Dienstag, 3. August 2021

Papst Benedikt XVI emeritus fulminante Kirchenkritik: „Viele in der kirchlichen Sozialarbeit »verdunkeln« den Glauben“


Diese harte Kirchenkritik wurde, wie zu erwarten war, kaum rezipiert.“Die Kirche ist in Deutschland durch ihre sozialen Einrichtungen präsent – zum Nachteil des Glaubens, der in den Hintergrund tritt.“ (Freie Welt am 1.8.2021)


Die Kirche ist in Deutschland kaum mehr durch ihre Kirchen und Gottesdienste, sondern ganz zuerst durch ihre sozialen Einrichtungen präsent: Kindergärten, Schulen, aber vor allem Diakonie und speziell die Caritas. Doch was wie die Verwirklichung christlicher Nächstenliebe und damit eines Grundpfeilers christlichen Glauben erscheint, hat mittlerweile ganz andere Züge erhalten und seinen Bezug zum wirklichen Glauben im Sinne der Katholischen Kirche an vielen Stellen völlig verloren.


Damit ist präzise das Phänomen der Selbstsäkularisation der Katholischen Kirche beschrieben, ein Phänomen, das gleichermaßen den heutigen Protestantismus auszeichnet. So sieht der heutige Protestantismus aus:


Jesus als sozialistischer Vorarbeiter, der die sozialen Normen hochschraubt und selber übererfüllt ? – Von den Realitäten ist das nicht weit entfernt. Die Diakonie ist zum Zweig der Hilfsindustrie heruntergekommen; die Kirche ist noch bestenfalls die »Hintergrundorganisation der Diakonie«, resümiert der Theologe Ulrich Körtner.“ (Freie Welt, 1.8.2021).

Dies Resümee trifft leider so auch auf die gegenwärtige Katholische Kirche zumindest im deutschsprachigen Raume zu. Die offenkundige Tendenz der Reformdiskussion innerhalb des deutschen Katholizismus, sich an dem Protestantismus zu orientieren und die Zukunft der Kirche in ihrer Selbstverprotestantisierung zu sehen, verlangt nun einen präziseren Blick auf den jetzigen Protestantismus:

In der Evangelischen Kirche ist man auf diesem Weg sogar noch weiter. Grundsätzliche Glaubensfragen spielen praktisch keine Rolle mehr. Die Kirche ist dabei, zur Sozialeinrichtung zu verkommen, der Pastor übernimmt die Rolle des Psychologen oder Paarberaters.“ (Freie Welt). So findet sich in einem aktuell in der EKD diskutierten Papier zur Zukunft der Kirche zwar ein Kapitel über die Digitalisierung aber keines über die Auferstehung! Das ist also faktisch die Zukunftsperspektive nicht nur der EKD sondern auch die der Katholischen Kirche zumindest im deutschsprachigen Raume.

Aber Benedikts Kritik: (es) „wirken viele Personen an entscheidenden Stellen mit, die den inneren Auftrag der Kirche nicht mittragen«, greift dann doch zu kurz. Hier zeigen sich die Grenzen eines in der philosophischen Tradition des personalistischen Denkens beheimateter Analyse des Problemes der Selbstsäkularisation der Kirche auf. Warum konnten denn so viele den „inneren Auftrag der Kirche“ Nichtmittragende Mitarbeiter der Caritas werden?

Die desillusionierende Antwort lautet, daß ob der internen Ausdifferenzierung sich das Subsystem der Caritas so weit von der christlichen Religion emanzipiert hat, daß für das Funktionieren dieses Subsystemes der christliche Religion faktisch überflüssig geworden ist. Sie kann höchstens noch als zusätzliche Motivation der dort Arbeitenden präsent sein, die praktische Arbeit unterscheidet sich aber in nichts mehr von dem Wirken rein weltlicher Träger der Sozialarbeit. Einfacher gesagt: Die Seniorenbereuung in einem Pflegeheim der Caritas unterscheidet sich in nichts von der der „Arbeiterwohlfahrt“, denn alle weltanschauliche, ideologische oder religiöse Differenzen haben ihre Bedeutung verloren angesichts des Primates des Gutfunktionierens. Ein christlicher Arzt operiert nun mal einen Beinbruch nicht anders als ein atheistischer Arzt.

