Samstag, 7. November 2015

Totaler Relativismus in der Kunst? Ein Beitrag dazu

Jeder weiß, daß  Karl May, Hedwig Courths Mahler, die Groschenromane zur Trivial- oder noch abfälliger zur Schundliteratur gehören, Thomas Mann, Ernst Jünger und Goethe und Schiller sowieso zur Hochliteratur. Aber welch eine Enttäuschung, frägt man einen Studenten der Germanistik nach der wissenschaftlichen Begründung dieses Werturteiles! Eigentlich sei das alles nur eine Frage des Geschmackes! Oder es gehört eben zum guten Ton, die Gattung der Liebes- und Abenteuerromane gering zu schätzen und stattdessen die Klassiker zu lesen, oder zumindest zu sagen, daß man sie schätzt.
Preisfrage: "Aber alle Menschen können nicht glücklich werden. So wollen wir uns mit dem begnügen, was uns das Schicksal geben will." Ist das ein Zitat aus einem literarischen Werk, das der Trivialliteratur oder der gehobenen Literatur zugerechnet wird? Kann man das an Hand dieses Zitates erkennen, oder müßte das ganze Werk gelesen werden, damit das Zitat bewertet werden kann? Als kleine kritische  Anmerkung zu Roland Barthes Essay: Der Tod des Autors: am Rande dieses Zitates steht bei mir: Fontane! Also, das ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller und wer bewunderte nicht seine "Effie Briest" oder seinen "Stechlin"! Also, ist dieser Ausspruch im Geiste des ironisch-resignierten Alterswerkes dieses Künstlers zu deuten, als lebenserfahrener Realismus! Der Autor sagt mir, wie ich den Text zu deuten habe. Nicht geht es um eine Autorenintention, die nun als hinter dem Text sich befindend zu erforschen, sondern die Qualität des Autoren sagt mir, was für eine Qualität der Text hat. Das ist so, als urteilte ich, daß ich, um zu wissen, ob die Früchte eines Baumes gute oder schlechte sind, es nicht möglich sei, das an den Früchten zu erkennen, sondern ich müßte die Qualität des Baumes kennen, um von daher die Qualität seiner Früchte erkennen zu können! Gute Bäume bringen gute, und schkechte Bäume bringen schlechte Früchte hervor, so der scholastische Grundsatz, daß das Sein dem Tuen vorausgeht, und daß die Qualität des Seins die Qualität des Getanen bestimmt.  
Wie ist also dieser Ausspruch als einer von Fontane zu deuten? Offenkundig ist er vieldeutig und gerade so gehaltvoll- er läßt sich nicht einfach auf den Begriff bringen im Sinne von: genau das wollte der Schriftsteller damit sagen! Schon allein der Begriff des Schicksales, was für ein Meer an Assoziationen setzt er frei, zumal, wenn er in diesem Kontext verbunden wird mit der Aussage, daß nicht alle Menschen glücklich werden können,- daß also das Schicksal das verantwortet.
Aber jetzt habe ich den Leser doch etwas arg hinters Licht geführt, denn in Wirklichkeit steht unter dem Zitat der Autorenname Hedwig Courths Mahler! Also ist das jetzt ein trivialer Ausspruch, über dessen Inhalt, dem der Schicksalsergebenheit man sich zu mokieren hat- und aus feministischer Sicht darf man dann noch hinzufügen, daß dies eine typisch patriachalistische Sicht der Frau ist, deren Lebensbestimung es nun mal sei, das Leben so hinzunehmen, wie Frau es in dieser Männerwelt erleidet! Nur, welche Deutung wird denn nun diesem Zitat wirklich gerecht? Könnte es nicht sein, daß geurteilt werden muß, daß auch diese kleine Textpassage sich von seiner Autorin soweit emanzipiert, daß man den Text unter Absehung der Autoren als autonomes Kunstwerk zu betrachten hätte? So Roland Barthes in seinem Essay (jetzt leicht zugänglich in: Texte zur Theorie der Autorschaft Reclam, 2000) Können wir einen Text so lesen, daß wir aus ihm heraus die Qualität erkennen können?
Angeblich soll in einer Seminarsitzung im Fachbereich evangelischer Theologie ein Text an drei selbstständig tagende Arbeitsgruppen ausgeteilt worden sein mit dem Arbeitsauftrag einer kritischen Analyse des Textes. Die Studenten waren alle mehr oder weniger links eingestellt, wie es zu dem Zeitpunkt des Experiments üblich war. Der ersten Gruppe sagte der Dozent, der Text stamme von einem als evngelical-konservativ Verschrienen, der zweiten, daß er von einem bekannten  Liberalen stamme und der dritten Gruppe, daß er von einem links-progressiven Autoren stamme! Wen wundert das Ergebnis, daß die erste Gruppe den Text einfach nur als  reaktionär und frauenfeindlich abqualifizierte, die zweite als liberales Geschwätz und die dritte Gruppe als echt vorwärtsweisend? Ich weiß nicht, ob dies Experiment wirklich so stattgefunden hat, mir ist es nur so erzählt worden- aber ich zweifele nicht daran, daß, führte man es so aus, es dies Ergebnis zeitigen würde! Der Autor qualifiziert für den Leser die Qualität des Textes- kennt er den nicht, wie soll er dann den Text noch bewerten können? Nur, was hat das noch mit Wissenschaft zu tun? Wir verfügen als kulturell Gebildete über Schubladen, in der Autoren nach ihrer Qualität und Zitierfähigkeit abgestuft eingeordnet sind. Halten wir uns an sie, liegen wir im Kulturleben richtig. Aber begründen kann man dieses Werturteil nicht mehr! Man suche einmal in einer so großen Ästhetik wie der Adornos oder der von Georg Lukacs nach einer Kriteriologie für ein Werturteil im Raume der Ästhetik! 
Die Ästhetik als Lehre vom Schönen kann nicht mehr begründet sagen, was warum als schön zu gelten hat und warum überhaupt das Schöne zu erstreben sei!  Für die postmoderne Kultur scheint es nur noch einen Wert eines künstlerischen Werkes zu geben, nämlich den seiner Verkaufbarkeit! Es ist so alles eben nur noch relativ und subjektivtisch beliebig geworden.  

Wenn es das Anliegen Barthes ist, dem Text eine Autonomie dem Autoren gegenüber zu verschaffen, damit der Text wahrgenommen wird, anstatt daß nach einer Wahrheit hinter dem Text gesucht wird, der der der Autorenintention sein soll, so ist der postmoderne Gebrauch des Autorennamen der, die Qualität des Textes zu bezeichnen; merke: ein Beuys Kunstwerk ist ein Kunstwerk, weil da und nur weil da sein Name drunter steht!
    

