Dienstag, 14. April 2026

Ein schockierender Gedanke zur Macht des Bösen

"Hahaha,der Teufel ist mein Genosse;er ist oft mächtiger als dieser Gott,vor dem sich Tau-sen fürchten,ohne daß sie sagen können,daß er auch wirklich existiert!" So redet ein Protagonist des Karl May Romanes:"Waldröschen" Erste Abtheilung, 5.Kapitel,"Zum Wahnsinn verurtheilt" der historisch-kritischen Ausgabe S.201.

Die Gottesfurcht wird in dieser Aussage in ein eigentümliches Zwielicht gestellt: Einerseits gilt die Gottesfurcht als der Anfang aller Weisheit, konnte Bismarck noch urteilen: "Wir Deutschen fürchten nichts außer Gott" und andererseits soll der Teufel oft sich als mächtiger als der Gott der Christen erweisen,sodaß eigentlich der Teufel und nicht Gott zu fürchten sei,zumal gar nicht gewiß sei, ob dieser Gott überhaupt existiere. An der Existenz des Teufels nun zweifelt dieser Protagonist nicht. Die Intimität seiner Beziehung zu ihm drückt sich in der Anrede als "mein Genosse"aus.

Dostojewskis Dictum: "Wenn Gott nicht ist, ist alles erlaubt!" liegt diesem Protagonisten fern, denn für ihn bestimmt der, der sich oft als mächtiger als Gott erweist, wie er sein Leben führen will, als ein Genosse des Teufels

Kurz darauf lesen wir in diesem Roman: "Es begann mit  diesem Ritte eine neue Episode im Kampfe des Bösen gegen das Gute" und keinen erfahrenen Karl Mayleser wird es erstaunen, daß ganz am Ende dieses mehrbändigen Romanwerkes die Guten mit der Hilfe Gottes siegen. Doktor Sternau sagt so: "Was sie hörten,war nicht ein Seufzer der Schwäche,sondern ein Gebet zu Gott,dem Allmächtigen und Allgütigen,daß er es mir gelingen lassen möge." "Meine Erfahrung ist reich und meine Hand ist sicher;aber ich erflehe immer Gottes Segen bei jedem Werke,welches ich unternehme das verlorene Glück zurückzugeben." "Waldröschen, Erste Abtheilung, Im Kampf um die Liebe" S.40. Daß Gott wirklich allmächtig ist, darauf liegt hier der Ton, denn was nützte uns Menschen seine Allgüte, wäre der Teufel mächtiger als er.

Die Werke Karl Mays wie die Courths Mahlers ziehen nun den Vorwurf des Kitsches und des Trivialen geradezu magnetisch auf sich, weil ihre Romane stets gut ausgehen. Daß dieser positiver Ausgang bei beiden Autoren etwas mit diesem Gottesglauben zu tuen hat, ist unüberlesbar. Könnte es sein, daß wir Postmodernen in Wirklichkeit mit einer Übermacht des Negativen rechnen, auch wenn wir sie nicht als Teufel perso-nalisieren? Sollte der einst als allmächtig geglaubte Gott in den Ruf der Schwäche gekommen sein, daß er nicht das Gute durchsetzen kann, da das Negative stärker ist als er selbst? Gott sei zwar wohl die Aufforderung an uns, das Gute zu tuen, aber die Macht der Wirklichkeit läßt dann die Gutwollenden scheitern. 

2 Kommentare:

  1. Unglaubwürdig ist wohl der Glaube an die Allmacht Gottes wegen des Zweifes, wie die mit dem vielen Leiden vereinbar sein soll, wenn aber Gott nicht mehr allmächtig ist, dann kann er das Böse nicht mehr überwinden.

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  2. Ursprünglich ist der Glaube an die Allmacht Gottes durch das viele Leiden unglaubwürdig geworden, aber wenn Gott nicht allmächtig ist,kann er das Böse nicht besiegen.

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