Freitag, 7. März 2025

„Glaubensdikasterium distanziert sich von Maria Valtorta“- das war nicht anders zu erwarten: zu fromm!

 

Glaubensdikasterium distanziert sich von Maria Valtorta“- das war nicht anders zu erwarten: zu fromm!



Wer auch nur ein einziges Kapitel aus dem Werk Valtortas: „Der Gottmensch – Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus“ gelesen hat, wird diese Distanzierung verstehen, ist diese Jesusdarstellung doch einfach zu fromm. Wenn dann in dem Buch gar noch Papst Pius XII und der hl. Padre Pio als Befürworter ihrer Schriften angeführt werden, wenn Papst Pius XII gar so zitiert wird: „Veröffentlicht dieses Werk, so wie es ist.Wer es liest,wird verstehen.“,dann sind das ja schon Gründe genug,den Werken dieser Mystikerin eine ablehnende Haltung einzunehmen. Pater Pio und dieser Pius Papst sind eben dem linksliberalen Katholizismus inakzeptable Personen.

Kath info offenbart uns nun die Gründe für diese Distanzierung am 7.3.2025. Die da angeführten Gründe zeichnen sich nun aber durch solch eine Dürftigkeit aus, daß man nun eher sich animiert sieht, endlich dies Gesamtwerk zu lesen!

Maria Valtorta beschreibt in ihren Schriften viele Details über das Leben Jesu, seine Familie, seine Jünger und verschiedene Ereignisse aus dem Evangelium, die in den biblischen Texten nicht ausdrücklich erwähnt werden.“ Woher wenn nicht aus dem Protoevangelium des Jakobus wissen wir, daß die Mutter Mariae Anna hieß? Im Neuen Testament wird die Mutter Mariae nie erwähnt! Müssen wir also nun auf die hl. Anna verzichten und müssen wir dann nicht auf dies Detail im Leben Mariae, daß sie leiblich in den Himmel aufgenommen worden ist, auch verzichten, da das auch in der Bibel nicht bezeugt ist? Für die Katholische Kirche galt und gilt immer noch, daß die Tradition neben der Hl.Schrift das Fundament der Theologie bilden!

Außerdem wäre zu fragen, welches Gewicht denn dann diese Details haben, etwa die Landschaftsschilderung oder die Aussagen über das Aussehen der Personen? Im Neuen Testament finden wir keine einzige Beschreibung Jesu – sind deshalb alle Jesusbilder illegitim? Und seit dem Jesus uns durch die hl. Faustyna sein Angesicht offenbart hat, soll das nun verworfen werden, weil sein Angesicht nicht im Neuen Testament bezeugt ist?

Dann heißt es: „Valtorta selbst glaubte, daß ihre Visionen und Schriften von Gott inspiriert waren. Sie verstand ihre Erfahrungen als eine mystische Offenbarung, ähnlich der von Heiligen und Mystikern. Einige Kirchenvertreter stellten diese göttlicher Herkunft jedoch in Frage: Verschiedene Details weichen von der offiziellen kirchlichen Lehre ab, da sie nicht in den kanonischen Schriften der Bibel belegt sind.“ Also muß nun doch Mariae Himmelfahrt aus der Glaubenslehre der Kirche gestrichen werden! Es muß hier unmißverständlich gesagt werden, daß die Behauptung, daß eine Lehre nur wahr sei, wenn sie aus der Bibel belegbar sei, ein rein protestantisches Dogma ist!

Valtorta gibt in ihren Schriften der Rolle der Jungfrau Maria und der Heiligen eine herausragende Bedeutung. Insbesondere Maria wird als eine zentrale Figur im Heilsgeschehen und im Leben Jesu dargestellt, was von einigen Theologen als Übertreibung oder nicht mit der kirchlichen Lehre vereinbar betrachtet wird.“

Das ist unschwer erkennbar der Hauptgrund der Abneigung gegen das Werk Valtortas! Seit dem 2.Vaticanum versucht die Kirche sich dem Protestantismus anzuähneln und deswegen versucht sie, isb die in der Volksfrömmigkeit verankerte Marienfrömmigkeit zurückzudrängen. Es ist zwar wohl nur ein Gerücht, mir gelang es bis heute nicht, es zu verifizieren, daß zur Ablehnung von Priesteramtsbewerbern es ausreiche bei einigen Priesterseminaren, wenn sie dem Regens sagten, daß sie täglich den Rosenkranz beteten. Die zeitgenössische protestantische Theologie war christozentristisch orientiert, isb durch die Wirkmacht des reformierten Theologen Karl Barth, er verwarf gar jegliche Art einer natürlichen Gotteserkenntnis, weil es die nur in und durch Jesus Christus geben könnte und da wollten katholischen Theologen nicht abseitsstehen und forderten so eine Entmarianisierung der Kirche.

Der „Gottmensch“ von Maria Valtorta ist nun die beste Medizin gegen solch einem protestantischen Christozentrismus.Die Theologen, die hier die Mariologie dieses Werkes kritisieren, dürften in der Theologie Luthers und Karl Barths wohl mehr beheimatet sein als in der Katholischen Kirche, zu der immer auch die Volksfrömmigkeit dazugehörte und dazugehört.Eine einfache Frage: Gibt es eine katholische Kirche ohne einen Marienaltar, an dem selbst in so glaubensschwachen Zeiten wie der unserigen nicht Kerzen für die Gottesmutter brennen, vor denen nicht gebetet wird?Und dann suche man bitte in der Kirche eine Christus geweihten Altar, an dem die Gläubigen Kerzen entzünden und da beten!