Freitag, 6. November 2015

Entmündigungsstrategien

"Weil ich das Buch sah, kaufte ich es mir!", das ist eine einfache, leicht verständliche Aussage, aber was soll man dann von dieser Umformung dieses Satzes halten: "Weil ich das Buch sah, mußte ich es mir kaufen? Im ersten Satz verstehen wir das Buchgesehenhaben als den Grund meines Kaufens dieses Buches an, und sagen damit implizit, daß eine menschlich e Handlung nicht kausal begründet ist, denn das gesehene Buch ist nicht die Ursache dafür, daß ich es mir kaufte, sondern der Anblick des Buches motivierte mich, es zu kaufen. Ich hätte auch den Anfangssatz: "Weil ich das Buch sah", so fortsetzen können," überlegte ich, ob ich es mir kaufen wollte, entschied mich aber dagegen." Motivierungen zwingen mich nicht dazu, ihnen folgend so zu handeln- ich kann auch angesichts des gesehenen Buches Nein zum Erwerb sagen. Warum aber erfolgt dann diese eigentümliche Umformung zu dem Satz: "mußte ich es kaufen."? Durch dies eingeschobene "mußte" will ich meine Eigenverantwortlichkeit meiner Entscheidung zum Kauf eskamotieren: ich bin für diese Kaufentscheidung nicht verantwortlich, denn das Buch zwang sie mir auf. 
Das mag jetzt als Sophisterei erscheinen, erhält aber sofort eine Relevanz, wenn man an diese Verteidigungsstrategie eines der Vergewaltigung Angeklagten vor Gericht sich erinnert (die heuer aber wohl nicht mehr akzeptiert wird, außer eventuell als Ausnahme bei Männern mit Migrationshintergrund-  "Die Frau trug einen Minirock und da erblickte ich so schöne Beine, da konnte ich nicht widerstehen..." Hier ist zur Exculpation unüberhörbar: der Täter war gar kein Täter sondern ein Opfer dessen, was er sah. Wie der Anblick eines Buches den Seher zwanghaft zum Käufer mache, so der Anblick schöner Frauenbeine den Mann zwanghaft zum Vergewaltiger.Der Täter entmündigt sich selbst, um nicht mehr Täter sondern Opfer zu sein.
Gerade hier wird der freie Wille zum Verschwinden gebracht, denn der ist das Vermögen, das gesehene Buch zum Grund meines Kaufens dieses Buches zu erwählen, wie den Anblick einer schönen Frau zum Grund ihrer Vergewaltigung zu wählen. Dies Verschwindenlassen des freien Willens reduziert nun mein Verhalten angesichts dessen, was ich sah, zu einer mechanischen Reaktion auf das Gesehene: weil ich das sah, mußte ich so handeln.
Diese plumpe Umformungsstrategie wird nun mit steigender Begeisterung von Suiziderforschern in extenso betrieben. Aus dem Urteil: "Weil er verzweifelt war, tötete er sich selbst" machen sie: "Weil er verzweifelt war, mußte er sich töten."Damit wollen sie beweisen, daß ein Selbstötungsakt niemals freiwillig vollzogen wird, und daß so der Täter nie ein Täter ist, sondern eher ein Opfer, daß durch ihn bezwingende Gründe in diese Tat hineingetrieben wurde! Aus der schlichten Tatsache, daß jeder Handlung ein oder mehr Gründe zu Grunde liegen, warum sie ausgeübt wird, wird eine Determination durch die Gründe. Aber die Gründe determinieren nicht den Willen, sondern der Wille erwählt sie zu Gründen seines Handelns. Zur Veranschaulichung: ich nehme wahr, daß ich durstig bin. Ich beschließe jetzt, daß ich den Durst als Grund dafür nehme, eine Limonade zu trinken. Ich könnte aber auch mich dazu entscheiden, den angefangenen Artikel weiter zu schreiben und nicht zu trinken, obwohl ich einen Durst verspüre.  
Warum begeistern sich denn nun gerade Moraltheologen und sonstige an der Debatte um eine Elaubtheit einer Beihilfe zum Freitod Beteiligter für diese Umformpraxis, aus dem Motiv einer menschlichen Handlung einen sie determinierenden Grund zu machen? Ganz einfach: jetzt kann geurteilt werden, daß der, der eine Beihilfe zum Freitod sich wünscht, denn gar nicht freiwillig will und daß er eigentlich etwas ganz anderes wolle. Er sage zwar, er wolle nicht mehr leben, aber in Wirklichkeit wolle er Liebe und Zuwendung. Das wüsse zwar leider der Patient nicht, denn die Gründe, warum er seinen Tod will, bestimmten ihn so sehr, daß er nicht mehr wüsse, was er eigentlich wolle, aber der Analytiker wüsse das eben besser als der Patient! Wenn man nun den seinen Tod Wünschenden gegen dessen Willen zu einem Weiterleben zwingt, dann zwingt man ihn eigentlich nur zu dem, was er wahrhaft auch nur will, nur daß das eben der Patient nicht weiß. Und darum muß man ihn entmündigen, damit er zu dem dann gezwungen werden darf, was er eigentlich auch nur wolle. 
Jede menschliche Handlung findet in Rum und Zeit statt und könnte so als durch den Raum und die Zeit bestimmtes Handeln angesehen werden. Aber auch hier wird aus dem schlichten "in" ein den Handlungsträger determinierendes "In"! 
Das 4. Makkabäerbuch reflektiert schon auf hohem Niveau, aber auch erzählerisch darstellend, daß der Mensch der Herr in seinem eigenen Hause ist. Denn die Vernunft kann unsere Leidenschaften und Begierden kontrollieren! Er entscheidet, ob wir sie zu Gründen unseres Handelns erküren oder auch nicht. Gerade am beispiel der Märtyrer exemplifiziert dieser Text das: selbst den Überlebenswillen kann die Vernunft hintenanstellen, wenn sie um des höheren Gutes des ewigen Lebens willen den Tod in Kauf nehmen kann! Selbst angesichts der Drohung, opfere dem Götzen oder du wirst getötet, kann der freie Wille sich gegen den Lebenstrieb zum Sichtötenlassen entscheiden, um nicht das ewige Leben zu verlieren. Aber der Wille kann auch wider die Vernunft um des endlichen Lebens willen auf das ewige verzichten und dem Götzen opfern. Das macht gerade die Kraft des freien Willens aus.
So ist der Mensch im Guten wie im Bösen für ein Tuen selbst verantwortlich gerade ob seines freien Willens- unter dem sei zu verstehen, daß die Aussage, ich wollte dies ergänzbar ist durch die Aussage, aber ich hätte dies auch nicht wollen können. Der Konjunktiv ist dabei der Grund der Freiheit, daß ich zu jeder indikativischen Aussage, ich tat das auch die konjunktivische, ich hätte das auch nicht tuen können, bilden kann. Genau diesen Konjunktiv will man nun in den Entmündigungsstrategien eskamotieren. Jetzt soll gelten, daß weil Menschen sich in ihren freien Entscheidungen durch die Umwelt beeinflussen lsssen, daß sie notwendigerweise durch sie beeinflußt werden, sodaß sie nicht freiwillig etwas wollen. So entsteht die Paradoxie, daß wenn der staatliche Gesetzgeber den Freitod und eine Beihilfe zum Freitod erlaubt, es keinen Freitod mehr gibt, weil dann die Menschen durch ihre Umwelt so beeinflußt werden, daß sie von außen determiniert unfreiwillig den Tod wollen. Damit der Mensch also wieder freiwillig wollen kann , muß man ihm das Recht, seinen Tod freiwillig zu wollen, absprechen. So wäre der Mensch erst frei. 
Diese Paradoxie synthetisiert sich dabei mit einer verdünnten Anthropologie rousseauischen Stiles: daß der Mensch von Natur aus nur das Gute will und wenn er dann doch nicht das Gute will, nicht er es ist, der das Nichtgute will, sondern eine Krankheit oder Fehlsteuerung von Au0en ihn zu so widernatürlichem Verhalten verleitet. Nie will also der Mensch freiwillig das Böse (und das gilt dann auch für den an sich bösen Freitod), sondern er will es nur scheinbar, weil er es immer nur unfreiwillig will.  Und so nimmt man dem Täter die Würde einer Tat, indem man sie ihm abspricht indem man ihn entmündigt. Nicht er, sondern sein soziale Milieu wäre halt schuld an seiner Tat, die genau genommen gar nicht seine ist, sondern das Milieu handelt durch ihn. All das sind Folgen dieser oben benannten so leichtfertigen Umdeutung der Aussage: "Weil ich X...tat ich Y im Sinne eines Determinismus, daß X  Y erzwingt!  Die christliche Anthrolpologie geht dagegen ganz im Geiste des 4. Makkabäerbuches von dem freien Willen des Menschen aus, daß er sich selbst kontingent zu ihn bestimmen  Wollendes verhalten kann!

