Samstag, 7. Juni 2025

Der Heilige Geist – etwas Conservatives? Elemente seines Mißbrauches

 

Der Heilige Geist – etwas Conservatives? Elemente seines Mißbrauches

Die Geschichte des Mißrauches des Hl.Geistes zu schreiben,wäre eine eine solche Mammutaufgabe,daß jeder, vor ihr gestellt, nur aufgeben könnte. Dabei sagt der Sohn Gottes über diesen Geist in eindeutiger Klarheit: „Der Beistand aber, der Heilige Geist,den der Vater in meinem Namen senden wird,der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich gesagt habe.“ (Joh, 14,26). Dieser uns so verheißende Geist ist nun nicht etwas noch Ausstehendes und noch auf uns zu Kommendes, sondern er ist die Gabe Gottes und seines Sohnes, die der Kirche gegeben worden ist im Akt der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten und der als solcher das die Kirche am Leben Haltende und sie Belebende ist.

Der Herr der Kirche legt hier das Schwergewicht auf die Lehre und das meint etwas völlig anderes als daß da zeit(geist)bedingte Theorien oder gar nur Meinungen zu tradieren seien. Die Lehre ist sozusagen die Substanz der Verkündigung Jesu Christi, als Genitivus subjectivus, was er lehrte und als Genitivus objectivus, was er über sich selbst lehrte zu lesen. Die beliebte historisch kritische Destruktionsfrage: „Was sagte und tat dieser Jesus von Nazareth wirklich und was machten dann die Autoren der Evangelien und ihnen folgend die Kirchentheologen daraus,entzieht die Gabe des Heiligen Geistes ihre Legitimität. Der Heilige Geist selbst ist der Garant dafür, daß die Lehre der Kirche, jetzt als Genitivus subjectivus zu lesen, wahr ist, denn sie ist selbst aus dem Geist der Wahrheit entstanden. Allerdings ist hierbei die Methodik der Deduktion zu berücksichtigen, daß eben aus offenbarten Grundwahrheiten weitere abgeleitet und von denen wieder weitere deduziert werden, daß so eben auch gilt, daß die Wahrheitsgewißheit einer Lehraussage abnimmt, je weiter entfernt sie ist von der Grundwahrheit, von der sie durch eine Kette von Ableitungen entfernt ist.

Der Mißbrauch des Heiligen Geistes hebt nun immer mit der Behauptung an, daß die Kirche ab einem bestimmten oder nur sehr ungefähr bestimmbaren Augenblick an vom Heiligen Geist verlassen worden ist, sodaß das nun von ihr Gelehrte nur noch Meinungen einer bestimmten Zeit gewesen seien, und daß nun der Kairos gekommen sei, wo der aus der Kirche verbannte Heilige Geist sich wieder zu Worte melde. Dieser Geist wolle nun die Kirche neu begeistern, indem er Neues einführe, innovativ die verbureaukratisierte Amtskirche neu belebe. Charismatiker träten nun an die Stelle des Amtsgeistes der Priesterherrschaft.

Dieser Reformgeist widerspricht dann der Kirche, so wie sie geworden ist im Namen des ganz Neuen, das dieser Geist in der Kirche bewirken will. So unterschiedlich dann die Reform- und Deformprogramme auch ausfallen, sie legitimieren sich allein durch die These einer geistlosen Kirche, einer, der der Heilige Geist verlassen habe. Das Kirchenreformnarrativ, dessen Hauptsatz der der Geistlosigkeit der Kirche ist, verfährt dann formal bestechend simpel: Zuerst male ich mir ein Idealbild der Kirche oder der urchristlichen Gemeinden, um zu behaupten, so sei es auch anfänglich gewesen und daß dann ein großer Abfall vom Ursprünglichen sich ereignet hätte, der Heilige Geist habe die Kirche verlassen und nun gälte es, in der Kraft des Heiligen Geistes wider die korrumpierte Kirche dies Ursprüngliche zu restituieren.Das kann als das reformatorische Narrativ bezeichnet werden.

Davon muß aber das Fortschrittsnarrativ unterschieden werden, daß die ganze Menschheitsgeschichte eine einzige Weiter- und Höherentwickelung sei, und das gälte dann so auch für die Entwickelungsgeschichte der Kirche. Der Heilige Geist kann in diesem Fortschrittsnarrativ nur die Rolle des Fortschrittsgeistes einnehmen,der Kraft, die in der Geschichte das Fortschreiten evoziert.Dieser Geist negiert ununterbrochen das gestern von ihm Gewirkte als überholt im Namen der neuen Wahrheit, die aber schon ans Tageslicht gekommen zu ihrem Veralten verdammt ist: Nur das immer Neue ist nur wahr. Aber der Heilige Geist negiert nicht die offenbarten Wahrheiten, sondern conserviert sie in der Kirche, hält und erhält sie in der Wahrheit. Deshalb kann und darf es nichts Neues in der Kirche geben, sondern nur ein weiteres Explizieren des ihr schon Offenbartem! Was aus der offenbarten Wahrheit nicht deduzierbar ist, kann nicht als wahr gelten.Um der Präzisierung willen könnte dann so zwischen richtigen und wahren Aussagen unterschieden werden: Richtig ist die Aussage, daß Thomas Mann den „Zauberbeg“verfaßt hat, wahr ist die Aussage, daß Jesus der Sohn Gottes ist.

