Donnerstag, 10. Oktober 2019

Scalfari: „Für Papst Franziskus ist Christus nicht Gott“

Kath net  meldet am 10.10. 2019. "Scalfari hatte nach einem erneuten Besuche bei Papst Franziskus ein sogenanntes „Interview“ mit Franziskus in der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlicht und darin behauptet, dass Franziskus gesagt haben soll, dass Jesus von Nazareth ein Mensch aber nicht ein Gott gewesen sein sollte." Wir stehen nun vor einem Problem:Wie zuverlässig ist Herr Scalfari? Unbestritten ist nur eines, daß Papst Franziskus gern und wohl regelmäßig zum Gedankenaustausch mit diesem Herren sich trifft, daß der dann in seiner linksgerichteten Zeitung Gesprächsteile wiedergibt, von denen sich der Papst im Nachhinein nie eindeutig distanziert hat, auch wenn da Äußerungen dem Papst zugeschrieben werden, die eindeutig häretisch sind, etwa die, daß die Seelen der Sünder, die nicht ins Reich Gottes eingehen werden, einfach verlöschen, sodaß die Hölle leer sein wird. 
Wenn Herr Scalfari den Papst falsch wiedergäbe in so gewichtigen Fragen, warum gäbe ihm der Papst dann weiterhin Interviews, wenn er davon ausgehen müßte, daß auch das dann Geäußerte verfälscht wiedergegeben werden wird. 
Nun zum neuesten Interview, das im Vatican- nach Kath net- größte Irritationen hervorgerufen haben soll. Kath info berichtet hier genauer. (9.10.20199 Der Ausgangspunkt soll eine Erörterung über die Bedeutung der Amazonassnode gewesen sein:
Das „Amazonas-Problem“ sei „von fundamentaler Bedeutung für die gesamte Menschheit“.
Und was ist laut Scalfari von so „fundamentaler Bedeutung“?
„Franziskus hat schon seit Jahren die Idee des Einen Gottes vorangetrieben. Es ist natürlich eine revolutionäre Idee.“
Als Erläuterung wird nach diesem Zitat aus der Zeitung Scalfaris hinzugefügt:
  
"In der Tat findet sich in jeder Kolumne Scalfaris, in der er als Sprachrohr von Franziskus auftritt, „Revolutionäres“. Die Palette reicht von der Abschaffung der Sünde und der Hölle über die Kommunion für alle und die Aussage, Scalfari „nicht bekehren“ zu wollen, bis zum Ziel einer globalen Rassenvermischung („Mestizentum“) durch Massenmigration.
Die jüngste Revolution – und sie verdient diese Bezeichnung ganz und gar –, ist das Projekt des Einen Gottes. Die Aussage deckt sich mit synkretistischen Aussagen und Handlungen von Franziskus seit Anfang 2016: Die Religionszugehörigkeit sei „nicht wichtig“, weil „alle Kinder Gottes“ seien und somit – irgendwie – an denselben Gott glauben würden." 
Scalfari selbst sagt dazu:

„Wer wie ich mehrfach das Glück hatte, ihm zu begegnen und mit ihm in größter kultureller Vertrautheit zu sprechen, weiß, daß Papst Franziskus Christus als Jesus von Nazareth, als Mensch und nicht als menschgewordenen Gott versteht.“ Als weiterer Begründung dafür, daß Jesus nicht selbst göttlich sein könne, fügt er hinzu, daß Jesus angesichts des Kreuzes seinen Vater inständig bat, daß dieser Kelch an ihm vorüber gehen möchte. „Als es mir möglich war, diese Sätze zu diskutieren, sagte mir Papst Franziskus: ‚Sie sind der erwiesene Beweis, daß Jesus von Nazareth, sobald er Mensch wurde, wenn auch ein Mensch mit außergewöhnlichen Kräften, mitnichten Gott war.“

Es ist zu befürchten, daß Papst Franziskus wirklich nicht glaubt, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist, sondern nur ein besonders talentierter Mensch! Es drängt sich der Eindruck auf, daß für den Papst diese Gespräche samt ihrer Publizierung ein Experiment ist, wie weit er den Katholischen Glauben demontieren kann, ohne daß ein zu starker Widerstand conservativer Kräfte ihm Einhalt gebietet. Papst Franziskus stilisiert sich dabei gern als Antidogmatiker: Papst an Katholiken: Liebt ihr Gott oder dogmatische Fragestellungen? (Katholisch de am 9.10.2019.), dem so gerade die Hinwendung zu den Menschen wichtiger ist als die dogmatischen Wahrheiten. Dazu würde es gut passen, den ganzen Diskurs über die Gottessohnschaft Jesu mit den daraus notwendig resultiereden "Spekulationen" über das trinitarische Sein Gottes als überflüssig abzutuen, um einfach in Jesus einen vorbidlichen Menschen zu sehen.
Scalfari hätte dann aber noch hellsichtiger erfaßt, wie  paßgenau das Nein! zur Göttlichkeit Jesu in das Konzept des interreligiösen Dialoges paßt, daß eben alle Religionen den EINEN GOTT verehren, nur eben unter verschiedenen Namen, daß eben die besonderen Religionsstifter auch immer nur diesen EINEN meinten, sodaß nur es auf den Glaube an diesen EINEN ankäme.

Der vaticanische Pressesprecher demetierte nun wie folgt (Katholisch de am 10.10. 2019):
"Die Worte Scalfaris aus Gesprächen mit Franziskus seien keine wahrheitsgetreuen Darstellungen, sondern persönliche und freie Interpretationen." Nur,warum dementiert dies der Papst nicht selbst und warum gibt er Scalfari so freimütige Interviews, wenn er davon ausgehen müßte, daß er verfälschend wiedergegeben wird?  
 Ich halte es so doch für das Wahrschenlichste, daß der Papst hier erprobt, wie weit er gehen kann in der Destruktion des Katholischen Glaubens, verbunden mit der Dementierpraxis durch den Vatican, die die conservativeren Katholiken beruhigen soll, während den Progresssiven gezeigt wird,wohin die Katholische Kirche sich "weiter zu entwickeln" habe, um eine Kirche auf der Höhe der Zeit zu werden. Es soll eben eine Kirche entstehen, die zur Neuen Weltordnung paßt mit ihrem Willen zur Einheitsreligion.      

