Samstag, 12. September 2015

"Der Untertan" Heinrich Manns- neue Version

Ach, hätten wir doch einen zweiten Heinrich Mann, der uns "Den Untertan" neu schriebe. So viel wunderbares und erquickliches Material liegt brach für diesen neuen Roman. Unser Held, offenen Herzens lauschte er auf die Worte des Bundespräsidenten Gauck, der von "Dunkeldeutschland" und den Lichtdeutschen in gut manichäischer Tradition sprach, tief in seinen Herzkammern fühlend, (wenn er denn gläubig wäre), Gott, ich danke Dir, daß ich kein "Dunkeldeutscher" bin, ganz erfüllt vom Glauben an seine Mission. Nur das Allerbeste packte er ein in sein Willkommensgeschenk für die am Bahnhof erwarteten Asylanten, Hosiana rufend: sie kommen, unsere Kulturbereicherer.
Täglich liest er gläubig seine Prawda, glaubt Alles, was die Massenmedien schreiben und die Moderatoren im Fernsehen sagen- nie kommt ihm ein Zweifel, denn er rühmt sich, ein kritischer und aufgeklärter Staatsbürger zu sein, der sich niemals von "rechten Demagogen" verführen läßt, sondern nur der offiziellen Propaganda sein Ohr öffnet und all die gehörten Worte dann in seinem Herzen bewegt. 
Ruft der Staat und die mit  ihm gleichgeschalteten Journaillen zum Aufstand der "Anständigen", ist er in der ersten Reihe mit dabei, und schreit, lauter als jeder andere: "Nazis raus!", wissend daß alle, die nicht hundertprozentig politisch korrekt entweder Nazis oder getarnte Nazis sind- und das sind die schlimmsten. Dabei weiß er sich eins mit dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und allen Anständigen der Welt- alle schauen auf ihn, wie er da couragiert die Homosexfahne schwingt und ruft: Keine Toleranz den Intoleranten! Er zeigt Zivilcourage, indem er mit allen zusammen - getreu den propagandistischen Vorgaben die liebt, die er zu lieben hat und die verabscheut, die er zu verabscheuen hat- er ist ganz eins mit dem Zeitgeist und der Zeitgeist ist ganz in ihm.
Es reicht ihm nicht, vor dem Fernseher sich täglich vorsagen zu lassen, was er zu denken und was er zu fühlen hat,nein er ist ein Mann der Praxis! Ob am Biertisch, oder im Speiserestaurant, oder im Fußballverein, überall ist er ganz Ohr- er sieht und hört Alles! So beschimpft er einen Fahrkartenkontrolleur, als dieser einen Farbigen beim Schwarzfahren erwischte, als Rassisten, er erklärt, daß er in keinem Lokal mehr essen werde, solange da noch rassistische Speisen kredenzt werden wie etwa das "Schweineschnitzel", das man antirassistisch als das Gericht mit dem verbotenen Namen zu bestellen hat...Und er wacht in allen Vereinen, daß hier nur anständige Menschen Vereinsmitglieder sein dürfen. Wenn in der Deutschen Olympiamannschaft schon eine Sportlerin exkommuniziert wurde, weil sie mit einem Mann liiert war, der einer rechten Partei angehörte, dann muß das so auch für jeden Verein gelten. Er ist kein Denunziant sondern nur ein Musterbeispiel des mündigen Bürgers einer wehrhaften Demokratie, die kein Pardon kennt für abweichende Meinungen von Dunkekdeuschen.  
Auch wenn er nicht christlich noch gar kirchlich ist, so ist er doch unbedingt für die Abschaffung des Zölibates, der Zulassung Geschieden Wi(e)derverheirateter zur Kommunion, weil dafür eben auch alle Lichtdeutschen eintreten. Und er ist einer der Lichtesten- auf jedem Multikultifest verdrückt er so viel fremdländische Speisen, wie nur irgendwie möglich, alles Einheimische verächtlich von sich weisend- denn er ist Antirassist und darum glaubt er an die guten Fremdvölker und das böse Deutschland.
Er ist ein Gutmensch, und darum darf er die Nichtgutmenschen aus tiefstem Herzen verachten. Das sind all die, denen der Bundespräsident Gauck nicht Bundespräsident sein will, weil er ja nur für die guten Deutschen da ist! 
Was für wunderbare Szenen- er auf einer Anstandsbürgerdemo, brüllend: Gib Rechts keine Chance, am Bahnhof , mit Sekt , Kaviar und Rosen in den Armen, die Armutsflüchtlinge begrüßend und er auf dem Vereinsabend den Ausschluß aller Kinder aus dem Sportverein fordernd, deren Eltern rechte Partien unterstützen!  Er sieht und hört alles, nichts entgeht ihm, damit er alles Unkorrekte sofort zur Anzeige bringen kann! 
Ist er nicht ein wahrhaft würdiger Nachfolger Heinrich Manns Untertan!   

Corollarium 1
"Der Untertan" ist selbstredend das Musterbeispiel zur Veranschaulichung des Herdentiertriebes- das, was der Mensch ab ovo, als er noch Jäger und Sammler war, gelernt hat, daß es sich im Schutze und der Geborgenheit der Herde besser lebt als abgesondert als "Steppenwolfexistenz" (Hermann Hesse) und darum will er so denken und reden, wie alle und immer eins sein mit dem Zeitgeist, denn der ist der Geist der Herde, der den Abweichler und Dissidenten ausschließt als "schwarzes Schaf".Ich bin eins mit Allen und alle sind eins mit mir- in dieser Geborgenheit lebt der ewige Untertan, der so jede Herrschaft ermöglicht, weil es für ihn nur eine unvergebbare Sünde wieder den Hl Geist gibt, den Kopf zum selbstständigen Denken zu mißbrauchen!    

    

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