Freitag, 6. Juni 2025

Ein weiterer sehr populärer Irrtum in der Kirche – oder warum eine simple Verkaufsstrategie scheitert

 

Ein weiterer sehr populärer Irrtum in der Kirche – oder warum eine simple Verkaufsstrategie scheitert



Diese Marketingstrategie zeichnet sich durch ihre bestechende Simplizität aus, daß nämlich jeder Mensch sich danach sehne, geliebt zu werden. Nun würde aber das Geliebtwerden durch einen anderen Menschen stets auch als eine defizitäre erfahren, man würde gar nicht so geliebt, wie man wirklich sei sondern sie sei an Bedingungen geknüpft, etwa: „Wenn Du mich betrügst, liebe ich Dich nicht mehr!“und so manche Ehefrau muß die bittere Erfahrung machen, daß ihr Mann sie verläßt, weil er nun eine jüngere und attraktivere ehelichen möchte. Aber die Kirche habe in ihrer Angebotspalette die vollkommene Liebe, die Gottes zu Dir! „Gott liebt Dich, ER wird nie aufhören, Dich zu lieben und nur Gott liebt Dich bedingungslos!“ Das, wonach jeder sich sehne, daß könne nur die Kirche vermitteln, die einzig wahre, bedingungslose Liebe Gottes zu jedem Menschen.

Irritiert ob der scheinbaren Evidenz dieser Verkaufskonzeption frägt man sich aber, warum dann nur der Erfolg ausbliebe. Das Problem ist, daß die Sehnsucht, geliebt zu werden, hierbei unterkomplex verstanden wird, da sie die Frage, von wem möchte ich denn geliebt werden, ausblendet. Es soll nun ein einfacher Fall vorgeführt werden, um diese Unterkomplexität zu veranschaulichen. Man denke sich einen verheirateten Professor, zu der eine seiner Studentin sagt: „Dich liebe ich!“ und der Professor muß erkennen, daß das hier nicht einfach eine Mädchenschwärmerei ist, sondern daß diese erwachsene Frau ihn wirklich liebt.Es bedarf keiner großen Phantasieanstrengung, um sich klar zu machen, daß dieser Professor nun ein wirkliches und gravierendes Problem hat mit dieser Studentin, weil sie ihn wirklich liebt. Als Verheirateter möchte er von seiner Frau geliebt werden, er hofft, daß sie ihn auch wirklich noch liebt, aber von dieser Studentin möchte er nicht geliebt werden. Wie soll er sich ihr gegenüber verhalten, gar wenn er sie zu prüfen hat in ihrem Examen?Die Unterkomplexität besteht also in der Ausblendung der Frage des: Von wem geliebtwerden! 

Geliebt werden will ein Mensch nur von dem Menschen, den er auch liebt.Wird er nun von jemandem geliebt, den er selbst nicht liebt, schafft das größte Probleme, die Beziehung zwischen den Zweien wird höchst problematisch, weil der eine den Anderen liebt und deswegen auch von ihm geliebt werden will, und der Geliebte liebt den ihn Liebenden aber nicht.Wer daraufhin das reale Beziehungsleben der Menschen betrachtet, kann nicht die Augen davor verschließen, daß ein Mensch von den allermeisten Menschen nicht geliebt werden will! Denn zur Liebe gehört nun einmal konstitutiv, daß der Liebende von dem Geliebtwerdenden auch selbst geliebt werden will. Kein Mensch offenbart einem anderen: „Dich liebe ich!“, ohne daß er darauf hofft, daß ihm geantwortet wird: „Ich liebe Dich auch!“

Welcher Mensch möchte so von Gott überhaupt geliebt werden, zumal er lebensklug damit die Aufforderung Gottes verbindet, daß er nun auch von uns geliebt werden möchte. Außerdem evoziert dies noch eine weitere Frage: „Kann denn dies Wesen, Gott genannt, auch lieben?“ Daß Gott als ein lieben Könnender gedacht wird, ist keine Selbstverständlichkeit, gerade in religionskritischen Zeiten, in denen die Aussage, „Gott liebe“ als eine unzulässige Vermenschlichung Gottes kritisiert wird. Nicht alle, die der Aussage, Gott gibt es wirklich, stimmen zu, daß Gott als ein personales Wesen zu denken ist, dem auch oder gar nur das Prädikat des Liebens zugeschrieben werden kann.

Nun könnte man diese Marketingstrategie zu retten versuchen mit der Näherbestimmung, es ginge hier gar nicht um die Liebe, so wie ein Mann eine Frau liebe, sondern um ein Anerkennen, daß Gott den Menschen als Menschen anerkenne. Das ist aber so verheißungsvoll, als wenn jemand einem in winterlicher Kälte Frierenden ein Hemdlein zum Wärmen anböte. Eine solche Anerkennungsliebe wärmt nicht. Gravierender ist nun aber dabei, daß wir Menschen, wenn wir anerkannt werden wollen, wir für eine erbrachte Leistung anerkannt werden wollen. Ein Schüler, dem der Lehrer eine Eins für seinen Aufsatz bekommt, fühlt sich anerkannt, daß er etwas geleistet hat. Wenn nun aber der Lehrer jedem Schüler eine Eins gibt für seinen Aufsatz, dann ist dieser Einseranerkenntnis nichts mehr wert.Sagt ein Kavalier zu einer Frau, daß sie bezaubernd aussähe, erfreut sie das, aber nur solange, wie dieser Kavalier nicht jeder auf der Geburtstagsfeier anwesenden Frau dies gleiche Kompliment macht. Wenn Gott alle Menschen gleichermaßen anerkennt und nicht als eine Belohnung für etwas Besonderes, dann ist diese Anerkennung für den so Anerkannten nichts wert.

