Freitag, 11. Oktober 2019

Der umkämpfte Jesus-soll er nicht mehr Sohn Gottes sein?

Nun rätselt die Welt: Ist Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes oder nicht nach der Meinung des heutigen Papstes? Zumindest ist es diesem jesuitischen Papst zuzutrauen,daß er nicht an daran glaubt, daß Jesus nicht nur wahrer Mensch sondern auch wahrer Gott ist. 
Bezüglich der Christologie fällt ja in den heutigen Predigten eine Tendenz auf: In Jesus begegne uns die göttliche Liebe, in der Begegnung mit ihm erfahren wir Gottes Liebe zu uns, unser Angenommensein durch Gott. In unendlichen Variationen wird so immer das Selbe ausgesagt.
Die traditionelle Christologie geht von dem Subjekt Jesus Christus aus,das als eine Person in zwei Naturen bestimmt wird, daß er wahrer Gott und wahrer Mensch ist, und daß diese Qualität seines Subjektseins sein Tuen und Lassen bestimmt, seine möglichen Prädikate. Der scholastische Grundsatz lautet ja: Das Sein geht dem Tuen voraus, oder anders gesagt, daß Subjekt bestimmt die von ihm möglich aussagbaren Prädikate. Sein Tuen ist menschlich,weil er menschlich ist und sein Tuen ist göttlich, weil er göttlich ist. 
Das heutige in Predigten applizierte Schema unterscheidet sich davon grundlegend: In seinem Tuen, wie er sich seinen Mitmenschen zuwendet, ist das Göttliche präsent. Das impliziert aber nicht, daß er selbst als Subjekt göttlicher Natur ist. Das Göttliche kann eben nur im Prädikat gegenwärtig sein. Zur Veranschaulichung: Wenn gepredigt wird: In der mütterlichen Liebe erfährt das Kind Gottes Liebe zu ihm, sein vorbehaltloses Angenommensein, dann sagt das nicht, daß die  Mutter göttlich ist als Voraussetzung dafür, daß in der mütterlichen Liebe Gottes Liebe zum Kinde erfahrbar wird. Nein, nur in dem Tuen ist das Göttliche. Anders gesagt: Die Mutter liebt ihr Kind wie Gott es liebt; nur darum ist in der mütterlichen Liebe Gottes Liebe präsent. Und so sagt die Aussage, in Jesu Liebe erfahren wir Gottes Liebe  zu uns, auch nichts anderes als daß wie Jesus zu uns Ja! sagt auch Gott zu uns Ja! sagt. Das Sein des Subjektes verschwindet so ganz in den Prädikaten: Ich bin mein Tuen und sonst nichts. So kann sich die zeitgenössische Predigt ganz der ungeliebten ach so dogmatisch komplizierten Christologie entledigen mit der schön klingenden Phrase, daß allein die Liebe zähle.

In der heutigen Bibelwissenschaft ist durch die faktische Monopolstellung der historisch-kritischen Methode sowieso schon festgelegt, daß Jesus nur ein Mensch war, den die Urgemeinden nachösterlich vergöttlichten. So ist die Frage, was ist ein echtes Jesuswort, was ist eine Handlung, die Jesus wirklich getan hat und was sind in Differenz dazu ihm nachösterlich zugeschriebene Worte und Taten, relativ einfach zu respondieren. Alles, was die Möglichkeiten eines Menschen übersteigt, ist ein Produkt nachösterlicher Kreativität der Urgemeinden. Jesus hat so kein einziges Wunder gewirkt, außer es ist weltimmanent erklärbar und er kann nichts prophetisch vorausgesagt haben, weil ein Wissen um zukünftige Ereignisse er als Mensch nicht haben kann- es sei denn, daß er mit der Möglichkeit seiner Tötung rechnen mußte angesichts des Hasses seiner Feinde, so wie etwa der AfD-Politiker Björn Höcke auch mit seiner Ermordung rechnen muß ob seiner politischen Feinde und dazu eben keinerlei übernatürliche Begabung notwendig ist. 

In dem Zukunftsroman Perry Rhodan 2643 findet sich diese bedenkenswerte Aussage über die Lage der Religion, daß sich die großen Glaubensrichtungen zur Neo-Ökumene zusammengeschlossen haben werden: die Protestanten, Katholiken, Orthodoxe, und auch die Gläubigen des Islams und des Judentumes. "Sie alle vertreten die Botschaft des EINEN Gottes und seiner Avatare (ein Sammelbegriff für alle Religionstifter wie Moses, Jesus und Mohammed." Es ist offensichtlich, daß eine solche Neo-Ökumene nur möglich ist, wenn alle christlichen Confessionen auf das Bekenntnis zu Jesus als dem wahren Gott verzichten, daß eben auch er nur wie Mohammed und Mose ein Mensch war und ist. 

Ist nicht diese für die Zukunft hier angesagte Neo-Ökumene das Ziel der heutigen interreligiösen Dialoge? Wäre es da nicht einsichtig, daß gerade der heutige Papst es ausprobiert, auf wie viel Widerstand die Absage an das wahre Gottsein Jesu stößt. Damit die christliche Religion in einer globalisierten Welt noch als eine Religion anerkannt wird, weil sie nicht durch überzogene Wahrheitsansprüche den Weltfrieden gefährdet, muß sie eben christologisch abrüsten - so wurde das im christlich-jüdischen Dialog formuliert, daß Jesus nicht der Sohn Gottes und nicht der Messias der Juden sei und daß kein Jude um seines Heiles willen an Jesus Christus zu glauben habe. Und das ist ja schon der Kerngedanke dieser Zukunftsökumene, von der wir vielleicht gar nicht mehr weit entfernt sind. Jesus Christus als die Wahrheit paßt eben nicht in unsere postmoderne Welt, es paßt in unsere Welt eben nur der Mensch Jesus, der im Namen Gottes zur Humanität aufruft.   

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