  


Mittwoch, 9. Oktober 2019

DDR- Unrechtsstaat- BRD-Rechtsstaat? Irritationen

"Ramelow und Schwesig: DDR war kein Unrechtsstaat",so titelt die Freie Welt am 8.10.2019. Ein Linker und eine Sozialdemokratin sind sich eben in dieser Causa einig, wie auch sonst einst in der einstigen SED. Aber doch wirft diese Aussage einige unbequeme Fragen auf, auch wenn für den westlich Sozialisierten die Causa klar ist: Die BRD und das jetzige Deutschland, das ist ein Rechtsstaat, aber die DDR war das nicht. Nur, was qualifiziert denn nun einen Staat zu einem Rechtsstaat, sodaß er kein Unrechtsstaat ist?

Am einfachsten wäre dieser Standpunkt: Der nationalsozialistische Staat wäre der Unrechtsstaat schlechthin und so dürfe nur er so qualifiziert werden, denn alle anderen Staaten mögen auch viele Negatives aufweisen, aber so negativ wie dieser könne kein anderer sein. Aber hört etwa eine Entführung und eine Erpressung auf, eine kriminelle Handlung zu sein, bloß weil Raubmorde geschehen? Was wäre denn eine Kriteriologie zur Unterscheidung des Rechts- von dem Unrechtsstaat? In der DDR wie in der BRD war das Töten von Kindern im Mutterleibe erlaubt. Ist nicht zu urteilen, daß ein Staat, der das Töten Unschuldiger erlaubt, ein Unrechtsstaat? Kann es denn einen gröberen Verstoß gegen die Menschenrechte und Menschenwürde geben, als daß Unschuldigen das Recht auf Leben abgesprochen wird, daß es faktisch der Willkür der Mutter überlassen wird, ob sie ihr Kind im Mutterleibe töten lassen will oder nicht? Dann unterschied sich der Rechtsstaat vom Unrechtsstaat darin, daß in dem einen die Menschenrechte der Staat respektiert, der Unrechsstaat aber nicht. 

Aber dies Kriterium ist nicht ganz problemlos, denn genau genommen schränkt jeder Staat das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ein, der eine mehr, der andere weniger, nur daß dann im Prinzip jeder Staat ein Unrechtsstaat wäre. So herrscht zwar bei uns die Meinung vor, daß es in Rußland unter Putin fast gar keine Meinungsfreiheit, in Deutschland damit verglichen sehr viel gäbe, aber gegen diese landläufige Meinung steht, daß im heutigen Rußland wegen noch so skurriler Meinungsäußerungen über Stalin niemand zu Gefängnisstrafen verurteilt wird, bei uns aber wegen Meinungsäußerungen über Hitler sehr wohl Menschen eingesperrt werden können. 

Oder sollte geurteilt werden, daß ein Staat, wenn er demokratisch verfaßt ist, ein Rechtsstaat sei, wenn er dagegen nicht demokratisch verfaßt sei, ein Unrechtsstaat sei. Dann wäre die DDR Praxis des Tötens von Kindern im Mutterleibe unrechtsstaatlich, weil die DDR nichtdemokratisch war,die Abtreibungspraxis der BRD aber rechtsstaatlich, weil das Gesetz zur faktischen Erlaubtheit des Kindertötens im Mutterleibe demokratisch zu Stande gekommen war. Das ist nun wirklich absurd. Das Tötendürfen von Kindern im Mutterleibe ist auf jeden Fall ein Unrecht und ein Staat, der das erlaubt, ist dann wohl als Unrechtsstaat zu qualifizieren. Zudem ist auch nicht einsichtig, warum etwa jede Monarchie,bloß weil sie eben keine Demokratie ist, schon ein Unrechtsstaat sein soll. Oder soll ernsthaft gesagt werden, daß Deutschland unter Kaiser Wilhelm, dem I. und dem II. ein Unrechtsstaat gewesen sei, nur weil ein Kaiser Deutschland regierte. 

Am vulgärsten ist aber wohl die Meinung, daß ein Staat zu einem Unrechtsstaat wird allein dadurch,daß er Gesetze macht, die mir nicht gefallen oder die ich für ungut erachte.Nun verbindet sich diese Frage, ist das ein Rechtsstaat mit der, ob es einen legitimen Widerstand gegen diesen Staat geben dürfe oder gar geben müsse, wenn er wirklich ein Unrechtsstaat ist. Damit wird diese Frage sehr gefährlich, besonders wenn zur Abqualifizierung eines Staates zum Unrechtsstaat schon das Urteil reicht, daß er schlechte Gesetze mache, daß mir die Regierung nicht gefalle. 

So würde ich urteilen, daß ein Staat sehr wohl die Reise/Ausreisefreiheit seiner Bürger beschränken darf, wenn er davon ausgehen muß, daß eine unlimitierte Reisefreiheit sich schädlich für das Gemeinwohl auswirken würde, wenn etwa in einem armen Staat alle Gutausgebildeten das Land verließen, um woanders mehr Geld zu verdienen und sie so dem Staate fehlten. So eine Limitierung würde sicher vielen mißfallen, es wäre aber doch nur ein Anzeichen dafür, daß der so handelnde Staat um des Allgmeinwohles willen Individualrechte einschränkt. 

So schwierig ist die  Bestimmung, was einen Rechts- und einen Unrechtsstaat ausmacht! Es ist so erschreckend, wie oberflächlich diese Debatte geführt wird.         


