Eine Falschübersetzung, um das Ansehen eines großen Königs nicht zu rampunieren? Oder wenn die Wissenschaft an einem Zuviel an Moral scheitert.
„Die Bevölkerung derselben (gemeint sind die eroberten Städte der Ammoniter) führte David heraus, und ließ Dreschwagen, und Schleifen und eisenbeschlagene Wagen über sie dahingehen, so daß sie zerschnitten und zermalmt wurden. So verfuhr David mit allen Städten der Söhne Ammons.“ 1.Chronik,20,3.
König David gilt wie in den Königsbüchern so auch in der Chronik als der fromme vorbildliche König schlechthin - und nun wird von ihm ein solches Massakieren von schon besiegten Feinden berichtet!
Der Jesuit Arndt fügt in seiner Vulgataausgabe diese Anmerkung in einer Fußnote bei: „Andere geben das Hebr: und zerschnitten sie mit Segen und Dreschwagen und Beilen.Sehr viele Kritiker fassen indeß den Text von der Verurtheilung zu allerlei Zwangsarbeiten.Man nimmt einige Schreibfehler im Hebr. Text an.“
Warum hier einige „Schreibfehler“ angenommen werden von „Kritikern“ angenommen werden, liegt auf der Hand: So brutal und grausam könne kein frommer König mit seinen schon besiegten Feinden verfahren sein.
Der KI gewährt uns einen Einblick in die gängigen „Übersetzungen“ dieses Verses:
HOF
Die Einwohner von Rabba verschleppte David und verurteilte sie zur Zwangsarbeit mit Steinsägen, eisernen Pickeln und Äxten. Ebenso erging es den Einwohnern der anderen ammonitischen Städte. Als der Krieg vorüber war, kehrten David und sein Heer nach Jerusalem zurück.
Aber das Volk drinnen führte er heraus und zerteilte sie mit Sägen und eisernen Dreschwagen und Keilen. Also tat David in allen Städten der Kinder Ammon. Und David zog samt dem Volk wider nach Jerusalem.
aber das Volk darin führte er heraus und stellte sie an die Sägen und in die Eisengruben und an die Eisenhämmer. Also tat David allen Städten der Kinder Ammon. Darnach zog David samt dem ganzen Volk wieder nach Jerusalem.
Auch das Volk darin führte er weg, und er stellte sie an die Sägen und an eiserne Werkzeuge und eiserne Beile. So machte es David mit allen Städten der Ammoniter. Dann kehrte David samt dem ganzen Volk wieder nach Jerusalem zurück.
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Luther übersetzte 1545 noch wörtlich, danach wurden die beschriebenen Maßnahmen wider die besiegten Feinde als zu brutal empfunden und somit abgemildert.
Die „Einheitsübersetzung“ läßt nun ihre Leserschaft den Vers so lesen: „Auch ihre Einwohner führte David fort und stellte sie an die Steinsägen,an die eisernen Spitzhacken und an die eisernen Äxte.“ Die besiegten Feinde wurden also nicht massakriert sondern zu einer Zwangsarbeit gedungen.
Historisch kritische Gründe dafür, daß diese Zwangsarbeit wahrscheinlicher gewesen wäre als ein solches Dahinmetzeln gibt es nicht. Allein das hohe Ansehen der Persönlichkeit Davids gebietet es, hier falsch zu übersetzen, den hebräischen Text als verdorben, verschrieben anzusehen.
Aber wie sieht man das heute? Der KI informiert:“Die Passage in 1. Chronik 20,3 (sowie ihr Parallelvers in 2. Samuel 12,31) gehört tatsächlich zu den bekanntesten Beispielen für ein historisches Übersetzungsproblem in älteren Bibelübersetzungen.
Der Text führt in alten Übersetzungen oft zu dem Eindruck, König David habe extrem grausame Foltermethoden oder Massenhinrichtungen an den besiegten Ammonitern durchgeführt. Moderne Sprachwissenschaft und Archäologie zeigen jedoch, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt.“ Ein so guter König könne nicht so gehandelt haben, auch verträgt sich die richtige Übersetzung nicht mit dem christlich- jüdischen Dialog, und verbietet sich so schon von selbst.
Ein vergleichbares Phänomen stellt die „Tempelprostitution“ dar. „Wikipedia“ schreibt dazu:
„Tempelprostitution oder kultische Prostitution ist eine im Altertum vor allem in Indien (→Devadasis), Ägypten, Babylonien (Ištar-Kult), Lydien, Numidien und auf Zypern vermutete Form des kultischen Geschlechtsverkehrs von Priesterinnen oder Tempeldienerinnen, meist einer Gottheit der sexuellen Liebe.
Nachdem die Existenz dieser Institution von der Wissenschaft lange Zeit als gegeben angenommen wurde, wird sie im 21. Jahrhundert in Frage gestellt.
Historische Belege
Die Bibel berichtet mehrfach von Tempelprostitution in antiken Kulten. Die Königsbücher berichten mehrfach davon, dass diese Praxis in anderen Kulten üblich war, so zum Beispiel in 1 Kön 14,24 EU oder 2 Kön 23,7 EU. Dem Volk Israel wird diese Tradition nach Dtn 23,18 EU explizit verboten.“
Die Vorstellung, in anderen Religionen könnte es eine „Tempelprostitution“ gegeben haben, wird als dem Ansehen dieser Religionen zu sehr schadenden Vorstellung abgelehnt, hier polemisiere die Bibel, das Alte Testament zu sehr und verunglimpfe so die nichtjüdischen Religionen, was aber dem Geiste des interreligiösen Dialoges des wechselseitigen Respektierens widerspräche.
Die Geisteswissenschaften sind eben nicht objektivistisch sondern wertrgebunden: Was nicht sein darf, das ist auch nicht: Weder kann König David so grausam mit den Feinden Israels umgegangen sein, noch könne es eine Tempelprostitution gegeben haben, denn das widerspräche der (bürgerlichen) Moral.
Interessant ist, daß der Prophet Hosea die Kultprostitution auch in Israel bestätigte: „denn die Priester selbst gehen mit den Dirnen beiseite, mit den Weihedirnen feiern sie die Schlachtopfer“.4,14bf. Diese „Weihedirnen“ sind Kultprostituierte. Nur die darf es eben auch nicht gegeben haben, denn das widerspräche der heutigen Moral.
Ein Vorschlag von mir:
Wenn etwas in der Bibel Ausgesagte modernen Erkenntnissen der Geisteswissenschaften widersprechen,vertraue man mehr der Bibel ob der Ideologieanfälligkeit aller Geisteswissenschaften. Die Naturwissenschaften können prinzipiell den Wundern Gottes, die die Bibel berichtet, nicht gerecht werden, da ein Wunder ein Außerkraftsetzen der von Gott dekretierten Gesetze der Natur ist.
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