Samstag, 27. Juni 2015

Lehren, die den Ohren schmeicheln

"Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden." , lesen wir im 2. Timotheusbrief, 4,3f. Kann man daran zweifeln, daß damit unsere Zeit trefflich beschrieben ist, was aber selbstredend nicht ausschließt, daß es dies Phänomen auch zu anderen Zeiten gab! "Gesunde Lehre"-nein, es komme doch auf die persönliche Begegnung mit Jesus an, der ja keine Lehre verkündigte, sondern einfach authentisch die Liebe Gottes lebte- so, oder so ähnlich tönt die spontan sich erhebende Widerrede gegen diese Zumutung des Timotheusbriefes Historisch- kritisch Gebildete fügen dann noch eiligst hinzu, daß dies kein echter Paulusbrief sei- und so bräuchte man ihn auch nicht so ganz ernst nehmen. Das erkenne man schon an dem Unwort "Lehre"- das ist vorkonziliare Theologie! Die Königsdisziplin sei das Erzählen, die narrative Theologie, wie es ja auch Jesus praktizierte.Aber sind wir da nicht schon mitten in den "Fabeleien"? Jesus selbst verstand sich als Lehrer, der seine Schüler lehrte! Aber schon Luther machte daraus Jünger- aus antiintellektualistischem Interesse. Die "gesunde Lehre" , das ist das Glaubensgut der Kirche, das depositum fidei Es ist das Produkt des Begreifens der hl Schrift. "Verstehst du auch, was du liest", wird der äthiopische Kämmerer gefragt und er verlangt dann, belehrt zu werden, damit er begreift, was er da las in der Bibel. 
Warum wird nur die "gesunde Lehre" nicht mehr ertragen? Wenn man die heutige Kirchentheologie sich vor Augen hält, Gott ist die Liebe und hat uns alle lieb!, dann ist das völlig unbegreiflich- es sei denn, daß diese Verkündigung genau die ist, die die neuen Lehrer erfanden, um den Ohren zu schmeicheln. Die gesunde Lehre gleicht einer Medizin, die dem Erkrankten sagt, daß er ernsthaft, lebensgefährlich erkrankt ist, und daß er deshalb diese Medizin, so wie der Arzt es vorgeschrieben hat, einzunehmen hat, denn sonst gesundet er nicht! Wer möchte aber was von seinem Kranksein hören, von akuter Lebensgefahr und der Notwendigkeit, medizinische Vorschriften einzuhalten? Die erste Fabelei, die unseren Ohren  dann so schmeichelt, lautet: Du bist gar nicht krank. Jesus sagt zu jedem: So, wie du bist, bist du in Ordnung und so wirst du von Gott geliebt! Nur die Frommen, die Pharisäer reden andere Menschen als Sünder an- Jesus kennt nur von Gott Geliebte.
Die Lust an "Fabeleien"!  Ja, das und dies kann man doch ...nicht zumuten. Den Feministin nicht den Vater Gott, den Pazifisten nicht den Gott, der mit Israel in den Krieg zieht, den Freunden des interreligiösen Dialoges nicht, daß es nur einen Weg zum Vater gibt, den Vegetarieren nicht, daß Gott zu Petrus sagt: Schlachte und iß...beliebig ergänzbar. So viel Anstößiges in der "gesunden Lehre". Wissen die Fabulierer, daß sie statt der Wahrheit Fabeln erzählen, oder glauben sie selbst an sie? Dostojewskijs Großinquisitor weiß, daß er das Volk belügt- er weiß, daß er ihnen statt der Wahrheit, eine schöne Lüge erzählt. Der Großinquisitor gehört zu der Art von Seelsorgern, die dem Sterbenden sagen, daß sein Kind den Verkehrsunfall gut überstanden hat, obwohl es tot ist, damit der Sterbende unbesorgter sterben kann! Heuer ist aber eher davon auszugehen, daß, weil nun schon so lange, seit dem 2. Vaticanum die Häresie ihr Hausrecht in der universitären Theologie bekommen hat, die Fabelerzähler an ihre eigenen Fabeln glauben. Im Namen des Fortschrittes hat man ihnen beigebracht, daß die "gesunde Lehre" nur eine sehr rückständige, der damaligen  Zeit eingepaßte Lehre war. So habe etwa Jesus selbst noch an Daimonen und den Teufel geglaubt- aber darin war er eben ein Kind seiner Zeit. Für uns ist es dann natürlich eine