Es ist so kein Wunder, daß diese Verkaufsstrategie, daß Gott jeden liebe, nicht erfolgreich ist, zumal diese Aussage meistens denn doch nur als ein Nebensatz verwendet wird, um dann auszubuchstabieren, was wir als so von Gott Geliebte alles zu lassen und zu tuen hätten: Weil Gott jeden Menschen liebe, haben wir Christen für Afrika zu spenden, den Flüchlingen ein Asyl zu gewähren und isb die LGBTQ- Menschen hochzuschätzen. So viel Moralpredigt begeistert dann die Hörer nur, wenn das eine Einladung ist, auf die dann herabsehen zu dürfen, die nicht so es praktizieren: „Gott ich danke Dir, daß ich nicht so bin wie...!“ 

Darüberhinaus gilt, daß die Aussage, Gott liebt jemanden nur eine bedeutungsvolle Aussage sein kan, wenn es auch möglich wäre, daß Gott diesen nicht liebt. So ist ja auch die Aussage:"Du hast die Prüfung bestanden!" nur bedeutungsvoll, wenn sie auch nicht bstanden werden könnte.



Donnerstag, 5. Juni 2025

Populäre Irrtümer in der Kirche – ein paar besonders ärgerliche

 

Populäre Irrtümer in der Kirche – ein paar besonders ärgerliche



Wie viel wird in der Kirche von der Aufgabe der „Bewahrung der Schöpfung“ geredet, ja diese Aufgabe ist geradezu zu der Aufgabe der Kirche avanciert! Diese Parole ist nun schon so vertraut geworden, daß wohl niemand sich dabei etwas denkt, außer daß er kreativ oder weniger kreativ dann darüber sinniert, ob er noch ein Fleischgericht zu sich nehmen dürfe und ob er doch seinen Konsum zu reduzieren habe. Die Atomkraftwerke wenigstens gelten als die Manifestationen des modernen Technikwahns.

Aber was ist denn nun die Schöpfung? Die Schöpfung beinhaltet alles von Gott Geschaffene, also das ganze Universum und somit selbstverständlich auch alle Sterne, die wir des Nachts am Sternenhimmel sehen können. Dächte nun ein Hörer dieser Parole von der „Bewahrung“ der Schöpfung auch nur eine Minute nach, müßte er sich fragen: Steht es unserer Macht, die Existenz des Sternenhimmels zu nichten und könnten wir positiv zum Erhalt dieses Sternenhimmels etwas Wesentliches beitragen? Selbst wenn es uns gelänge, durch die Zündung aller vorhandenen Atombomben den Planeten Erde in eine einzige Staubwolke zu verwandeln, die dann tatt der Erde um unsere Sonne kreiste, würde das die Existenz des Universumes so wenig tangieren, als brächte ich von einem Abenteuerurlaub in die Sarah ein Sandkörnchen mit, meinend, daß nun die Weiterexistenz der Wüste gefährdet sei. In dem Universum existieren sicher mehr Planeten, als es Sandkörner in der Saharawüste gibt.

Nur der Gott, der alles erschaffen hat, kann auch alles nur bewahren und das muß er auch, da alles er aus dem Nichts erschuf, und so alles Erschafene eine Nähe zum Nichts aufweist. Gott kann auch allein seine Schöpfung nichten, wenn er es wollte. Die Parole der Bewahrung der Schöpfung maßt uns Menschen etwas zu, was nur dem Schöpfergott alleine zukommen kann.

Außerdem ist es rein naturwissenschaftlich undenkbar, daß nur auf dem Planeten Erde sich selbst als intelligent wähnende Wesen entstanden sind, wenn es zigfach mehr Planeten im Universum gibt als Sandkörner in der Wüste. Daß Gott so viele Planeten erschuf und dann nur auf einen von ihnen intelligente Wesen, wäre eine so gigantische Ressourcenverschwendung, daß das auch von Gott nicht ernsthaft ausgesagt werden kann. Also würde auch durch den Tod der Menschheit die Schöpfung Gottes nicht infrage gestellt sein!



Wenn Jesus sagt, wenn ihr einen meiner Brüder im Gefängnis besucht habt, dann habt ihr mich selbst besucht! So wird gerne die große Gerichtsrede Jesu (Mt 25,31-46) paraphrasiert in der Meinung, damit den Kerngedanken dieser Predigt zu erfassen. Weggelassen wird dabei regelmäßig, daß es Jesus Christus hier um die Frage geht: „Wer wird hineingehen in das Reich Gottes und wer nicht!“ Nichts liegt hier ihm ferner als einen Programmpunkt eines allgemeinen Welthumanisierungsprojektes darzulegen. Wenn Jesus Christus von seinen Brüdern (und hier darf man auch von seinen Schwestern ergänzen), dann meint er damit immer nur die Christgläubigen! Er versteht darunter seine wahren Verwandten, die den Willen Gottes tuen, aber niemals jeden Menschen. Die Gefangenen sind demzufolge Christen, die um ihres Glaubens willen inhaftiert worden sind. Man vergleiche dazu die Berichte der Apostelgeschichte über die Gefangennehmung der Apostel und schließlich Paulus Inhaftierungszeit in Rom. Gerade die Jesu Wanderpredigertätigkeit Nachfolgenden waren vielen Widrigkeiten ausgesetzt, die Apostelgeschichte berichtet darüber ausführlich. Diesen gilt die Gerichtspredigt, daß die Christen, die diese christlichen Wanderprediger Unterstützenden auf ihren Himmelslohn hoffen dürfen und die sie nicht unterstützt Habenden mit dem Ausschluß vom Reich Gottes.