Nein, Voltartas Werk wird in frommen Kreisen gern gelesen und deshalb von Zeitgeistheologen verworfen. Ob es wirklich sich eines übernatürlichen Ursprunges verdankt, das kann ich weder bejahen noch verneinen, aber gewiß ist der „Gottmensch“ von Valtorta eine wunderbare Quelle für das Glaubensleben jedes Christen!


Donnerstag, 6. März 2025

Ein arger Verdacht zum Karnevals/Faschingtreiben und dem Aschemittwoch

 

Ein arger Verdacht zum Karnevals/Faschingtreiben und dem Aschemittwoch



Die Parole der Deregulierung und der gemäigteren Variante der Entbureau-kratisierung ist jedem Zeitgenossen wohlvertraut, weniger aber Bertold Brechts Einwand, daß schlechte Zeitungen kein Argument für deren Abschaffung sondern vielmehr eines für bessere Zeitungen sei. Nicht sind bureaukratische Vorschriften an sich etwas Negatives, aber bureaukratische Regeln können nichtgute sein. Das gilt so auch für jedes Regulieren. Warum evozieren dann diese zwei Parolen ad hoc eine wohlwollende Zustimmung und was soll das denn nun gar mit dem Karnevals- und Faschingtreiben zu tuen haben?

Der natürliche Mensch frißt und säuft, der kultivierte ißt und trinkt. Wie man was ißt und trinkt reguliert die Kultur und sie reguliert auch die Sexualität. Ein Unbehagen an der Kultur kann diese Regulierung erwecken und sie produziert die Vorstellung eines natürlichen Zustandes, in der wir Menschen noch unentfremdet natürlich lebten: befreit von den Ketten der Kultur menschlich leben. Die Anfänge der Ethnologie lebten aus dieser Vision der Suche nach Menschen, die als Naturvölker noch authentisch lebten. Der „Wilde“, der glich dabei in erstaunlicher Ähnlichkeit dem gallischen Dorf von Asterix und Obelix: Ganz Gallien wird von der römischen Kultur beherrscht, aber nicht ganz Gallien, denn dies eine Dorf widersetzt sich der römischen Beherrschungskultur. Das wahre Leben unter der Zwangsherrchaft der Verkulturierung des Menschen wieder zu finden, dies Motiv findet sich bei Rousseau, aber auch bei Nietzsche und auch Elias: „Prozeß der Zivilisation“, ein Meisterwerk, lebt von dem Verdacht, daß ein Zuviel an kultureller Regelung das Leben zu sehr überfremde. Der von den Ketten der Kultur Befreite wird damit zur Utopie des guten Lebens.

Es liegt nun nahe, daß eine solche Kulturkritik sich auf die Kritik der christlichen Religion und der Katholischen Kirche kapriziert, soll doch das Abendland nichts anderes gewesen sein als eine dem Volk Wasser predigende und selbst Wein trinkenden Kirche. Der arge Verdacht, der sich nun aufdrängt, insbesondere wenn man Dostojewskis Erzählung vom „Großinquisitor“ danenben legt1, lautet: Bejahte und bejaht die Kirche das Karnevals-und Faschingtreiben als eine befristete Zeit der Deregulierung, daß nun die kulturellen Regulierungen des Trinkens und Essens und der Sexualität entschärft werden. Die da geduldete Deregulierung würde sozusagen das Eingeständnis sein, daß die Regulierungen die Menschen überfordern würden, wenn ihnen nicht befristet Ausnahmezeiten gewährt würden. Auch in dieser Narrenzeit ist nicht alles erlaubt, aber manches, was sonst nicht gestattet ist. Im Schutz der Maske, der Kostümierungen erlaubt sich dann so mancher Dinge, die er unmaskiert sich nicht trauen würde.

Der Aschemittwoch ist nun ein strenger Buß- und Fastentag, der heutzutage primär als ein Tag der inneren Ausrichtung auf das Osterfest interpretiert wird.Wie nun aber, wenn er eigentlich als die Reaktion auf die deregulierte Narrenzeit konzipiert war?Es gälte dann nicht nur, das zuviel Gegessene abzufasten als eine Art Diät, sondern daß es galt, an diesem Tage die Sünden der Narrenzeit abzubüßen? Man kann dies mit dem Phänomen der Tolerierung der Postitution durch den hl. Augustin und dem hl.Thomas von Aquin vergleichen: Um die Frauen, die bis zu ihrer Eheschließung enthaltsam leben wollten vor den sexuellen Begierden der Männer zu schützen, solle die Prostitution toleriert werden, damit die Männer da befriedigt diese Frauen nicht mißbrauchten. Um die Ordnung als Ganzes zu bewahren, müßten eben Ausnahmen gewährt werden, in denen die Kultur dereguliert wird. Die dabei tolerierte Deregulierung eröffnet nun nicht ein Reich der Anarchie, der unbegrenzten Freiheit, aber es wird dann manches erlaubt, was sonst nicht erlaubt wird.

Daß das unregulierte natürliche Leben ein gutes gewesen sein soll, ist selbstredend nur eine Phantasie der an einer scheinbaren Überregulierung leidender Bürger, die nur noch natürlich leben wollende Menschen sein wollen. Es könnte aber sein, daß die Kirche mit der Tolerierung dieser deregulierten Zeiten dem Rechnung trägt, daß die Kulturordnung nur aufrecht erhaltbar ist, wenn sie befristet solche Deregulierungen zuläßt. Um so wichtiger ist dann aber der Kirche der Aschemittwoch als Tag des Abbüßens! 

Corollarium

Vielleicht ist es ein Zeichen jeder nichtrigoristischen Morallehre, daß sie solche Ausnahen kennt. 





