Dienstag, 12. Mai 2015

Richtungsstreite

Wer heuer das Wort Richtungsstreite hört, der wird wohl vermuten, daß über das Schicksal der AfD debatiert wird und daß sich nun das Augenmerk auf den Kampf zwischen neoliberalen Transatlantikern und national-conservativen Kräften richtet, die sich insbesondere in der "Patriotischen Plattform" organisieren. Es gibt parallel dazu einen Richtungskampf innnerhalb der Katholischen Kirche. Er kapriziert sich auf die Ehe- und Sexusalmorallehre der Kirche. Stehen sich hier nicht auch liberale conservativen Kräfte gegenüber? Oder muß hier nicht sofort eingewendet werden, daß die Oppositionsbegriffe: Liberal versus Conservativ in beiden Fällen etwas ganz anderes bedeuten, zumal es einmal ein Kampf im politischen und das andere mal um einen Kampf im religiösen Raume handelt?  Nur, beide Kämpfe finden auch wieder in einem gemeinsamen Raum statt, der  als Postmoderne zu begreifen ist. Es ist ein Kampf, der eine lange Geschichte schon hinter sich hat und für den es auch kein Ende abzusehen ist, insofern dieser prinzipielle Gegensatz unabhängig von den jetzigen Akteuren ein Eigenleben besitzt. Das könnte so formulliert werden: die Struktur des Kampfes zwischen Conservativ und Liberal weist potentiellen Akteuren eine bestimmte Position zu, den sie dann einnehmen und dann erst auch individuell ausgestalten-als wenn ein Theaterstück, Goethes Faust auf der Bühne inszeniert wird und die fix vorgegebenen Rollen dann verteilt werden auf die Akteure, wobei diese dann als gute Schauspieler ihrer Rolle eine persönliche Note zu geben wissen!  (Der sog, Individualismus).

Was könnte denn als das Liberale angesehen werden? Und was könnte dann als das Conservative angesehen werden? Und schon ahnt uns, daß diese beiden Richtungsstreite gar nicht völlig unabhängig von einander existieren. Die Kampfparole des "Rechtskatholizismus" führt uns dann auf die rechte Spur. Diese Kampfparole ist selbstredend ein Derivat der allgemeinen Kampfrhetorik gegen Rechts. Kampfparolen sind keine Begriffe, die ein Etwas begreifen und so einem erkannten Etwas machen, sie sind nicht Elemente des wissenschaftlichen Diskurses zur sachlichen Erörterung von  einem Etwas, sondern sie sollen etwas bewirken bei dem so Benannten. Man führt Krieg mit ihnen gegen andere und will sie durch den Gebrauch von polemischen Benennungen schaden. Es erübrigt sich so die Frage, ob der Begriff sachlich richtig oder angemessen ist. Man denke eher an einen Fausthieb in einem Boxkampf, wobei dessen Qualität die Wirkung beim Betroffenen ist: wurde ein Wirkungstreffer erreicht? Einfach gesagt: man sagt: Rechtskatholik, um den so Abqualifizierten aus dem seriösen Diskurs auszuschließen. Und das ereignet sich so auch im Richtungsstreit in der AfD: Nationalconservative sind Rechte und so aiuszuschließen. Nur wer liberal ist, gehört zur Community der Mitdiskutierendürfenden. Über die Anderen, die so Ausgeschlossene redet man nur, aber nicht mit ihnen.  
Was ist nun der positive Gehalt der liberalen Haltung? So seltsam es klingen mag: eigentlich erstmal nur: Antirechts und Anticonservativ. Im religiösen Raum heißt das Neinsagen zu allem Traditionellen der Kirche-von der Liturgie, der Alten Messe, über die Exclusivität der christlichen Religion als alleinig wahren, bis zum Nein zur traditionellen Morallehre. Das findet im politischen Raum seine Entdprechung im Kampf gegen die traditiuinelle Ordnung von Volk, Familie und Ehe- zugunsten eines uneingeschränkten Individualismus. Alle Ordnungen sollen dem Individuslimus unterworfen werden und durch ihn aufgelöst werden. Liberale Theologie und liberale Politik entdeckt dabei den Menschen ganz neu und zwar als Konsumenten. Er gilt der liberalen Theologie nicht mehr als Gläubiger und der politischen Theorie nicht mehr als Staatsbürger, sondern er gilt nur noch als Konsument von religiösen und politischen Angeboten. Und diese Konsumentenorientierung ist das Herzstück liberalen Denkens, das Alles in den Begriffen der Ökonomie denkt. Wahr ist, was dem Konsmenten gefällt. Darin stimmen Liberale in allen Systemen der Gesellschaft, dem der Politik, wie dem der Religion zu. Sachlichkeit wird ersetzt durch die Frage: wie hätten Sie es denn gerne? 
Aber so wird um der einen Ordnung willen, der der Marktordnung alle anderen Ordnungen aufgelöst, weil nun alle marktgemäß sich ordnen sollen. 
Einige Kommentare zum Richtungstreit in der AfD meinen, daß es eigentlich zwei Parteien in der AfD gäbe-könnte man das nicht auch auf die Katholische Kirche Deutschlands übertragen? Stehen sich hier nicht auch zwei Lager, unvereinbar gegenüber: die conservativ-traditionellen und das linksliberale Lager? Frauenpriestertum- Ja oder Nein, Homosex, Abtreibung, Gender..Mehr Denokratie- die ganze Reformagenda von "Wir sind Kirche", die jetzt ihren gößten Erfolg feiert, da nun selbst Deutsche Bischöfe sich dem annehmen und das ZK der Laienkatholiken sowieso!
Parallelen sind offenkundig: was im Raume der Religion der Kampf gegen die traditionelle Odnung der Familie ist (jetzt fordert gar das Laien ZK Segnungen von Homosexpaaren!) entspricht im politischen Raum der Kampf gegen die Ordnung des Volkstumes durch die Propagierung und Praktizierung von Multikulti!
Selbstverständlich ist der Raum der Religion nun anders strukturiert als der der Politik, aber doch fallen die Parallelen auf: die selbe Presse, die den Kampf gegen alles Conservative in der Katholischen Kirche führt, etwa die FAZ kämpft genauso wild entschlossen gegen alles Nationalconservative in der AfD! Ja, in diesem Punkte sind sich die Massenmedien einmal wieder so eins, daß einem sich der Eindruck einer Gleichschaltung förmlich aufdrängt! Als gäbe es ein Zentrum, das auf allen Gebieten den Kampf gegen den einen Feind führt, nur daß dieser sich seiner Einheit selbst gar nicht bewußt ist und nur Unverbundes sieht, wo der Agressor das Eine in der Mannigfaltigkeit des Conservatismus wahrnimmt.
Das Entscheidende ist dabei der Wille zum Ausschluß des ganzen conservativen Spektrumes aus dem legitimen öffentlichen Diskurs. Der marxistische Philosoph Gramsci hätte das wohl den Kampf um die kulturelle Hegemonie der Linken bezeichnet!  

Keine Kommentare:

Kommentar posten