Wenn ein Christ einen zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder in einem Gefängnis aufsucht, mag das ein gutes Werk der Nächstenliebe sein, aber ganz gewiß begegnet ihm in dem Mörder nicht Jesus Christus, sodaß gesagt werden könnte: „Wenn Du dem Mörder eine Schokolade mitbringst, dann gibst Du das Jesus und er wird Dich dafür beohnen! Die innerkirchliche Liebe wird so verwechselt mit einem humanitaristischen Universalismus.



Die Parole, Gott liebe, bejahe jeden Menschen bedingungslos, ist zu so einer Selbstverständlichkeit geworden, daß sie Niemand mehr in Frage stellt.Nur,bloß weil diese Rede so populär geworden ist, ist das noch kein hinreichender Grund, sie auch als wahr zu erachten. Wenn man auf die Frage hin, ob das denn wahr sei, die hl Schrift liest, stößt man unweigerlich auf Aussagen, die sich nicht damit in Einklang bringen lassen. Nur die acht Menschen der Arche Noah rettete Gott, alle anderen tötete er durch die Sintflut? Wenn er jeden Menschen liebte, warum tötete er dann alle außer diesen acht? Liebte Gott die Bürger von Sodom und Gomorra? Liebte er Onan, den er tötete? Warum lesen wir dann in der Johannesoffenbarung, (9,18), daß Gott durch seine Engel ein Drittel der Menschheit töten lassen wird? Warum sagt uns Jesus Christus, daß im Endgericht Gottes die Nichtgläubigen verdammt werden? (Mk 16,16)

Wenn wir Menschen nicht sündigten, dann würde die Aussage, daß Gott jeden Menschen liebe, wahr sein. Aber durch unsere Sünde verändert sich auch die Qualität der Beziehung Gottes zu uns Menschen, denn Gott nimmt unser Sündigen als ein Wollen und Tuen gegen ihn ernst. Die Rede von dem Gott, der jeden Menschen bejahe, stellt den Versuch dar, den Menschenrechtsgedanken in die christliche Theologie zu implantieren: So wie die Menschenwürde nichts Verlierbares sei, so sei auch Gottes Liebe unverlierbar. So wie auch ein Mörder seine Menschenwürde nicht verliert, so könne auch ein Mensch, auch wenn er noch so ein großer Sünder sei, sein Bejahtwerden durch Gott nicht verlieren. Das führt notwendigerweise zur Allversöhnung, es sei denn man sagt, daß wenn ein Mensch nicht in das Reich Gottes eingehen wolle, er draußen vor der für ihn geöffneten Türe des Reich Gottes verharren wolle.

Man könnte sagen, daß Gottes Liebe zu uns Menschen darin bestünde, daß er jeden erretten wolle durch den Erlösertod Jesu Christi, aber es heißt nicht, daß dann auch alle erlöst werden und daß Gott nicht auch Menschen endgültig verstoßen könne und daß er die dann auch nicht (mehr) liebe.





Mittwoch, 4. Juni 2025

Was macht das authentische Christsein aus? Ein theologischer Marketingexperte spricht

 

Was macht das authentische Christsein aus? Ein theologischer Marketingexperte spricht


Man könnte sich ja die Arbeitsweise der theologischen Marketingabteilung, die sich selbst als Pastoraltheologie bezeichnet, so vorstellen, daß sie die von anderen Abteilungen hergestellten Produkte so gestaltet, daß sie gut verkaufbar werden, daß eben zum „Döner“ der verkaufsfördender Spruch: „Döner macht schöner“ hinzugefügt wird. Aber so verkennt man das Niveau dieser Disziplin, da sie selbst einen Einfluß auf die Produktherstellung nehmen will unter der Fragestellung, wie müssen die Produkte sein, damit sie gut verkaufbar werden. Außerdem wirft diese Disziplin einen Blick auf das Verkaufspersonal, wie es zu sein habe, damit die angebotenen Produkte auch gut verkauft werden.

Der Pastoraltheologe Sellmann1 schlägt vor, daß die Kirche sich als einen „Dienstleister für gelingendes Leben und für gelingende Kommunen" vermarkten solle. Mit der Vokabel der Kommune wird dabei der Ort bezeichnet, wo die Kirche ihre Dienstleistungen anzubieten hätte, traditioneller formuliert wäre damit die Ortsgemeinde bezeichnet, die vor Ort dann für die dortigen Menschen da wäre. So formuliert dies dieser Marketingtheologe: „Dazu sollten sich Kirchen auch mit nichtreligiösen Partnerinnen und Partnern vernetzen und als "Netzwerkpartner für den Stadttourismus, für die Feuerwehr, Polizei, für Moscheeverbände, für Caritas, Diakonie, Wohlfahrt" und andere anbieten.“ Die Kirche solle also auch mit Nichtreligiösen cooperieren und wohl Dienstleistungen auch für die anbieten. So solle die Ortsgemeinde etwa den Stadttourismus fördern, aber auch die Feuerwehr und die Polizei! Wie nun die Ortsgemeinde die Moschee vor Ort unterstützen könnte, ist mir nicht so recht vorstellbar, aber dafür findet ein Pastoraltheologe sicher auch erfolgsversprechende Konzepte.

