Freitag, 27. September 2019

Papst Franziskus und die Mission

Papst Franziskus neuste These: Bekehren wollen ist nicht christlich. Zumindest gibt der ORF den Papst so wieder:
  ’Doch wie sollte Kommunikation sein?‘, sagte er noch. ‚Etwas, das Ihr nicht tun dürft, ist werben, reines Werben. Ihr dürft nicht handeln wie die menschliche Wirtschaft, die versucht, mehr Menschen anzuziehen … Um einen technischen Ausdruck zu verwenden: Ihr dürft nicht bekehren. Es ist nicht christlich, zu bekehren‘.“ Kath info titelete (25.9.2019):„Es ist nicht christlich, zu bekehren“? – Der Papst, der ORF und der Qualitätsjournalismus
Denn der ORF habe dies Votum des Papstes-wohl absichtlich verfälschend wiedergegeben. Tatsächlich sagte er: „Aber wie soll Kommunikation sein? Eines der Dinge, die ihr nicht tun dürft, ist Werbung, nur Werbung. Ihr dürft nicht tun, was menschliche Unternehmen tun, die versuchen, mehr Leute zu haben… In einem technischen Wort: Ihr dürft nicht Proselytismus machen. Ich möchte, daß unsere Kommunikation christlich ist und nicht ein Faktor des Proselytismus. Es ist nicht christlich, Proselytismus zu machen. 
Also, der Terminus des Proselytismus gab der ORF mit dem Verb: bekehren wieder.Spontan ist man wohl geneigt, daß als Versuch zu werten, den den Heutigen kaum noch vertrauten Begriff des Proselytismus mit einer allgemein verständlicheren Formulierung wiederzugeben. Daß diese "Übersetzung" dann darüber hinaus auch antikatholisch motiviert war: Wie schön, daß der Papst aufhören will mit der kirchlichen Praxis der Mission und der Umkehrpredigten!, ist gut vorstellbar, ist aber keine zwingende Annahme. 
Was stellt der Papst denn nun positiv dem Begriff des Proselytismus gegenüber, ist zu fragen, denn die Bedeutung eines Terminuses ergibt sich in der Regel aus seinem Oppositionsbegriff.(So bedeutet der Begriff "Tag" in der Aussage: "Tag und Nacht" etwas anderes, als wenn gesagt wird: In drei Tagen!) Der Papst sagt: "Und unsere Kommunikation muß Zeugnis sein." Seinen Glauben bezugen gehört nun zum Ritual des interreligiösen Dialogisierens: Ich bekenne meinen Glauben und Du den deinigen, damit wir uns so kennen lernen! Die Intention des Bekennens ist nicht die, den Anderen von der Wahrheit des bekannten Glaubens überzeugen zu wollen, sondern ihm den meinigen Glauben bekannt zu machen, ihn eben nicht zu verbergen, sondern ihn zu bekennen.
Wird nun unter dem Bekehren -zu recht- verstanden, den Anderen von der Wahrheit des Glaubens des Bekehrers zu überzeugen, dann wird der Unterschied deutlich: Es soll bezeugt aber nicht überzeugt werden.
Faktisch hat die Katholische Kirche jegliche Mission nach dem 2.Vaticanum  aufgegeben, indem sie durch reine Diakonie ersetzt worden ist. Den Grundstein dazu legte das 2.Vaticanum mit seiner Erklärung zu den Religionen, daß jeder in jeder Religion das Heil erlangen kann, wenn er nur das ihm Mögliche an Gutem in dieser Religion vollbringe, ja für den Atheisten reiche es gar, nur seinem Gewissen zu folgen. So betet die Kirche in den großen Karfreitagsbitten nicht mehr um die Bekehrung und Hinführung zum wahren Katholischen Glauben, sondern daß jeder in seiner Religion das ihm Mögliche am Guten vollbringe. Also: Keine Bekehrung mehr, keine Mission mehr.
So spricht Papst Franziskus mit diesem Votum doch nur aus, was nun schon längst die selbstverständliche Praxis der Kirche geworden ist: ihr Verzicht auf die Bekehrung.
Stattdessen fordert der progressive Flügel der Kirche, daß die Kirche sich von der Welt zu bekehren habe, indem sie sich der Welt anzuähneln habe. Der Kampf gegen den Zölibat, der Wille zur Einführung des Frauenpriestertumes und die Verliberalisierung der Sexualmorallehre der Kirche manifestieren diesen postmodernen Bekehrungswillen der Kirche, die durch ihre Verweltlichung genesen will. Protegiert Papst Franziskus nicht mit seiner Amazonassynode diese Umkehr der Kirche als Aufruf zu ihrer Verweltlichung? 

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