Sonntag, 2. August 2015

Populäre Irrtümer- was man heuer so in der Kirche daherredet Das letzte Abendmahl

Es gibt nicht nur die Lehre der Kirche und theologische Explikationen derselben, sondern auch das "Gerede", so eine Melange aus Phrasen, Halbwahrheiten und Dummheiten, die in Predigten und theologischen Publikationen einem immer wieder begegnen: sie sind allgegenwärtig, auch und gerade, wenn ihr Ursprung oft nicht bekannt oder schon längst vergessen ist, auch weil sich der Gebrauch solcher Phrasen weit von seinem Ursprung entfernt hat.
Das letzte Abendmahl Jesu ist so eine Phrase geworden. Erstmal klingt das ganz harmlos- schon daß der Begriff "Mahl" ein etwas "feierlicher" für Essen ist, ist nicht jedem Leser ad hoc präsent Sagen wir aber zur Eucharistie, es sei das letzte Abendessen Jesu vor seiner Hinrichtung, das in der kirchlichen Feier erinnert wird, wird das Problem dieser Deutung des Gründonnerstagsgeschens schon deutlicher. Vor unserem Auge erscheint eine Serie von Abendessen von Jesu mit seinen Jüngern, wo nach einem Tischgebet man miteinander aß und trank und so Gemeinschaft untereinander hielt.   Die Gemeinschaft des Miteinanderessens und Miteinandertrinkens wäre dann das Herzstück der Eucharistie- und irgendwie ist dann Jesus auch mit dabei, wenn wir in seinem Geiste essen und trinken, oder etwas pathetischer formuliert: Mahl halten. Aus dieser Interpretation sind nun weitreichende Konsequenzen ableitbar:  das Gut in der Eucharistie sei primär die Gemeinschaftserfahrung untereinander und irgendwie damit verbunden mit Jesus. Und von dieser so guten Erfahrung dürfen wir Christen Niemanden ausschließen, denn Jesu Liebe schlösse keinen Menschen aus. Zudem habe Jesu ja oft Abendmähler mit Zöllnern und Sündern gehalten, sodaß gerade die Sünder zur Eucharistie einzuladen seien und nicht die "selbstgerechten" Pharisäer. Also, auf jeden Fall gehören die Geschieden Widerverheirateten und Homosexpaare zu der Primärzielgruppe dieser jesuanischen Niemanden ausschließenden Liebe. Klingt Alles gut und irgendwie, unendlich variert, kann man das fast aus jedem Reformermunde so hören. 
Aber was hat denn da ein reaktionärer Antireformer dran auszusetzen? Vieles! Jesu ließ sich zum Abendessen gern einladen, auch oder gerade wenn da auch Sünder und Zöllner teilnahmen, weil er, sich als Arzt (der Seele) verstehend gerade zu den Sündern hinberufen sah. Aber das waren Abendessen, bei denen man wohl auch Tischgebete sprach- nur, das waren keine Eucharistiefeiern! Das letzte Abendmahl war eben kein Abendessen, sondern Jesus Christus setzte da den Kult der Eucharistiefeier ein!  Er speiste und trank da nicht mit seinen Jüngern, wobei dann gehofft wird, daß man "Jünger" inklusiv versteht, also als Jünger und Jüngerin! Erst später habe dann ja- wie wir täglich aus linksliberalen Gerede vernehmen, die Kirche die Frauen ausgegrenzt aus dem Leben der Kirche- gegen Jesu Praxis des Abendmahles mit Frauen und Männern! Nein, Jesus feierteEucharistie am Gründonnerstag und er tat dies nur mit seinen 12 männlichen Aposteln! Jesus selbst schloß so seine Jüngerin von dieser ersten Eucharistiefeier aus!  Er weihte  nämlich nur Männer zu Priestern, indem er ihnen die Vollmacht gab, Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln! Aus liberaler Sicht war die erste Eucharistiefeier eine reine Klerikerveranstaltung! Der Herr Jesus Christus und 12 männliche Apostel, die Vorläufer der heutigen Bischöfe zelebrierten die erste Messe ganz ohne das Volk! Wie sehr muß dies Ereignis umgedeutet und mißinterpretiert werden, bis daraus wird: Jesus ißt und trinkt mit seinen Jüngern (Männlein und Weiblein und wohl auch den Kindern von ihnen) und spricht dazu Gebete, um ihnen zu sagen: wenn ihr zukünftig  gemeinsam eßt und trinkt, dann denkt an mich, denn dann bin ich mit und bei euch! 
Aber wie ist denn Jesus da mit uns? In erster Linie nicht als Gastgeber eines Abendmahles, als der, der mit uns ißt und trinkt, wie es der Begriff des Abendmahles, des Abendessens suggeriert-nein- er ist da für uns als sein Fleisch und sein Blut, das er uns zum Essen und Trinken gibt! Er ist primär als Gabe für uns und nicht als Geber von etwas gegenwärtig in der Eucharistie!   Und er lehrt, daß wir sein Fleisch und sein Blut zu essen und zu trinken haben, um so mit ihm uns zu vergemeinschaften. Es ist nicht die äußerliche Gemeinschaft des  in einem Raum zu gleicher Zeit Essens und Trinkens, es ist eine innere Vergemeinschaftung, in dem er als sein Fleisch und sein Blut in uns eingeht! Wenn dagegebn von der Mahlgemeinschaft der Eucharistie liberal gesinnt  gesprochen wird, wird dieser Innerlichkeit revoziert, es bleibt nur die äußerliche des Miteinander etwas Essens und Trinkens übrig.
Und das Gut der Eucharistie- nach Jesus Christus ist es die Speisung zum ewigen Leben- ja ist sein Blut und sein Fleisch das Elixier zum ewigen Leben!   Das reduziert sich dann, wenn nur noch vom Mahl geredet wird auf die Erfahrung der Gemeinschaft aller Esser und Trinker in der Feier! 
Und was wird aus dem Opfer Christi, daß hier die Kirche durch ihren Priester das Meßopfer darbringt? Der Begriff des Meßopfers ist sicher das Unwort schlechthin in der nachkonziliaren Kirche- ja, es wird gemunkelt, daß wenn ein Bewerber dieses Unwort während des Vorstellungsgespräches beim Regenten eines Priesterseminares benutzt, er gewiß  als völlig ungeeignet wieder nach Hause geschickt wird! Merke: es gibt keine Barmherzigkeit in der Kirche rechten Katholiken gegenüber und wer Meßopfer sagt, gilt heuer in der Kirche als rechtsaußen! Man könnte meinen, daß der Begriff des letzten Abendmahles nur deshalb heuer so gern benutzt wird, damit das Wesen, das Herz der Eucharistie, daß sie ein kultisches Opfer ist, verdrängt werden soll. Und wenn Jesu am Gründonnerstag einfach nur das letzte seiner vielen Abendessen mit den Jüngern vollzogen hätte, dann wäre das ja auch keine kultische Opferfeier gewesen, dann hätte Jesus Christus hier nicht den Grundstein seiner Kirche gelegt, indem er hier den Kultus der Kirche stiftete, das Opfer und das dazu gehörige Priesteramt. Jesus Christus stiftete damit den Neuen Bund mit dem aus, was schon zum Herzstück des Alten Bundes gehörte: das kultische Opfer und das dazugehörige Opferpriestertum!  Aber davon wollen die Fans der Abendmähler Jesu nichts wissen- für sie soll Jesus eben nur der Gastgeber von Brot und Wein sein, des Miteinanderessens und Trinkens, damit so menschliche Gemeinschaft erfahren wird, die niemanden ausschließen soll!
Aber Jesus Christus gibt uns sein Blut und sein Fleisch als Medizin und nicht als Nahrung und Genußmittel! Medizin ist  immer etwas Ambivalentes: es impliziert, daß da Menschen der Medizin bedürfen, weil sie erkrankt sind und daß die Medizin, nicht ordnungsgemäß eingenommen statt zu heilen dem Menschen schaden kann! Die Lehre vom rechten Empfang des Sakramentes ist so immer auch eine Lehre zum Schutz der Empfänger vor Kollateralschäden infolge unangemessenen Empfanges.  Wenn die Kirche Menschen vom Empfang der Eucharistie ausschließt, dann schließt sie da nicht ungebetene Gäste von einem Menüessen und der Gemeinschaft der Tischgäste aus, sondern urteilt: diese Medizin ist  unverträglich für Menschen, die so und so disponiert sind! Oder wer sähe es als einen Akt der Diskriminierung von Frauen an, wenn auf Energiegetränken die Warnung steht: nicht geeignet für Schwangere? Aber wenn die Kirche Menschen von dem Empfang der Kommunion fernhält, für die das Blut Christi und sein Fleisch so ungeeignet ist, wie ein Energiegetränk für Schwangere, dann ruft alles aus: das sei diskriminierend! 
Der Grund dafür liegt in dem Erfolg des Begriffes des letzten Abendmahles, der das Wesen der Eucharistie völlig verdunkelt hat! 