1Der „Großinquisiteur“ Dostojeweskis wird völlig mißverstanden, ließt man diesen Text als eine Kritik des Herrschaftswillens der Katholischen Kirche. Sie gleicht eher einem Arzt, der einem unheilbar Kranken, um ihm die letzten Lebenstage zu erleichtern, sagt: Es gibt für sie noch eine Hoffnung auf eine Gesundung.

Mittwoch, 5. März 2025

„In der Zeit als das Wünschen noch geholfen hat“ - oder was wir alles verloren haben

 

In der Zeit als das Wünschen noch geholfen hat“ - oder was wir alles verloren haben



Das Märchen: „Der Froschkönig“ beginnt mit diesem Satz, der uns so schon gleich in eine Zeit versetzt, von der aus das nur noch eine plusquamperfektische Vergangenheit ist, aber der Satz suggeriert auch, daß das einmal eine Realität gewesen ist, von der aber schon dies Märchen weiß, daß sie vergangen ist.

Slavoj Zizek urteilt über die Kultur, daß sie das sei, woran wir nicht mehr glaubten, die wir aber noch praktizierten. Als Ergänzung dazu erzählt er gern die Geschichte von einem Mann,der ein Hufeisen an seiner Türe befestigt und sagt, daß er nicht daran glaube, aber daß er gehört habe,daß es auch helfe,wenn man nicht daran glaube. Zum Geburtstag, zu Weihnachten und und wünscht man anderen etwas Gutes, Glückwunschkarten werden immer noch gekauft und abgeschickt, aber glaubt man denn noch daran, daß der geäußerte Wunsch: „Alles Gute Dir“ wirklich dem Adressaten des Wunsches hilft? Das Wünschen verweist nun auch auf eine dunkle Seite, auf die des Verfluchens. „Fluche nicht, verfluche gar niemanden“, das ist ein Gebot, das immer noch gilt, auch wenn, früge man nach, kaum noch begründbar sein dürfte.Denn daß das Wünschen hülfe, und daß das Verfluchen schade, das sind doch wohl Vorstellungen, die einer abergläubischen Welt angehören, die längst zugrunde gegangen ist. Würde die Homosexlobby nicht um das Recht, daß auch eine Homoehe von der Kirche gesegnet wird, streiten, kaum wer würde noch zum Thema des Segens etwas schreiben. Es drängt sich zudem der Verdacht auf, daß in diesem Streit die Homosexlobbisten den Segen als eine öffentliche Anerkennungshandlung einer Homoehe sehen.

In einer Aussendung des „Hessischen Rundfunkes“, vom 18.5.2018 hieß es zu dieser Causa: „In der Zeit,als das Wünschen noch geholfen hat“:Saskia Wendel, eine Theologien und Religionsphilosophin sagt: „Wünschen hilft sehr wohl, indem es mich nämlich befähigt, meinen Horizont zu erweitern. Wenn ich mir oder der Gesellschaft etwas wünsche, schaue ich über den Tellerrand hinaus, sehe, was es noch gibt, geben könnte. Wünschen kann das Immer-weiter-so des Alltags unterbrechen.“ Diese modernistische Theologin demonstriert hier in typischer Weise, wie durch den Geist des Säkularismus eine religiöse Praxis, hier die des Wünschens genichtet wird, indem ihre Substanz, hier die des Hoffens darauf, daß Wünsche erfüllt werden, beseitigt wird. So könnte man auch die Praxis des Betens nichten durch die Erklärung etwa, daß durch ein Gebet der Beter sich selbst zum Tuen von etwas motiviere.So wäre das Gottesdienstgebet: „Gott tröste die Trauernden!“ ein Appell an die Hörer , ihre Mitmenschen, wenn er denn trauerten, zu trösten. Ein geäußerter Wunsch könnte so auch nur dem Wünschenden helfen oder dem Adressaten nur, wenn er diese Äußerung als eine Sympathiekundgebung verstünde. Ein Verfluchen dagegen manifestiere nur eine gehegte Antipathie und so ein Negativgefühl äußert kein kultivierter Mensch einem Mitmenschen gegenüber, es sei denn es ginge um einen so hassenswerten Politiker wie Trump und Putin.

Praktizieren wir also, indem wir Glückwünsche aussprechen oder jemandem zukommen lassen, genau das, was Zizek unter einer kulturellen Praxis versteht, an die wir selbst nicht mehr glauben? Aber was war das noch für ein Universum, in dem Menschen an sich erfüllende Wünsche oder sich realisierende Flüche geglaubt hatten und wie ist uns das abhanden gekommen, obschon wir es doch noch praktizieren? Das Universum, in dem geäußerte Wünsche erfüllt wurden, in dem aber auch Verfluchungen möglicherweise auch in Erfüllung gingen, das war ein religiöses Universum, eines in dem auf Gottes Wirken in der Welt vertraut wurde, in dem man aber auch damit rechnete, daß daimonische Kräfte Verfluchungen in die Tat umsetzten. Das Äußern von Wünschen und Flüchen war also ein Appellieren an die überirdischen Mächte, das Geäußerte als eine Bitte an sie: „Bewirke das!“ zu erhören.