Donnerstag, 5. November 2015

Über den humanitären Untergang der Religion

"Die Religion wurde, vor allem in den letzten Jahrzehnten, immer ausschließlicher bloß humanitär, und die Säkularisation neuen Stiles verläuft heute nicht mehr über die Verführungen der Weltlichkeit und Macht, sondern über die Moral und das Soziale.", schrieb A. Gehlen in seinem großen Essay: Moral und Hypermoral, 1.Auflage 1969, hier nach der 4. 1981, S. 129 zitiert."die Theologie wird zu einer simplen Ethik in erhabener Verkleidung" ( S. 131) und ergänzend: "Von den alten Chiffren wie Unsterblichkeit, Prädestination, Gnade, Erlösung und Sünde hört man wenig, um so mehr von Schuld, meist der Anderen, ein Politikum, in das vor allem die EKD [...]freudig eingetreten ist. " (S.133) Was hier Gehlen von der EKD sagt, hätte er von der Katholischen Kirche Deutschlands auch sagen können, aber mit der Einschränkung, daß es neuerdings geradezu eine Mode geworden ist, sich bei allen möglichen und unmöglichen für das Verhalten der Kirche ihnen gegenüber zu entschuldigen.
(Preisfrage: wann wird sich endlich der Vatican für die Missionierung Germaniens entschuldigen als Akt einer unverzeihlichen Intoleranz der ehrwürdigen germanischen Religion gegenüber?) Erinnern wir uns der großen Erzählung, die das Fundament der christlichen Religion ausmacht: daß Gott die Welt schuf, den Menschen in das Paradies setzte, und er dann durch seine Schuld seine Heimat verlor und als Exilierter auf Erden lebte und wie Gott dann uns Menschen erlöste durch Jesus Christus und auf Erden die Kirche einsetzte, damit durch sie der Mensch den Weg zurück in seine Heimat finde, bis daß das Gott sein ewiges Reich auch auf Erden errichten wird. In diese große Erzählungen schreiben sich dann die Traktate über Sünde, Gnade, die Sakramente, die Lehre vom Menschen, also der ganze Reichtum der Dogmatik und der Morallehre (wie soll der Mensch leben, damit er eingehen kann in das Reich Gottes, ein und das ergibt dann die christliche Weltanschauung und die Praxis der Religion. Es bedarf keiner großen empirischen Untersuchungen, um festzustellen, daß von all dem heuer in der Katholischen Kirche - ganz zu schweigen vom Protestantismus- fast nichts mehr zu hören ist. Die Religion ist durch einen seichten Humanitarismus ersetzt worden. 
Gehlen selbst unterscheidet dabei im Sinne eine einer "pluralistischen Ethik" drei Konzepte der Ethik, das "Ethos der Gegenseitigkeit", das "Ethos der Großfamilie" und das "Ethos der Institutionen" isb. des Staates. Gehlen will damit zum Ausdruck bringen, daß jede dieser drei Ethiken jeweils ein limitierter Geltungsbereich zuzuschreiben ist, und daß die Perversion der Hypermoral, formal gesehen in der Verabsolutierung einer dieser drei Ethiken besteht, daß sie zur einzigen avancieren will. Dem "Ethos der Gegenseitigkeit", das seinen Sitz im Leben der Ökonomie hat als Tausch und Handel, ordnet er der Tendenz nach den Eudaimonismus zu, dem Ethos der Großfamilie, das selbstredend seinen Geltungsbereich im Leben der Familie hat die Tendenz zum Humanitarismus zu. Allerdings verschwimmen dann in den Ausführungen die Grenzen von Eudaimonismus und Humanitarismus, insofern ersterer der Glaube daran ist, daß jeder Mensch ein Recht auf ein glückliches Leben auf Erden habe und das sich vor allem im Konsum von Gütern realisiere und wenn der Humanitarismus der Glaube ist, daß die Menschheit eine einzige Familie bildet, in der dann alles gemäß dem Ideal des inneren Familienlebens zu gestalten ist: die Verbrüderung bzw. politisch korrekter die Vergeschwisterung der Welt. Die Kirche habe sich so von ihrer eigenen Religion emanzipiert, und verkünde nun eigentlich in ihrem Humnitarismus, daß die Welt am Wesen der Familie, seinem Ethos zu genesen habe, wobei dann aber auch eudaimonistische Motive aufgenommen werden, so eben nicht nur in der Diakonie der Kirche. Es sei an den Ökumenischen Rat der Kirchen erinnert, der ja für seine "Weltbeglückungskonzepte" berühmt wurde. Also nicht nur, daß die Kirche ihr Eigenes aufgab und aufgibt, konstatiert dieser brillanter Gegenwartsanalytiker, sondern auch, daß die Kirche durch ihr als einzig legitim geltendes "Ethos der Großfamilie" dysfunktional für das Leben sich auswirkt, indem so das "Ethos des Staates", aber auch das "Ethos der Ökonomie" in Frage gestellt werden, die aber wie auch das Familienethos für das  Gesamtleben unbedingt vonnöten sind. 
Die Auflösung des Ethos des Staates durch die Propagierung eines Familienethos kann mustergültig in den Erklärungen von Kirchenvertretern zur Problematik der Asylantenflut veranschaulicht werden. Es wird so getan, als wenn die ganze Menschheit eine einzige Familie sei und nun der Deutsche Staat moralisch verantwortlich für das Wohlergehen all dieser Familienmitglieder sei, sodaß er jeden Wirtschaftsflüchtling aufzunehmen habe, wie ein verarmtes Familienmitglied, als Bruder und Schwester. Die politische Ordnung der Staaten und Völker, und daß jeder Staat ob seines Staatsethos für das seinige Staatsvolk zuständig ist, wird dabei genichtet, um den Deutschen Sozialstaat als das Sozialamt für die Menschheit umzudeuten.  Das, was zum Wesen des Staatsethos gehört, den Bürger des Staates vom Fremden zu unterscheiden, soll nun eine Sünde wider das Ethos der Familie sein- aber auch dieses Ethos setzt notwendigerweise die Unterscheidung von zur Familie dazu gehörend und nicht dazu gehörend voraus. Wenn alle zu einer Familie gehörend gedacht werden, ist das gleichbedeutend mit der Auflösung der Familie. 
Gehlen zeigt dies Familienethos an Papst Paul VI. auf: Dieser Papst sagte: "Ich fühle mich als Vater der gesamten Menschheitsfamilie. Selbst wenn die Kinder den Vater nicht kennen, ist er es trotzdem". (S.129)  Daß Christus das Amt des Papstes als das die Kirche Jesu Christi väterlich regierendes, selbst eingesetzt hat, gehört zu den Grundwahrheiten der Katholischen Kirche. Aber das Amt ist das des Regierens der Kirche, das des Hüters der Herde Jesu Christi und nicht das einer Weltregierung. Auch ist die Welt nicht einfach eine Einheitsmenschheit in Gestalt einer großen Familie sondern eine in Rassen und Völkern aufgegliederte Einheit, die selbst nicht als Familie zu begreifen ist. Auch ist die Kirche nicht nach der Gestalt der Familie organisiert, sondern, schon vom Alten Bund mit Israel herkommend nach der Gestalt des Volkes und somit mit einer hierarchischen Ordnung- und keiner Familienordnung! Aber- so Gehlen- nähert sich die Kirche dem Ethos der Familie an zum Schaden des Ethos des Handels und des Ethos des Staates. Es nivelliert so diese drei Grundordnungen des Lebens, indem die Kirche alle gemäß dem Ethos der Familie gestalten will, wobei sie dann aber auch notwendigerweise das Familienethos selbst zerstört, indem es seinen Geltungsbereich veruniversalisiert und es so durch diese Überdehnung selbst nichtet.   So muß mit Gehlen konstatiert werden, daß die Kirche sich nicht nur selbst säkularisiert, indem sie sich humanitaristisch  gibt, sondern sie gefährdet durch diese Verbsolutierung des Ethos der Familie auch das Lebensnotwendige des Ethos des Staates und das des Handels, der Ökonomie.  In Hinsicht auf das Letztere sei an die Fragwüdigkeit des kirchlich geförderten "fairen Handels" erinnert und noch problematischer der kirchlichen Entwicklungshilfearbeit, die sich eben durch maßlose Ineffektivität auszeichnet, gerade weil sie sich an Familienidyllen orientiert, staat ökonomisch sinnvoll zu agieren! So braucht man kein Entwicklungspolitikexperte zu sein, um zu wissen, daß der Hunger und die Unterversorgung mit lebenswichtigen Gütern in "Entwicklungsländern" allein durch eine radicale Industrialisierung der Landwirtschaft erreicht werden kann, statt daß hier und da lokale Projektchens finanziert werden zur Subsistenzwirtschaft genügend, aber keinen Beitrag zur Lösung der dortigen Probleme leistend.!Daß wir in Deutschland und Westeuropa keinerlei Versorgungsengpässe mehr mit lebensnotwendigen Gütern mehr erleiden müssen, verdanken wir eben allein dem Konzept der Industrialisierung der Landwirtschaft und die war so erfolgreich, daß die Landwirtschaft heuer mehr produzieren kann als sie absetzen kann, sodaß die Produktivität künstlich reduziert wird  durch das Konzept der landwirtschaftlichen Bioprodukte, daß auf der selben Nutzfläche jetzt weniger Produkte erzeugt, aber dann zu weit höheren Preisen verkauft wird. Dieser Erfolg war und ist aber nur möglich, weil hier gemäß dem Ethos der Ökonomie agiert wurde und eben nicht nach anderen Ethikvorstellungen!  

