Samstag, 26. Mai 2018

Vom Gott der Bibel und der Tradition zum Globalisierungsgott

Eine knappe Orientierungsskizze
 Hat sich Gott etwa geändert? Mitnichten, aber die Vorstellung von Gott!

1.Auch dem unaufmerksamen Bibelleser fällt eines auf: die Selbstverständlichkeit, mit der im Alten Testament von Göttern die Rede ist. Es gibt mehr als einen Gott, es gibt viele, aber es gibt nur einen für das Volk Israel. Der Begriff der Treue bekommt so aber auch erst seinen Sinn! Wie es im Umfeld jeder verheirateten Frau zwar viele Männer, aber nur einen Ehemann gibt, so gab es für das Volk Israel viele Götter, aber nur mit einem hatten sie einen Bund. So gab es für dies Bundesvolk immer die Möglichkeit zur Untreue, indem andere Götter neben oder gar statt seines Gottes verehrt wurden und somit auch die Möglichkeit zur Treue als das Nichtuntreuwerden.

2. Auch Gott war nur der Gott seines Volkes, das er erwählt hatte. Die Ägypter, die Kananäer und all die anderen Völker, die im AT auftauchen, sind nicht von Gott erwählte Völker. Damit wird ein Wesenszug der (göttlichen) Liebe erfaßt. Zur Veranschaulichung: Was würde wohl eine Ehefrau zu diesem Liebesbekenntnis ihres Ehemannes sagen: " Dich liebe ich! Ich liebe Dich wie ich Deine Schwester liebe, ja, ich liebe Dich, wie ich alle Frauen liebe"? Das wäre gewiß das Ende der Ehe.Gott verhält sich in der "Monolatri" zu seinem Volke, wie ein Mann, der sich eine Frau zur Ehefrau erwählt hat, zu ihr treu ist und von ihr die eheliche Treue verlangt im Wissen um die vielen Verführungen durch die anderen Götter/Männer.

3. Ist der Gott Israels dann aber auch der Gott über alle anderen Völker, oder hat jedes Volk seinen eigenen Gott, sodaß Konflikte und Kriege zwischen Völkern auch Kriege zwischen den verschiedenen Göttern wären? 

Gottes Globalisierung, 1.Teil
Israel entdeckte Gott ganz neu im Exil (586 vor Christus). Ihre militärische Niederlage und ihre Exilierung begriff die Theologie als Strafe Gottes für die (eheliche)Untreue des Volkes.Weil das Volk als ganzes gesündigt hatte, wurde  es auch als ganzes durch Gott bestraft. Gott bestrafte sein Volk durch andere Völker, indem er sie über sein Volk siegen ließ. Ein konsequenter Poltheismus hätte ja auch zu dem Alternativschluß führen können, daß der Gott der Sieger sich als stärker als der Gott Israels erwiesen habe im Kriege der Götter gegeneinander! So erwies sich für Israel ihr Gott als der Herr über alle Völker, der aber nur der Gott seines Volkes sein wollte.
Dem korreliert, daß es die wichtigste Aufgabe des Volkes Israel war (und ist), seine Identität als das von Gott erwählte Volk zu bewahren.Ein zutiefst conserativer Zug durchzieht so die Geschichte des Volkes Israel: Bewahre Deine Identität als religiös-kulturelle und auch als biologische- darum das Nein zu Mischehen. Das Fremde, das Andere wird stets als Bedrohung der Identität thematisiert.
Es ist bezeichnend, daß die Bibel nur von einem multikulturellen Experiment zu berichten weiß: König Salomon hielt sich, alt geworden einen international besetzten Harem und aus Liebe zu diesen vielen Nebenfrauen ließ er für jede von ihnen Tempel ihrer jeweiligen Religion errichten.
Gottes Zorn setzte dem ein Ende- Israel zerstritt sich in zwei jüdische Staaten, Israel und Juda, die dann gar Krieg gegeneinander führten. 586 war dann das Ende des jüdischen Staates- der Anfang des Endes war dies Multikultiexperiment des Königs Salomon!  
Bezeichnend für diese Gottesglobaliserung ist, daß es nur noch einen Gott über allen Völkern gibt, der aber selbst nur der Gott für ein, sein Volk sein will!    