Aber was passiert, wenn nun auch der Glaube an die Aufklärung beginnt, sich aufzulösen, wenn die große Emanzipationserzählung vom Menschen ihre Glaubwürdigkeit verliert, wie es Lyotard in seinem Buch über das postmoderne Wissen diagnostiziert? Die postmoderne Haltung kann am einfachsten so veranschaulicht werden: Wenn Luther noch bekannte: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“, erwidert der postmoderne Mensch: „Hier stehe ich zwar, aber ich könnte auch ganz anders!“. Er sagt vor dem Altar: „Ja, Dich will ich ehelichen!“, aber er sagt sich: „Eine andere Frau könnte ich auch heiraten oder gar keine!“ Peter Slotderdijk bezeichnet diese Haltung in seiner Vorlesung über die Ästhetik von Heidegger und Luhmann als die der Ironie.

Das verbirgt sich bei Zizek in der Aussage: Aber der Mann hat gehört, daß das aufgehängte Hufeisen helfe, auch wenn man nicht daran glaube. Man muß nicht an die Astrologie glauben, um sich astrologisch in Beziehungsproblmen beraten zu lassen, denn das könnte ja auch helfen, glaubt man nicht an die Astrologie. So scheinen die Geburtstagsglückwünsche, ja die Praxis des einem Gutes Wünschen zu funktionieren: Man glaubt nicht recht dran, aber es könnte vielleicht doch was nützen. Plausibler wird diese Praxis noch, wenn der These, daß die Kultur ein Resultat der Säkularisation der Religion ist, zugestimmt wird. Eigentlich gehört die Praxis des Wünschens in ein religiöses Universum und da nun die Aufklärung die Welt enttzaubert hat, hat diese Praxis kein Existenzrecht mehr in diesem säkularisiertem Universum, aber sie überlebt die Entzauberung in dem Gestus: Es könnte ja doch was dran sein.



Dienstag, 4. März 2025

Das neue Menschenbild der Kirche – ein Versuch seiner Genalogie

 

Das neue Menschenbild der Kirche – ein Versuch seiner Genalogie



Daß seit dem 2.Vaticanum sich vieles geändert habe, darin stimmen seine Befürworter und Kritiker überein undPapst Benedikts Anliegen, das Konzil als in seiner organischen Verwurzelung in der Tradition und nicht als eine Bruchstelle zu deuten, theologisch angemessen, setzte sich in der Theologie und Kirche nicht durch. Sehr deutlich wird das in dem zeitgenössischen Menschenbild der Kirche. Schon allein die Vokabel des Bildes suggeriert, daß wir uns in der Rolle eines Kunstmuseumsbesuchers befänden, der nun das ihm genehmste ausgestellte Bild sich zu seinem Bild erwählt und somit die anderen unberücksichtigt stehen lassen kann.

Das nachkonziliare Menschenbild ist das der Aufklärung, seinen manifesten Ausdruck in dem Vorstellungskomplex der Menschenwürde, den Menschen-rechten und der „heiligen“ Dreifaltigkeit von: „Freiheit,Gleichheit und Brüderlichkeit“ findend1. Dieser Vorstellungskomplex ist nur erklärbar, wenn man ihn als eine Reaktion auf die innerchristlichen Religionskriege des 17.Jahrhundertes rekonstruiert.2 In Frankreich bestand die Reaktion auf diese Religionskriege in dem Programm, ganz auf jede Religion zu verzichten3, um die Gesellschaft ganz neu allein auf dem Fundament der Vernunft aufzuerbauen. Deutschlands Aufklärung verlief weit gemäßigter in dem kantschen Konzept der rein vernünftigen natürlichen Religion, in der die Substanz jeder positiven Religion aufgehoben sein soll, wohingegen Hegel gar die christliche Religion als die vernünftige schlechthin mit der Vernunft in seiner Philosophie zu versöhnen versuchte.

Der Aufbau der vernünftigen Welt und das sollte die moderne Welt werden . hatte ihr Fundament in diesem Vorstellungskomplex der Menschenwürde, der Menschenrechte und der Trias von: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Die Katholische Kirche lehnte dies ideologische Konzept ab, da ihr antichristlicher und antikatholischer Charakter zu offenkundig war. Wie konnte nun ein so eindeutig antichristlich und antikirchlich motiviertes Konzept eine Heimat in der Kirche finden? Die Integration gelang sehr simpel: Man kaprizierte sich auf den Glauben an Gott als den Schöpfergott und entfernte ihn aus der Kosmologie, um ihn nur noch als eine Letztbegründung für die Würde jedes Menschen gelten zu lassen. Diese Würde des Menschen, aus der dann die Menschenrechtsideologie und die drei Ideale der Französischen Revolution deduzierbar sind, bildet dann in der nachkonziliaren Theologie und Kirche das neue Evangelium. Jesus sei dann in seinem Tuen und Lehren der gewesen, der so die Menschenwürde praktiziert habe. Das eigentliche Evangelium wurde so völlig verabschiedet und durch diesen theozentrischen Humanitarismus ersetzt. Die Orthopraxie ergibt sich so ganz aus dem Glauben an die Menschenwürde.



Aber warum fand dieser Austausch statt? Diesem Austausch liegt die Erfahrung der Unterdrückung der Kirche und der Religion in den sog totalitären Staaten, isb in der Sowjetunion und im nationalsozialistischen Deutschland zugrunde, daß die Kirche im Namen politischer Ideologien, die sich als die einzig wahre behaupteten, bekämpft wurde. Die Menschenrechtsideologie wurde da für die Kirche interessant als ein Abwehrmedium übergriffiger Staaten, die als Weltanschauungsstaaten sich verstehend die Religion und die Kirche als Unwahres bekämpften. Der Liberalismus als die politische Ideologie, die sich als die prinzipielle Alternative zu allen totalitäristischen Ideologien interpretierte und die selbst auf diesem Vorstellungskomplex der Menschenwürde und ihrer Derivate sich aufbaut, empfahl sich da der Kirche als ihr Partner. Darum integrierte die Kirche diesen Vorstellungskomplex in ihre Theologie. Dafür gab sie dann aber ihr Eigenes auf, um sich ganz in eine Institution der praktizierten Nächstenliebe, oder wie man heute lieber sagt, de r Solidarität zu verwandeln.