Selbstverständlichkeit, solch voraufklärerischen Vorstellungen aus der "Lehre" zu entfernen. Gelehrt werden dürfe nur, was gemäß und auf dem Niveau der Aufklärung ist- und darum müssen auch alle Wunder, die in der Bibel berichtet werden, wegexegetisiert werden. Nur, wie kann dann Jesus der Lehrer der Wahrheit sein, wenn er selbst so irrte, darauf bekommt man dann selten eine klare Antwort, es sei denn die, daß eigentlich seine ganze Lehre heuer inakzeptabel sei und nur sein vorbildliches Leben bliebe- daß er die Nächstenliebe praktizierte! Oder wird heuer im Religionsunterricht wirklich noch etwas anderes, Darüberhinausgehendes gelehrt? 
Wenn die Reformation antischolastisch inspiriert, einfach zum Bibelglauben zurückwollte, so wollte die nachkonziliare Theologie die ganze Tradition hinter sich lassend, ab ovo neu anfangen! Ihr wurde die ganze "gesunde Lehre" zu einem Ärgernis. Fabeln ersetzten dann die Lehre, etwa die Fabeln des Feminismus, des Marxismus, der Multikultiideologie usw..
Der Fabelezähler kennt Kirchenmitglieder nur noch als Kunden, denen mundgerecht Theologie zu verkaufen ist. Gefällt sie?,kommt das an?, das werden die selbstkritischen Fragen dieser Fabulierer. So wird erzählt, daß Ksrl Rahner das von einer theologischen Kommission vorbereitete Schemata zur Mariologie auf einer Sitzung des 2. Vaticanums zu Fall gebracht habe durch die Kritik, das könne man so den Evangelischen Christen nicht zumuten, denen würde das so nicht gefallen! 
Wenn Bismarck einst sagte, daß wir Deutschen nur Gott fürchteten, sonst Niemanden, so gilt für die Fabelthologen, daß ihre größte Angst die ist, den Mitmenschen nicht zu gefallen, nur Gott fürchteten sie nicht. Ihremoderne Gotteslehre zensiert Gott so, daß er nicht mehr zu fürchten ist. Die Menschenfurcht trat dann an die Stelle der Gottesfurcht. Ist die Gottesfurcht der Anfang aller Weisheit, so ist die so neu evozierte Menschenfurcht der Anfang aller Fabeleien. Was steht morgen über mich in den Medien, wenn  ich als Bischof das so sage?, das bestimmt wohl die Theologie der Deutschen Bischofskonferenz. 
Ja, wir leben in der Zeit, in der man lieber Fabeln hört, als daß man sich die Wahrheit sagen läßt. Die Konzepte dafür sind bekannt. Aus der offenbarten und offenbaren Wahrheit wird ein Geheimnis, das sich unserem Begreifen und Verstehen entzieht, sodaß die Kirche immer nur auf dem Weg zur Wahrheit sich befindet, sie aber nicht besitzt. Anders gesagt: die absolute Wahrheit ist für uns unerkennbar (obwohl Gott sie uns offenbart hat), sodaß es nur relative  Wahrheiten gibt und irgendwie weiß man schlußendlich nicht, was wahr ist. So wird zum Todfeind der moderistischen Theologie die Vorstellung vom Besitz der gesunden Lehre. Die gesunde Lehre ist uns höchstens als Aufgabe gegeben, aber auf Erden würde die Kirche sie nie erreichen..usw lauten dann die Fabeln, mit denen der Besitz der wahren Lehre verdunkelt wird. Wir sitzen im Dunkeln und wollen weiter im Dunkeln sitzen bleiben, damit jeder so weiterleben kann, wie er will, weil ihn  kein Licht der Wahrheit am Munkeln im Dunkeln weiter stört. Für die FAZ ist es so etwas Positives, daß sich die CDU von der "gesunden Lehre" der Katholischen Kirche trennte, indem sie den Kleriakalismus überwand, um so eine moderne Zeitgeistpartei werden zu können, so in der Laudatio zum 70. Geburtstag der CDU! 
Nein, die "gesunde Lehre" steht wirklich nirgends mehr hoch im Kurs- die Familiensynode dieses Jahres wird zeigen, wie viel Ungeundes und Krankmachendes nun in die Kirche eindringen wird. Die Freude ohrenschmeichlerischer Lehren stehen schon bereit für ihren Kampf gegen die "gesunde Lehre" in Rom gegen Rom.                      

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