Aber es käme nun auf die Qualität der Dienstleistungsanbieter an und hiermit stehen wir schon in der Mitte dieses pastoraltheologischen Marketingkonzeptes:

"Authentische Christen" sind für ihn "Menschen, die es für möglich halten, dass Beziehungen weitergehen, die es für möglich halten, dass man diese Erde retten kann, dass man sich mit dem Nachbarn versöhnen kann, dass Krankheit und Tod nicht das Ende sind". Man erkenne sie daran, dass sie Fröhlichkeit, Großzügigkeit, Engagement und Humor ausstrahlten“.

Auf die Ausstrahlkraft des Personales käme es an. Jeder Biergartenleiter weiß eben, daß seine Kunden lieber und mehr Bier ordern, wenn die Kellnerin fröhlich, gut gelaunt und humorvoll das Bestellte serviert als wenn sie mißgestimmt schlecht gelaunt daherkommt. Was soll nun das Kirchenpersonal ausstrahlen? Daß Beziehungen weitergehen, auch wenn es mal in ihr kriselt, daß man im Puncto Umweltschutz erfolgreich sein könne, daß zwischenmenschliche Konflikte lösbar seien durch die Praxis der Versöhnung. Hier gönnen wir uns eine Pause, um über das uns da Mitgeteilte nachzudenken. All das könnte doch unter der Maxime: „Strahle Optimismus aus!“ subsumiert werden. Dazu paßt dann auch die optimistisch klingende Formulierung, daß die Krankheit und der Tod nicht das Ende seien!

Christliches ist hier nun überhaupt nicht mehr auffindbar, es sei denn man meint, daß mit der Vorstellung, daß die Krankheiten und der Tod nicht das letzte Wort seien, sei irgendwie auf die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode verwiesen. Mir kommt das so vor wie die allseits bekannte Verkaufsstrategie: „Wie verkaufe ich einem Eskimo einen Kühlschrank? Indem ich ihm sage: „Immer wenn Sie die Türe des Kühlschrankes öffnen, leuchtet ein Lichtlein auf, sodaß Sie dann im Dunklen was sehen können!“

Als Marketingtheologe sage ich den anderen Disziplinen: Die Theologie, das Gerede von Gott und all dem Dazugehörigen, das ist nicht mehr verkaufbar! Wir brauchen ein ganz neues Produkt! Etwa: Wir stehen für ein optimistisches Lebensgefühl, daß alles am Ende doch gut ausgehen wird. Und das habe das Verkaufspersonal der Kirche auszustrahlen! 

Aber es ist doch wirklich eine originelle Idee, daß Jesus am Kreuze starb, auch um den Tourismus in das hl.Land zu fördern!  

 




1 „Sellmann für >neue Idee des Bischofsamtes und neue liturgische Formen<“ Kath de am 3.6.2025

Dienstag, 3. Juni 2025

Ein Verdacht zum praktischen Verhältnis der Kirche zur zeitgenössischen Kunst

 

Ein Verdacht zum praktischen Verhältnis der Kirche zur zeitgenössischen Kunst


Ein Narrativ bestimmt wohl das praktische Verhältnis: Um sich als modern, liberal, aufgeschlossen zu präsentieren, laden Kirchenver-antwortliche gerne Künstler zu Ausstellungen aller Art in die Kirchen ein. Ja man kann dabei auch auf den Erfolg nicht nur adventlich-weihnachtlicher Konzerte in den Kirchen verweisen, solche Konzerte sind oft besser besucht als die sonntäglichen Messen oder auf viel Zuspruch erlebenden Orgelkonzerte und so solle nun auch andere zeitgenössische Kultur eine Heimat in der Kirche finden.

Nur die Praxis zeitigt dann regelmäßig dies „Ritual“: Kaum daß ein zeitgenössisches Kunstwerk in einem Kirchenraum installiert wird oder etwas Künstlerisches aufgeführt wird, protestieren Conservative gegen diese Ausgeburten der Kunst als blasphemisch, die religiösen Gefühle verletzend, was den Kirchenleitungen dann mal wieder eine Chance gibt, sich von der „reaktionären Basis“ abzusetzen, sich als Hüter der Liberalität und Toleranz zu profilieren.

Nun könnte man darauf verweisen, daß die zeitgenössische Kunst, gerade auch um sich von der Unterhaltungsindustrie mit ihren Pseudokunstwerken (vgl dazu etwa Adorno) abzusetzen, sich elitär antipopularistisch inszeniert. Kunst, die der Masse gefalle, sei eben keine Kunst! Kunstwerke, die so elitär avantgardistisch konzipiert werden, leben geradezu aus ihrer Ablehnung durch den Otto Normalverbraucher und evozieren dann auch diese Abneigung. Wer dann solche Kunst wertschätzt, ihren Kritikern dann noch vorwirft, sie empfänden im Ungeiste der Nazipolemik gegen die sog. „entartete Kunst“, darf sich dann zu den Gutmenschen zählen, die voller Verachtung auf das gemeine Volk herabschauen, dem halt jeder Sinn für das Höhere fehlt.1 Dem korreliert die Geringschätzung, ja Verachtung der katholischen Volksfrömmigkeit als abergläubisch und vormodern: Die Kirche müsse halt mit dem Fortschritt marschieren!

