Samstag, 2. Juli 2022

Das kann unmöglich in der hl.Schrift stehen...oder wie Gott zensiert wird

Das kann unmöglich in der hl. Schrift stehen....oder wie Gott zensiert wird


Jesus sagt, wer nicht glaubt, wird verdammt! Das könne Jesus nie gesagt haben, soetwas könne unmöglich in der Bibel stellen, empörte sich der Leiter eines Gesprächskreises zu Fragen des Glaubens. Ein Diplomtheologe war er aber es verschlug ihm die Sprache, als dann Mk 16,16 zitiert wurde: Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt. Das kann da nicht stehen und es steht da doch. Man hat eben sein persönliches Jesusbild sich erschaffen und dann wird man konfrontiert mit einer Aussage, die nicht in das liebgewonnene Jesusbild integrierbar ist. Wem die hl. Schrift eine Autorität ist, der sieht sich so zu einer Korrektur seines Jesusbildes genötigt, kritische Geister präferieren dagegen dann die Bibelkritik, daß da eben auch Unsinniges und Falsches geschrieben stünde.


Bibelleser stellt nun die Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja vor fast unlösbare Probleme. Was ist ein Prophet, wozu wird er von Gott berufen, was immer darauf dann an Antworten gefunden werden mag, niemand käme auf diese Idee, daß das Gottes Auftrag an einen Propheten sein könne:

Verblende das Herz dieses Volkes,verhärte seine Ohren, und schließ ihm die Augen,daß er nicht etwa mit seinen Augen sehe,und mit seinen Ohren höre,und mit seinem Herzen verstehe,und sich bekehre, und ich es heile.“ (Jesaja,6,10)

Die Aussage ist an sich klar und eindeutig formuliert: Gott will das Volk nicht heilen.Darum verschließt er ihm sein Herz,seine Augen und seine Ohren. Denn wenn es hörte und sähe, könnte es das Gesehene und Gehörte verstehen und sich dann bekehren. Bekehrte es sich aber, wie sollte Gott es dann noch nicht mehr heilen. Offenkundig ist hier eine Differenz zwischen dem Sichbekehren und dem Heilen gesetzt: Die Bekehrung ist keine Heilung des Volkes, es kann sich nicht selbst heilen, aber bekehrte es sich, dann würde Gott es heilen wollen. Da er es aber nicht heilen will, verunmöglicht Gott die Bekehrung seines Volkes.

Aber es ist noch komplizierter: Was ist denn das, was das Volk sehen, hören und verstehen könnte, sodaß es sich bekehren könnte? Damit kann hier nur die Predigt des Propheten gemeint sein. Verstünde die das Volk, dann bekehrte es sich. Also lautet der Auftrag an den Propheten, daß er das, was zum Heile des Volkes durch Gott führen würde, verstände es das, er so predigen soll, daß das Gehörte und Gesehene die Ohren und die Augen der Hörer so zuspert, daß es zu keiner Umkehr kommt. A.Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe (1903) diese Stelle so:

D.i.du wirst durch deine Predigt dieses Volk nur noch mehr verstocken.- Die Propheten stellen das, was auf ihre Predigten erfolgt,zuweilen so vor,als ob es von ihnen bezweckt worden wäre.“

Aus dem Imperativ: Verblende, Verhärte wird ein Futur: Du wirst verblenden und verstocken. Diese futurisch eintretende Wirkung würde nun fälschlicherweise von

dem Propheten als seine Absicht ausgegeben, in der Wirklichkeit handle es sich aber um eine kontingente Auswirkung seiner Predigt.Rabiater kann dieser Text nicht mißverstanden werden. Daß Gott es ist, der an den Propheten diesen Auftrag erteilt und daß es Gottes Wille ist, daß das Volk nicht auf den Propheten hört und sich nicht bekehrt, wird hier völlig ausgeblendet. Gott wird hier eben durch diese Kommentierung zensiert, weil das hier Geschriebene diesem Jesuiten als unvereinbar mit seinem Gottesbild erscheint. Das erinnert an Luthers Umgang mit der hl. Schrift: Zuerst konstruiert er eine ganz neue Rechtfertigungslehre, allein aus der Schrift und schriftgemäß, um dann alle bisherigen als nicht schriftgemäß zu verdammen und dann stellt er fest, daß die Aussagen des Jakobusbriefes zu der Causa der Rechtfertigung nicht mit seiner neuen schriftgemäßen Lehre kompatibel sind: Ergo es gibt in der hl. Schrift Nichtschriftgemäßes! Der jesuitische Kommentar verfährt im Prinzip genauso: Was ihm nicht in sein Gottesbild paßt, das muß so umgedeutet werden, daß es paßt.

Aber wie ist diese Berufung dann zu verstehen? Ob der Sünden des Volkes will Gott es strafen und so will er ihm keine Chance mehr zur Umkehr geben. Durch die Predigt des Propheten könnte es gerettet werden, hörte es auf die Predigt und bekehrte sich. Aber Gott läßt dies Heilsmittel dem Volke zu seinem Unheil wirken, weil diese Predigt sie verstockt, sodaß sie sich nicht bekehren. Warum läßt Gott dann überhaupt den Propheten predigen?

