Mittwoch, 3. März 2021

"Judentum und Christentum stehen für zwei Weisen der Auslegung der Schrift.“

"Judentum und Christentum stehen für zwei Weisen der Auslegung der Schrift.“


So urteilte der emeritierte Papst Benedikt XVI. (Dezember 2018, „Herder Korrespondenz“. Ergänzend erläuterte er: „Für Christen sind die Verheißungen an Israel die Hoffnung der Kirche. Wer daran festhält, stellt keinesfalls die Grundlagen des jüdisch-christlichen Dialogs infrage." (Kath de 4.2.2020)


Die so zweifach ausgelegte Schrift, damit ist das Alte Testament gemeint. Diese Äußerung erweckt nun den Eindruck, als wären diese beiden differenten Auslegungen des At zwei legitime, der auszulegende Text also polyinterpretabel. Wenn im Rechenunterricht gefragt wird, was die Wurzel aus 9 sei und beide Antworten, dann sind 3 und -3 eben gleichrichtige Antworten. Dagegen gibt es auf die Frage, was ist 7 plus 5 nur eine richtige Antwort, 12 und die Antwort 13 ist deshalb falsch. Gibt es so für das AT zwei verschiedene und doch gleich richtige Antworten, die jüdische und die christliche oder nur eine wahre, die so die andere als falsche diskriminiert?

Wird diese Frage hinsichtlich des „jüdisch- christlichen Dialoges“ respondiert, liegt es nahe, sie als gleichwertige Auslegungen zu qualifizieren. Schon allein das Gebot der Höflichkeit für die Gesprächsform des Dialoges legt dies nahe. Wie unpassend wäre es auch, in einem Dialog zum Dialogpartner zu sagen, daß er Unrecht habe; viel näher liegt es da doch zu meinen, man könne eben in dieser Frage geteilter Meinung sein, letztendlich sei es doch nur eine Geschmacksfrage, welche der beiden Optionen man präferiere.

So ist eben die Grundlage des „jüdisch-christlichen Dialoges“ die Diskursregel, daß jeweils die Religion des Anderen als gleichwahr mit der eigenen anzusehen sei. Papst Benedikts a.D. Formulierung: „Judentum und Christentum“ ist aber sehr ungeschickt, weil zweideutig: Meint hier das Judentum die jüdische Religion, dann wird so jeder Nichtanhänger der jüdischen Religion aus dem Judentum exkommuniziert, aber auch ein atheistischer Jude gehört zum jüdischen Volk. Meint das Judentum aber hier das jüdische Volk, dann nimmt es als solches gar nicht an diesem „jüdisch- christlichen Dialog teil; dafür wäre ein jüdisch-deutscher Dialog zuständig.

Es soll deshalb der „jüdisch-christliche Dialog“ präzisiert verstanden werden als Dialog zwischen der jüdischen und christlichen Religion, als Dialog zwischen der Synagoge und der Kirche.

Ist also die in der Synagoge vorausgesetzte und praktizierte Auslegung des AT gleichwahr mit der Auslegung in der Katholischen Kirche. Papst Benedikt a.D. Sagt dazu Ja. Nach ihm bildet den Emergenzpunkt der beiden differenten Auslegung die Zerstörung des jerusalemischen Tempels. Die Synagoge las nun das AT neu, indem nun das Herzstück der alttestamentlichen Frömmigkeit, der Tempelkult aus dem Zentrum der Frömmigkeit entfernt und stattdessen eine priesterlose Religionspraxis kreiert wurde. Die christliche Religion dagegen sieht in der Eucharistiefeier die Prolongierung des Tempelopferkultes in der Gestaltung des Neuen Bundes.

Aber der Emergenzpunkt der Entstehung der jüdischen Religion war nicht erst die Zerstörung ihres Kultzentrumes sondern das Ereignis Jesus Christus, daß Juden Nein zu ihm als Messias sagten. Dies Nein kreierte die jüdische Religion, die dann nach der Zerstörung ihres Tempels sich eine neue Gestalt gab, ohne den Tempel mit ihrem neuen Zentrum, dem Synagogengottesdienst, den es vorher seit der Exilierung 586 v. Chr. gab, anfänglich aber nur als Ersatz für den jerusalemischen Tempel. Sind also der Snagogengottesdienst und die hl. Messe der Katholischen Kirche zwei gleichwertige Gottesdienste? Das müßte er emeritierte Papst sagen, zöge er die Konsequenz aus seiner These der Gleichwertigkeit der zwei differenten Ausllegungen des AT.

Wie beantwortet nun aber Jesus Christus selbst diese Frage. Im Johannesevangelium finden wir seine eindeutige Antwort. Denn da belehrt er die Juden so: „ Glaubet nicht, daß ich euer Ankläger werde bei dem Vater; es ist einer, der euch anklagt, Moses, auf den ihr eure Hoffnung setzet. Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr wohl auch mir glauben, denn von mir hat er geschrieben.“ (Joh, 5,46f) Es ist also so, daß wer Mose glaubt, der glaubt auch, daß Jesus der Messias ist, der Messias Israels. Wer nicht Jesus als den Messias glaubt, der glaubt auch nicht Moses. Es gibt so nur eine richtige Auslegung des AT, die, daß der Messias, den Mose verkündete, in Jesus zu Israel kam. Wer das AT dagegen so auslegt, daß Jesus nicht der Messias sei, der verkennt Moses, denn der hat von ihm geschrieben. Glauben an Jesus Christus heißt hier also nach Jesu Belehrung, in ihm den von Mose Verkündeten zu recognizieren.

Wie beurteilt nun Jesus selbst den Snagogengottesdienst? Auch hier belehrt uns Jesus eindeutig: „Wer den Sohn nicht ehret,ehret auch den Vater nicht, welcher ihn gesandt hat.“ (Joh 5,23) Hier heißt es nicht, daß in der Synagoge Gott, der Vater geehrt wird und im christlichen Gottesdienst zusätzlich noch der Sohn, so daß entweder der christliche Gottesdienst wahrer ist als der synagogale, weil in ihm nur der Vater geehrt wird noch heißt es, daß es gleichgültig sei, ob zudem noch der Sohn wie der göttliche Vater geehrt wird, es reiche für die wahre Gottesverehrung die des Vaters. Nur wo der Sohn wie der Vater geehrt wird, wird der Vater geehrt. Warum diese Aussage wahr ist, das expliziert die Trinitätslehre. Hier reicht uns diese Belehrung Jesu, daß dort, wo der Sohn nicht wie der göttliche Vater verehrt wird, auch Gott nicht verehrt wird. Damit verurteilt Jesu den Synagogengottesdienst als Nichtgottesdienst. Das ist natürlich eine für den „jüdisch-christlichen Dialog“ inakzeptable Belehrung durch Jesus Christus selber und so widerspricht man christlicher seits dem Sohn Gottes selbst um des Dialoges willen, der eben die uns so offenbarte Wahrheit nicht verträgt.

 

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