 

Dienstag, 8. Oktober 2019

Zum Menschen:Freiheit und Glaube.....Irritierendes

"Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr?" frägt der Theologe Karl -Heinz Menke, Magnus Striet respondiert dieser Anfrage an seine Theologie mit seinem Buch: "Ernstfall Freiheit". Bevor ich auf diese Kontroverse eingehen werde, erlaube ich mir, Vorfragen zu dieser Doppelfrage zu stellen, weil leider zu oft auch in dem theologischen Diskurs die einfachen Elemenatria der Freiheitsthematik nicht geklärt werden, der Diskurs verbleibt im: Ungefähr wüsse man doch,was Freiheit sei.
Freiheit und Wahrheit- zwei sehr gehaltvolle Begriffe, wobei zumindest der philosophisch oder theologisch Gebildete  vielerlei spontan assoziiert, isb dann auch die Zentralfrage der Reformation nach Luther, die Frage nach dem freien Willen.
Zu unterscheiden ist zuvörderst zwischen der Willens- und der Handlungsfreiheit: Will ich das, was ich will, freiwillig? von der Frage: Kann ich das, was ich will, auch tuen?  Die Freiheit des Willens ist die Fähigkeit, zu jeder indikativischen Aussage: Das wollte ich! die konjunktivische zu setzen: Das hätte ich auch nicht wollen können! Die Freiheit des Willens ist so durch den Raum der Sprache gegeben, denn in ihr gibt es nicht nur indikativische sondern auch konjunktivische Aussagen. Da die Freiheit des Willens uns immer nur als das Bewußtsein von unserer Freiheit ist, ist der Konjunktiv das Bewußtsein unserer Freiheit. 
Die Handlungsfreiheit setzt nicht diese Freiheit des Willens voraus, sondern frägt nur danach, ob das von mir Gewollte ich auch verwirklichen kann. So könnte von einem Suchtkranken geurteilt werden, daß die Sucht ihn so sehr beherrscht, daß er gezwungenermaßen eine Droge konsumieren will, daß er so über keine Willensfreiheit mehr verfügt, daß er aber über die Handlungsfreiheit verfügt, den  Willen,Drogen zu konsumieren, zu verwirklichen. So wäre er einerseits unfrei und andererseits frei. Frei etwas wollen zu können, aber es nicht realisieren zu können, ist dem gegenüber eine weit häufiger vorkommende  Realität, etwa, daß ich mir etwas kaufen möchte, es aber nicht kann, weil mein Portemonnaie es nicht zuläßt. 
Dies kann als anthropologische Wahrheit des Menschen bezeichnet werden. Nur eine Kaprizierung auf das indikativische Denken und dem Vergessen des Konjunktives kann dies Freiheitsbewußtsein zum Verlöschen bringen. Es sei daran erinnert, daß der Mensch nicht einfach unmittelbar in der Welt lebt sondern daß seine Lebenswelt immer schon eine durch sein Denken vermitteltes sein in der Welt ist, ja, daß ihm die  Welt erst zu seiner Lebenswelt durch die  Sprache wird, durch die er seine Individuuaität  mit der Wirklichkeit vermittelt.
Aber in welcher Relation soll  nun diese Willens- und Handlungsfreiheit zur Wahrheit sich befinden?  Der schwierigste Begriff ist nun der Wahrheit, auch wenn es naheliegt, daß im theologischen Diskurs die Wahrheit gleichgesetzt wird mit Gott, bzw. Jesus Christus oder auch dem Glauben der Kirche.  
Zu unterscheiden wäre dann die Frage: Macht Gott als die Wahrheit uns Menschen frei oder der Glaube an Gott als die Wahrheit? Gehört die menschliche Freiheit zur Schöpfungsordnung Gottes oder ist sie ein Produkt der Erlösungsordnung, daß der Mensch erst durch das Erlösungswerk Jesu Christi befreit wird, wenn er dies gläubig für sich aneignet. Nun ist es offensichtlich, daß jeder Mensch über eine Handlungsfreiheit verfügt, die aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden groß ausfällt. Nur für Gott gilt, daß alles, was er will, er realisieren kann und daß er auch das, was er  nicht will, realisieren könnte.  Die menschliche Handlungsfreiheit ist so immer limitiert, weil der Mensch nicht allmächtig ist. Die Handlungsfreiheit ist so eine Frage meiner Macht: Wie mächtig ist der Mensch und wie unterschiedlich mächtig sind Menschen. So erfaßt Marquis de Sade die Handlungsfreiheit des Menschen adäquat, wenn er in seinen Romanen Gewaltherrscher als die wahrhaft freien Menschen schildert, weil sie(fast)alles realisieren können, was sie wollen, während der Sklave dazu den Gegenpol bildet, der unfrei ist, weil er fast nichts von dem, was er will, umsetzen kann. Aber das hat mit der Wahrheit überhaupt nichts zu tuen, wenn man die Erkenntnis der Wahrheit, oder den Glauben an die Wahrheit meint. Wenn nun aber auf Gott als den Schöpfer rekuriert wird, dann ist genau diese Freiheit die, mit der Gott den Menschen ausstattete als die Wahrheit.  
