmal: Zu hl.Messe gehen die nicht mehr!

Seit der Liturgiereform ist dies pädagogische Verständnis des Gottesdienstes mit seiner Zentrierung auf die Predigt auch in der Katholischen Kirche heimisch geworden mit dem Erfolg, daß die „Fortgeschrittenen“, die meinen, genug über den Glauben zu wissen, nicht mehr zum Unterrichtsgott erscheinen, sie sind ja schon die Täter des Wortes, die nicht mehr zu hören bräuchten.Und das ist für sie dann der „bessere Teil“, denn nur einem Anfänger ist noch das Hören und Belehrtwerden das Bessere.

Ach ja: Wenn dann immer weniger sich belehren lassen wollen, muß der Gottesdienst eben unterhaltsamer belehrend gestaltet werden und wird somit immer unheiliger. Die Unterhaltungspädagogik ruiniert dann endgültig die göttliche Liturgie. 

Ein Beispiel für den Primat des aktiven Lebens aus dem Bereich des Ordenslebens (Kath de am 10,12.2013):

"Frankfurt ‐ Sie trägt keinen Habit, nur ein Holzkreuz um den Hals. Die Steyler Missionarin Bettina Rupp sprüht vor Ideen. In Frankfurt Sankt Aposteln hat sie gemeinsam mit Mitschwestern und Gemeindemitgliedern eine Pommesbude eröffnet. Und das nicht nur, weil sie selbst gerne Pommes isst." Aus feministischer Sicht wäre aber eine Autoreperaturwerkstatt der bessere Theil gewesen!  

Corollarium 

Die Geringschätzung des kontemplativen Lebens ist sicher einer der Hauptgründe des Niedergangrd des Ordenslebens, des einstigen Herzens der Katholischen Kirche.

 

Samstag, 9. Dezember 2023

Auf den Jesuitenorden ist Verlaß! Ein Jesuit kämpft wider das Dogma der „unbeflekten Empfängnis“ und die Erbsündenlehre

Auf den Jesuitenorden ist Verlaß! Ein Jesuit kämpft wider das Dogma der „unbeflekten Empfängnis“ und die Erbsündenlehre


Maria wurde ohne Makel der Erbsünde empfangen. Papst Pius IX.verkündete am 8.Dezember in der Bulle „Ineffabilis“ als von Gott offenbarte und darum von allen Gläubigen fest und standhaft zu glaubende Lehre: „Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbsünde befreit.“ (zitiert nach: Ludwig Ott, Grundriss der Dogmatik, 2005, S.293)

Es bedarf keiner intimen Kenntnisse des heutigen Jesuitenordens, um vorauszusehen, daß der 8.Dezember 2023 zum Anlaß genommen wurde, auf dies Hochfest Mariä das Feuer zu eröffnen. Kath de konnte so an diesem Tage titeln: „Theologe Batlogg für Umbenennung des Hochfestes "Mariä Empfängnis."

Der Münchner Theologe Andreas Batlogg plädiert für eine Umbenennung des Hochfestes "Mariä Empfängnis" am 8. Dezember. Der volle Name "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" beinhalte "eine Reihe theologischer Hypotheken" und werde von vielen Menschen nicht mehr verstanden, schreibt der Jesuit“.

Dürfte wohl gemutmaßt werden, daß dieser „Theologe“ sich selbst zu den vielen Menschen zählt, die dies Dogma nicht mehr verstehen? „Die Hypotheken von "Mariä Empfängnis" lägen etwa in einer mit dem Begriff "unbefleckte Empfängnis" im Volksmund gegebenen "Dämonisierung von Sexualität", aber auch in einer Fokussierung auf die "Erbsünde"; hier handle es sich um eine theologische Mitgift des heiligen Augustinus, die heute kaum mehr zu vermitteln sei, so Batlogg.“

Also dem wohl eher als unheiliger zu qualifizierenden Augustin verdanke die Kirche diese unselige Erbsündenlehre, die nur der „Dämonisierung der Sexualität“diene und somit auch nicht mehr vermittelbar sei. Das leuchtet ein für ein Publikum.dem der Sex für alle das Wichtigste ist.