Mittwoch, 4. November 2015

"Alle Geschiedenen, die wollen, werden zur Kommunion zugelassen"

"Papst Telefonat mit Eugenion Scalfari: Alle Geschiedenen, die wollen, werden zur Kommunion zugelassen", so berichtet Kath Info am 2. November dieses Jahres über ein Telephonat, 15 Minuten währendes zwischen Papst Franziskus und dem Atheisten Scalfari, der dann dieses Telephongespräch publizierte. Offiziell kam vom Vatican (siehe auch hierzu die wirklich gute Berichterstattung und Recherche von Kath Info) nur die Aussage, daß das so der Papst nicht gesagt habe! Aber was sagte er dann? Die Aussage ist so, wie sie da rapportiert wird, auch unsinnig, denn warum sollte ein Geschiedener nicht zur Eucharistie zugelassen werden. Es muß also, damit diese Aussage einen Sinn bekommt, ergänzt werden, Wiederverheiratete zu Geschiedenen! Und dann wäre dieses Papsttelephoninterview wirklich eine Sensation! Der Papst hätte mit einem Satz die ganze Familiensynode zu einer einzigen Witzveranstaltung degradiert, um nun all das da Gesagte für Null und nichtig zu erklären. Denn die Zulassung jedes Geschieden Wiederverheirateten zur Kommunion, nur weil er zugelassen werden möchte, muß die Lehre von der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe nichten .Nur wenn faktisch doch eine sakramentale Ehe scheidbar wäre, könnte ein so Geschiedener gültig eine zweite Ehe eingehen, die ihn dann auch selbstverständlich nicht vom Empfang der Kommunion ausschlösse.
Nur, hat der hl. Vater das wirklich so gesagt,wie es dieser Atheist mit freimaurerischem Hintergrund uns berichtet? Ich stehe ratlos vor dieser Frage- ich sehe keine Möglichkeit, diese Frage begründet zu bejahen oder zu verneinen.
Kath info erinnert in dem Artikel dann an das Votum von G. Raffi, dem Großmeister des Großorientes von Italien aus dem Jahre 2014: "Mit Papst Franziskus wird nichts mehr wie vorher sein." Ist das nun eine plumpe Verschwörungstheorie oder ist doch etwas dran?   Nebenbei: seit Umberto Eco seinen "Prager Friedhof" publizierte, einen Roman, dem der Leser auf der ersten Seite schon die zu deutliche Absicht anmerkt, alle Art von Verschwörungstheorien herabzuqualifzieren und lächerlich zu machen, muß man sich als aufmerksamer Leser ja fragen: warum wird da soviel Aufwand betrieben, stellt ein zu recht anerkannter Schriftsteller all sein Können in den Dienst einer so trivialen Aufgabe, Verschwörungstheorien aller Art zu dysqualifizieren ? Sollte das etwa daran liegen, daß den so bekämpften Theorien mehr Wahrheit inewohnt, als den Mächtigen dieser Welt lieb ist? Zur Erinnerung: Sir John Redcliff läßt ja seine allseits bekannte jüdisch-freimaurerische Verschwörung "Auf dem Judenkirchhof in Prag" spielen in seinem mehrbändigen Romanwerk: Biarritz. (Es wird keinen der Leser erstaunen, wenn er liest, daß dieser Deutsche Schriftsteller heuer entweder totgeschwiegen oder verteufelt wird und das nur wegen dieses einen Kapitels in dem riesigen Werk dieses wirklich begabten Erzählers.) 
Aber auch ohne auf freimaurerische Einflüsse zu rekurrieren: wenn diese Interviewaussage des Papstes völlig falsch wäre, warum wird sie dann nicht eindeutig dementiert? Oder weiß man im Vatican selbst nicht so ganz genau, was denn nun der Papst am Telephon diesem Herrn alles so erzählt hat? Und weiß es der Papst selbst noch ganz genau, oder plauderte er einfach mal wieder drauflos, und um diesem Atheisten zu gefallen, redete er dann so. Oder könnte es so sein, daß der Papst, als er sah, daß das von ihm unterstützte Reformlager sich nicht durchsetzen werde auf der Synode, er ein nichtssagendes Kompromispapier verabschieden ließ, um jetzt seine Reformen durchzusetzen kraft der Macht seines Amtes? Wollte er vielleicht mal testen, wie die Medien und relevante Personen reagieren, wenn er so einen radicalen Vorsatz publiziert, den er, wenn die Reaktionen zu eindeutig negativ ausfallen sollten, dann leicht als Fehlmeldung wieder zurückziehen könnte. Dann wäre diese Aussage sozusagen ein Versuchsballon!  

Dienstag, 3. November 2015

Was ist ein wahres historisches Ereignis? Wie verstehen wir die Bibel?