Anders sähe es auf, wenn die Frage der Handlungsfreiheit auf den postlapsarischen Menschen konzentriert würde: Besitzt der von der Erbsünde bestimmte Mensch die Handlungsfreiheit zu sündigen oder nicht zu sündigen? Nur, wenn diese Freiheit bestritten wird, ergibt die Aussage, daß durch den Glauben an Jesus Christus, die  offenbarte Wahrheit der Mensch wieder befreit wird zur Möglichkeit, nicht mehr zu sündigen, weil er nicht mehr sündigen muß. Das würde dann auch von der Willensfreiheit gelten, daß dann erst durch den Glauben an die Wahrheit der Wille des postlapsarischen Menschen zur Freiheit, nicht mehr sündigen  zu wollen, befreit wird. Daraus ergäbe sich dann ein Sinn für die Aussage,daß erst die Wahrheit, als erkannte und geglaubte den Menschen zur Freiheit befreie.
Was soll aber gedacht werden, daß erst die Freiheit, die des Wollens und der Handlungsfreiheit den Menschen wahr macht? Einsichtig ist die These, daß nur die Willensfreiheit das Wollen und das Tuen und Unterlassen des Menschen zu moralisch Qualifizierbarem macht. Wäre der Wille des Menschen determiniert,könnte der Mensch nicht in einem moralischen Sinne als Verantwortlicher für sein Wollen und Tuen beurteilt werden. So wäre er weder straf- noch lohnwürdig.  Es könnte so nur geurteilt werden, daß der Mensch wahrhaftig nur will und handelt, wenn er freiwillig handelt. Die Wahrheit des Menschen wäre so sein freies Wollen, etwas zu wollen, von dém  er aussagen kann, daß er das Gewollte auch nicht hätte wollen können.Die Willensfreiheit verhält sich zu den Grundordnungen  der  theoretischen Vernunft: Was ist wahr? der praktischen Vernunft: Was soll sein? und derästhetischen: Was ist das Schöne bzw. Erhabene? völlig indiffferent. Der freie Wille kann ja das Wahre wie das Unwahre, das Gute wie das Böse,das Schöne wie das Häßliche wollen,das ist seine wirkliche Freiheit. Dieser Tiefe hat der Radicalaufklärer Marquise de Sade grundlegend durchdacht und das qualifiziert ihn wirklich zu dem Freiheitsdenker schlechthin. Und durch seine Einsicht, daß es keine Handlungsfreiheit ohne Macht gibt, weist er den engen Zusammenhang von der Freiheit und der Macht auf.
Nach Kant hebt erst die praktische Vernunft diese Freiheit auf, indem sie in der Erkenntnis des kategorischen Imperatives den Willen die Möglichkeit zum heiligen Willen aufzeigt, aber der freie Wille des Menschen kann Nein sagen dazu, heiliger Wille werden zu wollen.Die Gebote Gottes sagen nun dem Willen, was und wie er zu wollen hat. Das ist rein formal gesehen eine Limitierung der Willensfreiheit, oder mit N. Luhmann gesagt eine Möglichkeit der Kontingenzbewältigung: So vieles könnte ich wollen, wie finde ich zu einer Entscheidung, was ich wollen will? Aber bloß weil etwas frei gewollt wird, ist das Gewollte ja noch nicht etwas Wahres, denn auch das Böse, das gewollt wird, ist ja nur etwas Böses, wenn und weil es freiwillig gewollt wird. Es könnte dann nur gesagt werden, daß erst durch die Freiwilligkeit das Wollen und Tuen des Menschen zu einem wahrhaft menschlichem Wollen wird. Er kann sich zum Heiligen oder zum Massenmörder entwerfen, beides sind wahrhaft menschliche Selbstbestimmungen, nur daß das Gesetz Gottes die eine Selbstbesimmung als gut und die andere als böse be- und verurteilt als menschliche Möglichkeiten des Menschen.  