Gottes Globalisierung, 2.Teil
Mit Jesus Christus hebt nun der neue Bund an, der aber in der Tradition des alten steht.Gott ist einer, der sich sein neues Volk erwählt als Einheit von Juden- und Heidenchristen. Die Organisationsform dieses neuen Volkes ist die hierarchisch gegliederte Kirche. Auch und gerade jetzt gilt daß der eine Gott die Differenz setzt zwischen den Seinen, der Kirche und den Nichtseinen. Gott ist so allgemein als Gott über allen und ist zugleich partikular als der Gott seines kirchlichen Volkes. Das göttliche Endgericht verewigt diese Differenz, zwischen den von Gott Geliebten und den zur Verwerfung Verurteilten. So ist Gott global universal und zugleich partikular. Dem korreliert die wahre Religion in ihrer Differenz zu allen anderen unwahren Religionen. So lehrte die Kirche bis zum 2.Vaticanum in Übereinstimmung mit der hl. Schrift.

Gottes Globalisierung, 3.Teil 
In der dritten Gottesglobalisierung soll diese bisher konsitutive Differenz ausgelöscht werden: Gott wird zum  globalisierten Gott, der zu jedem Menschen sein Ja sagt und dem korreliert, daß alle Religionen gleich wahr sind und daß selbst der Mensch ohne eine Religion nicht gottlos ist, sondern sein Gewissen allein ausreicht für seine hinreichende Beziehung zu Gott. Daß jeder Mensch ein Gott Bejahter ist, bildet dann das theologische Fundament dafür, daß die Katholische Kirche nachkonziliar nur noch eine Organisation praktiziertem Humanitarismus sein soll, die Religion noch als individuelles Therapeuticum im Angebot führt, sonst aber nur noch eine humanitäre NGO sein will.Die Differenz von der wahren zur unwahren Relligion wird so genichtet, aber auch die von von Gott erwählt oder nichterwählt, von heilig und unheilig. 
Gott wird zum globalisierten Jedermannsgott, dem es letztendlich gleichgültig ist, wie wir es mit der Religion, der Treue zu ihm halten. Die neue göttliche Liebe sagt: Dein Ehemann bin ich und es ist mit gleichgültig, ob Du, meine Frau,  mir treu bist oder ob Du allen, nur nicht mir hinterherläufst! Das ist das Geheimnis des interreligiösen Dialogisierens und der Einstellung jeder Mission durch die Kirche, daß sie nur noch diakonisch tätig sein will. 
Zudem: Wenn es die Differenz zwischen wahrer und falscher Religion gar nicht mehr gibt, warum sollte  dann die Kirche sich noch für den wahren Glauben einsetzen, ist der Islam, die jüdische Religion doch genauso wahr! 
Wie kommt es nun zu dieser 3.Globalisierung?
In der 3. will die Theologie Gott den Erfordernissen der sich globalisierenden Welt einpassen: Wie muß Gott gedacht werden, damit die Gottesvorstellung das Konzept der Globalisierung (das ist die Veramerikanisierung=Verwestlichung derWelt) fördert? Es ist der Multikulti kompatible Gott, der jede Differenz auflöst im Einerlei des Bejahens von allem, gleichgültig ob es wahr oder unwahr ist.  
Für diese Gloalisierungstheologie ist es dann auch bezeichnend, daß sie, wie sie Gott globalisiert, auch den Menschen globalisiert und so alle Differenzen, die zwischen Frau und Mann, (Genderideologie), zwischen den Völkern, zwischen Rassen und Kulturen (Multikultiideologie) auslöscht: es gibt nur noch den einen Gott, der jeden Menschen, den Einheitsmenschen, der unter- schiedeslos nur noch Mensch ist, bejaht.  
Der Gott der Bibel und der Kirche ist aber der der Differenzen, der, der unterscheidet zwischen erwählt und nichterwählt, zwischen wahrer und unwahrer Religion, zwischen den Völkern und zwischen den Geschlechtern und der Ordnungen für diese Differenzen setzt: die Ordnung der Ehe, des Nationalstaates und die der wahren Kirche. Gerade in diesen Ordnungen gilt der göttliche Imperativ der Identitätsbewahrung!


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