Der Mensch, als ein Seele-Leib-Kompositum, der zur Gemeinschaft mit Gott bestimmt ist, der als Sünder sich von Gott entfremdet hat und durch das Erlösungswerk Jesu Christi durch die Kirche wieder mit Gott versöhnt wird, entschwindet in der Kirche und wird substituiert durch das kirchliche Engagement für die Würde des Menschen, daß überall die Menschenrechte realisiert werden sollen.

Dieser Menschenrechtsuniversalismus ist nun aber selbst auch nicht ein so ganz harmloses Projekt, denn daraus resultiert, daß es Schurkenstaaten gibt, in denen diese Menschenrechte nicht gelten würden und die deswegen zu bekämpfen seien, wie etwa Rußland, China, der Iran, Afghanistan und viele mehr, einfacher formuliert, daß der Freie Westen geradezu dazu verpflichtet sei, die ganze restliche Welt im Namen der Menschenrechte sich zu unterwerfen. 

1.Corollarium

Das neue Menschenbild hat so überhaupt nichts zu tuen mit einem Fortschritt an Erkenntnis von Menschen.  

2.Coroallarium

Die Erfahrung,daß in totalitären Staaten die christliche Religion unterdrückt worden sei bzw wird, insbesondere bezogen auf die Herrschaft des Stalinismus und des Nationalsozialismus ist nicht einfach eine Tatsache sondern eine Interpretation dieser Ereignisse im Rahmen der sog. Totalitarismustheorien. Daß in der Sowjetunion nach der Proklamation des "großen Vaterländischen Krieges" die Russisch-Orthodoxe Kirche noch, wie unter Lenin verfolgt wurde, ist bezweifelbar. Daß die Kirche im Nationalsozialismus pauschal verfolgt wurde, würde nur zutreffen, wenn Rauschning mit seiner These recht hätte, daß Hitler als völliger Nihilist die christliche Religion beseitigen wollte. Daß dann der Liberalismus die Kraft sei, die die christliche Religion und die Kirche schütze, ist aber mehr als zweifelhaft.











1In einem Freimaurerlexikon heißt es dazu: „Die Freimaurer haben zu dem Ausbruch der französischen Revolution vieles beigetragen,nicht zuletzt die Devise:Freiheit,Gleichheit und Brüderlichkeit, und die Deklaration der Menschenrechte.“Zitiert nach:Hans Trancred: Freimaurer, 2022, S,13.

2Die Vorstellung, daß in diesen Kriegen die christliche Religion nur mißbraucht worden sei für politische Zwecke ist das Produkt, das die durch die Aufklärung erst domestizierte Religion in das 17.Jahrhundert zurückprojiziert wird, um sie dann als nur eine mißbrauchte zu thematisieren.

3In dem sehr populären Lied John Lennons: „Imagine“ wird so das Verschwinden aller Religionen und Völker als die Voraussetzung einer Friedenswelt propagiert.

Montag, 3. März 2025

Das neue Menschenbild der Kirche in seiner Abzweckung für politische Stellungnahmen

 

Das neue Menschenbild der Kirche in seiner Abzweckung für politische Stellungnahmen



Das christliche Menschenbild, ohne daß es dann detailiert expliziert wird, sei unvereinbar mit dem der AfD, aller Rechten und Rechtspopulisten und deshalb dürfe kein Christ so ausgerichtete Parteien wählen oder gar ihnen angehören und es müßten deswegen auch Maßnahmen zur Ausgrenzung von so Denkenden in der Kirche ergriffen werden. Das kann man gar als einen ökomenischen Konsens bezeichnen.

Nun provoziert das aber die Frage, ob den Parteien und Bewegungen wie der Feminismus,die ein Recht auf eine Kindestötung im Mutterleibe fordern, mit dem christlichen Menschenbild kompatibel seien. Die Antwort fällt nun aber verblüffend auf: Linksliberale, nicht nur der BDKJ fordern, daß Bischöfe sich nicht an den Lebensschutzkundgebungen beteiligen dürften, da da Recht mitmarschieren würden, ja es wird gar empfohlen, sich nicht in der Frage des Lebensschutzes zu engagieren, um Berührungspunkte mit den Rechten zu vermeiden. Ergo: Wenn Rechte etwas fordern, was mit dem katholischen Glauben übereinstimmt, dann sollte sich die Kirche von diesen Gehalten selbst distanzieren.

Vieles, das aus der nachkonziliaren Kirche hinausgedrängt worden ist, findet sich dann außerhalb ihrer Mauern um so lebendiger, oft auch wildwuchernd wieder. So haben die Engel (fast) ihr Heimatrecht in der Kirche verloren, aber die Friedhöfe, selbst im schon sehr säkularisierten Norden Deutschlands werden geradezu von Herrscharen von Engeln überbevölkert. Die Kirche nahm ihren Abschied vom Teufel, da der moderne Mensch mit so mythologischen Vorstellungen nichts mehr anfangen könne, aber in so populären Romanenserien wie „Professor Zamorra“, „Tony Ballard“, „Gespensterkrimi“, „John Sinclair“ und vielen anderen taucht er mit seinen Daimonen recht vital wieder auf.

