Sonntag, 1. September 2019

Die nachkozilliare Kirche- eine der Ängstlichkeit?

Als auf dem 2. vaticanischen Konzil die Debatte um die Vorbereitungspapiere zur Mariologie soll Karl Rahner den wichtigsten Beitrag abgeliefert haben. Das ist nun schon deshalb sehr befremdlich, unterlag er vordem doch einer Vorzensur: Er mußte alles, was er zur Mariologie zu publizieren gedachte, zur Kontrolle vorlegen, da er unter dem Verdacht stand, in der Mariologie Heterodoxes zu vertreten. Aber nun redete er auf dem Konzil als Berater: Das Schema zur Mariologie, von einer Vorbereitungsgruppe für dies Konzil erarbeitet, können wir den Protestanten nicht zumuten. Sie müßten daran Anstoß nehmen.
Das signalisiert aufs trefflichste den Wandel der Kirche: Aus der ecclesia militans -der kämpfenden Kirche- wurde eine der Ängstlichkeit. In metaphysisch gestimmten Zeiten frug sie nach der Wahrheit, was ist zu lehren?, jetzt fängt sie an zu fragen: Was dürfen wir nicht mehr sagen, damit wir uns nicht unbeliebt machen bei....? 
Es soll auch den Wunsch auf dem 2. Vaticanum gegeben haben, eine kritische Stellungnahme zum Kommunismus und dem Atheismus abzugeben, stellten diese doch zur Zeit des Konziles eine reale Gefahr für die Kirche dar. Aber die gastweise Vertretenden der Russisch-Orthodoxen Kirche erklärten, daß, wenn es so eine Erklärung geben würde, die sowjetische Staatsführung der Russischen Kirche den weiteren Dialog mit Rom verbieten würde. So kam dann keine solche Erklärung zustande, aus Ängstlichkeit den Kommunisten gegenüber.Wir dürfen es uns nicht mit so Mächtigen verderben.
Drängt sich da nicht der Verdacht auf, daß auch vieles andere des Konziles sich dieser neuen Ängstlichkeit verschuldet: Dürfen wir noch etwas sagen, was der moderne Mensch nicht hören will, ja, ihm anstößig sein könnte? 
Die nachkonziliare Entwickelung bestätigt leider diesen Verdacht: Die Judenmission wurde eingestellt, obgleich Jesus Christus fast nur Juden missionierte, aus Ängstlichkeit der Synagoge gegenüber, die Mission unter Muslimen ebenso angesichts der Vitalität des Islam. Die Morallehre der Kirche muß nun geändert werden, isb in der Causa der Beurteilung der Homosexualität angesichts der Macht der Homosexlobby und ob der Feministin soll nun gar, geht es nach den "Reformern", das Frauenpriestertum erfunden werden (alle Religionsgemeinschaften, die Pfarrerin haben, schufen erst das Meßopfer und somit das Priesterum ab, um dann erst Frauen Pfarrer werden zu lassen!)
Nun könnte es ja eine legitime Ängstlichkeit geben? Warum sollte eine junge Frau zur nächtlichen Stunde allein joggen? Niemand würde ihr eine unangemessene Furchtsamkeit vorwerfen, verzichtete sie darauf. Aber die Kirche Jesu Christi, die darf sich ob ihres Herrn, auf den sie vertraut, nicht so sehr ängstigen, daß sie anfängt, die Wahrheit zu meiden, um der Welt und ihren Mächtigen nur noch Wohlgefälliges zu sagen. Aber das ist der Weg der Kirche, angehoben mit dem 2.Vaticanum: Wir dürfen doch nicht etwas über Maria sagen, was die Protestanten nicht hören mögen!
"Beleidigt sein ist die neue Wahrheit" titelte es auf Kath net am 30.8. 2019.  Ja, heutzutage braucht nur eine einflußreich mächtige Gruppe der Welt zu erklären, daß sie sich durch irgendetwas der Kirche diskriminiert, heruntergesetzt oder beleidigt fühle, und schon erschallt der Ruf: Das müssen wir ändern, denn die Kirche darf auf keinen Fall etwas sagen, was Mächtige als diskriminierend empfinden.

Corollarium 1
Woher kam diese neue Ängstlichkeit der Kirche? A) Das Ende des Thron- und Altarbundes, das Ende der Konstantinischen Epoche. Die Kirche fand sich wie eine Witwe vor, verlassen von dem sie einst schützenden Staat und B) durch den Verlust in das Vertrauen des vernünftigen Denkens, die christliche Religion als die wahre zu qualifizieren und die Katholische Kirche als die einzig wahre. Dieser Krise ging so die Krise der Philosophie voraus: Ist sie noch wahrheitsfähig?      

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