Freitag, 1. Oktober 2021

Zum Kampfe wider das Priesteramt – ein Meilenstein der Selbstver-säkulariesierung der Kirche

(der Synodale Irrweg- ein Snodaler probt die Destruktion des Priesteramtes)


Wer anders als ein jesuitischer Priester und Regens eines Priester-seminares wäre geeigneter, die Destruktion des Priesteramtes zu betreiben. So führte Kath de am 29.9. 2021 ein Interview mit dem Jesuitenpriester und Regens Kessler: So polemisiert dieser Jesuit dann gegen das Priesteramt:

Wir leben kirchlich vielfach in einem selbstgewählten Ghetto aus Ideen des 19. Jahrhunderts, die zur Aufrechterhaltung des Dienstes verteidigt werden, die aber undemokratisch, ausgrenzend und nicht freiheitlich sind. Ein wirklicher sakramentaler Dienst muss das Gegenteil bewirken: Freiheit der Entscheidung und inkludierende Weite – das ist genuine Katholizität.“

Irritieren muß nun aber die Behauptung, dies undemokratische, ausgrenzende und nicht freiheitliche Priesteramtsverständnis wäre ein Produkt des 19. Jahrhundertes, da dies Priesterverständnis im Alten Bund doch schon durch die Stellung des Priesters, daß nur Glieder des Stammes Levi dies Amt ausüben durften, dann auch nur die Männer und der für sie geltenden Heiligkeitsgesetzte präfiguriert ist. Abgesondert, also heilig hatten sie zu leben. Deshalb teilte Gott ihnen ja auch keinen Landbesitz zu, damit sie ganz für ihren heiligen Dienst leben konnten.

Dies Priesteramtsverständnis prolongiert sich dann im Priester-amtsverständnis des Neuen Bundes. Gottes Ordnung ist also nicht demokratisch, grenzt aus und ist nicht freiheitlich. Nur, seit wann sind das denn Bestimmungen für das Priesteramt? Das Priesteramt ist nur, weil es auch Nichtpriester gibt und grenzt so den Priester vom Nichtpriester ab. Weil Gott zum Priesterdienst beruft, ist diese Berufung keine freiheitliche, daß jeder, der Priester werden möchte, es auch darf. Demokratisch kann die Ordnung der Kirche nicht sein, weil sie eine von Gott gesetzte ist, denn er setzte im Alten wie im Neuen Bund die Ordnung des Priestertumes.

Noch irritierender ist das Wozu des Priesteramtes in der Vorstellung diese Jesuiten. Es solle die „Freiheit der Entscheidung“ bewirken. Meint dies, daß es eine freie Entscheidung zum Priesteramt geben soll oder daß das Priesteramt die Gemeindemitglieder zu freien Entscheidungen befähigen soll?

Aber es kommt noch besser:

Priesterausbildung ist im Grunde genommen bis heute eine Standesausbildung geblieben, obwohl eine Ständegesellschaft spätestens seit der Französischen Revolution nicht mehr existiert. Wegen solcher antimodernen Reflexe verliert das Priestertum in unserer Gesellschaft Relevanz und Akzeptanz.“

Der Priesterstand müsse also, um den Imperativen einer modernen Gesellschaft gerecht zu werden, faktisch aufgelöst werden. Priester sollen eben nur noch Hauptberufliche in der Kirche sein. Deshalb müsse die Priesterausbildung revolutioniert werden:

Kessler: Keine Ärztin und kein Lehrer oder Anwalt wird schon während des Studiums berufsverbandlich so eng begleitet wie Kandidaten für das Priesteramt. Diese sollten wie alle vergleichbaren Professionen ihre studentische Ausbildung ganz normal und vor allem gut absolvieren – ohne betreutes Wohnen. Wenn sie akademisch qualifiziert sind, können sie sich bewerben. Und in die anschließende Phase der geistlichen und praktischen Bewährung gehören dann Seminareinheiten, die einüben, was das Priesteramt unter den gegebenen Bedingungen sein kann – eben nicht als Absonderung in eine andere Kaste, sondern Verkündigung aus geistlicher Erfahrung und persönlicher Kompetenz.“