Verdankt sich das Freiheitsbewußsein dem Imperativ (Kant): Der Imperativ: Du sollst! sagt mir erst, daß ich das Gesollte freiwillig kann, wenn ich respondieren kann: Ich kann das Gesollte wollen, ich könnte es aber auch nicht können wollen. Denn sonst funktinierte ich nur auf einen Eingabebefehl hin. Die menschliche Freiheit ist also im konjunktivischen Denken.  

Montag, 7. Oktober 2019

Geschlechtergerechtigkeit- eine neue Kampfparole

Was meint Geschlechtergerechtigkeit nicht? Wenn ein Mann, weil er unbedingt ein Geld sich dazuverdienen möchte , sich als Raumkosmetiker bewirbt und er abgelehnt wird, weil nun mal nur Frauen "putzen" können, dann ist das kein Verstoß gegen die Geschlechtergerechtigkeit. Denn es gibt nun mal Arbeiten, die Frauen von Natur aus besser können. Das gilt auch für den Beruf der Kindergärtnerin und andere. Und überhaupt, setzt sich nicht jeder Mann, der heutzutage in einem Kindergarten arbeiten möchte, dem Verdacht pädophiler Neigungen aus und kann schon deshalb nicht einestellt werden?  
Was meint denn dann die Geschlechtergerechtigkeit? Ganz einfach: Wenn in Führungspositionen mit gutem Geldverdienst und entsprechendem Sozialprestige verbundenen die Mehrheit Männer stellen und Frauen so unterpräsentiert sind. Arbeitsplätze gibt es viele, aber die gut bezahlten sind rar. Hier gilt dann,  daß es für viele Bewerber nur wenige Stellen gibt. Oder anders formuliert: Jeder möchte gern in der 1.Reihe sitzen, einen Sonnenplatz einnehmen, da wohnen, wo Honig und Milch für ihn überreich fließen, aber diese so begehrten Güter sind rar. (Sie werden ja auch nur erstrebt, weil sie rar sind.)
Hieraus entspringt nun eine Verdachtskultur, daß Männer, nur weil sie Männer sind, diese von allen begehrten Plätze einnehmen und daß die Frauen von ihnen ausgeschlossen seien, nur weil sie Frauen seien. Die faktische Besetzung der Führungspositionen habe so wenig mit der Leistungsfähigkeit zu tuen, sondern sei eben ein Männerprivileg. Die Parole der Geschlechtergerechtigkeit ist somit einfach die Forderung,daß nun  Frauen mehr Führungspositionen zustehen, die von ihnen, weil circa 50 Prozent der Menschen Frauen sind, auch zu 50 Prozent zustehen.  Wenn also in einem 10 köpfigen Vorstand 5 Männer schon tätig sind, müssen die restlichen 5 von Frauen besetzt werden.Wenn nun für diese restlichen 5 Vorstandsposten 5 dazu qualifizierte Männer bewerben, dann dürfen sie nicht in die Vorstandsschaft aufgenommen werden, weil die restlichen eben für Frauen reserviert sind. Das genau ist praktizierte Geschlechtergerechtigkeit. Einfacher formuliert: Im Konkurenzkampf um die Sonnenplätze des Lebens verlangen Frauen männlichen Konkurenten gegenüber einen ihnen zuzubilligenden Konkurenzvorteil, daß sie, weil und nur weil sie Frauen sind, einen Anspruch auf die Hälfte der begehrten Sitze haben. 
Tiefgründiger verbirgt sich hier der Glaube an die Gleichheit aller Menschen, sodaß im Prinzip jeder für Alles gleich gut geeignet sei,und daß so die Vergabe an die einen und die Nichtvergabe an andere immer ein Resultat einer unberechtigten Bevorzugung sei. Bisher hätten Männer dies Privileg genossen zu Lasten der Frauen, jetzt müsse dem ein Ende gesetzt werden durch die Einführung von Quoten,daß im Idealfalle alle von vielen begehrten Positionen zu 50 Prozent von Frauen zu besetzen seien.  
Einfacher gesagt: Die Forderung nach einer Geschlechtergerechtigkeit ist nur der Wille von Frauen, im Konkurrenzkampf ob ihres Frauseins bevorzugt zu werden, denn bis jetzt gäbe es ein Zuviel an Männern in Führungspositionen. Dem entspricht es, daß Niemand von einem Mangel an Geschlechtergerechtigkeit spricht, wenn es Berufssparten gibt, in denen die Frauen privilegiert werden, daß es etwa fast nur noch Lehrerin in den unteren Schulklassen und selbstverständlich in Kindergärten gibt.
Weil die begehrten Güter- zumindest bis heute in der Geschichte der Menschheit - immer rar waren und sind, daß es mehr Begehrer als Objekte der Begierde gab und gibt, ist der Konkurenzkampf um diese Güter ein Konstitutivum der Geschichte. Privilegien zum Zugang dieser Güter galten und gelten so den Zukurzgekommenden stets als ewas Ungerechtes, aber doch nur, um sich selbst einen privilegierten Zugang zu diesen Gütern zu verschaffen. Verschuf einst der Adelstitel den Zugang zu den begehrten Gütern, so ersetzt die bürgerliche Gesellschaft daß durch das Ideal der Käuflichkeit von Allem, sodaß der Blutadel mit seinen Privilegien durch den Geldadel, die Plutokratie ersetzt wurde. In einer Massengesellschaft, in der fast Alles für Alle  habbar ist, wird so die Suche nach privilegierten Zugängen zu besonderen Gütern immer schwieriger, bis auf die ungleiche Verteilung der Kaufkraft, die unterschiedliche Zugänge zu den Gütern der Welt  verschafft.
Die Parole der Geschlechtergerechtigkeit impliziert so auch, daß noch nicht alle Güter ausschließlich gemäß der differenten Kaufkraft zugänglich sind, sondern daß es noch Männerprivilegien gäbe. Die sollen nun aber abgeschafft werden durch einen privilegierten Zugang von Frauen zu den begehrten Plätzen an der Sonne, weil sich auf ihnen schon so viele Männer tummeln. 
Mit Gerechtigkeit hat all dies wenig zu tuen, denn hier sehen wir nur Kampfparolen, mit denen Privilegien in den Verteilungskämpfen um knappe Güter erstritten werden sollen, verbunden mit dem Verdacht, daß die jetzt Erfolgreichen unrechtens erfolgreich sind,daß sie es nicht ihrer Leistung verdienen.
Applizierte man die Parole der Geschlechtergerechtigkeit auf den Raum der Literaturkritik, hieße das, daß die allseits anerkannten Schriftsteller von Goethe bis Thomas Mann nur anerkannt werden, weil sie auch Männer sind, wohingegen die gleichwertigen Werke von Frauen, nur weil sie von Frauen verfaßt worden sind, nicht anerkannt werden, ja nicht mal bekannt wurden. So würden eben die Werke von Hedwig Courths-Mahler nicht wie die von Thomas Mann anerkannt,nur weil sie von einer Frau geschriebene Romane für Frauen seien, während ein Kriegsroman, wie: Stahlgewitter von Ernst Jünger anerkannt wird, weil er als Kriegsroman reine Männerliteratur sei.        

Sonntag, 6. Oktober 2019

Der Kampf um Rom- fällt nun die Römisch-Katholische Kirche?

Überblickt man die Berichte um den Kampf um Rom auf der offiziell inoffiziellen Internetseite der Katholischen Bischofskonferenz, dann scheint die Schlacht um Rom schon geschlagen zu sein. Im Namen der Ökumene wurden alle theologischen Differenzen zwischen katholisch und evangelisch als unwesentlich betrachtet,nur noch relevant für Dogmenhistoriker und Nostalgiker. Es seien eben nur Lehrdifferenzen über Fragen, die genau genommen heute auch keinen Gläubigen (=Kirchenmitglied) mehr interessieren, zumal sie sowieso  nur Theologen verstünden. Wenn es dann noch relevante Differenzen gäbe, dann nur noch bei den kirchlichen Ämtern, daß die Katholiken keine weiblichen Pfarrer haben und die Priester zu einem zölibatären Leben zwängen. Ach ja, und noch ein paar obskurantistische Moralvorstellungen der Katholischen Kirche, wie ihr Nein zur Abtreibung, zur Homosexualität und daß sie Ehen für nicht scheidbar hält, die die ökumenische  Einheit stören.

