Freitag, 5. März 2021

Kurz und bündig: Vom Linkskatholizismus zum linksliberalen

Kurz und bündig: Vom Linkskatholizismus zum linksliberalen


Ein Narrativ dominierte den linkskatholischen Diskurs: die Erzählung der Befreiung des Volkes Israels aus dem ägyptischen Sklavenhaus. Israel war die Exodus (=Auszugs)Gemeinde aus der Unterdrückung und so sollten nun auch linksavantgardische Jesusgemeinden die Aussteigergemeinden aus der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sein bzw werden mit einer Animationsfunktion für die Gesamtgesellschaft. Links war dieser Katholizismus noch im traditionellen Sinne als antibürgerllich und antikapitalistisch. Die marxistisch fundierte Befreiungstheologie reüssierte grade in den theologischen Fakultäten Westeuropas und Amerikas; Kritiker meinten gar, daß sie dort auch auf mehr Zustimmung stießen als in ihren lateinamerikanischen Heimatländern. In den Avantgardgemeinde sollte so schon proleptisch postbürgerliche Formen des Zusammenlebens vorgelebt werden. In diesen Exodusgemeinschaften sollte so die bürgerliche Welt ihre utopische Alternative erkennen können, daß es auch ein besseres Leben als das bürgerliche geben könne.

In dem linksliberalen Diskurs wird dies Verhältnis nun umgekehrt: Die bürgerliche Gesellschaft in ihrer postmodernen Liberalität gilt nun als Vorbild für die Kirche. Nicht mehr sollen Avantgardgemeinden helfen, die bürgerliche Ordnung zu revolutionieren sondern jetzt gilt: Die bürgerliche Ordnung soll helfen, die vormodern organisierte Kirche zu revolutionieren. Die Kirche soll nicht mehr den Ausstieg aus der Gesellschaft propagieren, sondern soll sich eingestehen, hinter der progressiven Entwickelung der Gesellschaft hinterher zu hinken, sodaß sie sich am Vorbild der postmodernen Gesellschaft orientierend zu modernisieren habe. Linksorientiert ist dabei dies Revolutionsprogramm, indem man sich auf die sogenannten progressiven Momente der jetzigen Gesellschaft kapriziert: dem Feminismus, der Ideologie des Multikulturalismus, der Parole der Demokratisierung und der sexuellen Befreiung und die noch lebendigen conservativen Momente ablehnt, wie die Ordnung der Ehe,der Familie und des Volkes.

Dieser Wandel verlief parallel zum Wandel der einstig kommunistischen Parteien nach 1989 zum sogenannten „Kulturmarxismus“ der jetzigen Linken, die aber eher als linksliberal zu qualifizieren wären.

 

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