Aber es drängt sich nun doch ein ganz anderer Verdacht auf. Jesus Christus sagt da: „Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie auch mich schon vor euch gehaßt hat.Wenn ihr von der Welt stammen würdet,würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.“ (Joh 15,18f) Die heutigen Kunstwerke sind Hervorbringungen von Künstlern, die aus der Welt stammen und sie stellen ihre Hervorbringungen aus in der Kirche, die nicht aus der Welt ist. Diese Differenz zwischen der Kirche und der Welt, die möchte man heute gern negieren, indem man die Kirche so modernisiert, daß sie nur noch das sagt, was die Welt hören möchte, das ist, sie redet selbst nur noch weltlich. Daß die Kernbotschaft der Kirche ein Humanismus sei, der sich theologisch mit dem Glauben an den jeden Menschen bejahenden Gott fundiert, ist so gesehen der Versuch eines Versöhnungskonzeptes zwischen der Kirche und der Welt.

Aber wie nun, wenn trotz dieser humanistischen Maskerade die Welt die Weltfremdheit der Kirche weiterhin wahrnimmt,ihre nur versteckte Substanz und auf die weiterhin mit ihrer Feindschaft reagiert? Die rein weltlich sich verstehende Kunst, die sich gänzlich von der christlichen Religion emanzipiert hat, ist sie so nicht auch antikatholisch ausgerichtet? Meine Verdachtsthese lautet also, daß die zeitgenössische in Kirchen exponierte Kunst nicht einfach nur als elitär - avantgardistische ihre Abneigung provoziert, sondern auch ob ihrer antichristlichen Ausrichtung, in der sich die Feindschaft der Welt wider das ihr Fremde, ihr Nichtgemäße manifestiert. Gleich einem trojanischen Pferd schmuggelt sie sich in die heiligen Räume der Kirche ein, um sie von innen her zu profanisieren! Kirchenleitungen nehmen diese trojanischen Pferde auf, um sich somit zu profilieren als eine moderne, weltoffene und tolerante Kirche. Von der Feindschaft der Welt der Kirche gegenüber will eben nicht nur die zeit(geist)genössische Theologie sondern auch ´die heutige Kirche nichts mehr wissen, nur hat das nicht zur Folge, daß die Welt ihre Feindschaft wider die Kirche vergäße. 

Zusatz:

Kath net am 3.6.2025:  Der Auftritt war "objektiv blasphemisch. Schwere Kritik aus der evangelischen Kirche am Paderborner Dom-Skandal und am Verhalten vom Erzbischof - Pfarrer Martin Fromm: "Am verstörendsten aber empfinde ich die anschließende Stellungnahme des Metropolitankapitels".

 




1Berühmt berüchtigt wurde ja das Kunstwerk Duchamps, der 1917 einfach ein Pissoir als ein Kunstwerk ausstellte, vgl: Monopol, 6.4.2017: „Vulgär, simpel und einfach brillant: Mit seinem bei einer Kunstschau eingereichten Pissoir entfachte Marcel Duchamp 1917 eine große Debatte in der Kunstwelt.“ Wem dies Kunstwerk mißfällt, der ist eben ein Anhänger der kunstfeindlichen „entartete Kunst“-Polemik.

Montag, 2. Juni 2025

„Unverbindlich Mitberaten genügt nicht für überzeugende Synodalität“ Vorwärts im Kampf gegen die Ordnung der Kirche!

 

„Unverbindlich Mitberaten genügt nicht für überzeugende Synodalität“ Vorwärts im Kampf gegen die Ordnung der Kirche!



Der Kath de Standpunktkommentar vom 2.6.2025 stellt klar, womit sich das linksliberale Deformlager nicht zufrieden geben wird: Unter der „Synodalität“ müsse verstanden werden, daß die Kirche enthierarichiert würde, sodaß Laien gleichberechtigt mit den Bischöfen und wohl dann auch mit dem Papst die Kirche regierten. Das heißt auf Deutschland bezogen, daß das nun im Geiste des Synodalen Weges neu konzipierte nationale Kirchengremium, auch wenn es nun nicht mehr:“Synodaler Rat“ heißen kann, ein Beratungs- und Leitungsgremium zu sein habe.

