Donnerstag, 31. Dezember 2015

Deutschlands Schicksal- Unzeitgemäßes wider Luther

Emanuel Hirschs Essay: Deutschlands Schicksal, 1920 verfaßt, gehört immer noch zum tiefsinnigsten, was über Deutschland gedacht worden ist. Meine kleine Erwägung: Deutschlands Schicksal ist so eine kleine Homage an dieses Opus, ohne den Anspruch zu erheben, etwas dem Gleichwertiges hier publizieren zu können. 
Der Begriff des Schicksales soll hier eine Frage andeuten: Ist die Geschichte Deutschlands eine Serie von kontingnten Ereignissen, die summiert werden können zu einer Erzählung Deutschlands, oder ist sie ein sinnvolles Ganzes, theologisch deutbar. Als nach der Spaltung Israels in die zwei Staaten Juda und Israel der Staat Israel militärisch besiegt und genichtet wurde, da standen die Theologen vor der Frage der Deutung dieser militärischen Niederlage. Für sie war das eben nicht einfach ein kontingent historisches Ereignis, weil sie nach Gott frugen: Was tat er, als der Staat Israel vernichtet wurde von seinen Feinden? Der König des Staats Israel, Jerobeam "machte Israel vom Herrn abtrünnig und verführte es zu schwerer Sünde. Die Israeliten begingen all die Sünden, die Jerobeam begannen hatte, und ließen nicht von ihnen ab. Schließlich verstieß der Herr Israel von sich" (2.Könige 17, 21ff)und er strafte es durch diese Niederlage und die Exilierung. Hier wird die Geschichte des Staates Israel theologisch begriffen, weil Gott als der Herr der Geschichte geglaubt wird, sodaß es unvorstellbar ist, daß ein so gewichtiges Ereignis wie die Vernichtung des Staates Israel, in dem immerhin ein Teil des von Gott für sich erwählten Volkes lebte, ohne Gott sich ereignet haben könnte. Schicksal hieße hier, daß eben zu kurz gesehen würde, sähe man in diesem Ereignis nur ein kontingentes geschehen, daß eben eine Militärmacht den Staat Israel besiegt hat. Schicksal beagt, daß Gottes Hand hier das Geschehen regiert hat und daß es so erst begriffen ist, wenn es von Gott her gedeutet wird. 
Deutschlands Schicksal ist von großen Kriegen bestimmt: vom 30 Jährigen, über den 1. bis zum 2.Weltkrieg. Moderne Historiker sehen hier nur kontingente Ereignisse, auch wenn sie Gründe für den Verlauf eruieren können: "So geschah es, weil....", aber das "Weil" hat keine determinierende Kraft. Der Konjunktiv, es hätte auch sich anders ereignen können, gehört als impliziter Nebensatz bei jeder historischen Betrachtung mitgelesen. 
Aber müßte die christliche Theologie nicht weiterfragen? Wird sie ihrem Berufe gerecht, wenn sie  auf  die Frage nach der regierenden Hand Gottes in und über der menschlichen Geschichte nichts zu sagen weiß?, ja diese Frage gar ablehnt, weil für sie Gott eben nicht mehr in der Geschichte handelt, geschweige denn, daß er sie noch regiert? 
Wir verfügen nun mit der hl. Schrift, gerade im Alten Testament über ein Zeugnis, nein das Zeugnis, wie Gott regiert. Er hat es uns selbst durch seine Propheten offenbart. Also können wir uns nicht auf den Standpunkt zurückziehen, daß wir nicht wissen könnten, wie Gott regiert, weil er eben als Gott für uns Menschen völlig unbegreifbar sei. Er hat sich ja uns Menschen offenbart, damit wir ihn erkennen und begreifen können. 
Frägt man nach dem bdeutsamsten Ereignisse der Deutschen Geschichte, dann kann darauf es nur die eine Antwort geben: Martin Luther. Durch seine Reformation spaltete sich Deutschland in das Altgläubige und das Evangelische Deutschland, aber durch ihn spaltete sich auch die eine Kirche in die Katholische und die Vielzahl der protestantischen Glaubensgemeinschaften. Der innerchristliche Religionskrieg wurde so fundiert, der dann das 17. Jahrhundert bestimmte. Die Aufarbeitung dieses Religionskrieges unter dem Namen der Aufklärung brachte den Aufgang der Moderne, als entkirchlichtes Christentum bis hin zur Säkularisierung des öffentlichen Lebens. Religion wurde zur Privatsache in der Sphäre des trauten Daheims, während der Mann dann auszog ins "feindliche Leben" um des Broterwerbes willen, in der er zu leben hat, als gebe es da keinen Gott. Diese Abbreviatur der Folgen der Reformation könnten nun- und müßten nun auch noch- ausgemalt und detaillierter beschrieben werden. Darauf soll hier aber bewußt verzichtet werden, weil nun eine ganz andere Frage in den Mittelpunkt der Erwägung gestellt werden: "War Gott denn diese Reformation gleichgültig?" "Kann Gott sie gleichgültig gewesen sein?" 
Gilt das, was die hl. Schrift über Jerobeam aussagt: "Er mache Israel abtrünnig vom Herrn" nicht auch von dem Reformator Luther, der Deutsche und viele andere verführte und wegführte vom wahren Glauben? Und gilt nicht vom Deutschen Volke, was auch vom Staate Israel gesagt wird, daß es in der Sünde Luthers verharrte? Ist nicht der größte Krebsschaden des Katholizismus in Deutschland, daß er mit einem, manchmal gar mit beiden Augen sehnsuchtsvoll zum Deutschen Luthertum hinüberschaut und davon träumt, ihm gleich zu werden und den Katholischen Glauben so endgültig abzuschaffen? 
Kann Gott das wirklich gleichgültig sein? Es klingt sehr gewagt, aber muß man wirklich den Gedanken verabscheuen, daß seit Luther das Deutsche Volk unter dem Zorn Gottes stehen könnte und daß sich daraus unsere Geschichte, wie sie verlaufen ist, ergibt?
Mit der Wiedervereinigung 1989 erlebte dann das Deutsche Volk die Gnade Gottes, daß uns die verlorene  Einheit wiedergeschenkt wurde. Aber jetzt stehen wir vor dem möglichen Untergang unseres Volkes ob der selbstmörderischen Politik, die Deutschland zum Sozialstaat für die ganze Welt machen will. Ist dies ein Zeichen des Zornes Gottes über unser Verharren in der Sünde Luthers? Zürnt Gott uns, weil gerade der Beitrag der Deutschen Katholiken und ihrer Kirche zur Gesamtkirche nur der der Forderung nach der Protestantisierug und Lutheranisierung der Kirche ist? Ist so Luther unser Verhängnis,wie Jerobeam das des Staates Israels war? Wer all dies mit Gewißheit verneint, der möge sich fragen, ob denn Gott wirklich die wahre Religion so gleichgültig ist, daß er einfach nur zusieht, wie sie durch ein falsch gedeutetes Christentum zerstörrt wird?                                    

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