Aber nun soll diesem katholischen Restbestand sein wohlverdientes Ende finden. Hier die Jubelmeldungen auf Katholisch de von nur 2 Tagen

1.Kohlgraf: Einwände gegen Frauenweihe überzeugen vielfach nicht. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kann die Aktivisten von "Maria 2.0" verstehen: Auch er findet die Einwände gegen die Frauenweihe meist nicht überzeugend.  (5.10.2019)

2.Theologe Kruip: Menschen am Amazonas wollen verheiratete Priester. Man dürfe die Amazonas-Synode nicht nur aus deutscher Perspektive betrachten, warnt der Sozialethiker Gerhard Kruip. Doch der Zölibat sei auch am Amazonas ein großes Thema. Und das hat einen Grund. (4.10.2019)

3. Seewald: Ohne Mut wird "synodaler Weg" zum Desaster. Wird der "synodale Weg" ein Erfolg? Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald ist skeptisch. Es bestehe die Gefahr, dass sich eine laute Minderheit durchsetze. Die "Spielregeln" aus Rom sind für Seewald unterdessen "Teil des Problems, nicht Teil der Lösung". (4.10.2019)

4. Fürst will sich beim "synodalen Weg" für Diakoninnenweihe einsetzen Für den Rottenburger Bischof Gebhard Fürst sind Diakoninnen ein "Zeichen der Zeit". Deshalb will er dieses Anliegen in den "synodalen Weg" mitnehmen.  (4.10.20199

Dem hierarischen Amt der Kirche wird so der Kampf angesagt. Seewald sieht zwar noch ein paar Verteidiger des katholischen Glaubens, die er aber als laute Minderheit abqualifiziert. Als bekennender Demokrat insistiert er eben natürlich darauf, daß eine Minderheit, weil sie eine Minderheitsmeinung vertritt, im Unrecht ist, denn wahr ist nur das, was die Mehrheit meint, weil sie es meint. Als "Spielregel aus Rom"diffamiert diese Theologe dann die Aufforderung Roms, in Lehrfragen des Glaubens mit Rom übereinstimmen zu haben. Nein, der synodale Weg gibt sich eben die Vollmacht, ganz neue Wege zu gehen, bzw. präziser, endlich die Luthernachfolge anzutreten, die Katholische Kirche zu verprotestantsieren. 

Das wichtigste Argument der modernen Bischöfe ist eben, daß die Menschen das so wollen. Der Theologe Kruip macht das deutlich: Zeitgenössische Theologie frägt danach, was denn die Menschen für eine Kirche und was für eine Theologie sie haben wollen. Die Demoskopie und die Kunst einer im marktwirtschaftlichen Geiste durchgeführten Konsumentenbefragung, das und nichts anderes sind die Methoden zeitgenössischer Theologie, die die Bischöfe in den Stand versetzt, angemessene Reformen der Kirche durchzusetzen: Das Volk will das so, denn es gilt: Vox populi= vox Dei, und was will das Volk? Das, was der herrschende Zeitgeist ihm eingibt. Die Zeit diktiert der Kirche, was sie zu tuen und was sie zu unterlassen hat. 

Allerdings zählt nicht jede Volksstimme! Dem Populismus zu widerstehen, gehört nämlich zur höchsten Tugend. Zur Klarstellung: Auf Maria 2.0. zu hören, ist kein Populismus, denn aus dieser antikatholischen Aktivität spricht ja der Geist der politischen Korrektheit, wohingegen alles, was des Volkés Stimme an politisch nicht Korrektem von sich gibt, auf keinen Fall von der Kirche beachtet werden darf, denn das wäre populistisch. Aber davor ist der synodale Weg und die Amazonassynode gefeit, weil doch nur politisch Korrekte da zu Worte kommen, oder sollten doch ein paar katholische Nostalgiker miteingeladen werden, damit man nicht 100 prozentige Zustimmung für das Deformprogramm der Kirche einfährt, selbst die Zustimmungswahlergebnisse der Wahlen der DDR dann noch übertreffend!  Aber es soll eben die protestantische Einheitskirche auf den Weg gebracht werden, in der alle theologischen Wahrheiten im Einerleigrau untergehen sollen. Der "Herdenthiermensch" (Nietzsche) will eben keine Wahrheit sondern nur Brot und Spiele, er will unterhalten werden.

Samstag, 5. Oktober 2019

Kampf der Familie oder das Scheitern des 1. Großversuches der Befreiung der Frau von der Familie

