Mittwoch, 17. April 2019

Probleme mit dem Gott des Alten Tesamentes: Ist das der Gott Jesu?

Das Narrativ vom bösen Gott des Alten Tesamentes, dem der gute des Jesus von Nazareth gegenübergestellt wird, von Marcion erfunden, um einen von allem Alttestamentlichen befreiten Kanon von christlichen  Evangelien einzufordern, findet immer wieder Sympathisanten, den neuesten in Horst Mahler in seinem Buch: "Das Ende der Wanderschaft", 2018 erschienen. Ihm ist der Gott des Alten Testamentes, der jüdische der schlechthin negative. Das ist der Gott, der nur ein Volk zu dem seinigen sich erwählt, ihm irdische Güter zu Hauff verheißt, aber sein Volk auch mit schlimmsten Strafen bedroht, wenn es ihm ungehorsam ist, und der allen anderen Völkern gegenüber rein feindlich gesonnen sei.  
Dieser rein negative Gott überwinde sich nun aber selbst, indem er sich in der jüdischen Gestalt als sich selbst verkennender Gott begreife, der sich als durch anderes limitierter Gott mißverstehe, der seine Schöpfung als etwas von ihm selbst Verschiedenes ansieht, durch das er selbst begrenzt würde. So will Gott das ihn Begrenzende durch sein erwähltes Volk nichten. Aber in der christlichen Religion begreife sich Gott als der, der sich selbst als sich erkennender in und durch die Religionen hervorbringe- die Religionen seien das jeweilige Selbstbewußtsein Gottes auf der jeweiligen Entwickelungsstufe-und nur in der christlichen, wenn sie sich philosphisch begreift, erfaßt sich Gott selbst in diesem christlich-philosphischen Denken- so weit diese hegelische Religionsphilosophie, die Mahler in seinem Buch skizziert. so sei dann der negative Gott des AT eine notwendige Zwischenstufe im Prozeß der Selbstentwickelung Gottes zu  dem sich selbst begreifenden Gott: also nicht entwickelt sich der Mensch -humanistisch gedacht- vom Dunklen zum Lichtwesen der Aufklärung, sondern Gott käme erst durch diese Entwickelung im religiösen Bewußtsein der Religionen zu sich selbst als sich begreifender. 
Also, ein Neohegelianer ergreift hier das Wort. Dies könnte als ein Beispiel für die allgemeine Sympathie fürs Nostalgische in postmodernen Zeiten abgetan werden, wenn nicht in dieser Hegelei allerlei Bedenkenswertes anzutreffen wäre. 
Intelligente  Fragen werden gestellt und das ist schon etwas Beachtliches in so geistarmen Zeiten: Die traditionelle Gottesvorstellung denkt sich Gott als "schon von Ewigkeit her als der Vollkommende, Allwissende, Allmächtige usw., der die Geschicke der Menschheit lenkt und die Menschheit nach seinem "Heilsplan" erlöst." (S.138). Nun frägt Mahler, warum und wozu habe dann dieser Gott die Welt und die Menschheit überhaupt geschaffen? Als sein Spielzeug? Warum als Erlösungsbedürftige und warum gibt es dann so viel Leid, so viel unschuldig Leidende? (S.138). 
Bedeutsamer ist dann aber noch Mahlers These, daß dieser so gedachte Gott selbst den Grund für den Atheismus gelegt habe! Denn wenn das von ihm Geschaffene etwas von dem allmächtigen Gott Verschiedenes sei, dann könne Gott ohne die Welt und so auch die Welt ohne Gott gedacht werden, weil  sie als zwei Getrennte gedacht würden.  
Mahlers Alternative: "Aber Gott als Geist,der sich erst zu dem machen muß, der er ist, schafft sich als Mensch und Welt,um daran einen Spiegel zu haben, in dem er sich anschaut und erkennt.Der Mensch ist so Gehilfe Gottes, selbst göttlich und deshalb von absolutem Wert." (S.138). Das ist die philosophische Negation der Religion als ihre Aufhebung, daß so erst der wahre Gehalt der Religion zu Tage tritt, aber es ist auch die Negation der Religion, weil nun in der Religion der Mensch sich zu sich selbst verhaltend gedacht wird, nur eben, daß er erst im wahren Denken sich als das Selbstbewußtsein Gottes begreift und den Weg durch die Religionen als den Prozeß der Selbstentwickelung des Selbstbewußtseins Gottes begreift: Gott wird, was er ist, am Ende aber als sich selbst erkennend. Das heißt für die Theodizeefrage, daß das Negative notwendig ist für diese Selbsterkenntnis, was Gott nicht ist. 
Erstaunlich ist nun, daß von einem Autor, von dem eher ein politisches Buch erwartet würde, so ein  religionsphilosophishes verfaßt wird. Nehmen wir es als Anstoß, daß vielleicht zu schnell die Akte Hegel geschlossen worden ist, daß er uns als um die Gotteserkenntnis Ringender doch noch etwas zu sagen haben könnte!  

Aber in einem ist und bleibt Mahler, wie wohl auch Hegel ein Kind des liberalen Protestantismus. Ihm fehlt jedes religiöse Verständnis von Gott, dem Göttlichen, wie es Rudolf Otto so einzigartig auf den Begriff gebracht hat: Gott als die Einheit von tremendum und faszinosum. Es muß eben so wahrgenommen werden, daß Hegel so auch das liberal-protestantische Problem, wie kann der Gott des AT der Gott Jesu sein, versuchte zu lösen, vor dem auch Mahler steht. Aber dies ist nicht nur ein Problem des Protestantismus! Der zeitgenössische Katholizismus löst dies Problem ja einfach, indem alle biblischen Aussagen über Gott, die nicht kompatibel sind mit dem liberal gedachten Gott, Gott ist nur die Liebe, einfach überlesen werden.
   

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