"Die historischen Berichte der Evangelien könnten, im historischen Sinn, erweislich falsch sein, und der glaube verlöre doch nichts dadurch: aber nicht, weil er sich etwa auf >allgemeine Vernunftwahrheiten <bezöge!, sondern, weil der historische Beweis (das historische Beweis-Spiel) den Glauben gar niuchts angeht.[...]Der Glaubende hat zu diesen Nachrichten weder das Verhältnis zur historischen Wahrheit (Wahrscheinlichkeit), noch das zu einer Lehre von >Vernunftwahrheiten<.", so schreibt es der Philosoph Wittgenstein, zitiert nach: Joachim Schulte, Wittgenstein. Eine Einführung. 1989. S.103f. Eingedenk des sehr feinsinnigen Essays von R. Barthes, "Der Tod des Autors", erlaube ich mir jetzt, nicht zu erfragen, was denn die Autorenintention Wittgensteins gewesen sein mag, als er diese Aussage formulierte (und auch dem Interpreten Schulte gelingt es nicht so recht, diese Aussage auszudeuten. Vereinfachen wir das Gemeinte: ein Mann schrieb einen Text, legt in eine Flasche, verschließt sie und wirft so das als Flaschenpost ins Meer. Ein Text wird abgesandt in der Hoffnung, daß wer die Flasche aus dem Meer herausholt oder an einen Strand angespült findet und so der Leser dieses Textes wird. Die Autorenintention bleibt sozusagen im Autoren ruhen und mit jedem Meter, den sich der Text vom Autor entfernt, emanzipiert sich der Text von dem Autor, auf daß er neu gelesen wird und hier eine neue Bedeutung bekommt. Das, was wir den Sinn eines Textes nennen, kann nämlich entweder im objektivierten Text als zu erkennen vorgestellt werden,(aber der wäre dann nicht mehr einfach identisch mit der Autorenintention- zur Veranschaulichung: ein Prüfling hat die Intention, alle Prüfungsfragen richtig zu beantworten, aber kaum einem gelingt das, sodaß das objektiv Gesagte nicht identisch ist mit der Intention des geantwortet Habenden!-) oder man geht davon aus, daß der jeweilige Sinn eines Textes ein Produkt des Lesens des Textes ist, so daß der so produzierte Sinn aus zwei Quellen stammt, dem Text und dem Lesen des Lesers.)
Fragen wir bescheiden: was könnte damit gemeint sein, wenn wir uns jetzt allein auf diese Aussage kaprizieren? Warum? Weil die These der Nichthistorizität der Evangelien und daß das doch keine Bedeutung für den Glauben habe, oft vertreten wird, gerade in der modernen Bibelexegese. 
Banal, aber wahr: das Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner könnte auf ein Ereignis rekurrieren, daß eben tatsächlich drei Männer sich so zu einem Schwerverletzten verhalten haben. Die Wahrheit dieser Erzählung ist nun aber unabhängig davon, ob Jesus hier eine wahre Begebenheit erzählt oder als Lehrer diese Geschichte erfand, um zu lehren, wie man sich zu verhalten habe. Erzählte man nur, das habe sich so ereignet, daß eben diese drei Männer sich so verhielten, dann besagte das ja in keinster Weise, daß der Hörer, sich in einer ähnlichen Situation befindend, auch wie der barmherzige Samaritaner verhalten soll! So macht erst die Erzählung, als Belehrungserzählung aus ihr eine normative, die dem Leser sagt: so solltest auch du dich zu deinem Nächsten verhalten. Sollen wir nun meinen, daß alle Texte der Bibel Lehrgeschichten sind, die uns belehren, was wir glauben sollen und wie wir leben sollen und daß so das einzig Historische das wäre, daß Jesus Christus uns so belehrt? 
Vernunftwahrheiten wären dann Wahrheiten, zu deren Erkennen wir diese Belehrungstexte Jesu gar nicht bräuchten, weil wir ihre Wahrheit auch ohne diese Lehrerzählungen wissen könnten. Aber sie wären uns eben als Veranschaulichung der ewigen Vernunftwahrheiten gegeben worden, sozusagen als pädagogische Maßnahme. Im Prinzip liest so Kant die Bibel. Die Vernunftwahrheiten gelten dann auch als wahr unabhängig von der Autorität des Lehrers Jesu- denn er lehrte nur das, was wahr wäre ganz unabhängig von seiner Person als Lehrer. So wäre Jesus als Lehrer nicht selbst ein Gegenstand der von ihm gelehrten Wahrheiten, denn eine Person kann nicht zu den Aussageinhalten ewig gültiger Vernunftwahrheiten gehören. 
Aber daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, ist keine Vernunftwahrheit und ist auch keine Belehrungsgeschichte, die uns wie etwa die Geschichte vom barmherzigen Samariter etwas lehren soll, wie wir zu leben hätten. Zuvörderst ist das- zumindest der Aussagenintention dieser Aussage nach, eine Tatsachenaussage: so hat sich das ereignet. Die Aussage behauptet ein wirklich geschehenes Ereignis. Ist ein wirkliches Ereignis identisch mit dem, was der zitierte Text als ein im "historischen Sinn" falsches oder nicht falsches Ereignis bezeichnet?, muß nun gefragt werden. Die Aussage, Goethe verfaßte den Roman: "Die Elixiere des Teufels" ist eindeutig eine falsche Aussage, weil es historisch als bewiesen und als unstrittig gilt, daß E.T. A. Hoffmann diesen Roman schrieb. Die historische Wissenschaft verfügt über eine Methodik zur Verifizierung und Falsifizierung von Tatsachgenaussagen, daß das so sich ereignet habe und kann so prüfen, ob Goethe der Autor dieses Romanes ist oder auch nicht ist. Als wahres historisches Ereignis gilt so dann eine Aussage über ein Ereignis, das so geprüft sich als wahr erwies.  Das historische Ereignis ist uns ja immer nur als eine Aussage über dies Ereignis vorhanden und nur eine als wahr befundene Aussage- gemäß der Methodik gilt uns dann als wahres Ereignis. 
So ergibt sich für uns eine wesentliche Unterscheidung: die Summe aller wirklichen und aller möglichen Ereignisse, als Aussagen über wirkliche und mögliche Ereignisse steht die Summe aller als wahr erkannten Ereignisse gegenüber, das sind die Aussagen über Ereignisse, die gemäß der wissenschaftlichen Methodik als wahr sich erwiesen haben. Kann es also wirkliche und mögliche Ereignisse geben, die keine historisch wahren oder historisch möglichen Ereignisse sein können? Nehmen wir jetzt ein ganz einfaches Beispiel: Die Aussage, daß eine Hexe den Teufel beschwor, sodaß die die Nachbarin der Hexe starb, bezeichnet ein Ereignis, daß a) unmöglich ist, denn die wissenschaftliche Methodik läßt Aussagesätze, in denen der Teufel als Subjekt einer Handlung in der Geschichte agiert, nicht zu. Sie läßt diese Aussage so wenig zu, wie das Regelsystem des Fußballes einen 7-Meter Handballwurf als Strafstoß zuläßt.  Deshalb braucht der Historiker diese Ausage gar nicht zu prüfen, ob es wirklich eine Hexe gab, die so den Tod ihrer Nachbarin verursachte, denn die Aussage, daß der Teufel in der Wirklichkeit wirke, ist eine für die diese Wissenschaft unzulässige Aussage. Deshalb transformiert sich diese Aussage für die historische Wissenschaft in die, daß eine sich als  Hexe verstehende Frau eine magische Beschwörung des Teufels vollzog mit der Absicht, daß so der beschworene Teufel die Nachbarin töte. Wenn nun tatsächlich im zeitlichen Sinne danach die Nachbarin wirklich gestorben sein sollte, so kann dies niemals den Teufel bzw. die Beschwörung des Teufels zur Ursache haben. Denn nur in der Einbildung dieser Frau existiert ein beschwörbarer Teufel. Sind nun nur die Ereignisse wirkliche oder auch nur mögliche Ereignisse, die nach der Methodik historischer Wissenschaft als historische Ereignisse gelten. 