Daß die Ordnung der Familie die Frau unterdrücke, gehört zu den klassischen Thesen des Feminismus. Weniger bekannt ist, daß die russische Revolution unter der Führung von Lenin ein sehr offenes Ohr für feministische Anliegen hatte. So legalisierte das sozialistische Rußland als erster Staat der Welt die Abtreibung, das Recht der Frau, ihre eigenen Kinder im Mutterleibe töten lassen zu dürfen. Aber diese Maßnahme stand nicht allein: Um die Frau aus der Ordnung der Ehe zu befreien wurde  die Berufstätigkeit der Frau energisch gefördert. Damit sie wie ein Mann arbeiten könne, sollte dann die Aufzucht der Kinder und ihre Erziehung weitestgehend verstaatlicht werden. 
Im "Idealfall" hätte die Mutter ihr Kind gleich nach der Entbindung abgeben sollen, damit sie dann ganz frei vom eigenen Kind arbeiten gehen kann. Ja, es wird kolportiert, daß es Wohnungsbaupläne gegeben haben soll, in der Wohnungen ohne eine Küche vorgesehen waren, damit die Hausarbeit für die Frau entfalle, weil nun in allen Betrieben Werkskantinen zu errichten waren, die die dort Arbeitenden ernährten. Der Staat soll so so weit es geht, die Mutter ersetzen,damit sie ihr Leben ganz dem Arbeitsleben widmen könne. Galt einst als die Lebenssphäre der Frau die Trias von den drei Ks:Kinder,Küche, Kirche,so wollte dieser sozialistische Feminismus dem sein verdientes Ende bereiten. Auch die Frau sollte nur noch als Arbeitsmaschine funktionieren. Soweit die leninistische Phase des Aufbaues des Sozialismus in Rußland.
Aber dann wurde das Ruder radical umgerissen. Stalin, der so lange er sich im Nachfolgekampf Lenins noch nicht durchgesetzt hatte, sich als treueste Leninschüler inzenierte, brachte die Wende, auch gerade indem er sich faktisch von Lenin abwandte. Er behandelte ihn eben wie einen toten Klassiker, den man in Sonntagsreden feiert, um Werktags ganz andere Wege zu beschreiten.Die Familie entdeckte Stalin neu als den Grundbaustein auch der sozialistischen Gesellschaft.
1. Stalin verbot die Abtreibung.
2. Er erschwerte wieder die Möglichkeit der Scheidung zum Schutz der Famillie
3. Er rehabiliterte die Mutter als die erste Erziehern der Kinder- so sozialistischen Helden sollten die 
    Mütter gar ihre Kinder erziehen.
4. Die Mutterschaft wurde energisch gefördert, eben auch durch Mutterschaftsorden, für 10 Kinder 
    den größten Orden.
Hält man sich dies Familienprogramm vor Augen, so ein "reaktionäres" hätte sich kein Conservativer in Europa zugetraut, nur der Revolutionär Stalin. Eine fundierte Kritik dieser Wende in der Familienpolitik aus links-feministscher Sicht ist unter: "Sowjetunion 1921-1939- von Lenin zu Stalin-Teil 1 www.mks.de>files (Kommunistischer Bund) nachlesbar. Aus trotzkistischer Sicht ist diese Wende leicht erklärbar, daß an Stelle des Weltrevolutionärs Lenin ein nationalkommunistischer Stalin trat, der den Sozialismus nur noch im eigenen Lande aufbauen wollte, gar patriotistisch wurde: (die Rede Stalins vom großen vaterländischen Krieg gegen den Faschismus Deutschlands) und der so auch die Ordnung der Familie repristinierte. Zudem habe der Staat sich in derAufbauphase auch noch als überfordert gesehen, vollständig die Familie zu ersetzen. (So versimplifiziert der große Gegenspieler Stalins, Trotzki.)
Aber ist das auch so wahr? Eine Alternativsicht:Solange die Kommunisten noch die alte Ordnung zerstören wollten, propagierten sie in detruktiver Intention gerade die Zerstörung der Familie. Zur Macht gekommen, nach einer kurzen Phase revolutionären Experimentierens (Lenin an der Macht) mußte diese Destruktionspolitik aufgegeben werden, weil keine Gesellschaft dauerhaft überlebensfähig ist ohne die Kultur der Familie. Wo also  revolutionäre Kommunisten konstruktiv werden mußten, da beenden sie bald die Anti-Familienpolitik durch eine faktisch fast schon reaktionär zu bezeichnende Familienpolitik. Es ist wohl ein Strukturgesetz jeder erfolgreichen Revolution, daß sie auf ihrem Gipfel angekommen conservativ werden muß, wenn sie anfängt aufzubauen, statt revolutionär destruktiv zu wirken.
Jetzt erleben und erleiden wir den 2.Großversuch der Abschaffung der Ordnung der Familie im Namen des Feminismuses und des Kapitalismuses, der in der Ordnung der Familie ein Hindernis seines Expansionswillens sieht, der Globalisierung, daß durch die Ordnung der Familie die Frauen eben nicht hundertprozentig der Wirtschaft als frei verfügbare Arbeitskraft zur Verfügung stehen. Der Feminismus deutet  dabei diese hundertprozentige Verfügbarkeit für die Wirtschaft als die Emanzipation der  Frau von ihrer traditionellen Rolle als Familienmutter, und befürwortet so diese Indienstnahme, denn der Mensch, auch die Frau ist für die Wirtschaft da.
Wird auch dieser scheitern? Oder scheitert an diesem Experiment der freie Westen, der sich so zu Grunde richtet?   


   
 