Kommentare:

  1. Ich hätte dazu noch eine Frage: WARUM ist Jesu Fleisch und Blut (also Jesus mit seinem ganzen Wesen, seiner Liebe, seiner heilenden Kraft, und ja, auch seinem Willen, in Sündern etwas zu verändern, denn "ungeeignet" für manche Menschen? Ist Er denn nicht für die größten Sünder "geeigneter" als für solche, die sowieso schon fast alles in seinem Sinne machen? "Dürfen" nur die mit Ihm vebunden sein? Denn Menschen, die überhaupt nichts von Jesus wissen wollen, die ihn ablehnen, werden nur in den seltensten Fällen Sehnsucht nach dem Kommunionempfang haben... ich finde, die Lage wird durch Ihre berechtigten Ausführungen (dass Eucharistie kein "Essen" ist usw, völlig okay!) nicht so klar, wie Sie es wohl voraussetzen. Sogar Papst Franziskus hat gesagt, es keine Belohnung für die Guten, sondern ein Heilmittel für die Schwachen.

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  2. Die homophobe Hetze hat mal wieder gefruchtet:

    http://grenzgaenge.me/2015/08/02/shira-bani-ist-tot/

    Dann mal bis zum nächsten Mord oder Selbstmord. Einfach fleißig weiterschreiben.

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  3. Wir beschädigen uns gegenseitig viel zu sehr. Viel mehr Zärtlichkeit müsste unter Menschen walten - eigentlich.

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