Kaprizieren wir uns jetzt auf den Begriff des "historischen Beweis-Spieles". Es gibt kein Spiel ohne Regeln, die erlaubte von unerlaubten Spielzügen unterscheidet. Es kann auch keines geben, denn jedes bestimmte Spiel existiert nur durch diese Unterscheidung. Sonst löste sich alles in Unbestimmtheit auf. Es ist also ein Regelsystem denkbar, daß wirkliche und mögliche von nichtwirklichen und unmöglichen Ereignissen anders unterscheidet als die historische Wissenschaft. Also, daß die Aussage, daß der Teufel etwas in der Wirklichkeit gewirkt habe, als zulässige Aussage anerkennt und nicht umformen muß zu der, daß der Glaube an ein Wirken des Teufels in der Wirklichkeit Auswirkungen in der Geschichte zeitigte! Für die Methodik der historischen Wissenschaft, was denn überhaupt als ein mögliches historisches Ereignis gelten kann, gilt der Grundsatz, daß Gott, oder Götter, der Teufel  oder Engel und Daimonen nicht Subjekte von möglichen wahren Aussagen über Ereignisse sein können.  Nur Menschen handeln in der Geschichte, wenn sie als historische definiert wird -gemäß den da geltenden Spielregeln- und Aussagen, Gott habe da gehandelt oder das gewirkt, müssen umgeformt werden zu der, daß es Menschen gab, die glaubten,daß Gott da gehandelt habe und daß dann dieser Glaube tatsächlich Auswirkungen in der Geschichte zeitigen kann und auch zeitigte. Das ist eine Spielregel! Und diese Spielregel verhält sich zu dem Gegenstand, der gemäß diesen Spielregeln zu behandeln ist in etwa so, wie die Ballsportregeln sich zum Gegenstand des so Zubehandelnden, dem Ball verhalten. 
Merksatz: Aus der Analyse eines Balles ist nicht eruierbar, daß man ihm gemäß den Regeln des Fußballspieles oder den des Handballspieles zu spielen habe. Der Ball wird nämlich erst durch das Regelwerk des Fußballspieles zu einem Fußball, wie er erst durch das Regelwerk des Handballes zu einem Handball wird.
Das gilt nun auch für die Summe aller wirklichen und möglichen und auch unmöglichen Ereignisse. Erst die wissenschaftliche Methode schafft diese Unterscheidung und definiert so, was als ein historisches Ereignis und als ein mögliches historisches Ereignis gelten kann. Das ist zuvörderst der Ausschluß von unmöglichen Ereignissen, von Ereignissen, die keine historischen sein können. So kann die Aussage, Gott erweckte Jesus von den Toten unmöglich eine mögliche historisch wahre Ausasge sein, weil in ihr Gott als Subjekt der Aussage auftritt. Die Aussage,Jesus sei von den Toten auferstanden ist auch keine mögliche historisch wahre Aussage, denn von einem Menschen kann nur das als eine mögliche historisch wahre Aussage getätigt werden, die im Bereiche des Menschenmöglichen liegt.  Von den Toten aufzustehen ist dann a priori eine unmögliche Aussage über einen Menschen, weil dies etwas dem Menschen Unmögliches aussagt, daß er von den Toten auferstehen könne. So gesehen sind alle wesentlichen Aussagen der Bibel mit der Methodik der historischen Wissenschaft geurteilt unmögliche Aussagen und darum auch historische Falschaussagen. Sie müßten alle in historisch erlaubte umgeformt werden, etwa, daß der Glaube, daß Jesus von Gott von den Toten auferweckt wurde, seine Jünger ermutigte, am christlichen Glauben festzuhalten. 
Aber was für ein Verhältnis hat denn nun der Gläubige zu den Erzählungen der Bibel? Der einfachse und auch für das Glaubensleben sinnvollste Umgang ist wohl der, den Shakespeare uns vorschlägt mit seinem (unendlich variierten) Votum: Zwischen Himmel und Erde gibt es mehr, als unsere Schulweisheit weiß!"   Es gibt eben die Menge aller möglichen Ereignisse, die nach der Methodik der historischen Wissenschaft als historisch mögliche gelten, aber es ist mit der Möglichkeit zu rechnen,daß es auch wirkliche Ereignisse geben kann, die diese Methodik als Regelsystem für unmöglich beurteilt. Da das Primärsubjekt, von dem die christliche Religion redet,  Gott ist. der als allmächtig gedacht wird, ergibt sich zwingend die Möglichkeit, mit unmöglichen Ereignissen zu rechnen, weil einem allmächtigen Gott nichts unmöglich ist. Das ist so, als wenn man in der Mathematik sagt, daß keine Zahl, mit sich selbst multipliziert eine negative Zahl ergeben kann, aber man dann hinzufügt, es sei denn, man ließe die imaginären Zahlen zu, also i, das ist die Zahl, die mit sich selbst multipliziert -1 ergibt. Gott wäre sozusagen vergleichbar der imaginären Zahl i, die aus welchen Gründen auch immer in bestimmten Rechenpraxen ausgeschlossen wird.                                 Aber kann der zitierte Text auch anders gedeutet werden? Er legt zumindest die Möglichkeit offen, zwischen wirklichen und möglichen Ereignissen in der Geschichte zu unterscheiden von der Menge aller möglichen und wirklichen historischen Ereignissen, von denen gilt, daß sie nur historische sind, wenn sie dem Regelsystem der historischen Wissenschaften entsprechen- so wie man unterscheiden kann zwischen allen möglichen Weisen des Spielenkönnens mit einem Ball  von den erlaubten im Regelsystem des Handballspieles. Eine andere Deutung wäre die, daß man die Erzählungen der Bibel als Ausdruck eines religiösen Glaubens verstünde und daß die Wahrheit dieser Erzählungen gerade der ist, daß sie den Glauben, auf dem sie gründen, wahrhaft ausdrücken. Die Erzählungen wären dann ein Glaubensbekenntnis. Und zu glauben hieße dann, die Wahrheit hinter den Erzählungen zu glauben, eines Glaubens, der sich nur mitteilen kann durch solche Erzählungen, der aber etwas Verschiedenes ist von dem als wirkliche Ereignisse Erzähltem. Es würden dann nicht allgemeine Vernunftwahrheiten in Erzählform vermittelt, sondern ein spezifischer Glaube  würde so vermittelt.  Wem das zu unverständlich ist, der denke an weltanschaulich engagierte Literatur. Ein Bertold Brecht verfaßt keine literarischen Texte in der Intention, sich wirklich so ereignet Habendes zu erzählen, sondern um seine ideologische Weltanschauung zu vermitteln  und daraufhin konzipiert er seine literarischen Texte. Die Wahrheit seiner Texte ist so nicht die einer Wiedergabe realer Ereignisse, sondern die Wahrheit seiner Weltanschauung, die er in seinen Texten so entfaltet. Das heißt aber auch, daß die Texte nicht selbst die Wahrheit seiner Weltanschauung begründen, sondern die Texte setzen die Wahrheit dieser Weltanschauung voraus und stellen diese nur dar! Und wie kein Leser von Brechts Theaterstücken diese mit der Wiedergabe von  historischen Ereignissen verwechselt und sie doch als wahr ansehen kann, wenn und nur wenn er Ja sagt zur Weltanschauung, die diese Stücke ausdrücken, so verhielte sich dann auch der Gläubige zu den Erzählungen der Bibel,indem er sie liest als Ausdrücke und Darlegungen eines wahren Glaubens. Aber was macht dann die Wahrheit des zu Grunde liegenden Glaubens aus, wenn die Texte nur der Ausdruck des Glaubens sind, aber nicht die Wahrheit des Glaubens begründen?  Das wäre dann wohl des Puddels Kern dieser Ausdeutung dieses Textes von Wittgenstein: es wäre die pure Irrationalität  des  Sichentscheidens, diesen Glauben für wahr zu halten. Die Wissenschaft könnte so nur Ereignisse als historische erkennen, wenn sie Ereignise gemäß ihres Regelsystemes als historische einstuft- der gläubige Leser dagegen liest die Bibeltexte als Ausdruck eines wahren  Glaubens und dieser Glaube ist  ihm der wahre und somit sind ihm auch die Bibeltexe wahre, aber auch nur so. 
Aber eines ist unverkennbar: die Erzählungen der Bibel verstehen sich nicht als literarische Texte, die einen ihnen zu Grunde liegenden Glauben ausdrücken und darstellen wollen- sie wollen selbst den Grund des Wahrseins des Glaubens sein und sind so auch zu unterscheiden von dem Glauben, der die Aussagen der Bibel für wahr hält! Die Aussage, daß Gott Jesus Christus von den Toten aufeerweckte, soll nicht den Glauben darstellen, daß Gott Tote erwecken kann, sondern diese Aussage will den Glauben, daß Gott Tote erwecken kann, begründen, in dem der Text aussagt, daß sich das wirklich ereignet hat.  