Der Kommentar stellt dann sachgemäß fest, daß dies Anliegen nicht mit dem 2.Vaticanum vereinbar sei, denn da steht nun mal (leider) geschrieben: „Die Bischöfe haben "das heilige Recht und vor dem Herrn die Pflicht, Gesetze für ihre Untergebenen zu erlassen, Urteile zu fällen und alles, was zur Ordnung des Gottesdienstes und des Apostolats gehört, zu regeln", und diese Gewalt üben sie persönlich aus“. Diese Aussage des Konziles kommentiert nun der Standpunktkommentar so: „Absolute Monarchie, nicht partizipatorische Demokratie ist die korrespondierende säkulare Herrschaftsform.“

Das meint, daß die Synodalität sich zur hierarchischen Struktur der Kirche so verhalte wie die partizipatorischen Demokratie zur absoluten Monarchie.Dabei bilden die Hierarchie und die absolute Monarchie die Negativfolie für die Synodalität als eine Form der partizipatorischen Demokratie. „Das ist lehramtlich abgesichert.“, gemeint ist der hierarische Aufbau der Kirche, den leider auch noch das letzte Reformkonzil bestätigt hatte. Aber dann wird zum Angriff auf die Hierarchie und somit auch auf die Ecclesiologie des 2.Vaticanumes geblasen: „Und dennoch bröckelt die Plausibilität dieser hierarchischen Verfasstheit. In der säkularen Welt hat sich die Demokratie als jeder Autokratie moralisch und in ihren Ergebnissen überlegen erwiesen. Das strahlt auf die Gläubigen aus, die in der Welt gleichberechtigte Staatsbürger sind.“

Die Kirche habe also das Ordnungsprinzip der westlichen Demokratie zu übernehmen, sich dieser Staatsordnung anzugleichen und warum? Weil sich die Demokratie als moralisch überlegen erwiesen habe! Hier kann man nur staunen: Worin soll denn die moralische Überlegenheit der jetzigen Demokratie Deutschlands gegenüber dem Kaiserreich 1871 bis 1919 bestehen? Etwa in den mehr als 100.000 pro Jahr getöteten Kinder im Mutterleibe, in der progressierenden Säkularisation oder etwa in der Homoehe? Bei noch so intensiven Suchens kann ich keinen Punkt finden, in der unsere jetzige Demokratie moralisch dem Kaiserreich überlegen wäre!

Dann soll die Demokratie effektiver sein, als „in ihren Ergebnissen überlegen“. Daß ein gewaltiger technischer Fortschritt seit dem Kaiserreich gegeben sich ereignet hat, ist unbestreitbar, aber verdankt der sich der Demokratie. Auch China erlebt einen gewaltigen technischen Fortschritt und wird nicht demokratisch regiert, ja man darf sogar skeptisch sein, ob dieses Land heute technisch und ökonomisch da stehen würde, wo es jetzt steht, wenn es nach dem Sturz der chinesischen Kaiser demokratisch regiert worden wäre. (Einst warf man China vor, daß ob ihrer Planwirtschaft die Wirtschaft nicht effektiv sein könne, nun, daß ihre ökonomischen Erfolge mit der fehlenden Demokratie erkauft würden.)

Ob 3 Millionen Arbeitslose und 1,6 Millionen Menschen, die auf die Armenspeisungen der „Tafel“ angewiesen sind, nun für den Erfolg der westlichen Demokratie in Deutschland sprechen, dürfte auch bezweifelt werden, nicht aber daß im Kaiserreich durch Bismarck die Fundamente eines modernen Sozialstaates gelegt worden sind.

Aber noch problematischer ist die Behauptung, die Kirche müsse sich einfach der jetzigen Staatsform angleichen: Weil der Bürger, präziser der Citoyen sch als gleichberechtigter Staatsbürger wahrnehme, müsse er so auch in der Kirche gelten. Daß die Kirche zwar in der Welt ist, aber nicht aus ihr ist, und deswegen der Welt gegenüber etwas anderes ist, verkennt dieser Kath de Kommentar völlig.Die Kirche hat nun mal ihren Auftrag wie ihre innere Ordnung nicht sich selbst gegeben und kann dann auch beides nach ihrem Belieben ändern, sondern beides hat sie von ihrem Herrn: ihren Auftrag wie ihre Organisationsstruktur. Das Wesen der Kirche wird hier völlig verkannt, indem sie als ein rein weltliches Konstrukt betrachtet wird, das ganz frei sich jede ihm wohlgefällig erscheinende Organisationsstruktur geben könne. 

Corollarium

Das sonst als so reomerisch bejubelte 2.Vaticanum wird hier bedenkenlos in seiner Ecclesiologie als inakzeptabel verworfen. Signifikant ist dabei der völlige Verzicht auf eine theologische Begründung.









Sonntag, 1. Juni 2025

„Papst will >schmerzhafte< Geschichte mit Täuferbewegung aufarbeiten“ oder der Kampf wider das Taufsakrament.

 

„Papst will >schmerzhafte< Geschichte mit Täuferbewegung aufarbeiten“ oder der Kampf wider das Taufsakrament.

So wird in dem so betitelten Kath net Artikel vom 31.5.2025 das Anliegen der Täuferbewegung charakterisiert:„Die Täuferbewegung entstand als Versuch einer ganz am Evangelium orientierten Lebensweise, zu der für die meisten Mitglieder der Verzicht auf jede Gewaltanwendung1 und für viele die Gütergemeinschaft gehörte. Ihr Name rührt daher, dass sie die Säuglingstaufe ablehnten, weil nach ihrem Verständnis die Taufe als Eintritt in die Kirche einen bewussten Glaubens- und Willensakt des Täuflings voraussetzt. Heute ist die Erwachsenentaufe wieder geläufige Praxis im Christentum.“

Der entscheidende Punkt ist der der Behauptung dieser Bewegung, daß die von der Kirche gespendete Taufe ungültig sei, da sie gültig nur von Glaubenden, die sich bewußt für den Empfang der Taufe entschieden hätten, gültig empfangen werden könnte. Nun lehrt Jesus Christus selbst eindeutig die Heilsnotwendigkeit der Taufe, daß Niemand in das Reich Gottes eingehen könnte, wenn er nicht durch die Taufe neu geboren worden sei, so in seiner Taufsakramentskatechese im Nachtgespräch mit Nikodemus und in Mk 16,16: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden“.