Das faktische Überflüssigwerden des christlichen Glaubens für die Praxis der Caritas ist so die Erstursache der Selbstsäkularisation der Caritas. Aber dies Phänomen ist doch noch komplexer: Wie kommt es denn, daß faktisch so vielen Getauften, die nominell so als Christen gelten, der Glaube der Kirche (fast) gleichgültig ist und die dann irgendeinen Privatglauben wohl vorweisen können, der aber kaum noch etwas mit der Substanz der christlichen Religion gemein hat? „Verdunkeln“ diese wirklich den Glauben, oder manifestiert sich in ihnen nicht eher das Phänomen der Verschwindens und Verdunstens der christlichen Religion in der heutigen Postmoderne?

Anders gefragt: Wo ist denn der Katholische Glaube etwa auf dem „Synodalen Irrweg“ als lebendiger erkennbar oder wo noch in bischöflichen Stellungnahmen aktuell etwa zur Coronaseuche? Manifestiert sich nicht etwa nur wie bei der Spitze eines Eisberges die Glaubensverdunstung in der ganzen Kirche in der Caritas?

Wer auf die universitäre Katholische Theologie schaut, wer kann da noch eine wirklich Katholische Theologie wahrnehmen - wird an den Universitäten nicht alles nur nicht der Glaube der Kirche gelehrt? Was lehren dann die dort ausgebildeten Religionslehrer an den Schulen und was an christlicher Religion wird noch in der kirchlichen Jugendarbeit vermittelt? Es sei an den BDKJ erinnert, eine Organisation die im Punkto der Selbstsäkularisation der Caritas gewiß in nichts nachsteht.

Die von Papst Benedikt emeritus konstatierte Selbstsekularisierung der Caritas ist eben leider kein rein spezifisches Problem der Caritas, denn neben der Tendenz zur innerkirchlichen funktionalen Ausdifferenzierung, die Subsysteme in der Kirche entstehen lassen, in denen der christliche Glaube für das faktische Funktionieren überflüssig ist, ist doch die Haupttendenz die, daß in der ganzen Kirche der Glaube der Kirche sich verflüchtigt und durch wie auch immer gearteten Privatglauben ersetzt wird, in dem oft nur noch rudimentär spezifisch Katholisches lebendig ist.



Zusatz:

Die Caritas Deutschland wählt in Bälde einen neuen Vorsitzenden. 3 Kandidaten stehen zur Auswahl- (Kath de 3.8.2021). Da eine der Dreien eine Frau ist, ist wohl anzunehmen, daß sie ob des Frauenbonus die Wahl gewinnen wird. So charakterisiert nun Kath de diese 3 Kandidaten:

Christian Hermes, Priester: „Er versteht die Caritas als "bunte und diverse Organisation, die nicht hierarchisch funktioniert". „Der Stuttgarter Stadtdekan will als Präsident die "Vision einer gerechten und solidarischen Gesellschaft" vertreten, die ökonomisch erfolgreich und ökologisch zukunftsgewandt sein soll.“ Wenn er nicht gewählt werden sollte, könnte er sich auch als Kandidat für den Parteivorsitz der“Grünen“ ob dieser Gesinnung aufstellen lassen, zumal er sich auch leidenschaftlich gegen Rechts und die AfD engagiert.

Der zweite Kandidat ist der Theologe Leineweber: „Eine wichtige Aufgabe für die Caritas sieht er künftig darin, die Stimme für Vielfalt zu erheben und Mut zu zeigen, gegen jede Art von Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung einzutreten.“ Also er plädiert für die Ausgrenzung aller politisch nicht korrekt Gesinnten.

Die 3. Kandidatin, die m.E. die Wahl gewinnen wird ob ihres Frauenbonus: „Als große Herausforderung bezeichnet sie es, den Kampf gegen den Klimawandel sozialgerecht zu führen.“ Besonders qualifiziert ist diese Kandidatin, da sie als Mitglied der Vorstandschaft der Gewerkschaft „Verdi“ schon für die Frauenemanzipation kämpfte.

Aber: Sind die Themen dieser 3 Kandidaten nicht auch genau die Themen, die den Diskurs der Katholischen Kirche heutzutage bestimmen, sind so diese 3 nicht ein getreues Abbild der Kirche, so wie sie heute ist?





 

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