Corollarium 1
Nun sind die Regeln und die Methodik der historischen Wissenschaft nicht rein willkürlich, aber das gilt ebenso für das Regelsystem des Fußballspieles oder das des Handballes. Und: wie nicht ein Gegenstand: der Ball in Hinsicht auf mögliche Mannschaftsballspiele nur nach einem Regelsystem behandelbar ist, so sind auch Ereignisse in der Geschichte nicht nur nach dem Regelsystem der historischen Wissenschaft, wie sie jetzt betrieben wird, behandelbar! Es ist auch eine wissenschaftliche Bearbeitung der Ereignisse in der Geschichte denkbar, die Gott, Engel und Teufel als mögliche Subjekte von Aussagesätzen zuläßt! 

Montag, 2. November 2015

Moral und staatliches Recht angesichts der Debatte um eine Beihilfe zum Suizid

Die Kunst des Unterscheidens ist in dieser Causa eine unbedingte Notwendigkeit. Es gibt Handlungen, die nach dem Urteil der Katholischen Morallehre als sündig zu beurteilen sind, wie zum Beispiel Ehebruch oder das Nichtnachkommen der Sonntagspflicht zur Teilnahme an einer Sonntagsmesse, die aber nicht vom Staat als unerlaubtes und so strafrechtlich relevantes Vergehen eingestuft werden. Würden diese beiden Handlungen auch vom Staat als unerlaubte beurteilt, dann dürfte, ja müßte der Staat sogar Menschen durch die Androhung von Strafen (Geld- oder Gefängnisstrafen) versuchen, von diesem Tun abzuhalten und wenn sie es doch tuen, sie auch bestrafen. Solange diese beiden Handlungen aber nur von der Morallehre der Kirche als sündig qualifiziert werden,aber nicht vom Staate als unerlaubte, kann und darf die Kirche nur durch einen moralischen Appell einfordern, daß die Gläubigen zur Sonntagsmesse gehen und keinen Ehebruch begehen.
Es gibt nun Handlungen, die die katholische Morallehre als sündig ansieht und der Staat als Verbrechen, etwa den Mord. Hier herrscht also in der Sache Eintracht, und beide sorgen dann auf ihre Weise dafür, daß der Mord als eine nicht erlaubte Handlung angesehen wird und bestraft wird.
Es gibt nun Handlungen, die der Staat verbietet, aber die Kirche als erlaubt ansieht. Ein Beispiel dafür ist, daß Kirchengemeinden Menschen ein Kirchenasyl gewähren, deren Antrag auf Asyl nach einer rechtsstaatlichen Prüfung als unbegründet abgelehnt worden ist. Die Kirchengemeinde ermöglicht so abgelehnten Antragstellern auf Asyl ein Weiterleben in Deutschland. Das ist sicher ein sehr problematischer Fall, denn es ist dabei völlig unklar, woher eine Kirchengemeinde sich die Kompetenz anmaßt, besser als die Gerichte beurteilen zu können,ob hier der Asylantrag anzunehmen ist. 
Eines ist klar: der Fall, daß die kirchliche Morallehre und das staatliche Recht materialiter in eins fallen könnten ist ausgeschlossen, denn wie sollte etwa ein Staat einen Mangel an praktizierter Nächstenliebe strafrechtlich verfolgen! Eine völlige Trennung des staatlichen Rechtes von der kirchlichen Morallehre ist streng genommen auch nicht vorstellbar. Die Gebote, du sollst nicht morden, du sollst nicht stehlen, werden in jedem Staate prinzipiell gelten, auch wenn der Staat dann Ausnahmen zubilligt, etwa daß straffrei ungeborene Kinder getötet werden dürfen oder daß der Mundraub erlaubt wird! 
Was bedeutet dies nun für die Causa der Erlaubbarkeit enier Beihilfe zum Freitod? Zuvörderst: nur wenn ein freiwillig beabsichtigter Freitod vorliegt, kann eine Beihilfe erlaubbar sein. Wenn der begründete Verdacht vorliegt, daß der den Wunsch zur Beihilfe zur Selbsttötung Äußernde nicht Herr über sein Wollen ist, (etwa alkoholisiert oder in Folge einer psychischen Erkrankung), gilt die Mutmaßung, daß, wenn er wieder Herr über seinen Willen sein wird, er die jetzt gewollte Selbsttötung nicht mehr will, sodaß jetzt ihm die gewünschte Beihilfe zu verweigern ist. In Deutschland ist der Freitod keine unerlaubte strafbare Handlung und so kann eine Beihilfe zu einer nichtstrafbaren Handlung nicht eine strafbare sein. Moraltheologisch gilt dagegen der Freitod als Todsünde und so ist auch eine Beihilfe zum Freitod eine Sünde. Das gilt aber nur für die Morallehre der Kirche und nicht für das staatliche Gesetz. 
Für das staatliche Gesetz gilt aber, daß das, was im Prinzip keine strafbare Handlung ist, für bestimmte Peronengruppen doch eine strafbare Handlung ist.  Dafür könnte meines Wissens das Problem intimer Beziehungen mit Abhängigen stehen, etwa wenn ein Lehrer eine Intimbeziehung zu einer seiner Schülerin unterhält. Eine Intimbeziehung zu einer 16 Jährigen kann moralisch gesehen als sehr problematisch angesehen werden, nicht nur, weil sie vorehelich ist, aber wenn das Mädchen dann sich in einem Abhänigigkeitsverhältnis zu dem Mann befindet, etwa als Auszubildende oder Schülerin, dann besteht der Verdacht eines Mißbrauches eines Abhängigkeitsberhältnisses, und der ist strafbar. Und so ist auch der Gruppe der Ärzten und dem Pflegepersonal in Hinsicht auf ihre Patienten eine Beihilfe zum Freitod unerlaubt- es besteht der prinzipielle Verdacht eines Mißbrauches dieses besonderen Verhältnisses von dem Arzt zu seinen Patienten. Wer nun weiter daran festhalten will, daß Ärzte und ihnen subordinierte Berufsgruppen (Pfleger etc) keine Beihilfe zum Freitod leisten dürfen, darf dann nicht das Kind mit dem Wasser ausschütten und jetzt allen Bürgern eine Beihilfe zum Freitod verbieten.                
Zu fragen ist aber, ob wirklich jede Beihilfe zum Freitod durch Ärzte und ihnen subordiniertes Personal weiterhin eine strafbare Handlung sein muß. Es muß dabei unbedingt unterschieden werden zwischen der moraltheologischen Frage der Erlaubbarkeit einer solchen Beihilfe und der, ob eine Beihilfe strafrechtlich verfolgt werden soll! Das grundsätzliche Problem läßt sich so bestimmen: wenn der Freitod keine strafrechtlich geurteilt Handlung ist, mit welchen Recht wird dann einer Person, die den Freitod realisieren will, ihn aber nicht ohne eine fremde Beihilfe realisieren kann, diese Beihilfe verweigert, wenn die Beihilfe von einem Arzt oder einer ihm subordinierten Personengruppe erwünscht wird. Zur Veranschaulichung: man stelle sich einen Gelähmten vor, der ohne eine Beihilfe ein in Wasser aufgelöstes tödliches Gift nicht zu sich nehmen kann. Wäre er nicht gelähmt, könnte er es selbstständig einnehmen, nun bittet er aber ein Pflegepersonal, ihm das Glas mit dem Gift zum Trinken zum Munde zu führen, damit er es dann trinken kann. Darf es so sein, daß stark Mobilitätsbeeinträchtigte die Möglichkeit zum Freitod verwehrt wird, indem ihnen jede Beihilfe zum Freitod verboten wird oder nur die ärztliche. Es drängt sich der Eindruck einer Diskriminierung von Mobilitätsbeeinträchtigen auf, also konkreto von Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Freitod ohne eine Beihilfe zu realisieren. Gravierender ist dabei das prinzipielle Problem, ob Menschen durch eine Unterlassung einer solchen Beihilfe gegen ihren Willen zum Weiterleben gezwungen werden dürfen. Es geht hier ja nicht um ein seelsorgerliches Gespräch, in dem der Suizidwillige von seinem Vorhaben abgebracht werden soll, sondern um ein Erzwingen des Weiterlebens gegen den Willen und ohne die Zustimmung des Patienten! Wenn dann noch eine Schmerztherapie von Nöten ist, weil der Patient nur durch starke Drogen schmerzfrei gehalten werden kann, stellt sich die Frage: darf gegen den Willen des Patienten er so mit Drogen behandelt werden?  Es ist der elementare Unterschied zwischen einer Seelsorge an den Freitod Wollenden, die auf das freie Ja des Patienten zu einem Weiterleben ausgerichtet ist und einer Erzwingung des Weiterlebens des Patienten ohne und gegen den Willen des Patienten. Ist es wirklich human, Menschen gegen ihren ausdrücklichen Willen zu einem Weiterleben zu zwingen- auf diese Frage asntworten die Befürworter eines Verbotes jeder Art von Beihilfe zum Freitod nicht. Aber das ist die Kernfrage des Unterchiedes von einer moralischen Verurteilung einer Beihilfe zum Freitod von der einer strafrechtlichen Beurteilung als verbotene Handlung! Zudem muß, wenn jede Beihilfe zum Freitod strafrechtlich unerlaubt sein soll , unbedingt der Freitod wieder als Straftat gelten, sodaß ein gescheiterter Freitod dann auch wieder durch den Staat bestraft wird, dann wohl mit einer Gefängnisstrafe.     