So findet sich diese zur christlichen Anthropologie gehörende Aussage: „Jetzt endlich sind wir wieder auf dem Fleckchen Erde,das uns von Gott zugedacht ist.“ in dem „Liebes – und Schicksalsroman: „Das Geheimnis des roten Rubins“ von Von Iris, dem Silvia Roman Bd 146, S.3 als Beschreibung der Heimat. Der Mensch ist ein in einem bestimmten „Fleckchen“ Beheimateter, da wo Gott ihn hingestellt hat. Er ist von Gott als ein bestimmter Mensch erschaffen worden, wozu sein Geschlecht, seine Volks- und Rassenzugehörigkeit gehört. Das sind Bestimmungen, die unter dem Begriff des Schicksales zu subsumieren sind. Damit ist der Mensch eingeordnet und daraus ergeben sich ihm auch Verpflichtungen, als erstes, daß das, als was Gott ihn erschaffen hat, er auch sein soll und daß ihm daraus auch Verpflichtungen entstehen im Sinne der „Ordnung der Liebe“, daß eine Mutter in erster Linie ihre eigenen Kinder liebt, und nicht alle Weltkinder, daß die eigene Familie und dann auch das eigene Volk einem näher steht als die Nichtdazugehörigen.

All das soll nun aber dem christlichen Menschenbild widersprechen! Jetzt soll er nur noch ein abstraktes Menschsein sein, das völlig entbunden ganz frei seine Existenz sich erwählen könne. Er dürfte jetzt sein Geschlecht frei erwählen, es bejahen, wie er sich vorfindet oder es abändern, ja er darf sogar sich als weder weiblich noch als männlich bezeichnen. So habe auch seine Volkszugehörigkeit keine ihn bindende Verpflichtung und schon gar nicht seine Heimat, denn auch die dürfte er sich ganz frei erwählen. Dieser völlig atomisierte jeglicher schicksalhaften Einbindung Entzogener soll nun der wahre Mensch sein, so wie ihn Gott wolle. Jede Art von Einbindung verstöße so gegen die Freiheit des Menschen, nur frei gewählte Bindungen zu bejahen und somit alle zwischenmenschlichen Beziehungen als Vertragsbeziehungen anzusehen, denn nur die seien legitime.

Die politische Intention dieses Menschenbildes ist nun offenkundig, daß eine Welt völlig atomisierter Menschen so erschaffen werden soll, die dann als eine Menschheit regiert wird von einem transnationalen Eineweltstaat. Die Entindividualisierung wird dabei durch die Auflösung aller Bindungen, hervorgerufen durch seine schicksalhafte Einbindung in sein Geschlecht, sein Volkstum und seine Rasse, indem alles zu beliebig Erwählbaren herabgestuft wird. Diese Menschheitsideologie spiegelt nun direkt das Projekt der Nomadisierung der Menschen wieder, daß sie als Arbeitskräfte auf dem zu kreierenden Weltarbeitsmarkt ihren Lebensunterhalt versuchen zu verdienen haben. Der Mensch soll nur nach als ein Funktionselement der Weltökonomie als Produzent und als Konsument von Waren fungieren. Dazu soll er von allen Bindungen emanzipiert werden, um ganz befreit dem Weltarbeitsmarkt zur freien Verfügung zu stehen.

Dieses liberal- ökonomistische Menschenbild soll nun gar das christliche Menschenbild sein! Für diesen Menschen darf es kein „Fleckchen Erde“ mehr geben, das ihm seine Heimat ist, in der er hineingeboren wird, aus der und für die er dann auch lebt und zu leben hat. So avanciert ja bezeichnenderweise der „Flüchtling“, der seiner Heimat Entfliehende zum Lieblingsobjekt der Nächstenliebe und die Treue zur Heimat wird als etwas Rechtsradicales verdammt.

Für die christliche Anthropologie gehört dagegen das schicksalhafte Bestimmtsein jedes Menschen konstitutiv dazu, denn im Schicksal bestimmt Gott uns Menschen.Darüberhinaus gilt für das Menschenverständnis der Menschnrechtsideologie, daß die Religion, wie er es mit ihr hält, gleichgültig sei. Die Kirche dieses neuen Menschenbildes engagiert sich so für die Realisierung der Menschenrechte, aber steht der Evangelisation ablehnend gegenüber!





Sonntag, 2. März 2025

Die Katholische Kirche geht fremd – sie entfernt sich von den C-Parteien!

 

Die Katholische Kirche geht fremd – sie entfernt sich von den C-Parteien!



So könnte es dargestellt werden, ginge man von dem Gründungsmythos1 der christlich sich nennenden Parteien aus, in denen die Katholische Kirche und der Protestantismus ihren natürlichen Bündnispartner im politischen Raum sahen. Heute noch schneiden bei allen Parlamentswahlen die C-Parteien unter christlichen Wählern deutlich besser ab als unter den confessionslosen. Aber da hat sich etwas geändert. Unübersehbar wird dies in Grün-Roten Bejubelungskirchentagen, den katholischen, wie den protestantischen und in fast allen Stelllungnahmen zu der aktuellen Politik: Grün-Rot sind die politischen Farben zumindest der Hauptamtlichen, der katholischen wie der protestantischen. Die Frage; „Wie stehst Du zur Politik der offenen Grenzen, daß jeder „Flüchtling“ aufgenommen und ein unbeschränktes Aufenhaltsrecht zuzubilligen ist?“ avancierte dabei zu der alles entscheidenden: Christ ist nur, wer hierzu „Ja“ sagt. Darum wird ja nun auch der amerikanische Präsident so heftig von den amerikanischen Bischöfen attackiert.

