Mittwoch, 13. Januar 2021

„Die dem Menschen seine Ketten nehmen, befreien nur ein Tier“

(Anthropologie: Der Kampf um den Menschen)

So schreibt es Davila (Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift... Aphorismen 2017, S.71) Eine sehr obskurantistische Aussage, haben wir doch den Ausspruch, der Mensch habe nichts zu verlieren außer seinen Ketten, Karl Marx gut im Ohr. Für Davila gehört also das in Kettensein konstitutiv zum Menschsein dazu, denn ohne diese Ketten vertierte sich der Mensch. Im Hintergrund von Davilas Positon steht die Vorstellung des Naturmenschen, der ungezügelt seine Leidenschaften ausleben Wollenden, der aber durch die Moral und den Staat daran gehindert wird, so leben zu können, wie er es möchte. Die Moral und der Staat verhindern so nicht das Menschsein, sondern bringen es erst hervor.

Aber wird der Begriff des Tieres dem natürlichen unkultivierten Menschen gerecht? Offensichtlich nicht, denn das Tier, das wäre die Vorstellung von seinen Trieben beherrschten Menschen. Aber genau das ist der natürliche Mensch nicht. So kann er sich selbst töten trotz seines Überlebenstriebes, er kann sich der Sexualität enthalten trotz seines Fortpflanzungstriebes....Er ist, um es mit Gehlen zu sagen ein mangelhaft durch seine Natur determiniertes Wesen, oder um es positiver zu formulieren, ein durch seine Freiheit bestimmtes Wesen. Diese Freiheit ist ihm im Naturzustand die Willkürfreiheit, alles tuen zu dürfen, was immer er auch will, ja selbst der Begriff des Dürfens muß hier noch ausgestrichen werden, da es für den Naturmenschen keine Instanz gibt, die Gedurftes von Nichtgedurftem unterschiede.

Den Willkürmenschen und nicht einen Menschtier brächte so die Befreiung von den Ketten hervor. Dieser Befreite wäre dann wirklich das Ende der Kultur und der Humanität. Somit muß gerade die Religion als den Menschen Humanisierendes angesehen werden ob der Vorstellung des Gottes, der Menschen sagt, was sie dürfen und was nicht.


 

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