Sonntag, 1. November 2015

Probleme mit Allerheiligen?

"Heilige als Fürbitter brauchen wir nicht, denn wir wenden uns direkt an Jesus, ohne einen Umweg über die Heiligen!", sagte einst Luther und heuer auch so mancher Katholik, ja selbst unter Priestern soll diese Meinung vertreten werden. Die radical-modernistische Meinung, Gott könne gar keine Gebete erhören,seit Kant im Protestantismus sich steter Beliebtheit erfreuend und durch den ökomenischen Dialog nun auch in der Katholischen Kirche als Asylant sehr beliebt, soll hier außer Acht gelassen werden. Gehen wir, wie in jeder Religion üblich davon aus, daß Gott Gebete erhören kann und auch will, daß er aber dabei der souveräne Herr auch über unsere Gebete bleibt, sodaß er sie auch nicht erhören kann. Würde geurteilt, daß Gott jedes Gebet im Namen Jesu erhörte, würde aus dem Beten eine magische Beschwörung, durch die sich ein Mensch Gott untertan machen könnte! Nur darf nun auch bei aller Betonung der Differenz von Beten und einer magischen Beschwörungspraxis nicht überlesen werden, nämlich die beiden gemeinsame Vorstellung, daß Gott oder Gott ähnliche Mächte ihr Verhalten zu Menschen ändern können, weil Menschen auf sie eingewirkt haben, einmal kausal determinierend und das andere mal auf ein freies Sichändern des göttlichen Verhaltens zu uns hoffend. 
Warum beten wir Katholiken immer noch: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder...."?, und folgen eben nicht Luther, der jede Anrufung der Heiligen verbot. Verdemokratisiet, wie wir nun mal sind, urteilen viele, daß a) Gott uns Menschen alle gleich liebt, sodaß ihm auch all unsere Gebete gleich erhörungswürdig sind und daß b) wir alle als Getaufte und Gefirmte, Anteil haben am Sakrament des Altares Geheiligte sind, sodaß wir getrost auch unser Beten als Beten von Heiligen ansehen dürfen, und daß Gott so auch uns wie die Gebete der Heiligen  im Himmel erhören wird. Wir sind eben als von Gott Geliebte vor Gott alle gleich und darum ist Gott auch unser aller Beten gleichgültig, könnte dieser Standpunkt zusammengefaßt werden. Nur evoziert dies die notwendige Nachfrage: "Stimmt das denn so?"Hier stoßen wir nun auf den Begriff der Hierarchie, der Vorstellung des Geordnetseins von Über- und Unterordnungsverhältnissen. Aus dem Alltagsleben, auch im Berufsleben kennen wir diese Praxis: "Könntest du für mich beim Chef ein gutes Wort einlegen?" oder: "Stellen Sie  mir bitte ein Arbeitszeugnis aus, mit dem ich mich bei einer anderen Firma mit Hoffnung auf Erfolg bewerben kann!" Immer steht hinter dieser einfachen Bitte eine komplexe Vorstellung, daß es da wen gibt, der Entscheidungen treffen kann, die Gewicht für den Bittenden haben und die selbstkritische Einsicht, und daß die Bitte direkt an den Entscheider vorgetragen wohl auch abgelehnt werden könnte, und daß es wen gibt, der, wenn er nun eintritt als Fürsprecher die Bitte mehr Aussicht auf Erhörung hat, als wenn die Bitte direkt an den Adressaten vorgetragen werden würde. Er steht dem Entscheider eben näher als der Bittsteller selbst. 
Was sind nun Heilige? Heilige sind Menschen, die Gott beurteilt hat, würdig zu sein, bei und mit ihm im Himmel zu leben. (Wie dies göttliche Gericht, diese Beurteilung ist, soll hier nun nicht erörtert werden, denn das verlangte eine Entfaltung der Aussage des Apostels Paulus, nicht ich, sondern die Gnade Gottes mit mir.
Das "mit mir" ist das Explikationsbedürftige als Frage nach der Verdienstlichkeit der guten Werke,die den Heiligen auszeichnen, bzw. sein ganzes Lebenswerk) Gott hat über sie geurteilt und sie für "gut" bewertet. Wir als auf Erden noch Lebenden, wir können jetzt noch nicht wissen, wie Gott uns am Ende beurteilen wird und wir können das auch nicht, weil wir gar nicht wissen können, wie sich unser Leben und auch unser Glaubensleben weiter entwickeln wird! Konstruieren wir mal ein extremes Beispiel: ein Christ bittet Gott um etwas, aber ein paar Jahre später lernt er okkultistische Kreise kennen und wird praktizierender Satanist.Würde Gott dann sein Gebet erhören, wenn Gott ob seiner Allwissenheit diesen Totalabfall vom Glauben des jetzt noch christlich Betenden vorausweiß ? Weil wir nie mit Gewißheit unser zukünftiges weiteres Leben vorauswissen können, können wir nie wissen, ob Gott unser Beten genehm sein kann, denn Gott weiß unser weiteres Leben voraus und beurteilt uns dann immer schon aus seinem Allwissen heraus! Aber die Heiligen sind die, über die Gott sein endgültiges unverrückbares Urteil gesprochen hat, sodaß ihm deren Gebete gewiß immer genehm sind. 
Aber sind denn Gott nicht alle Gebete genehm, könnte nun rückgefragt werden. Wenn nun im Alten Bund ein Priester ein Gott wohlgefälliges Opfer darbrachte (genau nach Vorschrift), er aber Tags zuvor seinen Bruder ermordet hätte, wer meinte dann, daß Gott dies so mit blutigen Händen dargebrachte Opfer wohlgefällig sein könne? Was für das Opfer gilt, das gilt eben auch für das Gebet.Gottes Liebe macht eben auch Unterschiede! Wenn Israel sündigte, sprang Mose für sein Volk as Fürbitter ein, wenn wir sündigen, haben wir die vorzüglichste Fürbitterin am Throne des Dreieinigen Gottes, die Gottesmutter Maria. Luther machte es anders: er strich faktisch aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis die Aussage, daß Jesus Christus kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten zum Endgericht, und setzte wieder Gott- Vater als den alleinigen Richter ein, dem gegenüber Jesus dann die Rolle des alleinigen Fürsprechers zugesprochen bekam. So machte er die Fürbitte der Heiligen unnötig, weil nun Jesus zum alleinigen Fürbitter avancierte. Das ist der sogenannte Christozentrismus Luthers, der aber dem Zeugnis der Schrift und dem Apostolicum nicht gerecht wird, denn dort wird Jesus Christus als unser endzeitlicher Richter bezeugt!  Und darum setzen wir unsere Hoffnung auf die Mutter Gottes, auf ihre Fürsprache.