Theologisch wird diese Position legitimiert durch das christliche Menschenbild, dem das „völkische“ entgegengesetzt wird. Das christliche beinhalte das Recht jedes Menschen, überall leben zu wollen, wo er will, und die Pflicht jedes Staates, jeden, nur weil er es will, aufzunehmen und ihm alles von ihm Gewünschte zu gewähren. Erklärte sich nun ein Staat in erster Linie als ein Nationalstaat für das eigene Volk zuständig, betriebe er eine „völkische“ Politik. Die Schöpfungsordnungen, die der Familie und des Volkes sollen so destruiert werden im Namen eines universalistischen Humanitarismus, der jede Unterscheidung zwischen den Dazugehörigen zur Familie und zum Volke und den Nichtdazugehörigen verurteilt.

Nun markierte die CDU, in der Opposition befindlich eine vorsichtige Distanzierung von der „Offenen-Grenzen-Politik der Regierung Merkel und fiel so bei den Grün-Roten Christen in Ungnade: Kann so die CDU noch als eine akzeptierbare Partei angesehen werden?Ausgegrenzt wird sie ja schon selbstverständlich bei den CSD- Kundgebungen, auf der sie, weil sie nicht links ist, nicht auftreten darf. Im Kampf gegen Rechts ist die Lage unübersichtlicher: Einerseits möchten die traditionelle Antifa sie dabei haben, vielleicht auch nur als „nützliche Idioten“ (Lenin) oder man möchte sie ausgrenzen, da sie als eine conservativ ausgerichtete Partei mitzubekämpfen sei.

Auf Kath de findet sich nun zur Frage der Beziehung der C-Parteien zu der Kirche ein lesenswerter Artikel, am 1.3.2025: „Politologe: Union weiter auf Verbindung zu Kirchen angewiesen“, in dem es heißt: „CDU und CSU haben sich aus Sicht des Frankfurter Politologen Thomas Biebricher zunehmend von den Kirchen entfernt. Dabei sei die Union weiter auf eine Nähe zu den Kirchen angewiesen, glaubt der Konservatismus-Forscher. ‐CDU und CSU haben sich aus Sicht des Frankfurter Politologen Thomas Biebricher zunehmend von den Kirchen entfernt. Dabei sei die Union weiter auf eine Nähe zu den Kirchen angewiesen, glaubt der Konservatismus-Forscher.“

Hier wird nun alles auf den Kopf gestellt: Erstens stellte die Gründung der CDU/CSU aus der katholischen Sicht auch ein Problem dar, bedeutete diese Gründung doch den Verzicht auf eine eigenständige katholische Partei, wie es in der Weimarer Republik das „Zentrum“ war und damit wurde im politischen Raum ein Christentum installisiert, das weder katholisch noch protestantisch sein wollte, also ein etwas konturloses confessionsloses Christentum. Sogenannte Grundwerte dienten dabei als das Surrogat für die christliche Religion. Das erinnert etwas an die Entideologisierung der SPD, die in ihrem Godesbergerprogramm ihre bisherige Weltanschauung gänzlich aufgab, den Marxismus, um zu einer Partei von Grundwerten sich zu transformieren.

Die CDU steht seit dem für einen conservativen Liberalismus mit ihrem Herzstück, den Glauben an die „soziale Marktwirtschaft“ und versteht sich als die Behüterin der bürgerlichen Kultur. Christliches wäre da nicht viel zu finden, hätte sich die Katholische Kirche und die EKD nicht diesem Verständnis des Christlichen angeschlossen. Aber von genau diesem entfernt sich nun die EKD und zusehens auch die Katholische Kirche. Am signifikantesten wird das in der euphorischen Unterstützung der LGBTQ- Bewegung und dem uneingeschräkten Ja zur Politik der offenen Grenzen. Gerade hiervon wollen sich nun die C-Parteien absetzen, um nicht noch mehr Stimmen an die AfD zu verlieren. Die Katholische Kirche und die EKD setzt dagegen auf einen eindeutigen Ausgrenzungskurs: Was rechts ist, hat bei uns kein Heimatrecht! Da nun gar die CDU/CSU im Bundestag in einer Abstimmung mit der AfD für eine leichte Abkehr von dieser Offenen-Grenzen-Politik gestimmt hat, wird unter den Rot-Grünen Christen debattiert, ob nicht die C- Parteien auch auszugrenzen seien. In dem „Communio“ Artikel vom 27.2.2025: „Politik, Gesellschaft und Ethik Droht jetzt die Retourkutsche?:Nach der Bundestagswahl ist das Verhältnis von Union und Kirche so schlecht wie nie“ plädiert für eine Nichtausgrenzung, auf Kath de ist dazu noch nicht eine klare Linie erkennbar. Faktisch hat sich aber die Katholische Kirche und die EKD soweit von den C-Parteien entfremdet, nur daß das noch nicht bei der Basis angekommen ist, die wählt bei Wahlen noch falsch, daß nur noch die „Grünen“,die SPD und die „Linke“ für sie bejahbar sind. Das Laien-ZK der Katholischen Kirche vertritt ja schon längst, im Einklang mit Papst Franziskus einen eindeutigen Linkskurs, den kein CDUler mittragen kann. So werden wohl die Parteimitglieder der C-Parteien bald im Verbandskatholizismus ihr Heimatrecht verlieren.

Corollarium

Das christliche Menschenbild versteht den Menschen als von Gott auf Gott hin geschaffen. Davon wird in dem aktuellen Diskurs völlig abstrahiert. Daß jeder Mensch dann auch als ein bestimmter erschaffen wird, als Frau oder Mann, als Angehöiger eines Volkstumes und einer Rasse wird ebenso verdrängt, stattdessen wird ein rein humanitaristisches Menschenbild propagiert mit dem Zweck, das Projekt der Auflösung dieser Schöpfungsordnungen zu befördern.   

