Freitag, 25. September 2026

Eine Genalogie: der coole Typ und was der mit einer Weihnachtspredigt zu tuen hat

 

Eine Genalogie: der coole Typ und was der mit einer Weihnachtspredigt zu tuen hat


Eine Weihnachtspredigt, gehalten an einem 24.Dezember. Der in der Kirche aufgestellte Weihnachtsbaum leuchtete, aber nur zur Hälfte, denn genau so viele elektrische Kerzen brannten, so viele brannten nicht. „Dürfen wir Christen uns hier in Deutschland freuen und die Weihnachtsnacht feiern, wenn gleichzeitig so viele Mitchristen etwa in Afrika leiden, im Elend leben, afrikanische Kinder jetzt hungern!“ Die nichtbrennenden Kerzen sollten die leidenden Mitchristen symbolisieren, die sich nicht Weihnachten freuen könnten.

Es sei doch geradezu herzlos, feierten wir Privilegierten jetzt das Weihnachtsfest – wir dürfen und können es erst recht feiern, wenn jeder Christ auf der Welt Weihnachten auch feiern könne.

Diese Predigt lebt von dem Konzept der „Sensibilierung“: Es reiche nicht die rein cognitive Einsicht in das Leiden andere, um uns zum Helfen für sie zu motivieren. Emotional müssen die Bürger unseres Landes angesprochen werden, Mitleid müsse evoziert werden, auch Schuldgefühle erweckt werden- also: Die Menschen müssen sensibiliert werden für die Not der Anderen.

Zufrieden, gar glücklich sein, ist da etwas Unmoralisches und Widerchristliches, denn wenn ein Christ leidet, habe jeder Christ mit ihm zu leiden.

Die Antithese zu diesem: „Du darfst Dich nicht freuen, zufrieden zu sein, wenn andere leiden“, ist der coole Typ, der nur in seiner Opposition dazu begriffen werden kann. Er insistiert darauf, selbst glücklich sein zu dürfen, wenn sein Mitmensch leidet. Ihm ist sein Leben das Wichtigste und seine Mitmenschen, wenn sie ihm für seine Lebenszufriedenheit nützlich sind. „Coolsein“ ist somit die Antistrategie zur Pädagogik der Sensiblisierung,

Vorausgesetzt ist in beiden Fällen der Mensch, der beziehungslos zu seinem Mitmenschen lebt. Er sei so erst zu einem Mitleben zu motivieren, daß ihn emotional das Leid des Mitmenschen betroffen macht.Der so zum beständigen Mitleiden und Sichsolidarisieren mit... Aufgerufene entzieht sich diesem Appellieren durch das Konzept des Coolseins: für sich zu leben und die Anderen nur zu gebrauchen zur Steigerung der eigenen Lebensqualität. (Man könnte hier eine Ähnlichkeit zum Nein Nietzsches zur Mitleidsethik Schopenhauers sehen, den „Willen zur Macht“ glorifizierend.)

Der warmherzige Mensch ist somit sowohl der Antitypus zum zum Mitleiden Sensibilierten und zu dem „coolen Typ“. Nur ist die Warmherzigkeit keine erlernbare Tugend sondern eine Menschen gegebene oder auch nicht gegebene Charaktereigenschaft! Sie ist so eine Gabe Gottes!



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