Aber spätestens seit Erasmus von Rotterdamm führt die humanistisch orientierte Theologie ihren Kampf wider diese Lehre, die aber bedauerlicherweise im Trienter Konzil dogmatisiert worden ist. Nur kann heute bedenkenlos behauptet werden, daß der vielbeschworene Geist des 2.Vaticnumes dieser Lehre widerspräche und sie so in die Rümpelkammer der Kirche archiviert habe. Einher geht mit der Verdammung dieser Lehre eine Repristinierung des pelaginanitischen Anliegens, daß jeder Mensch ohne eine Beihilfe der göttlichen Gnade allein kraft seines natürlichen Vermögens so leben könne, wie es Gott gefalle.Die „Theologin“ Saskia Wendel erklärt sogar jede Offenbarung Gottes für mit der Autonomie des Menschen unvereinbar („In Freiheit glauben), da er allein kraft der praktischen Vernunft im Sinne des Aufklärungsphilosophen Kants erkennen kann, wie er vernünftig zu leben habe und daß er seine Freiheit dazu als in Gott gegründet deuten kann- eine abgeschwächte Variante der kantschen Postulatenlehre, daß die Existenz Gott denknotwendig ist für die praktische Vernunft.

Die Erbsündenlehre soll ja begründen, warum jeder Mensch erlösungsbedürftig ist und weshalb er nur durch die Gnade Gottes erlöst werden kann. Dem widersetzt sich nun jedes humanistische Denken mit seinem unerschütterlichen Glauben an das menschliche Selbstperfektionalisierungsvermögen, das keines göttlichen Beistandes bedürfe. Daß diese Lehre durch den Apostelfürsten Paulus grundgelegt wurde in seinem Römerbrief und daß diese Lehre konstitutiv zur Soteriologie der Theologie gehört, wird dann aber gefliessentlich wegdiskutiert. Die bewährteste Strategie ist dabei, Gott als die Liebe zu jedem Menschen zu konstruieren, sodaß der Mensch immer schon ein von Gott Bejahter ist, der dann nur noch als solcher zu leben habe. Daß der Mensch stattdessen erlösungsbedürftig sei, das sei eben nicht mehr vermittelbar, sodaß die Theologie besser das Hohe Lied der Menschenbejahung anzustimmen habe: So wie er ist, sagt Gott bedingungslos sein Ja zu ihm. Das fundiere dann den Humanitarismus, daß der Mensch in seiner Würde zu bejahen sei im Geiste der Menschenrechtsideologie. Am besten wäre es wohl, befreite sich die Kirche ganz von dem Sündengerede und feiere stattdessen die Größe des Menschen.


Einsichtig ist es nun, daß dem modernen anthropozentristischen Denken Pelagius Position viel einsichtiger ist als die Gnadentheologie des Paulus und des Augustins, daß jeder Mensch kraft seiner ihm eigenen Vernunft erkennen kann, wie er zu leben habe, und was er dabei zu glauben habe,sodaß er gottgefällig lebe. Gott könne ja nicht etwas von ihm fordern, was sein natürliches Vermögen überfordere. Der autonome Mensch ist so der von Gott gewollte. Ihm braucht nichts mehr von Gott offenbart zu werden, schon gar nicht, wie er zu leben oder was er gar zu glauben habe, so unsere neopelagianistische „Theologin“ Saskia Wendel. Pelagius und nicht Paulus und Augustin ist eben der angemessene Theologe für unsere Zeit.


Zusatz:

Wie sehr sich heute der Pelagianismus durchgesetzt hat, zeigt auch die Diskussion um die sachgemäße Übersetzung von Röm 5,12. Ersasmus von Rotterdamm kämpfte wider die traditionelle Übersetzung: Adam. „in welchem wir alle gesündigt haben“ und setzte sich mit der pelagianistischen:“ weil alle gesündigt haben“ durch. (Vgl dazu; Ott, Grundriss, S.171 und mein Buch: „Der zensierte Gott“ mit einer ausführlichen Darlegung der Erbsündenlehre.) Denn diese Übersetzung Erasmus präjudiziert die Vorstellung, daß wir Menschen nur durch eine Nachahmung der Sünde Adams selbst Sünder werden und das inkludiert die Konsequenz, daß der Mensch, bevor er für sein Tuen und Lassen verantwortlich zu machen ist, daß er noch strafunmündig ist, frei von jeder Sünde ist. Das heißt aber auch, daß der Tod nicht mehr als der Sünde Sold zu begreifen ist, da ja jeder Mensch von seiner Zeugung an zum Sterbenmüssen verurteilt ist, obgleich er erst als mündiger ihm zurechenbar sündigen kann. Es müßte so einen natürlichen Tod geben für den Menschen, der stirbt, bevor er ihm zurechenbar gesündigt hat.

Die Kollateralschäden für den christlichen Glauben, wird die Erbsündenlehre herausgestrichen aus der Katholischen Kirche, sind gewaltig, es bleibt eigentlich nur noch die Ruine eines seichten Humanitarismus übrig, in der ein Erkerzimmerchen dann noch für Gott reserviert übrigbleibt.