1Dieser Gründungsmythos ist in sich sehr komplex, beinhaltet er doch die Interpretation, daß der Nationalsozialismus eine Herrschaft des Nihilismus gewesen wäre, dem der christliche Glaube sich widersetzt hätte als die einzig legitime Widerstandsform gegen Hitler und nun gälte es, dem Nihilismus Stalins genauso sich zu widerstzen. Der Liberalismus sei dabei die politische Weltanschauung, die sich am wirksamsten allen Totalitarismen entgegensetzen könne und somit in die antinihilistischen C-Parteien zu integrieren sei.

Samstag, 1. März 2025

Eingestreute Fragmente zur Gotteserkenntnis Teil 3 Oder wenn das Zentrum der Kirche verloren geht!

 

Eingestreute Fragmente zur Gotteserkenntnis Teil 3


Ein kleines Vorwort: Für Thomas von Aquin und mit ihm für die ganze traditionelle Theologie galt,daß ihr Gegenstand Gott und dann alles ist in seiner Bezogenheit auf Gott. Wenn nun dieser Gegenstand substituiert wird durch den Menschen in seiner Würdigkeit, die er zwar Gott verdanke, der dann aber in das Zentrum der Theologie rückt, dann ruiniert das nicht nur die Theologie sondern auch die Kirche.  

Eine Fußballmannschaft besteht aus 11 Personen, 11 Fußballspielern, aber die Mannschaft ist selbst nun nicht 1 Fußballspieler, aber sie ist die Einheit der Elf. Ist da eine Ähnlichkeit wahrnehmbar zu der Aussage, daß Gott Einer ist, aber aus 3 Personen ist, ohne daß diese Einheit selbst wiederum 1 Person wäre? Das Einssein ist nun auf das Gottsein jeder der drei Personen, ontologisch zu beziehen und auf die Willenseinheit, ethisch. Könnte dann auch gesagt werden: Eine Gottheit in 3 Personen, da diese Einheit nicht selbst wieder eine Person ist?


Gott sei als vollkommene Selbstgenügsamkeit zu denken, lautet einer der Kernlehren der klassischen Gotteslehre, nicht nur bei Thomas von Aquin. Diese Selbstgenügsamkeit müßte nun trinitätstheologisch expliziert werden, denn diese Lehre meint nicht, daß Gott als Vater sich selbst genüge und dann noch den Sohn und mit ihm den Heiligen Geist gezeugt hätte, obgleich er als Vater sich schon völlig genügt hätte. Er soll ja notwendig als Dreieiniger zu denken sei, nur daß er die Welt erschaffen habe, sei ein nichtnotwendiger Akt Gottes.

Erlaubt so eine fast autistisch anmutende Selbstgenügsamkeit des Dreieinen aber, Gottes Beziehung zu anderem als sich selbst als etwas Gott Wesentlichem zu denken? Wenn aber Gottes Beziehung zu seiner Schöpfung im unwesentlich ist, kann sie dann wirklich seiner Schöpfung wesentlich sein, oder ist das dann bloß eine Behauptung? Könnte nicht im Sinne der Lehre von der analogia entis geurteilt werden, daß wenn zum Leben ein Sichbeziehen zu anderem konstitutiv ist, daß das dann auch zum Leben Gottes gehören müßte?


Wenn Gott im Sinne Platons das Gute ist, dann kann das Gute nur sein als seine Negation des Nichtguten, wäre diese Negation nicht, wäre er auch nicht das Gute. Wenn aber das Gute die Idee des Guten in Gottes Denken ist, dann ist zwar diese Idee unwandelbar, ewig, aber Gott als der Hervorbringer der Ordnung des Guten als der Negation dessen, was nicht sein soll, ist selbst dann nicht unveränderlich, da er etwas von ihm Verschiedenes kontingent gesetzt hat als das, was sein soll, sodaß er das, was nicht sein soll, nur als eine Möglichkeit seiend, nicht realisierte. Das Vermögen, etwas zu wollen und etwas Mögliche nicht zu wollen, impliziert ja in Gott selbst einen Wandel vom Möglichem zum Realisierten, wobei, indem etwas realisiert wird, etwas anderes als pure Möglichkeit Gottes bleibt. Es könnte vergleichbar sein einem absolutistisch regierenden König, der eine Verfassung beschließt, aber selbst nicht sich ihr unterordnet. Die möglichen nicht realisierten Verfassungen bleiben als nichtrealisierte und auch das Nichts, aus dem alles erschaffen wurde als der Hintergrund jeder gesetzten Ordnung.

Platons Lehre, daß Gott das Gute sei, die Idee des Guten, entspringt ja der Kritik dieses Philosophen an den religiösen Göttergeschichten seiner Zeit, daß gerade auch die Götter unmoralisch handelten: Wie sollten die Bürger zu einem sittlichen Lebenswandel bewegt werden, wenn nicht einmal die Götter so lebten? „Was den Göttern erlaubt ist, ist lange noch nicht den Menschen erlaubt!“- das sollte die Bürger davon abhalten, gerade die religiösen Göttererzählungen zur Entschuldigung ihres unsittlichen Lebenswandels zu mißbrauchen. Diese philosophische Gotteslehre Platons ist somit eine Kritik der religiösen Erzählungen von den Göttern Griechenlandes.

Nur, wer beweist, daß die Philosophie wahrer von Gott denkt als die Religion es von den Göttern, von Gott erzählt?