Freitag, 4. Oktober 2019

Dekadenz- Feminismus-Genderismus und sonstg Abstruses

Spontan würde wohl jeder zustimmen, daß jeder sich selbst liebt, also sein Leben, daß er lebt bejaht, nur daß dann die Sebstliebe nicht zur Bejahung des Anderen führt:Die Welt leidet eben am Egozentrismus,daß die Meisten, nur sich selbst liebend alle anderen nur nutzen,ja ausnutzen wollen zum Eigennutz, oder sie einfach dem Egozentriker gleichgültig sind. Aber die Selbstbejahung sei eine Selbstverständlichkeit. 
Probleme bekommt diese Meinung nun mit dem Phänomen des Freitodes, daß da wer Nein sagt zu seinem Leben und es beendet. Da dies inkompatibel ist mit der Meinung einer allgemeinen Lebensbejahung, daß zumindest jeder selbst leben will, nur daß er dann anderen das Recht auf Leben absprechen kann, muß der Freitod umgedeutet werden: 
a) daß es ihn gar nicht gäbe, denn der Selbstmörder  handle nie freiwillig, er würde zu dieser Tat ge-
    trieben und 
b) sei jeder Freitod in Wirklichkeit ein Hilferuf : Rettet mich, sodaß der Tod ungewollt eintritt, weil 
    keiner zur Rettung kam.
Aber Zweifel sind erlaubt, nicht nur ob des Schülerwitzes im Religionsunterrichtes: Ich soll meinen Nächsten lieben wie mich selbst- nichts leichter als das, wo ich mich selbst doch so wenig liebe. Im Bereich der Religionen sind die drei Religionen des Christentumes, die jüdische und die muslimische lebensbejahende. Sie verkünden die Erlösung des Lebens, daß wir jetzt noch nicht wahrhaft leben, daß uns aber das wahre Leben als jenseitiges verheißen ist, der Buddhismus dagegen eine lebensverneinde, denn er verkündigt die Erlösung vom Leben. Erlösung ist die Überwindung des Lebenswillens, das Eröschen der Lebensgier im Nirvana und daß so die Heiligung in der Abtötung des Lebenswillens, der Lebensgier besteht.
Der große Philosoph Schopenhauer implantierte durch seine "pessimistische" Philosophie dieses Erlösungsverständnis in den europäischen Dikurs über das Leben. "Lohnt sich das Leben überhaupt?" war so keine rhetorische Frage mehr, es wurde ernst. So konnte Camus diese Frage als die Frage der Philosophie bestimmen: Ist der Freitod dem Leben vorzuziehen?
Dieser Lebenspessimisus, wäre das Nichtsein dem Sein nicht vorzuziehen? bildet das philosophische Fundament der Dekadenz. Kulturen in der Phase der Dekadenz reflektieren so über ihren Lebenswert: Soll es uns noch weiter geben? Es ist die Frage alt gewordener Kulturen und Völker, nicht lebenssatt sondern eher des Lebens überdrüssig, denen der Wille zum Leben schwindet: Es ist genug, wir wollen nicht mehr, wir wollen abtreten.Auch noch so gutes Brot und raffiniert inzenierte Spiele langweilen nur noch. Zu diesem typischen Phänomen der Langeweile tritt eine Hypermoralisierung.Nietzsche beschreibt das so (Jenseits von Gut und Böse, 259):
"Leben selbst ist wesentlich Aneignung,Verletzung, Überwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung ,Härte,Aufzwängung eigner Formen, Einverleibung und mindestens,mildestens Ausbeutung". Der "Wille zur Verneinung des Lebens" speist sich nun aus der moralischen Verurteilung dieser Härte des Lebens: Wenn das Leben so ist, dann wäre es besser nicht. 
Die Lebensverneinung kann nun indviduell im Freitod oder kollektiv als Nein zu allem Leben gestaltet werden.Und damit stehen wir nicht nur mitten in unserer postmodernen Kultur, sondern erblicken die Tiefenschicht dieses Phänomens, daß der Mensch des freien Westens sein Nein zum Leben spricht. Die Schwächung des Lebenswillens bis hin zum Verneinen des Lebens, das ist die Dekadenz unserer Zeit. 
Spezifische Manifestationen dieser Dekadenz sind so der Feminismus, besonders jetzt in der Ausformung der Genderideologie, die Homosexbewegung aber auch der Vegetarismus und die Multikultiideologie. Bei der Homosexbewegung ist dies am offensichtlichsten: In ihrem Nein zur Fortpflanzung, sie wollen nur Sex, der jede Fortpflanzung verunmöglicht, sagt diese Bewegung ihr Nein zum Leben. Für den Feminismus ist dies ebenso offensichtlich: Ihr erfolgreicher Kampf für das Recht der Mutter, ihr eigenes Kind im Mutterleibe töten zu lassen, ist der Triumph der Lebensverneinung, denn zur Lebensbejahung gehört  das Ja zu eigenen Kindern.
Im Vegetarismus wird dagegen das Grundgesetz des Lebens verneint, daß Tiere und Menschen nur leben können, wenn sie anderes Leben töten. Es ist eine hypermoralische Empfindsamkeit gegen dies Grundgesetz des Lebens. Die Selbsttäuschung der vegetaristischen Ideologie besteht nun darin, daß im Verzicht auf das Töten tierischen Lebens das Töten des pflanzlichen Lebens ausgeblendet wird.Der Mensch kann nur leben, indem er tötet, das gehört eben zu den nichtakzptierten Einsichten der Lebensbejahung Nietzsches.
Eine besondere Form der Lebensverneinung stellt nun der Multikulturalismus dar: Er sagt Nein zum eigenen Leben, dem des deutschen Volkes, dem der europäischen Völker. Der jetzt noch den alt und dekadent gewordenen Völkern eigene Lebensraum soll den jungen dynamischen Völkern überlassen werden, die nun in der Gestalt der Masseneinwanderung von Flüchtlingen sich hier einen neuen Lebensraum erobern und erobern können, weil die Eliten der Völker Europas ihre eigenen Völker aufgegeben haben: Wir sind nur noch da, um Platz zu schaffen für die Fremden, die unser Land in Besitz nehmen werden, wenn wir abtreten. 
Hier spielt der Hypermoralismus eine große Rolle, daß die Beziehungen der europäischen Völker und der Amerikas einseitig als eine Schuldgeschichte interpretiert wird, daß der "Weiße Mann"  an allem Elend der Welt schuld sei und so abzutreten habe. 
Das Leben ist dem Dekadenten zu hart geworden, er will seines Lebens Ende, auch wenn er dabei irritiert auf  die Vitaliät anderer außereuropäischer Völker schaut, die all das sind, was er in seiner Sturm-und Drangzeit auch mal war:lebensbejahend. Der Kontrast zwischen dem sich revitalisierenden Islam- für die Türkei als Hoffnung auf ein neues Osmanisches Reich- und der absterbenden christlichen Religion in Europa und Amerika ist dafür die bezeichnendste Manifestation.  

Zusätze:
Die Ideologie des Multikulturalismus zerstört so die Immunsysteme der Völker Europas, sodaß sie Fremde aufnehmen bis zu ihrem eigenen Volkstod.
Der Genderismus will die Grundlage des menschlichen Lebens zerstören, indem sie die Polarität der Geschlechter einebnen will, daß es im Idealfall nur noch Menschen und keine Frauen und Männer mehr geben soll.  
Der Feminismus als Nein zum Leben ist dabei die radicalste und erfolgreichste Bewegung der Lebensverneinung, denn durch das Töten der Kinder im Mutterleibe wird die Zukunft des Menschen getötet. 
Der italienische Faschismus (Mussolini) stellte den Versuch da, Italien aus der Dekadenz herauszuführen, aus Italienern wieder Römer zu machen als Neugeburt eines Römischen Reiches. Der Versuch der Türkei,ähnlich dem des italienischen Faschismus scheint erfolgsversprechender zu sein, stützt er sich doch auf den sich revitalisierenden Islam. Die einst als "kranker Mann am Bosperus" gespöttelte Türkei  trotzt jetzt ja schon vor Kraft. Die aktuelle Meldung: Wegen des Kreuzes: Türkische Polizei beschlagnahmt Fanfahnen des Gladbacher Fußballvereins bei einem Auswärtsspiel (Junge Freiheit vom 4.10.2019), zeigt, wie machtbewußt dieser islamische Staat gegen christliche Symbole vorgeht, selbst wenn sie wohl von vielen Fußballfans gar nicht mehr so verstanden werden. Starke kennen gegenüber dekadent Gewordenen keine Toleranz.