Samstag, 26. Dezember 2015

Märtyrer- oder wenn die moderne Theologie recht hätte- eine Polemik

Heute gedenkt die kirchliche Liturgie des ersten Märtyrers der Kirche, dem hl. Stephan. Auch wenn dabei aus Gründen der politischen Korrektheit willen die ethnisch-religiöse Herkunft der Steiniger verschwiegen wird, es wird seiner noch gedacht. Nur, wie lange noch? Das Märtyrertum stellt nämlich  zuallerst die zeitgenössische Moraltheologie vor beachtliche Probleme! Darf ein Christ sein Leben opfern, einwilligen sich töten zu lassen, wenn ihm die Alternativlösung angeboten wird, durch ein dem Kaiser oder einem anderen Gott dargebrachtes Opfer sein Leben zu erhalten? Selbst wenn ein solches Opfer eine Todsünde sein sollte, wenn der Christ es darbrächte, weil ihm sonst die Todesstrafe droht, dann wäre ihm diese Tat nicht als Schuld anrechenbar, denn er vollzöge sie ja unfreiwillg, weil er mit dem Tode bedroht würde. Der Einwand, fundiert durch das 4. Makkabäerbuch,daß der Mensch auch seinen Überlebenstrieb beherrschen kann und um eines höheren Gutes willen dann wider diesen Trieb sein Leben opfern kann, um nicht Götzen zu opfern, zählt dann nicht. Die Androhung der Todesstrafe läßt keine freie Entscheidung mehr zu. Ergo hätte der Christ, statt sich enthaupten zu lassen, ruhig das georderte Götzenopfer darbringen können. Er brächte es unfreiwillig dar und so wäre ihm keine zurechenbare Sünde! 
Darüberhinaus käme es doch auf die innerliche Haltung an! Nur mit den Lippen und den Händen einem Götzen zu opfern, aber im Herzen dem wahren Gott, wäre auch keine Sünde.
Vorkonziliar unterschied die Kirche die wahre von den unwahren Religionen, aber dies Exclusivitäts-
verständnis haben wir ja postkonziliar überwunden. Eigentlich ist es doch so, daß die Menschen, egal unter welchem Namen sie Gott anrufen, immer den Einen und Einzigen verehren. So gibt es gar keine Götzenopfer, denn immer ist damit der Gott Jesu Christi gemeint, auch wenn er dem Opferer so nicht bekannt ist. Dank des interreligiösen Dialoges muß jetzt geurteilt werden, daß die christlichen Märtyrer eben doch noch in vorkonziliaren Denkschematas verfangen waren. Ein wenig religiös intolerant ist es doch, von anderen verehrten Göttern den Respekt zu verweigern.Denn es ist selbstredend eine archaisch-primitive Vorstellung, daß es Gottes Wille wäre, daß ihm geopfert würde, sodaß es ihn erzürne, brächten Menschen statt ihm Götzen Opfer dar. Der Akt des Opferns drücke doch nur den Respekt vor den Gläubigen der Religion aus und so könne jeder Christ jedem "Götzen" opfern als Zeichen seiner Wertschätzung der anderen Religion und ihrer Gläubigen. 
Aber die Moraltheologie steht hier vor noch einem Problem: Ist es denn moraltheologisch legitim, sich töten zu lassen, um nicht einem Götzen opfern zu müssen. Sich töten lassen ist ja eine Gestalt des Freitodes! Er könnte ja -freiwillig- auch das Leben wählen, indem er in Kauf nimmt, einem Götzen zu opfern. Der Freitod soll nun immer eine Todsünde sein und ließe sich so auch nicht mit dem Zweck, das Götzenopfer zu vermeiden, rechtfertigen. Das klingt wahrlich mehr als absurd- aber es liegt in der Konsequenz der Perhorreszierung des Freitodes durch die Moraltheologie. Ja, der Märtyrer verfüge ja dabei über sein Leben, indem er es zuläßt, daß er getötet wird, obzwar er sein Leben hätte retten können. Ein Verfügen über das menschliche Leben soll nun aber dem Menschen von Gott untersagt sein, weil Gott sich als der Besitzer des menschlichen Lebens versteht. 
Resümieren wir: Märtyrer gehören in die vorkonziliare Kirche. Das Dialogprojekt der Kirche verbiete, von Götzen zu sprechen und pauschal den Göttern ihre Opfer zu verweigern. Die zeignössische Moraltheologie fügt dann noch den unfreiwilligen Charakter des Opfers zu, sodaß diese Tat nicht als Sünde dem Täter zuschreibbar ist. Außerdem sei der Märtyrertod doch ein versteckter Freitod und so auch unmoralisch. Im Geiste des interreligiösen Dialoges hätte man doch allen Göttern und damit eben doch nur dem Einen geopfert und hätte so kein "Götzenopfer" verweigern dürfen.                           

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