Es soll also keine Priesterseminare mehr geben, die Interessierten sollen genauso wie andere, die sich auf einen weltlichen Beruf vorbereiten studieren und leben, um dann sich bei der Kirche bewerben zu können. Die Einführung in das religiöse Leben des Priesters, eine der wesentlichen Aufgaben des Priesterseminares soll so völlig entfallen. In dem Interview des Deutschlandfunks Kultur am 30.9.2016 finden sich dann weitere grundlegende Aussagen dieses Jesuiten zum Priestertum:

Stephan Kessler: Das Erste, was er mitbringen soll, ist eine Offenheit, eine menschliche Begabung, in Kommunikation zu treten, verbunden mit dem Willen, etwas weiterzugeben, was ihm persönlich wichtig geworden ist, wo er eine persönliche Erfahrung gemacht hat. Wenn das sich verbindet, diese Kompetenz mit der Berufung, ist das ganz okay, aber Berufung alleine macht noch nicht den Priester, sondern erst sozusagen auch der Nachweis, dass ein Mensch geeignet ist und die Begabungen mitbringt, die er braucht, um diesen Beruf als Priester auszuüben.“

Worum geht es also primär? Um die kommunikative Kompetenz. Und was soll dann kommuniziert werden? Das, was einem „persönlich wichtig geworden ist“, die „persönliche Erfahrung“. Ach ja, und offen müsse er sein, eben offen für alles. Nicht, daß nun wer an die Weisheit denkt: Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht, nein hier wird das Loblied auf die liberale Toleranz angestimmt, die alles Conservative ausschließt.

Eines muß auch einem völlig unaufmerksam Lesenden auffallen: die völlige Abwesenheit irgendwelcher religiösen oder gar christlichen Vorstellungen. Der hier skizzierte Priester hat mit der christlichen Religion, dem Glauben der Katholischen Kirche nichts mehr gemein. Er soll nur noch ein akademisch Ausgebildeter und kommunikativ Begabter sein, der ihm persönlich Wichtiges und Selbsterlebtes kommunizieren kann- ein idealer Gast für jede Talkshow also. Wichtig ist dabei, daß der „Priesterstand“ in der Kirche so aufgelöst werden soll, es soll eben nur noch in ihr eben auch akademisch Ausgebildete mit besonderer kommunikativer Kompetenz geben. Alles Männerbündlerische soll so aus der Kirche exkommuniziert werden- das Frauenpriestertum winkt- aber wichtiger ist, daß es überhaupt keine Priester mehr geben soll sondern nur noch Diplomtheologen, die hauptberuflich dann auch Gemeindeleiter werden können, wenn ein Leiten noch eine demokratisch strukturierte Kirche zuläßt. Dies ist aber nicht einfach nur das Ende des Priestertumes, sondern vorrangig die Selbstabschaffung der christlichen Religion. Gott, Jesus Christus, der Heilige Geist sind für diese Jesuitenkirche der Zukunft völlig bedeutungslos- es zählen nur noch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse (irgendwie gearteter Spiritualität?) und das Miteineinanderreden.

Das Allerwichtigste ist diesem Jesuiten aber die Normativität der modernen aus der Französischen Revolution sich hervorgebracht habenden Gesellschaft. Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist es deshalb: sich der Moderne einzupassen und somit ihr Priesterverständnis zu modernisieren. Das Ziel ist die völlig säkularisierte Kirche.


Zusatz

Zum Wesen der Religion gehört die Setzung der Differenz zwischen Heilig und Profan, (wie die Wissenschaften aus der Differenz von Wahr und Unwahr sich konstituieren) und damit ist die Aufgabe der Vermittelung zwischen diesen zwei Sphären mitgesetzt, die in der Religion dem Priesteramt zukommt. Dies Amt darf so nicht als etwas der Religion kontingent Zukommendes mißverstanden werden, denn dies sakrale Amt ist für die Religion konstitutiv. Die Religion muß eben klar von der Religionsphilosophie distinguiert werden, so sehr auch eine Theologie ohne eine explizierte Religionsphilosophie eine defizitäre Theologie ist.



 

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