Dienstag, 27. März 2018

Notizen zum Kreuz Christi

In jeder Predigt zum Thema des Kreuzes Christi, oder in der auch nur der Karfreitag gestreift wird, wird das Kreuz in einen Zusammenhang gebracht mit der Liebe. Liebe klingt ja irgendwie immer gut, aber was passiert, wenn über diesen behaupteten Zusammenhang nachgedacht wird?
1. Hat das Kreuz Christi etwas mit der Liebe Gottes zu tuen? Fangen wir ganz einfach an: Da ist der göttliche Vater, der als allmächtig zu glauben ist, denn nicht allmächtig wäre er nicht Gott und der läßt es zu, daß sein göttlicher Sohn von Menschen getötet wird. Spontan wird hier wohl jeder einwenden, daß wenn es dem göttlichen Vater ob seiner Allmacht möglich gewesen ist, seinen Sohn vor diesem Tode zu retten und er es trotzdem unterließ, dies Unterlassen schwerlich als eine Tat der Liebe zu beurteilen ist. 
2.Aber es könnte eingewendet werden, daß das Kreuz nicht ein Akt der Liebe Gottes an seinem Sohne ist, sondern daß da Gott und sein Sohn ihre Liebe zu uns Menschen erwiesen haben. Das klingt dann doch schon recht karfreitagsgemäß, aber was soll sich dabei gedacht werden! Er starb aus Liebe zu uns. Das hört sich recht christlich an- aber was meint denn das? Früher, in den dunklen Zeiten vorkonziliarer Theologie hatte diese Aussage noch einen Sinn. Im Kern: Die Strafe, mit der uns Gott zu strafen hätte um der göttlichen Gerechtigkeit willen, die nahm der Sohn Gottes auf sich, sodaß wir diese göttliche Strafe nicht mehr zu erleiden haben. Unter Gerechtigkeit wird dabei die Ausgewogenheit zwischen der Schwere der Straftat und dem Gewicht der Strafe verstanden. Eine metaphysische Ordnung der Gerechtigkeit liegt dem zu Grunde. Es muß für negative Taten ein Ausgleich geschaffen werden, sie müssen so bestraft werden, daß die Ordnung, durch Straftaten ins Ungleichgewicht geraten wieder ins Gleichgewicht kommt.Das Kreuz ist dabei ein Akt göttlicher Liebe, weil nun der Sohn die uns treffen müssende göttliche Strafe auf sich nahm. So weit eine abbreviaturhafte Skizze zur Verhältnisbestimmung von Kreuz und Liebe in der Lehrtradition der Kirche.
3.Was aber, wenn die der dieser Vorstellung zu grundeliegenden Prämissen nicht  mehr geteilt werden? Wenn also die Rede von Gottes Gericht, Gottes Strafen und Verurteilen als mit der Vorstellung von Gott als Liebe unvereinbar gestrichen werden? Ja, wenn Gott selbst gar nicht mehr als gerecht urteilend gedacht wird, sondern nur noch als liebend?  
Dann liebte Gott alle Menschen vor der Kreuzigung  seines Sohnes genauso wie nach der Kreuzigung, Gottes Verhältnis zu den Menschen kann sich dann durch das Kreuz Christi gar nicht geändert haben, weil es immer nur das des uns Liebens sein kann. Also kann uns das Kreuz Christi auch vor nichts, präziser vor dem Zorn Gottes, vor seinem gerechten Gericht retten, denn dies Wovor gibt es ja gar nicht mehr dank der Modernisierung Gottes, durch die er auf: "Ich habe euch alle nur lieb! reduziert wurde. Wie kann dann noch das Kreuz Christi ein Akt der Liebe  sein? Für unser Heil war das Kreuz überflüssig, denn wenn Gott nur liebend ist,ist das schon allein der hinreichende Grund unserer Rettung. Genau genommen bräuchten wir aber gar keiner Rettung, weil wir immer schon Bejahte Gottes sind. 
Wie sollte auch diese Tötung Jesu Christi etwas mit der göttlichen Liebe zu tuen haben, wenn sie nicht mehr ein Gott dargebrachtes Opfer zu unserer Errettung ist? Für den göttlichen Vater gibt es so auch keinen Grund mehr, das Opfer seines Sohnes zu wollen- er ist ja nicht mehr gerecht und so eine Bestrafung der Sünden der Menschen wollend. Und daß Jesus sterben wollte am Kreuze, wenn dieser Martertod weder für seinen göttlichen Vater noch für die von ihm geliebten Menschen nötig war zum Heile, ist auch nicht mehr vorstellbar.Hätte sich Jesus sagen lassen müssen, daß nur so durch diesen Tod die Menschen zu retten sind (so Anselm von Canterbury), dann kann er ihn aus Liebe zu den Menschen auf sich genommen haben- aber wenn er völlig unnötig ist für das Heil derMenschen, wozu dann aus Liebe diese Tat? Aus Liebe zum Vater sterben ist dann genauso sinnwidrig wie die Vorstellung, daß er für uns aus Liebe sich opferte. 
Es bleibt nur die banale Geschichte eines nur das Gute Predigenden und Wirkenden, der dann von Bösen getötet wurde und der dann von Gott zu einem neuen Leben erweckt wird. Nur, was hat das dann mit Liebe zu tuen, außer daß Jesus einen nur lieben Gott verkündigte, und daß das ein paar Böse nicht hören wollten und daß Jesus dieser Liebesgott so wichtig war, daß er totz der Gefahr ob dieser Verkündigung getötet zu werden, nicht von ihr abließ?
Douglas Adam in dem Vorwort seines Romanes: "Per Anhalter durch die Galaxis" faßt ja das Leben Jesu so zusammen: "nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle,wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären". übersetzt durch Benjamin Schwarz. Kann man nicht umhin, daß in der Regel zu Karfreitag uns auch nichts anderes mehr verkündigt wird?  Nur ein bißchen mit Liebeslyrik umkränzt!  

Merke: Der modernisierte Gott, daß er nur noch Liebe ist, macht das Kreuz Christi zu einer sinnlosen Tat.           

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