Dafür kann ich nun nur diese Erklärug anbieten:Es gibt für das Volk, wenn es mit offenen Augen und Ohren sähe und hörte,die Möglichkeit zu erkennen, daß es gegen Gott sündigt und daß es dehalb umkehren müsse, um dem göttlichen Strafgericht noch entkommen zu können. Der Ermöglichungsgrund dafür ist unabhängig von der Prophetenpredigt für das Volk gegeben. Damit es diese Möglichkeit nicht realisiert, predigt der Prophet, sodaß sie verstockt, nicht hörend und nicht sehend dem göttlichen Gericht entgegenschreiten.Es soll nun bestraft werden und exiliert werden. Aber in Vers 13 wird verheißen, daß es einen heiligen Rest des Volkes geben wird, der sich bekehrt und den will Gott dann erhalten. Gott stellt sich so uns als ein Gott vor, der die Sünden der Menschen so ernst nimmt, daß es einen Punkt für ihn gibt, wo er nicht mehr den Sünder retten will, ja er ihm sogar die Möglichkeit zu seiner Rettung nimmt. Hier ist der Würfel gefallen, hier kann das Volk seinem Schicksal nicht mehr entrinnen, weil Gott selbst das Volk verurteilt hat.

Es ist nur zu gut verständlich, daß diesem jesuitischen Kommentar so viel göttliche Härte zuviel ist, aber wir haben Gott so anzuerkennen, wie er ist und nicht dürfen wir ihn uns so verzärteln, bis er uns gefällt. 

dem Propheten als seine Absicht ausgegeben, in der Wirklichkeit handle es sich aber um eine kontingente Auswirkung seiner Predigt.Rabiater kann dieser Text nicht mißverstanden werden. Daß Gott es ist, der an den Propheten diesen Auftrag erteilt und daß es Gottes Wille ist, daß das Volk nicht auf den Propheten hört und sich nicht bekehrt, wird hier völlig ausgeblendet. Gott wird hier eben durch diese Kommentierung zensiert, weil das hier Geschriebene diesem Jesuiten als unvereinbar mit seinem Gottesbild erscheint. Das erinnert an Luthers Umgang mit der hl. Schrift: Zuerst konstruiert er eine ganz neue Rechtfertigungslehre, allein aus der Schrift und schriftgemäß, um dann alle bisherigen als nicht schriftgemäß zu verdammen und dann stellt er fest, daß die Aussagen des Jakobusbriefes zu der Causa der Rechtfertigung nicht mit seiner neuen schriftgemäßen Lehre kompatibel sind: Ergo es gibt in der hl. Schrift Nichtschriftgemäßes! Der jesuitische Kommentar verfährt im Prinzip genauso: Was ihm nicht in sein Gottesbild paßt, das muß so umgedeutet werden, daß es paßt.

Aber wie ist diese Berufung dann zu verstehen? Ob der Sünden des Volkes will Gott es strafen und so will er ihm keine Chance mehr zur Umkehr geben. Durch die Predigt des Propheten könnte es gerettet werden, hörte es auf die Predigt und bekehrte sich. Aber Gott läßt dies Heilsmittel dem Volke zu seinem Unheil wirken, weil diese Predigt sie verstockt, sodaß sie sich nicht bekehren. Warum läßt Gott dann überhaupt den Propheten predigen?

Dafür kann ich nun nur diese Erklärug anbieten:Es gibt für das Volk, wenn es mit offenen Augen und Ohren sähe und hörte,die Möglichkeit zu erkennen, daß es gegen Gott sündigt und daß es dehalb umkehren müsse, um dem göttlichen Strafgericht noch entkommen zu können. Der Ermöglichungsgrund dafür ist unabhängig von der Prophetenpredigt für das Volk gegeben. Damit es diese Möglichkeit nicht realisiert, predigt der Prophet, sodaß sie verstockt, nicht hörend und nicht sehend dem göttlichen Gericht entgegenschreiten.Es soll nun bestraft werden und exiliert werden. Aber in Vers 13 wird verheißen, daß es einen heiligen Rest des Volkes geben wird, der sich bekehrt und den will Gott dann erhalten. Gott stellt sich so uns als ein Gott vor, der die Sünden der Menschen so ernst nimmt, daß es einen Punkt für ihn gibt, wo er nicht mehr den Sünder retten will, ja er ihm sogar die Möglichkeit zu seiner Rettung nimmt. Hier ist der Würfel gefallen, hier kann das Volk seinem Schicksal nicht mehr entrinnen, weil Gott selbst das Volk verurteilt hat.

Es ist nur zu gut verständlich, daß diesem jesuitischen Kommentar so viel göttliche Härte zuviel ist, aber wir haben Gott so anzuerkennen, wie er ist und nicht dürfen wir ihn uns so verzärteln, bis er uns gefällt.



 


 

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