Wenn nun Unmündige, die sich noch nicht bewußt dafür entscheiden können, das Taufsakrament empfangen zu können, ungetauft sterben, hieße das, daß sie nicht eingehen können in das ewige Leben. Da das die Täufer nun auch nicht lehren wollten, sie aber darauf insistierten, Unmündige nicht taufen zu wollen, mußten sie bestreiten, daß die Taufe heilsnotwendig sei. Wenn die Taufe nichts anderes wäre als ein Eintrittsritual in die Kirche und man dann noch behauptet, daß es außerhalb der Kirche auch ein Heil gäbe, etwa mit der populären These, daß Gottes Liebe es ausschlösse, daß irgendwer vom ewigen Heile ausgeschlossen werde, dann kann die Taufe völlig entwertet werden, dann wird es gleichgültig für das Heil, ob man getauft worden ist oder nicht. Diese Häresie hat die Kirche den Täufern zum Vorwurf gemacht.

Aber das Schlimmste ist nun, daß sie den Kindern die Taufe verweigert und sie so, wenn sie früh sterben, ungetauft sterben lassen, sodaß sie, nimmt man Jesu Worte zur Taufe ernst, nicht eingehen können in das ewige Leben.

Solange gelehrt wird, daß die Taufe etwas Gutes vermittelt, kann die Praxis der Mündigentaufe nur legitimiert werden, wenn man behauptet, daß sie von Kleinkindern empfangen nichts Gutes vermitteln könne. Damit wird durch die Täufer der Katholischen Kirche vorgeworfen, die Taufe nur zu simulieren! Oder aber man behauptet, daß das Taufsakrament gar nichts Gutes vermittelt, sodaß es dann gleichgültig sei, ob man getauft würde oder nicht. Mit der sehr populären Vorstellung, Gott liebe jeden Menschen, egal ob getauft oder ungetauft, läßt sich das gut begründen. Mit der Taufe verpflichte sich der Getaufte nur dazu, gemäß Jesu sein Leben zu führen.

Das ist nur möglich, wenn die Lehre von der Erbsünde geleugnet wird, daß jeder erbsündlich kontaminiert geboren werde, daß stattdessen gemeint wird, der Mensch käme frei von jeder Sünde zur Welt. Stürbe er dann, bevor er ein Alter erreicht hat, ab dem ihm sein Sündigen nicht zugerechnet werden kann, er noch strafunmündig sei, dann wäre er vor Gott gerecht, auch ganz ohne die Gnade Jesu Christi, da er von Natur aus sündenfrei sei. Jesus Christus sei so nicht zum Heile derer gekreuzigt worden, die als Unmündige, das ist als noch nicht Strafwürdige verstorben sind.

Das Insistieren auf eine Selbstverpflichtung zu einem christlichen Leben als dem Gehalt des Taufsakramentes, das sich in der Formel vom Eintrittsritual in die Kirche verbirgt, verkennt nun völlig das Wesen des Sakramentes als eines Gnadenvermittelungsinstitutes. Der Zutaufende besäße schon die Gnade Gottes, sodaß es keiner Vermittelung durch die Sakramente mehr bedürfe, dürfte die Standardantwort auf das Nein zur Taufe als ein Gnadenmittel sein. Vulgär formuliert: Da Gottes Liebe jedem gälte, bedürfe es überhaupt keiner Sakramente, die Gottes Liebe noch vermittelten.

Faktisch läuft das dann daraus hinaus, zu meinen, daß der Christ ein Mensch ist, oder sein sollte, der halt moralischer als die Anderen lebe und das zeichne ihn aus. Das führt dann zur Vorliebe zu allerlei extravaganten Morallehren, daß man etwa Pazifist ist, kein Fleisch ißt oder keinen Alkohol trinkt oder ….der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Die Attraktivität der täuferischen Position liegt nun in der Plausibilität des Neins zur Erbsündenlehre, daß jeder Mensch von Natur aus gut sei und er erst sündigen kann, wenn er tatsächlich für sein Tuen und Unterlassen verantwortlich sei. Wird die Taufe dann noch als ein Aufnahmeritual in die Kirche mißverstanden, ist dann die Ablehnung der Kindertaufe selbstverständlich, auch weil sie ja selbst nichts vermittelt außer einer Vereinsmitgliedschaft. Mit der Lehre der Katholischen Kirche ist all das aber unvereinbar und auch nicht mit dem, was Jesus Christus selbst gelehrt hat.



1Daß der Verzicht auf jede Gewaltanwendung mit dem Gebot der Nächstenliebe nicht vereinbar ist, aber auch nicht mit der Selbstliebe,oder muß man sich dann töten lassen, wenn man nur mt Gewalt einen Angriff auf sein Leben abwehren kann, auf diese Häresie soll hier nicht eingegangen werden, auch nicht auf die Vorstellung, ein Christ dürfe keinen Privatbesitz haben. Gravierender ist nämlich der Pelagianismus der Täufer, der zum Nein der Unmündigentaufe führt..